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	<title>Wim Dohrenbusch &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wim Dohrenbusch &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Dass &#8220;unsere Jungs&#8221; Weihnachten wieder zu Hause sind, sehe ich noch nicht&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Jul 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war 
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete 
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen 
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 10. Juli, war<br />
Wim Dohrenbusch, ARD-Korrespondent in Nairobi, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete<br />
Fragen zum Kongo-Einsatz der Bundeswehr, den bevorstehenden Wahlen<br />
und den Perspektiven der Demokratisierung Afrikas.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Herzlich willkommen<br />
zum tagesschau-Chat. Unser heutiger Gast ist uns aus Nairobi zugeschaltet:<br />
Wim Dohrenbusch berichtet von dort aus für die ARD über<br />
20 Länder Ost- und Zentralafrikas. Zu seinem Berichtsgebiet<br />
gehört auch die Demokratische Republik Kongo. Der Bundeswehreinsatz<br />
in Kongo und die Wahlen dort werden heute unser Schwerpunktthema<br />
sein. Fragen zu anderen Themen aus Herrn Dohrenbuschs Berichtsgebiet<br />
werden wie immer gerne entgegengenommen. Frage nach Nairobi: Können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jambo sana aus Nairobi. Hier ist Wim Dohrenbusch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Heute beginnt die Bundeswehr mit der Verlegung des Hauptkontingents<br />
für den EU-Einsatz in Kongo. Zu dieser Mission die erste Frage:
</p>
<p>
<b>MOEs &#8211; Taverne:</b> Wie viele Soldaten werden zum<br />
Einsatz kommen und werden auch Frauen eingesetzt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es werden insgesamt 780 Soldaten nach Afrika gehen.<br />
280 nach Kinshasa, etwa 500 in den Nachbarstaat Gabun.
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Wie ist<br />
die Stimmung in Kongo gegenüber dem Einsatz fremder Soldaten<br />
im Land?
</p>
<p>
<b>Anna: </b>Wie ist die Stimmung bei den deutschen Soldaten,<br />
die schon in Kongo sind?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Allgemein hat man großen<br />
Respekt vor den Soldaten aus Europa. Respekt im positiven Sinn.<br />
Weil diese Soldaten wirklich Schutz und Sicherheit versprechen.<br />
Die Deutschen sind im Kongo durchaus beliebt, denn sie gelten als<br />
zuverlässig und verbindlich. Außerdem haben sie keine<br />
koloniale Vergangenheit. Ich war bis vor ein paar Tagen in Kinshasa.<br />
Es sind inzwischen 70 Soldaten dort, übrigens auch eine Handvoll<br />
Frauen. Die Stimmung ist allgemein gut. Man fühlt sich relativ<br />
sicher und überhaupt nicht bedroht. Andererseits ist es für<br />
viele Soldaten tatsächlich sehr verunsichernd, mit der Armut<br />
und dem Elend der Menschen umzugehen.
</p>
<p>
<b>Jakob: </b>Stimmt es, dass ein Bundeswehrsoldat bereits<br />
in Kinshasa verletzt wurde? Die Nachricht kam aus Gabun. Wenn es<br />
stimmt &#8211; wie ist es geschehen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Davon weiß ich nichts. Am Wochenende ist<br />
ein kongolesischer Journalist in seinem Haus von uniformierten und<br />
bewaffneten Männern erschossen worden. Ein deutscher Journalisten-Kollege<br />
ist vor einer Woche bei einem Raubüberfall verletzt worden.
</p>
<p>
<b>konrad.k.l: </b>Spielt diese Kolonialvergangenheit<br />
wirklich so eine Rolle? Oder anders: Die Belgier sind also im Kongo<br />
nicht beliebt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das Verhältnis zu den Belgiern ist zumindest<br />
zwiespältig, das gilt auch für die Franzosen. So ist es<br />
aber überall in Afrika mit den ehemaligen Kolonialmächten.<br />
Einerseits ist die Bindung immer noch eng, aber es sind eben doch<br />
die alten Ausbeuter und Unterdrücker.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wie werden die Aufgaben der Soldaten aussehen<br />
und wie werden diese durchgeführt?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die wichtigste Aufgabe ist laut Oberkommando &quot;Sichtbarkeit<br />
demonstrieren&quot;. Umgekehrt darf auf keinen Fall der Eindruck<br />
entstehen, dass man nur da ist, um den Wahlsieg des Präsidenten<br />
abzusichern, wirtschaftliche Interessen zu verteidigen oder nur<br />
im Notfall Landsleute zu evakuieren. Für die deutschen Soldaten<br />
ist der &quot;Bereich Kinshasa&quot; das Einsatzgebiet. Wie eng<br />
das gefasst wird, das muss sich in den nächsten Monaten herausstellen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt einige Fragen zur Dauer des Einsatzes:
</p>
<p>
<b>Bobo:</b> Hallo Herr Dohrenbusch. Denken Sie, dass<br />
nach Ablauf der regulären Zeit des Einsatzes sich dieser verlängern<br />
wird? Schließlich wird sich die Situation auch nach den demokratischen<br />
Wahlen nicht schlagartig ändern. Wie sehen Sie also die Zukunft<br />
der Bundeswehr in Afrika?
</p>
<p>
<b>Konga: </b>Ist es Ihrer Meinung nach realistisch,<br />
dass die deutsche Truppe Weihnachten wieder zu Hause sein wird?<br />
Was bringt so ein Einsatz wirklich, wenn er nur über einen<br />
relativ kurzen Zeitraum erfolgt? Müssten die Soldaten nicht<br />
eigentlich über ein, zwei Jahre bleiben, um nachhaltige Wirkungen<br />
zu hinterlassen?
</p>
<p>
<b>taoli:</b> In den Angaben der Politik zum Einsatzrisiko<br />
wurde nicht präzisiert, man müsse &quot;bei Null&quot;<br />
anfangen mit dem Einsatz &#8211; wie heute in den Nachrichten angegeben.<br />
Dieses intendiert meines Erachtens, dass man schon jetzt erste Hinweise<br />
gibt, dass die öffentlich benannte zeitliche Begrenzung des<br />
Einsatzes nicht funktionieren wird und dieses jetzt schon absehbar<br />
ist auf Kommandoebene des Einsatzes. Wie beurteilen Sie diese Einschätzung?
</p>
<p>
<b>Hhiu: </b>Es gab ja viel Kritik über einen so<br />
kurzen Einsatz der Bundeswehr in Kongo. Verteidigungsminister Jung<br />
will die Jungs ja im Dezember wieder zu Hause haben. Halten Sie<br />
dies für realistisch und welche Konsequenzen hat das?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Der gesamte EUFOR-Einsatz ist durch Beschluss<br />
der EU-Gremien, bzw. der deutsche durch den Bundestag auf vier Monate<br />
vom Wahltag am 30. Juli an, begrenzt. Ich halte das für sehr<br />
optimistisch, denn der gesamte Wahlprozess ist kompliziert und langwierig,<br />
mit zweitem Wahlgang bei den Präsidentschaftswahlen und Provinzialwahlen.<br />
Dann wird die Regierungsbildung sicher ein Kraftakt werden, weil<br />
es darum geht, die Verlierer in den Demokratisierungsprozess einzubeziehen.<br />
Die werden nämlich nicht so einfach an der Wahlurne wieder<br />
abgeben, was sie im Krieg mit Waffengewalt erbeutet haben. Also:<br />
Ernst wird es wahrscheinlich erst ab Ende August, wenn das Wahlergebnis<br />
feststeht. Dass &quot;unsere Jungs&quot; Weihnachten wieder zu Hause<br />
sind, wie es Verteidigungsminister Jung behauptet, das sehe ich<br />
noch nicht. Außenminister Steinmeier sagt inzwischen auch,<br />
dass man da wohl etwas flexibler sein muss.
</p>
<p>
<b>lichtgestalt:</b> Ich habe in Ihrem Beitrag gelesen,<br />
dass die Deutschen in kürzester Zeit, Ihr Lager aufgebaut haben<br />
&#8211; mit fließend Wasser und Satellitenanlagen. Schürt so<br />
etwas keinen Neid bei der Bevölkerung, die schon jahrelang<br />
auf fließendes Wasser wartet?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Bundeswehr bemüht sich um Öffentlichkeitsarbeit.<br />
Nach dem Ende des Einsatzes sollen die Brunnen, das Krankenhaus<br />
und alle anderen Einrichtungen den Kongolesen übergeben werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Thema, zu dem es mehrere Fragen gibt, sind Kindersoldaten.
</p>
<p>
<b>Robert:</b> Wird sich der Einsatz nur auf Kinshasa<br />
beschränken oder auch außerhalb der Stadt abspielen.<br />
Zum Beispiel Eingriffe bei Unruhen (gerade nach der Wahl). Wie sind<br />
die Reaktionen auf einen Konflikt mit &quot;Kindersoldaten&quot;<br />
geplant? Sicherlich ein schwieriges Thema, gerade in anbetracht<br />
etwaiger Reaktionen der deutschen (Welt-) Öffentlichkeit!
</p>
<p>
<b>Hannes:</b> Wie hoch ist Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit,<br />
dass deutsche Soldaten im Kongo auf Kindersoldaten treffen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Zum Einsatzgebiet: EUFOR kann im Prinzip im ganzen<br />
Kongo eingesetzt werden, die Deutschen nur im Großraum Kinshasa.<br />
Kindersoldaten sind so ein Thema. In Kinshasa, davon kann man ausgehen,<br />
gibt es keine Kindersoldaten. Bei den zahlreichen Rebellenmilizen<br />
im Osten und Norden sieht das schon anders aus. Aber mal so gefragt:<br />
Wie sollten Friedenstruppen damit umgehen, wenn sie in einen Hinterhalt<br />
geraten und möglicherweise Kindersoldaten bei dem Angriff dabei<br />
sind. Erst nach dem Ausweis fragen, und dann zurückschießen?<br />
Und wie geht man mit bewaffneten Jungendbanden und &quot;normalen“<br />
Kriminellen um? Da sind die Grenzen fließend.
</p>
<p>
<b>petermann:</b> Denken Sie, dass der Kongo-Einsatz<br />
ein Vorbild für mögliche Einsätze in anderen Teilen<br />
Afrikas sein könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Sicher, es wird ja auch schon relativ offen über<br />
eine deutsche Beteiligung an einer Friedensmission in der Darfur-Region<br />
im Sudan diskutiert.
</p>
<p>
<b>zinedine:</b> Zu den Kindersoldaten: Gab es denn schon<br />
Konflikte zwischen den Uno-Soldaten in Kongo, die jetzt schon da<br />
sind, und Kindersoldaten? Und wie gehen die damit um?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die 17.000 Blauhelme, die seit Jahren in Kongo,<br />
vor allem in den Unruheregionen stationiert sind, sind schon häufig<br />
in Gefechte verwickelt worden. Wenn man dabei auf Kindersoldaten<br />
trifft, dann werden die festgenommen und Organisationen wie UNICEF<br />
übergeben. Das sollte übrigens auch die kongolesische<br />
Armee tun. Genaue Zahlen gibt es aber nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir nun vom Einsatz der Bundeswehr zum Grund<br />
ihrer Anwesenheit &#8211; den Wahlen:
</p>
<p>
<b>Klassensprecher:</b> Wie ist denn eigentlich die politische<br />
Situation im Kongo? Und: ist durch die Wahl eine echte Stabilisierung<br />
absehbar?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Es hat seit der Unabhängigkeit, also seit<br />
45 Jahren nur Diktatur, Krieg und Korruption im Kongo gegeben. Das<br />
Land ist sechsmal so groß wie Deutschland und verfügt<br />
praktisch über keine Straßen und Eisenbahnen, keinerlei<br />
Infrastruktur. So gesehen ist es fast unregierbar. Ob sich durch<br />
die Wahlen wirklich die Situation spürbar verbessert, da habe<br />
ich meine großen Zweifel. Nur: Ohne den Versuch sind Chaos<br />
und Krieg vorprogrammiert.
</p>
<p>
<b>Interessix:</b> Ergibt es Sinn, einem Land wie Kongo<br />
Demokratie nach europäischem Muster aufdrücken zu wollen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Tun wir das? Die Kongolesen haben sich um den<br />
Jahreswechsel eine neue Verfassung gegeben, der das Volk mit 84<br />
Prozent zugestimmt hat. Der Wahlprozess ist eine kongolesische Angelegenheit.<br />
Zur Absicherung der Wahlen haben die Vereinten Nationen nun die<br />
Europäer um Hilfe gebeten. Also, die Bevormundung hält<br />
sich doch sehr in Grenzen.
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Wie kommt es denn eigentlich, dass ein<br />
Diktator es &quot;zulässt&quot;, dass es demokratische Wahlen<br />
geben soll?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Die Luft wird dünn für Diktatoren in<br />
Afrika. Allein schon durch neue Medien, Satellitenfernsehen, Internet<br />
usw. ist zumindest die kleine Mittelschicht viel besser auf dem<br />
Laufenden, was im Rest der Welt und vor ihrer eigenen Haustür<br />
passiert. Diktatoren haben es heute viel schwerer, ihre Völker<br />
für dumm zu verkaufen. Außerdem haben sich seit dem Ende<br />
des &quot;Kalten Krieges&quot; die Maßstäbe für<br />
Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit verändert. Heute wird<br />
schon mehr auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte<br />
geachtet. Es sei denn, man verurteilt das als unangemessene Einflussnahme<br />
oder Aufdrücken westlicher Demokratiemodelle.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein paar konkrete Fragen zum Wahlkampf:
</p>
<p>
<b>lolle: </b>Wie läuft der Wahlkampf im Kongo ab?
</p>
<p>
<b>Maximo:</b> Gibt es eine Möglichkeit der Bevölkerung,<br />
sich zu organisieren? Wie funktioniert das System in Kongo, das<br />
ja offensichtlich stabil zu sein scheint?
</p>
<p>
<b>Wegbereiter:</b> Wie sind die Chancen der politischen<br />
Wettbewerber und welche gibt es? Welche politischen Forderungen<br />
verfolgen diese?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Offiziell ist der Wahlkampf seit Anfang des Monats<br />
eröffnet. Man sieht in Kinshasa und anderen größeren<br />
Städte Banner, Spruchbänder und Plakate. Vor allem von<br />
Präsident Joseph Kabila und seinen Vizepräsidenten Bemba<br />
und Ruberwa. Es gibt Kundgebungen, Demonstrationen usw. Auf dem<br />
Land oder im Busch haben aber sicher ganz viele Leute noch nichts<br />
von den bevorstehenden Wahlen gemerkt.
</p>
<p>
<b>Leiden:</b> Welche Rolle spielen Medien im Kongo in<br />
Bezug auf eine Demokratie im Kongo?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Oh je. Es gibt 33 Präsidentschaftskandidaten<br />
und rund 9.000 Bewerber um 500 Parlamentssitze, mehr als 200 Parteien,<br />
viele Einzelkandidaten. Selbst bei den Präsidentschaftskandidaten<br />
gibt es einige, von denen selbst die Kongolesen noch nie etwas gehört<br />
haben. Es gibt staatlichen Rundfunk und Fernsehen, ein gutes Dutzend<br />
privater Tageszeitungen, aber die Verbreitung ist natürlich<br />
sehr mäßig (siehe Infrastruktur). Das wichtigste Medium<br />
&#8211; wie übrigens überall in Afrika &#8211; ist das Radio. Und<br />
hier tut sich der Sender der UN-Blauhelmmission, &quot;Radio Okapi&quot;,<br />
besonders positiv hervor. Die haben eine enorme Verbreitung, senden<br />
in vielen verschiedenen Sprachen und haben einen sehr guten Ruf<br />
in der Bevölkerung.
</p>
<p>
<b>polski:</b> Wie unabhängig ist der staatliche<br />
Rundfunk?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ist das eine ernsthafte Frage? Staatliche Medien<br />
sind immer das Sprachrohr der Herrschenden.
</p>
<p>
<b>Hanns:</b> Wie erklären sie die Kluft zwischen<br />
Stadt und Land, die unter anderem dadurch zum Ausdruck kam, dass<br />
in der Hauptstadt Kinshasa gerade mal 50,29 Prozent für die<br />
Verfassung stimmten, wogegen die Zustimmung in denen von Krieg betroffen<br />
Provinzen Nord- und Sud-Kivu bei 96,67 und 97,6 Prozent lag?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Das ist eine spannende Frage, auf die ich keine<br />
eindeutige Antwort habe. Auch Vertreter von Hilfsorganisationen,<br />
die im Nordosten aktiv sind, hat das sehr überrascht. Aber<br />
vielleicht liegt es daran, dass gerade dort die Menschen ihre ganze<br />
Hoffnung auf Frieden und Sicherheit in die neue Verfassung und die<br />
Wahlen setzen.
</p>
<p>
<b>polski: </b>Wie weit ist das Internet in Kongo verbreitet.<br />
Haben auch ärmere Leute Zugriff darauf?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Internet braucht Elektrizität, Internet braucht<br />
Nutzer, die lesen und schreiben können. Außer in den<br />
Städten spielt sich da also nicht ganz so viel ab. Aber die<br />
Verbreitung von Handys ist unglaublich hoch. Und die Leute informieren<br />
sich gegenseitig. Insofern ist das Internet auch in einem Land wie<br />
dem Kongo von großer Bedeutung.
</p>
<p>
<b>Wurstbrot:</b> Glauben Sie, dass Präsident Kabila<br />
jedes Wahlergebnis akzeptiert? Oder wird er sich eher wie Berlusconi<br />
verhalten und nichts unversucht lassen, die Wahl zu annullieren?<br />
Wie geht Kabila denn überhaupt mit der Mission um, die ihm<br />
ja ganz und gar nicht gefallen könnte?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Über genau diese Fragen zerbrechen sich viele<br />
kluge Leute den Kopf. Vielleicht ist Kabila das kleinere Übel,<br />
jedenfalls im Gegensatz zu den ehemaligen Milizenchefs und Politgangstern.<br />
Ob aber Kabila tatsächliche eine Niederlage akzeptieren würde,<br />
da habe ich so meine Zweifel. Aber niemand glaubt ernsthaft, dass<br />
Kabila verliert. Spätestens im zweiten Wahlgang dürfte<br />
er die absolute Mehrheit erreichen. Und viele Menschen auf dem Land<br />
kennen ja niemanden anders als Kabila. Das war für mich schon<br />
sehr eindrucksvoll zu erleben, als ich in der Ituri-Provinz unterwegs<br />
war.
</p>
<p>
<b>Basisdemokratie:</b> Welche afrikanischen Länder<br />
werden derzeit noch von Diktaturen regiert? Gibt es hier ähnliche<br />
Prozesse hin zu einer Demokratisierung? Wann ist damit zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Bei allem Elend, Bürgerkrieg und Not in Afrika<br />
muss man sich auch einfach mal klar machen, dass die Entwicklung<br />
der letzten Jahre doch eher hoffnungsvoll war. Friedensvertrag zwischen<br />
Nord- und Südsudan, Frieden in Angola, Sierra Leone, Liberia,<br />
Burundi. Aber oft ist es noch sehr brüchig. Und wenn man heute<br />
nach Somalia schaut, oder in die Darfur-Region, kann man nur das<br />
nackte Grauen kriegen.
</p>
<p>
<b>alf:</b> Wäre es nicht endlich an der Zeit die<br />
Folgen des Kolonialismus zu beseitigen, d.h. diesem absurden überdimensionierten<br />
Flächenstatt aufzulösen und der Multi-Ethnizität<br />
in diesem Gebiet Rechnung zu tragen? Man kann nicht so viele Ethnien<br />
in einem künstlichen Staat zusammenwerfen, aufgrund der Loyalität<br />
zu seiner Ethnie wird es immer zu Zwistigkeiten kommen.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ganz sicher nicht! Die Afrikaner &#8211; so verrückt<br />
es vielleicht klingen mag &#8211; wollen das so. Andererseits, wo sollte<br />
man aufhören? Den Kongo in zwei, drei oder 300 Staaten aufteilen.<br />
Wenn man damit anfangen würde, dann bräche das Chaos endgültig<br />
aus. Es gibt ja den Fall Äthiopien-Eritrea. Und auch dort stehen<br />
Blauhelme an der Grenze, nachdem sich die einstigen Bürger<br />
einen blutigen Krieg geliefert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben noch fünf Minuten. Schon<br />
jetzt eine Entschuldigung an dieser Stelle, dass wir nicht alle<br />
Fragen berücksichtigen können. Es liegen noch viele unbeantwortete<br />
Fragen vor. Hier kommen noch einige persönliche:
</p>
<p>
<b>lolle:</b> Unter welchen Bedingungen können Sie<br />
im Kongo arbeiten?
</p>
<p>
<b>Pretender2006:</b> Wie sieht Ihre Familie Ihren Einsatz<br />
in einem, unter Umständen nicht ganz so ungefährlichen<br />
Land. Hat sie Angst? Haben Sie selber Angst?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ehrlich gesagt, Voraussetzung ist ein ordentliches<br />
Hotel, ein kongolesischer Mitarbeiter, der weiß, wen man wo<br />
bestechen kann, um überhaupt geradeaus über die Straße<br />
zu kommen. Also, einerseits ist es das reine Chaos, andererseits<br />
gefallen mir die Menschen, mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem<br />
unbeugsamen Überlebenswillen. Deshalb habe ich mich trotz Elend<br />
und Chaos nicht unwohl gefühlt. Ohne ein bisschen Angst geht<br />
es nicht. Das ist auch ein nützlicher Sender für Gefahr.<br />
Und die Familie hat’s nicht leicht, ist aber dran gewöhnt<br />
und wartet in Nairobi, dass ich wieder heil nach Hause komme.
</p>
<p>
<b>martin78:</b> Wieso wollten Sie gerade nach Afrika?<br />
Was hat Sie daran gereizt?
</p>
<p>
<b>hannes:</b> Was reizt Sie an der Arbeit als Afrika-Korrespondent?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich habe hier in Kenia vor 23 Jahren mal einen<br />
Schulfreund besucht, der in der Entwicklungshilfe war und mich &#8211;<br />
platt gesagt &#8211; in Land und Leute verliebt. Manches nervt, vieles<br />
ist anstrengend. Aber Natur, Klima, die Freundlichkeit und Offenheit<br />
der Menschen faszinieren mich bis heute.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Deutschland hat im letzten Monat vor allem ein Thema<br />
die Menschen und die Medien beschäftigt. Dazu die letzte Frage<br />
nach Nairobi:
</p>
<p>
<b>vivelafrance:</b> Sind die Afrikaner eigentlich genau<br />
so fußballverrückt wie die Deutschen in den letzten vier<br />
Wochen gewesen?
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Jaaa! Schade nur, dass die Länder und Menschen<br />
hier in Ost- und Zentralafrika besser ohne Ball als mit durch die<br />
Gegend laufen können. Ich hätte gern auch ein oder zwei<br />
Vertreter aus Afrika in &quot;meinem&quot; Berichtsgebiet gehabt.<br />
Aber warten wir mal auf 2010.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat. Vielen Dank Herr Dohrenbusch,<br />
dass Sie sich Zeit genommen haben. Das Protokoll des Chats ist wie<br />
immer in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de zu finden. Das Tagesschau-Chat-Team dankt<br />
allen Teilnehmern für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen<br />
und wünscht noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p>
<b>Wim Dohrenbusch: </b> Ich bin ganz begeistert über die vielen tollen<br />
und interessanten Fragen. Vielen Dank an alle und: Kwaherini ya<br />
Ugerumani!
</p>
<p class="normal">
</p>
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