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	<title>Werner Hoyer &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Werner Hoyer &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Einen EU-Außenminister halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er nicht im luftleeren Raum schweben&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
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		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Hoyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner 
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher, 
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner<br />
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher,<br />
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter<br />
Herr Hoyer! Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger<br />
Gast in Berlin ist der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende und Außenexperte<br />
seiner Partei. Herr Hoyer, sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion<br />
mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Na klar, dafür bin ich ja hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Hoyer, der Irak-Krieg dauert leider noch immer an, dennoch<br />
wird schon über die Nachkriegszeit debattiert. Ihr Parteichef hat<br />
gestern gesagt, Deutschland habe eine „mitmenschliche Verpflichtung<br />
zum Wiederaufbau.“ Sollten die Gelder nicht unter dem Dach der UN<br />
zu Stande kommen, müsse es sie trotzdem geben. Das hätte auch<br />
„Signalwirkung“ in Richtung arabische Welt. So wichtig Hilfe<br />
ist, schwächt das nicht schon wieder die Position der UN?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Uns wäre es natürlich am liebsten, die Vereinten Nationen<br />
(VN) würden das in die Hand nehmen. Darauf müssen wir auch gemeinsam<br />
als Europäer drängen. Allerdings können die Opfer im Irak<br />
sicherlich nicht so lange warten, bis sich der europäische Hühnerhaufen,<br />
die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt über Zuständigkeitsfragen<br />
geeinigt haben. Zumindest die humanitäre Hilfe muss sofort anlaufen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benno: </b>Ist<br />
der Sicherheitsrat der VN überhaupt die geeignete Institution, um<br />
internationale Konflikte zu lösen? Sollte sich die UNO nicht besser<br />
auf humanitäre Maßnahmen beschränken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich finde, er allein ist legitimiert in Konfliktsituationen,<br />
die anderweitig nicht lösbar sind, gegebenenfalls auch die Anwendung<br />
von Gewalt zu ermöglichen. Das er im humanitären Bereich hilfreich<br />
sein kann, steht außer Frage. Allerdings unterhält die UN hierfür<br />
spezielle Unterorganisationen, die das alles viel besser umsetzen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benjamin:</b><br />
Ist es sinnvoll, wenn Europa seine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik<br />
ausweitet? Oder ist dies eine unnötige Doppelung der NATO-Strukturen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Doppelungen sind auf jeden Fall unnötig und müssen deshalb vermieden<br />
werden. Dennoch bedarf Europa, wie wir jetzt gerade schmerzhaft feststellen,<br />
dringend einer wirklichen gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik,<br />
die dann auch Verteidigungsfragen einschließt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>grafer: </b>Zum<br />
Wiederaufbau: Die FDP sagt, dass Deutschland seine Verpflichtungen einzuhalten<br />
hat. Welche, wem gegenüber und will die Bundesregierung das nicht<br />
auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>An der humanitären Verpflichtung kann sicherlich kein Zweifel<br />
bestehen. Bei dem Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen<br />
geht es nicht zuletzt darum, die Lage des Irak und der Region zu stabilisieren;<br />
das ist in unserem eigenen Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>möölle:<br />
</b>Herr Hoyer, Sie sagen, dass die Möglichkeiten der nicht<br />
militärischen Konfliktlösungen noch nicht voll ausgeschöpft<br />
waren. Gibt der Kriegsverlauf den USA denn nicht in allen Punkt Recht?<br />
Chemiewaffen wurden gefunden und ein relativ einfacher militärischer<br />
Sieg, der Saddam entmachtet. Hat Bush Recht behalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich würde mich ja sehr freuen, wenn ich mich geirrt hätte. Gegenwärtig<br />
ist es aber viel zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Dafür ist<br />
die Informationslage trotz tausender Kriegsberichterstatter viel zu unübersichtlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie: </b>Im<br />
bisherigen Kriegsverlauf konnten noch keine Massenvernichtungswaffen gefundnen<br />
werden. Macht das Fehlen dieser Massenvernichtungswaffen den Krieg nicht<br />
hinfällig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich habe bisher keinen Zweifel daran gehabt, dass wir von der Existenz<br />
von Massenvernichtungswaffen ausgehen müssen. Ich fürchte, das<br />
wird sich auch bestätigen. Ich hoffe allerdings vor allem, dass Saddam<br />
Hussein sie vor seinem endgültigen Sturz nicht einsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
FDP: </b>&quot;Die Vereinten Nationen müssen gestärkt werden.<br />
Sie sind der Ort für internationale Konfliktlösungen.&quot;<br />
Was sagen sie der &quot;war princess Rice&quot; oder Herrn Rumsfeld?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich fürchte, unsere amerikanischen Freunde werden noch schmerzlich<br />
feststellen müssen, dass sie die Probleme dieser Welt bei noch so<br />
guter Absicht nicht alleine werden lösen können. Sie werden<br />
erstens Freunde und zweitens eine stabile Rechtsordnung in der Welt brauchen.<br />
Auch die USA brauchen die Vereinten Nationen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uli55:</b><br />
Kann der Irak als US-Protektorat zur Demokratie geführt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann mir nicht vorstellen, dass Protektoratslösungen<br />
durch die Siegermächte zur Befriedung und zur Stabilität beitragen.<br />
Wenn schon, dann muss die UNO den Rahmen setzen. Allerdings halte ich<br />
es für naiv, davon auszugehen, eine militärische Präsenz<br />
der USA wäre kurzfristig verzichtbar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Hat<br />
die USA denn nicht Recht, einen Regimewechsel im Irak herbeizuführen,<br />
anstatt einen Diktator zu unterstützen? Das haben ich von Ihnen nicht<br />
gelesen, dass sie Saddam stürzen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Saddam Hussein ist der letzte, dem ich eine Träne nachweinen werde.<br />
Allerdings berufen sich die Vereinigten Staaten auf eine Fülle von<br />
UN-Resolutionen, in denen von Entwaffnung und nicht von &quot;regime change&quot;<br />
gesprochen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>solaris:</b><br />
Aber brauchen die USA die UN, dass ist doch die Frage? Die USA haben ein<br />
Veto, wir nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich bin wie gesagt davon überzeugt, dass auch die einzig verbliebene<br />
Weltmacht eine stabile Rechtsordnung in der Welt braucht. Da ist die UNO<br />
alternativlos, allerdings halte ich die UNO auch für dringend reformbedürftig.<br />
Gegenwärtig bildet die UNO die Situation der Welt im Jahre 1945 ab,<br />
nicht die im Jahr 2003. Das gilt vor allem für den Weltsicherheitsrat<br />
mit seinen fünf ständigen Mitgliedern einschließlich ihres<br />
Veto-Rechts. Das beinhaltet übrigens nicht nur enorme Rechte, sondern<br />
auch sehr, sehr große Verantwortung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Lässt sich die UNO denn wirklich reformieren? Ich halte<br />
dies für ein Unterfangen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zum<br />
Scheitern verurteilt ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fdp_geldwaescher:<br />
</b>Wollen sie das Vetorecht abschaffen lassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Leider ist ihre Skepsis nicht ganz unbegründet. Die 50-Jahr-Feier<br />
der Vereinten Nationen ist leider nicht genutzt worden, die beachtlichen<br />
Reformanstrengungen auf den Punkt zu bringen. Mitten in der Krise wird<br />
man jetzt bei diesem Prozess sicher nicht vorankommen, aber eine solche<br />
Krise kann auch wie ein Katalysator wirken. Was bei diesem Reformprozess<br />
aus dem Veto-Recht wird, kann keiner vorhersagen. Natürlich sehe<br />
ich überhaupt nicht ein, dass z. B. die europäische Union kein<br />
Veto-Recht haben soll, andere hingegen schon. Aber schon bei unseren Freunden<br />
in Paris und London werden wir auf Granit beißen, wenn wir von vornherein<br />
nicht nur die Reform und z.B. den EU-Sitz verlangen, sondern auch noch<br />
die Abschaffung des Veto-Rechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:</b><br />
Für die Verwirklichung eines europäischen Vetorechts bräuchte<br />
man erst einmal eine gemeinsame politische Haltung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Genau.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Sie<br />
sollen ja auch nichts voraussagen, aber ihre Meinung zur UN Reform steht<br />
noch aus, wie die politisch umsetzbar ist und wie die FDP die Bundesregierung<br />
unterstützen bzw. herausfordern will?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Der Weltsicherheitsrat braucht ganz sicher eine neue Zusammensetzung.<br />
Dabei muss eine immer stärker integrierte und demnächst mit<br />
einer Verfassung ausgestattete Europäische Union vertreten sein &#8211;<br />
übrigens ebenso wie Vertreter der Dritten Welt, die gegenwärtig<br />
in der Generalversammlung eine sehr starke, im Weltsicherheitsrat aber<br />
eine nur marginale Rolle spielen. Was die Bundesregierung angeht, wäre<br />
ich ja schon froh, wenn sie den UN-Reformprozess aktiver betreiben würde<br />
und die UN &#8211; wie auch die EU &#8211; durch völlig unnötige Vorfestlegungen<br />
nicht immer wieder lähmte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mehr Fragen zur Politik der deutschen Regierung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Es sei die eigentliche Aufgabe der deutschen Politik, die Stärkung<br />
Europas in den Vereinten Nationen voranzubringen, sagen Sie. Macht Fischer<br />
das nicht ausreichend?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Deshalb nicht, weil die Haltung der Bundesregierung, die sie im letzten<br />
Herbst aus wahltaktischen Gründen angenommen hat, zu der unsäglichen<br />
Spaltung der EU-Mitgliedsstaaten kräftig beigetragen hat. Das ist<br />
übrigens neben den beklagenswerten Opfern des Krieges der vielleicht<br />
größte Schaden, der hier angerichtet worden ist. Der europäische<br />
Integrationsprozess wird zurückgeworfen &#8211; es sei denn, meine Hoffnung<br />
auf den Katalysatoreffekt gälte auch hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>blogger: </b>Aber<br />
die FDP glänzt ja nun wirklich nicht mit klaren Aussagen zur deutschen<br />
Außenpolitik? Sie haben da kaum Profil. Sie sind halb SPD/Grün,<br />
aber nicht wie Merkel klar dagegen. Mir fehlt da eine klare Linie liberaler<br />
Außenpolitik a la Genscher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Wir sind da in der klaren Kontinuität der Genscherschen<br />
Politik. Die nimmt allerdings für sich auch in Anspruch, dass schwierige<br />
Fragen nicht immer mit simplen, erst recht nicht mit populistischen Antworten<br />
zu lösen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fabian Wendenburg:<br />
</b>Lieber Herr Hoyer! Glauben Sie, dass eine Verbesserung des Verhältnisses<br />
zwischen den USA und Deutschland überhaupt möglich ist, solange<br />
bei uns die Schröder-Regierung und in Washington die Bush-Administration<br />
an der Macht ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ein guter Freund in New York hat mir neulich gemailt: „It takes<br />
regime change, both in Washington and Berlin.“ Damit meine ich natürlich<br />
nicht die Mittel und will mich auch nicht in die amerikanische Innenpolitik<br />
einmischen. Ich fände, es wäre schon mal ein guter Anfang, wenn<br />
dies so bald wie möglich in Berlin beginnen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>friedemann:<br />
</b>Aber Genscher wäre doch eher Merkel Kurs, d.h. Solidarität<br />
mit den USA wie zu Zeiten des Kalten Krieges? Haben sie die neuen Zeichen<br />
der Zeit nicht erkannt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Doch, aber Sie missverstehen offenbar Genschers Außenpolitik.<br />
Denken Sie z.B. an das Thema der Stationierung nuklearer Kurzstreckenraketen<br />
Ende der achtziger Jahre. Da gab es fundamentale Meinungsverschiedenheiten<br />
zwischen Washington und Bonn. Genscher hat da immer die deutschen Interessen<br />
klar gegenüber den USA vertreten, aber der vertrauensvolle Dialog<br />
ist nie abgerissen. Der Ton macht eben die Musik, und das haben Schröder,<br />
Fischer und Däubler-Gmelin außer Acht gelassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Genscher und Kinkel waren doch gegenüber den USA auf &quot;Schmusekurs&quot;,<br />
das waren doch ganz andere Zeiten. Die Weltpolitik hat sich verändert.<br />
Wo ist das neue Konzept der Liberalen zu erkennen? Gerhardtsche und Hoyersche<br />
Konzepte fehlen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich schicke Ihnen das gestern vom Bundesvorstand der FDP auf<br />
meinen Vorschlag hin beschlossene Positionspapier gerne zu. Mailanfrage<br />
bitte an http://www.werner.hoyer@bundestag.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Können Sie uns Kernpunkte trotz Post- bzw.- Mailsendung<br />
nennen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Lieber per E-Mail, wir sind eine arme Partei. Aber im Ernst:<br />
Deutschland muss aufhören, in den Kategorien alter Machtpolitik zu<br />
denken und handeln zu wollen &#8211; das ist angesichts durchaus bescheidener<br />
Machtmittel auch eher lächerlich. Deutschland muss seine Außenpolitik<br />
immer konsequent einbetten in die europäischen Strukturen, in die<br />
nordatlantische Sicherheitsgemeinschaft und in die Systeme kooperativer<br />
Sicherheit, also OSZE auf europäischer und UNO auf globaler Ebene.<br />
Der &quot;deutsche Weg&quot; führt in die Irre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Was sollte sich an der Regierungspolitik Ihrer Meinung nach ändern,<br />
damit ein politisches Gewicht entsteht, so dass man die USA zügeln<br />
kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Das geht nur über eine gemeinschaftliche europäische<br />
Anstrengung. Wir sollten doch nicht glauben, dass Europa in Washington<br />
kein Gewicht und keinen Einfluss hätte. Nur darf Europa sich dabei<br />
nicht selber auseinander dividieren. Frankreich und Deutschland dürfen<br />
nicht glauben, wenn sie einer Meinung sind, wäre das schon die europäische<br />
Position.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was sagen Sie dazu, dass Schröder und Fischer nun Anstrengungen in<br />
eine europäische Verteidigungsunion legen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Tun sie das? Ich fürchte, die Anstrengungen zu einer Verteidigungsunion<br />
ausgerechnet mit Belgien, Frankreich und Luxemburg könnten eher die<br />
europäische Spaltung vertiefen. Wenn das aber ein Konzept ist, das<br />
ein ernstes Angebot an alle gegenwärtigen und zukünftigen EU-Mitglieder<br />
ist, kann ich mir das gut vorstellen. Ich bin davon überzeugt, dass<br />
man eines Tages nicht nur von besserer Rüstungszusammenarbeit, sondern<br />
auch von integrierten Streitkräften und von Arbeitsteilung zwischen<br />
Teilstreitkräften und Waffengattungen der einzelnen EU-Länder<br />
reden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
</b>Und wenn Polen und Blair einer Meinung sind, ist das EU-ropäischer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ganz sicher nicht, Genschman, aber der unerfreuliche Brief von acht alten<br />
und neuen EU-Staaten war natürlich nicht zuletzt eine Reaktion auf<br />
das unsensible Verhalten von Paris und Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rababer: </b>Soll<br />
es einen EU-Außenminister geben? Ist das ein Ziel der neuen EU-Verfassung,<br />
die im EU-Konvent beschlossen werden sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ja, das halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er<br />
nicht im luftleeren Raum schweben, sondern muss sowohl in der Kommission<br />
als auch im Rat Gewicht haben. Außerdem fällt mir auf, dass<br />
kein Mensch über den erforderlichen europäischen Auswärtigen<br />
Dienst spricht. Ein Außenminister ist doch keine Solo-Nummer. Fischer<br />
wird von 8500 Mitarbeitern unterstützt &#8211; weltweit. Das kann die Bürokratie<br />
der Kommission niemals leisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Mittlerweile wurden militärische Entscheidungsstrukturen<br />
etabliert und kostenintensive Rüstungsprogramme vereinbart. Zivilmacht<br />
Europa ade?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Natürlich sträubt sich in mir alles, Europa nicht als Zivilmacht<br />
zu sehen. Aber ich bin auch ein überzeugter Anhänger der wehrhaften<br />
Demokratie. Deshalb stehe ich zur Notwendigkeit leistungsfähiger<br />
und demokratisch kontrollierter Streitkräfte. Die Leistungsfähigkeit<br />
zu steigern, muss Ziel der Zusammenarbeit in Europa sein. Sonst verplempern<br />
wir zuviel Geld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rolfer: </b>Hat<br />
Verteidigungsminister Struck Recht, wenn er sich zum Wiederaufbau zurückhaltend<br />
äußert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann ja verstehen, dass Peter Struck nicht laut &quot;hier&quot;<br />
schreit, wenn Geldgeber gesucht werden. Ich fürchte, man wird schon<br />
früh genug darauf kommen, auch Deutschland zur Kasse zu bitten. Andererseits<br />
halte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt manche Detaildiskussionen darüber,<br />
wer was an welchem Ort wie und mit welchem Geld finanziert und aufbaut,<br />
für ein bisschen verfrüht. Klar ist, dass Deutschland sich nicht<br />
wird verweigern können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.graeser:<br />
</b>Welche Rolle spielt in den nächsten Jahrzehnten ein überaltertes<br />
Deutschland politisch sowie wirtschaftlich innerhalb der EU und weltweit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Deutschlands Rolle wird politisch stärker sein, wenn es<br />
wirtschaftlich gesundet. Und das heißt, wir müssen unsere Sklerosen<br />
endlich durch mutige Reformpolitik überwinden. Politisch werden wir<br />
innerhalb Europas und der Welt um so mehr bewegen können, je mehr<br />
wir uns in die europäische Union und in die globalen multilateralen<br />
Strukturen einbetten, vor allem in UNO und WTO. Der deutsche Weg muss<br />
immer der europäische Weg sein, alles andere führt in die weltpolitische<br />
und weltwirtschaftliche Irrelevanz Deutschlands.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Deutschland ist doch pleite. Wie soll Herr Eichel denn den Wiederaufbau<br />
finanzieren? Aus der Fluthilfe zur Irakhilfe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich habe eben bewusst darauf hingewiesen, dass man einen wesentlichen<br />
politischen Einfluss nur zur Geltung bringt, wenn man auch wirtschaftlich<br />
leistungsfähig ist. Die zusätzlichen Belastungen, die jetzt<br />
auch noch auf uns zukommen können, machen die Überwindung der<br />
strukturellen Schwächen der deutschen Wirtschaft noch wichtiger.<br />
Nur wenn der Wirtschaftsmotor wieder anspringt, klingelt es bei Hans Eichel<br />
auch wieder in der Kasse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Hoyer, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Viele Fragen<br />
blieben leider unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, 10.<br />
April, ist der ARD-Korrespondent Richard Klug im Chat, der live aus Katar<br />
Ihre Fragen beantworten wird. Im Anschluss an die Tagesschau um 17:15<br />
Uhr steht er für den Chat zur Verfügung. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats<br />
finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
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<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Herzlichen Dank, hat Spaß gemacht.</span></p>
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					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/feed/</wfw:commentRss>
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