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	<title>Wiederaufbau &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wiederaufbau &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Kein Konzept für eine Nachkriegsordnung&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 11 May 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie 
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist 
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></span> ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/Wieczorek-Zeul.jpg" alt="Heidemarie Wieczorek-Zeul" align="left" border="0" height="116" width="85" />Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul</b><b>, Entwicklungsministerin (SPD), </b><b>ist<br />
am 12. Mai 2003, zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></span> <!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen liebe Politik-Interessierte! Heidemarie<br />
Wieczorek-Zeul, Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und<br />
Entwicklung, ist ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Für die kleine<br />
Verzögerung bitten wir um Nachsicht. Beginnen wir gleich mit der<br />
ersten User-Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Osimann:</b> Wie<br />
geht es weiter beim Aufbau im Irak? Deutschland wird doch keine Schnitte<br />
vom fetten Kuchen abbekommen, wie die CDU fordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es geht erst mal darum, dass im Irak humanitär geholfen wird. Da<br />
ist nach wie vor eine dramatische Situation in Krankenhäusern. Der<br />
Wiederaufbau selbst sollte ja unter der Autorität der Vereinten Nationen<br />
stattfinden, da nur sie die Legitimität dafür haben. Unter den<br />
Bedingungen der UN-Autorität und mit entsprechendem Sicherheitsratbeschluss<br />
habe ich gesagt, dass wir auch bereit sind, zu helfen. Das hat mit der<br />
Frage von Aufträgen überhaupt nichts zu tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Die USA halten sich nicht an multilaterale Abkommen und begehen bei ihrer<br />
Entwicklungshilfe den Pfad der außenpolitischen Doktrin: Wer für<br />
uns ist, bekommt Geld. Ärgert Sie dieser Ansatz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es ist nicht ganz richtig, denn im Bezug auf die Entwicklungshilfe unterwerfen<br />
sie sich durchaus den international gemeinsam festgelegten Zielen. Aber<br />
andererseits handeln sie allein nach &quot;geostrategischen Gesichtspunkten&quot;<br />
&#8211; das schlägt manchmal den entwicklungspolitischen Zielsetzungen<br />
ins Gesicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hanna:</b> Sie<br />
haben erklärt, dass Sie einen Schuldenerlass für den Irak für<br />
absurd halten. Wie stehen Sie zu den Krediten, die von Saddam Hussein<br />
für Waffen und Palastbauten aufgenommen wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Man muss, glaube ich, zwei Sachen unterscheiden: Die eine ist, dass die<br />
internationale Gemeinschaft bei Ländern, die Diktaturen überwunden<br />
haben, neue Schuldenregelungen trifft, und das andere ist ein völliger<br />
Schuldenerlass. Der völlige Schuldenerlass ist bezogen auf ärmste<br />
hochverschuldete Entwicklungsländer, mit bestimmten Kriterien versehen,<br />
z.B. der verantwortlichen Regierungsführung und deshalb kann von<br />
allgemeinem Schuldenerlass in Bezug auf den Irak nicht geredet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie haben ihre Regierungserklärung im Mai mit einem Dank an die USA<br />
für die Befreiung Deutschlands vom Regime Hitlers begonnen. Obszön<br />
haben sie im April im Bundestag genannt, dass die USA zur Finanzierung<br />
des Irak-Kriegs einen Nachtragshaushalt von 75 Milliarden Dollar brauchen.<br />
Das sei 1,5 Mal so viel wie die Entwicklungshilfe weltweit. Kann man die<br />
Kosten eines Krieges gegen Entwicklungshilfe aufrechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich habe am 8. Mai gesprochen &#8211; das ist der 58. Jahrestag von der Befreiung<br />
der Hitler-Barbarei &#8211; deshalb habe ich das zu Anfang gesagt. Was mich<br />
aber immer wieder empört ist, dass für Kriegsführung immer<br />
wieder in kürzester Zeit Milliarden von US-Dollar mobilisiert werden.<br />
z.B. die 80 Mrd. Dollar für den Irak-Krieg, dass man aber für<br />
die Bekämpfung der Armut für jeden zusätzlichen Dollar<br />
kämpfen muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herbert Flötenmann:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, die USA wollen sich im Irak auf Kosten der<br />
Entwicklungshilfe bereichern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Nein, das ist überhaupt nicht der Punkt. Ich habe nur das Verhältnis<br />
von Mitteln für Krieg und Mitteln für Entwicklungszusammenarbeit<br />
gegeneinander gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Stöfferle:</b><br />
Ich komme gerade aus den USA, habe dort studiert. Zahlreiche Stimmen sprechen<br />
davon, dass der Irak-Krieg auch eine Art &quot;Entwicklungshilfe&quot;<br />
war. Was sagen Sie einem solchen Menschen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dem Menschen sage ich, wer Entwicklungshilfe leisten will, soll Entwicklungshilfe<br />
leisten und nicht Krieg führen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Voraussetzung ist aber doch die Möglichkeit dazu, sprich ein Land,<br />
das mitmacht &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ja, aber auch da gilt, der Auftrag des UN-Sicherheitsrats war die Vernichtung<br />
von Massenvernichtungswaffen. Die Entwaffnung des Irak wäre ohne<br />
Krieg möglich gewesen. Dahinter steht natürlich die Frage, wie<br />
kriegt man in arabischen Ländern, die keine Demokratien sind, einen<br />
Veränderungsprozess in Gang. Ich bin auch der Meinung, dass ein Entwicklungsprozess<br />
die Menschen in den Ländern aktivieren muss und aktivieren sollte.<br />
Das ist der Ansatz, den wir in arabischen Ländern auch betreiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Auch wenn die USA nur beabsichtigen, den Irak zu einem Vasallenstaat umzuformen<br />
&#8211; glauben sie die Europäer können über Entwicklungshilfemaßnahmen<br />
verhindern, dass sich der Irak zum Vasallenstaat entwickelt, oder sehen<br />
sie eine solche Gefahr nicht ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Zunächst mal muss alles getan werden, dass die irakische Bevölkerung<br />
selbst entscheiden kann. Jetzt geht es darum, den Frieden überhaupt<br />
erst herzustellen und deshalb ist der Prozess am besten auch durch die<br />
Vereinten Nationen zu begleiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine in die Zukunft gerichtete Frage, sie kennen ja viele Länder<br />
und die politische Situation dort:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Der<br />
Irak-Krieg als Friendensmission, um einem Land zu helfen! Wird diese Theorie<br />
auch in anderen Ländern (Nordkorea) umgesetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Da geht es eben um die Auseinandersetzung, um das Konzept des sogenannten<br />
Präventivschlages und unsere Position ist klar: Krieg darf nicht<br />
wieder zu einem &quot;normalen&quot; Instrument von Politik werden. Im<br />
Übrigen haben ja die USA auch selbst eine unterschiedliche Strategie<br />
gegenüber Nordkorea eingeschlagen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank Lohse:</b><br />
Welche Entwicklungshilfe hat denn Deutschland in den letzten Jahren im<br />
Irak geleistet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
In den letzten Jahren nicht mehr, denn da gab es ja die Sanktionen gegen<br />
den Irak. Was wir gemacht haben, ist die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen<br />
in den kurdischen Gebieten, die wir unterstützt haben. Wir haben<br />
im Übrigen über das Welternährungsprogramm der Vereinten<br />
Nationen dazu beigetragen, dass die Bevölkerung während der<br />
Sanktionen mit Lebensmitteln versorgt worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie:</b> Sehen<br />
sie den Irak als zukünftigen demokratischen Staat, der alle anderen<br />
Staaten ringsherum &quot;ansteckt&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich glaube, dass man sich da mit Prognosen sehr zurückhalten sollte.<br />
Wichtig ist, dass der Irak Unterstützung auf dem Weg der Selbstbestimmung<br />
hat und ansonsten verweise ich auf die andere Antwort: Ein wichtiges Problem<br />
in den arabischen Staaten ist, dass Frauen stärker in der Gesellschaft<br />
und der Politik beteiligt werden, denn ein Teil der Defizite resultieren<br />
in diesen Ländern genau daraus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der User mit dem passenden Nick-Name &quot;ultimatio ratio&quot; hat das<br />
als hypothetische Frage angekündigt, aber Fragen stellen kostet ja<br />
nichts &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ultima-ratio:</b><br />
Würde es dem irakischen Volk heute besser gehen, hätten nicht<br />
die USA Saddam Hussein beseitigt? Oder anders gefragt, wie wäre Ihre<br />
alternative Handlungsweise gegenüber den damals krassen Menschenrechtsverletzungen<br />
durch das irakische Regime gewesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das haben wir eigentlich vorhin schon beantwortet. Unsere Perspektive<br />
war, eine Öffnung des Irak durch die Entwaffnung zu erreichen und<br />
damit Veränderungen in Gang zu setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Nachdem bereits General Garner entlassen wurde und die aktuelle Nachrichtenlage<br />
weiter von &quot;Chaos&quot; im Irak spricht: Haben die USA aus ihrer<br />
Sicht überhaupt ein erfolgversprechendes Konzept zur Befriedung und<br />
Demokratisierung des Irak, das über Kontrollmaßnahmen, bei<br />
gleichzeitigem relativ geringen finanziellem Engagement, hinausgeht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Das war ja unser Bedenken bei all den Plänen der amerikanischen Regierung:<br />
dass kein Konzept für eine Nachkriegsordnung bestand. Aber unabhängig<br />
davon ist es notwendig, einen politischen Prozess zu fördern, in<br />
dem alle Gruppen der Bevölkerung repräsentiert werden und in<br />
dem der Weg zur Selbstbestimmung für den Irak möglich wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Weiß da die Ministerin Wieczorek-Zeul nicht noch ein bisschen mehr<br />
über die Pläne der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Ich meine, das sind eigentlich Vermutungen, dass die Frage der Rohstoffsicherung<br />
eine Rolle gespielt hat. Auch deshalb ist es wichtig, dass bei den Beratungen<br />
im UN-Sicherheitsrat sichergestellt wird, dass die Verfügung über<br />
die Öl-Ressourcen nur bei der irakischen Bevölkerung selbst<br />
ist und solange es keine legitimierte irakische Regierung gibt, muss die<br />
Transparenz und die Kontrolle durch die internationale Gemeinschaft sichergestellt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Bis zum Jahr 2015 wollen sie den Anteil in extremer Armut lebenden Menschen<br />
um die Hälfte verringern. Derzeit müssen 1,2 Milliarden Menschen<br />
(!) mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Weltbank und der<br />
Internationale Währungsfonds berichten, dass die Bedingungen dafür<br />
immer schlechter werden. Wie groß ist die Chance, dass Sie das noch<br />
erreichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Dass es erreicht werden kann, ist möglich. Aber unter erschwerten<br />
Bedingungen, das sagt auch die Weltbank. Deshalb ist meine Forderung und<br />
meine Sorge, dass wir in eine Entwicklung geraten, in der wieder gerüstet<br />
wird und die Militärausgaben erhöht werden und dass es zu Lasten<br />
geht der Mittel, die zur Bekämpfung der Armut notwendig sind. Wenn<br />
wir die Ziele wirklich erreichen wollen, müssen wir alle Finanzmittel<br />
darauf konzentrieren. Vielleicht müssen wir das erweitern: Zugang<br />
zu Wasser, Zugang Energie (2,4 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang<br />
zu kommerzieller Energie).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zenzi:</b> Hallo,<br />
Frau Wieczorek-Zeul, ich glaube, Sie haben z.Zt. einen schweren Stand.<br />
Die Finanzen stehen schlecht. Ist es Ihnen überhaupt noch möglich,<br />
für Ihr Ressort Gelder für Projekte in Drittweltländern<br />
locker zu machen? Gibt es Beschränkungen, z.B. auf gewisse Regionen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Es gibt keine Beschränkungen auf Regionen. Wir kooperieren mit Partnerländern<br />
unter drei Gesichtspunkten: Einmal unterstützen wir Länder,<br />
die sich besonders um verantwortliche Regierungsführung bemühen;<br />
zweitens arbeiten wir auch in Konfliktregionen, um ein Abgleiten zu verhindern<br />
und drittens in Länder, die nach Kriegen oder Bürgerkriegen<br />
den Neuanfang brauchen. Ansonsten gilt, dass Entwicklungszusammenarbeit<br />
die kostengünstigste Sicherheitspolitik ist. Übrigens auch für<br />
uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dennoch schlägt &quot;zenzi&quot; doch in die richtige Kerbe: bei<br />
30 Milliarden Neuverschuldung leidet doch auch ihr Etat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir haben zugesagt, das wir die internationale Verpflichtung einhalten<br />
werden, schrittweise die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit<br />
zu erhöhen. Das ist genauso eine internationale Verpflichtung wie<br />
eine Verpflichtung in einem Bündnis und wir lösen unsere Verpflichtung<br />
ein. Vielleicht kann ich ergänzen: Das ist eine humanitäre Position,<br />
es ist aber auch im Interesse eines exportorientierten Landes wie der<br />
Bundesrepublik Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kleiner Vorsatz: Das ach, ja von &quot;h.kurt&quot; bezog sich auf eine<br />
andere Frage, dennoch: die Ziele waren ja ursprünglich noch wesentlich<br />
höher gestellt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.kurt:</b> Ach<br />
ja, wie sieht es denn aus mit dem Ziel, 0.7 % des BIP als Entwicklungshilfe<br />
zu verplanen? Wird das in dieser Legislaturperiode erreicht? Wie sieht<br />
es im Rest Europas aus ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
BIP = Bruttoinlandsprodukt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Erstens steht das Ziel, zweitens haben wir gesagt, wir werden es schrittweise<br />
erreichen. Wir haben zugesagt, in dieser Legislaturperiode auf 0,33% zu<br />
erhöhen. Im Übrigen ist Deutschland in absoluten Zahlen der<br />
drittgrößte Geber von Entwicklungshilfe weltweit und Entwicklungsländer<br />
hätten im Übrigen weit mehr Einkommen und wären weit weniger<br />
auf Hilfe angewiesen, wenn die Industrieländer z.B. von ihren Agrarproduktsubventionen<br />
Abstand nehmen, mit denen sie den Entwicklungsländern unfaire Konkurrenz<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was würde ein Abbau der Handelshemmnisse denn für die angeschlagene<br />
deutsche Wirtschaft bedeuten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Wir müssen ja sowieso die Agrarpolitik der EU reformieren &#8211; und zwar<br />
weg von der Subventionierung von Produkten und hin zu der Unterstützung<br />
in den ländlichen Regionen und indem wir Exportsubventionen auslaufen<br />
lassen. Deshalb würde von solchen Veränderungen die bäuerliche<br />
Landwirtschaft nicht benachteiligt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch einmal zu der Frage, wie Veränderungen herbeigeführt werden<br />
können: Sie haben die Frauen angesprochen. Dazu zwei Nachfragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ernie:</b> Nachfrage:<br />
es ist aber doch eine Glaubensfrage, dass Frauen in der Politik so wenig<br />
involviert sind. Kann man daran denn wirklich was ändern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BartSimpson:</b><br />
Aber führt z.B. eine von außen herbeigeführte schnelle<br />
Veränderung hin zu wesentlich mehr Frauenrechten (auch wenn es aus<br />
unserer Sicht wünschenswert ist) nicht zu weiteren Verwerfungen,<br />
die radikalen islamistischen Kräften Vorschub leisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:<br />
</b>Die Frage der Notwendigkeit der Beteiligung von Frauen: da weist gerade<br />
der Arab Human Development Report der Vereinten Nationen darauf hin, das<br />
manche arabische Länder trotz Rohstoffen wirtschaftlich weit hinten<br />
liegen wegen der mangelnden Beteiligung von Frauen. Man kann generell<br />
sagen, dass die Bildung und Förderung von Frauen und Mädchen<br />
und der Zugang von Frauen zu Familienplanung den wichtigsten Schub zu<br />
Modernisierung von Ländern bedeuten. Dass natürlich immer auch<br />
die kulturelle Situation von Ländern beachtet werden muss, versteht<br />
sich von selbst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, unsere Zeit ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank für Ihre Fragen und herzlichen Dank an Frau Wieczorek-Zeul,<br />
dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am 22.Mai stellt sich der FDP-Vizefraktionschef und FDP-Finanzexperte<br />
Otto Solms Ihren Fragen. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen schönen Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b><br />
Klasse, dass sie sich in den Themen so engagieren, bleiben sie dran.<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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