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	<title>Wirtschaftspolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wirtschaftspolitik &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Chat zur Wirtschaftskrise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2009 12:42:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Flickschusterei oder alternativlose Maßnahme? Die Große Koalition will die Bürger zum Konsumieren anregen und die Wirtschaft in der Krise stützen. 50 Milliarden Euro ist das beschlossene Konjunkturprogramm schwer. Den Traum von einem ausgeglichenen Haushalt muss die Kanzlerin damit begraben: denn das Konjunkturpaket II wird durch neue Schulden finanziert. Sind Steuerentlastungen auf Kosten der künftigen Generation gerecht? Was bringt das Konjunkturprogramm für den Einzelnen? Sind die Maßnahmen umfassend oder zu gering? Und warum wird die Automobilindustrie besonders gefördert?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Flickschusterei oder alternativlose Maßnahme? Die Große Koalition will die Bürger zum Konsumieren anregen und die Wirtschaft in der Krise stützen. 50 Milliarden Euro ist das beschlossene Konjunkturprogramm schwer. Den Traum von einem ausgeglichenen Haushalt muss die Kanzlerin damit begraben: denn das Konjunkturpaket II wird durch neue Schulden finanziert. Sind Steuerentlastungen auf Kosten der künftigen Generation gerecht? Was bringt das Konjunkturprogramm für den Einzelnen? Sind die Maßnahmen umfassend oder zu gering? Und warum wird die Automobilindustrie besonders gefördert?<!--break--></p>
<p>
Michael Bräuninger, Leiter des Kompetenzbereichs &quot;Wirtschaftliche Trends&quot; am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, ist zu Gast im Live-Chat. Von 12.00 bis 13.00 Uhr beantwortet er die Fragen der tagesschau.de-User.
</p>
<p>
Was möchten Sie von dem Konjunkturexperten Michael Bräuninger wissen? <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=217&amp;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stellen Sie hier bereits Ihre Fragen!</a>
</p>
<p>
Die tagesschau-Chats werden veranstaltet von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und politik-digital.de
</p>
<p>
<b>Zur Person:</b>
</p>
<p>
Michael Bräuninger, geboren 1963 in Bremerhaven. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Münster, Edinburgh und Hamburg. 1999 Habilitation an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, danach ist Bräuninger als Professurvertreter tätig. Seit 2006 leitet er am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) den Kompetenzbereich &quot;Wirtschaftliche Trends&quot;. Zu Bräuningers Forschungsschwerpunkten gehören Konjunktur und Wachstumspolitik. </p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:04 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<title>i2010: Digitales Wachstum in Europa</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-hworch_i2010_060330-shtml-3175/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[
                              Erklärtes Ziel der Initiative „i2010: Europäische Informations-gesellschaft 2010“ der Europäischen Kommission ist es, die Informationsgesellschaft und Medienindustrie in Europa zu stärken. Dieses Anliegen ist verständlich, denn dieser Sektor wird weltweit als der zukunftsträchtigste Wirtschaftsfaktor angesehen. Seine ökonomischen und technischen Verheißungen machen die Initiative i2010 zu einer Schlüsselkomponente der erneuerten 
                              Lissabon-Strategie der Kommission. Gleichwohl ist i2010 nicht nur ökonomisch motiviert. Beabsichtigt ist auch die Verbesserung der Partizipation und Vernetzung der Bürger und Regionen Europas.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>Erklärtes Ziel der Initiative „i2010: Europäische Informations-gesellschaft 2010“ der Europäischen Kommission ist es, die Informationsgesellschaft und Medienindustrie in Europa zu stärken. Dieses Anliegen ist verständlich, denn dieser Sektor wird weltweit als der zukunftsträchtigste Wirtschaftsfaktor angesehen. Seine ökonomischen und technischen Verheißungen machen die Initiative i2010 zu einer Schlüsselkomponente der erneuerten<br />
                              <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lissabon-Strategie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lissabon-Strategie</a> der Kommission. Gleichwohl ist i2010 nicht nur ökonomisch motiviert. Beabsichtigt ist auch die Verbesserung der Partizipation und Vernetzung der Bürger und Regionen Europas.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>
                              <strong>Wachstum und Konvergenz</strong>
                            </p>
<p>Die Lissabon-Strategie ist ein EU-Programm, das zum Ziel hat, die EU bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Sie basiert zu einem großen Teil auf dem Kommunikations- und Informationssektor, da in diesem Bereich erhebliches Wachstums- und Beschäftigungspotential steckt. Laut EU-Kommission beträgt sein Anteil am europäischen BIP-Wachstum 25% und am Produktivitätswachstum 40%. Deutlich wird die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) auch daran, dass sich die unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Industrieländern nicht zuletzt durch den jeweiligen Anteil der IKT-Wirtschaft am BIP erklären lässt.</p>
<p>
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Untersuchungen der EU</a> für den Zeitraum 1995-2000 verweisen auf einen Zusammenhang zwischen diesem Anteil und der Produktivität: So verzeichneten etwa Finnland und Irland bei einem Anteil von über 10% mit 2,5 bzw. 5,3 % ein Produktivitätswachstum weit über EU-Durchschnitt (1,4%), wohingegen Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien mit einem Anteil um 5% ein unterdurchschnittliches Produktivitätswachstum aufwiesen.</p>
<p>Um die wirtschaftlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen und die gebotene Erhöhung von Investitionen in den IKT-Bereich zu erreichen möchte die Kommission mit der Strategie i2010 der technologischen Entwicklung zur digitalen Konvergenz Rechnung tragen. Dieses Zusammenwachsen der zuvor getrennten Sphären des Inhalts, der Netze und der Geräte verlange, so die<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/com/2005/com2005_0229de01.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommission</a>, entsprechende „politische Konvergenz“.</p>
<p>
                            <strong>Politischer Handlungsbedarf</strong></p>
<p>Doch was ist unter einer „politischen Konvergenz“ zu verstehen? Welche Rolle spielt die Politik hierbei und wie weit sollte die Politik das Projekt unterstützen? In ihrer<br />
                            <a href="http://www.euractiv.com/29/images/Reding_Munich_tcm29-151856.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rede</a> am Digital Lifestile Day 2006 in München hat die zuständige Kommissarin Viviane Reding darauf hingewiesen, dass Entwicklung und Innovation im IKT- und Mediensektor in erster Linie Unternehmern und Wirtschaft vorbehalten bleiben müssten. Gleichwohl komme auch der Politik eine bedeutende Aufgabe zu. Dies ergebe sich schon aus den Hindernissen für eine optimale Entwicklung der IKT in Europa. Ein Grundproblem ist demnach die mangelnde industrielle Verwertung von Innovationen, die nach Reding ihre Ursache in der häufig durch Bürokratismus fehlgeleiteten öffentlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung hat.<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="blank" rel="noopener noreferrer">Der von EU und OECD angestellte Vergleich</a> mit anderen Industrienationen zeigt neben den Ausführungen der Kommissarin ein Defizit in der Höhe der Forschungsförderung. Während in den USA und Japan im Jahre 2002 350 bzw. 400 Euro pro Einwohner für Forschung und Entwicklung im IKT-Bereich ausgegeben wurden, waren es in Europa (EU 15) lediglich 80 Euro. Der Anteil an der Gesamtforschung war mit 18% nur etwa halb so hoch wie in den USA und Japan.</p>
<p>Aufholbedarf für Europa z.B. gegenüber Japan erkennt Reding in der genanten<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rede</a> zudem in Hinblick auf die Schnelligkeit der Netze: ein wesentlicher Faktor der Attraktivität digitaler Angebote für die Konsumenten. In der Tat liegt Europa mit einer Verbreitung der Breitband-Technologie bei 9% der Bevölkerung (Jan. 2005) hinter den USA (11,5%/2004) und Japan (14,6%), vor allem aber hinter Südkorea (26,8%) zurück.</p>
<p>Die inhaltliche Attraktivität wiederum sei durch ein strukturelles Problem der EU beeinträchtigt. Denn Voraussetzung für gute, attraktive Inhalte ist nach Reding der Schutz geistigen Eigentums. In diesem Bereich gebe es aber trotz aller Harmonisierungs-bemühungen nach wie vor 25 verschiedene Rechtslagen. Von einem einheitlichen Markt für Inhalte wie in den USA ist Europa folglich noch weit entfernt. Wie man sieht, eine ganze Menge Hürden, die politisch zu beeinflussen sind.</p>
<p>
                              <strong>Einheitlicher Informationsraum, Forschung und Integration</strong>
                            </p>
<p>Es besteht politischer Handlungsbedarf, der rechtliche und verwaltungsmäßige Rahmenbedingungen, den Ausbau der Infrastruktur sowie Umfang und Art der Forschungsförderung betrifft. Vor diesem Hintergrund zielt die Strategie i2010 auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Informationsraums sowie die finanzielle Erhöhung und qualitative Verbesserung der EU-Forschungsförderung ab. Als dritter Schwerpunkt wird darüber hinaus die „Förderung einer Informationsgesellschaft“ genannt, „die alle Menschen einbezieht.“ i2010 räumt also neben den ökonomischen auch den partizipatorischen Aspekten des digitalen Zeitalters Platz ein.<br />
                            <br />Der einheitliche Informationsraum soll zwischen 2005 und 2007 durch eine effektivere Fequenzverwaltung, eine Modernisierung der Vorschriften für die audiovisuellen Mediendienste sowie für elektronische Kommunikation, schließlich durch die Etablierung einer sicheren Informationsgesellschaft und einer effektiven und interoperablen Verwaltung digitaler Rechte vorangetrieben werden.<br />
                            <br />Zur Behebung der Unzulänglichkeiten im Forschungsbereich setzt die Kommission zum einen auf die Erhöhung der Forschungsausgaben. Diese sollen um 80% steigen. Finanziert werden soll das Vorhaben durch das 7. Forschungsrahmenprogramm (7.RP) sowie das Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Relevant ist insbesondere das 7. RP mit jährlichen Mitteln von 1,8 Milliarden Euro, während das zweite Programm zwischen 2007 und 2013 800 Millionen Euro bereitstellt. Zum anderen wird die Art der Förderung modifiziert. Vorgesehen ist eine Konzentration auf die wichtigsten Technologien im IKT-Sektor, etwa die Nanotechnologie. Erster Maßstab der Förderung soll stets ihre Relevanz für die Behebung von Engpässen für die weitere Entwicklung der digitalen Wirtschaft sein.<br />
                            <br />Die Teilhabe aller Menschen in Europa an den Vorzügen der Informationsgesellschaft ist Ziel des dritten Schwerpunkts der Strategie. Die Kommission hat diesbezüglich einen Aktionsplan für elektronische, bürgernahe Behördendienste vorgeschlagen. Digitale Bibliotheken sollen allen Bürgern den Zugang zur multilingualen europäischen Kultur ermöglichen. Die demographischen Entwicklung in Europa wird ebenso berücksichtigt: etabliert werden sollen Technologien für eine alternde Bevölkerung. Ab 2008 ist eine Initiative für die digitale Integration vorgesehen, mit dem Ziel geographische und gesellschaftliche Unterschiede zu überwinden.</p>
<p>Die Mitgliedstaaten sind aufgefordert worden, bis Oktober in ihren nationalen Reformprogrammen Prioritäten im IKT-Bereich zu setzen, um die Ziele der Kommissionsstrategie zu unterstützen. Bis zum 29.11. 2005 lagen entsprechende Ausführungen aus den meisten Mitgliedstaaten vor. Deutschland beschrieb seine Bemühungen im Dezember 2005. Das Programm soll eng mit der „High-Tech-Strategie Deutschland“ aus der<br />
                            <a href="http://www.spd.de/servlet/PB/show/1589444/111105_Koalitionsvertrag.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvereinbarung</a> abgestimmt sein. Die Bundesregierung verweist im Zusammenhang mit der Strategie 2010 zudem auf das noch von der alten Regierung erstellte Aktionsprogramm „<br />
                            <a href="http://www.bmbf.de/pub/aktionsprogramm_informationsgesellschaft_2006.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informationsgesellschaft 2006</a>“ aus dem Jahre 2003.<br />
                            </p>
<p class="fett">
                              
                            </p>
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		<title>Eine Lokomotive der Modernisierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Sep 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzpolitik im Reich der Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Informationstechnologie]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Expansion]]></category>
		<category><![CDATA[Wachstum]]></category>
		<category><![CDATA[Telekommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Herrschaft der Kommunistischen Partei und der Ökonomische Imperativ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Herrschaft der Kommunistischen Partei und der Ökonomische Imperativ<!--break--><br />
                            <strong>Warum braucht China das Internet? Weil moderne Informations- und Kommunikationstechnologien und die dazugehörige Industrie längst zu einem unverzichtbaren Faktor in den Modernisierungs-anstrengungen der chinesischen Regierung geworden sind. Ein Blick hinter die ökonomischen Kulissen.</strong></p>
<p>
                            <strong>Die Herrschaft der Kommunistischen Partei und der Ökonomische Imperativ</strong></p>
<p>Produktionsgenossenschaften, landwirtschaftliche Kollektive und zentrale Wirtschaftsplanung? Die Zeiten umfassender Staatswirtschaft sind in China längst vorüber. Und mit dem forcierten Übergang zur Marktwirtschaft verschiebt sich auch zunehmend die Legitimations-grundlage der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Sie leitet sich immer weniger von ideologischen Dogmen ab. Immer wichtiger hingegen wird der ökonomische Fortschritt. Denn in der Bevölkerung wird die KPCh in verstärktem Maße daran gemessen, ob sie ihr Versprechen von einem „bescheidenen Wohlstand“ der Bürger erfüllen kann. Da stetiung des Grundlage eines konstanten Wirtschaftswann, sieht sich die Peking zunehmend mit einem ökonomischen Imperativ konfrontiert, der da lautet: Ein jährliches Wirtschaftswachstum von mindestens sieben Prozent.</p>
<p>
                            <strong><br />
                            <br />Der Informations- und Kommunikationssektor als Lokomotive der Modernisierung<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Schon bald nach der Entscheidung für den markwirtschaftlichen Modernisierungskurs in den Jahren 1978/79 entdeckte die chinesische Führung die Informations- und Kommunikationsindustrie (IuK) als potentielles Zugpferd der ökonomischen und technologischen Modernisierung des Landes. Bereits unter Deng Xiaoping, dem Architekten der wirtschaftlichen Öffnung, wurde die Telekommunikationsindustrie zu einem wichtigen Zögling der Regierung. Der Aufstieg des einstigen Ministers der Elektroindustrie Jiang Zemin zum Staats- und Parteichef beschleunigte diese Entwicklung. Um die administrativen Kapazitäten für die Förderung der nationalen IuK-Branche zu erhöhen, folgte im Jahr 1998 die Schaffung eines neuen, mächtigen „Superministeriums“ für<br />
                            <a href="http://www.mii.gov.cn/mii/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informations-industrie</a>. Und auch in der neuen „Vierten Führungsgeneration“ (seit 2002) scheinen die Voraussetzungen für eine Fortführung dieses Kurses mehr als günstig: Fast alle wichtigen Führungspersönlich-keiten haben ein naturwissenschaftlich-technisches Studium hinter sich und weisen so eine sehr große Affinität zu modernen Technologien auf. Nicht umsonst spricht man auch von einer Generation der „Technokraten“.</p>
<p>Übertragen auf die wirtschaftspolitische Realität der vergangenen Jahre bedeutete diese Prioritätensetzung umfassende Anstrengungen zum Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur und eine massive Förderung der nationalen IuK-Industrie. So wurde dem Ausbau dieser Branche und der Förderung der entsprechenden Technologien im zehnten Fünfjahresplan (2000-2005) explizit eine Schlüsselrolle zugeschrieben.</p>
<p>
                            <strong>Die Rolle des Mediums Internet</p>
<p></strong>Dieser hohe ökonomische Stellenwert der Telekommunikationsbranche hatte unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung des Internets in China: Er führte unweigerlich dazu, dass die Nutzung und Förderung des neuen Mediums unentbehrlich wurde. Nicht nur als eigenständiger Wirtschaftsfaktor (eBusiness, Software, Internetdienstleistungen und Kommunikation), sondern vor allem auch als Katalysator einer Computerisierung des Landes und deren Bevölkerung ist das Internet zu einem unverzichtbaren Instrument geworden &#8211; eine boomende Wirtschaft braucht Absatzmärkte, in diesem Fall neue Computernutzer. Besonders wenn man sich die geographischen und demographischen Verhältnisse im Riesenreich vor Augen führt, ist die Nutzung des Internets für die chinesische Regierung auch in anderen Bereichen sehr vielversprechend. Man denke nur an eine Erhöhung der administrativen Kapazitäten durch die vielfältigen Möglichkeiten des eGovernment, eine Erhöhung des Fachkräftepotenzials durch einen Ausbau des Online-Studiums (eLearning) oder eine Modernisierung der<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/globalisierung/cyberwar.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Militärtechnik</a>.</p>
<p>
                            <strong>Momentaufnahme 2005: Internationale Expansion und nachhaltiges Wachstum</p>
<p></strong> Betrachtet man die Daten aus dem<br />
                            <a href="http://www.stats.gov.cn/english/statisticaldata/yearlydata/yb2004-e/indexeh.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jahrbuch 2004</a> des staatlichen chinesischen Statistikamtes, so scheint die Rechnung der Regierung aufzugehen: Enorme Wachstumsraten, hohe ausländische Direktinvestitionen, steigende Exportzahlen und die Entstehung neuer Arbeitsplätze in der Telekommunikationsindustrie und benachbarten Zweigen. So hat sich beispielsweise das Geschäftsvolumen im Bereich der Telekommunikationsdienstleistungen innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als verdoppelt. Neuere<br />
                            <a href="http://www.zdnet.de/news/print_this.htm?pid=39119846-39001020c" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Prognosen</a> sagen voraus, dass China bis zum Jahr 2008 zum weltweit größten Markt für Computerchips heranwachsen wird. Dass die IuK-Branche boomt, zeigen nicht nur nackte Zahlen, sondern auch der Blick in die chinesischen Großstädte: Ganze Straßenzüge sind mit gut besuchten Elektronik-Kaufhäusern (wie dem<br />
                            <a href="http://www.buynow.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BuyNow</a>) zugepflastert, an jeder Ecke erhält man billige Software-Raubkopien.</p>
<p>Aber schon längst beschränkt sich die chinesische IT-Industrie nicht mehr darauf, die Werkbank für ausländische Konzerne und Investoren zu sein. Die neue Strategie lautet: Qualitätsoffensive, nachhaltiges Wachstum und Eintritt in den<br />
                            <a href="http://www.crn.de/cms/1858.0.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Weltmarkt</a>. Bei all diesen Bemühungen werden die inländischen Firmen von der chinesischen Regierung aktiv unterstützt. So war staatlicher Protektionismus im Bereich der Computerchip-Produktion auch der Anlass für den ersten größeren<br />
                            <a href="http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39120703,00.htm%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Handelsstreit</a> zwischen den USA und China nach dessen Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO). Den unbedingten Willen der chinesischen Produzenten, in ausländische Märkte vorzudringen, zeigt ein aktuelles Beispiel im Hardwarebereich. Im Dezember letzten Jahres vermeldete der chinesische Computerproduzent<br />
                            <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/54052" target="_blank" rel="noopener noreferrer">LeNovo</a> die Übernahme des PC-Geschäftes des amerikanischen IT-Giganten IBM. Mit diesem spektakulären Schachzug stieg LeNovo nicht nur mit einem Schlag zum drittgrößten Computerhersteller der Welt auf, sondern erwarb nach Meinung vieler Analysten gleichzeitig durch die Rechte am Markennamen eine Eintrittskarte für den europäischen und amerikanischen Markt.</p>
<p>Parallel zu diesen wirtschaftspolitischen Erfolgen tragen auch die Bemühungen der Regierung um höhere Internet-Nutzerzahlen reiche Früchte: Während das China Internet Network Information Center (<br />
                            <a href="www.cnnic.com.cn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CNNIC</a>) für das Jahr 1997 lediglich eine Zahl von 620.000 Internet-Nutzern ermittelte, lag diese Zahl Anfang diesen Jahres schon bei 94 Millionen. Inoffizielle Schätzungen, die die Besucher von Internet-Cafes mitzählen, gehen von weit über 100 Millionen chinesischen Usern aus.</p>
<p>
                            <strong>Die Kommunistische Partei im Modernisierungsdilemma</strong></p>
<p>Eine Erfolgsgeschichte für die KPCh? Nicht auf der ganzen Linie. Denn die Nutzung neuer Technologien birgt auch Gefahren für die autoritär regierende Partei. Dies gilt insbesondere für den Medien- und Informationssektor, wenn durch deren Nutzung neue Möglichkeiten zur Verbreitung von unerwünschten Informationen und Kommunikationskanäle für Regimegegner entstehen. Und so wird die Tagespolitik in Peking derzeit von einem Spannungsverhältnis bestimmt, einem Oszillieren zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite ist man auf den Einsatz neuer Technologien angewiesen, um die hohen Wachstumsraten der Volkswirtschaft zu sichern; gleichzeitig muss man den Gefahren, die diese Technologien für die eigene Macht bergen, aktiv entgegenwirken.</p>
<p>Besonders gut zeigt sich dieses Dilemma beim Umgang der Regierung mit dem Internet, der an einen Drahtseilakt erinnert: Der ökonomische Imperativ macht eine Nutzung des Internets unumgänglich &#8211; zugleich versucht die Staatsmacht aber mit allen verfügbaren Mitteln, eine systemdestabilisierende Nutzung zu verhindern &#8211; durch die Überwachung der Nutzer und eine Kontrolle der verfügbaren Informationen.</p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Informationsgesellschaft aus Sicht der Wirtschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jpiegsa]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jul 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
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		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
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		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Standardisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Die deutsche Wirtschaft liegt mit ihrer Bereitschaft, eBusiness und Online-Technologien zu verwenden, auf einem weltweit vierten Platz. Was bedeutet die Informationsgesellschaft für die deutsche Wirtschaft und welche Interessen verfolgt sie dabei? Jan Piegsa hat einige Wirtschaftsvertreter für politik-digital.de befragt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die deutsche Wirtschaft liegt mit ihrer Bereitschaft, eBusiness und Online-Technologien zu verwenden, auf einem weltweit vierten Platz. Was bedeutet die Informationsgesellschaft für die deutsche Wirtschaft und welche Interessen verfolgt sie dabei? Jan Piegsa hat einige Wirtschaftsvertreter für politik-digital.de befragt.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland liegen mit ihrer Bereitschaft, eBusiness und Online-Technologien zu verwenden, auf einem weltweit vierten Platz, so das Ergebnis der eReadiness-Studie 2005 der Economist Unit Intelligence und IBM. Zentrale Erkenntnis: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Die Ausgaben für Informations- und Telekommunikations-technologien (ITK) steigen weltweit. Die digitale Wirtschaft wächst und gedeiht auf allen Kontinenten. Folgt nun eine realistischere Entwicklung, nachdem der erste Hype durch überzogene Versprechen riesiger Markt- und Profitpotenziale zu Stande kam?</p>
<p>Digitalisierung und Internet sind Basisinnovationen, die die Wirtschaftswelt revolutionierten und „globalisierten“. Trotz Dotcom-Blase waren Informations- und Kommunikationstechnologien in den letzten Jahren ein wesentlicher Treiber des weltweiten Produktivitätsfortschritts. „In der Europäischen Union schätzt man ihren Anteil am Produktivitätswachstum auf rund 40 Prozent“, sagt Carsten Rolle, vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).</p>
<p>„Die“ Wirtschaft gliedert sich aber in viele Branchen und Unternehmen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen. Peter Hellmonds von Siemens unterscheidet zwischen Produzenten und Nutzerinteressen. Unternehmen, die wie Siemens Communications Produkte und Lösungen für die Informationsgesellschaft herstellen, haben vor allem an der Ausweitung des Marktes Interesse: „Das steigert den Absatz der Produkte, sichert Arbeitsplätze in Deutschland und schafft im Idealfall sogar neue Arbeitsplätze“, sagt Hellmonds.</p>
<p>Wirtschaftszweige, die ITK nutzen, suchen demnach in erster Linie nach Wettbewerbsvorteilen gegenüber ihrer Konkurrenz. Durch den intelligenten Einsatz von Kommunikationsprodukten und -lösungen sei man schneller „am Markt“ und könne kostengünstiger produzieren. Effizienz und Marktanteil sind dabei Richtwerte, die auch im Interesse der Wirtschaft insgesamt liegen.</p>
<p>
                              <strong>Basis Bildung</strong>
                            </p>
<p>Eine grundlegende Gemeinsamkeit in deutschen Chefetagen sei die Erkenntnis, „dass wir uns international nur dann behaupten können, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und sie weiterhin als wichtigen Differenzierungsfaktor fördern“, sagt Peter Hellmonds und verweist auf die Innovationskraft von Forschung an Universitäten, in Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Möglichst früh müsse ein Grundverständnis im sinnvollen Umgang mit neuen Informationstechnologien vermittelt werden, fordert selbst der BDI. Und auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) möchte Schulkinder und Studenten möglichst mit modernsten Laptops ausstatten, die drahtlos mit dem Internet verbunden werden können. Die Finanzierung sei „eigentlich originäre Aufgabe des Staates“, sagt Maurice Shadh von der BITKOM. Da die öffentliche Hand aber unter chronischen Finanzproblemen leidet, seien Public Private Partnerships, wie „Schulen ans Netz“ gefragt.</p>
<p>
                              <strong>Regulationen und Investitionen – die Rolle des Staates</strong>
                            </p>
<p>Für die IKT-Branche und darüber hinaus sind staatliche Akteure auch deshalb von Bedeutung, weil sie Rahmenbedingungen und Standards setzen, zum anderen aber auch selbst als Investor auftreten.<br />
                            <br />Durch klare gesetzliche Vorgaben zu Patenten, zum Copyright, zur Datensicherheit und zum Kunden- und Datenschutz wird Rechtssicherheit für die Nutzer neuer Technologien geschaffen.</p>
<p>Gerade der Datenschutz ist ein brisantes Thema. „Einerseits darf er nicht zum Hemmnis dynamischer Entwicklungen werden, andererseits aber auch nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Carsten Rolle vom BDI. Regulierungen sollen möglichst wenig restriktiv sein und neue Anwendungen nicht behindern.</p>
<p>Der Staat setzt aber auch Standards und prägt damit die technologische Entwicklung. Die frühzeitige Standardisierung im Mobilfunksektor habe den in Europa entwickelten GSM-Standard quasi zum Weltstandard gemacht. Für Hellmonds ein klarer Wettbewerbsvorteil für europäische Anbieter: „Wenn wir uns die nächste Generation von Netzen ansehen, werden auch hier Standardisierungsthemen ein wichtiger Erfolgsfaktor sein.“</p>
<p>Im Bereich des eGovernment wird der Staat selbst zum Investor in ITK. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung werde Strukturreformen und eine stärkere Kundenorientierung der öffentlichen Verwaltung bewirken – eGovernment wird so zum Standortfaktor im internationalen Wettbewerb. „Die am häufigsten von Unternehmen geäußerte Erwartung an eGovernment-Prozesse ist, dass sie schnellere Bearbeitungszeiten ermöglichen“, weiß Rolle vom BDI. Damit eGovernment „endlich in die Fläche kommt“, sollten die politischen Akteure möglichst eng kooperieren, um die begrenzten finanziellen Ressourcen effektiv zu nutzen.</p>
<p>Ob nun Maut-System, die für 2006 angekündigte elektronische Gesundheitskarte bis hin zur geplanten Jobcard – allesamt sollen sie mehr Transparenz und Effizienz erzielen. Der staatlich forcierte Einsatz modernster Technik soll dabei auch Vertrauen schaffen. „Letztendlich könnte auch ein Anreiz bei den Bürgern entstehen, sich einen Computer zuzulegen“, meint Shadh von der BITKOM.</p>
<p>
                              <strong>Europäische Lösungen für den internationalen Markt</strong>
                            </p>
<p>Da die europäische IKT-Branche im weltweiten Vergleich bislang nur im Mittelfeld zu finden ist, fordert der BITKOM eine europäische Strategie und mehr Förderprojekte für die Informationswirtschaft. Nach dem europäischen Erfolgsprojekt Airbus sollten sich IKT-Unternehmen der EU-Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene zu größeren Einheiten zusammenschließen und ein Gegengewicht zu Amerikanern und Asiaten bilden. Ein solches Konsortium könnte etwa bei der Entwicklung des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo zum Tragen kommen, das mit dem bestehenden amerikanischen GPS konkurrieren soll. Bislang gestaltet sich die Zusammenarbeit aber schwierig. Bundesminister Manfred Stolpe drohte schon mit dem Rückzug der Bundesregierung aus dem Projekt, falls deutsche Unternehmen nicht stärker eingebunden würden.<br />
                            <br />Synonym für die Erwartungen der Wirtschaft an die Informationsgesellschaft steht der Slogan eines Ingolstädter Autofabrikanten: „Vorsprung durch Technik“.</p></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Prof. Rudolf Hickel zum Job-Gipfel</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/prof_rudolf_hickel_zum_jobgipfel-228/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Hickel]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Am Sonntag, 20. 
März, sprach Professor Hickel im tagesschau.de Live-Chat von 
tagesschau.de und politik-digital.de über den Beschäftigungsgipfel 
und die aktuelle Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Am Sonntag, 20.<br />
März, sprach Professor Hickel im tagesschau.de Live-Chat von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de über den Beschäftigungsgipfel<br />
und die aktuelle Wirtschaftspolitik der Bundesregierung.</span><!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderator:</span> Herzlich Willkommen<br />
zum tacheles.02-Chat zum „Bericht aus Berlin“. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 wird von tagesschau.de und politik-digital.de veranstaltet.<br />
In Bremen begrüße ich jetzt den Professor Rudolf Hickel,<br />
Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Uni<br />
Bremen. Sind Sie bereit, Herr Hickel, können wir loslegen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Ich bin gerne bereit!
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Ok, hier die erste Frage:
</p>
<p>
<span class="fett">amon:</span> Was meinen Sie denn, mit einer<br />
Vermögenssteuer zu erreichen, außer dass Kapital legal/illegal<br />
abwandert?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Die Vermögensteuer<br />
könnte ein Beitrag sein, Finanzmittel für die Bildungsinvestitionen<br />
zu gewinnen. Übrigens, das &#8216;Häusle &#8216; bliebe steuerfrei.
</p>
<p>
<span class="fett">Jason:</span> Herr Prof. Dr. Hickel, macht es<br />
nicht mehr Sinn, statt der Körperschaftssteuer die Lohnnebenkosten<br />
zu senken? Schafft das nicht eher Arbeitsplätze, wenn man die<br />
Arbeit billiger macht, statt die Unternehmensgewinne zu maximieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Die Senkung des Satzes<br />
der Körperschaftsteuer auf 19% halte ich nicht für sinnvoll.<br />
Kleinere und mittlere Unternehmen müssten für Investitionen<br />
in Arbeitsplätze steuerlich belohnt werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Wo sollte der Steuersatz ihrer<br />
Ansicht nach liegen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Der derzeitige Steuersatz<br />
von 25% ist auch im internationalen Vergleich akzeptabel. Wichtig<br />
ist die Mindestbesteuerung. Da hat der Bundeskanzler Recht. Viele<br />
Kapitalgesellschaften können frühere Verluste immer noch<br />
bis 60% mit heutigen Gewinnen verrechnen.
</p>
<p>
<span class="fett">TomBerlin:</span> Wäre es nicht auch sinnvoller<br />
die Eigenheimzulage abzuschaffen und in die Renovierung von Schulen<br />
zu stecken? Es hätte den Vorteil, dass dadurch das Handwerk<br />
weiterhin begünstigt würde?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Ich stimme Ihnen eindeutig<br />
zu. Die Eigenheimzulage sollte komplett abgeschafft werden. Gezielte<br />
Hilfen im Rahmen der Stadtentwicklung sind sinnvoll. Reparaturen<br />
von Schulen aus den Mitteln zu finanzieren, das ist sinnvoll!
</p>
<p>
<span class="fett">Andreas Thiel:</span> Sollte man die Mehrwertsteuer<br />
auf handwerkliche Produkte und Dienstleistungen senken, um der Ich-AG<br />
und dem Familienbetrieb unter die Arme zu greifen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Ich stimme Ihnen zu. Mein<br />
Vorschlag ist, für Handwerker den ermäßigten Satz<br />
von 7% zuzulassen. Das ist auch ein Beitrag gegen Schwarzarbeit.
</p>
<p>
<span class="fett">Kampfwissenschaft:</span> Herr, Hickel: In den<br />
USA gibt es ein hohes Wirtschaftswachstum. Dort wird, trotz steigender<br />
Bevölkerungszahl, die Arbeitslosenquote gesenkt. Warum übernehmen<br />
wir nicht mehr Elemente des US-Wirtschaftssystems?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Das ist ein spannender<br />
Vorschlag. In der Tat, in den USA ist die Finanzpolitik expansiv<br />
ausgerichtet, allerdings für Militärausgaben. Wir Europäer<br />
können vor allem von der Geldpolitik à la Greenspan<br />
lernen. Die USA zeigt, die Wirtschaftspolitik Makroökonomie<br />
kann produktiv wirken
</p>
<p>
<span class="fett">Martin_Hoffmann:</span> Ich verstehe nicht,<br />
warum der Turbokapitalismus durch eine Steuersenkung weiter angefacht<br />
werden sollte &#8211; müssen sich die Unternehmen nicht umso &#8216;brutaler<br />
&#8216; verhalten, je mehr ihnen vom Gewinn abgezogen wird?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Ich denke, die Kausalität<br />
ist umgekehrt. Steuersenkungen erhöhen die Nettogewinne. Die<br />
fließen aber nicht in die Finanzierung neuer Arbeitsplätze.<br />
Im Gegenteil. Siehe nicht nur das Beispiel Deutsche Bank.
</p>
<p>
<span class="fett">frank37:</span> Körperschaftssteuer wie<br />
z. Zt. diskutiert ist ja das eine, wir wie viele kleinere Unternehmen<br />
sind eine GbR, stehen also u.a. auch voll in der Haftung, und ich<br />
habe das Gefühl dass dieser Bereich in den meisten Überlegungen<br />
in Berlin wenig Berücksichtigung findet
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Zum Teil haben Sie Recht.<br />
Immerhin hat die Bundesregierung dafür gesorgt, dass die Gewerbesteuer<br />
bei den Personenunternehmen von der Einkommensteuer abgezogen werden<br />
kann. Der Bundeskanzler hat am Donnerstag angekündigt, dass<br />
die gesamte Gewerbesteuer komplett abziehbar wird. Das ist gut so.
</p>
<p>
<span class="fett">herakles:</span> Ist nicht das wirkliche Problem<br />
in Deutschland, das uns durch Rationalisierung und Einsatz von Maschinen<br />
und Computern die Arbeit ausgeht. Ist es nicht viel sinnvoller die<br />
noch vorhandene Arbeit aufzuteilen, auch wenn dies nicht bei vollem<br />
Lohnausgleich geschieht?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Sie treffen den Nagel<br />
auf den Kopf. Sie weisen damit auf ein ärgerliches Tabu hin.<br />
Im langfristigen Trend brauchen wir weniger Arbeit wegen der wachsenden<br />
Produktivität. Da müsste die Arbeitszeit intelligent gekürzt<br />
werden. Das Gegenteil prägt die Praxis.
</p>
<p>
<span class="fett">Wiberg:</span> Herr Prof. Hickel, ich vermisse<br />
in der eigentlich doch sehr ernsten Diskussion um die Frage wie<br />
man Arbeitsplätze schaffen könnte eine seriöse ANALYSE<br />
der Ursachen. Bevor man an Maßnahmen denkt muss eine Situationsanalyse<br />
erstellt und eine Strategie entwickelt werden. Dann erst geht es<br />
an die Maßnahmen. In den Medien wird bis zum Erbrechen über<br />
Patentrezepte gestritten, sei es Politikerrunden, z.B. auch der<br />
heutige Pressespiegel. Peinlich!
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Fehlt die Analyse oder nicht.<br />
Die Wissenschaftler sind sich ja auch nicht ganz, einig, was hilft<br />
oder nicht.
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Das ist wohl wahr. Wir<br />
brauchen eine gute Ursachenanalyse. Aber ich muss die Politiker<br />
auch mal in Schutz nehmen. Die &#8216;mainstream economics&#8217; verkündet<br />
eine Rezeptur, die nicht viel hilft. Wer heute fordert, Löhne<br />
zu senken, der schwächt die Binnenwirtschaft. Unsere Wirtschaftswissenschaft<br />
hat große Probleme.
</p>
<p>
<span class="fett">Keynes:</span> Sie arbeiten ja auch in der &#8216;Arbeitsgruppe<br />
Alternative Wirtschaftspolitik &#8216; mit. Wen man sich deren jährliche<br />
Memoranden ansieht, muss man feststellen: Sie hatten in der Vergangenheit<br />
völlig Recht mit ihren Analysen. Ihre Politikvorschläge<br />
sind aber völlig anders als die praktizierten. Warum finden<br />
diese nicht viel mehr Gehör in der Öffentlichkeit, da<br />
man doch überprüfen kann, dass ihre Voraussagen wesentlich<br />
treffender waren?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Es ist besser, sich seine<br />
eigene Meinung zu bilden. Zu erst danke ich dem von mir hochgeschätzten<br />
Lord Keynes für den Hinweis. Keynes hat die Antwort gegeben.<br />
Was an Rezepten realisiert wird, ist immer eine Machtfrage. Ich<br />
habe den Eindruck, dass die Arbeitslosigkeit den Sozialstaats-Demonteuren<br />
ganz gut zu Pass kommt.
</p>
<p>
<span class="fett">Wiberg:</span> Was meinen Sie damit, &#8216;unsere<br />
Wirtschaftswissenschaft hat große Probleme?&#8217;
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Danke für die Nachfrage.<br />
Ich sage es mal ganz deutlich: Die Empfehlungen meines Kollegen<br />
Sinns, Deutschland müsse ein Billiglohnland werden sind katastrophal.<br />
Da droht die beratende Wirtschaftswissenschaft zur größten<br />
Standortbelastung zu werden.
</p>
<p>
<span class="fett">dt16:</span> Herr Hickel, wenn wir unser Land<br />
mit Großbritannien, Frankreich oder anderen bedeutenden Wirtschaftsnationen<br />
vergleichen, muss fast immer festgestellt werden, dass die Menschen<br />
in (West-) Deutschland besser leben, aber immer unzufriedener sind<br />
und schon fast immer waren. Sind wir nicht einfach ein Volk von<br />
notorischen Jammerern?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Sicherlich sind wir Deutschen<br />
im Jammern gut. Aber mit Verlaub, ein Arbeitsloser, der per Zumutbarkeit<br />
in den Niedriglohnsektor gesteckt wird, der hat ja auch Grund zum<br />
Jammern. Gelegentlich habe ich den Eindruck, der Vorwurf vom ständigen<br />
Jammern machen diejenigen, die massiv die Lebensbedingungen der<br />
Beschäftigten verschlechtern.
</p>
<p>
<span class="fett">interesse:</span> Lohnerhöhungsdebatten<br />
sind doch Scheindebatten in Anbetracht der hohen Lohnnebenkosten.<br />
Die Lohnhöhe ist Ok, allerdings werden sie durch die Sozialabgaben<br />
belastet. Wäre es nicht auch bzgl. des Wandels der Beschäftigungslebensläufe<br />
der Menschen klüger und gerechter, die Sozialabgaben über<br />
die Steuer zu erheben?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Ihre Anregung finde ich<br />
aus zwei Gründen wichtig. Erstens werden die sozialen Risiken<br />
vielschichtig. Darauf müsste mit einer Grundsicherung reagiert<br />
werden. Zweitens können über ein allerdings gerechtes<br />
Steuersystem die Einkommensstarken und Vermögenden in die Finanzierung<br />
relativ stärker einbezogen werden.
</p>
<p>
<span class="fett">SFXartist: </span>Bundespräsident Köhler<br />
erklärt die BRD implizit zur einem Großbetrieb, wenn<br />
er Vorfahrt für Arbeitsplätze fordert. Aber Wirtschaft<br />
ist nur ein Teil der Gesellschaft. Die zentralen Prämissen<br />
für &#8216;nationale Betriebswirte&#8217; dürfen nicht aus den Wirtschaftswissenschaft<br />
kommen, sondern aus der Gesellschaftswissenschaft, oder? Wir müssen<br />
von konstant hohen Arbeitslosenzahlen ausgehen und dahingehend die<br />
Gesellschaft neu ordnen, stimmen Sie zu?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Auf Ihre Anmerkungen hin<br />
kann ich mich kurz fassen. Sie haben völlig Recht. Der Bundespräsident<br />
sollte einen strategischen Satz von Schröder am vergangnen<br />
Donnerstag übernehmen. Der soziale Zusammenhalt ist kein Luxusgut,<br />
sondern zentral für die Demokratie.
</p>
<p>
<span class="fett">Stockholm: </span>Ok, vielleicht kommt ja eine<br />
Frage von mir durch ;-). Herr Hickel, der Bundespräsident Köhler<br />
hat sehr grundsätzlich einen Niedergang der deutschen Ordnungsvorstellungen<br />
aus den 50er/60er Jahren beklagt. Halten Sie eine Wiederbelebung<br />
dieser Ordnung angesichts von hohem materiellen Wohlstand, Globalisierung,<br />
Europäisierung etc. für zeitgemäß?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Es sind ne Menge Fragen, aber<br />
wie man sieht, man hat Chancen&#8230;
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Ich finde, eine ernstgenommene<br />
Konzeption &#8216;Soziale Marktwirtschaft&#8217; taugt als Leitbild für<br />
die EU, wie überhaupt für die weltweite Wirtschaftsordnung.<br />
Dabei kommt es auf die beiden Säulen an: harter ökonomischer<br />
Wettbewerb plus Sozialstaat und ökologische Vorsorge. Von diesem<br />
Konzept hat sich der Bundespräsident leider verabschiedet.
</p>
<p>
<span class="fett">zuleser: </span>Ist Ihrer Ansicht nach die Erwartung<br />
ständigen Wirtschaftswachstums haltbar? Müssen wir uns<br />
nicht angesichts der demografischen Entwicklung und der Konkurrenz<br />
der Schwellenländer mittel- und langfristig eher auf ein Schrumpfen<br />
der Wirtschaft einstellen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Die Frage bricht mit dem<br />
Wachstumstabu. Und das ist gut so: Unter dem Regime der Umweltkrise<br />
müssen wir endlich wieder fragen: Was soll, für wen wachsen.<br />
Ökologischer Umbau ist wichtig. Leider haben sich die Regierungsgrünen<br />
von dieser Aufgabe machtpolitisch verabschiedet.
</p>
<p>
<span class="fett">Udo Becker:</span> Wie aber den Spagat zwischen<br />
den Idealen der Sozialen Marktwirtschaft einerseits und der Realität<br />
der Globalisierung andererseits schaffen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Darüber lohn sich<br />
ganz intensiv nachzudenken. Eine Antwort könnte sein: Es geht<br />
ja nicht um den Rückfall in nationalen Protektionismus. Die<br />
Globalisierung muss gestaltet werden. Und dazu bedarf es eines Leitbilds.<br />
Dazu taugt das Konzept sozial-ökologische Marktwirtschaft.<br />
Aber auch Wettbewerbspolitik gehört dazu &#8211; zur Bändigung<br />
der großen Multis (Microsoft etc.).
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> noch mal konkret zu dem was<br />
helfen könnte:
</p>
<p>
<span class="fett">Stockholm:</span> Guten Abend aus Stockholm.<br />
Eine weitere Frage an Prof. Hickel: Kann die strukturelle Arbeitslosigkeit<br />
in Deutschland mittel- und langfristig durch Investitionen beseitigt<br />
werden? Welche Investitionen müssten das sein, in Straßen,<br />
Brücken und Gebäude oder andere?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Danke für die Nachfrage<br />
aus Stockholm. Hätten wir einen konjunkturellen Aufschwung,<br />
dann würden sich viele strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt<br />
schnell auflösen. Wir brauchen eine öffentliche Investitionsinitiative<br />
auf die Gemeinden konzentriert. Diese Forderung der Gewerkschaften<br />
(ver.di/IGM) ist richtig. Die Investitionsfelder haben sie vortrefflich<br />
genannt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Das hat die kommende Frage<br />
vielleicht noch nicht ganz beantwortet, weil grundsätzlich:
</p>
<p>
<span class="fett">yves:</span> Verspricht Keynes Linderung auch<br />
bei strukturellen Problemen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Die keynessche Wirtschaftspolitik<br />
setzt darauf, dass die effektive Nachfrage erhöht wird. Das<br />
Marktsystem führt dazu, dass wir etwa heute nicht über,<br />
sondern unter unseren Verhältnissen leben. Wir könnten<br />
mehr produzieren! <br />
Sicherlich müssen wir mit Bildung und Qualifizierung die strukturellen<br />
Voraussetzungen auf den Arbeitsmärkten verbessern. Das geht<br />
dann auf, wenn die effektive Nachfrage auch realisiert wird.
</p>
<p>
<span class="fett">taghawi-nejad: </span>Aber führen Investitionen<br />
zur Belebung der Wirtschaft nicht zu mehr Steuern und verhindern<br />
die Belebung der Wirtschaft dadurch?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> In der Tat, sie haben<br />
Recht. Wir müssen uns sehr genau anschauen, wie wir diese Investitionsinitiative<br />
finanzieren. Mit höheren Steuern &#8211; das wäre ein Schuss<br />
in Ofen. Wir brauchen eine Vorfinanzierung über die Kreditaufnahme.<br />
Damit würde zugleich die riesige Liquidität abgeschöpft.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Damit stiege die Neuverschuldung<br />
und die 3%-Grenze des EU-Stabilitätspaktes ist endgültig<br />
dahin. Spielt der für Sie keine Rolle mehr?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Hätte ich noch ein bisschen<br />
gewartet, hier ist auch das gleiche von:
</p>
<p>
<span class="fett">Jason:</span> Angesichts des Stabilitätspaktes<br />
innerhalb der EU, wie wollen Sie ein Investitionsprogramm für<br />
mehr Arbeitsplätze, das wahrscheinlich zur Erhöhung der<br />
Verschuldung führen wird europapolitisch verkaufen? Ist da<br />
nicht ein neuer &#8216;blauer&#8217; Brief und Strafzahlungen vorprogrammiert?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Dank sei dem Weltökonomen<br />
Helmut Schmidt. Der hat in der neuesten Ausgabe der „Zeit<br />
„ alles dazu gesagt &#8211; was ich übrigens schon seit Jahren<br />
sage. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist gegen Inflation<br />
gerichtet. Die haben wir aber nicht. Was wir haben, ist eine Beschäftigungskrise.<br />
Übrigens, mit einer Überschreitung von 3% durch Investitionen<br />
in die ökologische Infrastruktur leisten wir auch einen Beitrag<br />
für künftige Generationen. Die blauen Briefe darf es nicht<br />
mehr geben. Die EU muss überprüfen, welchen Beitrag die<br />
Mitgliedsländer zum Abbau der Arbeitslosigkeit leisten.
</p>
<p>
<span class="fett">tack:</span> Was meinen Sie, würde es einen<br />
Vorteil bringen das System der Niederlande in Deutschland zu übernehmen,<br />
immerhin hat es dort Erfolg gezeigt. Warum sollte es bei uns nicht<br />
klappen?
</p>
<p>
<span class="fett">lolo:</span> Grundproblem ist der vor sich hin<br />
dümpelnde Binnenmarkt. Die Bundesregierung hat durch die verschiedensten<br />
Maßnahmen, wie z.B. Hartz IV, massenhaft Kaufkraft aus dem<br />
Binnenmarkt genommen. Auch Gesundheitsreform, die Nichterhöhung<br />
der Renten u.a. befördern nicht die Binnenkaufkraft. Jetzt<br />
wird über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer gesprochen.<br />
Wie ist Ihre Meinung?
</p>
<p>
<span class="fett">redpoint:</span> Wie beurteilen Sie die momentan<br />
diskutierte Idee der Mehrwertsteuererhöhung?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Bei nationalen Vergleichen<br />
bin ich skeptisch. Die hochgelobte Niederlande hat mittlerweile<br />
große Probleme. Das Setzen auf die Teilzeit hat zu Verlusten<br />
bei der internationalen Konkurrenzfähigkeit geführt. Als<br />
Exportland wäre dies für uns eine Katastrophe. Lolo, danke,<br />
Sie haben Recht. Das ist eine Ursache der stagnierenden Binnenwirtschaft.<br />
Ich kann nicht den sich abzeichnenden Kompromiss verstehen. Die<br />
Mehrwertsteuer wird im Prinzip auf die Preise der Endverbraucher<br />
überwälzt. Dann haben wir plötzlich ein Inflationsproblem.<br />
Und dagegen geht die Europäische Zentralbank massiv vor.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> etwas historisch aber dennoch:
</p>
<p>
<span class="fett">ls1407:</span> War es nicht ein großer<br />
Fehler, nur die monetäre Umstellung in EURO zu bewerkstelligen<br />
und dabei nicht weitere Einigungen wie Steuergleichheit etc?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Nein, die Europäische<br />
Währungsunion ist ein große Leistung. Übrigens ist<br />
der Euro nach innen stabil und er wertet gegenüber dem US-Dollar<br />
auf. Worauf es ankommt ist, dass die Finanzpolitik sich besser auf<br />
Beschäftigungsziele in der EU koordiniert. Noch ein Satz: Als<br />
Befürworter der Erweiterung der EU kommt es darauf an, soziale<br />
Mindeststandards und Steuerstandards durchzusetzen.
</p>
<p>
<span class="fett">lolo:</span> Wäre es volkswirtschaftlich<br />
nicht sinnvoller Hartz IV aufzugeben und zum früheren System<br />
Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe zurückzukehren?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Nach meiner Meinung war<br />
Harzt IV ein schwerer Fehler. Langzeitarbeitslose werden in den<br />
perspektivlosen Billiglohnsektor verfrachtet. Eine grundlegende<br />
Korrektur ist unvermeidbar.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Die Frage wäre für<br />
Sie also beantwortet:
</p>
<p>
<span class="fett">Butty:</span> Laufen denn nun Rot-Grün<br />
in die falsche Richtung?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Es gibt bei der Arbeitsmarktreform<br />
auch positive Elemente. Dazu zähle ich den Versuch, die Arbeitsvermittlung<br />
personenbezogen zu gestalten. Rot-Grün hat 1998 mit einem hervorragenden<br />
Koalitionsvertrag begonnen. Die Ziele waren Arbeit, soziale Gerechtigkeit<br />
und Umwelt. Daran gemessen ist die Regierungskoalition nicht mehr<br />
zu erkennen. Aber es gibt noch massive Unterschiede: Kein Abbau<br />
der Mitbestimmung, keine weitere Deregulierung der Arbeitsmärkte.<br />
Das ist gut so!
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Problem Arbeitsmarkt-Export:
</p>
<p>
<span class="fett">brummelndehummel:</span> Die Unternehmen verlagern<br />
ihre Produktionsstätten ins Ausland, wenn man sie nicht von<br />
ihren Lasten befreit. Wie kann man Ihrer Meinung nach die zunehmende<br />
Verlagerung der Lasten von den Unternehmen auf die kleinen Leute<br />
begrenzen?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel: </span>Zum Arbeitsmarkt-Export:<br />
Hier müssen wir in der EU für soziale Mindeststandards<br />
uns einsetzen. Da würde ich gerne ausführlichere Hinweise<br />
geben. Vielleicht können wir dies nachholen. Hier nur so viel:<br />
Noch profitiert die deutsche Wirtschaft auf der Ebene der Warenexporte<br />
&#8211; gerade nach Osteuropa. Es werden auch Arbeitsplätze in Deutschland<br />
durch die Vernetzung mit Standorten in Osteuropa gestärkt.
</p>
<p>
<span class="fett">rainer007:</span> was ist ihre Meinung nach<br />
als erstes und schnellstes zu tun um die Arbeitslosenzahl in Deutschland<br />
zu senken?
</p>
<p>
<span class="fett">Rudolf Hickel:</span> Drei Maßnahmenbündel:<br />
Ein öffentliches Investitionsprogramm, Arbeitszeitverkürzungen<br />
auf breiter Ebene und endlich der Hinweis, dass die Löhne zumindest<br />
im Ausmaß der Produktivität und Inflation steigen müssen<br />
(vgl. Bofinger, Horn, Flassbeck).
</p>
<p><span class="fett">Moderator: </span>Das war unser Chat zum „Bericht<br />
aus Berlin“, die Stunde ist um. Vielen Dank für Ihr Interesse,<br />
es gibt noch viele Fragen, offenbar müssen wir noch mal einen<br />
Chat mit Professor Hickel einplanen. Vielen Dank an Professor Hickel<br />
nach Bremen, dass Sie Zeit für den Chat hatten! Nun gibt es<br />
voraussichtlich erst einmal eine kleine Osterpause bei den Chats.<br />
Am 7.April haben wir den nächsten fest geplanten Termin. Dann<br />
stellt sich SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter der Diskussion.<br />
tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Abend!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kultur- oder Wirtschaftsgut?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-kultur-oderwirtschaftsgut0001-shtml-2798/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-kultur-oderwirtschaftsgut0001-shtml-2798/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[sprange]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Kommission]]></category>
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		<category><![CDATA[Privatsender]]></category>
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		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              Nach Karel van Miert und Mario Monti legt sich nun auch die neue EU-Wettbewerbshüterin, die Niederländerin Neelie Kroes, mit der Bundesregierung an. Grund ist das alte Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>Nach Karel van Miert und Mario Monti legt sich nun auch die neue EU-Wettbewerbshüterin, die Niederländerin Neelie Kroes, mit der Bundesregierung an. Grund ist das alte Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Da hatten schon Kroes&#8217; Vorgänger dran herumgemäkelt, die Niederländerin scheint nun aber Ernst machen zu wollen. Neben Deutschland haben auch die Niederlande und Irland einen Brief der Kommissarin bekommen. Die bemängelt gewisse Ausprägungen des Gebührensystems für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den drei Staaten.</p>
<p>Neelie Kroes macht schon in ihrem so genannten Artikel 17 Schreiben an die Regierungen klar, was sie von den derzeitigen Regelungen hält: &#8220;Nach Prüfung der Behauptungen verschiedener Beschwerdeführer ist die Kommission zu der vorläufigen Auffassung gelangt, dass das gegenwärtige Finanzierungssystem in diesen Mitgliedstaaten nicht mehr in Einklang mit Artikel 87 des EG-Vertrages steht, wonach die Mitgliedstaaten keine den Wettbewerb verfälschenden Beihilfen gewähren dürfen.&#8221;</p>
<p>Beschwerdeführer, das war im Fall Deutschlands der mächtige Verband privater Rundfunk- und Telekommunikationstreibender (VPRT). Der gilt als Dauernörgler gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieses Mal haben die organisierten Privatfunker Anstoß an den Internetauftritten der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland genommen. Die würden nicht dem Grundversorgungsauftrag entsprechen, argumentiert der VPRT. Freilich hat das deutsche Bundesverfassungsgericht in der Vergangenheit mehrmals deutlich gemacht, dass es die sehr enge Auslegung des Grundversorgungsprinzips durch den VPRT nicht teilt.</p>
<p>
                              <strong>Zählt Internet zur Grundversorgung?</strong>
                            </p>
<p>Stattdessen haben die Privatsender offenbar eine Verbündete in Brüssel gefunden. Jedenfalls verlangt Neelie Kroes, dass die Bundesregierung genau darlegt, warum die vorhandenen Internetauftritte von ARD, ZDF und den Dritten durch den Grundversorgungsauftrag abgedeckt seien. Wären sie das nämlich nicht, wären die Online-Angebote eine unerlaubte Quersubventionierung, weil die deutschen Fernsehgebühren den Sendeanstalten nur bei der Erfüllung ihres Grundversorgungsauftrags helfen dürfen.</p>
<p>Die Niederländerin fordert von den drei Staaten konkrete Maßnahmen:</p>
<p>* eine eindeutige Definition des Grundversorgungsauftrags<br />
                            <br />* Führung getrennter Bücher, so dass zwischen den öffentlich-rechtlichen und sonstigen Tätigkeiten unterschieden werden kann<br />
                            <br />* geeignete Mechanismen, um eine Überkompensation der öffentlich-rechtlichen Tätigkeiten zu verhindern<br />
                            <br />* Gründung einer Aufsichtsbehörde, die diese Grundsätze überwacht</p>
<p>
                              <strong>Die Bundesregierung kann nichts machen</strong>
                            </p>
<p>Die Bundesregierung ist freilich der falsche Ansprechpartner. Denn Rundfunkpolitik ist in Deutschland Ländersache. Also wird man das Problem an die Ministerpräsidenten weiterleiten. Die müssten einen neuen Rundfunkstaatsvertrag aushandeln, sofern sie die Bedenken der EU-Kommission teilen. Und das ist nicht unbedingt wahrscheinlich. In den Rundfunkanstalten selbst formiert sich schon Protest gegen die Forderungen aus Brüssel.</p>
<p>Auch viele Spitzenpolitiker sympathisieren mit dem derzeitigen öffentlich-rechtlichen System. Zudem die Sender in den letzten Monaten schon im vorauseilenden Gehorsam ihre Internet-Angebote im Sinne der Kommission entschärft haben. So finden sich heute nur noch Programm begleitende Angebote im World Wide Web. Genau das ist auch durch höchstrichterliche Entscheidungen in der Bundesrepublik gedeckt.</p>
<p>
                              <strong>Kompromiss wahrscheinlich</strong>
                            </p>
<p>Experten gehen deswegen davon aus, dass im Falle Deutschlands der Streit zwischen Kommission und Regierung mit einem Kompromiss endet. Danach definieren die Länder den Grundversorgungsauftrag konkreter, versichern zudem, dass die Sender lediglich Hintergrundinformationen zu ihrem Programm ins Internet stellen. Mehr Eingeständnisse, so viel ist sicher, wird Neelie Kroes auf gütlichem Wege nicht erreichen. Zudem in Deutschland bis auf den VPRT ein breites Bündnis hinter den öffentlich-rechtlichen Anstalten steht.</p>
<p>&#8220;Die Kommission scheint deren Relevanz für die Demokratie, die das Bundesverfassungsgericht mit der verfassungsrechtlichen Bestands- und Entwicklungsgarantie gewürdigt hat, nicht verstanden zu haben&#8221;, schimpft etwa Michael Konken, Chef des Deutschen Journalistenverbandes (DJV).</p>
<p>
                              <strong>Ist die EU überhaupt zuständig?</strong>
                            </p>
<p>In der Tat verdeutlicht der jetzige Streit erneut die unterschiedlichen Auffassungen, die in puncto europäischer Medienpolitik schon seit Jahren aufeinander prallen. &#8220;Die Zuständigkeit der EU in dieser Frage ist fraglich&#8221;, kritisiert nicht nur der DJV. Zweifel an der Kompetenz der EU in Sachen Rundfunk sind weit verbreitet.</p>
<p>Dabei ist das Definitionssache: die Kommission argumentiert, der Rundfunk sei ein Wirtschaftsgut. Damit fiele er unter die grundsätzlichen Bestimmungen für den freien Warenverkehr in der Gemeinschaft. In Deutschland wiederum ist Rundfunk eben ein besonderes Gut, weil es als unabdingbar für eine funktionierende Demokratie gilt. Demnach wäre Rundfunk kein normales Wirtschaftsgut, sondern irgendwo im Spektrum zwischen Kultur- und Wirtschaftspolitik angeordnet. Und in Fragen der Kulturpolitik hat die EU eben ausdrücklich keine Kompetenzen.</p>
<p>Im Fall des jüngsten Briefes hat Deutschland jedenfalls vier Wochen Zeit auf die Bedenken der Kommissarin einzugehen. Sollte man sich in den nächsten Wochen mit der Kommissarin einigen, wird sie den Fall zu den Akten legen. Geht es nach ARD und ZDF, wird es so kommen. Denn, so die Sender, die Bedingungen der Kommissarin seien längst erfüllt.</p>
<p>
                              <span class="fett"></p>
<p>Ursprünglich erschienen am 04.03.2005 bei<br />
                              <a href="http://www.europa-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">europa-digital.de</a></span>
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rezzo Schlauch über grünes Wirtschaften</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/rezzo-schlauch-ueber-gruenes-wirtschaften-235/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Mar 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Visa-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezzo Schlauch]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 08. März, war der grüne Wirtschaftsstaatssekretär 
Rezzo Schlauch zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Schlauch forderte eine schnelle Klärung 
der Visa-Affäre und erklärte rotgrüne Wirtschaftspolitik.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 08. März, war der grüne Wirtschaftsstaatssekretär<br />
Rezzo Schlauch zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Schlauch forderte eine schnelle Klärung<br />
der Visa-Affäre und erklärte rotgrüne Wirtschaftspolitik.<!--break--> </p>
<p class="normal">
<span style="font-size: x-small"><span class="fett">Moderator:</span><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die<br />
Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Zum Chatten ist heute<br />
Rezzo Schlauch (Grüne), parlamentarischer Staatssekretär<br />
im Bundeswirtschaftsministerium ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen.<br />
Herzlich willkommen, los geht’s gleich mit dieser Frage:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Red Bull:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Befürworten sie persönlich ein Verbot des Verkaufs von<br />
Alkopops an junge Menschen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ja, uneingeschränkt. Und zwar deshalb: ich bin eigentlich in<br />
meiner Haltung eher liberal, bzw. libertär. Und halte nicht<br />
viel von Verboten. In diesem Fall wird aber durch das Produkt, Stichwort:<br />
süße Brause plus Alkohol, der Konsument, und zwar insbesondere<br />
der Jugendliche, getäuscht.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welche Lösung schlagen Sie für das Problem vor?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wie gesagt: keine Mischgetränke und ansonsten bei den bisherigen<br />
Jugendschutzgesetzen bleiben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine Frage zum Thema Mittelstand:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">aruia Havanagila:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Sie sagten eben erst im Bundestag, die Senkung des Spitzensteuersatzes<br />
sei ein riesen Ding für den Mittelstand. Aber wie wollen Sie<br />
den Unternehmen tatsächlich helfen? Mit ein paar Mark mehr<br />
für den Chef ist es doch nicht getan.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das ist eine etwas kurzatmige Interpretation. Die Entlastung des<br />
Mittelstands in Höhe von 17 Milliarden Euro jährlich soll<br />
natürlich den Anreiz befördern, neu zu investieren und<br />
damit auch Arbeitsplätze zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Suboptimal:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nachweißlich führt die Auslagerung von Jobs nicht zu<br />
neuen Arbeitsplätzen in Deutschland. Der Mittelstand braucht<br />
also Alternativen. Können sie welche aufzeigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"><br />
<span class="fett">Rezzo Schlauch:</span> Auch das ist leider falsch.<br />
Als jemand, der aus Schwaben kommt, wo schon früh in den siebziger<br />
und achtziger Jahren Mittelständler im Ausland auch Produktionsstätten<br />
aufgebaut haben, weiß ich -und dies ist durch mannigfache<br />
Untersuchungen auch belegt- (z.B. Studie der IHK Stuttgart mit Steinbeis-Stiftung),<br />
dass damit der Bestand der Heimatbelegschaften gehalten werden konnte,<br />
bzw. in vielen Fällen auch aufgestockt werden konnte. Im Zuge<br />
eines Vereinigungsprozesses von Europa und einer globalisierten<br />
Wirtschaft halte ich auch protektionistische &quot;nationale&quot;<br />
Ansätze für völlig verfehlt. Ein Nachsatz: Der in<br />
diesem Zusammenhang von dem Wirtschaftsexperten Sinn geprägte<br />
Begriff der &quot;Basarökonomie&quot; halte ich deshalb für<br />
Unsinn.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Hortensius:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Im Blick auf ein Konjunkturprogramm, über das eigentlich diskutiert<br />
werden soll: Inwieweit könnte es sinnvoll sein, zum einen den<br />
Mittelstand stärker zu fördern und auch Kleinst- und Kleinbetriebe<br />
zu fördern, während die Globalplayer weniger Steuernachlässe<br />
und Geschenke bekommen? (Mein Eindruck ist, dass insbesondere für<br />
Klein(st)betriebe wenig getan wird.)</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ihren Ansatz begrüße ich ausdrücklich und versuche<br />
diesen auch &#8211; wo es nur geht &#8211; zu befördern. Ein Beispiel wäre<br />
die derzeitige Soll-Besteuerung bei Erhebung der Umsatzsteuer in<br />
eine Ist-Besteuerung umzuwandeln, was zur Folge hätte, dass<br />
der Unternehmer die Umsatzsteuer nun wirklich auch nur aus einer<br />
bezahlten und nicht schon aus der gestellten Rechnung vorab zu entrichten<br />
hätte.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Calex:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Zwei der größten Bremsen der deutschen Volkswirtschaft<br />
sind die hohen Lohnnebenkosten und die hohen Mineralölsteuern.<br />
Haben die Grünen jetzt endlich eingesehen, dass eine Erhöhung<br />
der Mineralölsteuern nur das Wirtschaftswachstum bremst und<br />
ökologisch nichts bringt?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Erst mal zur Ökologie: ich wundere mich immer wieder, dass<br />
bzgl. der ökologischen Frage nur von 12 Uhr bis Mittag gedacht<br />
wird. Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass wir auf Grund<br />
der Öko-Steuer in Sachen Automobiltechnologie riesige Vorsprünge<br />
gegenüber der Dinosaurier-Autotechnik in den USA haben? Finden<br />
Sie es nicht auch richtig, dass die Frage von Energieeffizienz und<br />
deren Realisierung oder auch sonstiger Rohstoff- und Materialeffizienz<br />
ökonomisch mehr Sinn macht als Personaleinspar-Orgien? Sie<br />
schlagen damit mehrere Fliegen auf einen Schlag. Sie rücken<br />
dem Klimaproblem zuleibe Sie sind &#8211; wie wir Deutschen &#8211; Weltmarktführer<br />
auf dem Gebiet der Ökotechniken, mit riesigen Arbeitsplatz-Potentialen<br />
und Sie können &#8211; wie geschehen &#8211; die Lohnnebenkosten senken<br />
und außenpolitisch reduzieren Sie die Abhängigkeit von<br />
politisch äußerst instabilen Regionen (mittlerer Osten).<br />
Das heißt vielfacher Benefit, dem sich eigentlich rational<br />
denkende Menschen nicht verschließen können. Aber wenn<br />
Sie wollen, bin ich auch gerne bereit ideologische Schlachten zu<br />
schlagen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine Nachfrage zu den Kleinstbetrieben:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Hortensius:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Noch einmal zu den Klein(st)betrieben. Ich kenne unter anderem ein<br />
Beispiel, dass ein funktionierender Kleinbetrieb mit ca. 10 Mitarbeitern<br />
aufgelöst wurde, weil einer der Hauptschuldner in die Insolvenz<br />
ging. Müssten nicht die Kleinbetriebe wesentlich stärker<br />
gegen solche Insolvenzen geschützt werden, da gerade hier sehr<br />
viele Arbeitsplätze verloren gehen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Schwierige Frage. Ich verstehe Ihre Frage, ich glaube aber, dass<br />
die Hilfestellungen des Staates an diesem Punkt begrenzt sind. Zum<br />
freien Unternehmertum gehört auch das Eingehen von Risiken<br />
und die Insolvenz eines Kunden ist ein solches Risiko, das der Staat<br />
nicht übernehmen kann.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Zwei Fragen, die in die gleiche Richtung gehen:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">wechselbaum:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Clement will die Unternehmenssteuerreform &#8211; Eichel nicht und der<br />
Kanzler ist auf seiner Seite. Blockiert der Kanzler?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Heman:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Herr Schlauch, wie schaffen Sie den Spagat zwischen der neoliberalen<br />
Wirtschaftspolitik von Herrn Clement, Ihrer eigenen Überzeugung<br />
als Grüner und den Wünschen von Herrn Eichel?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Also: der Kanzler blockiert nicht, sondern vom Wirtschaftsministerium<br />
ist eine genauere Erarbeitung der Eckpunkte einer Unternehmenssteuerreform<br />
bei den Sachverständigen in Auftrag gegeben worden, nachdem<br />
sogar der DGB in Person des Herrn Sommer und die Opposition die<br />
Realisierung einer solchen Unternehmenssteuer-Reform befürworten,<br />
werden sicherlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um<br />
die Chancen auch entsprechend auszuloten. Zur zweiten Frage: Ich<br />
sehe die Wirtschaftspolitik von Herrn Clement nicht als neoliberal.<br />
Den Herrn Eichel an manchen Punkten, was mit Sicherheit auch sein<br />
muss, zu sehr unter fiskalischen Aspekten agierend und fühle<br />
mich dazwischen als Grüner nicht unwohl.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">S?e:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welche Vorschläge machen die Grünen zur Reform der Unternehmenssteuer?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Erst mal soll nicht in Vergessenheit geraten, dass die Rot-Grüne<br />
Koalition und die Grünen dabei als mit treibende Kraft die<br />
Anrechnungsfähigkeit der Gewerbesteuer -ein alter Traum des<br />
Mittelstands, verwirklicht haben. Des Weiteren haben wir mit der<br />
Steuer-Tarif-Senkung den Mittelstand um insgesamt 17 Milliarden<br />
entlastet. Eine weitere Unternehmenssteuer-Reform, Stichwort: Duales<br />
System- die Körperschaften und Personengesellschaften in der<br />
Besteuerung gleich stellt, muss darauf achten, dass die Entlastung<br />
der Personen-Gesellschaften nicht wieder durch die Hintertür<br />
aufhebt und höher besteuert. Im Sinne einer Steuer-Vereinfachung,<br />
um Steuergerechtigkeit (Erweiterung der Bemessungs-Grundlage) halte<br />
ich das Duale System und auch eine angemessene Steuersenkung für<br />
durchaus diskutabel.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kommen wir zum Thema &quot;Antidiskriminierungsgesetz&quot;:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">entsorger: </span></span><span style="font-size: x-small">Mir<br />
geht es um Bürokratievermeidung. Dieses Antidiskriminierungsgesetz<br />
ist ein schönes Beispiel. Warum müssen wir immer wieder<br />
eins draufsetzen, auf das was seitens der EU gefordert wird? Können<br />
wir nicht einmal innehalten? Und im Gegenteil Gesetze und Verordnungen<br />
abbauen? Herr Milbrath sprach in einer Diskussion über den<br />
Wirtschaftstandort Deutschland von dem &quot;verkalktem Westen &quot;!</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch: </span></span><span style="font-size: x-small">Über<br />
den Grad der Verkalkung im Westen im Vergleich zum Osten möchte<br />
ich nicht diskutieren. Wenn sie genau hinsehen, ist der Vorwurf<br />
des Draufsattelns bei dem Anti-Diskriminierungs-Gesetz zwar publikumswirksam<br />
erhoben, in der Substanz aber eher nicht relevant. Wir haben beispielsweise<br />
über die EU hinaus die Gruppe der Behinderten mit in die Zielgruppen<br />
aufgenommen. Das spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Es<br />
ist auch so, dass wir selbstverständlich die Ergebnisse der<br />
Anhörung, in der auch substanzielle Kritik erhoben worden ist,<br />
mit in das weitere Verfahren einbeziehen. Das Geschrei der Arbeitgeber,<br />
wonach das Anti-Diskriminierung-Gesetz eine Flut von Klagen nach<br />
sich ziehen würde, halte ich für legitim in der politischen<br />
Auseinandersetzung, aber im Kern für völlig verfehlt,<br />
wie ein vergleichbares Beispiel zeigt: In der letzten Legislatur<br />
haben wir das Teilzeit-Befristungsgesetz verabschiedet, dass jedem<br />
Arbeitnehmer einen gerichtlich durchsetzbaren Klageanspruch auf<br />
Reduzierung auf Teilzeit eingeräumt hat. Auch damals wurde<br />
lauthals die Flut von Klagen bei den Arbeitsgerichten eingewandt.<br />
Fakt ist: es gibt keine Flut und die Teilzeitarbeit hat sich &#8211; gemäß<br />
den Intentionen des Gesetzes &#8211; positiv nach oben entwickelt.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">hwiesing:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welche Schritte unternehmen Sie diesbezüglich hinsichtlich<br />
des von Ihnen gepriesenen Bürokratieabbaus?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Bürokratie-Abbau ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel<br />
und ich habe die Erfahrung gemacht dass diejenigen, die den Bürokratie-Abbau<br />
als Schlachtruf täglich auf den Lippen führen, dann zum<br />
heftigsten Verteidiger von Bürokratie werden, wenn es an ihre<br />
eigenen Schutzräume geht. Beispiel: Reform der Handwerksnovelle,<br />
wo wir den aus dem Ständestaat stammenden Meisterzwang und<br />
damit Zugangshürden, gelockert haben. Beispiel: Wir wollen<br />
das Vergaberecht (im Umfang so groß wie das gesamte deutsche<br />
Zivilrecht) verschlanken und vereinfachen. Als erstes hat sich die<br />
Arbeitgeberseite dagegen gewehrt mit dem Argument, es hätte<br />
sich alles so schön eingespielt. Ich könnte Ihnen diese<br />
Beispiele in Reihe fortsetzen. Fakt ist, wir haben erste kleine<br />
Erfolge erzielt. Siehe Handwerksordnung. Im Bereich der beruflichen<br />
Bildung: Wegfall der sogenannten Ausbildungs-Eignungsverordnung.<br />
Wir haben Berufsbilder entschlackt und auch Ausbildungsfristen verkürzt.<br />
Wir haben Statistik-Pflichten reduziert, wobei ich da oft den Eindruck<br />
habe, dass die staatliche Statistik von Übel ist, während<br />
Statistiken, die die Kammern erheben, positiv sind. Was mich noch<br />
zu der Anmerkung veranlasst, dass Bürokratien nicht nur im<br />
staatlichen, administrativen Bereich wachsen, sondern in großem<br />
Umfang auch im sogenannten Selbstverwaltungsbereich, Stichwort:<br />
unübersichtliches Kammerzwangssystem, fröhliche Urstände<br />
feiert.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine Frage zum Thema Visa-Affäre:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">wechselbaum:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kann Joschka Fischer die Visa-Affäre überleben?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Er wird sie überleben. Es steht außer Frage, dass es<br />
hier Fehler und Versäumnisse gibt. Gleichwohl halte ich es<br />
mit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, die das,<br />
was Fischer als Amtsinhaber vorzuwerfen ist, für einen Rücktritt<br />
als nicht ausreichend erachten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Hortensius:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Im Blick auf das Image der Grünen: Die CDU war ja sehr erfolgreich<br />
in ihrer Kampagne gegen Joschka Fischer, was auch auf die Grünen<br />
insgesamt abfärbte. Müssten die Grünen nicht auch<br />
ihre Wirtschaftskompetenz &#8211; wie Sie es hier ja tun &#8211; wesentlich<br />
stärker betonen, etwa im Wahlprogramm?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Dafür kämpfe ich in meiner Partei seit langen Jahren.<br />
Wir haben sowohl wirtschaftspolitische als auch finanzpolitische<br />
Kompetenz in unseren Reihen, die im Übrigen von Nicht-ideologisch<br />
Fixierten Akteuren aus der Wirtschaft auch immer wieder bestätigt<br />
wird. Die Grünen haben es bislang jedoch, auch aus nachvollziehbaren<br />
Gründen, nicht in Angriff genommen, ihre Wirtschafts- und Finanzkompetenz<br />
profiliert zu präsentieren. Ob die Kampagne der CDU erfolgreich<br />
wird, wird sich in der Wahl 2006 zeigen. Ich bin guten Mutes, dass,<br />
um Stoiber zu zitieren, bei der Wahl zwischen Merkel und Westerwelle<br />
auf der einen und Fischer und Schröder auf der anderen, die<br />
Mehrheit bei den beiden Letzteren landen wird.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">SPD-Mitglied: </span></span><span style="font-size: x-small">Einen<br />
wie großen Schaden befürchten Sie durch die Visa-Affäre<br />
für Rot-Grün bei der Wahl in NRW?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir haben noch 11 Wochen Zeit um den Wind, der uns in der Visa-Affäre<br />
und auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit ins Gesicht weht, zu wenden.<br />
Das ist mit Sicherheit nicht leicht. Ich bin aber optimistisch,<br />
dass wir in der Lage sind, die substanzlosen Alternativen der Opposition<br />
deutlich zu machen und die Stimmung zu drehen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Sammy:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wäre es nicht sinnvoll, Klarheit zu haben vor der Wahl in NRW?<br />
Sollte Fischer deshalb nicht eher aussagen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Untersuchungsauschuss wird entscheiden, wann Fischer aussagt.<br />
Meine persönliche Meinung hierzu ist, es sollten so schnell<br />
wie möglich die Fakten auf den Tisch. Dazu sind aber umfangreiche<br />
organisatorische Maßnahmen notwendig. Ich kann aus meiner<br />
Position nicht entscheiden, ob dies noch vor der Wahl möglich<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">wechselbaum:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ist die Regierung am Ende, wenn die NRW-Wahl verloren geht?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Nein. Ein doppeltes nein! Die NRW-Wahl geht nicht verloren und die<br />
Regierung ist nicht am Ende. Die Regierung wäre am Ende, wenn<br />
die Wahl 2006 verloren gehen würde.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">fes:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Inwiefern sind die Grünen noch die Grünen? Im alten Parteiprogramm<br />
sind von anderen Dingen die Rede, die in der heutigen Zeit nicht<br />
mehr vertreten werden. Sollte man mal nicht grundsätzlich umdenken?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich würde einen Horror davor haben, wenn die Grünen von<br />
heute noch dieselben Position hätten wie 1980. Ich habe eher<br />
vor Leuten Angst, die &#8211; auch wenn sich die Welt um sie herum total<br />
verändert &#8211; die Gleichen bleiben wollen. Im Übrigen ist<br />
es auch so, dass die Grünen ihr Grundsatzprogramm vor der Wahl<br />
2002 grundlegend redigiert haben. Wenn Sie Interesse haben, fordern<br />
Sie dieses an. Dort haben wir insbesondere neu entwickelt: die Idee<br />
von der Teilhabegerechtigkeit, Zugangsgerechtigkeit für Bildung,<br />
Arbeit und Teilhabe an der Gesellschaft.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Eine<br />
letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Martin13:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wie könnte es nach Ihrer Meinung gelingen, die Arbeitslosigkeit<br />
wieder auf 3 Mio. Arbeitslose zu bringen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rezzo Schlauch:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ich habe große Zweifel bei der Formulierung solcher Ziele.<br />
Fakt ist, dass beide großen Volksparteien seit 20 Jahren sich<br />
das Ziel der Vollbeschäftigung auf die Fahnen schreiben und<br />
beide sich immer weiter davon entfernt haben. Ich glaube, dass wir<br />
nur zu einer besseren Beschäftigungssituation kommen, wenn<br />
wir eine große Bildungs- und Forschungsoffensive realisieren.<br />
Die geringqualifizierten Arbeiten, die Massenproduktion ist vor<br />
einer Abwanderung in andere Standorte nicht zu schützen. Insofern<br />
ist unsere einzige Alternative, unsere Stärken Innovation,<br />
Technik, aber auch innovative Dienstleistungen weiter nach vorne<br />
zu bringen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Das<br />
war&#8217;s, unsere Chat-Stunde ist vorbei. Vielen Dank für das große<br />
Interesse, vielen Dank, Herr Schlauch, dass Sie zum Chatten gekommen<br />
sind. Das Protokoll des Chats finden Sie wie gewohnt zum Nachlesen<br />
auf den Seiten der Veranstalter. Der nächste Chat findet am<br />
14. März um 13.30 Uhr statt. Dann stellt sich Franz Müntefering,<br />
Parteichef der SPD, Ihren Fragen. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
allen noch einen schönen Tag!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stabilitätsprobleme werden zunehmen. Das Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Neuverschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Zimmermann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b> 
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b><br />
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Der Präsident des Deutschen Instituts für<br />
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, ist heute in den Büroräumen<br />
von politik-digital zu Gast im Chat. Der Live-Chat kann über die<br />
geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Herr Zimmermann, sind Sie bereit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Selbstverständlich.</p>
<p><b>Frage</b>: Bundeskanzler Schröder hat heute erklärt,<br />
dass die Finanzierung der dritten Stufe der Steuerreform ab 2005 durch<br />
&quot;darin vorgesehene Maßnahmen&quot; gedeckt sei. Was sind denn<br />
das für Maßnahmen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, zu den Maßnahmen gehören<br />
der Abbau von Subventionen in der Landwirtschaft und beim Bau sowie wahrscheinlich<br />
auch die Kürzung der Unterstützung für die Entfernungsgeldpauschale.</p>
<p><b>Moderator</b>: Heute hat Herr Eichel die Eckpfeiler seiner<br />
Steuerreform bekannt gegeben. Wie soll diese in Zeiten flauer Wirtschaft<br />
finanziert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Es ist vorgesehen, zunächst einmal<br />
Kredite auf zu nehmen und Bundesbesitz zu privatisieren. Das ist gut,<br />
weil deshalb die Konjunktur im nächsten Jahr leichter anspringen<br />
kann. Für die Jahre danach muss man dann aber daran denken, Subventionen<br />
ab zu bauen, etwa in der Landwirtschaft und beim Bau.</p>
<p><b>Ursula</b>: Nach Eichels Konzept will der Bund im kommenden<br />
Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlichen Kredit aufnehmen. Wird die vorgezogene<br />
Steuerreform also deutlich schuldenfinanziert sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, und damit haben die Menschen netto<br />
mehr Geld in der Tasche und werden stärker konsumieren und in neue<br />
Unternehmungen investieren.</p>
<p><b>Nicole</b>: Schröder meinte, dass es lediglich darum<br />
ginge, ein Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Aber jetzt<br />
mal ehrlich: Nach einem Jahr, also 2005, wird die Wirtschaft doch nicht<br />
über den Berg sein, Herr Zimmermann, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Da haben Sie Recht. Die Regierung muss<br />
weiter ihre Hausaufgaben machen, dazu gehört die Durchführung<br />
konsequenter Strukturreformen, etwa am Arbeitsmarkt. Weitere Maßnahmen<br />
sind die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Haushaltssanierung.</p>
<p><b>öltanker</b>: Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich,<br />
um am Arbeitsmarkt Effekte zu erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten<br />
Arbeitslosen mitziehen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig durchgeführt wird dies<br />
die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen erhöhen. Um am<br />
Arbeitsmarkt wirkliche Effekte zu erzielen, brauchen wir mindestens zwei<br />
Prozent Wachstum. Soviel werden wir demnächst nicht bekommen, das<br />
heißt die Arbeitslosigkeit wird auch in den nächsten Jahren<br />
eher anwachsen.</p>
<p><b>peterter</b>: Warum brauchen wir zwei Prozent Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Weil erst mit mehr als zwei Prozent<br />
mehr Menschen eingestellt werden.</p>
<p><b>kohl</b>: Ist das in anderen Ländern anders? Gibt es<br />
da früher Arbeitsplätze bei weniger Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: In Amerika und in England beispielsweise<br />
brauchen wir viel weniger Wachstum, um mehr Beschäftigung zu erreichen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Hier kommt wieder eine Frage zur Situation<br />
in Deutschland:</p>
<p><b>Rudi</b>: Aber wenn die Arbeitslosigkeit wächst, haben<br />
die Menschen doch nicht mehr Geld um zu investieren, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Wir müssen vermeiden,<br />
dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Gleichzeitig soll durch die<br />
Steuerreform mehr Geld in die Taschen von Konsumenten und Unternehmern<br />
gelangen, damit mehr Nachfrage entsteht.</p>
<p><b>igmetalla</b>: Bringt denn nur Arbeit mehr Wachstum? Oder<br />
nur anders herum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Beides ist möglich. Wichtig ist<br />
allerdings, dass Wachstum entsteht, damit mit mehr Gütern auch mehr<br />
Menschen in Arbeit kommen. Steigt andererseits die Arbeitsbereitschaft,<br />
dann führt dies auch zu einer Kostensenkung bei den Unternehmen und<br />
die Güterpreise können sich so günstig entwickeln, dass<br />
auch mehr abgesetzt wird.</p>
<p><b>Mirijam</b>: Aber ist es nicht auch ein psychologisches Problem?<br />
Die Menschen werden doch nur mehr investieren, wenn sie auch tatsächlich<br />
das Gefühl haben, nicht mehr in einer Konjunkturschwäche zu<br />
stecken? Kann man dieses Problem mit der Steuerreform lösen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Wenn die Steuerreform hilft, dass der<br />
Konjunkturaufschwung tatsächlich für die Menschen spürbar<br />
wird, dann wächst das Vertrauen in die Zukunft und es wird mehr investiert.</p>
<p><b>susip</b>.: Alle reden von Wachstum, aber warum muss die<br />
Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Kann sie nicht auf dem heutigen Niveau<br />
bleiben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nein, sonst würde das Arbeitslosigkeitsproblem<br />
immer größer werden. Nur Wachstum sichert, dass sich neue Märkte<br />
entwickeln und zusätzliche Beschäftigung entsteht.</p>
<p><b>kohl</b>: Muss das Problem nicht EU-weit angegangen werden?<br />
Was machen etwa Frankreich und Chirac?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Auch die Franzosen haben Probleme mit<br />
der Sparpolitik und verfolgen eine ähnliche Politik, die Konjunktur<br />
durch zusätzliche Budgetdefizite anzuregen. Generell gilt, dass ganz<br />
Europa in einer Wachstumsschwäche steckt. Deutschland muss als größte<br />
Nation mit helfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zu einer europaweit bedeutsamen Frage:</p>
<p><b>Dieter Schmidt</b>: Hält Eichels Steuerreform dem Stabilitätspakt<br />
stand, oder sprengt sie ihn damit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Stabilitätsprobleme werden<br />
zunehmen. Der Pakt kann im nächsten Jahr nicht gehalten werden. Das<br />
Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindestens<br />
3,7 Prozent betragen.</p>
<p><b>Sucher</b>: Die marginale Grenze von 3% an Neuverschuldung<br />
soll nicht gesprengt werden. Was besagt diese Zahl genau? Ist sie nicht<br />
willkürlich gewählt und könnte in flauen Zeiten wie diesen,<br />
die ja ganz Europa auf dem Magen liegen, nach oben korrigiert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Bei dieser Grenze geht es um den Anteil<br />
der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. 3 % heißt, dass das<br />
Defizit so groß ist wie 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl<br />
ist vertraglich vereinbart und kann nicht einfach verändert werden.<br />
Allerdings kann die Grenze überschritten werden, wenn eine Regierung<br />
die Finanzpolitik begründen kann. Im Fall für Deutschland kann<br />
man mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, mit der Steuerreform selbst<br />
sowie mit den Strukturreformen erfolgreich argumentieren. Dann kann man<br />
die drohenden finanziellen Strafen vermeiden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ist sie also eine beliebige Zahl, die vertraglich<br />
vereinbart wurde? Könnten es auch 3,5% sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Begründung<br />
für diese genaue Zahl, es könnte auch 5 % heißen. Allerdings<br />
galt sie bei Vertragsabschluß als politisch tragfähig und finanzpolitisch<br />
wirksam.</p>
<p><b>libero</b>: Chirac hatte angedeutet, den Stabilitätspakt<br />
nicht einhalten zu wollen? Warum soll sich Eichel daran halten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Eichel hat das Probleme, dass die Deutschen<br />
den Stabilitätspakt erfunden haben. Wir wollten diese Regelungen,<br />
damit wir die Aufgabe der DM leichter verkraften. Jetzt zeigt sich, dass<br />
kritische Länder wie Griechenland stabilitätsbewusster handeln.<br />
Allerdings hat Eichel in Brüssel erreicht, dass ein Reißen<br />
des Kriteriums dann akzeptiert wird, wenn Strukturreformen eingeleitet<br />
werden und der mittelfristige Stabilisierungspfad nicht verlassen wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zwei Fragen in die gleiche Richtung&#8230;</p>
<p><b>Sucher</b>: Was hat die Überschreitung denn für<br />
Konsequenzen?</p>
<p><b>Mumpitz</b>: Jedes Land hat doch Probleme, diese Zahl einzuhalten.<br />
Hätte man das nicht vorher absehen können?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nicht jedes Land hat Probleme, nur<br />
die großen Länder neben Deutschland und Frankreich auch Italien.<br />
Das war nicht voraus zu sehen, da damals größeres Wachstum<br />
herrschte, deshalb sollte man den Pakt bald sinnvoll reformieren, um Konjunkturschwankungen<br />
besser Rechnung zu tragen.<br />
Zu Sucher:<br />
Das kann zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe führen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun ein Schwenk zur Innenpolitik Deutschlands&#8230;</p>
<p><b>Mirijam</b>: Um was für Subventionskürzungen geht<br />
es denn inhaltlich? Was bedeutet das für den Normalbürger?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die derzeit diskutierten Subventionen<br />
sind die Eigenheimzulage, das Entfernungsgeld beim Weg zur Arbeit, die<br />
Steuerbefreiung von Überstunden und Nachtarbeit sowie die Landwirtschaft.<br />
Größenordnungsmäßig geht es um Beträge in Höhe<br />
von 15 &#8211; 20 Milliarden Euro, die zunächst zur Diskussion stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wo soll das Geld genau herkommen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Aus den Taschen der Haushalte und Unternehmungen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zur Opposition:</p>
<p><b>kohl</b>: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Rot-Grün<br />
eine &quot;Flucht in neue Schulden&quot; vor. Aber anders geht es doch<br />
nicht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es geht nicht anders, wenn man jetzt<br />
im kommenden Jahr die Konjunktur etwas stützen will. Natürlich<br />
könnte man durch eine Kürzung von Subventionen oder auch durch<br />
Haushaltseinsparungen eine Gegenfinanzierung schaffen. Dann müssten<br />
sich Regierung und Opposition allerdings darauf einigen, was gestrichen<br />
werden soll. Das fällt allen Parteien derzeit denkbar schwer. Dazu<br />
kommt, dass diese Einsparungen gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern<br />
und Dienstleistungen reduzieren würden, und es uns somit wirtschaftlich<br />
schlechter ginge. Das kann niemand wollen, also sollte sich rasch eine<br />
Einigung auch im Bundesrat auf Vorziehen der Steuerreform ohne Ausgabenkürzung<br />
finden.</p>
<p><b>peterter</b>: Die überwiegende Kreditfinanzierung und<br />
die fehlende Entlastung für Kommunen und Länder seien &quot;nicht<br />
hinnehmbar&quot;, sagt Stoiber. Abgesehen davon, das er kein eigenes Konzept<br />
hat, hat er inhaltlich recht und was schlagen sie vor?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die fehlende Entlastung für die<br />
Kommunen müssen bei der Gemeindefinanzreform kommen. Es ist ein großes<br />
Problem, dass die kommunalen Investitionen bereits seit Jahren schrumpfen.<br />
Das wird auf Dauer zu einem schwerwiegenden Wachstumshemmnis für<br />
die deutsche Wirtschaft. Die Länder haben dagegen eine konjunkturpolitischen<br />
Auftrag und würden bei einem mittelfristigen Subventionsabbau auch<br />
erhebliche Vorteile haben. Damit löst sich das Problem mittelfristig</p>
<p><b>jung</b>: Die Opposition sagt: Eine Steuerreform auf Pump<br />
sei gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich. Stimmt<br />
das? Bezahlen wir Jungen die Schulden von morgen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Jungen stehen vor großen<br />
Belastungen. Das kann nur vermieden werden, wenn jetzt Strukturreformen<br />
gemacht werden. Diese sind aber nur erträglich und praktikabel, ja<br />
sogar wirksam, wenn die wirtschaftliche Dynamik anspringt. Wer mit dem<br />
Fahrrad voran kommen will, muss zwar die Handbremse lösen, er muss<br />
aber auch in die Pedale treten.</p>
<p><b>cher</b>: Wenn der Staat jetzt neue Schulden, d.h. Kredite,<br />
aufnimmt, macht er das in Deutschland oder im Ausland? Denn Kredite im<br />
Inland fördern doch letztlich auch die deutsche Volkswirtschaft,<br />
oder?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das geschieht überwiegend im Inland.<br />
Der Staat tritt aber in Konkurrenz zu privaten Investoren, die dann höhere<br />
Zinsen zahlen müssen, um an ihre Kredite zu kommen. Auch sind höhere<br />
Staatsschulden mittelfristig über Steuern zurück zu zahlen.<br />
Die Haushalte haben also nicht dauerhaft mehr Geld in der Tasche.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ein Schwenk zu einer von Eichel angekündigten<br />
Privatisierungsmaßnahme:</p>
<p><b>Frodo</b>: Wie wird sich der geplante Verkauf der Telekom-<br />
und Post-Aktien auf den Börsenmarkt auswirken? Muss dann nicht wieder<br />
der kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, dran glauben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das wird wohl über die Kreditanstalt<br />
für Wiederaufbau langsam in den Markt eingebracht, keinesfalls wird<br />
das Bundeseigentum jetzt billig verschleudert. Somit kann sicher gestellt<br />
werden, dass die Aktien dann in den Markt kommen, wenn auch Nachfrage<br />
besteht. Aber natürlich ist es richtig, dass die Aussichten auf kurzfristige<br />
Wertzuwächse bei diesen Aktien zunächst verbaut.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das heißt, die Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau steuert den Rückfluss der Aktien auf den Markt?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Diese Bank des Bundes ist<br />
für die Marktpflege verantwortlich. Sie stellt der Regierung kurzfristig<br />
die benötigten Gelder für den Haushalt zur Verfügung.</p>
<p><b>Lara</b>: Herr Zimmermann, die Börsenkurse sind im Moment<br />
am Boden. Für verkaufte Telekomaktien wird nicht viel zu bekommen<br />
sein. Wo kommt der Rest des Geldes her, das die vorgezogene Steuerreform<br />
gegenfinanzieren soll?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Aktien werden nicht sofort verkauft.<br />
Die Kreditanstalt bringt sie erst in den Markt, wenn die Situation günstig<br />
ist. Derzeit erhält also die Regierung einen Kredit der Kreditanstalt.</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zurück zu grundsätzlichen Fragen<br />
der User:</p>
<p><b>jäggi</b>: Nachfrage zum Stabilitätspakt: Sollte<br />
Eichel also die drei Prozent Grenze überschreiten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Er hat keine andere Chance. Sonst würde<br />
er die Wirtschaft weiter abwürgen und mehr Arbeitslosigkeit schaffen.<br />
Allerdings muss er sehr genau begründen, warum er das tut.</p>
<p><b>Wundertüte</b>: Ist die Neuverschuldung überhaupt<br />
verfassungsmäßig?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Der Haushalt liegt über der normalen<br />
Grenze. Die Neuverschuldung ist größer als die Summe der Investitionen.´Das<br />
ist dennoch verfassungsgemäß, wenn Eichel gleichzeitig eine<br />
gesamtwirtschaftliche Notlage erklärt. Das wird er tun und dann ist<br />
es ganz legal.</p>
<p><b>jäggi</b>: Also hat die Union mit Ihrem Vorwurf der<br />
nicht Verfassungsmäßigkeit unrecht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Nein. Der Haushalt ist ohne diese Erklärung<br />
verfassungswidrig. Mit allerdings nicht, insofern ist das nur ein Spiel<br />
mit der Öffentlichkeit.</p>
<p><b>Moderator</b>: Vorletzte Frage: Aber ist das &quot;Gleichgewicht&quot;<br />
von Neuverschuldung und Investition vor dem Hintergrund der Steuerreform<br />
durchzuhalten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die Steuerreform wird kurzfristig zum<br />
Überschießen führen. Springt die Konjunktur aber an, gibt<br />
es weitere Steuereinnahmen und der Haushalt saniert sich.</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage noch einmal zum Stabilitätspakt:</p>
<p><b>Spd</b>: Stabilitätspakt: Sie haben noch nicht präzisiert,<br />
warum die 3% in Maastricht vertraglich festgelegt wurden. Hat diese willkürlich<br />
gefundene Grenze eine ökonomische Basis? Ich lebe in Frankreich und<br />
dort werden seit drei Jahren die 3% überschritten. Dazu hat Frankreich<br />
seit 1997 mehr Wirtschaftswachstum erreicht als Deutschland.</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Basis.<br />
Das war eine politisch gegriffene Größe. Damit sollte eine<br />
restriktive Regelung gefunden werden, die nationalen Regierungen zu disziplinieren.</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, eine Stunde ist<br />
vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Herr Zimmermann,<br />
dass Sie in die Redaktionsräume von politik-digital gekommen sind.<br />
Den nächsten Chat gibt&#8217;s am kommenden Montag, den 21. Juli, dann<br />
stellt sich der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände<br />
Hans-Günter Friese von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Abend wünscht<br />
das tacheles.02-Team.</span></p>
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