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	<title>Wissensfreiheit &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wissensfreiheit &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Das Grundrecht auf den Netzzugang</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/buecherreport/das-grundrecht-auf-den-netzzugang-53/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:43:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzugang]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
(Buchbesprechung) Internet für umsonst: Im Buch        „Freie Netze. Freies Wissen“ fordern die Betreiber freier        Funknetze Gratis-Internetzugänge für alle. Wie das funktioniert        und welche Möglichkeiten Nutzer haben, Sofware und Inhalte        zu verändern und weiterzuverbreiten, hat Markus Lang für        uns nachgelesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Buchbesprechung) Internet für umsonst: Im Buch „Freie Netze. Freies Wissen“ fordern die Betreiber freier Funknetze Gratis-Internetzugänge für alle. Wie das funktioniert und welche Möglichkeiten Nutzer haben, Sofware und Inhalte zu verändern und weiterzuverbreiten, hat Markus Lang für uns nachgelesen.<!--break--></p>
<p>Das Buch „Freie Netze. Freies Wissen“ lässt Vordenker wie Richard Stallman, Gründer der<a href="#serious" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Free Software Foundation</a>, und Lawrence Lessig zu Wort kommen. <a href="http://www.lessig.org/bio/short/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lessig</a> ist Schöpfer der Creative Commons Lizenz, mit der Rechteinhaber ihre Werke mit mehr Freiheiten ausstatten können: Statt unter der Voraussetzung &#8220;alle Rechte vorbehalten&#8221; zu veröffentlichen, können sie nun wählen, wer ihre Inhalte zu welchem Zweck weiterveröffentlichen darf.<br />
Neben theoretischen Betrachtungen machen die Experten auch konkrete Vorschläge, wie man ihre Ideen in die Praxis umsetzen kann. Am Ende soll nämlich die österreichische Stadt Linz fit sein für ihre Rolle als europäische Kulturhauptstadt 2009. Dafür setzen sich die Herausgeber des Buches ein, der Rechtswissenschaftler Leonhard Dobusch und der Linzer Gemeinderat Christian Forsterleitner. Mitgeschrieben haben Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler. Die rund 300 Seiten bieten dem unerfahrenen Leser einen faszinierenden Einstieg in die freie Szene, dem Experten neue Anekdoten.<br />
<strong>Freies Internet für alle</strong><br />
Das Besondere: Passend zur Thematik kann das Buch kostenlos unter<a href="http://www.freienetze.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> www.freienetze.at</a> heruntergeladen werden. Sämtliche Autoren und Autorinnen haben sich bereit erklärt, ihre Beiträge unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung zu stellen. Damit ist einerseits das Recht verbunden, alle Texte dieses Bandes für nichtkommerzielle Zwecke (weiter-)zuverbreiten und zu nutzen, solange die Namen der Autoren genannt werden. Andererseits dürfen die Inhalte abgeändert werden, solange diese Änderungen wiederum kostenlos verfügbar sind.<br />
Das schön gestaltete Buch widmet sich im ersten Kapitel dem Thema „Internet Grundversorgung“. An die Stelle kommerzieller Provider sollen freie Funknetze treten. Online sein zu können, soll zum Grundrecht für alle Bürger werden. Die Botschaft ist: Die digitale Spaltung der Gesellschaft in jene mit Laptop und Internetzugang und jene ohne kann überwunden werden. Linz soll sich diese Gedanken zu eigen machen, so dass 2009 allen Linzern der kostenlose Zugang zu einem drahtlosen Netzwerk möglich ist.<br />
<strong>Software zur persönlichen Bearbeitung</strong><br />
Vehement setzt sich im nächsten Kapitel Lawrence Lessig, der Mitbegründer der <a href="http://de.creativecommons.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Creative Commons“ Initiative</a>, gegen zu restriktive Urheberrechtsbestimmungen für immaterielle Güter ein. „Creative Commons“ gibt dem Benutzer die Möglichkeit, eine Lizenz zu wählen und dadurch mögliche juristische Hindernisse auszuschließen. Die wichtigste Bedingungen für eine Creative Commons Lizenz: Das Werk darf nicht kommerziell verwendet werden und der Autor muss genannt werden.<br />
Einen faszinierenden Ausflug in Geschichte und Gegenwart der freien Software ermöglicht das Interview mit Richard Stallman, dem Gründer der <a href="http://www.fsf.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Free Software Foundation</a> sowie des <a href="http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GNU-Projektes.</a> Dieses hat zum Ziel, eine vollständig frei benutz- und veränderbare Software zu entwickeln. Die Herausgeber führen mit anschaulichen Erklärungen und Schaubildern in das Thema ein, so dass jeder Leser verstehen kann, worum es der Bewegung geht und warum freie Software mehr sein kann als nur die kostenlose Alternative zu Apple und Microsoft. Dahinter steht nicht nur die Möglichkeit, gemeinsam bessere Technik zu entwickeln, sondern auch der Grundsatz anderen zu helfen. Die Ausführungen von Stallmann muten dabei beinahe religiös an.<br />
<strong>Anschaulicher Einstieg in die freie Szene</strong><br />
Der gute Aufbau des Buches macht es dem Leser allgemein leicht, sich in das Thema einzulesen. Wenn es dann um Blogs, Wikis, Open Access und die Freiheit digitaler Kunst geht, ist das Bewusstsein für neue Herausforderungen bereits geschärft. Christoph Schultheis vom beliebten <a href="http://www.bildblog.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bildblog</a>, der die kleinen und großen Verfehlungen der Bildzeitung zum Thema macht, tritt als Kind der freien Bewegung auf. So steht das Bildblog unter einer Creative Commons Lizenz und Autoren wie Leser tragen dazu bei, ein finanziell unabhängiges Kritikinstrument zu kreieren.<br />
Einfache Nutzer werden immer mehr zu citoyens, mündigen, aufgeklärten Bürgern, die selbst darüber bestimmen, was sie mit Büchern, Musik und Filmen machen wollen. Wenn einem dieser Gedanke sympathisch erscheint, sollte man das Buch lesen und gerne auch bearbeiten, vervielfältigen und weiter veröffentlichen.<br />
&nbsp;<br />
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Open Access wird sich einbürgern&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotopen_access_wird_sich_einbuergernquot-119/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Humboldt-Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[Open Content]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Coy]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensfreiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang 
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für 
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit 
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open 
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
Montag, 20<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. November 2006 war Wolfgang<br />
Coy,</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> Professor für<br />
Informatik</b></span><span style="font-size: x-small">, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit<br />
den Nutzern über die Möglichkeiten und den Nutzen von Open<br />
Access für die Wissenschaft</span></span>.</span></b><!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Professor Wolfgang Coy, Professor für Informatik<br />
an der Humboldt Universität zu Berlin. Einen schönen guten<br />
Herr Professor Coy und vielen Dank, dass Sie Zeit für uns haben.<br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gerne!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was genau ist denn unter dem Begriff<br />
Open Access eigentlich zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access ist der Versuch, wissenschaftliche<br />
Literatur über das Internet weltweit und frei zugänglich<br />
zu machen.</p>
<p><b>HU-Student:</b> Welchen Nutzen verspricht sich die<br />
Humboldt-Universität von Open Access?</p>
<p><b>Wolfgang Coy:</b> Die Humboldt-Universität hofft<br />
damit die vielfältige wissenschaftliche Aktivität ihrer<br />
Mitarbeiter deutlich zu machen. Des Weiteren versuchen wir international<br />
und national sichtbar zu sein. Dahinter steht eine grundsätzliche<br />
Frage, nämlich WER soll Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen<br />
haben. Insbesondere geht es darum, wissenschaftliche Arbeit, die<br />
mit öffentlichen Mitteln erstellt wurde, der Öffentlichkeit<br />
zurück zu geben. Der deutsche Steuerzahler hat ein direktes<br />
Recht dazu. Aber wir Wissenschaftler sind auch der Ansicht, dass<br />
wir etwas für die anderen Länder tun sollten. Zudem sind<br />
elektronische Veröffentlichungen im Regelfall viel schneller<br />
als gedruckte Veröffentlichungen.
</p>
<p>
<b>ulfi:</b> Was genau erhoffen Sie sich durch den freien<br />
Zugang zu Informationen im Internet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir hoffen auf das Interesse möglichst<br />
vieler Leser und damit einer breiten Diskussion dessen, was wir<br />
veröffentlichen.
</p>
<p>
<b>HU-Student:</b> Blicken Sie mal in die Zukunft: Wird<br />
Open Access und Open Content die Wissenschaft nachhaltig verändern?<br />
Wie wird das ihrer Meinung nach aussehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Unbedingt! Die Kosten herkömmlicher<br />
Druckpublikationen und der beschränkte Markt hat die Wissenschaft<br />
bislang eher beschränkt. Mit den elektronischen Formen kommen<br />
wir in eine neue Ära. Es wird viel mehr veröffentlicht<br />
und die Leser sorgen hoffentlich dafür, dass das Wichtige aus<br />
diesen Publikationen herausgefiltert wird.
</p>
<p>
<b>Zucchero:</b> Ist Open Access nur für wissenschaftliche<br />
Literatur?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Überhaupt nicht. Denken sie<br />
an Blogs, in denen jeder seine Meinung äußern kann und<br />
manches auch gelesen wird. In der Wissenschaft ist das nicht anders.<br />
Nur: Wissenschaftliche Literatur wird entweder als Self-Archive<br />
veröffentlicht oder in den Archiven der Open Access-Bewegung<br />
in ähnlicher Weise wie in Zeitschriften, nämlich in einem<br />
Peer-Review-Prozess. Das heißt, dass andere Wissenschaftler<br />
die Veröffentlichung lesen und begutachten und eventuell ablehnen,<br />
bevor sie erscheinen kann. Wissenschaftliche Literatur ist also<br />
gefiltert im Gegensatz zu Blogs.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Sind die Professoren offen gegenüber<br />
einer Publikation über Open Access oder sind ihnen klassische<br />
Publikationsmedien lieber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das hängt vom Gebiet ab. Tatsächlich<br />
sind die Publikationskulturen in den verschiedenen Wissenschaften<br />
sehr verschieden. In den Naturwissenschaften und Technikwissenschaften<br />
sind kurze Aufsätze in Zeitschriften oder Tagungsbänden<br />
vorherrschend. Bei den Geisteswissenschaftlern sind es eher Bücher.<br />
Während die Naturwissenschaftler die elektronischen Publikationen<br />
sehr begrüßen, sind die Geisteswissenschaftler etwas<br />
zurückhaltend. Das Ganze hängt von zwei großen Randbedingungen<br />
ab: Erstens müssen die Wissenschaftler das System kennen lernen<br />
(die meisten sind ja neugierig) und zweitens ist es eine Altersfrage.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat eine Umfrage vor einem Jahr<br />
gemacht, wo sich über 80% positiv zu Open Access geäußert<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie sieht es denn in der deutschen<br />
Hochschullandschaft aus? Gibt es neben der Humboldt-Universität<br />
weitere Universitäten, die Open Access befürworten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja. Die Bielefelder Uni war vor<br />
uns, andere haben sich angeschlossen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft<br />
empfiehlt Open Access. Die Max-Planck-Gesellschaft empfiehlt Open<br />
Access, die Helmholtz-Gemeinschaft empfiehlt Open Access. Also alle<br />
großen Forschungsorganisationen stehen hinter dieser Idee.
</p>
<p>
<b>Ulfi:</b> Was hat die Tatsache, dass verschiedene<br />
Universitäten Open Access unterstützen für einen<br />
Einfluss auf das Studieren beziehungsweise auf die Studenten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Studenten haben Zugang zu vielen<br />
Publikationen aus dem eigenen Haus, die sie sonst nicht gesehen<br />
hätten. Die Humboldt-Universität hat bereits 1261 Dissertationen<br />
und 273 Habilitationen, sowie 111 Magister- und Diplomarbeiten als<br />
Open Access veröffentlicht. Die hätte sonst niemand gesehen.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sind denn alle Wissenschaftler der Humboldt-Universität<br />
damit einverstanden? Wie motiviert man die Professoren zu Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich nicht. Wissenschaftler<br />
sind sich niemals einig. Aber es werden immer mehr, die ihre Veröffentlichungen<br />
als Open Access zugänglich machen.
</p>
<p>
<b>acw:</b> Was genau ist der Unterschied zwischen Open<br />
Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access bezieht sich auf wissenschaftliche<br />
Veröffentlichungen, die entweder in einem Repository nach einem<br />
Peer-Review-Prozess stehen oder als Self-Archiving veröffentlicht<br />
werden. In beiden Fällen handelt es sich um Open Content, aber<br />
im ersten Fall ist die Kontrolle durch andere Wissenschaftler gegeben.<br />
Open Content ist dagegen eine Lizenz. Unser Repository heißt<br />
„edoc-Server“ (www.edoc.hu-berlin.de). Das hat den Vorteil,<br />
dass unser Rechenzentrum sowohl die langfristige Archivierung garantiert,<br />
wie auch die nötigen Metadaten hinzufügt. So dass diese<br />
Veröffentlichungen weltweit leicht gefunden werden können.
</p>
<p>
<b><b>paula:</b></b> Kann ich einfach alle<br />
meine Publikationen ins Netz stellen und das dann Open Access nennen<br />
oder sind noch andere Kriterien erforderlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> In diesem Falle wäre das Self-Archiving.<br />
Bei Open Access wird typischerweise erwartet, dass es einen Begutachtungsprozess<br />
gibt (Peer-Review).
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Können Sie erfolgreiche Beispiele<br />
für Open Content im Internet nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Natürlich die Gutenberg-Server,<br />
aber auch unser edoc-Server.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Wie umgehen Sie Urheberrechte/Datenschutzrechte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Gar nicht. Die Idee ist, dass die<br />
Wissenschaftler ja über ihr eigenes Copyright verfügen,<br />
wenn sie etwas unter Open Access veröffentlichen. Das bedeutet,<br />
dass sie sich mit den Verlagen einigen müssen, wenn das auch<br />
gedruckt werden soll. Das ist in den letzten Jahren leichter geworden.<br />
Häufig gibt es bei gedruckten Veröffentlichungen Schutzzeiten<br />
von sechs Monaten bis zwei Jahren, die aber jeweils ausgehandelt<br />
werden müssen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wer berät denn Wissenschaftler beim<br />
&quot;Self-Archiving&quot;? Ich kann mir vorstellen, dass da leicht<br />
rechtliche Probleme entstehen können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich kann es keine Probleme<br />
geben: Wer seine eigenen Sachen veröffentlicht, hat auch die<br />
Rechte. Ansonsten steht auf den edoc-Servern meist ein Hinweis,<br />
wie man mit den Verlagen reden muss &#8211; falls dies die Frage war.
</p>
<p>
<b>Gordon:</b> Ist Open Access mit &quot;creative commons&quot;<br />
vergleichbar?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Creative Commons ist eine Lizenz.<br />
Open Access ist ein soziales System. Beides hängt zusammen,<br />
aber Creative Commons kann viele andere Fragen betreffen, z.B. Filme,<br />
Bilder, Musik etc.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In der Ankündigung dieses Chats<br />
wurde auch auf die „Berlin Declaration“ hingewiesen.<br />
Hierzu eine Nachfrage von hintz:
</p>
<p>
<b>hintz:</b> Was ist die &quot;Berlin Declaration&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Open Access-Bewegung beruht<br />
auf zwei Startdokumenten: Der „Budapester Erklärung“<br />
und der „Berliner Erklärung“. In beiden haben Wissenschaftsorganisationen<br />
den Willen erklärt, Open Access einzuführen und zu propagieren.<br />
Später hat der WSIS, eine UNO-Konferenz, ebenfalls die Nutzung<br />
von Open Access weltweit vorgeschlagen. Es handelt sich also um<br />
eine globale Bewegung.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Sie sagen: Der Steuerzahler hat ein<br />
direktes Recht darauf. Das stimmt aus moralischer Sicht &#8211; muss sich<br />
da gesetzlich nicht auch noch einiges ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Eigentlich nicht. Wenn Wissenschaftler<br />
öffentlich bezahlt werden, gehören die Ergebnisse ihrer<br />
Forschung auch der Öffentlichkeit. Historisch haben wir den<br />
Wissenschaftlern große Freiräume bei der Verwertung eingeräumt.<br />
Das war aber eher eine praktische Frage. Mehr und mehr verlangen<br />
die Universitäten und Hochschulen an Patentauswertungen und<br />
Veröffentlichungen beteiligt zu werden. Das wäre eher<br />
der Normalfall.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Welche Rolle spielt die Politik, um Open<br />
Access voran zu bringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie behindert Open Access durch<br />
die mögliche Abschaffung des Paragraphen 52a des Urheberrechtsgesetztes.<br />
Dort wird die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Material<br />
gesetzlich geregelt. Wenn diese Vorschrift fällt, wird die<br />
Verbreitung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen erheblich<br />
beschränkt. Es wäre schön, wenn die Politiker sich<br />
über die Bedeutung von Open Access klar würden.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Wie beurteilen Sie staatliche Förderung<br />
von Open Access Journals wie z.B. die Digital Peer Publishing Initiative<br />
in Nordrhein-Westfalen? Braucht Open Access Förderung oder<br />
ist es besser, wenn das Publizieren in E-Journals selbstorganisiert<br />
passiert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftliche Veröffentlichungen<br />
wurden schon immer von den Hochschulen und den Fördermittelgebern<br />
gefördert. Natürlich ist auch der Betrieb von Server und<br />
die Wartung nicht kostenlos. Das ist der Beitrag, den die öffentliche<br />
Hand leisten muss. Nur bisher haben die Verlage diese Gelder kassiert.<br />
Jetzt stecken wir sie in unsere eigene Infrastruktur.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Mit Open Access ist ja kein<br />
Geld zu verdienen. Denken Sie, dass sich das trotzdem durchsetzen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wissenschaftler werden von der Öffentlichkeit<br />
bezahlt. Sie sind froh, wenn sie gelesen werden und nicht auch noch<br />
für die Publikation bezahlen müssen (was gelegentlich<br />
vorkommt: Druckkostenzuschuss).
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie stehen Verlage zu Open Access/Open<br />
Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ursprünglich feindselig. Inzwischen<br />
haben die Verlage gemerkt, dass sie sehr wohl eine Archivfunktion<br />
wahrnehmen mit gedrucktem Material, dass sie sehr wohl mit Büchern<br />
Geld verdienen. Seitdem ist die Situation entspannter und es zeigt<br />
sich die Möglichkeit, dass Verlage und Open Access miteinander<br />
leben können.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden dadurch nicht die wissenschaftlichen<br />
Verlage gefährdet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Internet gefährdet ALLE<br />
ökonomischen Strukturen &#8211; wenn die Verantwortlichen nicht neu<br />
über ihr Geschäft nachdenken. Es gibt sehr wohl Geschäftsmodelle,<br />
bei denen Verlage verdienen können. Aber möglicherweise<br />
nicht vorzugsweise mit wissenschaftlichen Aufsätzen.
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Will Open Access den Verlagen komplett<br />
das Wasser abgraben oder sehen Sie eine Chance für &quot;Arbeitsteilung&quot;?
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Wie durchsetzungsfähig schätzen<br />
Sie Open Access ein gegenüber dem etablierten (Verlags-)Publikationswesen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die Perspektive liegt sicher in<br />
einem Miteinander. Das ist schon durch die unterschiedliche Publikationskultur<br />
in den Wissenschaften begründet. Wissenschaftler wollen niemandem<br />
&quot;das Wasser abgraben&quot; sondern sie wollen gelesen werden.<br />
Und da haben elektronische Publikationen deutlich mehr Zugriffe<br />
als gedruckte Publikationen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Welches Interesse haben denn die Verlage,<br />
einer elektronischen Publikation zuzustimmen? Die möchten doch<br />
ihre Print-Produkte verkaufen. Wenn alles offen im Netz steht, bestellt<br />
doch z.B. sicher niemand mehr den gedruckten Tagungsband?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Geschäft mit dem Tagungsband<br />
besteht darin, am Anfang der Tagung den Tagungsband, der mit der<br />
Teilnahmegebühr bezahlt ist, zu verteilen. Danach gibt es kein<br />
Geschäft mehr mit Tagungsbänden. Die elektronische Fassung<br />
bleibt aber für alle leicht zugänglich. Das Verlagsgeschäft<br />
kann zwei Wege verfolgen: Die Erstveröffentlichung für<br />
etwa sechs Monate und die Archivfunktion für Bibliotheken.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Bei aller Sympathie für freie Inhalte:<br />
Wissenschaftliche Qualitätssicherung kostet Geld &#8211; woher soll<br />
das künftig kommen, wenn den Verlagen die Vermarktungsgrundlage<br />
entzogen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Die wissenschaftliche Qualitätssicherung<br />
durch Gutachter ist bislang eine unbezahlte Tätigkeit der Wissenschaftler.<br />
Soll heißen, sie wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt.<br />
Das soll so bleiben.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Offen publizieren ist die eine Sache. Wie<br />
aber kann die Auffindbarkeit dieser Publikationen auch sicher gestellt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Da hat die elektronische Publikation<br />
im Open Access-Archiv einen eindeutigen Vorteil. Solche Publikationen<br />
werden mit Metadaten versehen, nach denen mit Suchmaschinen gesucht<br />
werden kann. Das ist bei gedruckten Publikationen viel schwieriger.
</p>
<p>
<b>Wiebke Oeltjen:</b> Wer gibt die Metadaten zu den<br />
Veröffentlichungen beim edoc-System ein? Die Autoren, Bibliothekare,<br />
anderes Fachpersonal?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Alle. Das soll heißen, die<br />
Autoren können Vorschläge machen. Aber die Betreuer des<br />
Repository ergänzen diese.
</p>
<p>
<b>Richard: </b>Sind die Dokumentenserver der Hochschulen<br />
eigentlich ausreichend erschlossen? Oder würde hier ein &quot;Meta“-Server<br />
benötigt, der die lokalen Angebote vernetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Beispielsweise die edoc-Server sind<br />
weltweit miteinander verbunden. Dies ist freilich noch verbesserbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Werden heute bereits Artikel, die frei<br />
zugänglich (z.B. über Google Scholar auffindbar) häufiger<br />
zitiert? Ist das die große Chance für Open Access, bei<br />
den Autoren beliebter zu werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Es gibt Untersuchungen, die das<br />
bestätigen.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Gibt es Untersuchungen dazu, inwieweit<br />
sich bei elektronischen Publikationen die Zitation erhöht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Vorsichtig gesagt scheint das so<br />
zu sein. Es ist freilich so, dass Wissenschaftler meistens einen<br />
engen Bereich an Veröffentlichungen sehr gut im Blick haben.<br />
Das können gedruckte ebenso wie elektronische Publikationen<br />
sein. Höhere Zitattreffer kommen dann meistens durch Wissenschaftler,<br />
die Suchmaschinen benutzen. Es gibt in den einzelnen Wissenschaften<br />
zum Teil über 100 elektronische Journale, die im Peer-Review-Prozess<br />
begutachtet werden. Es gibt aber immer noch tausende von gedruckten<br />
Zeitschriften. Wir sind mit Open Access also erst am Anfang.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Wie sehen die Peer-Review-Kontrollen denn<br />
aus? Wer bestimmt, was ins Netz gestellt wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist im Prinzip das gleiche wie<br />
bei gedrucktem Material. Bei Zeitschriften ist das eine Redaktion,<br />
die auf akademische Gutachter zurückgreift. Bei Büchern<br />
ist es typischerweise der Lektor, der sich Gutachten erstellen lässt.<br />
Das geschieht elektronisch und gedruckt in gleicher Weise. Es gibt<br />
elektronische Zeitschriften, zu deren Herausgeber Nobelpreisträger<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Birgt Open Access/Open Content die Gefahr<br />
eines Qualitätsverlusts?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube nicht. Aber es ist klar:<br />
Wenn mehr veröffentlicht wird, muss die Qualität nicht<br />
unbedingt steigen. Es können aber auch interessante abweichende<br />
Meinungen erscheinen, die sonst vielleicht untergegangen wären.<br />
Letztlich liegt die Kontrolle im Kopf des Lesers.
</p>
<p>
<b>schildkröte:</b> Kann durch Open Access nicht<br />
auch jeder &quot;Schrott&quot; veröffentlicht werden, da es<br />
so einfach wird, seine Arbeiten zu publizieren? Gibt es irgendwelche<br />
Qualitätsstandards?
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wie kann eine Qualitätssicherung<br />
im Zusammenhang mit Open Access/Open Content realisiert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Noch einmal: Die Qualitätsstandards<br />
sind bei elektronischen Zeitschriften die gleichen wie bei gedruckten<br />
Zeitschriften. Auch wenn sie es noch nicht festgestellt haben: Es<br />
gibt sehr schlechte gedruckte Aufsätze und Bücher.
</p>
<p>
<b>godzilla:</b> Kann ich als Nicht-Student auch meine<br />
wissenschaftlichen Arbeiten bei Ihnen auf diesem edoc-Server veröffentlichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Bei allen wissenschaftlichen Zeitschriften,<br />
ob gedruckt oder elektronisch publiziert, können alle Aufsätze<br />
eingereicht werden. Was die Redaktion damit macht, kann ich natürlich<br />
nicht vorhersagen. Wir veröffentlichen auf dem edoc-Server<br />
alle Dissertationen, die freilich schon durch eine sehr komplexe<br />
Begutachtung gegangen sind. Wir veröffentlichen auch Magister-<br />
und Diplomarbeiten, wenn sie mindestens mit Gut beurteilt wurden.
</p>
<p>
<b>brigitte:</b> Wissenschaftler sind daran interessiert,<br />
dass ihre Veröffentlichungen gelesen werden, d´accord.<br />
Aber möchten sie auch ihre Lehrskripte freigeben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sie werden ja nicht dazu gezwungen.<br />
Aber ich kenne viele Kollegen, die das gern tun, denn der &quot;Marktwert&quot;<br />
einer Wissenschaftlerin steigt auch mit erfolgreicher Lehre.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Bleiben wir bei der Qualität: Online-Angebote<br />
würden auch ein Rating durch die Leser erlauben. Ist das sinnvoll<br />
bzw. gibt es bereits solche Initiativen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist sehr richtig und es gibt<br />
elektronische Journale, die den Lesern solche Beurteilungen vor<br />
der Veröffentlichung erlauben. Das Endurteil erfolgt dann trotzdem<br />
durch Gutachter. Aber man könnte sich natürlich auch Zeitschriften<br />
vorstellen, die allein von den Lesern herausgegeben werden. So gibt<br />
es eine Zeitschrift im Bereich Klimaforschung, die alle eingereichten<br />
Papiere öffentlich darstellt. Die Leser können ihre Kommentare<br />
schreiben und in einer zweiten Phase werden diese Artikel von den<br />
Gutachtern, die die Leserzuschriften kennen, begutachtet. Erst dann<br />
wird entschieden, ob der Artikel &quot;veröffentlicht&quot;<br />
ist. Ich halte das für ein sehr interessantes Verfahren &#8211; ein<br />
Stück Demokratisierung der Wissenschaft.
</p>
<p>
<b>Martin:</b> In Blogs wird häufig darüber<br />
diskutiert, mit welchen Stichworten ein gutes Ranking erreicht wird.<br />
Droht der Wissenschaft ebenfalls ein Wettbewerb um möglichst<br />
gute Platzierung in Suchmaschinen? Und schadet der den wissenschaftlichen<br />
Inhalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das gibt es doch jetzt schon. Es<br />
gibt gute Zeitschriften, es gibt sehr gute Zeitschriften und es<br />
gibt exzellente Zeitschriften. Wissenschaftler versuchen oft, in<br />
die letzte Kategorie zu kommen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Glauben Sie, dass der Open Content Gedanke<br />
sich auch bei Lehrmaterialien durchsetzen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich hoffe das sehr. Ein schönes<br />
Beispiel ist die Open Course Ware-Initiative des Massachusetts Institute<br />
of Technology, die viele Lehrmaterialien bereitstellt. Das kann<br />
alles umfassen. Von Texten, Powerpoint-Dateien bis zu Videomitschnitten.
</p>
<p>
<b>acw: </b>Lautet der nächste Schritt der Humboldt-Universität:<br />
Open Courseware?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir arbeiten daran.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Auch bei Open Access gibt es schwarze Schafe:<br />
Manche E-Journals werden mit großem Elan gelauncht und dümpeln<br />
dann doch nur dahin. Besteht die Gefahr, dass hier insgesamt die<br />
Glaubwürdigkeit elektronischer Publikationen geschädigt<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich sehe keine besonderen Probleme<br />
des elektronischen Publizierens in dieser Frage. Bei Modethemen<br />
werden auch schnell neue Druckjournale aufgelegt.
</p>
<p>
<b>lobotom: </b>Mal jenseits der Hoffnung auf eine einfachere,<br />
transparentere Veröffentlichungspraxis: Was sind die Probleme<br />
beim Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das Hauptproblem besteht darin,<br />
Open Access zum Normalfall zu machen. Da muss noch viel Überzeugungsarbeit<br />
geleistet werden. Aber es ist natürlich auch eine Frage der<br />
jeweiligen Ressourcen. Die Uni muss Server bereitstellen und Betreuung.<br />
Das geht nicht kostenfrei.
</p>
<p>
<b>paula:</b> Wie erkenne ich, ob ein E-Journal auch<br />
nächstes Jahr noch besteht oder nur eine Eintagsfliege ohne<br />
Rückhalt in der Scientific Community ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Erfahrung.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Müssen mehr E-Journals gegründet<br />
werden, damit Open Access erfolgreich sein kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nicht zwingend. Aber ich glaube,<br />
dass mit der Ausweitung von Open Access viele neue Journals entstehen<br />
werden &#8211; immer dann wenn sich eine Community bildet, die eine eigene<br />
Zeitschrift betreiben will und kann.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Eine Nachfrage zum<br />
weltweiten Zugriff auf wissenschaftliche Inhalte von Martin:
</p>
<p>
<b>Martin:</b> Die Verlage und ihre Interessen sind die<br />
eine Seite. Spannend wird es doch auch in Hinblick auf die wissenschaftlichen<br />
Inhalte: Wie kann sichergestellt werden, dass der Zugang wirklich<br />
weltweit und frei ist? Gibt es da nicht bestimmte Regierungen, die<br />
kein allzu ausgeprägtes Interesse an freiem Wissensaustausch<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zensur ist sicher ein großes<br />
Problem. Zugang ein anderes großes Problem. Aber ich sehe<br />
mehr Möglichkeiten im Internet weltweiten Zugang zu erreichen,<br />
als mit Druckmedien.
</p>
<p>
<b>ZUckerhut:</b> Warum ist denn der freie Zugang zu<br />
Inhalten für e-learning und e-teaching von besonderer Relevanz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> e-learning sollte sich nicht auf<br />
einen eng zugeschnittenen Bereich beschränken. Die breite Nutzung<br />
des Internets ist sozusagen Basis von e-learning und e-teaching.<br />
Und da fügen sich elektronische Veröffentlichungen gut<br />
ein.
</p>
<p>
<b>gordon:</b> Ist die „Scholar-Suche“ bei<br />
Google das Paradebeispiel für Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wird unterschiedlich gesehen.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie lange, meinen Sie, dauert es, bis sich<br />
die Publikationskultur an einer Hochschule ändert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Zwei Generationen &#8211; von Doktoranden.
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie beratungsintensiv ist die Publikation<br />
über OA? Wie werden Hochschullehrende an der Humboldt-Universität<br />
beraten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Wir haben das Glück, ein sehr<br />
aktives Rechenzentrum zu haben, das diesen Bereich aus Drittmitteln<br />
finanziert. Das ist leider kein allgemein umsetzbares Modell. Letztendlich<br />
kommt es darauf an, dass Menschen sich engagieren.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Sind andere Länder viel weiter und<br />
fortschrittlicher als Deutschland, was Open Access betrifft? Wenn<br />
ja, welche?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Großbritannien hat eine Vorreiterrolle<br />
gespielt, aber auch viele amerikanische Bibliotheken. Auch Skandinavien<br />
und Frankreich sind sehr weit. Das ist ein schöner internationaler<br />
Wettbewerb, von dem wir alle profitieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hat die Politik dieser Länder<br />
dabei eine Rolle gespielt? Oder hat sich die Wissenschaftskultur<br />
in diesen Ländern selbst so schnell weiterentwickelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Negativ könnte man sagen: Ohne<br />
die finanziellen Kürzungen der Bibliotheken wäre das Problem<br />
nicht so schnell klar geworden. Andererseits gibt es auch positive<br />
Impulse aus der Politik, z.B. die Bibliothèque Nationale<br />
in Paris.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer &quot;Kram&quot; fragt noch<br />
einmal zu den positiven Effekten von Open Access auf die Verlage:
</p>
<p>
<b>kram:</b> Kommen die Verlage vielleicht in einen positiv<br />
zu bewertenden Druck, die Bücher schneller als bisher zu drucken?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das kann ich nicht beurteilen. Es<br />
ist aber klar, dass in den wissenschaftlichen Verlagen diese Fragen<br />
diskutiert werden. Das kann zu besseren Arrangements führen.<br />
Ein schönes Beispiel ist die Veröffentlichung von kritischen<br />
Werkausgaben, die sich oft über Jahre oder Jahrzehnte ziehen<br />
kann. Hier können elektronische Zwischenergebnisse oder auch<br />
das Endprodukt ganz neue Wege der Publikation eröffnen. Interessant<br />
ist auch die Reaktion der Lexikon-Redaktionen auf die Wikipedia.<br />
So ist jetzt der Meyer online frei verfügbar.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Wenn der Bürger ein Recht auf freien<br />
Zugang zu den Publikationsinhalten hat &#8211; gibt es dann nicht auch<br />
ein Recht für Studenten, auf Vorlesungsmaterialien aller Hochschulen<br />
zuzugreifen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das ist eine interessante Frage.<br />
Prinzipiell finde ich &quot;ja&quot;. Man muss aber berücksichtigen,<br />
dass die Lehrenden ihr Material freiwillig herausgeben müssen.<br />
Es gibt ja gute Gründe, warum man etwas nicht breit streuen<br />
will. Und dazu das unsägliche Urheberrecht.
</p>
<p>
<b>balzac76:</b> Steigen aufgrund von Open Access auch<br />
die Ansprüche und Erwartungen für wissenschaftliche Publikationen?<br />
Schließlich ist es jetzt leichter, sich einen guten Überblick<br />
zu verschaffen, die Recherche geht um ein Vielfaches schneller.<br />
Wird dann z.B. von Doktoranden auch mehr Output verlangt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Das wäre doch ein wunderschöner<br />
Nebeneffekt.
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Vorhin haben sie darauf hingewiesen,<br />
dass die zu veröffentlichenden Inhalte von Steuergeldern finanziert<br />
wurden. Das gilt ja auch für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Nochmals: Ja. Es gibt aber keine<br />
Veröffentlichungspflicht für Lehrinhalte.
</p>
<p>
<b>Daniel Kämmerling:</b> Artikel 52a wird 2008<br />
voraussichtlich nicht mehr verlängert. Welche weitere Gefahren<br />
sehen Sie, wenn die Schrankenregelung abgeschafft wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Anarchie und Chaos.
</p>
<p>
<b>undwarum?:</b> Denken Sie, dass Open Access für<br />
die Wissenschaft ein Vorläufer sein kann für eine generelle<br />
Form von Open Access und Open Content?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich glaube, dass Open Access ein<br />
Teil einer ganz großen Bewegung ist, nämlich möglichst<br />
viel im Netz frei anzubieten.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Nachfrage 52a: Inwiefern kommen dadurch<br />
Beschränkungen, wenn doch das Urheberrecht eigentlich bei den<br />
Autoren liegt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Für selbst erstellte Inhalte<br />
gibt es selbstverständlich keine Schranke. Es geht um die Nutzung<br />
von fremd erstellten Inhalten für die Lehre. Die Streichung<br />
des 52a wird zu unsäglichen Auseinandersetzungen über<br />
das angemessene Zitieren führen. In der Folge werden immer<br />
weniger fremde Materialien in den Unterricht eingeführt.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Sie haben ja eben erläutert, dass<br />
sich Print und Online bei der Qualität nichts vergeben &#8211; in<br />
beiden wird auch mal Quatsch verbreitet. Wie objektiv ist Peer Review<br />
eigentlich? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Peer-Review ist nicht objektiv und<br />
das ist gelegentlich untersucht worden. Aber wir haben keine besseren<br />
Formen bislang gefunden. Vielleicht ist die Einbeziehung der Leser<br />
ein Ausweg aus dem Qualitätsproblem des Peer-Review.
</p>
<p>
<b>luba:</b> Ich schätze, ein Problem von Open Access<br />
wird sein, dass ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten immer<br />
noch mehr Wert für einen selbst hat als die elektronische Version<br />
im Internet. Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ja das sehe ich auch so. Deshalb<br />
haben wir für unseren edoc-Server auch die Publishing-on-Demand<br />
Variante vorgesehen. Wenn jemand einen Text ausgedruckt haben möchte,<br />
kann er den &#8211; gegen Geld &#8211; drucken lassen.
</p>
<p>
<b>Chrissy:</b> Ist es vorstellbar, dass wir zukünftig<br />
Publikationsmechanismen aus der Blogosphäre auch in E-Journal-Beiträgen<br />
finden, z.B. ein Blogroll von E-Journals, die der Autor liest?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Warum nicht? Allerdings sehe ich<br />
den Platz nicht im E-Journal sondern eben in einem Qualitätsblog.<br />
Interessanterweise hat Vannevar Bush mit seinem Memex schon 1945<br />
ein solches Verfahren des &quot;Mitlesens&quot; vorgeschlagen. Man<br />
kann immer von anderen lernen &#8211; auch das Lesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Nutzer bezieht sich vermutlich<br />
auf die Verbreitung des Open Access-Gedanken:
</p>
<p>
<b>lobotom:</b> Was sind eigentlich ihre Hauptwidersacher?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Tradition und desinteressierte Ökonomie.
</p>
<p>
<b>anne:</b> Wohin geht Ihrer Meinung nach der langfristige<br />
Trend? Publikation nur noch über Open Access?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Sagen sie doch so was nicht! Wir<br />
brauchen doch Bücher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Sim:</b> Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für<br />
Open Content und Open Access für Deutschland aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Open Access wird sich an den Hochschulen<br />
und Universitäten als ein Publikationsstandard einbürgern.<br />
Das hat ökonomische Gründe &#8211; Bibliotheken verarmen -,<br />
ebenso wie technische Gründe &#8211; wir leben alle mehr und mehr<br />
im Internet. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Bücher &quot;verschwinden&quot;.<br />
Die Technik ist einfach noch zu praktisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Vielen Dank für Ihr Interesse und Dank an Herrn<br />
Professor Coy für den Chat! Das Protokoll des Chats finden<br />
Sie in Kürze auf <a href="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/www.e-teaching.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.e-teaching.org</a>.<br />
Unsere Bitte um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer<br />
Frage nicht berücksichtigen konnten. Unter der URL <a href="http://www.e-teaching.org/community" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.e-teaching.org/community</a><br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Coy:</b> Ich bedanke mich auch, besonders<br />
bei den Fragestellern, die die wunden Punkte schnell herausgefunden<br />
haben.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wissen ist der Reichtum einer Gesellschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/wissen-macht-wert/wissensgesellschaftwissenswert-shtml-3140/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Apr 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissen macht Wert]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Konferenz "Wissenswert" will die Frage um die Resource Wissen aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Konferenz &#8220;Wissenswert&#8221; will die Frage um die Resource Wissen aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachten<!--break-->
                    </p>
<p>&#8220;Das weltweite Wissenspotential sollte zu Gunsten aller Menschen genutzt werden&#8221;, sagt<br />
                    <a href="http://duplox.wz-berlin.de/people/jeanette" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jeanette Hofmann</a> vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Die promovierte Politologin beschäftigt sich mit der sozioökonomischen und rechtlichen Entwicklung von Informationen im Internet. Ihre These: Durch die Digitalisierung greifen die herkömmlichen Profitmodelle der Informationswirtschaft nicht mehr, eine Nivellierung des Urhebergesetzes und Bestrebungen der Industrie neue Wertschöpfungssysteme einzuführen, könnte in Zukunft zu einer Verknappung des frei verfügbaren Wissens führen.</p>
<p>Dabei ist für Jeanette Hofmann klar: &#8220;Wissen ist der Reichtum einer Gesellschaft, Wissen sollte für jedermann frei zugänglich sein.&#8221; Deshalb organisiert sie zusammen mit Carolin Welzel und dem Wissenschaftszentrum Berlin am 17. und 18. April die Tagung<br />
                    <a href="http://www.wz-berlin.de/wissenswert" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Wissenswert&#8221;</a> zum Thema &#8220;Internet und die neue Wissensordnung&#8221;. Ziel der Tagung an der Wissenschaftler und Experten mit dem Forschungsgebiet Wissensgesellschaft als Gastredner geladen sind: Den Weg in die Wissensgesellschaft zu thematisieren, auf Probleme und Gefahren aufmerksam zu machen und durch das Zusammenbringen von verschiedenen Experten Lösungspotentiale schaffen.</p>
<p>&#8220;Ich sehe hauptsächlich die Gefahr durch eine stärkere Kommerzialisierung von Wissen&#8221;, sagt Jeanette Hofmann. Es geht um die Hürden, die den Zugang zu Wissen beschränken.<br />
                    <br />Dabei seien die gewachsene Wissenshierarchie, die Rechte der Konsumenten und damit auch die Errungenschaften des prädigitalen Zeitalters in Gefahr. Denn mit der Digitalisierung von Informationen und Wissen entstehe ein Paradoxon: Zum einen sinken die Transaktionskosten in der Zirkulation des Wissens durch Medien wie das Internet, auf der anderen Seite wird der Zugang zum Wissen durch neue Lizenzierungssysteme wieder beschränkt.</p>
<p>So will die Tagung &#8220;Wissenswert&#8221; die Frage nach dem Zugang zur Ressource Wissen aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten und dabei wirtschaftliche, rechtliche und politische Aspekte zur Sprache bringen. Dreh- und Angelpunkt: Das geistige Eigentum und damit Zugang und die Verteilung von Wissen, die nach Meinung der Organisatorin in Zukunft hauptsächlich eine politische Frage sein wird.</p>
<p>Denn schließlich gebe es ja durchaus Beispiele, wie die fast schon legendäre Geschichte des<br />
                    <a href="/netzpolitik/linux" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Computerbetriebssystems Linux</a>, die geistiges Eigentum schützen und trotzdem den freien Zugang zu dem darin enthaltenen Wissen erlauben. Dabei müssten die Informationswirtschaft natürlich umdenken muss und nach jahrelangen profitablen Geschäften, auf Gewinne aus Wissensmonopolen verzichten. Wie diese dann Gewinne generieren sollen, kann Jeanette Hofmann nicht sagen, für sie zählt allein der freie Zugang zu Wissen: &#8220;Für die Unternehmen sehe da keine Lösung.&#8221;<br />
                    </p>
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