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	<title>Wissenschaftspolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wissenschaftspolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Open Access wird sich einbürgern&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotopen_access_wird_sich_einbuergernquot-119/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang 
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für 
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit 
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open 
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang<br />
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für<br />
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit<br />
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open<br />
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b><!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Professor Wolfgang Coy, Professor für Informatik<br />
an der Humboldt Universität zu Berlin. Einen schönen guten<br />
Herr Professor Coy und vielen Dank, dass Sie Zeit für uns haben.<br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was genau ist denn unter dem Begriff<br />
Open Access eigentlich zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access ist der Versuch, wissenschaftliche<br />
Literatur über das Internet weltweit und frei zugänglich<br />
zu machen.</p>
<p><b>HU-Student:</b> Welchen Nutzen verspricht sich die<br />
Humboldt-Universität von Open Access?</p>
<p><b>Wolfgang Coy:</b> Die Humboldt-Universität hofft<br />
damit die vielfältige wissenschaftliche Aktivität ihrer<br />
Mitarbeiter deutlich zu machen. Des Weiteren versuchen wir international<br />
und national sichtbar zu sein. Dahinter steht eine grundsätzliche<br />
Frage, nämlich WER soll Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen<br />
haben. Insbesondere geht es darum, wissenschaftliche Arbeit, die<br />
mit öffentlichen Mitteln erstellt wurde, der Öffentlichkeit<br />
zurück zu geben. Der deutsche Steuerzahler hat ein direktes<br />
Recht dazu. Aber wir Wissenschaftler sind auch der Ansicht, dass<br />
wir etwas für die anderen Länder tun sollten. Zudem sind<br />
elektronische Veröffentlichungen im Regelfall viel schneller<br />
als gedruckte Veröffentlichungen.
</p>
<p>
<b>ulfi:</b> Was genau erhoffen Sie sich durch den freien<br />
Zugang zu Informationen im Internet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir hoffen auf das Interesse möglichst<br />
vieler Leser und damit einer breiten Diskussion dessen, was wir<br />
veröffentlichen.
</p>
<p>
<b>HU-Student:</b> Blicken Sie mal in die Zukunft: Wird<br />
Open Access und Open Content die Wissenschaft nachhaltig verändern?<br />
Wie wird das ihrer Meinung nach aussehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Unbedingt! Die Kosten herkömmlicher<br />
Druckpublikationen und der beschränkte Markt hat die Wissenschaft<br />
bislang eher beschränkt. Mit den elektronischen Formen kommen<br />
wir in eine neue Ära. Es wird viel mehr veröffentlicht<br />
und die Leser sorgen hoffentlich dafür, dass das Wichtige aus<br />
diesen Publikationen herausgefiltert wird.
</p>
<p>
<b>Zucchero:</b> Ist Open Access nur für wissenschaftliche<br />
Literatur?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Überhaupt nicht. Denken sie<br />
an Blogs, in denen jeder seine Meinung äußern kann und<br />
manches auch gelesen wird. In der Wissenschaft ist das nicht anders.<br />
Nur: Wissenschaftliche Literatur wird entweder als Self-Archive<br />
veröffentlicht oder in den Archiven der Open Access-Bewegung<br />
in ähnlicher Weise wie in Zeitschriften, nämlich in einem<br />
Peer-Review-Prozess. Das heißt, dass andere Wissenschaftler<br />
die Veröffentlichung lesen und begutachten und eventuell ablehnen,<br />
bevor sie erscheinen kann. Wissenschaftliche Literatur ist also<br />
gefiltert im Gegensatz zu Blogs.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Sind die Professoren offen gegenüber<br />
einer Publikation über Open Access oder sind ihnen klassische<br />
Publikationsmedien lieber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das hängt vom Gebiet ab. Tatsächlich<br />
sind die Publikationskulturen in den verschiedenen Wissenschaften<br />
sehr verschieden. In den Naturwissenschaften und Technikwissenschaften<br />
sind kurze Aufsätze in Zeitschriften oder Tagungsbänden<br />
vorherrschend. Bei den Geisteswissenschaftlern sind es eher Bücher.<br />
Während die Naturwissenschaftler die elektronischen Publikationen<br />
sehr begrüßen, sind die Geisteswissenschaftler etwas<br />
zurückhaltend. Das Ganze hängt von zwei großen Randbedingungen<br />
ab: Erstens müssen die Wissenschaftler das System kennen lernen<br />
(die meisten sind ja neugierig) und zweitens ist es eine Altersfrage.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Umfrage vor einem Jahr<br />
gemacht, wo sich über 80% positiv zu Open Access geäußert<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sieht es denn in der deutschen<br />
Hochschullandschaft aus? Gibt es neben der Humboldt-Universität<br />
weitere Universitäten, die Open Access befürworten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja. Die Bielefelder Uni war vor<br />
uns, andere haben sich angeschlossen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft<br />
empfiehlt Open Access. Die Max-Planck-Gesellschaft empfiehlt Open<br />
Access, die Helmholtz-Gemeinschaft empfiehlt Open Access. Also alle<br />
großen Forschungsorganisationen stehen hinter dieser Idee.
</p>
<p>
<b>Ulfi:</b> Was hat die Tatsache, dass verschiedene<br />
Universitäten Open Access unterstützen für einen<br />
Einfluss auf das Studieren beziehungsweise auf die Studenten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Studenten haben Zugang zu vielen<br />
Publikationen aus dem eigenen Haus, die sie sonst nicht gesehen<br />
hätten. Die Humboldt-Universität hat bereits 1261 Dissertationen<br />
und 273 Habilitationen, sowie 111 Magister- und Diplomarbeiten als<br />
Open Access veröffentlicht. Die hätte sonst niemand gesehen.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sind denn alle Wissenschaftler der Humboldt-Universität<br />
damit einverstanden? Wie motiviert man die Professoren zu Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich nicht. Wissenschaftler<br />
sind sich niemals einig. Aber es werden immer mehr, die ihre Veröffentlichungen<br />
als Open Access zugänglich machen.
</p>
<p>
<b>acw:</b> Was genau ist der Unterschied zwischen Open<br />
Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access bezieht sich auf wissenschaftliche<br />
Veröffentlichungen, die entweder in einem Repository nach einem<br />
Peer-Review-Prozess stehen oder als Self-Archiving veröffentlicht<br />
werden. In beiden Fällen handelt es sich um Open Content, aber<br />
im ersten Fall ist die Kontrolle durch andere Wissenschaftler gegeben.<br />
Open Content ist dagegen eine Lizenz. Unser Repository heißt<br />
„edoc-Server“ (www.edoc.hu-berlin.de). Das hat den Vorteil,<br />
dass unser Rechenzentrum sowohl die langfristige Archivierung garantiert,<br />
wie auch die nötigen Metadaten hinzufügt. So dass diese<br />
Veröffentlichungen weltweit leicht gefunden werden können.
</p>
<p>
<b><b>paula:</b></b> Kann ich einfach alle<br />
meine Publikationen ins Netz stellen und das dann Open Access nennen<br />
oder sind noch andere Kriterien erforderlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> In diesem Falle wäre das Self-Archiving.<br />
Bei Open Access wird typischerweise erwartet, dass es einen Begutachtungsprozess<br />
gibt (Peer-Review).
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Können Sie erfolgreiche Beispiele<br />
für Open Content im Internet nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich die Gutenberg-Server,<br />
aber auch unser edoc-Server.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Wie umgehen Sie Urheberrechte/Datenschutzrechte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gar nicht. Die Idee ist, dass die<br />
Wissenschaftler ja über ihr eigenes Copyright verfügen,<br />
wenn sie etwas unter Open Access veröffentlichen. Das bedeutet,<br />
dass sie sich mit den Verlagen einigen müssen, wenn das auch<br />
gedruckt werden soll. Das ist in den letzten Jahren leichter geworden.<br />
Häufig gibt es bei gedruckten Veröffentlichungen Schutzzeiten<br />
von sechs Monaten bis zwei Jahren, die aber jeweils ausgehandelt<br />
werden müssen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wer berät denn Wissenschaftler beim<br />
&quot;Self-Archiving&quot;? Ich kann mir vorstellen, dass da leicht<br />
rechtliche Probleme entstehen können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich kann es keine Probleme<br />
geben: Wer seine eigenen Sachen veröffentlicht, hat auch die<br />
Rechte. Ansonsten steht auf den edoc-Servern meist ein Hinweis,<br />
wie man mit den Verlagen reden muss &#8211; falls dies die Frage war.
</p>
<p>
<b>Gordon:</b> Ist Open Access mit &quot;creative commons&quot;<br />
vergleichbar?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Creative Commons ist eine Lizenz.<br />
Open Access ist ein soziales System. Beides hängt zusammen,<br />
aber Creative Commons kann viele andere Fragen betreffen, z.B. Filme,<br />
Bilder, Musik etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In der Ankündigung dieses Chats<br />
wurde auch auf die „Berlin Declaration“ hingewiesen.<br />
Hierzu eine Nachfrage von hintz:
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Was ist die &quot;Berlin Declaration&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Open Access-Bewegung beruht<br />
auf zwei Startdokumenten: Der „Budapester Erklärung“<br />
und der „Berliner Erklärung“. In beiden haben Wissenschaftsorganisationen<br />
den Willen erklärt, Open Access einzuführen und zu propagieren.<br />
Später hat der WSIS, eine UNO-Konferenz, ebenfalls die Nutzung<br />
von Open Access weltweit vorgeschlagen. Es handelt sich also um<br />
eine globale Bewegung.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sie sagen: Der Steuerzahler hat ein<br />
direktes Recht darauf. Das stimmt aus moralischer Sicht &#8211; muss sich<br />
da gesetzlich nicht auch noch einiges ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich nicht. Wenn Wissenschaftler<br />
öffentlich bezahlt werden, gehören die Ergebnisse ihrer<br />
Forschung auch der Öffentlichkeit. Historisch haben wir den<br />
Wissenschaftlern große Freiräume bei der Verwertung eingeräumt.<br />
Das war aber eher eine praktische Frage. Mehr und mehr verlangen<br />
die Universitäten und Hochschulen an Patentauswertungen und<br />
Veröffentlichungen beteiligt zu werden. Das wäre eher<br />
der Normalfall.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Welche Rolle spielt die Politik, um Open<br />
Access voran zu bringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie behindert Open Access durch<br />
die mögliche Abschaffung des Paragraphen 52a des Urheberrechtsgesetztes.<br />
Dort wird die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Material<br />
gesetzlich geregelt. Wenn diese Vorschrift fällt, wird die<br />
Verbreitung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen erheblich<br />
beschränkt. Es wäre schön, wenn die Politiker sich<br />
über die Bedeutung von Open Access klar würden.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wie beurteilen Sie staatliche Förderung<br />
von Open Access Journals wie z.B. die Digital Peer Publishing Initiative<br />
in Nordrhein-Westfalen? Braucht Open Access Förderung oder<br />
ist es besser, wenn das Publizieren in E-Journals selbstorganisiert<br />
passiert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftliche Veröffentlichungen<br />
wurden schon immer von den Hochschulen und den Fördermittelgebern<br />
gefördert. Natürlich ist auch der Betrieb von Server und<br />
die Wartung nicht kostenlos. Das ist der Beitrag, den die öffentliche<br />
Hand leisten muss. Nur bisher haben die Verlage diese Gelder kassiert.<br />
Jetzt stecken wir sie in unsere eigene Infrastruktur.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Mit Open Access ist ja kein<br />
Geld zu verdienen. Denken Sie, dass sich das trotzdem durchsetzen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftler werden von der Öffentlichkeit<br />
bezahlt. Sie sind froh, wenn sie gelesen werden und nicht auch noch<br />
für die Publikation bezahlen müssen (was gelegentlich<br />
vorkommt: Druckkostenzuschuss).
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie stehen Verlage zu Open Access/Open<br />
Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ursprünglich feindselig. Inzwischen<br />
haben die Verlage gemerkt, dass sie sehr wohl eine Archivfunktion<br />
wahrnehmen mit gedrucktem Material, dass sie sehr wohl mit Büchern<br />
Geld verdienen. Seitdem ist die Situation entspannter und es zeigt<br />
sich die Möglichkeit, dass Verlage und Open Access miteinander<br />
leben können.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden dadurch nicht die wissenschaftlichen<br />
Verlage gefährdet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Internet gefährdet ALLE<br />
ökonomischen Strukturen &#8211; wenn die Verantwortlichen nicht neu<br />
über ihr Geschäft nachdenken. Es gibt sehr wohl Geschäftsmodelle,<br />
bei denen Verlage verdienen können. Aber möglicherweise<br />
nicht vorzugsweise mit wissenschaftlichen Aufsätzen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Will Open Access den Verlagen komplett<br />
das Wasser abgraben oder sehen Sie eine Chance für &quot;Arbeitsteilung&quot;?
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Wie durchsetzungsfähig schätzen<br />
Sie Open Access ein gegenüber dem etablierten (Verlags-)Publikationswesen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Perspektive liegt sicher in<br />
einem Miteinander. Das ist schon durch die unterschiedliche Publikationskultur<br />
in den Wissenschaften begründet. Wissenschaftler wollen niemandem<br />
&quot;das Wasser abgraben&quot; sondern sie wollen gelesen werden.<br />
Und da haben elektronische Publikationen deutlich mehr Zugriffe<br />
als gedruckte Publikationen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Welches Interesse haben denn die Verlage,<br />
einer elektronischen Publikation zuzustimmen? Die möchten doch<br />
ihre Print-Produkte verkaufen. Wenn alles offen im Netz steht, bestellt<br />
doch z.B. sicher niemand mehr den gedruckten Tagungsband?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Geschäft mit dem Tagungsband<br />
besteht darin, am Anfang der Tagung den Tagungsband, der mit der<br />
Teilnahmegebühr bezahlt ist, zu verteilen. Danach gibt es kein<br />
Geschäft mehr mit Tagungsbänden. Die elektronische Fassung<br />
bleibt aber für alle leicht zugänglich. Das Verlagsgeschäft<br />
kann zwei Wege verfolgen: Die Erstveröffentlichung für<br />
etwa sechs Monate und die Archivfunktion für Bibliotheken.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Bei aller Sympathie für freie Inhalte:<br />
Wissenschaftliche Qualitätssicherung kostet Geld &#8211; woher soll<br />
das künftig kommen, wenn den Verlagen die Vermarktungsgrundlage<br />
entzogen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die wissenschaftliche Qualitätssicherung<br />
durch Gutachter ist bislang eine unbezahlte Tätigkeit der Wissenschaftler.<br />
Soll heißen, sie wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt.<br />
Das soll so bleiben.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Offen publizieren ist die eine Sache. Wie<br />
aber kann die Auffindbarkeit dieser Publikationen auch sicher gestellt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Da hat die elektronische Publikation<br />
im Open Access-Archiv einen eindeutigen Vorteil. Solche Publikationen<br />
werden mit Metadaten versehen, nach denen mit Suchmaschinen gesucht<br />
werden kann. Das ist bei gedruckten Publikationen viel schwieriger.
</p>
<p>
<b>Wiebke Oeltjen:</b> Wer gibt die Metadaten zu den<br />
Veröffentlichungen beim edoc-System ein? Die Autoren, Bibliothekare,<br />
anderes Fachpersonal?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Alle. Das soll heißen, die<br />
Autoren können Vorschläge machen. Aber die Betreuer des<br />
Repository ergänzen diese.
</p>
<p>
<b>Richard: </b>Sind die Dokumentenserver der Hochschulen<br />
eigentlich ausreichend erschlossen? Oder würde hier ein &quot;Meta“-Server<br />
benötigt, der die lokalen Angebote vernetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Beispielsweise die edoc-Server sind<br />
weltweit miteinander verbunden. Dies ist freilich noch verbesserbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden heute bereits Artikel, die frei<br />
zugänglich (z.B. über Google Scholar auffindbar) häufiger<br />
zitiert? Ist das die große Chance für Open Access, bei<br />
den Autoren beliebter zu werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Es gibt Untersuchungen, die das<br />
bestätigen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Gibt es Untersuchungen dazu, inwieweit<br />
sich bei elektronischen Publikationen die Zitation erhöht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Vorsichtig gesagt scheint das so<br />
zu sein. Es ist freilich so, dass Wissenschaftler meistens einen<br />
engen Bereich an Veröffentlichungen sehr gut im Blick haben.<br />
Das können gedruckte ebenso wie elektronische Publikationen<br />
sein. Höhere Zitattreffer kommen dann meistens durch Wissenschaftler,<br />
die Suchmaschinen benutzen. Es gibt in den einzelnen Wissenschaften<br />
zum Teil über 100 elektronische Journale, die im Peer-Review-Prozess<br />
begutachtet werden. Es gibt aber immer noch tausende von gedruckten<br />
Zeitschriften. Wir sind mit Open Access also erst am Anfang.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Wie sehen die Peer-Review-Kontrollen denn<br />
aus? Wer bestimmt, was ins Netz gestellt wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist im Prinzip das gleiche wie<br />
bei gedrucktem Material. Bei Zeitschriften ist das eine Redaktion,<br />
die auf akademische Gutachter zurückgreift. Bei Büchern<br />
ist es typischerweise der Lektor, der sich Gutachten erstellen lässt.<br />
Das geschieht elektronisch und gedruckt in gleicher Weise. Es gibt<br />
elektronische Zeitschriften, zu deren Herausgeber Nobelpreisträger<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Birgt Open Access/Open Content die Gefahr<br />
eines Qualitätsverlusts?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube nicht. Aber es ist klar:<br />
Wenn mehr veröffentlicht wird, muss die Qualität nicht<br />
unbedingt steigen. Es können aber auch interessante abweichende<br />
Meinungen erscheinen, die sonst vielleicht untergegangen wären.<br />
Letztlich liegt die Kontrolle im Kopf des Lesers.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Kann durch Open Access nicht<br />
auch jeder &quot;Schrott&quot; veröffentlicht werden, da es<br />
so einfach wird, seine Arbeiten zu publizieren? Gibt es irgendwelche<br />
Qualitätsstandards?
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie kann eine Qualitätssicherung<br />
im Zusammenhang mit Open Access/Open Content realisiert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Noch einmal: Die Qualitätsstandards<br />
sind bei elektronischen Zeitschriften die gleichen wie bei gedruckten<br />
Zeitschriften. Auch wenn sie es noch nicht festgestellt haben: Es<br />
gibt sehr schlechte gedruckte Aufsätze und Bücher.
</p>
<p>
<b>godzilla:</b> Kann ich als Nicht-Student auch meine<br />
wissenschaftlichen Arbeiten bei Ihnen auf diesem edoc-Server veröffentlichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Bei allen wissenschaftlichen Zeitschriften,<br />
ob gedruckt oder elektronisch publiziert, können alle Aufsätze<br />
eingereicht werden. Was die Redaktion damit macht, kann ich natürlich<br />
nicht vorhersagen. Wir veröffentlichen auf dem edoc-Server<br />
alle Dissertationen, die freilich schon durch eine sehr komplexe<br />
Begutachtung gegangen sind. Wir veröffentlichen auch Magister-<br />
und Diplomarbeiten, wenn sie mindestens mit Gut beurteilt wurden.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wissenschaftler sind daran interessiert,<br />
dass ihre Veröffentlichungen gelesen werden, d´accord.<br />
Aber möchten sie auch ihre Lehrskripte freigeben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie werden ja nicht dazu gezwungen.<br />
Aber ich kenne viele Kollegen, die das gern tun, denn der &quot;Marktwert&quot;<br />
einer Wissenschaftlerin steigt auch mit erfolgreicher Lehre.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Bleiben wir bei der Qualität: Online-Angebote<br />
würden auch ein Rating durch die Leser erlauben. Ist das sinnvoll<br />
bzw. gibt es bereits solche Initiativen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist sehr richtig und es gibt<br />
elektronische Journale, die den Lesern solche Beurteilungen vor<br />
der Veröffentlichung erlauben. Das Endurteil erfolgt dann trotzdem<br />
durch Gutachter. Aber man könnte sich natürlich auch Zeitschriften<br />
vorstellen, die allein von den Lesern herausgegeben werden. So gibt<br />
es eine Zeitschrift im Bereich Klimaforschung, die alle eingereichten<br />
Papiere öffentlich darstellt. Die Leser können ihre Kommentare<br />
schreiben und in einer zweiten Phase werden diese Artikel von den<br />
Gutachtern, die die Leserzuschriften kennen, begutachtet. Erst dann<br />
wird entschieden, ob der Artikel &quot;veröffentlicht&quot;<br />
ist. Ich halte das für ein sehr interessantes Verfahren &#8211; ein<br />
Stück Demokratisierung der Wissenschaft.
</p>
<p>
<b>Martin:</b> In Blogs wird häufig darüber<br />
diskutiert, mit welchen Stichworten ein gutes Ranking erreicht wird.<br />
Droht der Wissenschaft ebenfalls ein Wettbewerb um möglichst<br />
gute Platzierung in Suchmaschinen? Und schadet der den wissenschaftlichen<br />
Inhalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das gibt es doch jetzt schon. Es<br />
gibt gute Zeitschriften, es gibt sehr gute Zeitschriften und es<br />
gibt exzellente Zeitschriften. Wissenschaftler versuchen oft, in<br />
die letzte Kategorie zu kommen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Glauben Sie, dass der Open Content Gedanke<br />
sich auch bei Lehrmaterialien durchsetzen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich hoffe das sehr. Ein schönes<br />
Beispiel ist die Open Course Ware-Initiative des Massachusetts Institute<br />
of Technology, die viele Lehrmaterialien bereitstellt. Das kann<br />
alles umfassen. Von Texten, Powerpoint-Dateien bis zu Videomitschnitten.
</p>
<p>
<b>acw: </b>Lautet der nächste Schritt der Humboldt-Universität:<br />
Open Courseware?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir arbeiten daran.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Auch bei Open Access gibt es schwarze Schafe:<br />
Manche E-Journals werden mit großem Elan gelauncht und dümpeln<br />
dann doch nur dahin. Besteht die Gefahr, dass hier insgesamt die<br />
Glaubwürdigkeit elektronischer Publikationen geschädigt<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich sehe keine besonderen Probleme<br />
des elektronischen Publizierens in dieser Frage. Bei Modethemen<br />
werden auch schnell neue Druckjournale aufgelegt.
</p>
<p>
<b>lobotom: </b>Mal jenseits der Hoffnung auf eine einfachere,<br />
transparentere Veröffentlichungspraxis: Was sind die Probleme<br />
beim Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Hauptproblem besteht darin,<br />
Open Access zum Normalfall zu machen. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit<br />
geleistet werden. Aber es ist natürlich auch eine Frage der<br />
jeweiligen Ressourcen. Die Uni muss Server bereitstellen und Betreuung.<br />
Das geht nicht kostenfrei.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Wie erkenne ich, ob ein E-Journal auch<br />
nächstes Jahr noch besteht oder nur eine Eintagsfliege ohne<br />
Rückhalt in der Scientific Community ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Erfahrung.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Müssen mehr E-Journals gegründet<br />
werden, damit Open Access erfolgreich sein kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nicht zwingend. Aber ich glaube,<br />
dass mit der Ausweitung von Open Access viele neue Journals entstehen<br />
werden &#8211; immer dann wenn sich eine Community bildet, die eine eigene<br />
Zeitschrift betreiben will und kann.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Eine Nachfrage zum<br />
weltweiten Zugriff auf wissenschaftliche Inhalte von Martin:
</p>
<p>
<b>Martin:</b> Die Verlage und ihre Interessen sind die<br />
eine Seite. Spannend wird es doch auch in Hinblick auf die wissenschaftlichen<br />
Inhalte: Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang wirklich<br />
weltweit und frei ist? Gibt es da nicht bestimmte Regierungen, die<br />
kein allzu ausgeprägtes Interesse an freiem Wissensaustausch<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zensur ist sicher ein großes<br />
Problem. Zugang ein anderes großes Problem. Aber ich sehe<br />
mehr Möglichkeiten im Internet weltweiten Zugang zu erreichen,<br />
als mit Druckmedien.
</p>
<p>
<b>ZUckerhut:</b> Warum ist denn der freie Zugang zu<br />
Inhalten für e-learning und e-teaching von besonderer Relevanz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> e-learning sollte sich nicht auf<br />
einen eng zugeschnittenen Bereich beschränken. Die breite Nutzung<br />
des Internets ist sozusagen Basis von e-learning und e-teaching.<br />
Und da fügen sich elektronische Veröffentlichungen gut<br />
ein.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Ist die „Scholar-Suche“ bei<br />
Google das Paradebeispiel für Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wird unterschiedlich gesehen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie lange, meinen Sie, dauert es, bis sich<br />
die Publikationskultur an einer Hochschule ändert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zwei Generationen &#8211; von Doktoranden.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie beratungsintensiv ist die Publikation<br />
über OA? Wie werden Hochschullehrende an der Humboldt-Universität<br />
beraten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir haben das Glück, ein sehr<br />
aktives Rechenzentrum zu haben, das diesen Bereich aus Drittmitteln<br />
finanziert. Das ist leider kein allgemein umsetzbares Modell. Letztendlich<br />
kommt es darauf an, dass Menschen sich engagieren.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Sind andere Länder viel weiter und<br />
fortschrittlicher als Deutschland, was Open Access betrifft? Wenn<br />
ja, welche?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Großbritannien hat eine Vorreiterrolle<br />
gespielt, aber auch viele amerikanische Bibliotheken. Auch Skandinavien<br />
und Frankreich sind sehr weit. Das ist ein schöner internationaler<br />
Wettbewerb, von dem wir alle profitieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat die Politik dieser Länder<br />
dabei eine Rolle gespielt? Oder hat sich die Wissenschaftskultur<br />
in diesen Ländern selbst so schnell weiterentwickelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Negativ könnte man sagen: Ohne<br />
die finanziellen Kürzungen der Bibliotheken wäre das Problem<br />
nicht so schnell klar geworden. Andererseits gibt es auch positive<br />
Impulse aus der Politik, z.B. die Bibliothèque Nationale<br />
in Paris.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer &quot;Kram&quot; fragt noch<br />
einmal zu den positiven Effekten von Open Access auf die Verlage:
</p>
<p>
<b>kram:</b> Kommen die Verlage vielleicht in einen positiv<br />
zu bewertenden Druck, die Bücher schneller als bisher zu drucken?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Es<br />
ist aber klar, dass in den wissenschaftlichen Verlagen diese Fragen<br />
diskutiert werden. Das kann zu besseren Arrangements führen.<br />
Ein schönes Beispiel ist die Veröffentlichung von kritischen<br />
Werkausgaben, die sich oft über Jahre oder Jahrzehnte ziehen<br />
kann. Hier können elektronische Zwischenergebnisse oder auch<br />
das Endprodukt ganz neue Wege der Publikation eröffnen. Interessant<br />
ist auch die Reaktion der Lexikon-Redaktionen auf die Wikipedia.<br />
So ist jetzt der Meyer online frei verfügbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Wenn der Bürger ein Recht auf freien<br />
Zugang zu den Publikationsinhalten hat &#8211; gibt es dann nicht auch<br />
ein Recht für Studenten, auf Vorlesungsmaterialien aller Hochschulen<br />
zuzugreifen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist eine interessante Frage.<br />
Prinzipiell finde ich &quot;ja&quot;. Man muss aber berücksichtigen,<br />
dass die Lehrenden ihr Material freiwillig herausgeben müssen.<br />
Es gibt ja gute Gründe, warum man etwas nicht breit streuen<br />
will. Und dazu das unsägliche Urheberrecht.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Steigen aufgrund von Open Access auch<br />
die Ansprüche und Erwartungen für wissenschaftliche Publikationen?<br />
Schließlich ist es jetzt leichter, sich einen guten Überblick<br />
zu verschaffen, die Recherche geht um ein Vielfaches schneller.<br />
Wird dann z.B. von Doktoranden auch mehr Output verlangt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wäre doch ein wunderschöner<br />
Nebeneffekt.
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Vorhin haben sie darauf hingewiesen,<br />
dass die zu veröffentlichenden Inhalte von Steuergeldern finanziert<br />
wurden. Das gilt ja auch für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nochmals: Ja. Es gibt aber keine<br />
Veröffentlichungspflicht für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Daniel Kämmerling:</b> Artikel 52a wird 2008<br />
voraussichtlich nicht mehr verlängert. Welche weitere Gefahren<br />
sehen Sie, wenn die Schrankenregelung abgeschafft wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Anarchie und Chaos.
</p>
<p>
<b>undwarum?:</b> Denken Sie, dass Open Access für<br />
die Wissenschaft ein Vorläufer sein kann für eine generelle<br />
Form von Open Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube, dass Open Access ein<br />
Teil einer ganz großen Bewegung ist, nämlich möglichst<br />
viel im Netz frei anzubieten.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Nachfrage 52a: Inwiefern kommen dadurch<br />
Beschränkungen, wenn doch das Urheberrecht eigentlich bei den<br />
Autoren liegt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Für selbst erstellte Inhalte<br />
gibt es selbstverständlich keine Schranke. Es geht um die Nutzung<br />
von fremd erstellten Inhalten für die Lehre. Die Streichung<br />
des 52a wird zu unsäglichen Auseinandersetzungen über<br />
das angemessene Zitieren führen. In der Folge werden immer<br />
weniger fremde Materialien in den Unterricht eingeführt.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Sie haben ja eben erläutert, dass<br />
sich Print und Online bei der Qualität nichts vergeben &#8211; in<br />
beiden wird auch mal Quatsch verbreitet. Wie objektiv ist Peer Review<br />
eigentlich? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Peer-Review ist nicht objektiv und<br />
das ist gelegentlich untersucht worden. Aber wir haben keine besseren<br />
Formen bislang gefunden. Vielleicht ist die Einbeziehung der Leser<br />
ein Ausweg aus dem Qualitätsproblem des Peer-Review.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Ich schätze, ein Problem von Open Access<br />
wird sein, dass ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten immer<br />
noch mehr Wert für einen selbst hat als die elektronische Version<br />
im Internet. Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja das sehe ich auch so. Deshalb<br />
haben wir für unseren edoc-Server auch die Publishing-on-Demand<br />
Variante vorgesehen. Wenn jemand einen Text ausgedruckt haben möchte,<br />
kann er den &#8211; gegen Geld &#8211; drucken lassen.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Ist es vorstellbar, dass wir zukünftig<br />
Publikationsmechanismen aus der Blogosphäre auch in E-Journal-Beiträgen<br />
finden, z.B. ein Blogroll von E-Journals, die der Autor liest?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Warum nicht? Allerdings sehe ich<br />
den Platz nicht im E-Journal sondern eben in einem Qualitätsblog.<br />
Interessanterweise hat Vannevar Bush mit seinem Memex schon 1945<br />
ein solches Verfahren des &quot;Mitlesens&quot; vorgeschlagen. Man<br />
kann immer von anderen lernen &#8211; auch das Lesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer bezieht sich vermutlich<br />
auf die Verbreitung des Open Access-Gedanken:
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Was sind eigentlich ihre Hauptwidersacher?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Tradition und desinteressierte Ökonomie.
</p>
<p>
<b>anne:</b> Wohin geht Ihrer Meinung nach der langfristige<br />
Trend? Publikation nur noch über Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sagen sie doch so was nicht! Wir<br />
brauchen doch Bücher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für<br />
Open Content und Open Access für Deutschland aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access wird sich an den Hochschulen<br />
und Universitäten als ein Publikationsstandard einbürgern.<br />
Das hat ökonomische Gründe &#8211; Bibliotheken verarmen -,<br />
ebenso wie technische Gründe &#8211; wir leben alle mehr und mehr<br />
im Internet. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Bücher &quot;verschwinden&quot;.<br />
Die Technik ist einfach noch zu praktisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Vielen Dank für Ihr Interesse und Dank an Herrn<br />
Professor Coy für den Chat! Das Protokoll des Chats finden<br />
Sie in Kürze auf <a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/www.e-teaching.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.e-teaching.org</a>.<br />
Unsere Bitte um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer<br />
Frage nicht berücksichtigen konnten. Unter der URL <a href="http://www.e-teaching.org/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.e-teaching.org/community</a><br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich bedanke mich auch, besonders<br />
bei den Fragestellern, die die wunden Punkte schnell herausgefunden<br />
haben.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Keine Eliteunis in Ostdeutschland</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ernst-Ludwig Winnacker. Er ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br />
Sein Name steht &#8211; wie der seiner Organisation &#8211; für den Elitewettbewerb, der zwei Hochschulen in München und einer in Karlsruhe jüngst Fördermittel in Millionenhöhe eingebracht hat. Mit am Tisch sitzt auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider. Herr Winnacker, können wir beginnen?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>coulomb:</b> Warum waren an der Entscheidung zur Exzellenzinitiative 90 Prozent ausländische Wissenschaftler beteiligt? Hätten nicht viel mehr deutsche Wissenschaftler, die die beengten Möglichkeiten deutscher Universitäten kennen, stärker in die Begutachtung eingebunden werden müssen? Amerikanische Verhältnisse können aufgrund der vorgegebenen deutschen Rahmenbedingungen doch gar nicht erreicht werden!
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es waren 60 Prozent Europäer, 30 Prozent aus Übersee und zehn Prozent Deutsche. Hätten wir mehr Deutsche verwendet, wären diese befangen gewesen &#8211;<br />
sie hätten über sich selbst entscheiden müssen. Das halte ich für undenkbar. Außerdem ging es nicht über beengte Verhältnisse, sondern um wissenschaftliche Qualität.
</p>
<p>
<b>carell:</b> Ich habe Herrn Winnacker in der Tagesschau gesehen, wo er sehr dafür angegriffen wurde, dass die Preise nur nach Süddeutschland gegangen sind. Ich fand, dass Herr<br />
Winnacker zu weich und ausweichend geantwortet hat. Er hätte mehr die Kompetenz der internationalen Gutachter mit Ihrer Fachkompetenz in die Waagschale legen sollen und ganz klar zum Ausdruck bringen sollen: Wer Spitzenleistungsuniversitäten will, der darf nicht nach dem Proporz gehen.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Einverstanden.
</p>
<p>
BrainDrain2007: Ich gehe, wie viele meiner Kollegen, ins Ausland. Dort rekrutieren Top-Universitäten auf Lebenszeit, während hier mittelmäßige Universitäten mit Zweijahresverträgen locken. Wann stellen sich die deutschen Universitäten dem globalen Wettkampf und führen ein Research Assessment Exercise (RAE) ein wie in Großbritannien? Hier freuen sich Universitäten, wenn Professuren für einige Jahre unbesetzt bleiben &#8211; das würde in Großbritannien sofort mit Ranking-Verlust bestraft.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist die RAE, von der Sie sprechen. Außerdem gibt es seit Jahren ein Förderranking der DFG, das die Qualitätsunterschiede der deutschen Universitäten seit langem dokumentiert.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Herr Winnacker, Sie haben Aachen, Heidelberg und Freiburg gute Chancen für die zweite Runde der Exzellenzinitiative eingeräumt. Aber auch andere Universitäten, etwa in Berlin, machen sich große Hoffnungen. Wollen Sie eine Art Nervenkrieg entfachen oder sind solche Aussagen bereits eine Vorankündigung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich habe nur gesagt, dass sie automatisch in die zweite Runde kommen. Das sieht der Wettbewerb so vor.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Diese Universitäten können, wenn sie wollen, mit ihren Anträgen dabei sein. Das wird dann sicher nicht zu einem Nervenkrieg führen, aber doch zu einer Schärfung des Wettbewerbs. Und das ist gewollt mit der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>bvogler:</b> Ich bin selbst Professor an einer amerikanischen Universität und würde über alles dem deutschen System den Vorzug geben. Der ständige Zwang &quot;Geld zu jagen&quot; führt sicherlich zu extremen Verzerrungen. Die Ausbildung in Deutschland war zu meiner Zeit sehr viel besser als das, was amerikanische Universitäten heute leisten. Ein Problem: Massen-Uni, hier viel mehr als in Deutschland. Ich bin seit fünf Jahren hier.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt in Amerika eine viel größere Differenzierung der Universitäten. Es gibt ca. 4500 Universitäten und darunter etwa 100 Forschungsuniversitäten, während es in Europa 2500 Universitäten gibt, die alle den Anspruch erheben, Spitzenuniversitäten zu sein. Das führt notwendigerweise zu einer Verwässerung der Ressourcen.
</p>
<p>
<b>albrecht möller:</b> Peinlich, peinlich; seit 1984 ist Prof. Winnacker mit München innig verbunden, jetzt sorgt er mit Forschungsmillionen für seine bayrische Kamarilla.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Völlig abwegig. Der Präsident der DFG hat in keinem Förderverfahren eine Stimme, auch in diesem nicht. Außerdem haben DFG und Wissenschaftsvorsitzende extrem strikte Befangenheitsregeln in allen Stufen des Verfahrens. Und so haben Prof. Strohschneider und ich an keinen Beratungen über München teilgenommen.
</p>
<p>
<b>Dr. Schorsch:</b> Wie kann man den politischen Druck in weiteren Runden, doch noch die &quot;Gießkanne&quot; zu zücken, abwehren? Kann es auch eine Runde (bei den &quot;Eliteunis&quot;) ohne Sieger geben?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es kann in einem solchen Wettbewerb natürlich nicht ohne &quot;Sieger&quot; und &quot;Verlierer&quot; abgehen. Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes Verfahren festgelegt und genau so haben wir es auch durchgeführt.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Das wird auch so bleiben.
</p>
<p>
<b>cycologist: </b>Wann wird es in Deutschland endlich Auswahlverfahren für Studierende geben? &quot;Eliteuniversitäten&quot; wie Harvard, Yale oder Princeton sichern ihren Bestand vor allem aus der Rekrutierung der besten Bewerber die über den S.A.T. und andere Eingangstests ausgewählt werden. Diese Auswahl soll dem Ideal einer Meritokratie dienen, in der die Bildungselite nicht nach Abstammung, Staatsangehörigkeit, oder Wohlstand ausgewählt wird, sondern nach Eignung.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gibt es längst. Es gibt zahllose Bachelor &#8211; und Masterstudiengänge, in denen Studierende im Wettbewerb ausgewählt werden.
</p>
<p>
<b>markus76: </b>Kann es sein, dass abgesehen von finanziellen und politischen Problemen in Deutschland vor allem auch ein kulturelles Problem dafür sorgt, dass die deutsche Forschung international nicht anschlussfähig ist? Ich war einige Jahre Teil des deutschen Systems und beobachte es jetzt aus Nordamerika. Im Vergleich hat man das Gefühl, dass das mittelalterliche Ständesystem sich in die Universitäten zurückgezogen hat.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die deutsche Forschung ist durchaus anschlussfähig, in vieler Hinsicht. In diesen Bereichen sind die auch die Hierarchien längst abgeschafft.
</p>
<p>
<b>elitestudent:</b> Warum gibt es kein Geld für &quot;arme Unis&quot;? Die brauchen es doch am meisten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Entscheidung wurde nicht nach Armut und Reichtum der Universitäten getroffen, sondern nach der wissenschaftlichen Qualität ihrer Anträge. Es zahlt sich eben jetzt aus, wenn man über Jahrzehnte hinweg in die Forschung in den Universitäten investiert hat.
</p>
<p>
<b>moechtegernphd:</b> Heißt Förderung der Spitzenuniversitäten gleichzeitig Vernachlässigung der anderen Universitäten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer das Bild einer Pyramide im Blick, mit einer breiten soliden Basis, aber mit einer Spitze. Die Spitze haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>unitrier:</b> Wie sehen die Konzepte aus, damit in Zukunft kleinere und abgelegenere Universitäten nicht zu reinen Ausbildungsstätten verkommen, sondern auch dort weiterhin qualitative Forschung betrieben werden kann?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist ein Instrument, ein ganz bestimmtes Problem zu bearbeiten: Das Fehlen der Spitzen.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Initiative ist kein Instrument zur Lösung aller und jeder Probleme im deutschen Wissenschaftssystem, insbesondere nicht der Unterfinanzierung.
</p>
<p>
<b>ExInt_Fan:</b> Herr Prof. Winnacker, warum versuchen<br />
wir in Deutschland, die amerikanischen Universitäten wie Stanford,<br />
Harvard oder das MIT krampfhaft zu kopieren? Haben wir nicht andere<br />
Stärken, die wir umsetzen sollten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Tun wir das wirklich? Es gibt viele Wege<br />
nach Rom. Und diese haben wir im Laufe der ersten Runde auch kennen<br />
gelernt.
</p>
<p>
<b>Björn:</b> In Deutschland fehlt es nicht an guten<br />
Ideen oder qualifizierten Akademikern. Eine Möglichkeit, mehr<br />
Forschungsgelder zu erhalten, sehe ich in der stärkeren Zusammenarbeit<br />
zwischen Hochschulen und der Industrie und die dadurch beschleunigte<br />
Entwicklung marktreifer Produkte. Welche Möglichkeiten sehen<br />
sie diese Zusammenarbeit auszubauen? Was muss die Politik der Länder<br />
und des Bundes tun?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Ergebnis zeigt genau, dass mit sehr<br />
unterschiedlichen Modellen &#8211; durchaus nicht nur mit solchen, die<br />
sich an wenigen amerikanischen Universitäten orientieren &#8211;<br />
in der Exzellenzinitiative erfolgreich sein kann. Auch das war oder<br />
ist in der Exzellenzinitiative vorgesehen. Dafür gibt es gute<br />
Beispiele.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Vor allem auf der Ebene der Cluster.
</p>
<p>
<b>thomas1962: </b>Lieber Herr Winnacker, was mich an<br />
Deutschland immer so irritiert, ist diese Fixierung auf bestimmte<br />
Lebensplanungen. Man muss bis 35 angekommen sein, sonst wird es<br />
schwierig. Ich bin gerade dabei, aus den USA zurückzukehren.<br />
Dort habe ich eher das Gefühl, es kommt darauf an &quot;can<br />
he/she do the job?&quot; Und nicht &quot;ist der/die nicht schon<br />
über 40?&quot;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass der Reichseinheitsbrei<br />
des deutschen Hochschulsystems längst passé ist und<br />
auch vielleicht auch so nie existiert hat. Inzwischen sind Altersgrenzen<br />
weithin abgeschafft.
</p>
<p>
<b>Webmaster5:</b> Darf es sich Deutschland denn erlauben,<br />
keine Elite-Universität in der Hauptstadt zu bieten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich darf es das.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Deutschland ist aus vielen Gründen ein<br />
föderaler, dezentraler Staat und es steht viel kultureller<br />
und intellektueller Reichtum darin, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem haben die<br />
Berliner Unis noch eine zweite Chance.
</p>
<p>
<b>PP: </b>Bringt die Exzellenzinitiative denn überhaupt<br />
so viel Geld pro Universität? Die Ludwig-Maximilians-Universität<br />
München zum Beispiel erhält doch gerade mal zehn Prozent<br />
ihres bisherigen Budgets extra?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> 15 Prozent, wie ich gehört habe und<br />
das ist natürlich schon ein beachtlicher Freiraum.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Es gibt ein hartes sachliches Argument: Man<br />
muss die Mittel aus der Exzellenzinitiative nicht nur zu den Gesamtetats<br />
in ein Verhältnis setzen, sondern zu dem, worüber die<br />
Uni frei disponieren kann. Und diese Beträge in den Haushalten<br />
werden durch die Exzellenzinitiative dramatisch gesteigert
</p>
<p>
<b>Kai Jennrich: </b>Fakultäten an Hochschulen ohne<br />
das &quot;Elite&quot;-Prädikat, die aber über anerkannt<br />
hervorragende Lehrreputation verfügen und deren Absolventen<br />
sollten nicht Opfer eines undifferenzierenden Etiketten-Wettbewerbs<br />
in der Öffentlichkeit werden &#8211; nach dem Motto: &quot;Elite&quot;-Kleider<br />
machen Leute. Ist diese Besorgnis begründet? Auf welche Weise<br />
wirkt die Deutsche Forschungsgemeinschaft einer solchen verallgemeinernden<br />
und fatalen Fehlentwicklung entgegen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Durch Differenzierung in der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem wird dieses Label nicht<br />
auf Ewigkeit verliehen, sondern muss sich immer wieder neu erarbeitet<br />
werden. Aber eines ist auch klar: Es wird in Deutschland Universitäten<br />
mit eher regionaler Bedeutung geben oder mit internationaler Bedeutung.<br />
Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
</p>
<p>
<b>a-j-k85:</b> Herr Winnacker, auf welche Art können<br />
sich Universitäten beim Ranking der Exzellenzinitiative hervortun?<br />
Auch durch bessere Bedingungen in der Lehre oder nur durch Programme<br />
für die Forschung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Zukunftsperspektiven beziehen sich<br />
im Wesentlichen auf die Forschung, aber gute Forschung ist in der<br />
Regel von guter Lehre nicht zu trennen. Deswegen wird am Ende auch<br />
die Lehre von diesen Entscheidungen profitieren.
</p>
<p>
<b>Phelps:</b> Wie kommt es zu dieser Konzentration von<br />
Eliteuniversitäten ausschließlich im Süden der Bundesrepublik<br />
Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil man Jahrzehntelang in die Forschung<br />
und die Hochschulen insgesamt investiert hat. Und weil dies auch<br />
zu einer Ansammlung von außeruniversitärer Forschung<br />
geführt hat.
</p>
<p>
<b>biologisch: </b>Müsste der Bundesetat für<br />
Bildung und Forschung nicht der allergrößte Etatposten<br />
eines Landes sein, das angeblich die Ressource &quot;Wissen&quot;<br />
stärken möchte?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich.
</p>
<p>
<b>Merlin:</b> Soll sich die Politik wirklich in die<br />
Entscheidung dieser Initiative einmischen dürfen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes<br />
Gefahren festgelegt. Dafür sind wir sehr dankbar. Und sie hat<br />
sich auch an diese Festlegung gehalten
</p>
<p>
<b>ziggeding:</b> Wie vertragen sich Forschungsqualität<br />
und Studiengebühren, die nicht an die Universitäten gehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Überhaupt nicht. Ich bin immer davon<br />
ausgegangen, dass Studiengebühren an die Universitäten<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>ringo star:</b> Wenn man Eliteuniversitäten in<br />
anderen Ländern betrachtet, findet man sowohl in den Ländern,<br />
als auch bei den Universitäten eine &quot;Kultur&quot; der<br />
Eliteuniversitäten. Glauben sie, dass &quot;künstlich&quot;<br />
benannte Eliteuniversitäten, wie im Rahmen der Exzellenzinitiative,<br />
wirklich einen vergleichbaren Status sowohl national als auch international<br />
erlangen können? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Ernennung einiger der Unis zu Spitzen-Universitäten<br />
ist erst der Anfang. Die entsprechenden Kulturen müssen sich<br />
erst noch entwickeln. Hoffen wir, dass in zehn Jahren die erste<br />
der geförderten Unis in den internationalen Ranglisten ganz<br />
vorne auftauchen.
</p>
<p>
<b>seltmann:</b> Bundesministerin Schavan hatte im Bewilligungsausschuss<br />
ja die Zustimmung der Politik an die Bedingung geknüpft, in<br />
der zweiten Runde das Verfahren abzuändern, damit die Politiker<br />
mehr Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können. Wie wollen<br />
sie diesmal verhindern, dass sich die Wissenschaft dem Druck der<br />
Politik beugt?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weder hat sich die Wissenschaft der Politik<br />
noch hat sich die Politik der Wissenschaft gebeugt, sondern beide<br />
der Sache, nämlich der wissenschaftlichen Exzellenz. Ich bin<br />
überzeugt, dass sich daran nichts ändern wird. Was nicht<br />
heißt, dass die Politik noch frühzeitiger informiert<br />
wird. Es war ja das erste Mal, dass wir so was deutschlandweit gemacht<br />
haben. Wir haben bei dem Verfahren viel gelernt und wir werden das<br />
sicher in Einzelheiten optimieren.
</p>
<p>
<b>Trude: </b>Im Ausland (USA) ist die Spitze der deutschen<br />
Forschung meist als Max-Planck-Institut bekannt. Wäre es nicht<br />
von Vorteil, diese im Ausland bekannte Spitze so zu fördern,<br />
dass auch Topwissenschaftler aus den USA nach Deutschland gehen<br />
würden? Das ist das wahre Geheimnis der Elite-Unis in den USA:<br />
Es werden oftmals sehr gute Professoren weltweit abgeworben.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist ja das Problem. In der Max-Planck-Gesellschaft<br />
ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler sehr viel höher<br />
als bei den Universitäten. Genau das sollte die Exzellenzinitiative<br />
verbessern. Und verbessert es hoffentlich auch.
</p>
<p>
<b>kajac: </b>Ich bin Professorin an einer kleineren<br />
Universität. Für mich scheint sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft<br />
der Universitäten anzubahnen: Die großen machen die Forschung,<br />
die kleinen die Lehre.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist nicht meine Beobachtung. Wir haben<br />
auch Cluster an kleineren Universitäten eingerichtet. Aber<br />
natürlich bedarf es in vielen Fällen für Spitzenforschung<br />
auch der kritischen Masse.
</p>
<p>
<b>sophie:</b> Das einzige Kriterium bei dem Verfahren<br />
soll doch &quot;wissenschaftliche Exzellenz&quot; sein. Kann ein<br />
in der ersten Runde abgelehnter Antrag, der automatisch in die zweite<br />
Runde geht, dann überhaupt in der zweiten Runde genehmigt werden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier von einem sehr hohen Niveau.<br />
Es ist durchaus denkbar, dass die antragstellenden Wissenschaftler<br />
ihre Anträge dann auch noch modifizieren. Im Januar wird ja<br />
nur über Antragsskizzen entschieden, über Anträge<br />
erst in einem Jahr.
</p>
<p>
<b>TA:</b> Sie haben gesagt, der Titel der Exzellenzinitiative<br />
kann einer Hochschule auch verlustig gehen. Für wie lange wird<br />
er verliehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Förderdauer ist zunächst<br />
auf fünf Jahre festgelegt. Die Bundesministerin Frau Annette<br />
Schavan hat angekündigt, den Wettbewerb verstetigen zu wollen.<br />
Schon aus diesem Grund, also der Möglichkeit, auch anderen<br />
eine neue Chance zu geben, begrüße ich das sehr.
</p>
<p>
<b>pi-nutzz:</b> Sie waren ja bereits selbst als Forscher<br />
in Amerika. Gibt es etwas, dass sie an den Unis dort besonders beeindruckt<br />
hat, das Sie sich auch für unsere Unis wünschen würden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Was mich dort vor allem beeindruckt ist<br />
die frühe Selbständigkeit der jungen Wissenschaftler,<br />
die ganz selbstverständlich auf Augenhöhe respektiert<br />
werden. Das habe ich versucht, in meiner Arbeit bei der Deutschen<br />
Forschungsgemeinschaft möglich zu machen.
</p>
<p>
<b>tecker: </b>Spitzenforschung sollte dort gefördert<br />
werden, wo sie ist. Aber wenigstens eine Uni im Osten und im Norden<br />
sollte doch zumindest dahingehend gefördert werden, Spitzenforschung<br />
leisten zu können &#8211; oder?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das war aber nicht die Aufgabe des Exzellenzwettbewerbs.<br />
Die Voraussetzungen für Exzellenz müssen die Länder<br />
schaffen, die ausschließlich für die Hochschulen zuständig<br />
sind. Die Hochschulen in Ostdeutschland hatten bisher nur wenig<br />
Zeit, sich zu entwickeln. Dennoch gibt es wunderbare Beispiele für<br />
Spitzenforschung in Ostdeutschland, denken sie nur an Dresden oder<br />
denken sie nur an die wunderbaren Max-Planck-Institute in Ostdeutschland.<br />
40 Jahre Misswirtschaft sind eben nicht von heute auf morgen zu<br />
beseitigen.
</p>
<p>
<b>Titanmond:</b> Im Tagesspiegel werden Sie zitiert<br />
mit den Worten: &quot;Es waren nicht mehr gute Anträge da&quot;.<br />
Ist es dann realistisch, dass in der zweiten Phase mehr als drei<br />
weitere Universitäten Exzellenzzentren werden und wenn ja,<br />
was stimmt Sie so optimistisch?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Neues Spiel, neues Glück. Und außerdem<br />
werden alle Beteiligten ihre Anträge noch einmal anschauen<br />
und gegebenenfalls überarbeiten. Dazu ist auch noch genügend<br />
Zeit.
</p>
<p>
<b>pede:</b> Warum werden ganze Universitäten gefördert.<br />
Wäre es nicht sinnvoller, einzelne Teilgebiete hervorzuheben,<br />
die wirklich auch international mithalten können?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es geschieht beides. Bei den Hochschulen<br />
und den Exzellenzclustern werden nur bestimmte Fachgebiete gefördert.<br />
Auch die Mittel der dritten Säule werden nicht nach dem Gießkannenprinzip<br />
verteilt werden, sondern auf bestimmte Gebiete der Universitäten.
</p>
<p>
<b>Evam:</b> Was ich sehr bedenklich an dem ganzen Verfahren<br />
finde ist, dass es ein so deutliches Übergewicht an naturwissenschaftlichen<br />
und technischen Anträgen, die gefördert wurden, gibt.<br />
Wenn ich das richtig sehe, gibt es lediglich eins von 18 Exzellenzclustern<br />
aus den Geisteswissenschaften. Ich glaube nicht, dass die naturwissenschaftlichen<br />
Anträge einfach besser waren und ich finde eine solche Förderpolitik<br />
skandalös. Wie können Sie das ändern?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass auf die Dauer sich der<br />
Anteil der Geisteswissenschaften erhöhen wird. An sich sind<br />
Exzellenzcluster auch ideale Instrumente für die Geisteswissenschaften,<br />
wenn sie denn richtig verstanden würden, das heißt als<br />
ein großes Dach unter dem Vieles Platz hat. Auf jeden Fall<br />
hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft viele andere Förderinstrumente,<br />
die auf die Bedürfnisse der Geisteswissenschaften vielleicht<br />
besser zugeschnitten sind. Bei den Graduiertenschulen übrigens<br />
ist die Lage schon sehr viel besser: Bei den Anträgen waren<br />
es noch 27 Prozent, was höher ist als der übliche Anteil<br />
der Geisteswissenschaften an der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.<br />
Wir werden unser bestes tun, die Gutachtergruppen noch besser auf<br />
die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Fächer einzustimmen.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> Wieso gibt es keine bessere Förderung<br />
hochbegabter Studenten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine gute Frage. Seit Mitte ca. 1850 gibt<br />
es in Bayern die Einrichtung des Maximilianeums, in dem Personen<br />
mit einem Einser-Abitur, was aber nicht einmal ausreicht, aufgenommen<br />
werden. Die bayerische Staatsregierung hat schon 2002 mit dem Ausbau<br />
sogenannter Elitenetzwerke begonnen &#8211; auch hier geht es um nichts<br />
anderes als die Förderung besonders begabter Studierender.<br />
Außerdem gibt es die Studienstiftung des Deutschen Volkes<br />
und die Begabtenförderung, die das, was sie gefordert haben,<br />
ebenfalls leisten. Es ist eindrücklich, wie oft die Leibnitz-Preisträger<br />
der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch Studienstifter waren.<br />
Auch die auskömmliche Finanzierung der Begabtenförderung,<br />
insbesondere der Studienstiftung, sollte auf Dauer gesichert werden.
</p>
<p>
<b>MKno:</b> Was kann ich als Student an der Ludwig-Maximilians-Universität<br />
(Diplom-Geographie) nun konkret von der Ernennung meiner Universität<br />
zur Elite-Universität erwarten? Wird sich die Förderung<br />
überhaupt in den Studienbedingungen bemerkbar machen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich hoffe es, weiß allerdings nichts<br />
über die Einzelheiten, die die Universität nun zu fördern<br />
beabsichtigt. Vielleicht entwickeln sie selbst ein paar Vorschläge<br />
aus bester Kenntnis vor Ort, die sie dem Rektorat übermitteln.<br />
Das wäre doch ein guter Aufhänger. Als Rektor würde<br />
ich mich über so was freuen.
</p>
<p>
<b>Schwertsik:</b> Herr Prof. Winnacker, mir ist nicht<br />
ganz klar, was denn nun das Ergebnis des Auswahlverfahrens ist.<br />
Haben wir nun tatsächlich &quot;Elite-Universitäten&quot;<br />
oder nicht doch eher &quot;Elitestrukturen&quot; bzw. &quot;Elite-Institute&quot;?<br />
Gibt es ein Gesetz, eine Vereinbarung, ab wann sich eine Universität<br />
offiziell Elite-Universität nennen darf?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, das wird eine Abstimmung mit den<br />
Füßen klären. Es wird am Ende darauf ankommen, wie<br />
weit die nun geförderten Universitäten international sichtbar<br />
werden und wie weit es ihnen gelingt, die besten Studierenden und<br />
Lehrenden anzuziehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das waren 60 Minuten tagesschau.de-Chat. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Herrn Winnacker und Herrn Strohschneider,<br />
dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Der nächste<br />
Chat findet am kommenden Mittwoch, den 18. Oktober, mit der CDU-Bundestagsabgeordneten<br />
Anette Widmann-Mauz statt. Los geht’s um dreizehn Uhr. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Winnacker.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich für diese interessanten<br />
Fragen. Es war eine spannende Zeit, die wir hinter uns haben. Ich<br />
drücke die Daumen für alle Beteiligten und für das<br />
System, dass es wirklich besser wird.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>i2010: Digitales Wachstum in Europa</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-hworch_i2010_060330-shtml-3175/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative]]></category>
		<category><![CDATA[Lissabon-Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[i2010]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              Erklärtes Ziel der Initiative „i2010: Europäische Informations-gesellschaft 2010“ der Europäischen Kommission ist es, die Informationsgesellschaft und Medienindustrie in Europa zu stärken. Dieses Anliegen ist verständlich, denn dieser Sektor wird weltweit als der zukunftsträchtigste Wirtschaftsfaktor angesehen. Seine ökonomischen und technischen Verheißungen machen die Initiative i2010 zu einer Schlüsselkomponente der erneuerten 
                              Lissabon-Strategie der Kommission. Gleichwohl ist i2010 nicht nur ökonomisch motiviert. Beabsichtigt ist auch die Verbesserung der Partizipation und Vernetzung der Bürger und Regionen Europas.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>Erklärtes Ziel der Initiative „i2010: Europäische Informations-gesellschaft 2010“ der Europäischen Kommission ist es, die Informationsgesellschaft und Medienindustrie in Europa zu stärken. Dieses Anliegen ist verständlich, denn dieser Sektor wird weltweit als der zukunftsträchtigste Wirtschaftsfaktor angesehen. Seine ökonomischen und technischen Verheißungen machen die Initiative i2010 zu einer Schlüsselkomponente der erneuerten<br />
                              <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lissabon-Strategie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lissabon-Strategie</a> der Kommission. Gleichwohl ist i2010 nicht nur ökonomisch motiviert. Beabsichtigt ist auch die Verbesserung der Partizipation und Vernetzung der Bürger und Regionen Europas.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>
                              <strong>Wachstum und Konvergenz</strong>
                            </p>
<p>Die Lissabon-Strategie ist ein EU-Programm, das zum Ziel hat, die EU bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Sie basiert zu einem großen Teil auf dem Kommunikations- und Informationssektor, da in diesem Bereich erhebliches Wachstums- und Beschäftigungspotential steckt. Laut EU-Kommission beträgt sein Anteil am europäischen BIP-Wachstum 25% und am Produktivitätswachstum 40%. Deutlich wird die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) auch daran, dass sich die unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Industrieländern nicht zuletzt durch den jeweiligen Anteil der IKT-Wirtschaft am BIP erklären lässt.</p>
<p>
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Untersuchungen der EU</a> für den Zeitraum 1995-2000 verweisen auf einen Zusammenhang zwischen diesem Anteil und der Produktivität: So verzeichneten etwa Finnland und Irland bei einem Anteil von über 10% mit 2,5 bzw. 5,3 % ein Produktivitätswachstum weit über EU-Durchschnitt (1,4%), wohingegen Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien mit einem Anteil um 5% ein unterdurchschnittliches Produktivitätswachstum aufwiesen.</p>
<p>Um die wirtschaftlichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen und die gebotene Erhöhung von Investitionen in den IKT-Bereich zu erreichen möchte die Kommission mit der Strategie i2010 der technologischen Entwicklung zur digitalen Konvergenz Rechnung tragen. Dieses Zusammenwachsen der zuvor getrennten Sphären des Inhalts, der Netze und der Geräte verlange, so die<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/com/2005/com2005_0229de01.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kommission</a>, entsprechende „politische Konvergenz“.</p>
<p>
                            <strong>Politischer Handlungsbedarf</strong></p>
<p>Doch was ist unter einer „politischen Konvergenz“ zu verstehen? Welche Rolle spielt die Politik hierbei und wie weit sollte die Politik das Projekt unterstützen? In ihrer<br />
                            <a href="http://www.euractiv.com/29/images/Reding_Munich_tcm29-151856.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rede</a> am Digital Lifestile Day 2006 in München hat die zuständige Kommissarin Viviane Reding darauf hingewiesen, dass Entwicklung und Innovation im IKT- und Mediensektor in erster Linie Unternehmern und Wirtschaft vorbehalten bleiben müssten. Gleichwohl komme auch der Politik eine bedeutende Aufgabe zu. Dies ergebe sich schon aus den Hindernissen für eine optimale Entwicklung der IKT in Europa. Ein Grundproblem ist demnach die mangelnde industrielle Verwertung von Innovationen, die nach Reding ihre Ursache in der häufig durch Bürokratismus fehlgeleiteten öffentlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung hat.<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="blank" rel="noopener noreferrer">Der von EU und OECD angestellte Vergleich</a> mit anderen Industrienationen zeigt neben den Ausführungen der Kommissarin ein Defizit in der Höhe der Forschungsförderung. Während in den USA und Japan im Jahre 2002 350 bzw. 400 Euro pro Einwohner für Forschung und Entwicklung im IKT-Bereich ausgegeben wurden, waren es in Europa (EU 15) lediglich 80 Euro. Der Anteil an der Gesamtforschung war mit 18% nur etwa halb so hoch wie in den USA und Japan.</p>
<p>Aufholbedarf für Europa z.B. gegenüber Japan erkennt Reding in der genanten<br />
                            <a href="http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/docs/launch/broadband_memo.doc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rede</a> zudem in Hinblick auf die Schnelligkeit der Netze: ein wesentlicher Faktor der Attraktivität digitaler Angebote für die Konsumenten. In der Tat liegt Europa mit einer Verbreitung der Breitband-Technologie bei 9% der Bevölkerung (Jan. 2005) hinter den USA (11,5%/2004) und Japan (14,6%), vor allem aber hinter Südkorea (26,8%) zurück.</p>
<p>Die inhaltliche Attraktivität wiederum sei durch ein strukturelles Problem der EU beeinträchtigt. Denn Voraussetzung für gute, attraktive Inhalte ist nach Reding der Schutz geistigen Eigentums. In diesem Bereich gebe es aber trotz aller Harmonisierungs-bemühungen nach wie vor 25 verschiedene Rechtslagen. Von einem einheitlichen Markt für Inhalte wie in den USA ist Europa folglich noch weit entfernt. Wie man sieht, eine ganze Menge Hürden, die politisch zu beeinflussen sind.</p>
<p>
                              <strong>Einheitlicher Informationsraum, Forschung und Integration</strong>
                            </p>
<p>Es besteht politischer Handlungsbedarf, der rechtliche und verwaltungsmäßige Rahmenbedingungen, den Ausbau der Infrastruktur sowie Umfang und Art der Forschungsförderung betrifft. Vor diesem Hintergrund zielt die Strategie i2010 auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Informationsraums sowie die finanzielle Erhöhung und qualitative Verbesserung der EU-Forschungsförderung ab. Als dritter Schwerpunkt wird darüber hinaus die „Förderung einer Informationsgesellschaft“ genannt, „die alle Menschen einbezieht.“ i2010 räumt also neben den ökonomischen auch den partizipatorischen Aspekten des digitalen Zeitalters Platz ein.<br />
                            <br />Der einheitliche Informationsraum soll zwischen 2005 und 2007 durch eine effektivere Fequenzverwaltung, eine Modernisierung der Vorschriften für die audiovisuellen Mediendienste sowie für elektronische Kommunikation, schließlich durch die Etablierung einer sicheren Informationsgesellschaft und einer effektiven und interoperablen Verwaltung digitaler Rechte vorangetrieben werden.<br />
                            <br />Zur Behebung der Unzulänglichkeiten im Forschungsbereich setzt die Kommission zum einen auf die Erhöhung der Forschungsausgaben. Diese sollen um 80% steigen. Finanziert werden soll das Vorhaben durch das 7. Forschungsrahmenprogramm (7.RP) sowie das Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Relevant ist insbesondere das 7. RP mit jährlichen Mitteln von 1,8 Milliarden Euro, während das zweite Programm zwischen 2007 und 2013 800 Millionen Euro bereitstellt. Zum anderen wird die Art der Förderung modifiziert. Vorgesehen ist eine Konzentration auf die wichtigsten Technologien im IKT-Sektor, etwa die Nanotechnologie. Erster Maßstab der Förderung soll stets ihre Relevanz für die Behebung von Engpässen für die weitere Entwicklung der digitalen Wirtschaft sein.<br />
                            <br />Die Teilhabe aller Menschen in Europa an den Vorzügen der Informationsgesellschaft ist Ziel des dritten Schwerpunkts der Strategie. Die Kommission hat diesbezüglich einen Aktionsplan für elektronische, bürgernahe Behördendienste vorgeschlagen. Digitale Bibliotheken sollen allen Bürgern den Zugang zur multilingualen europäischen Kultur ermöglichen. Die demographischen Entwicklung in Europa wird ebenso berücksichtigt: etabliert werden sollen Technologien für eine alternde Bevölkerung. Ab 2008 ist eine Initiative für die digitale Integration vorgesehen, mit dem Ziel geographische und gesellschaftliche Unterschiede zu überwinden.</p>
<p>Die Mitgliedstaaten sind aufgefordert worden, bis Oktober in ihren nationalen Reformprogrammen Prioritäten im IKT-Bereich zu setzen, um die Ziele der Kommissionsstrategie zu unterstützen. Bis zum 29.11. 2005 lagen entsprechende Ausführungen aus den meisten Mitgliedstaaten vor. Deutschland beschrieb seine Bemühungen im Dezember 2005. Das Programm soll eng mit der „High-Tech-Strategie Deutschland“ aus der<br />
                            <a href="http://www.spd.de/servlet/PB/show/1589444/111105_Koalitionsvertrag.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Koalitionsvereinbarung</a> abgestimmt sein. Die Bundesregierung verweist im Zusammenhang mit der Strategie 2010 zudem auf das noch von der alten Regierung erstellte Aktionsprogramm „<br />
                            <a href="http://www.bmbf.de/pub/aktionsprogramm_informationsgesellschaft_2006.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Informationsgesellschaft 2006</a>“ aus dem Jahre 2003.<br />
                            </p>
<p class="fett">
                              
                            </p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BMBF-Livechat zum Thema Nanotechnologie</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bmbflivechat_zum_thema_nanotechnologie-165/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/bmbflivechat_zum_thema_nanotechnologie-165/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Nov 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Hilgers]]></category>
		<category><![CDATA[Nanotechnologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/bmbflivechat_zum_thema_nanotechnologie-165/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Nanotechnologie 
gilt als die Zukunftstechnologie. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? 
Wo steckt „Nano“ drin? Beim BMBF-Livechat am 10. November 
2005 konnten diese und andere Fragen zum Thema Nanotechnologie mit 
einem Experten diskutiert werden.</span>
</p>
<p>
Sie sind unvorstellbar klein – der Durchmesser eines Haares 
ist rund 50.000-mal größer. Die Rede ist von Nanoteilchen. 
Ihre geringe Größe verleiht den Winzlingen ganz besondere 
Eigenschaften. Das macht die Nanotechnologie für viele Anwendungen 
interessant: Hausfassaden auf denen Graffitis nicht haften, Autolacke 
die auf Knopfdruck ihre Farbe wechseln oder gar Medikamente für 
die Krebstherapie. Nicht umsonst gilt Nanotechnologie als die Zukunftstechnologie 
schlechthin. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? Wo steckt 
bereits „Nano“ drin? Was wird mit Nano-Produkten zukünftig 
alles möglich sein? Welche Berufschancen gibt es auf diesem 
Gebiet? Zu diesen und anderen Fragen stand Nanoexperte Dr. Heinz 
Hilgers stand am 10. November von 12.00 bis 13.00 Uhr live von der 
WING-Konferenz Rede und Antwort.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Nanotechnologie<br />
gilt als die Zukunftstechnologie. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie?<br />
Wo steckt „Nano“ drin? Beim BMBF-Livechat am 10. November<br />
2005 konnten diese und andere Fragen zum Thema Nanotechnologie mit<br />
einem Experten diskutiert werden.</span>
</p>
<p>
Sie sind unvorstellbar klein – der Durchmesser eines Haares<br />
ist rund 50.000-mal größer. Die Rede ist von Nanoteilchen.<br />
Ihre geringe Größe verleiht den Winzlingen ganz besondere<br />
Eigenschaften. Das macht die Nanotechnologie für viele Anwendungen<br />
interessant: Hausfassaden auf denen Graffitis nicht haften, Autolacke<br />
die auf Knopfdruck ihre Farbe wechseln oder gar Medikamente für<br />
die Krebstherapie. Nicht umsonst gilt Nanotechnologie als die Zukunftstechnologie<br />
schlechthin. Doch was ist eigentlich Nanotechnologie? Wo steckt<br />
bereits „Nano“ drin? Was wird mit Nano-Produkten zukünftig<br />
alles möglich sein? Welche Berufschancen gibt es auf diesem<br />
Gebiet? Zu diesen und anderen Fragen stand Nanoexperte Dr. Heinz<br />
Hilgers stand am 10. November von 12.00 bis 13.00 Uhr live von der<br />
WING-Konferenz Rede und Antwort.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Chatterinnen und Chatter, herzlich<br />
Willkommen im BMBF-Livechat. Dieser Livechat ist ein Format vom<br />
Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation<br />
mit wasistwas.de. Heute chatten wir mit Dr. Heinz Hilgers, Forscher<br />
und Experte für Nanotechnologie. Herr Dr. Hilgers chattet aus<br />
den Räumen der Konferenz &quot;Werkstoffinnovationen für<br />
Industrie und Gesellschaft&quot; in Aachen. Herzlich willkommen<br />
Herr Dr. Hilgers, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Dr. Hilgers, was genau ist denn<br />
nun eigentlich unter dem Begriff Nanotechnologie zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das ist etwas schwieriger zu<br />
erklären, aber ich will es versuchen: Die Menschen haben es<br />
bisher geschafft sich mit makroskopischen Dingen zu befassen. Sie<br />
haben es sogar geschafft, Dinge unterhalb eines Millimeters konstruktiv<br />
exzellent zu beherrschen. Danach wurde es etwas schwieriger: Man<br />
hat aber inzwischen auch die Ebene 1000 mal kleiner als ein Millimeter<br />
erobert. Die Mikroelektronik ist ein Beispiel; die noch mal um den<br />
Faktor 1000 kleinere Ebene ist jetzt besonders wichtig. Und das<br />
eben ist Aufgabe der Nanotechnologie. Alle naturwissenschaftlichen<br />
Fächer sind beteiligt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Fachgebiete der Naturwissenschaften<br />
sind an der Erforschung der Nanotechnologie beteiligt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das interessante ist, dass<br />
die Chemiker sich mit einer noch kleineren Ebene befassen, der Ebene<br />
des ‚Angström’, noch zehn Mal kleiner als ein Nanometer.<br />
Die Elektronik und Physik nähert sich der Nanotechnologie also<br />
von „oben“, die Chemie von „unten“. Der<br />
Treffpunkt ist eben die Nanotechnologie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wo kann man die Nanotechnologie im<br />
alltäglichen Leben finden?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ebenfalls in fast allen Bereichen.<br />
Beispiel sind der Automobilbereich, der Haushaltsbereich, der Bereich<br />
der täglichen Arbeit und der Hobbybereich. Eigentlich überall.
</p>
<p>
<b>Suse:</b> Hallo Dr. Hilgers. Wie funktioniert das<br />
eigentlich, wenn sich ein Auto oder eine Jacke selbst reinigt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das Geheimnis ist eine Oberflächenbehandlung,<br />
deren Funktionsprinzip sowohl chemisch, als auch physikalisch nach<br />
einem ganz bestimmten Muster arbeitet. Chemisch ist wichtig, dass<br />
die Oberfläche keine Adhäsion zeigt, vergleichbar mit<br />
einer Teflonpfanne, in der nichts anbrennt. Das physikalische Prinzip<br />
unterstützt diese chemische Eigenschaft durch eine ganz gezielte<br />
Oberflächenstruktur die z. B. aus vielen kleinen, spitzen Hügeln<br />
besteht, die ein Benetzen der Oberfläche nicht möglich<br />
machen. Dies findet man in der Natur bei sogenannten Fettpflanzen,<br />
wie zum Beispiel bei der Lotuspflanze.
</p>
<p>
<b>horstkevin:</b> Mit Hilfe des Lotuseffekts ist die<br />
Selbstreinigung von Werkstoffen möglich. Wo können wir<br />
dieses Prinzip in Haushalten finden und welche Entwicklungen gibt<br />
es derzeit dazu?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Entwicklung werden zum<br />
Beispiel bei der Herstellung von Badewannen und -becken genutzt.<br />
Die Teflonpfanne selbst ist ein Vorläufer dieses Prinzips und<br />
schon lange bekannt. Aber es gibt auch verschiedene Systeme, die<br />
auf Folien appliziert werden, die für den medizinischen Bereich<br />
interessant sind und später vielleicht auch im Haushalt Anwendung<br />
finden können, wenn man zum Beispiel eine glatte Fläche<br />
einfacher sauber halten möchte. Denken wir an Jalousien oder<br />
auch an Farben für Außenwände einer Hausfassade.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine konkrete Frage zu einer Anwendung<br />
im Haushalt von Hendrik Markowski:
</p>
<p>
<b>Hendrik Markowski:</b> Wie weit ist die Entwicklung<br />
des Nano-Klettverschlusses? Auf welchen Materialien funktioniert<br />
er, auf welchen kann man ihn anbringen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich befasse mich selber nicht<br />
mit diesem Thema und kann Ihnen leider keine Auskunft geben.
</p>
<p>
<b>Berlina:</b> Hallo Dr. Hilgers! Mich würde interessieren,<br />
ob man aus Nanoteilchen winzige Maschinen bauen kann, die dann zum<br />
Beispiel durch unseren Körper reisen und Krankheiten heilen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Vision von Nano-Robotern<br />
stammt aus den USA und ist wissenschaftlich ziemlich kindisch. Es<br />
gibt allerdings durch die Nanotechnologie eine sehr wichtige Entwicklung,<br />
die aus Deutschland stammt. Sie sieht vor, durch winzige Rostpartikel,<br />
die in einer neutralen Lösung in Tumore gespritzt werden, Krebs<br />
zu heilen. Dies wird bei Hirntumoren angewandt. Der Patient wird<br />
nach der Anwendung in ein großes Magnetfeld gesetzt, das Schwingungen<br />
und Vibrationen der kleinen magnetischen Partikel verursacht. Da<br />
diese Partikel vorher mit einer organischen Hülle versehen<br />
wurden, die sicherstellt, dass sie ausschließlich an Tumorzellen<br />
andocken und von gesunden Zellen fernbleiben, wird die Vibration<br />
über eine Reibungs- und Temperaturerhöhung nur an den<br />
Krebszellen wirken. Bewegungen im Kleinen heißt Temperatur,<br />
Temperatur im Körper heißt Fieber. Die Krebszellen haben<br />
also Fieber, zum Beispiel 46 Grad. Das Eiweiß denaturiert,<br />
die Krebszelle ist gezielt getötet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie ist hier der Stand der Forschung?<br />
Wird dieses Verfahren bereits angewendet oder befindet es sich noch<br />
im Entwicklungsstadium?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Dieses Verfahren wird im Versuchsstadium<br />
bereits an Menschen erprobt. So weit mir bekannt, sind bisher 19<br />
Patienten behandelt worden. Die meisten von ihnen hatten einen Tumor,<br />
Glioblastom genannt, der normalerweise innerhalb eines halben Jahres<br />
zum Tode führt. Die meisten der 19 Patienten leben noch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von Iomoist zu Nano-Robotern:
</p>
<p>
<b>lomoist:</b> Nano-Roboter: Ist es möglich, dass<br />
man zum Beispiel Spritzen, wie für Insulin, einbaut, die dann<br />
funktionieren, ohne von außen gesteuert werden zu müssen?<br />
Ist das eine Vision oder schon Wirklichkeit? Ich meine, so etwas<br />
gelesen zu haben.
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das Problem ist, dass man eine<br />
nicht geringe Menge Insulinlösung braucht, die ein bestimmtes<br />
Volumen hat. Eine Maschine zu bauen, die ein wesentlich kleineres<br />
Volumen hat, ist daher nicht möglich. Es sind aber derzeit<br />
Untersuchungen zu möglichst kleinen mikrosystemtechnischen<br />
Einheiten im Gange, die vollständig in den Körper einoperiert<br />
werden können und keine notwendige Verbindung mehr nach außen<br />
haben. Über Sensoren wird die Abgabe von Insulin aus einem<br />
Reservoir in den Körper gesteuert. Das Reservoir wird alle<br />
paar Monate mittels einer Spritze durch ein Septum neu befüllt.<br />
Hoffen wir, dass diese Entwicklung in wenigen Jahren auch eingesetzt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>lillifee:</b> Wird die Nanotechnologie bereits in<br />
der internationalen Raumfahrt genutzt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ja. Ich selbst arbeite derzeit<br />
an einem Projekt mit der Firma EADS, das die Funktion von Sonnenpaddeln<br />
deutlich erleichtert. Ich darf aber noch nicht über Einzelheiten<br />
sprechen. Dieses Projekt wird vom BMBF gefördert.
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Und gibt es schon Materialien aus der<br />
Raumfahrt, die im Alltag angekommen sind?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Alles, was in der Raumfahrt<br />
erforscht wird, hat bisher sehr schnell Einzug in die allgemeine<br />
Anwendung gefunden. Die Computer über die wir uns derzeit unterhalten,<br />
sind ein klassisches Beispiel.
</p>
<p>
<b>christian wu:</b> Wird die Nanotechnologie in der<br />
BRD bereits im Militär eingesetzt? Welche Möglichkeiten<br />
des Einsatzes sind hier denkbar?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich bin davon überzeugt.<br />
Mir sind aber keine konkreten Beispiele bekannt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gleich zwei Fragen zum Thema Gefahren<br />
durch die Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>legolas:</b> Was für Gefahren und Chancen birgt<br />
die Nanotechnologie in sich (zum Beispiel bei Militäreinsätzen)?
</p>
<p>
<b>Rapunzel:</b> Hallo Herr Dr. Hilgers, besteht die<br />
Gefahr des Missbrauchs der Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In der Vergangenheit haben<br />
die Menschen es immer wieder verstanden, jede Technologie zu missbrauchen.<br />
Es ist also eine Sache der Verantwortlichkeit der Menschen, die<br />
dies tun und eine Sache der Gesamtbevölkerung, diesen Missbrauch<br />
zu unterbinden. Die Technologie kann im Grunde nichts dafür.
</p>
<p>
<b>Steffi:</b> Hallo Dr. Hilgers, ist es möglich,<br />
Nanoteilchen einzuatmen, wenn ja, was würde passieren?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das tun wir bereits täglich.<br />
In der Atemluft sind eine unvorstellbare Zahl von Mikro- und Nanopartikelchen<br />
sowie Keimen enthalten. Die Gefahr besteht in Zukunft vielleicht<br />
darin, dass künstlich erzeugte und sehr giftige Partikel in<br />
die Atemluft gelangen könnten. Das wäre dann genauso gefährlich<br />
wie ein Chemieunfall mit giftigen Gasen. Die Verantwortlichen müssen<br />
alles tun, um solche Unfälle von vornherein und möglichst<br />
vollständig zu vermeiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Chatter/innen interessieren sich<br />
für die Neuentwicklung von Werkstoffen durch die Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Gibt es schon neue „künstliche“<br />
Materialien, die hochwertiger sind als Gold oder Platin?
</p>
<p>
<b>Thommy:</b> Gibt es durch die Nanotechnologie auch<br />
neue Werkstoffe, die man bisher nicht kennt?
</p>
<p>
<b>Stefan:</b> Neue Werkstoffe gibt es ja viele, welche<br />
sind die innovativsten?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Zur ersten Frage: Die Herstellung<br />
mancher Nanooberflächen ist heute schon wesentlich teurer als<br />
die genannten Edelmetalle, wenn man den Preis pro Volumen berechnen<br />
würde. <br />
Zur zweiten Frage: Es gibt völlig neue Werkstoffe deren Einzelbestandteile<br />
in der Regel schon bekannt sind, aber deren nanotechnologische Anordnung<br />
und Struktur völlig neue Funktionen eröffnen und die Eigenschaften<br />
der Materialien in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Zur<br />
dritten Frage: Innovation bedeutet schnelle Umsetzung von Ideen.<br />
Die innovativsten Werkstoffe sind aus meiner Sicht also die, die<br />
am schnellsten in Produkten für die Gesellschaft eingesetzt<br />
werden können. Da gibt es einige Beispiele, Teflon hatte ich<br />
schon genannt. Schon sehr bald wird es Wischlappen geben, die nicht<br />
mehr von Bakterien befallen werden und damit keine Krankheitskeime<br />
weitergeben – ebenfalls eine deutsche Entwicklung, die das<br />
BMBF fördert.
</p>
<p>
<b>alois_g:</b> Sind die Oberflächen der Stelen<br />
des Holocaust Mahnmals in Berlin mittels Nanotechnologie behandelt<br />
worden?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das weiß ich leider nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zur staatlichen Regulierung:
</p>
<p>
<b>Mammut:</b> Kontrolliert der Staat eigentlich, wo<br />
Nanotechnologie eingesetzt wird und darf?
</p>
<p>
<b>rübenkopf100:</b> Gibt es gesetzliche Einschränkungen<br />
bezüglich des Einsatzes von Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Gefahren, die mit Nanotechnologie<br />
verbunden sein könnten, werden sowohl im europäischen<br />
Forschungsbereich als auch bei den Ministerien der einzelnen europäischen<br />
Länder sehr ernst genommen und sind selbst Gegenstand intensiver<br />
Forschung. Zudem ist jeder seriöse Wissenschaftler und jede<br />
entsprechende Firma, die sich mit Fabrikation von Nanopartikeln<br />
befasst, bemüht, diese Gefahr frühzeitig auszuschließen.<br />
Die chemische Industrie hat gelernt, täglich mit sehr giftigen<br />
Substanzen umzugehen, ohne die Umwelt zu belasten. Diese Sorgfalt<br />
wird in der Nanotechnologie noch wesentlich ernster genommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu Ihrem Arbeitsfeld, der<br />
Erforschung der Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>Berlina:</b> Was machen eigentlich Nanowissenschaftler<br />
und wo arbeiten Sie?
</p>
<p>
<b>Banane:</b> Wie sind Sie eigentlich zur Erforschung<br />
der Nanotechnologie gekommen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Zur ersten Frage: Es gibt keine<br />
Nanowissenschaftler. Es gibt ja auch kein Studium der Nanotechnologie.<br />
Die Nanotechnologie ist eine interdisziplinäre Technik, bei<br />
der sowohl Biologen, Physiker, Chemiker, Mediziner, Maschinenbauer,<br />
Mathematiker etc. gebraucht werden. Alle zusammen begründen<br />
die Nanotechnologie. Dies ist ein großer Vorteil für<br />
junge Nachwuchswissenschaftler und Studenten, ganz gleich was sie<br />
studieren. Sie werden dies zwangsläufig zu schätzen wissen<br />
Zur zweiten Frage: Durch die Forschung für die Produktion von<br />
Festplattenlaufplatten unter Optimierung der Oberflächen der<br />
Magnetplatten bin ich zur Nanotechnologie gekommen. Im übrigen<br />
darf ich Ihnen sagen, dass Sie über diese Form der Anwendung<br />
bereits täglich mit Nanotechnologie arbeiten.
</p>
<p>
<b>tante_kaethe:</b> Wird die Nanoforschung aus Ihrer<br />
Sicht ausreichend gefördert?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Das ist eine gefährliche<br />
Frage, denn ich selbst bin Forscher und daher einseitig geprägt.<br />
Aber im Ernst: Gerade für Deutschland ist diese Technologie<br />
besonders wichtig und aus meiner Sicht sollte sie in Zukunft mindestens<br />
genauso stark gefördert werden, wie sie es derzeit wird. Eine<br />
Verstärkung wäre von Vorteil, weil dadurch die Ausbeute<br />
der einschlägigen Forschung in der Nanotechnologie noch besser<br />
gewährleistet würde und noch mehr mittelständigen<br />
und kleinen Unternehmen zugänglich gemacht werden würde.
</p>
<p>
<b>gladiator:</b> Auf welche Schwierigkeiten stoßen<br />
Sie bei ihrer Forschung?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Auf alle Schwierigkeiten, die<br />
in der Material- und <br />
Verfahrensforschung vorkommen können. Und diese Herausforderung<br />
ist der beste Kick für einen Wissenschaftler.
</p>
<p>
<b>nolsen:</b> Was war das überraschende und spektakulärste<br />
Ergebnis ihrer Forschungsarbeit?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die erstaunliche Erkenntnis,<br />
dass weniger mehr sein kann&#8230; Dies bezogen auf das Beispiel: wie<br />
gering die Veränderung der Chemie einer Oberfläche sein<br />
muss, um völlig überraschende und ungemein wichtige Einsatzmöglichkeiten<br />
zu erzielen, z. B. die Biokompatibilität einer beliebigen Oberfläche,<br />
d. h. das Vermögen, biologische Zellen wachsen zu lassen und<br />
nicht abzutöten. Übrigens mein derzeit spannendstes Forschungsgebiet.
</p>
<p>
<b>nanochen:</b> Was definiert Ihrer Meinung nach den<br />
Durchbruch in der Nanotechnologie?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Die Nanotechnologie ist so<br />
vielseitig, dass es nicht einen Durchbruch, sondern eine ganze Reihe<br />
geben wird. Die Nanotechnologie wird in vielen Bereichen der Materialforschung<br />
und Anwendung Revolutionen erzeugen.
</p>
<p>
<b>Niebelunge:</b> Ist die deutsche Nanoforschung im<br />
internationalen Vergleich führend?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In vielen Bereichen ja. Vor<br />
allem im Bereich der Partikelforschung und der Plasmatechnik und<br />
Oberflächenmodifikation.
</p>
<p>
<b>Wagenheber:</b> Wird der Forschungsstandort Deutschland<br />
Ihrer Meinung nach unterschätzt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ja, vor allen Dingen von den<br />
deutschtypischen Bedenkenträgern. Im Ausland, vor allem im<br />
europäischen, wird die Förderung der Nanotechnologie allseits<br />
bewundert.
</p>
<p>
<b>julian_88:</b> Die Nanotechnologie ist eine zukunftsträchtige<br />
Branche, die weiterhin viele neue Arbeitsplätze schaffen wird.<br />
Empfehlen Sie, als Praktiker, den Zugang zu diesem Berufsfeld eher<br />
durch eine Ausbildung oder durch ein Studium?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Beides ist interessant und<br />
unterscheidet sich von den Bedürfnissen übriger Technologien<br />
durch rein gar nichts. Wie schon gesagt, ist jede Disziplin Bestandteil<br />
der Nanotechnologie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur wirtschaftlichen Bedeutung<br />
der Nanotechnologie:
</p>
<p>
<b>kildran:</b> Ist Nanotechnologie auch ein großes<br />
Business, oder wird es das? Wie sind die Prognosen?
</p>
<p>
<b>Prinz Charles:</b> Wird mit Nanotechnologie schon<br />
Geld verdient oder gibt es dafür einen Markt?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In fast allen Branchen hat<br />
die Nanotechnologie schon jetzt Einzug gehalten. Die Produktionszahlen<br />
für einzelne Produkte schwanken von 100.000 Dollar bis zu mehreren<br />
Milliarden. Solche Zahlen werden meist von Betriebswirten generiert.<br />
Der eigentliche Anteil der Nanotechnologie für diese Produkte<br />
kann unter Umständen sehr klein sein, ist aber entscheidend,<br />
da sonst das Endprodukt (und hierfür stehen die Zahlen) nicht<br />
möglich ist.
</p>
<p>
<b>Sternschnuppe:</b> Sind Ihre Forschungsergebnisse<br />
durch Patente gesichert?
</p>
<p>
<b>Hans-Joachim:</b> Kann man sich als Urheber der Forschungsergebnisse<br />
nicht (z. B. durch Patente) gegen Missbrauch absichern?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> In vielen Fällen sind<br />
nanotechnologische Patente auch in Deutschland gemacht worden. Bedauerlich<br />
ist, dass derzeit einige Patente eine Umsetzung eher verhindern,<br />
anstatt sie möglich zu machen. Wir sollten uns immer daran<br />
erinnern, dass Innovation Umsetzung bedeutet und erst die Umsetzung<br />
eine Wertschöpfung bringt. Patente, die im Schrank vergammeln,<br />
sind kontraproduktiv. Crosslicensing wäre eine Lösung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind also gegen die Patentierbarkeit<br />
der Forschungsergebnisse?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Sie haben mich falsch verstanden.<br />
Ich möchte, dass Patente umgesetzt werden, und die Entscheidung,<br />
ob die Ergebnisse einer Produktion zugängig sind, nicht ausschließlich<br />
Juristen überlassen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur letzten Frage:
</p>
<p>
<b>kildran:</b> Die Reise ins Ich: Wie wichtig sind solche<br />
Visionen eigentlich, um die Nanotechnologie bekannt und akzeptiert<br />
werden zu lassen?
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Wir Menschen interessieren<br />
uns naturgemäß am meisten für uns selbst. Wenn die<br />
Nanotechnologie uns hilft – und das wird sie sicher –<br />
Zugang zu uns selbst und unserem Inneren zu verschaffen, dann hat<br />
sie eines der interessantesten Geheimnisse der Menschheit gelöst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen<br />
Dank für Euer Interesse im Namen des Veranstalters, des Bundesministeriums<br />
für Bildung und Forschung und des Kooperationspartners wasistwas.de.<br />
Herzlichen Dank Herr Dr. Hilgers, dass Sie sich die Zeit genommen<br />
haben. Kein Wunder bei einem so interessanten Gast: Es sind viele<br />
Fragen übrig geblieben. Weitere Informationen zum Thema Nanotechnologie<br />
findet Ihr unter der Internetadresse des Bundesministeriums für<br />
Bildung und Forschung <a href="http://www.bmbf.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.bmbf.de</a><br />
und unter <a href="http://www.wasistwas.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.wasistwas.de</a>.
</p>
<p>
<b>Dr. Heinz Hilgers:</b> Ich habe zu danken, vor allem<br />
unserem interessierten Nachwuchs!!!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Innovationen und Impulse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Edelgard Bulmahn<!-- #EndEditable --> 
im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->11.5.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Edelgard Bulmahn<!-- #EndEditable --><br />
im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->11.5.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
zum heutigen Live-Chat, der im Rahmen des Kongresses &quot;Zeit für<br />
Innovationen &#8211; Impulse für Deutschland&quot; stattfindet, den die<br />
SPD-Bundestagsfraktion heute in Berlin durchführt. Unser heutiger<br />
Gast ist Edelgard Bulmahn (SPD), Bundesministerin für Bildung und<br />
Forschung und Bundestagsabgeordnete. Herzlich willkommen Frau Bulmahn.<br />
Wir haben 45 Minuten Zeit, kann es losgehen?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn03.jpg" alt="Edelgard Bulmahn, Bildungsministerin" align="left" height="108" width="83" />Edelgard<br />
Bulmahn:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Erste Frage:
</p>
<p>
<b>sally:</b> Welche Innovationen sollen denn alles in Angriff<br />
genommen werden? Und welche konkreten Ziele streben Sie damit an?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir wollen ein innovationsfreundliches<br />
Klima in unserem Land schaffen, erreichen, dass viele Menschen eine<br />
gute Ausbildung und Qualifikation erhalten und Forschungsergebnisse<br />
schneller und breiter genutzt werden. Weil wir nur so gegenüber<br />
Niedriglohnländern wettbewerbsfähig bleiben werden und neue<br />
Arbeitsplätze schaffen können.
</p>
<p>
<b>Nun:</b> Bringt Informationspolitik wirklich neue Arbeitsplätze,<br />
oder wandern die nicht zunehmend nach Indien, China oder nach Ost-Europa<br />
ab?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Innovationspolitik schafft neue<br />
Arbeitsplätze. Das sehen wir klar am Beispiel der Lasertechnik.<br />
In den 80er Jahren war Deutschland noch Importeur von Lasertechnologien.<br />
Heute sind wir Weltmarktführer bei den materialbearbeitenden Laser.<br />
50.000 Arbeitsplätze sind allein in den letzten Jahren hier entstanden.<br />
Insgesamt sind es 110.000 Arbeitsplätze, die in dem Bereich der<br />
Optischen Technologien bestehen.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_chat.jpg" align="left" height="164" width="150" />Gerhard:</b><br />
Welche Projekte sollen konkret unterstützt werden, damit Innovationen<br />
besser umgesetzt werden können?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Bundesregierung fördert<br />
Forschung in den Bereichen der Optischen Technologien, Informations-<br />
u. Kommunikationstechnologien, Materialwissenschaften, aber z.B. auch<br />
in der Biotechnologie, in der Gesundheitsforschung oder der Umweltforschung,<br />
um nur wichtige Beispiele zu nennen.
</p>
<p>
<b>Buli:</b> Welche Rahmenbedingungen für Innovation<br />
müssen denn verbessert werden? Mautpleite war ja nicht so dolle?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Mautpleite ist vor allem auf<br />
mangelhaftes Management zurückzuführen. Aber sicher brauchen<br />
wir auch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, z. B. die Strukturreformen,<br />
die wir im Bereich der Hochschulen durchgeführt haben, wie die<br />
Juniorprofessur, die leistungsbezogene Besoldung der Professoren oder<br />
die Stärkung der Autonomie der Hochschulen. Dazu gehört die<br />
Überprüfung aller Gesetze auf ihre Innovationsfreundlichkeit<br />
hin und ein öffentliche Beschaffungspolitik, die klar auf Innovation<br />
setzt.
</p>
<p>
<b>Hagener:</b> Ich lese: Bei forschungsintensiven Gütern<br />
liegt Deutschland mit einem Weltmarktanteil von 14,9% nach den USA (19,4%)<br />
weltweit auf Platz 2. Sind wir besser als unser Ruf?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Ja, sind wir.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kritische Frage:
</p>
<p>
<b>danman1:</b> Zeit für Innovationen &#8211; Impulse für<br />
Deutschland &#8211; schöner Titel: wie sieht es in der Praxis mit den<br />
Innovationsförderungen aus &#8211; viele Programme werden eingestellt<br />
und die Anträge sind extrem komplex. Die Hürden sind (künstlich?)<br />
hoch &#8211; wie soll da Innovation in Deutschland ernsthaft passieren?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Forschungsförderungsanträge<br />
können über das Internet gestellt werden. Es gibt eine Beratung<br />
über die Projektträger, aber man muss sich durch Qualität<br />
und Exzellenz durchsetzen. Mit der Gießkanne wird nicht gefördert.<br />
Die Bundesregierung hat seit &#8217;98 die Mittel für Forschung und Entwicklung<br />
um gut 1 Mrd. erhöht. Zur Erinnerung: Die Kohl-Regierung hat zwischen<br />
&#8217;92 und &#8217;98 die Mittel um 670 Mio. Euro gekürzt. Das spricht doch<br />
für sich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Fragen zum Thema Hochschulen und<br />
Forschung sind eingetroffen &#8211; stellvertretend für viele:
</p>
<p>
<b>Zweifler:</b> Sie sagen: „Bis zum Jahr 2010 einen<br />
Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt<br />
von 3% erreichen&quot;. Ist das realistisch und was sagt Kabinettskollege<br />
Eichel dazu?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir haben bereits seit &#8216; 98 den<br />
Anteil an Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt<br />
von damals 2,3 auf 2,5 Prozent jetzt erhöht. Diesen Wachstumskurs<br />
werden wir auch im kommenden Jahren fortsetzen müssen.
</p>
<p>
<b>franz m.:</b> Bei der Förderung von Bildung und Forschung<br />
werden gerne die USA als Vorbild genannt. Von der privatwirtschaftlichen<br />
Förderung von Universitäten kann Deutschland jedoch nur träumen.<br />
Wie wollen Sie hier mehr Anreize für Unternehmen schaffen?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir unterstützen auch Unternehmen<br />
durch unsere Forschungsförderung, gerade kleine und mittlere Unternehmen<br />
profitieren davon. Wir brauchen allerdings mehr private Stifter. Mein<br />
Wunsch ist, dass ungefähr 10 Prozent des vererbten Vermögens<br />
jährlich für Bildung und Forschung bereit gestellt werden.
</p>
<p>
<b>moderator:</b> Zwei Fragen &#8211; ein Thema:
</p>
<p>
<b>Gabriela:</b> Muss man nicht weitere Maßnahmen ergreifen,<br />
unsere Akademiker hier zu behalten. Ich habe gehört, viele wandern<br />
nach Amerika aus, weil sie dort mehr Forschungsmittel erhalten, während<br />
hier an den Universitäten gespart wird, insbesondere bei Fächern,<br />
die nicht gerade die Naturwissenschaften betreffen.
</p>
<p>
<b>Main:</b> Warum wandern alle Wissenschaftler nach Amerika<br />
ab?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Das ist auch so ein dummes Vorurteil.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat vor kurzem eine umfangreiche<br />
empirische Untersuchung durchgeführt. Danach bleiben ungefähr<br />
15 Prozent der Wissenschaftler auf Dauer im Ausland. Bei den Programmen,<br />
die wir durchgeführt haben, bleibt rund ein Drittel der angeworbenen<br />
ausländischen Wissenschaftlern in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Simser:</b> Sollten die Unis nicht selbstbestimmter verwalten<br />
und sich auch finanzieren, z.B. mit Studiengebühren &#8211; würde<br />
das nicht automatisch zu einem Wettbewerb unter den Universitäten<br />
führen und eine Elite heranbilden?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Universitäten sollten mehr<br />
Autonomie erhalten. Hier sind vor allem die Länder gefragt. Ich<br />
bin bereit, die rechtlichen Vorgaben auf 4 Punkte zu beschränken.<br />
Auf die Zulassung, die Abschlüsse, das Dienstrecht und die Anforderung,<br />
dass Hochschulen ein Qualitätsssicherungssystem aufbauen.<br />
Zu den Studiengebühren: Bisher gibt es keinerlei Stipendienprogramme<br />
(dafür müssten die Länder aufkommen). Zweitens ist überhaupt<br />
nicht sichergestellt, dass Studiengebühren auch tatsächlich<br />
den Hochschulen zugute kommen. Solange sollte man beim Gebührenfreien<br />
Erststudium bleiben ( in einer angemessenen Zeit).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zur Abwanderung und Ihren genannten<br />
Zahlen &#8211; der Klärungsbedarf scheint hoch zu sein:
</p>
<p>
<b>saijin:</b> 15% sind eine ganze Menge, besonders wenn<br />
es die Besten sind! Oder?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Das ist aber in anderen Länder<br />
nicht anders. Teilweise liegt der Prozentsatz dort noch deutlich höher.<br />
Im übrigen ist der Austausch auch gewollt und richtig. Er darf<br />
nur keine Einbahnstraße sein.
</p>
<p>
<b>frau schmidt:</b> Ein Ideal der Sozialdemokraten war bzw.<br />
ist doch freie Bildung für Alle. Angesichts der schlechten Ausstattung<br />
der Unis, zu vieler Studenten und zu wenigen Lehrkräften, werden<br />
mehr und mehr Zugangsschranken, wie die Einführung eines Numerus<br />
Clausus oder die Erhebung von Gebühren (Sprachkurse etc.) erlassen.<br />
Wie gehen Sie mit diesen Gegebenheiten um?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Numerus Clausus gibt es schon seit<br />
meiner eigenen Studienzeit. Das ist also nichts Neues. Ich plädiere<br />
aber für ein größeres Auswahlrecht der Hochschulen.<br />
Außerdem hat die Bundesregierung hier erst einmal Verlässlichkeit<br />
für die Eltern und Studierenden geschaffen, dass das Erststudium<br />
gebührenfrei bleibt. Zusätzlich haben wir das BAföG wieder<br />
zu einer wirksamen Studienförderung gemacht. Die Bundesmittel sind<br />
um 50 Prozent erhöht worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stellvertretend für einige Fragen<br />
zum Thema:
</p>
<p>
<b>SPD_Hannover-Süd:</b> Wie geht es beim Wettbewerb<br />
für Spitzenuniversitäten weiter?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Bund und Länder haben sich<br />
Ende März auf ein gemeinsames Konzept verständigt, das zum<br />
einen einen Wettbewerb um Spitzenuniversitäten vorsieht, zum zweiten<br />
einen Wettbewerb um fachbezogene Excellenzzentren und zum dritten einen<br />
Wettbewerb um Graduiertenschulen (Nachwuchswissenschaftlerförderung).<br />
Dies wird die Universitäten deutlich stärken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfragen zum Auswahlrecht:
</p>
<p>
<b>garfinkel:</b> Wie sollen Hochschulen das Umsetzen. Es<br />
scheitert doch daran, das Professoren keine Zeit haben, Studenten auszuwählen!
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Für die Auswahl der Hochschulen<br />
muss die Abi-Durchschnittsnote auch weiterhin einen maßgeblichen<br />
Einfluss haben. Die Hochschulen können dieses mit gewichteten Abi-Noten<br />
verbinden oder auch mit Eingangstests, Gesprächen etc. Der Bundestag<br />
wird aller Voraussicht nach im Frühsommer diesen Jahres einen Beschluss<br />
fassen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>michel</b> Werden Sie endlich Ganztagsschulen bundesweit<br />
einführen und somit auch Müttern eine berufliche Chance geben?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Ja. Das Ganztagsschulprogramm der<br />
Bundesregierung ist ein voller Erfolg. Vier Milliarden Euro sind ja<br />
auch kein Pappenstiel. Alleine in diesem neuen Schuljahr werden mit<br />
unserem Programm 3.000 neue Ganztagsschulen in Deutschland entstehen.<br />
Das ist eine Steigerung um 64 Prozent. Das lässt sich doch sehen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, leider ist<br />
die Zeit etwas früher als geplant vorbei &#8211; vielen Dank für<br />
die vielen Fragen. Leider können nicht alle in der Kürze der<br />
Zeit beantwortet werden. Vielen Dank auch an Sie, Frau Bulmahn, für<br />
die Teilnahme am Chat und die interessanten Antworten.
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Vielen Dank, es hat Spaß gemacht.<br />
Einen schönen Tag. Gruß, Edelgard Bulmahn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weitere Informationen zum Thema und zum<br />
Kongress finden Sie auf den Internetseiten der SPD-Fraktion www.spdfraktion.de.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Innovation von substanziellem Interesse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Fraunhofer-Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jörg Bullinger]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Prof. Hans-Jörg 
Bullinger<!-- #EndEditable --> im Fraunhofer-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->17.3.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Prof. Hans-Jörg<br />
Bullinger<!-- #EndEditable --> im Fraunhofer-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->17.3.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --></p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen zum Live-Chat der Fraunhofer-Gesellschaft, im<br />
Rahmen der Initiative &quot;Wissenschaft im Dialog&quot;, mit dem Präsidenten der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft, Professor Hans-Jörg Bullinger. Unser heutiges<br />
Thema: Leit-Innovationen: Die Fraunhofer-Offensive. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit, sicher viele Fragen &#8211; können wir anfangen, Herr Bullinger?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Ja, wir können anfangen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Schön, die erste Frage:
</p>
<p>
<b>FhgKh:</b><br />
Die Diskussion um die Innovationsoffensive wird leidenschaftlich<br />
geführt. In Ihrem Statement am 15. Januar schreiben Sie, dass<br />
Deutschlands Zukunft auf dem Spiel stehe. Erschreckt das nicht die<br />
Bürger mehr als dass es sie motiviert?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Möglicherweise haben Sie Recht. Leider ändert das nichts am Befund, dass wir deutlich besser werden müssen.
</p>
<p>
<b>Klara:</b><br />
Was sind Ihre Aufgaben als Präsident des Fraunhofer Instituts? Und<br />
welche Aufgabe sieht das Institut für sich in Deutschland und Europa?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Unsere Institution ist eine Gesellschaft mit 58 Instituten und 12 700<br />
Menschen, die dort wirken, deshalb haben wir natürlich ganz<br />
unterschiedliche Fachgebiete.<br />
Wenn heute eine Innovationsoffensive<br />
gefordert wird, sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, weil<br />
unsere Mission ist, der Wirtschaft zu helfen, aus Forschungsergebnissen<br />
Produkte zu entwickeln.
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Herr Bullinger, wie entstehen solche Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die jetzt vorliegenden Leit-Innovationen sind eine Verdichtung und<br />
Priorisierung dessen, was wir bereits bei Fraunhofer tun. Es gibt ein<br />
weiteres Projekt unter Leitung von Hr. Dr. Behlau, wo wir ein Dutzend<br />
Emerging-Technologies, unabhängig von Fraunhofer, identifizieren wollen.
</p>
<p>
<b>Silke Zollinger:</b><br />
Mich würde interessieren, wie die Leit-Innovationen denn konkret an<br />
einem Beispiel in der Fraunhofer-Gesellschaft umgesetzt werden?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Diese Ergebnisse werden uns helfen, den Strategie-Dialog um unsere<br />
Arbeitsfelder in der Gesellschaft zu verbessern. Jede der bis jetzt<br />
identifizierten Leit- Innovationen fußt auf bereits durchgeführten<br />
Forschungsaktivitäten in unseren Instituten. Beispiele dazu sind in<br />
&quot;Bild der Wissenschaft&quot; (Januar/Februar) zu entnehmen. Siehe auch<br />
unsere Internetseiten <a href="http://www.fraunhofer.de/leitinnovationen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.fraunhofer.de/leitinnovationen</a>.
</p>
<p>
<b>Emtika:</b><br />
Guten Tag, Herr Prof. Bullinger, mich würde interessieren, welche der<br />
12 Leitinnovationen von Ihnen/der Fraunhofer-Gesellschaft werden als<br />
besonders effektiv angesehen bei der Erzeugung von Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die 12 Leit-Innovationen sind von uns in sich nicht mehr priorisiert<br />
worden. Falls es Sie interessiert, was mich persönlich begeistert hat,<br />
dann würde ich die Ansätze zur individuellen Medikamentenentwicklung<br />
und die Polymerelektronik nennen, aber das ist eine sehr subjektive<br />
Einschätzung.
</p>
<p>
<b>Margitta:</b>  Ist das Thema Leitinnovationen nur für Wissenschaftler interessant oder auch für &quot;Lieschen Müller&quot;?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich denke, das Thema Innovation ist für unsere gesamte Gesellschaft von<br />
substanziellem Interesse. Wir haben deshalb als einzige<br />
Forschungsgesellschaft zum Jahr der Technik auch ein Buch geschrieben,<br />
das Sie sicher kennen: Trendbarometer Technik. Dieses Buch richtet sich<br />
ganz generell an die Gesellschaft und nicht nur an Wissenschaftler.
</p>
<p>
<b>WDK:</b><br />
Ein wesentliches Innovationshemmnis ist unsere überbordende Bürokratie.<br />
Die Politik ist gefordert, hier radikal zu reformieren.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Es ist überhaupt keine Frage, dass Bürokratie Innovation bremst. Das<br />
gilt für die Politik, aber auch für Unternehmen und auch für<br />
Forschungsorganisationen und Universitäten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Kommentar zum Buch:
</p>
<p>
<b>Margitta:</b>  Das Buch kenne ich und lese immer wieder mit großer Begeisterung darin.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Frage:
</p>
<p>
<b>FH-Heidelberg2:</b>  Was meinen Sie, wie sollte Innovationsfinanzierung der vorgestellten Leitinnovationen stattfinden?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Soweit die Politik betroffen ist, soll dies auch in dem Arbeitskreis<br />
beim Kanzler, dem wir angehören dürfen, &quot;Partner für Innovation&quot;,<br />
besprochen werden. Ich hoffe, dass die dort besprochenen Maßnahmen zum<br />
Bürokratie-Abbau dann auch umgesetzt werden. <br />
Grundsätzlich kann<br />
das in Fraunhofer-typischer Weise finanziert werden. Wir gehen davon<br />
aus, dass wir ein Drittel des Betrags aus Grundfinanzierung und zwei<br />
Drittel aus eigener Finanzierung aufbringen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Wo Sie die Politik ansprechen, dazu gibt es folgende Frage:
</p>
<p>
<b>Lucius:</b><br />
Vor einigen Wochen waren Sie zu einem &quot;Kanzlertreffen&quot; bei<br />
Bundeskanzler Schröder eingeladen. Wie schätzen Sie die Ergebnisse des<br />
Treffens ein &#8211; ist es der Bundesregierung wirklich ernst? Braucht<br />
Deutschland eine landesweite Innovationsoffensive?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich kann natürlich auch keine Seelenforschung beim Kanzler betreiben.<br />
Mein Eindruck war, dass es alle Gesprächspartner &#8211; Kanzler, Minister,<br />
Wirtschaftsführer &#8211; sehr ernst nehmen. Ich denke, das ist dem Thema<br />
auch angemessen. Die nächste Sitzung beim Kanzler wird am 31. März sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Was sind dort die Themen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zwischen den Themen werden die Arbeitsergebnisse vom &quot;Büro Innovation<br />
Deutschland&quot; aufbereitet. Dieses Büro ist mit wissenschaftlichen<br />
Mitarbeitern aus dem Kanzleramt, dem Forschungsministerium, dem<br />
Wirtschaftsministerium und der Fraunhofer-Gesellschaft besetzt. Bei der<br />
nächsten Sitzung wird es um Aktionen gehen,<br />
wie man das Thema<br />
Innovation in Deutschland befördern kann und vermutlich auch um erste<br />
Themen für Projekte. Aus der Sicht der Forschung würden wir uns<br />
wünschen, dass der Kanzler auch Aussagen zur Finanzierung macht.
</p>
<p>
<b>Moderator:  </b>Noch zwei Fragen zur Politik, dann zurück zu den Leit-Innovationen:
</p>
<p>
<b>tamar:</b>  Welchen Anteil kann die Bundesregierung überhaupt übernehmen, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zunächst zum Forschungs- und Entwicklungsaufwand: Er beträgt zur Zeit<br />
2,4 % vom Bruttosozialprodukt, davon kommen ein Drittel vom Staat und<br />
zwei Drittel von der Wirtschaft. Innovationen werden von Menschen<br />
gemacht und betreffen nicht nur Produkte, sondern auch<br />
Geschäftsprozesse und Strukturen. Auf Strukturen und Randbedingungen<br />
hat der Staat natürlich großen Einfluss. Persönlich würde ich mir vor<br />
allem erhoffen, dass die Stimmung zu und für Forschung und Entwicklung<br />
und Innovationen auch von der staatlichen Seite verbessert wird..
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Nachfrage zum Versprechen des Kanzlers:
</p>
<p>
<b>Frau Hofer:</b><br />
Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen reklamiert zusätzliche,<br />
öffentliche Fördermittel zur Innovationsoffensive. Wie beurteilen Sie &#8211;<br />
als Wissenschafts- und Innovationsmanager &#8211; die Chancen, dass derartige<br />
Mittel angesichts der Haushaltslage der öffentlichen Kassen in der<br />
nächsten Zeit von Bund und Ländern bereitgestellt werden? Oder anders:<br />
wann werden den Worten die Taten folgen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Dazu kann ich nur meine Meinung wiedergeben: Ich gehe davon aus, dass<br />
schon im nächsten Jahr der Haushaltsansatz für Forschung und<br />
Entwicklung steigt. Anders ist das gesetzte Ziel, bis 2010 3 % vom BSP<br />
zu erreichen, auch nicht realisierbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Sie hatten eben Prozesse, Rahmenbedingungen etc. angesprochen..
</p>
<p>
<b>Petra:</b><br />
Einer Ihrer Schwerpunkte ist das Technologiemanagement. Was würden Sie<br />
der Bundesregierung mit auf den Weg geben, die ja mit mehreren<br />
Riesenprojekten &#8211; Maut und arbeitsagentur.de &#8211; gescheitert ist?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Das Mautprojekt ist nicht an der technischen Leistungsfähigkeit<br />
einzelner Komponenten gescheitert, sondern an der Systemintegration und<br />
an einem extrem schlechten Technologiemanagement zwischen den sehr<br />
vielen Partnern und Zulieferanten.<br />
Für Techniker in Deutschland ist<br />
es sehr beschämend, dass wir uns in der Welt so präsentiert haben, denn<br />
gerade solche komplexen Systemintegrationen sollten eigentlich eine<br />
Spezialität der deutschen Wirtschaft sein. Der Politik als Auftraggeber<br />
müsste man empfehlen, sehr viel stärker auf ein gutes Technologie- und<br />
Innovationsmanagement zu achten. Dazu wird es sicher notwendig sein,<br />
dass nicht nur die industriellen Partner, sondern auch die Auftraggeber<br />
beim Staat über besseres Wissen im Technologiemanagement verfügen.
</p>
<p>
<b>Tcege:</b><br />
Wenn Sie ein Unternehmen beraten würden, im Sinne von Innovationskraft<br />
stärken, welche &quot;Bereiche&quot; würden Sie zuerst adressieren?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Ich würde mich zunächst um die Menschen kümmern. Diese müssen zu<br />
Innovationen befähigt und qualifiziert werden, aber dass sie es können,<br />
reicht nicht, sie müssen es auch dürfen. Im zweiten Schritt würde ich<br />
mich intensiv um Organisationsstrukturen und Führungskulturen kümmern.
</p>
<p>
<b>Marika Röck:  </b>Herr<br />
Bullinger, nach meiner Einschätzung fehlt es immer noch an praktikablen<br />
Instrumenten und Methoden, um aus Ideen erfolgreiche Innovationen zu<br />
schaffen. Die meisten Innovationsideen sind zufallsgesteuert realisiert<br />
und in Innovationen umgesetzt worden. Wann wird es den<br />
Innovationswerkzeugkasten geben, der diesen Prozess praktikabel<br />
unterstützt?? Oder gibt es ihn schon?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Um Missverständnisse zu vermeiden, wir verstehen unter einer Innovation<br />
eine verkaufsfähige Lösung. Der Weg von der Idee dorthin ist weit. Ein<br />
Beispiel: In einem mittelständischen Unternehmen mit 2 500 Mitarbeitern<br />
hatten wir kürzlich untersucht, dass man für 10 am Markt erfolgreiche<br />
Produkte über 2000 Erstideen brauchte. Filtersysteme zu Reduktion<br />
dieser Menge an Ideen sind im Innovationsmanagement im Prinzip bekannt.<br />
Das gleiche gilt auch für die Grundprinzipien des Innovationsprozesses,<br />
die in mehreren Büchern beschrieben sind, aber in der Praxis leider zu<br />
wenig beachtet werden. Soweit es um die reine Innovationsbeschleunigung<br />
geht, erhoffen wir uns aus dem Fraunhofer-Präsidialprojekt neue<br />
Erkenntnisse zur Planung und Führung solcher Projekte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Dazu 2 Fragen &#8211; ein Thema:
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Welchen Nutzen haben die einzelnen Unternehmen von diesen Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>ingbuero3:  </b>Dieser<br />
Chat ist kennzeichnend für unser Land, wie sieht es denn mit den<br />
Leitinnovationen und Stärkung unserer Wirtschaft aus, z.B. gezielte<br />
Umsetzung von FhG-Technologie in eigenständige und gesunde Firmen,<br />
schließlich ist die FhG ein e.V.?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zu Wfg: Die Leit-Innovationen können den Unternehmen in ähnlicher Weise<br />
helfen, wie der Fraunhofer-Gesellschaft, nämlich zum Abgleich ihrer<br />
eigenen Technologie-Strategien. Zu ingbuero3: Die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft finanziert sich anders als andere<br />
Forschungseinrichtungen, zu zwei Dritteln aus eigenen Erträgen,<br />
natürlich nicht die Gesellschaft, aber einzelne Mitarbeiterinnen und<br />
Mitarbeiter gründen in erfreulicher Anzahl auch eigene gesunde<br />
Unternehmen. Dies wird seitens der Fraunhofer-Gesellschaft über unsere<br />
Venture-Gruppe nachhaltig unterstützt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  2 Fragen zur Geschäftspolitik:
</p>
<p>
<b>kmu3:</b>  Was will die FHG mit Ausgründungen verfolgen?<br />
Wie will die FHG Ausgründungen unterstützen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die Fraunhofer-Gesellschaft fördert die Gründung neuer Unternehmen zur<br />
Schaffung dringend notwendiger neuer Arbeitsplätze in diesem Land. Die<br />
Ausgründungen werden zunächst dadurch unterstützt, dass die Menschen<br />
qualifiziert und befähigt werden, Unternehmen zu gründen. Neben der<br />
Absicht, Unternehmer zu werden, muss ein Geschäftszweck definiert sein.<br />
In der Anfangsphase kann es darüber hinaus hilfreich sein, dass die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren Ressourcen die Neugründungen<br />
unterstützt. Dazu wurden mit den zuständigen Ministerien Spielregeln<br />
definiert.
</p>
<p>
<b>Michael Pieper:  </b>Lieber Herr<br />
Bullinger, da über die FhG-Leitinnovationen Zukunftsfelder erschlossen<br />
werden sollen, sind entsprechende FhG-Projekte wohl der sog.<br />
Vorlaufforschung zuzuordnen. In welchem Rahmen können daher für<br />
derartige Projekte zunächst auch Mittel aus der Eigenfinanzierung der<br />
FhG eingesetzt werde, z.B. zur Bereitstellung von<br />
&quot;Demonstratortechnologien&quot; zur Verdeutlichung der wirtschaftlichen<br />
Potentiale, die eine zukünftige Vermarktung erleichtern.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>Die<br />
Leit-Innovationen sind zunächst kein Förderinstrument, sondern eine<br />
Beschreibungshilfe für die Themenbereiche, die die<br />
Fraunhofer-Gesellschaft für wichtig hält. Die Fraunhofer-typischen<br />
Instrumente zur Vorlaufforschung sind schon in der Vergangenheit auf<br />
diese Themenbereiche hin ausgerichtet worden. Unter anderem ist auch<br />
der Aufbau von Demo-Zentren ein seit langem eingeführtes<br />
Förderinstrument.
</p>
<p>
<b>Frau Hofer:</b> Herr Bullinger,<br />
Innovationen sind nach der wiss. Lehre solche, die vom Markt angenommen<br />
werden (berichtigen Sie mich ggf. bitte). Wie schätzen Sie den Markt<br />
dazu in Deutschland ein? Oder einprägsamer: Auch wenn es ein Bedarf<br />
nach Innovationen gibt, hat die Wirtschaft Ihrer Meinung nach in der<br />
heutigen Zeit, wo viele Unternehmen nur ans Sparen denken, auch das<br />
Geld dazu, diese zu kaufen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Innovationen sollten einem Zweck dienen. Aus unternehmerischer Sicht<br />
werden sie häufig von einem Kundenbedarf ausgehen. Bei sog.<br />
technologiegetriebenen Innovationen ist die Antwort schwieriger, weil<br />
dort häufig genug für eine vorhandene Lösung ein Problem gesucht werden<br />
muss. Auch dazu gibt es Instrumente. Was das Geld anbetrifft, wird die<br />
Wirtschaft immer kaufen, wenn sie vom Nutzen überzeugt ist. Es ist eine<br />
für uns wichtige Aufgabe, diesen Nutzen darzustellen. Im übertragenen<br />
Sinne &quot;verkaufen&quot; wir Wissen und Innovationen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Kritische Anmerkung von Hans:
</p>
<p>
<b>Hans im Glück:</b><br />
Mag ja sein, dass die Leit-Innovationen der Wirtschaft nützen und<br />
vielleicht den Forschern, aber wenn es um Deutschland geht, müssten<br />
höchstens 3 oder 4 sich beschäftigen mit Technik, der Rest mit Renten,<br />
Umwelt, Schule.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Auch etwas unernst: Mancher würde vielleicht den direkten Weg von der Schule in die Rente suchen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Fragen zur Bildung und zu den Hochschulen:
</p>
<p>
<b>Marika Röck:</b><br />
Sehr geehrter Herr Prof. Bullinger, die Allianz der<br />
Wissenschaftsorganisationen fordert im Rahmen der Innovationsoffensive<br />
eine &quot;Initiative zur Exzellenzforschung&quot; (fachlich und regional<br />
fokussiert), in der Hochschulen und außeruniversitären<br />
Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, die aber zunehmend mehr und<br />
mehr in einem Wettbewerb zueinander stehen. Welche Ideen gibt es hier,<br />
diesen &quot;Gordischen Knoten&quot; zu durchschlagen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>Über<br />
zwei Drittel aller Fraunhofer-Institute sind bereits direkt mit<br />
Universitäten verbunden. Innerhalb der Allianz ist die Forderung zur<br />
engeren Zusammenarbeit von uns erhoben worden. Wettbewerb belebt das<br />
Geschäft. Es gibt eine einfache Regel: Schneller und besser.<br />
Grundsätzlich bin ich immer noch der Meinung, dass die Universitäten<br />
stärker grundlagen- und wir stärker anwendungsorientiert sind. An den<br />
Grenzen werden Überschneidungen nicht zu vermeiden sein.
</p>
<p>
<b>Susanne:</b><br />
Als Studentin der Münchner FH, die gerade die massiven Einsparungen im<br />
Hochschulwesen (und das im &quot;reichen&quot; Bundesland Bayern) ganz konkret zu<br />
spüren bekommt (Entlassung sehr fähiger Dozenten, Zusammenlegung von<br />
Kursen etc.) wende ich ein: Geht das nicht alles sehr an der Realität<br />
vorbei? Woher soll auch das Geld kommen, um eine hervorragende<br />
Ausbildung an den (FH)-Hochschulen sicherzustellen? Dort muss man<br />
schließlich ansetzen!
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Die weitere Entwicklung der Universitäten und Fachhochschulen.<br />
ist eine ganz wichtige Aufgabenstellung, aber leider keine, die wir aus<br />
der Fraunhofer-Gesellschaft heraus lösen können.
</p>
<p>
<b>Gvollmer:</b><br />
Welche Ansätze sehen Sie Ihren Leitinnovationsansatz über die<br />
gesellschaftliche Vernetzung mit der Praxis in Firmen und Schulen<br />
weiter voranzutreiben?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b> Mit<br />
oder ohne Leit-Innovationen halte ich diese Vernetzung für<br />
außerordentlich wichtig. Ich bin sehr froh darüber, dass<br />
zwischenzeitlich die meisten Fraunhofer-Institute regional<br />
Partnerschaften mit Schulen eingegangen sind und dies auch gemeinsam<br />
mit Unternehmen aus der Region tun. Im Grunde genommen würde man sich<br />
gerne wünschen, dass jede Schule mindestens ein Partnerunternehmen hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Können Sie Dummy helfen? Hier sein Kommentar:
</p>
<p>
<b>Dummy:</b><br />
Bin ja kein Frauenhofler, aber an unserem Institut ist es jedenfalls<br />
immer noch so, dass die meisten Innovationen schon beim Chef hängen<br />
bleiben. Irgendein Forscher-Vorbild hat mal gesagt: &quot;Innovation ist,<br />
wenn Kapazitäten sterben&quot; oder so.
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b>  Vielleicht sollten Sie sich bei der Fraunhofer-Gesellschaft bewerben.
</p>
<p>
<b>Wfg:</b>  Welche strategischen Maßnahmen müssen jetzt erfolgen, in Bezug auf die Leit-Innovationen?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Zunächst müssen wir sicherstellen, dass wir bei den Leit-Innovationen<br />
nichts vergessen haben. Dazu werten wir zurzeit Länderstudien und<br />
Strategien mehrerer Unternehmen aus. Dies wird selbstverständlich<br />
ergänzt um den Fraunhofer-internen Sachverstand in den Instituten. Eine<br />
Auftaktveranstaltung dazu wird im Oktober in Dresden stattfinden.<br />
Danach werden Leit-Innovationen und Verbund-Strategien diskutiert.<br />
Möglicherweise regt dies auch einzelne Institute zu Strategieänderungen<br />
an.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorletzte Frage, die Stunde ist leider gleich vorbei:
</p>
<p>
<b>Der Potsdamer:</b><br />
Warum spielt das Thema eGovernment nur eine untergeordnete Rolle im<br />
Rahmen ihrer Leitinnovationen, wo doch gerade die<br />
&quot;Verwaltungsmodernisierung&quot; alter eingefahrener Prozesse und Verfahren<br />
und der &quot;Bürokratieabbau&quot; als Motor für Innovationen und auch als<br />
Förderung für den Standort Deutschland dienen kann?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Es gibt innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft ein eGovernment-Zentrum.<br />
Wir betrachten eGovernment als Aufgabenstellung und nicht als<br />
Innovation in sich selbst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b>  Letzte Frage &#8211; vielen Dank für die vielen Fragen:
</p>
<p>
<b>B wie Bnym:</b> Wie machen Sie die Fraunhofer Gesellschaft zukunftssicher, für den Weltmarkt &#8211; für den Wettbewerb?
</p>
<p>
<b>Hans-Jörg Bullinger:</b><br />
Die Fraunhofer-Gesellschaft ist zukunftssicher, weil sie sich wie in<br />
der Vergangenheit auf die Qualifikation und die Einsatzbereitschaft<br />
ihrer Mitarbeiter verlassen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir<br />
auch den neuen Herausforderungen gewachsen sind.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Teilnehmer, sehr geehrter Prof. Bullinger, vielen Dank für<br />
den spannenden Chat und ihre Teilnahme am Live-Chat der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft. Leider konnten in einer Stunde nicht alle<br />
Fragen beantwortet werden. Aber auf den Seiten der<br />
Fraunhofer-Gesellschaft finden sie weitere Informationen: <a href="http://www.fraunhofer.de/leitinnovationen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.fraunhofer.de/leitinnovationen</a>. Der Chat wurde technisch durchgeführt von politik-digital.de in Berlin. Ich wünsche allen Beteiligten einen schönen Tag.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es muss Hochschulen gestattet werden, Studienbeiträge zu erheben&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es_muss_hochschulen_gestattet_werden_studienbeitraege_zu_erheben-256/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es_muss_hochschulen_gestattet_werden_studienbeitraege_zu_erheben-256/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Katherina Reiche]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/es_muss_hochschulen_gestattet_werden_studienbeitraege_zu_erheben-256/</guid>

					<description><![CDATA[<b>Katherina 
Reiche ist am 19. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Katherina<br />
Reiche ist am 19. Januar 2004 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-, Bildungs- und Forschungs-Liebhaber,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
begrüße ich heute Katherina Reiche, die bildungs- und forschungspolitische<br />
Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. Frau Reiche, kann es losgehen?</p>
<p><b>Katherina Reiche:</b> Ja, gerne.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Erst mal eine ziemlich allgemeine, aber<br />
interessante Frage:
</p>
<p>
<b>pweber:</b> Frau Reiche, sollte prinzipiell jeder in Deutschland studieren<br />
können oder können wir uns das nicht mehr leisten?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Jeder, der dazu in der Lage ist, der über die<br />
Fähigkeit verfügt zu studieren, soll auch in Zukunft eine<br />
Hochschule besuchen können. Wir haben das Begabungspotenzial in<br />
Deutschland noch lange nicht ausgeschöpft.
</p>
<p>
<b>Bert B.:</b> Guten Tag, Frau Reiche! Was genau verstehen Sie unter einer<br />
Innovationskultur in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Innovationen sind Erfindungen oder Entwicklungen,<br />
die die Gesellschaft / Wissenschaft in einem großen Schritt nach<br />
vorne bringen, quasi revolutionieren. Wir sind in Deutschland nicht<br />
mehr an der Spitze, wenn es um den Export von Spitzentechnologie geht.<br />
Wir sind gut in der höher- und hochwertigen Technologie. Das muss<br />
sich wieder ändern. Wenn wir wissen, dass in Zukunft z.B. der Bereich<br />
Life Science immer entscheidender wird, kann man es nicht unkommentiert<br />
lassen, dass wir Jahre hinter den USA zurückliegen. Deshalb wünsche<br />
ich mir ein Land, in dem wir Freiheit von Forschung und Lehre wirklich<br />
umsetzen, wo wir mehr Ja zu Chancen sagen und weniger langatmige Debatten<br />
zu möglichen Risiken führen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hätten Sie ein Beispiel für die Unterschiede zwischen<br />
Spitzen- und hochwertiger Technologie? Also wo wir wirklich vorn liegen<br />
und wo wir nur mit an der Spitze dabei sind?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Zum Beispiel liegen wir bei der Chemie- und bei der<br />
Automobilbranche ganz vorne, im Bereich Datenverarbeitung nur noch auf<br />
Platz 8, bei der Biotechnologie auf Platz 9 oder bei der Materialforschung<br />
auf Platz 4.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Quelle zitieren Sie da?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik.
</p>
<p>
<b>Bulfrau:</b> Bisher werden schlechte wie gute Studierende gleichmäßig<br />
auf die Universitäten verteilt. Die von der SPD angekündigten<br />
Leitlinien zur Innovations- und Wissenschaftspolitik beinhalten das<br />
Ziel, begabte Studierende besonders zu fördern. Was haben sie daran<br />
auszusetzen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> In den vergangenen 30 Jahren war das Wort Elite verpönt.<br />
Gerade die SPD hat mit großer Hartnäckigkeit negiert, dass<br />
Menschen unterschiedlich begabt sind. Das gilt für die Schule,<br />
für die Ausbildung und auch für die Hochschulen. Wenn nun<br />
ausgerechnet diese SPD kommt und die Eliteförderung für sich<br />
entdeckt, dann ist das für mich sehr unglaubwürdig. Als Rockefeller<br />
vor über 50 Jahren zum Präsidenten der Harvard University<br />
kam und fragte, was man brauche, um eine Elite-Uni zu gründen,<br />
sagte er: 50 Millionen Dollar und 200 Jahre. Das zeigt zwei Dinge deutlich:<br />
1. Universitäten brauchen mehr Geld und mehr Freiheit und 2. Eliten<br />
kann man nicht verordnen, die wachsen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dann würden Sie angesichts auch gewisser kultureller<br />
Unterschiede (Spendenverhalten von privaten Organisationen etc.) vermutlich<br />
die Frage von DW1 mit Nein beantworten, oder?
</p>
<p>
<b>DW1:</b> In ihren Vorschlägen will sich die SPD am großen Vorbild<br />
Amerika orientieren. Und zieht als Beispiel Elite-Universitäten<br />
wie Harvard, Columbia oder Stanford heran. Ist vor dem Hintergrund der<br />
verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland und Amerika ein deutsches<br />
Harvard möglich?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Es ist immer richtig sich an jemandem zu orientieren,<br />
der besser ist als man selbst. Wir werden das aber nicht über Nacht<br />
haben. Wir haben in Deutschland viele Fakultäten renommierter Hochschulen,<br />
die schon jetzt Spitzenforschung betreiben. Aber Harvard hat ein Stiftungskapital<br />
von 19,3 Milliarden ein Jahresetat von 2,5 Milliarden Dollar. Die Uni<br />
Köln verfügt im Jahr über 656 Millionen Euro, in Harvard<br />
ist das Betreuungsverhältnis 1:7, in Köln 1:125. Diese Zahlen<br />
zeigen unser Problem. Wir sollten den Universitäten erlauben, ihr<br />
eigenes Geld einzunehmen. Das sind &#8211; natürlich neben der Grundfinanzierung<br />
durch die Länder – Lizenzgebühren, Industrieverträge,<br />
das Einwerben privaten Kapitals und natürlich Studienbeiträge.
</p>
<p>
<b>herzinfarkt257:</b> Sollten nicht anstelle wenige Elite-Unis zu unterstützen,<br />
lieber gute Institute oder herausragende Ideen und Dozenten dezentral<br />
unterstützt werden? Dann versickerten die Mittel nicht in Verwaltungen<br />
und die Empfänger hätten Ansporn, sich immer neu zu beweisen<br />
für neue Mittel (wie es bei der DFG ja üblich ist).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> DFG = Deutsche Forschungsgemeinschaft.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Ich bin sehr dafür, Mittel im Wettbewerb zu<br />
vergeben. Gerade die DFG, die ja maßgeblich die Forschung an den<br />
Universitäten fördert, hat hier eine herausragende Bedeutung.<br />
Wir brauchen auch weniger Bürokratie, wenn es um Anträge geht.<br />
Ich denke nur an EU-Forschungsprogramme. Im Wettbewerb wird sich dann<br />
herausstellen, welcher Wissenschaftler oder welche Fakultät wirklich<br />
Spitze ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin<br />
Teufel hat angekündigt, sein Land wolle den Staatsvertrag über<br />
die Zentrale Studienplatzvergabe (ZVS) kündigen, wenn es keine<br />
Einigung gebe, dass sich Hochschulen künftig die Studenten selbst<br />
aussuchen und Studiengebühren erheben dürfen. Sieht so aus,<br />
als ob die Studiengebühren kommen &#8211; ob politisch herbeiverhandelt<br />
oder vor dem Verfassungsgericht eingeklagt, was ja derzeit sechs Bundesländer<br />
tun. Wie stehen Sie zu Teufels Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wir kommen um Studienbeiträge auch in Deutschland<br />
nicht herum. Schon jetzt fehlen den Hochschulen in Deutschland zwischen<br />
3 und 4 Mrd. Euro, davon 1 Mrd. für die Lehre. Die 6 Bundesländer<br />
klagen nicht für die Einführung von Studiengebühren,<br />
sondern gegen die Bestimmung im Hochschulrahmengesetz (HRG), dass das<br />
Erheben von Studiengebühren untersagt ist. Meiner Auffassung nach<br />
muss das HRG nicht nur in diesem Punkt deutlich entschlackt werden.<br />
Es muss Hochschulen gestattet werden, Studienbeiträge zu erheben.<br />
Die Studierenden müssen nur unmittelbar spüren, dass sich<br />
die Bedingungen für sie verbessern, d.h. überschaubare Seminare,<br />
keine Auslosung bei Praktika und Begleitung bei ihrer beruflichen Laufbahn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Kommentar zu Ihrer Rechnung in Sachen der Jahresetats<br />
Köln und Harvard:
</p>
<p>
<b>bagelcat:</b> Und zeigen diese Zahlen nicht auch, dass an deutschen Unis<br />
noch Effizienzsteigerungen möglich sind &#8211; schließlich kann<br />
Harvard mit dem 3,8fachen Etat der Uni Köln eine 25fach bessere<br />
Betreuung anbieten?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei leicht verschiedene Fragen mit der gleichen Zielrichtung:
</p>
<p>
<b>Kultusministerium:</b> Braucht Deutschland nicht die Erhaltung seines offenen<br />
Bildungszuganges, den andere Länder so nicht haben?
</p>
<p>
<b>Dekannater:</b> Sollte es aber nicht darum gehen, mehr Menschen an die<br />
Hochschule zu holen und gerade auch Menschen aus niedrigen sozialen<br />
Schichten? Da sind Gebühren Gift!
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Einführung von Studienbeiträgen muss<br />
mit einem breiten Angebot von Stipendien erfolgen. Ich bin jedoch der<br />
Meinung, nicht jeder der will, muss an einer Hochschule studieren können,<br />
sondern jeder, der die entsprechenden Fähigkeiten besitzt. Deshalb<br />
brauchen die Hochschulen die Möglichkeit, sich Studenten selbst<br />
auszuwählen. Auch das ist derzeit in Deutschland nicht möglich.<br />
Das Modell der nachlaufenden Gebühren übrigens erscheint mir<br />
als das sozial verträglichste. Das heißt, die Beiträge<br />
für ein Studium werden erst dann erhoben, wenn jemand über<br />
ein gesichertes Einkommen verfügt, sprich einen Job hat. Das würde<br />
auch eine größere Bindung zwischen Studierenden und seiner<br />
ehemaligen Hochschule erzeugen, denn auch das ist eine große Stärke<br />
des amerikanischen Systems &#8211; das Alumni-System.
</p>
<p>
<b>huth1971:</b> Wie verträgt sich ihre Meinung zu den Hochschulgebühren<br />
mit der Tatsache, dass es ihnen möglich war, ohne derartige Gebühren<br />
zu bezahlen? Sind sie nicht der Meinung, künftige Studenten sollten<br />
genau wie sie behandelt werden?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Mein Studium musste ich in der Tat nicht bezahlen.<br />
Allerdings habe ich mein Chemie-Studium in 9 Semestern absolviert und<br />
trotzdem nebenbei als Assistentin an der Universität gearbeitet.<br />
Mein Jahr in den USA habe ich mir durch ein Stipendium finanziert und<br />
ebenfalls durch Arbeiten an der amerikanischen Universität. Gerechtigkeit<br />
heißt nicht, &quot;jeder so lange er will und was er will&quot;,<br />
sondern zielgerichtet und effizient zu studieren. Noch einmal: Studienbeiträge<br />
werden nur akzeptiert, wenn sich gleichzeitig die Bedingungen an den<br />
Hochschulen verbessern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur &quot;nachlaufenden Studiengebühr&quot;,<br />
dem so genannten australischen Modell:
</p>
<p>
<b>HeikoHirt:</b> Und wenn der Studi hinterher keinen Job kriegt, ist die<br />
staatliche Aufwendung umsonst gewesen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Auch die internationalen Studienfinanzierungsmodelle<br />
kalkulieren mit Ausfallraten.<br />
Australien beispielsweise rechnet mit Ausfallraten von 15 bis 20 %.<br />
Dies kann aber kein Argument dafür sein, auf die restlichen 80%<br />
zu verzichten. Auch in Deutschland wird sich ein solcher Bildungskreditmarkt<br />
sehr viel schneller entwickeln als wir es glauben, wenn das Verbot im<br />
HRG erst mal fällt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie könnte das australische Modell mit dem BAföG<br />
kombiniert werden?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Umstellung auf ein Studienbeitragsmodell ist<br />
eine komplette Umstellung. Die Stipendien und ein staatlich finanziertes<br />
Kreditmodell soll es aber auch weiterhin gerade einkommensschwachen<br />
Schichten ermöglichen, Zugang zu den Hochschulen zu erhalten.
</p>
<p>
<b>StudiTrier:</b> Australien ist nun aber wirklich nicht das beste Beispiel.<br />
Gerade in Australien herrscht starke Ungerechtigkeit zwischen den Reicheren<br />
und den Ärmeren, da schon in der Schule Gebühren verlangt<br />
werden. Und wenn man nicht an einer der besseren und teueren Schulen<br />
ist, kommt man kaum in die besseren Studiengänge.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Für mich ist es schwer zu vermitteln, dass die<br />
Kita-Gebühren steigen, das Studium aber umsonst ist. Der selbständige<br />
Handwerker und sein Sohn, der die Nachfolge antritt, zahlen mit ihren<br />
Steuern das Umsonst-Studium für andere. Ein Studium ist immer auch<br />
eine persönliche Investition in die Zukunft. Es ist auch eine Art<br />
Risikoversicherung gegen Arbeitslosigkeit. Zumindest die Statistik sagt<br />
uns, dass ca. 3% der Akademiker, jedoch 8% der Ausgebildeten und gar<br />
25 % der Menschen ohne Abschluss von der Arbeitslosigkeit bedroht sind.
</p>
<p>
<b>huth1971:</b> Wie stehen sie zu der Forderung, auch von den ehemaligen<br />
Studenten die Gebühren einzufordern, die trotz entsprechender Möglichkeiten<br />
nicht im studierten Beruf tätig sind? Hier stellt sich die Frage<br />
der Sinnhaftigkeit der Ausgaben.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Das australische Modell richtet sich nicht nach der<br />
Art des ergriffenen Berufes, sondern nach der späteren Einkommenssituation.<br />
Das Modell der nachlaufenden Gebühren orientiert sich somit daran,<br />
dass überhaupt nach Ablauf des Studiums eine Stelle angetreten<br />
wird, nicht nach dem Berufsfeld.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur Größenordnung:
</p>
<p>
<b>StudiTrier:</b> In Australien würde ich für mein Studium an einer<br />
Durchschnitts-Uni pro Term 3000 Euro zahlen müssen. Wie soll ich<br />
mir eine solche Investition leisten können, auch wenn ich sie erst<br />
nachher zurückzahle?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Momentan sprechen wir in Deutschland über Beiträge<br />
von ca. 500 Euro / Semester.
</p>
<p>
<b>Perle:</b> Wir dürfen aber eine inhaltsorientierte Studienreform nicht<br />
vergessen, oder? Nur Strukturen ändern reicht nicht. Was sind da<br />
ihre konkreten Vorschläge?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wir stecken mitten im Bologna-Prozess, das heißt,<br />
in der Internationalisierung unserer Studiengänge. Unsere Studienabschlüsse<br />
und die Zeit, die man zum Abschluss eines Studiums braucht, müssen<br />
international vergleichbar sein. Nach 6 bis 8 Semestern soll man einen<br />
Bachelor-Abschluss erhalten, nach weiteren 4 einen Master-Abschluss.<br />
Daran kann ein Promotionsstudium folgen. Das hat Konsequenzen für<br />
den Aufbau von Studiengängen. Wir können uns dem Wettbewerb<br />
jedoch nicht entziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zu den Studiengebühren, deren Höhe<br />
und der Frage, wie sie finanziert werden sollen:
</p>
<p>
<b>96er:</b> Aber die Frage war gut: Wie soll ich 1000 Euro im Jahr finanzieren?
</p>
<p>
<b>M.Watermann:</b> Aber auch diese 500 Euro müssen irgendwie erst einmal<br />
bezahlt werden. Da es auch Studierende gibt, die ihr Wissen hart erlernen<br />
müssen, sprich stundenlang büffeln müssen, können<br />
die nicht nebenbei arbeiten, um ihren Lebensunterhalt UND Studiengebühren<br />
zu finanzieren! Wie stellen sie sich das konkret vor? Welche Möglichkeiten<br />
haben diese &quot;Nicht-Überflieger&quot;?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Stipendienmodelle und Darlehensmodelle der Banken,<br />
zum Beispiel der KfW
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> … KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine Bank<br />
des Bundes ..
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> werden es auch Nicht-Überfliegern ermöglichen,<br />
ein Studium aufzunehmen.
</p>
<p>
<b>96er:</b> Die größten Probleme der deutschen Hochschulen liegen<br />
in der Lehre, nicht in der Forschung, oder?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Stärke von amerikanischen Universitäten<br />
liegt darin, dass sie den Humboldtschen Grundsatz &quot;Lehre aus Forschung&quot;<br />
perfektioniert haben. Forschung und Lehre sind hier ganz eng verzahnt.<br />
Für uns in Deutschland heißt das, außeruniversitäre<br />
Forschungseinrichtungen in Hochschulen viel stärker miteinander<br />
zu vernetzen als dies derzeit mit gemeinsamen Professuren oder Projekten<br />
der Fall ist.
</p>
<p>
<b>HAnnes:</b> Von 1980 bis heute sind die öffentlichen Ausgaben für<br />
Hochschulen real um 15 Prozent gesunken &#8211; bei zugleich massiv steigenden<br />
Studentenzahlen. Da waren Kohl und die CDU also stark dabei oder? Wo<br />
sehen sie ihre Verantwortung an der Misere?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Die Hochschulen werden maßgeblich durch die<br />
Länder finanziert. Der Bund besitzt Kompetenzen in der Gemeinschaftsaufgabe<br />
Hochschulbau. In diesem Jahr hat Rot-Grün den Hochschulbau um 135<br />
Mio. Euro (von 1,1 Mrd. Euro) zusammengestrichen. Von den Hochschulbaumitteln<br />
werden nicht nur neue Gebäude errichtet, sondern es wird auch in<br />
Geräte investiert. Das ist für mich ein Lehrbeispiel, wie<br />
man es nicht machen sollte.
</p>
<p>
<b>Friedrich Heinemann:</b> Gleich zu Beginn des Superwahljahrs 2004 wollen<br />
die Genossen um Schröder der Union und der FDP ein Thema klauen,<br />
konservative Begriffe besetzen, Modernität simulieren. Verloren?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Keineswegs. Rot-Grün hat in den vergangenen<br />
Jahren nur wenig getan um Deutschland auf zukunftsfähigen Innovationsfeldern<br />
nach vorne zu bringen. Die grüne Gentechnik wurde nahezu ausgebremst,<br />
der Ausstieg aus der Kernkraft führt zum Zusammenbruch des Know-Hows<br />
in Deutschland im Gebiet der Kernenergienutzung, der Transrapid fährt<br />
in Shanghai und nicht in Deutschland, die Nanotechnologie &#8211; eines der<br />
Innovationsfelder der Zukunft &#8211; wird zusammengestrichen. Durch die Chemikalienpolitik<br />
der EU ist der Chemiestandort Deutschland in Gefahr. Der jetzt einberufene<br />
Gipfel hat außer einem &quot;Jetzt-haben-wir-mal-drüber-geredet&quot;<br />
nichts gebracht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Eindruck, dem man sich in der tat manchmal nicht erwehren<br />
kann:
</p>
<p>
<b>rathfelder:</b> Wie kommt es eigentlich, dass in der politischen Konversation<br />
nur noch vom Versagen der Gegenseite die Rede ist. Dies ist eine Ausdrucksform,<br />
die man aus er der Bildzeitung und ähnlichen Gazetten kennt. Es<br />
ist außerdem wenig hilfreich und kaum konversationsfördernd.<br />
Gerade, wenn sie von Bildung reden, sollten sie die Konzepte der Gegenseite<br />
differenzierter kritisieren.
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Ich anerkenne durchaus, dass Rot-Grün in den<br />
vergangenen Jahren den Haushalt des BMBF wenn nicht verdoppelt, aber<br />
doch gesteigert hat. Auch im Bereich der roten Gentechnik sind positive<br />
Entwicklungen zu verzeichnen. Man kann aber nicht rote Gentechnik fördern<br />
und die grüne vollkommen ausbremsen, aus ideologischen Gründen.<br />
Mir fehlt eine ganzheitliche Strategie, wie wir Deutschland im Bereich<br />
der Bio-, Nano- oder optischen Technologie nach vorne bringen können.<br />
Das reicht eben vom Mathe-Unterricht in der Schule bis hin zu verstärkter<br />
Forschung an den Hochschulen. Von Bürokratieabbau bis Unternehmensförderung.<br />
Wir führen die Debatte um den Innovationsstau in Deutschland sehr<br />
wohl im Detail. Aber viele interessante Vorschläge werden durch<br />
tagesaktuelle Debatten schnell verschüttet.
</p>
<p>
<b>Teetrinker:</b> Wir reden immer davon, dass wir Eliten erzeugen müssen.<br />
Deutschland blutet sprichwörtlich aus, weil die existierenden Eliten<br />
ins Ausland gehen. Der jüngste Marketing-Professor Nordamerikas<br />
ist Deutscher, hat gerade das Land verlassen. Was möchten sie tun,<br />
um diese Eliten wieder nach Deutschland zu holen?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> In der Tat haben im Jahr 2002 111.000 Menschen Deutschland<br />
verlassen, davon 25.000 Wissenschaftler im Jahr 2003 waren es schon<br />
117.000, Tendenz steigend. Was wir brauchen, ist 1. Innovationspolitische<br />
Leitvisionen und Innovationsstrategien in Wirtschaft, Wissenschaft und<br />
Politik. 2. Unsere Hochschulen brauchen die Freiheit zu mehr Profilbildung,<br />
mehr Geld. 3. Wir müssen ideologisch motivierte Wissenschafts-<br />
und Forschungsdebatten beenden. Wir waren mal das Land der Dichter und<br />
Denker, Naturwissenschaftler und Ingenieure. Das müssen wir wieder<br />
werden. 4. Wir brauchen einen stärkeren Schulterschluss zwischen<br />
Politik und Wissenschaft. Wissenschaftler müssen spüren, dass<br />
sie und ihre Arbeit willkommen sind, und dass es um mehr als Lippenbekenntnisse<br />
geht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Umsetzungsproblem, bei denen die es tun müssen,<br />
den Bundesländern:
</p>
<p>
<b>koksio:</b> Von der Autonomie der Hochschulen haben die Wissenschaftsminister<br />
der Länder stets nur geredet, trauen den Rektoren und akademischen<br />
Gremien aber nicht über den Weg. Wie kann sich das ändern?
</p>
<p>
<b>Schavama:</b> Deutschen Ministerialbürokraten in den Ländern<br />
dürfte ein längerer Lernprozess bevorstehen. Sie sind es in<br />
der Regelungswut gewohnt, die Hochschulen bis ins kleinste Detail fernzusteuern.<br />
Wie wollen sie das ändern? Beamtenstatus abschaffen bei Hochschullehrern?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und bei den Ministerialbürokraten?
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Wenn wir das Hochschulrahmengesetz auf Bundesebene<br />
deutlich entschlacken, müssen auch natürlich die Länder<br />
die Hochschulen &quot;in die Freiheit entlassen&quot;. Baden-Württemberg<br />
tut dies bereits. Der BAT in seiner jetzigen Form ist in der Tat so<br />
für die Wissenschaft nicht zu halten. ..
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> … BAT = Bundesangestelltentarif …
</p>
<p>
<b>Katherina Reiche:</b> Auch bei der Verbeamtung von Professoren wird es<br />
Veränderungen geben müssen. Leistung muss sich auch da mehr<br />
lohnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Stunde ist um, vielen Dank für Ihr Interesse.<br />
Vielen Dank, Frau Reiche, dass Sie zu uns gekommen sind. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Noch ein Terminhinweis:<br />
am Mittwoch, 21. Januar, chattet Bundestagspräsident Wolfgang Thierse<br />
(SPD) um13.00 Uhr. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><b>Katherina Reiche:</b> Ich bedanke mich bei den Usern und vor allem bei<br />
dem netten Team vor Ort für den Gedankenaustausch. Bleiben Sie<br />
tacheles.02 gewogen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es_muss_hochschulen_gestattet_werden_studienbeitraege_zu_erheben-256/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Paragraf 52a &#8211; Hintergrund &#038; Folgen für die Praxis</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzrechturh11-shtml-2908/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/netzrechturh11-shtml-2908/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Änderung des Urheberrechts, welche es (Hoch-)Schulen erlaubt, Materialien in digitaler Form begrenzten Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen, wird von Dr. Markus Junker, Rechtsanwalt, erläutert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Änderung des Urheberrechts, welche es (Hoch-)Schulen erlaubt, Materialien in digitaler Form begrenzten Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen, wird von Dr. Markus Junker, Rechtsanwalt, erläutert.<!--break-->
                    </p>
<p>Kaum haben sich nach der Reform des Urhebervertragsrechts<br />
                    <a href="/edemocracy/netzrecht/index.shtml#urheber">die Wogen geglättet</a>, so schlägt eine erneute Änderung des Urheberrechts hohe Wellen. Im Zuge der<br />
                    <a href="/edemocracy/netzrecht/index.shtml#urh">Anpassung des Urheberrechts an die Informationsgesellschaft</a> hat zunächst der<br />
                    <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/index.shtml#nere">Streit um die Privatkopie und technische Schutzmaßnahmen</a> die Diskussion beherrscht. Von ähnlicher Brisanz ist der Streit um die Einführung eines neuen Rechts für Schulen und Hochschulen, Materialien für Zwecke des Unterrichts oder der Forschung in Intranets oder anderen bestimmt abgegrenzten Nutzergruppen digital zur Verfügung zu stellen. Der folgende Artikel soll den rechtlichen Hintergrund erläutern und die Folgen für die Praxis aufzeigen.</p>
<p>
                    <strong>Anpassung des Urheberrechts an die Informationsgesellschaft</strong><br />
                    <br />Nach geltendem Recht darf ein Lehrer in seiner Klasse zum Unterrichtsgebrauch beispielsweise Kopien von Aufsätzen auf Papier herstellen und an die Schülerinnen und Schüler verteilen. Ein Hochschullehrer darf das nicht, denn – so der Gesetzgeber – die Studierenden sollen selbst dafür verantwortlich sein, sich ihre Arbeitsmaterialien zu beschaffen. Für Prüfungszwecke dürfen aber auch in Hochschulen Kopien solcher Texte gemacht und an die Studierenden ausgeteilt werden. Hierfür zahlen Schulen und Hochschulen an die Verwertungsgesellschaft WORT eine angemessene Vergütung, die zum Teil durch Gesamtverträge geregelt ist.<br />
                    <br />Nachdem nun die Schulen am Netz und mit Computern ausgestattet sind und Intranets in Forschung und Lehre Einzug halten, will der Gesetzgeber die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass derselbe Aufsatz den Schülern und Studierenden nicht nur in Papier, sondern auch am Computerbildschirm zugänglich gemacht werden darf.<br />
                    <br />Grundlage hierfür ist Paragraph 52a im Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung einer EG-Richtlinie zum „Urheberrecht in der Informationsgesellschaft“. Nachdem der Bundestag das Gesetz im April diesen Jahres nach langer Diskussion und insbesondere lange nach Ablauf der Umsetzungsfrist im Dezember des vergangenen Jahres beschlossen hatte, hat der Bundesrat den Vermittlungsausschuss angerufen und damit den Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens erneut verzögert. Im Juli haben Bundesrat und Bundestag das „Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft“ gebilligt, so dass es mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 13. September in Kraft treten konnte.</p>
<p>
                    <strong>Die Neuregelung im Überblick</strong><br />
                    <br />In Zukunft wird es zulässig sein, unter bestimmten Voraussetzungen urheberrechtlich geschützte Materialien wie Texte und Bilder zu digitalisieren und beispielsweise im Intranet einer Schule oder Hochschule für Unterricht oder Forschung zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug ist eine angemessene Vergütung zu zahlen, wobei der Anspruch nur durch eine Verwertungsgesellschaft (wie beispielsweise die VG WORT) geltend gemacht werden kann.</p>
<p>• Gesetzliche Lizenz<br />
                    <br />Eine Schule oder Hochschule, die Materialien in ihr Intranet einstellen möchte, verfügt nach der neuen Regelung also über eine sog. „gesetzliche Lizenz“, d.h. sie muss nicht mehr mit den Verlagen über den Abschluss eines Lizenzvertrages verhandeln, sondern lediglich einen bestimmten Betrag an eine Verwertungsgesellschaft zahlen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da zumindest die großen Verlagskonzerne in der Regel die Möglichkeit haben, die Lizenzgebühren zu „diktieren“.</p>
<p>• Keine Geltung für Schulbücher<br />
                    <br />Der Gesetzgeber möchte es nur in zwei Fällen bei dem Erfordernis eines individuellen Abschlusses solcher Verträge belassen, nämlich zum einen bei Filmen, bevor diese nicht zwei Jahre in deutschen Kinos gelaufen sind, und zum anderen bei Schulbüchern („Werke, die für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt sind“). Für digitale Schulbücher hat der Gesetzgeber aber an anderer Stelle eine Änderung vorgesehen (§ 46 UrhG).</p>
<p>• Enge Voraussetzungen<br />
                    <br />Die gesetzliche Lizenz gewährt der Gesetzgeber – wie bereits erwähnt – nur unter engen Voraussetzungen. Schulen und Hochschulen werden in Zukunft genau zu prüfen und durch organisatorische Maßnahmen sicherzustellen haben, dass diese Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind. Ansonsten drohen zivil- und strafrechtliche Sanktionen. Die Einstellung in ein Intranet darf erstens nur „zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen, Hochschulen, nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung sowie an Einrichtungen der Berufsbildung“ bzw. für die „eigene wissenschaftliche Forschung“ erfolgen. Außerdem dürfen nicht zugleich kommerzielle Zwecke verfolgt werden. Die Werke dürfen zweitens nur einem „bestimmt abgegrenzten Kreis“ von Unterrichtsteilnehmern bzw. Personen zugänglich gemacht werden, beispielsweise einer Schulklasse oder einem Forscherteam. Es ist also nicht zulässig, Materialien in ein universitätsweites Intranet für alle Studierenden oder der Einfachheit halber sogar für die „Community“ in das Internet einzustellen. Schließlich soll die gesetzliche Lizenz auch nicht alle urheberrechtlich geschützten Materialien erfassen, sondern nur Werke geringen Umfangs, einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften sowie veröffentlichte bzw. zu Unterrichtszwecken sogar nur veröffentlichte kleine Teile eines Werkes. Unbegründet ist also auch der Verdacht, der Gesetzgeber wolle die Digitalisierung ganzer Bibliotheksbestände ermöglichen.</p>
<p>
                    <strong>Folgen für die Praxis</strong><br />
                    <br />„Der geplante § 52 des Urheberrechtsgesetzes gefährdet die Zukunft von Wissenschaft, Forschung und Verlagen in Deutschland“. – So lautet die These der Initiative „www.52a.de &#8211; Verlage und Wissenschaftler für ein faires Urheberrecht“. Insbesondere die Verlage haben daher durch aufwändige Kampagnen, gezieltes Lobbying sowie durch Rechtsgutachten zur Vereinbarkeit mit Verfassungs- und Europarecht versucht, auf das Gesetzgebungsverfahren in ihrem Interesse Einfluss zu nehmen.<br />
                    <br />Die Verlage behaupten, die Bibliotheken bräuchten nur noch ein einziges Lehrbuch oder eine einzige Fachzeitschrift, um die Netzwerke aller Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland mit digitalen Kopien für Forschungszwecke versorgen zu können. Von Bibliotheken ist in der Regelung aber überhaupt nicht die Rede.<br />
                    <br />Nach Ansicht der Verlage drohen zudem erhebliche Umsatzrückgänge – vorgeblich insbesondere für deutsche und kleine wissenschaftliche Verlage und zum Schaden der Wissenschaftler. Wäre das geistige Eigentum nicht mehr geschützt, würden in Zukunft Investitionen im Bereich des „Electronic Publishing“ verhindert.<br />
                    <br />Man mag sich über die juristischen Einzelheiten bei der Formulierung des Paragrafen 52a mit Recht streiten. Dass die behaupteten dramatischen wirtschaftlichen Konsequenzen eintreten, ist jedoch nicht zu befürchten. Zur Sicherheit hat der Gesetzgeber sogar vorgesehen, die Geltung der Vorschrift bis zum 31.12.2006 zu befristen (§ 137k UrhG-E).<br />
                    <br />Die wirtschaftlichen Interessen der Verlage sind zwar verfassungsrechtlich geschützt. Eigentum verpflichtet jedoch auch. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Der Gesetzgeber hat daher bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Eigentums ebenfalls die im Verfassungsrang stehenden Interessen von Bildung, Wissenschaft und Forschung zu berücksichtigen. Diese leben vom Informations- und Wissensaustausch.<br />
                    <br />Die Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries hat daher den Paragrafen 52a verteidigt: „Die moderne Wissenschaft ist darauf angewiesen, effektiv zu kommunizieren und zu kooperieren. Das geschieht heute über Intranets und dieser Realität müssen wir uns stellen“.<br />
                    </p>
<p>Dr. Markus Junker ist Rechtsanwalt im Münchner Büro der PricewaterhouseCoopers Veltins Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 28.08.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8216;Nichts könnte schlimmer sein, als Stammzellen wie Bananen zu behandeln.&#8217;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Nov 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
		<category><![CDATA[Spiros Simitis]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Nationaler Ethikrat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Spiros Simitis, Vorsitzender des Nationalen Ethikrates und Datenschutzexperte</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Spiros Simitis, Vorsitzender des Nationalen Ethikrates und Datenschutzexperte</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ssimitis_transcript.jpg" alt="Spiros Simitis" align="left" height="134" width="112" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Genforschung<br />
und Datenschutz liegen vermeintlich weit auseinander. Trotzdem kamen im<br />
Chat mit Spiros Simitis sowohl die Stammzellenforschung als auch das<br />
Sicherheitspaket von Innenminister Schily zur Sprache. Kein Wunder,<br />
denn der Professor der Rechtswissenschaften ist Vorsitzender des<br />
Nationalen Ethikrates und war einer der ersten Datenschutzbeauftragten<br />
in Deutschland. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Zunächst<br />
jedoch musste Spiros Simitis die Aufgaben des Nationalen Ethikrates<br />
erklären, insbesondere in Abgrenzung zur Enquete-Kommission: &quot;Beides<br />
sind sehr verschiedene Gremien. Enquete-Kommissionen werden vom<br />
Bundestag eingesetzt, zu sehr unterschiedlichen Fragen, und bestehen<br />
für eine Legislaturperiode. Der Ethikrat ist zeitlich nicht gebunden<br />
und ist zunächst von der Bundesregierung eingesetzt worden. Er ist aber<br />
völlig unabhängig.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Der<br />
Ethikrat beschäftige sich u.a. auch mit der Stammzellenforschung. Auf<br />
das Problem des Grauimports von Stammzellen angesprochen meinte<br />
Simitis: &quot;Weil der Gesetzgeber sich nicht ausdrücklich geäußert hat,<br />
ja, überhaupt nicht darauf eingegangen ist, bedarf es einer besonderen<br />
Aussage. Die muss letztlich auch der Gesetzgeber fällen. Die<br />
Stellungnahmen der Enquetekommissionen und des Ethikrates bahnen den<br />
Weg dazu.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Auf<br />
die Relevanz einer deutschen Gesetzgebung angesprochen, gestand Simitis<br />
ein, dass man die gentechnische Forschung weltweit wohl kaum<br />
kontrollieren könne. Er ergänzte jedoch: &quot;Das entbindet uns nicht von<br />
der Verpflichtung, nach Regelungen zu suchen, die unseren auch und<br />
gerade im Grundgesetz verankerten Prinzipien entsprechen.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Simitis<br />
forderte zudem zusätzliche Maßnahmen auf europäischer Ebene: &quot;Wir<br />
brauchen unbedingt gemeinsame Regelungen. Ein Beispiel: Wenn die<br />
Stammzellen aus Göteborg importiert werden sollten, muss es gemeinsame<br />
Grundsätze geben, ansonsten landen wir vor dem europäischen<br />
Gerichtshof. Und nichts könnte schlimmer sein, als Stammzellen wie<br />
Bananen zu behandeln.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Das<br />
andere große Thema des Chats war der Datenschutz. Von 1975 bis 1991 war<br />
Spiros Simitis Datenschutzbeauftragter in Hessen. Seine Einschätzung<br />
von Innenminister Schilys Sicherheitspaket war eindeutig: &quot;Ich bin sehr<br />
kritisch diesen Vorschlägen gegenüber. Ich meine, sie sind zu schnell<br />
gemacht worden, sie nehmen nicht zur Kenntnis, was gegenwärtig bereits<br />
gemacht werden kann, sie geben keine Antwort auf die Frage, warum genau<br />
in welchem Zusammenhang und mit welchen Konsequenzen so weitreichende<br />
Maßnahmen erforderlich sind, und sie bedürfen einer gründlichen<br />
Korrektur.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Fingerabdrücke<br />
im Personalausweis hielt Simitis für überflüssig, sie wären in anderen<br />
Ländern eingeführt und nach kurzer Zeit wieder abgeschafft worden.<br />
Ähnlich wie beim geplanten Gesundheitspass (&quot;Auch das ein<br />
Schnellschuss.&quot;) würden nur Unmengen von sensiblen Daten angehäuft,<br />
deren Nutzen eher gering, die aber dafür offen für Missbrauch seien:<br />
&quot;Wenn solche Sammlungen bestehen, wächst der Appetit. Und Datenschutz<br />
ist ein Appetitzügler.&quot;<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/politik/chataktuell/archiv/5150_36270.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">
<p>
			&nbsp;
			</p>
<p>			<center><br />
			<i><a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Kommentieren<br />
			Sie diesen Artikel!</span></a></i><br />
			</center></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td align="center">&nbsp;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b></b></span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Embryonenforschung wird kommen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_embryonenforschung_wird_kommenquot-367/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Sep 2001 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Genforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Ernst-Ludwig 
Winnacker, Präsident der DFG</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chat mit Ernst-Ludwig<br />
Winnacker, Präsident der DFG</b></span><!--break--> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ewinnacker4.jpg" align="left" height="134" width="112" /><b>Moderator:</b><br />
Sehr geehrter Herr Professor Winnacker, wir heissen Sie ganz herzlich im dritten<br />
gemeinsamen Chat von politik-digital und der DFG willkommen. Sie nehmen sich<br />
heute zwei Stunden Zeit, um über das Potential der Genforschung für die Medizin<br />
der Zukunft zu sprechen. Sicher werden wir auch auf die Risiken der Genforschung<br />
zu sprechen kommen. Fangen wir aber erst einmal bei den grundsätzlicheren Fragen<br />
an:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Worin unterscheiden sich adulte und embryonale Stammzellen? Adulte<br />
Stammzellen sind doch ethisch unbedenklich!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Adulte Stammzellen sind in einer späteren Phase<br />
der Entwicklung als embryonale Stammzellen. Adulte Stammzellen lassen sich in<br />
der Regel nicht gut zum Teilen anregen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mkn:</b> Sehen Sie einen ethisch-moralischen Unterschied zwischen der Nutzung<br />
embryonaler beziehungsweise adulter Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Darum geht ja die ganze<br />
Diskussion.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Warum besteht da ein Unterschied?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil embryonale Stammzellen aus Embryonen in<br />
einem sehr frühen Stadium ihrer Entwicklung hergestellt werden. Dies führt zur<br />
Zerstörung des Embryos.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KleinerOnkel:</b> Kann man mit der Stammzellenforschung nicht warten, bis<br />
man mit adulten Stammzellen arbeiten kann?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Warten kann man immer! Die Frage ist, ob man<br />
adulte Stammzellen überhaupt ohne embryonale Stammzellen bearbeiten kann und<br />
auf eine Therapie hin entwickleln kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Äule:</b> Woher kommen eigentlich embryonale Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wenn der Embryo sich bis zum 100. Zellstadium<br />
entwickelt hat, sieht er aus wie ein Hohlkugel. Im Innern dieser Kugel befinden<br />
an einer Stelle circa 10 bis 20 Zellen, die man isolieren und als embryonale<br />
Stammzellen in Kultur vermehren kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Das ist die biologische Erklärung, wie ist es mit der Verwendung<br />
von embryonalen Stammzellen? Ist das in Deutschland erlaubt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Herstellung von embryonalen Stammzellen<br />
ist in Deutschland verboten, weil gemäß Embryonenschutzgesetz eine fremdnützige<br />
Verwendung von Embryonen untersagt ist. Die Herstellung von embryonalen Stammzellen<br />
wäre eine solche fremdnützige Nutzung. Nicht verboten ist aber die Verwendung<br />
bereits im Ausland hergestellter Zellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kurtmmayer:</b> Sollen deutsche Forscher die Möglichkeit bekommen, embryonale<br />
Stammzellen im Land herzustellen, oder genügen die im Ausland vorhandenen Linien?<br />
Und: Muss das Embryonenschutzgesetz geändert werden, um Linien in Deutschland<br />
herstellen zu dürfen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Derzeit genügen vermutlich die bereits im Ausland<br />
hergestellten Zellinien. Sollte sich herausstellen, daß sie nicht genügen, und<br />
dafür gäbe es sicherlich Gründe, hat die DFG vorgeschlagen, in Überlegungen<br />
einzutreten, das Embryonenschutzgesetz diesbezüglich zu ändern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Faust2:</b> Warum halten sie es für notwendig importierte Embryonen zu Forschungszwecken<br />
zu verwenden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil wir die Mechanismen der Reifung von Zellen<br />
bislang nicht verstehen. Dies müssen wir aber, um am Ende entweder adulte oder<br />
embryonale Stammzellen medizinisch einsetzen zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Vielleicht mal ganz grundlegend: Für welche medizinischen<br />
Zwecke braucht man embryonale Stammzellen, für welche Zwecke adulte Stammzellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Prinzip für die Behandlung sogenannter degenrativer<br />
Erkrankungen, also von Krankheiten die durch den Verlust von Zellen entstehen,<br />
zum Beispiel Parkinson, Multiple Sklerose, vielleicht Herzinfarkt etc.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ist es bei diesen Krankheiten unerheblich, ob es sich um<br />
adulte oder embryonale Stammzellen handelt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nicht unbedingt. Das wissen wir eben nicht.<br />
Das entwicklungsbiologische Potential der verschiedenen Zellen ist unterschiedlich.<br />
Außerdem stehen bei adulten Stammzellen nicht beliebig viele Quellen zur Verfügung.<br />
Realistisch vielleicht nur Stammzellen des blutbildenden Systems oder der Haut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Wie weit sind die Forschungen an tierischen Stammzellen vorangeschritten?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Embryonale Stammzellen der Maus gibt es seit<br />
1981 (Evans). Embryonale Stammzellen des Menschen erst seit Ende 1998. Adulte<br />
Stammzellen sind in der Maus ebenfalls seit längerem bekannt, auch beim Menschen.<br />
Daß sie sich aber ineinander umwandeln können ist, genauso wie die Tatsache,<br />
daß es Stammzellen im Gehirn gibt. Es gibt also noch Hoffnung für uns alle,<br />
auch für die über 60-jährigen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter:</b> Befürworten sie eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Derzeit ist dies nicht notwendig. Wenn denn<br />
die existierenden Stammzellinien nicht ausreichen, dann sollte man dies ins<br />
Auge fassen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Lassen sich Stammzellen überhaupt in den Mengen und der<br />
Reinheit produzieren, die für einen therapeutischen Einsatz erforderlich wären?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist genau das Problem, weswegen noch sehr<br />
viel Forschung in diese Systeme investiert werden muss. Adulte Stammzellen,<br />
etwa des blutbildenden Systems, muß man aus Knochenmark isolieren und kann sie<br />
nicht einfach beliebig vermehren. Embryonale Stammzellen teilen sich, aber müssen<br />
natürlich in geeigneten Mengen dann auch umgewandelt werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cornelia:</b> Wie viele Embryonen benötigt man in einem Jahr in Deutschland<br />
schätzungsweise für die Forschung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Moment gar keine. Es ist verboten. Man arbeitet<br />
auf diesem Felde mit sogenannten Zellinien. Die Herstellung einer solchen Linie<br />
bedarf sicher einiger Versuchsansätze, vielleicht fünf Embryonen. Dann aber<br />
kann man die Linien in Kultur halten und vermehren. In der Maus werden heute<br />
fünf solcher Zellinien für 95% aller Versuche verwendet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Was sind Zelllinien?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das sind Zellen, die man einmal aus einem Organ<br />
isoliert und dann in Kultur in einer Nährflüssigkeit hält. Dort teilen sie sich.<br />
Wenn die Petrischale gefüllt ist, nimmt man ein Drittel der Zellen und züchtet<br />
sie weiter. Die anderen zwei Drittel friert man ein, um sie bei Gelegenheit<br />
wieder zu verwenden. Bei menschlichen Zellen kann man dies nicht beliebig oft<br />
machen. Sie durchlaufen nach 50 Teilungen eine sogenannte Krise und sterben<br />
alle. Krebszellen haben diese Eigenschaft nicht und lassen sich immer weiter<br />
züchten. Ähnliches gilt für embryonale Stammzellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>stammzelle:</b> Was ist der unterschied zwischen der Verwendung überschüssiger<br />
Embryonen und extra zu Forschungszwecken hergestellten Embryonen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Welche Stammzelle fragt? Adult?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wahrscheinlich &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Bei der künstlichen Befruchtung können Embryonen<br />
übrig bleiben, die nicht gebraucht werden, weil die Beteiligten entweder dazu<br />
nicht mehr in der Lage oder interessiert sind. Das geschieht selten, aber es<br />
geschieht. Diese Embryonen werden dann eingefroren und warten der Dinge die<br />
da kommen. Diese &#8211; und nur diese &#8211; überzähligen Embryonen sollen hier verwendet<br />
werden. Die Herstellung nur zu Forschungszwecken lehnen wir ab.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Embryonale Stammzellen besitzen aber, so weit mir bekannt ist,<br />
auch keine unbegrenzte Lebensdauer, das heißt, irgendwann wird es nicht vermeidbar<br />
sein, immer wieder neue Stammzellen zu generieren?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Maussystem sind die Mengen so groß, daß man<br />
in der Tat lange damit arbeiten kann. Im menschlichen System ist die Sache längst<br />
nicht so weit gediehen. Hier muß man sogar auf Feederlayer, zu deutsch Zellrasen<br />
von anderen Zellen züchten, was derzeit sicherlich das Arbeiten erschwert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Wie lange können diese Zellinien menschlicher embryonaler<br />
Stammzellen in Kultur gehalten werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In den Originalarbeiten ist zu lesen, daß sie<br />
über viele Monate hinweg gehalten werden können. Da es sie erst seit 1998 gibt,<br />
kann ich das nicht abschliessend beantworten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Wenn man nur mit einigen Zelllininen forscht, sind die Ergebnisse<br />
dann überhaupt allgemein gültig?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In der Regel schon. Es ist in der Tat aber wichtig,<br />
daß es schon einige Zellinien sind. In der Maus wissen wir, daß sie leicht unterschiedliche<br />
Entwicklungspotentiale aufweisen. Nun sind Menschen keine Mäuse, so dass auch<br />
hier Unsicherheiten bestehen. Deswegen muß eben auch mit diesen Linien gearbeitet<br />
werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kommen wir mal zum Einsatz der Stammzellen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anna:</b> Wie gut stehen die Chancen degenerative Erkrankungen mit Stammzellen<br />
zu heilen beziehungsweise zu stoppen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier über Forschung. Die Anwendung<br />
wird einige Jahre auf sich warten lassen. Immerhin werden Stammzellen des blutbildenden<br />
Systems schon in der Medizin eingesetzt, allerdings zu etwas anderen Zwecken,<br />
beispielsweise in der Therapie von Blutkrebs.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Welche Risiken müssen erforscht werden, bevor sich Stammzellen<br />
therapeutisch einsetzen lassen. Gibt es etwa Infektionsrisiken durch Viren der<br />
Mauszellen, auf denen die embryonalen Stammzellen kultiviert werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Viren sind sicherlich ein wichtiger Punkt. Weiterhin<br />
ist die Reinheit der Zellen ein Problem und auch die Frage der Transformation,<br />
also die Frage, ob sie nicht zur Krebsentstehung befähigt sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hinrich:</b> Bei Herz-Patienten werden körpereigene Stammzellen verwendet<br />
(letzte Woche gemeldet). Ist das keine Alternative?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Leider wissen auch die beteiligten Ärzte nicht,<br />
ob hier überhaupt Stammzellen eine Rolle gespielt haben. Ein einziger Fall ist<br />
eben keine Statistik. Ob adulte Stammzellen des blutbildenden Systems bei Herzinfarkt<br />
eine Alternative werden könnten, ist weiterhin offen. Wir hoffen es und unterstützen<br />
Forschungsarbeiten, die genau diese Frage bei der Maus untersuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kurz zur Info: Die Fragen zu moralischen Risiken kommen noch!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Ist es richtig, daß sich die potentiellen Zellersatztherapien<br />
auf Stammzellbasis vor allem zur Behandlung von Krankheiten eignen, die weit<br />
nach dem 50. Lebensjahr gehäuft auftreten (Alterdiabetes, Alzheimer, koronare<br />
Herzrankheiten)?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ist das eine Drohung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Nein<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das kann man so nicht sagen. Degenerative Erkrankungen<br />
gibt es auch bei ganz jungen Leuten, zum Beispiel MS oder Herzkrankheiten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gabrielczyik: Meine vorige Antwort bezog sich<br />
nicht auf ihre Frage, sondern die der Moderatorin.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Keine Drohung, Herr Winnacker &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Es geht schon los!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stammzelle:</b> Was wir eigentlich meinten: Warum darf an überschüssigen<br />
Embryonen geforscht werden? Wo ist der moralische Unterschied??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> An die Moderatorin. Sie sollten mich nicht immer<br />
ernst nehmen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig-Winnacker:</b> Überzählige Embryonen haben keinerlei Chance<br />
und Lebensperspektive mehr, so daß ich meine, dass man in dieser Hinsicht einen<br />
Abwägungsprozess durchführen darf zwischen menschlichem Leben, das keine alternativen<br />
Chancen mehr besitzt und den Interessen schwerkranker Patienten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mehnert:</b> Haben Sie selbst ethische oder auch moralische Vorbehalte hinsichtlich<br />
der Stammzellenforschung beziehungsweise der Genforschung überhaupt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Wenn Sie unsere Empfehlungen<br />
oder Äusserungen zu diesem Thema lesen, dann wird dies sehr deutlich. Seit 20<br />
Jahren publiziere ich über die Fragen der Chancen und Risiken der Gentechnik<br />
bei ihren verschiedenen Anwendungen am Menschen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>BiMi:</b> Denken sie nicht, dass es gegen ethische Grundsätze verstößt,<br />
generell an Embryonen zu forschen???<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> und andernfalls vernichtet würden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Hier ist etwas verloren gegangen &#8230; Ich werde<br />
es noch einmal versuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Danke.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir empfehlen auch nicht generell, an Embryonen<br />
zu forschen. Es geht nur um die erwähnten überzähligen Embryonen, die andernfalls<br />
vernichtet würden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Relikurs:</b> In welchem Stadium beginnt das menschliche, schützenswerte<br />
Leben?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Schützenswert ist es meiner Ansicht nach immer.<br />
Auch Ei- und Samenzellen &quot;leben&quot;. Individuelles Leben beginnt allerdings erst<br />
dann, wenn die Phase der Möglichkeit der Zwillingsbildung vorbei ist. In jedem<br />
Falle bin ich der Meinung, daß in diesen allerfrühesten Phasen ein abgestufter<br />
Lebensschutz postuliert werden kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Lange Zeit haben Sie sich öffentlich gegen die Forschung<br />
mit embryonalen Stammzellen gewandt. Dann haben Sie Ihre Meinung offenbar geändert.<br />
Was war für diesen Sinneswandel entscheidend??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es ist ziemlich einfach. Das Arbeiten mit embryonalen<br />
Stammzellen konnte man nicht gut empfehlen, solange es diese nicht gab. In den<br />
letzten Monaten hat es aber auf diesem Felde so große Fortschritte gegeben,<br />
daß man darüber die Öffentlichkeit informieren musste. Das ist die Aufgabe der<br />
DFG.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rutz:</b> Wie sieht dieser &quot;abgestufte Lebensschutz&quot; aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Er sieht so aus, daß wir eben nur mit überzähligen<br />
Embryonen arbeiten wollen. Bekanntlich ist der Embryo auch in seinen frühesten<br />
Entwicklungsphasen auch im Mutterleib nur sehr eingeschränkt geschützt. Nur<br />
etwa 20% der natürlicherweise entstandenen Embryonen kommen überhaupt bis zur<br />
Einnistung in dieGebärmutter.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hinrich:</b> Als MS-Betroffener lechze ich nach Hilfe. Ist Ethik und Moral<br />
nur eine Frage jener, die es sich leisten können?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Diese Frage dürfen Sie eigentlich mir nicht<br />
stellen. Wir versuchen ja gerade, in dieser Sache etwas zu unternehmen. Ohne<br />
die von uns befürwortete Grundlagenforschung wird es keine Entwicklungen geben,<br />
die Ihnen helfen könnten. In der Tat!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ungers:</b>Ich bin selbst seit sechs Jahren an MS erkrankt und trotzdem<br />
sehr skeptisch gegenüber der embryonalen Stammzellforschung.Glauben sie, daß<br />
sie eine Hoffnung ist?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich kann jedenfalls nicht ausschliessen, dass<br />
es keine ist. Deswegen muß ich als Wissenschaftler diesen Weg zu eröffnen versuchen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>g659574:</b> Gibt es für Sie Grenzen für den Wunsch, zu heilen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich. Die Forschungsfreiheit ist<br />
nicht absolut. Die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes sind für die Wissenschaft<br />
genauso wertvoll und verbindlich, wie für alle anderen auch.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Gutes Stichwort, kommen wir mal zu den rechtlichen Fragen,<br />
die hier aufkommen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nadine:</b> Wie sieht denn die rechtliche Situation der Stammzellenforschung<br />
aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> An adulten, gewebespezifischen Stammzellen kann,<br />
vorbehaltlich der Regeln des Standesrechts und Arzneimittelgesetzes etcc. gearbeitet<br />
werden. Die Herstellung embryonaler Stammzellen ist gemäß Embryonenschutzgesetz<br />
untersagt, ihre Verwendung aber nicht. Da in anderen Ländern die Herstellung<br />
erlaubt ist, wäre bei uns ein Import solcher Zellinien möglich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chris:</b> Ist das nicht paradox?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In der Tat. Deswegen haben wir auch empfohlen,<br />
für den Fall, daß diese Zellen nicht wissenschaftsadäquat import werden können,<br />
das heißt gemäß unserer eigenen Auflagen und Vorstellungen, diese auch bei uns<br />
hergestellt werden müssten. Dies erschien uns ehrlicher, als allein auf den<br />
Import zu setzen und die Forschungsrisiken samt ihrer moralischen Implikationen<br />
auf andere abzuwälzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wieder zum Rechtsrahmen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sylvia:</b> Wie stellen sich sich eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes<br />
vor und in wie weit können Sie dabei auschließen, dass Artikel 1 des Grundgesetzes<br />
verletzt wird ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Embryonenschutzgesetz kann nur der Gesetzgeber,<br />
also der Bundestag, ändern. Vielleicht ist dies aber auch gar nicht nötig. Meiner<br />
Ansicht nach ist eben die Menschenwürde von solchen Embryonen nicht verletzt,<br />
die keinerlei Chancen haben, zu Menschen zu werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>informationer:</b> Meiner Meinung nach sollte der Widerspruch zwischen Artikel<br />
2 und 5 GG geklärt werden, welche den Schutz menschlichen Lebens sowie die Freiheit<br />
der Forschung regeln und sich bis jetzt in diesem Punkt widersprechen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Da sehe ich keinen Widerspruch. Artikel 5 gilt<br />
nicht uneingeschränkt und ist den Artikeln 1 und 2 nachgeordnet. Menschenwürde<br />
und menschliches Leben haben immer Vorrang. Aber auch Schwerkranke haben Menschenwürde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Herr Winnacker, hier sind echte Freiwillige aufgetaucht:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie:</b> Ich halte die Stammzellforschung für hoffnungsvoll. Kann ich<br />
mich freiwillig zur Eizellspende melden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eizellspenden sind nur einer Spenderin erlaubt,<br />
die sich der künstlichen Befruchtung für sich selbst unterziehen will. Der Spende<br />
geht ja eine sehr belastende medizinische Behandlung voraus, die sogenannte<br />
Superovulation, die ihre Risiken birgt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Kurzer Einschub: Da wir leider nicht alle der zahlreichen<br />
Fragen im Chat beantworten können, hat die DFG eine Service-Hotline geschaltet.<br />
Nach dem Chat können Sie dort ihre Fragen an die Experten der DFG richten. Die<br />
kostenlose Nummer lautet: 0800-5600969<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Mal grundlegend gefragt:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Sieht sich die &#8216;deutsche Wissenschaft&#8217; einem höheren Rechtfertigungsdruck<br />
gegenüber der Öffentlichkeit ausgesetzt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Diskussion über diese Fragen finden in vielen<br />
Ländern statt. Angesichts unserer Geschichte und angesichts der rechtlichen<br />
Situation verläuft sie bei uns allerdings unter veränderten Randbedingungen.<br />
Diese hat auch die Wissenschaft zu berücksichtigen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>informationer:</b> Wie sehen sie die rechtliche Entwicklung weltweit? Ist<br />
hier überhaupt noch eine Kontrolle möglich? Speziell in den USA habe ich starke<br />
rechtliche Bedenken!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Selbstverständlich sind hier Kontrollen möglich.<br />
Präsident Bush erlaubt ausschließlich die Forschung mit öffentlichen Mitteln<br />
an Zellinien, die bis zum 9. August hergestellt waren. Wir und andere bemühen<br />
uns, diese Fragen international zu regeln, um die Übersicht über die existierenden<br />
Zellinien zu behalten, beziehungsweise zu bekommen. Das ist auch aus rein wissenschaftlichen<br />
Gründen wichtig.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabrielczyk:</b> Was nützt aus Ihrer Sicht ein Verbot des therapeutischen<br />
Klonens in Deutschland, wenn es in anderen Staaten, wie etwa Großbritannien,<br />
gleichzeitig unter strengen Auflagen möglich ist? möglich<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt eben ein internationales Rechtsgefälle.<br />
Das enthebt mich nicht der Verpflichtung darauf hinzuweisen, daß diese Technologie<br />
beträchtliche Risiken wissenschaftlicher und ethischer Natur besitzt, und daß<br />
es zunächst im Tierversuch bearbeitet werden muß. Bekanntlich entstehen beim<br />
Kerntransfer a la Dolly geklonte Tiere nur in geringsten Ausbeuten und mit vielerlei<br />
Missbildungen. Ursache hierfür ist die stochastische Natur der Reprogrammierungsprozesse,<br />
die hier nötig, aber nicht verstanden sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>konrad:</b> Sehen Sie eine Gefahr für den Wissenschaftsstandort Deutschland<br />
bei einem eventuellen Verbot der Forschung an ES-Zellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Für den Wissenschaftsstandort, ja!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Befürchten Sie nicht, daß fähige Wissenschaftler unter diesen<br />
Bedingungen ins Ausland gehen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Im Moment nicht, da, wie erwähnt, das Arbeiten<br />
mit embryonalen Stammzellinien nicht verboten ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beni:</b> Wieviel Geld wird eigentlich in die Embryonenforschung investiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> In Deutschland nichts. In das Arbeiten mit adulten<br />
Stammzellen investiert allein die DFG circa 5 bis 6 Mio DM pro Jahr.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ChrisS:</b> Warum werden die Bonner Forscher nicht engagierter gefördert<br />
?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil die öffentliche Diskussion voll im Gange<br />
ist und der Bundestag gebeten hat, bis zur Entscheidung des Ethikrates beziehungsweise<br />
der Enquetekommission und seiner Entscheidung hierzu zu warten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b>Stichwort Enquetekommission:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Welche Rolle spielt der Nationale Ethikrat bei der Diskussion<br />
über Stammzellforschung?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Er ist ein vom Bundeskanzler eingesetztes Beratungsgremium.<br />
Seine Meinung wird sicherlich in der Öffentlichkeit gehört werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Und die Enquetekommission, was macht die?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Enquetekommission hat wohl ein sehr viel<br />
breiteres Mandat und befasst sich längst nicht nur mit Stammzellforschung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Snethlage:</b> Wieviel Einfluß besitzt der Nationale Ethikrat auf die Entscheidungsfindung<br />
im Bundestag?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Da müssen sie die Mitglieder des Bundestages<br />
fragen!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul:</b> Sie sind ja auch Mitglied bei der Ethikkommision: Wie ist dort<br />
der Stand der Diskussion (quasi aus erster Hand!)?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bin Mitglied im Nationalen Ethikrat. Er<br />
wird sich bis Ende des Jahres mit der Frage des Imports von Stammzellinien befassen.<br />
Er hat aber erst zweimal getagt, um sich überhaupt erst einmal kennen zu lernen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Breher:</b> Werden auch die deutschen &quot;Akademien der Wissenschaft&quot; zu diesen<br />
Problemstellungen befragt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Jeder kann sich in diesem Lande zu dieser Frage<br />
äußern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Ist die Entscheidung des Ethikrates für die Forschung bindend?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker: </b>Für die Forschung bindend ist das Gesetz, mit<br />
anderen Worten der Deutsche Bundestag. Der Ethikrat ist eine beratende Instanz.<br />
Wenn bis 7.12. die Rechtslage nicht geändert ist, wird die DFG auf der Basis<br />
des geltenden Rechts entscheiden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Ein wissenschaftliches Einzelschicksal:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>anne:</b> Ich würde gerne wissen, warum bis heute der bereits im letzten<br />
Jahr von Dr. Brüstle/Dr. Wiesler von der Uni Bonn gestellte Forschungsantrag<br />
mit embryonalen Stammzellen zwecks MS-Heilungsabsichten noch immer auf &quot;Eis<br />
liegt&quot;, obwohl das Importieren und somit Forschen mit embryonalen Stammzellen<br />
eigentlich erlaubt ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil höchste Vertreter dieses Staates, inklusive<br />
der Bundestag, die DFG gebeten haben, diese Entscheidung zurückzustellen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die DFG-Service Hotline zum Thema Genforschung ist nach dem<br />
Chat geschaltet: 0800-5600969. Machen wir zum schluss noch mal einen Querschnitt<br />
durch die wichtigsten Themengebiete.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Bitte!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sozusagen ein Frequently Asked &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jojo:</b> Ich fände es wirklich interessant zu wissen, wann &quot;menschliches<br />
Leben&quot; nach der Definition von Herrn Winnacker beginnt &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzellen.<br />
Aber: Auch Samen- und Eizellen sind für sich menschliches Leben. Menschliches<br />
Leben hat letztlich keinen Anfang und Ende, sondern ist ein Kreisprozess, der<br />
sich immer wieder auf die Keimzellen reduziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zu den Embryonen:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jeanne:</b> Liegt nicht das Risiko darin, dass man eines Tages viele Zellen<br />
brauchen und deshalb Embryonen züchten wird?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist, nach allem was wir aus tierischen Systemen<br />
wissen, eben nicht zu erwarten. Adulte Stammzellen beispielsweise würden immer<br />
nur für einen einzigen Patienten gewonnen. Embryonale Stammzellen lassen sich<br />
vermehren, und stehen daher unbegrenzt zur Verfügung. In der Maus ist dies jedenfalls<br />
so.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>miriam:</b> Wo sind die Grenzen der Genforschung und vor allem wer kann<br />
entscheiden wo sie liegen ?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Jedenfalls nicht die Wissenschaft. Zu entscheiden<br />
hat der Souverän. Die Grenzen liegen beim Umgang mit dem Menschen, und damit<br />
mit den bereits diskutierten Punkten Menschenwürde etccc.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>RalphNeumann:</b> Was halten Sie von dem Vorschlag (der von einem Autor<br />
aus der FAZ stammt &#8211; näheres weiß ich leider nicht mehr), Stammzellen &quot;zentral&quot;<br />
von einer Organisation weltweit zu vergeben? Dies würde weitgehend soziale,<br />
rechtliche und ethische Regelungen auf internationaler Ebene ermöglichen und<br />
denen, die nicht im geheimen in diesem Bereich forschen wollen, eine rechtliche<br />
Absicherung ermöglichen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker: </b>Die DFG hat in ihren Empfehlungen in der Tat<br />
gefordert, im Sinne der Transparenz und der Standardisierung der Arbeit genau<br />
das zu tun. Vorgespräche und Überlegungen hierzu sind längst im Gange.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Welche Organisation käme da in Frage?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine möglichst autonome Instanz, wie zum Beispiel<br />
die Fertility Authority in England. Dies wäre uns durchaus ein Vorbild. Denkbar<br />
wäre auch ein Modell à la ZKBS (Zentrale Kommission für die biologische Sicherheit),<br />
die sich schon seit 23 JAhren bei uns bewährt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Wie verhält es sich mit Stammzellen aus Nabelschnurblut &#8211; sind<br />
sie eher zu den adulten Stammzellen zu rechnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eher zu den adulten. Aber: Das Problem ist,<br />
es gibt nur sehr wenige davon. Die Hoffnung besteht darin, diese in Zukunft<br />
besser züchten zu können. Ich glaube, es gibt nur 1500 bis 5000 Zellen im Nabelschnurblut.<br />
In diesem Zustand ist eben alles noch sehr klein. Aber: Es gibt in Düsseldorf<br />
eine Bank, wo man sich einfrieren lassen kann, ich meine, das Nabelschnurblut.<br />
Man merkt die zwei Stunden!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wir sind auch bald am Ende, in Sachen Chat zumindest!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bundesgesundheitsmin:</b> Wie denken Sie, sieht die entfernte Zukunft der<br />
embryonalen Stammforschung aus?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Sie wird kommen. Wir wünschen uns, daß es die<br />
von uns angestrebten und vorgeschlagenen internationalen Lösung geben wird.<br />
Ob am Ende embryonale Stammzellen oder adulte therapeutisch Bedeutung gewinnen<br />
und in welchem Therapiefeld, ist offen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>saba:</b> Ist es nicht möglich, den Menschen durch Information in einer<br />
Sprache, die sie verstehen, sprich umgangssprachlich, die Angst vor der Forschung<br />
mit Stammzellen zu nehmen? Dieses Interview ist ein Ansatz, aber auch Tage der<br />
offenen Tür in Forschungseinrichtungen etc. &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Sie sagen es: Ich versuche es immer wieder.<br />
Wir wissen alles über Mallorca, aber nur wenig über die frühesten Phasen unserer<br />
Entwicklung. Ich erinnere an den Wissenschaftssommer nächste Woche in Berlin,<br />
wo alles gut erklärt wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Wissenschaftsommer?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Der Wissenschaftssommer beginnt nächste Woche<br />
in Berlin. Auftakt ist eine Veranstaltung mit dem Bundeskanzler am 12. September,<br />
nachmittags auf dem Marlene Dietrich Platz. Ein passender Ort.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Noch zwei Fragen, Herr Winnacker:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dalderson:</b> Haben Sie überhaupt noch Zeit, selber zu forschen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Leider nein! Aber zu denken!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Schon fast ein gutes Schlusswort &#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gizmo:</b> Hätten Sie als junger Biochemiker gedacht, dass Sie sich jemals<br />
mit solch zukunftsweisenden Fragen beschäftigen würden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja. Ich wollte immer Biochemie studieren. Damals<br />
konnte man das aber nicht, jedenfalls nicht in Deutschland.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sie haben diese Brisanz in der Genforschung also vorausgeahnt??<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, sicher nicht. Aber als sie 1969 entdeckt<br />
wurde, war ich in Berkeley, und wir haben nächtelang darüber geredet, bis es<br />
dann zu Asilomar kam. Asilomar (bei San Francisco) war eine Konferenz im Frühjahr<br />
1975, als die Wissenschaft erstmals mit diesem Thema an die Öffentlichkeit ging.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sehr geehrter Herr Professor Winnacker, haben Sie ganz herzlichen<br />
Dank für diesen anschaulichen und spannenden Wissenschaftschat. Ich denke, mit<br />
dem Chat und dem Transkript, das wir später veröffentlichen werden, haben wir<br />
einige grundlegende Fragen verständlich beantwortet. Mir hat es Spass gemacht,<br />
Ihnen hoffentlich auch. Danke auch im Namen der Chatter! Und hoffentlich bis<br />
zum nächsten Mal!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich. Es hat Spaß gemacht!<br />
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</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Die Hotline der DFG ist nun geschaltet. Unter 0800-5600969<br />
können Sie mit den Experten der DFG über ihre Fragen zur Genforschung sprechen.<br />
Die Hotline ist kostenlos!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gizmo:</b> Vielen Dank und Tschüß!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Der nächste Chat an dieser Stelle: Frank Steffel, Spitzenkandidat<br />
der Berliner CDU am 14. September von 17:30 bis 18:30!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Für alle, deren Fragen nicht beantwortet werden konnten:<br />
Unter 0800-5600969 ist eine Experten-Hotline geschaltet!<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul:</b> Es war sehr informativ, danke!</span></p>
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