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	<title>Wolfgang Bosbach &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wolfgang Bosbach &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Der Staat ist ja keineswegs wehrlos&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-staat-ist-ja-keineswegs-wehrlos-140/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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		<category><![CDATA[Jugendstrafrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, den 31. Mai, war Wolfgang 
Bosbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 
zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. 
Er beantwortete Fragen zum Umgang mit jugendlichen Straftätern, 
Rechtsextremismus und Sicherheitsrisiken bei der Fußball-WM.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, den 31. Mai, war Wolfgang<br />
Bosbach, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Er beantwortete Fragen zum Umgang mit jugendlichen Straftätern,<br />
Rechtsextremismus und Sicherheitsrisiken bei der Fußball-WM.<!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Chatter, wir begrüßen<br />
heute Wolfgang Bosbach im<br />
ARD-Hauptstadtstudio. Er ist der Innen-Experte der Unionsfraktion<br />
im Bundestag. Wenn es beispielsweise um Fragen der inneren Sicherheit,<br />
Terror- oder Extremismusgefahr geht, ist Herr Bosbach der richtige<br />
Ansprechpartner &#8211; insbesondere wenige Tage vor der Fußball-WM<br />
und angesichts der jüngsten rechtsradikalen Übergriffe.<br />
Wir sind sehr gespannt auf Ihre Fragen. Und: Nicht verzagen, wenn<br />
eine Frage nicht sofort durchkommt. Herr Bosbach, können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>klinsi:</b> Würden Sie sich ohne ein mulmiges<br />
Gefühl die WM-Übertragungen in einer Menschenmasse vor<br />
dem Brandenburger Tor anschauen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja. Ich weiß, dass es<br />
bei Großveranstaltungen keine hundertprozentige Sicherheit<br />
geben kann und daher erwarte ich auch nicht, dass der Staat sie<br />
mir garantiert. Aber ich weiß, dass alles<br />
Menschenmögliche getan wird, um nicht nur die Stadien, sondern<br />
auch die Gebiete rund um die Großleinwände zu schützen.
</p>
<p>
<b>eyeofthebeholder:</b> Sehr geehrter Herr Bosbach,<br />
Sie sprechen sich gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechtes<br />
aus. Wie soll denn mit jugendlichen Straftätern wie dem Amokläufer<br />
vom letzten Wochenende Ihrer Meinung nach umgegangen werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Der Amokläufer unterliegt<br />
dem Jugendstrafrecht und ich habe keinen Zweifel daran, dass er<br />
von der Berliner Justiz auch strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen<br />
wird. Der Vorwurf lautet versuchter Mord und mehrfache vorsätzliche<br />
gefährliche Körperverletzung. Sollten sich die Tatvorwürfe<br />
bestätigen, droht eine langjährige Haftstrafe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Berliner CDU spricht sich für<br />
eine Strafmündigkeit ab zwölf Jahren aus.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Absenkung des Strafmündigkeitsalters<br />
wird seit Jahrzehnten diskutiert und ebenso lange aus guten Gründen<br />
abgelehnt. Mit der Absenkung der Strafmündigkeitsgrenze lösen<br />
wir kein einziges Problem, zumal nicht ernsthaft daran gedacht werden<br />
kann, Zwölf- oder 13-jährige in ein Gefängnis zu<br />
stecken, wo sie womöglich auch das noch lernen, was ihnen bisher<br />
an krimineller Erfahrung fehlte. Der Staat ist ja keineswegs wehrlos.<br />
Die Sanktionen können bis zur Entziehung der elterlichen Sorge<br />
und zur Unterbringung in einem geschlossenen Heim reichen. Im Übrigen<br />
sei der Hinweis erlaubt, dass die Zahl der straffälligen Kinder<br />
in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Dort, wo<br />
wir die Strafbarkeitsgrenze<br />
haben, also bei den über 14-Jährigen, ist dies jedoch<br />
gerade nicht der Fall.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nur um es klar zu machen: Sie sind<br />
hier also über Kreuz mit den Berliner Parteifreunden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In dieser Frage vertreten wir<br />
unterschiedliche<br />
Auffassungen. Und sollen wir etwa das Strafbarkeitsalter noch weiter<br />
herabsetzen, wenn morgen Zehn- oder Elfjährige zuschlagen?<br />
Viel wichtiger sind andere Dinge: Mut zur Erziehung, Respekt vor<br />
Autoritäten und die Aufstellung von Regeln, deren Einhaltung<br />
auch durchgesetzt werden muss.
</p>
<p>
<b>gornach:</b> Was ist Ihrer Meinung nach die größte<br />
potenzielle Gefährdung der Öffentlichkeit für die<br />
Fußball WM 2006 in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die größte Gefahr<br />
geht vom internationalen Terrorismus aus. Allerdings macht uns auch<br />
das sogenannte &quot;Hooligan-Unwesen&quot; Sorgen. Bei Hooligans<br />
handelt es sich allerdings nicht um Fußballfans, sondern um<br />
Kriminelle, die Sportveranstaltungen lediglich zum Anlass nehmen,<br />
ihr<br />
Unwesen zu treiben.
</p>
<p>
<b>doll:</b> Sind &quot;maximal fünf Jahre Jugendhaft&quot;<br />
nicht eine recht milde Strafe<br />
für jemanden, der &quot;mit besonderer Heimtücke&quot;<br />
den Tod von über 30 Menschen in Kauf genommen oder gar gewollt<br />
hat?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Höchststrafe beträgt<br />
zehn Jahre. Und wer jemals in einem Gefängnis gesessen hat,<br />
der weiß, wie unendlich lange dieser Zeitraum sein kann. Dessen<br />
ungeachtet sollte man einmal darüber nachdenken, ob die Höchststrafe<br />
für besonders schwere Kapitalverbrechen nicht auf 15 Jahre<br />
hochgesetzt werden sollte. Insbesondere in den Fällen, wo Erwachsene<br />
nach dem milderen Jugendstrafrecht bestraft werden.
</p>
<p>
<b>TobiasR:</b> Könnten hier nicht die Eltern stärker<br />
zur Rechenschaft gezogen werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja, genau das ist der Punkt.<br />
Wenn Polizei und Justiz in Aktion treten, ist es meistens schon<br />
zu spät. Bei den Eltern werden wir zwei Gruppen unterscheiden<br />
müssen: Diejenigen, die sich redlich um eine gute Erziehung<br />
ihrer Kinder bemühen, aber dabei schlichtweg überfordert<br />
sind &#8211; denjenigen müssen wir helfen. Daneben gibt es allerdings<br />
auch Fälle, in denen die Eltern trotz Straffälligkeit<br />
ihrer Kinder Hilfsangebote verweigern &#8211; in diesen Fällen brauchen<br />
wir auch Druckmittel des Staates, um die notwendige Erziehungsunterstützung<br />
durchsetzen zu können.
</p>
<p>
<b>rrs2006:</b> Herr Bosbach, das Bundesverfassungsgericht<br />
hat heute den<br />
Gesetzgeber erneut aufgefordert, eine gesetzliche Grundlage für<br />
den<br />
Jugendstrafvollzug zu schaffen. Wann ist hier mit einer Regelung<br />
zu rechnen. Welche Anforderungen stellen Sie an den Jugendstrafvollzug?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Strafvollzug hat immer, gleich<br />
ob bei Erwachsenen oder Jugendlichen, verschiedene Zwecke. Sühne<br />
für Unrecht, Spezialprävention, Generalprävention<br />
und natürlich Resozialisierung des Täters. Im Jugendstrafvollzug<br />
spielt darüber hinaus der Erziehungsgedanke eine besondere<br />
Rolle. Im Rahmen der Föderalismusreform ist zu entscheiden,<br />
ob die Kompetenz auf die Länder übergeht oder beim Bund<br />
bleibt. Bleibt sie beim Bund, werden wir uns alsbald mit der Schaffung<br />
einer sicheren Rechtsgrundlage befassen müssen.
</p>
<p>
<b>Simon Haber:</b> Hat unser System nicht versagt, weil<br />
der Täter schon vorher aufgefallen ist und nichts unternommen<br />
wurde?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Um diese Frage beantworten zu<br />
können, müsste ich die Strafakten des Betroffenen kennen.<br />
Nach den mir vorliegenden Informationen war es bis zur Tat noch<br />
nicht möglich, ihn in Haft zu nehmen. Gegen die Wahnsinnstat<br />
eines Einzelnen kann es keinen hundertprozentigen Schutz geben.
</p>
<p>
<b>andy:</b> Wieso werden sehr viele &quot;Erwachsene&quot;<br />
noch nach dem Jugendstrafrecht bestraft?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Bei den zwischen 18- und 21-Jährigen<br />
hat das Strafgericht die Wahl, die Täter nach dem Erwachsenenstrafrecht<br />
oder dem milderen Jugendstrafrecht zu verurteilen. Der Gesetzgeber<br />
geht zwar davon aus, dass die Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht<br />
die Ausnahme sein soll, in der Rechtspraxis ist sie jedoch die Regel.<br />
Dann stellt das Gericht mit schlichten Worten fest, dass es sich<br />
um eine jugendtypische Verfehlung handelt und schon kommt das Jugendstrafrecht<br />
zur Anwendung. Hierbei kann es zu gravierenden Missverhältnissen<br />
kommen. Wenn ein 21-Jähriger gemeinsam mit<br />
einem 22-Jährigen einen Menschen aus niedrigen Beweggründen<br />
tötet, ist es durchaus möglich, dass der Jüngere<br />
eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe erhält, aber der vielleicht<br />
nur wenige Monate ältere &quot;lebenslänglich&quot;.
</p>
<p>
<b>NiklasTjorben:</b> Was halten Sie davon, den Eltern<br />
von besonders<br />
&quot;integrationsunwilligen&quot; Kindern mit Immigrationshintergrund<br />
Strafen<br />
anzudrohen? Wie z.B. das Kürzen der Sozialhilfe etc?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Für das Anliegen habe ich<br />
Verständnis, allerdings ist der Vorschlag in der Praxis nicht<br />
realisierbar. Wie will man<br />
Integrationswilligkeit feststellen, wenn Integration selber nicht<br />
messbar ist? Man kann z.B. ein Sprachvermögen testen, aber<br />
man kann nicht testen, ob jemand gut oder schlecht integriert ist.<br />
Kinder unterliegen grundsätzlich der Schulpflicht. Und wenn<br />
diese Pflicht nicht erfüllt wird, drohen schon jetzt Strafen<br />
für Eltern und Kinder.
</p>
<p>
<b>Simon Haber:</b> Anzeigen wegen leichter Körperverletzung<br />
werden oft fallen gelassen. Muss hier nicht früher reagiert<br />
werden, um abzuschrecken und den Tätern die Folgen zu zeigen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Richtig. Ich erlebe in der anwaltlichen<br />
Praxis sehr oft, dass bei angeblich geringfügigen Straftaten<br />
den Tätern mit einer<br />
erstaunlichen Milde begegnet wird und die Opfer reiben sich verwundert<br />
die Augen. Während der Staat bei Falschparkern in der Regel<br />
zügig zur Stelle ist und konsequent handelt, können bei<br />
Körperverletzungsdelikten zwischen Tatbegehung und Aburteilung<br />
viele Monate vergehen, obwohl der Täter am Tatort gefasst wurde.<br />
Dies gilt sogar, wenn er geständig ist. Viele Sanktionen werden<br />
von den Tätern gar nicht als besonders spürbar empfunden.<br />
Und wenn dann noch eine Geldbuße oder Geldstrafe von der Oma<br />
bezahlt wird,<br />
wird der Täter von so gut wie keiner Sanktion selbst betroffen.
</p>
<p>
<b>Franczak:</b> Ich hatte eigentlich gedacht, dass es<br />
hier auch um die<br />
Verantwortung der Politik am neuerlichen Aufflammen des Rechtsradikalismus<br />
geht. Nun will ich also mal fragen, ob nicht Unterschriftenaktionen<br />
des Herrn Koch, Leitkultur-Diskussionen, Fragebogen bei Staatsbürgerschaft<br />
usw. nicht doch dem rechtsradikalen Gedankengut Munition geliefert<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Diese Behauptung wird immer<br />
wieder aufgestellt. Sie wird aber dadurch nicht richtig. Wer die<br />
kühne These aufstellt, am<br />
Rechtsradikalismus ist die Politik Schuld, sagt damit gleichzeitig,<br />
jedenfalls sind die Rechtsradikalen nicht selber Schuld. Denn sie<br />
wurden ja erst angeblich durch die Politik zu dem gemacht, was sie<br />
sind. Die Unterschriftenaktion in Hessen war vor über sechs<br />
Jahren und darauf den Anstieg rechtsradikaler Gewalt im Jahr 2006<br />
zu beziehen, ist mehr als nur mutig. Im Übrigen sind die linksradikalen<br />
Gewalttaten ebenso stark angestiegen wie die rechtsradikalen. Schon<br />
deshalb kann ein Kausalzusammenhang mit irgendwelchen politischen<br />
Entscheidungen nicht bestehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Politik kann nicht Schuld sein:<br />
Aber die Politik kann eine Bewegung durch Populismus verstärken<br />
&#8211; auch mit Zeitverzögerung. Im Übrigen steht die Unterschriftenaktion<br />
ja nicht im luftleeren Raum.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wer Probleme im Zusammenhang<br />
mit Zuwanderung und Integration tabuisiert, schwächt die Rechtsradikalen<br />
nicht, vielmehr stärkt er sie. Wer Probleme tabuisiert, löst<br />
sie nicht, sondern verschärft sie und diese Verschärfung<br />
kann radikalen Tendenzen Vorschub leisten. Die rechtsradikalen Parteien<br />
hätten Anfang der 90er Jahren nicht soviel Zuspruch gehabt,<br />
wenn wir das Asylproblem rascher gelöst hätten.
</p>
<p>
<b>Inside: </b>Die Realität feststellen, können<br />
wir Bürger auch, aber was machen Sie als Politiker um diese<br />
Dinge abzustellen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Zu glauben, das Thema Rechtsextremismus<br />
sei ein Thema für die Berufspolitiker, nicht aber für<br />
die Zivilgesellschaft, ist ein riesiger Irrtum. Wir haben es dort<br />
mit einer Versammlung verschiedener Typen zu tun: Es gibt die Ewiggestrigen,<br />
junge, auch gewaltbereite Neonazis und Wirrköpfe, die zwar<br />
kein gefestigtes rechtsradikales Weltbild haben, sich aber von dieser<br />
Szene angezogen fühlen. Die dritte Gruppe halte ich für<br />
die Demokratie nicht verloren. Daher müssen wir uns intensiver<br />
mit der rechtsradikalen Subkultur befassen, beispielsweise mit dieser<br />
Musikszene, aber auch mit den einschlägigen Internetauftritten.<br />
Das ist in erster Linie aber nicht nur eine Sache des Verfassungsschutzes.<br />
Wenn Straftaten drohen, ist es Aufgabe der Polizei, sie zu unterbinden.<br />
Und zivilgesellschaftlich ist es wichtig, nicht wegzusehen, sondern<br />
jeder Form von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entgegenzutreten.
</p>
<p>
<b>trainspotting:</b> Einerseits sprechen Sie laufend<br />
von den steigenden Gefahren durch Rechtsextremismus, andererseits<br />
finden Sie Heyes Warnung vor &quot;No Go Areas&quot; unangemessen.<br />
Wie passt das zusammen? War es nicht längst an der Zeit, dass<br />
die Realität in einigen Regionen Deutschlands offen angesprochen<br />
wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nichts spricht gegen offene<br />
Ansprache. Dann muss sie aber auch offen sein. Man kann nicht ein<br />
Land oder Kommunen unter Generalverdacht stellen. Dann sind selbst<br />
solche Städte betroffen, die noch nie eine rechtsradikale Szene<br />
hatten. Beim Land Brandenburg kommt hinzu, dass dort im vergangenen<br />
Jahr, im Gegensatz zum Bundestrend, die Entwicklung rückläufig<br />
war. Die Benennung von &quot;No-Go-Areas&quot; ist vielleicht gut<br />
gemeint aber<br />
kontraproduktiv. Die Rechtsradikalen wollen ja gerade sogenannte<br />
&quot;national befreite Zonen&quot; und wenn man entgegen dem Verfassungsschutzbericht<br />
behauptet, dass es sie gäbe, klopft man sich in diesen Kreisen<br />
vor Freude auf die Schenkel, nach dem<br />
Motto: Ziel erreicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müssten Politiker nicht ehrlicherweise<br />
eingestehen: Einen<br />
gewissen rechtsradikalen Bodensatz wird es in der Demokratie immer<br />
geben und dagegen kann &#8211; zumindest die Politik &#8211; dauerhaft auch<br />
nichts tun?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Dass es diesen Bodensatz in<br />
allen Ländern gibt, ist in der Tat richtig, darf aber im Umkehrschluss<br />
nicht bedeuten, dass man dem Treiben dieser Szene tatenlos zusieht.<br />
Es gibt in der Tat eine immer wieder aufflammende öffentliche<br />
Aufregung, die jedoch nicht von der Politik entfacht wird. Ich kenne<br />
keinen vernünftigen Politiker, der den Eindruck erweckt, als<br />
stünde der Rechtsradikalismus in Deutschland unmittelbar vor<br />
der Machtübernahme. Aber aus unserer Geschichte: Wehret den<br />
Anfängen! Und deswegen müssen wir jeder Form des Radikalismus<br />
entschlossen begegnen.
</p>
<p>
<b>aurora:</b> Finden Sie nicht, dass das Thema in der<br />
Vergangenheit<br />
vernachlässigt wurde und jetzt aufgrund der WM an Popularität<br />
gewinnt? Es ist aber doch am wichtigsten, langfristige Lösungen<br />
zu finden.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein! ich kenne kaum ein innenpolitisches<br />
Thema, über das wir in den letzten Jahren so häufig gesprochen<br />
haben wie über den Kampf gegen den politischen Extremismus.<br />
Es hat seit der Wiedervereinigung über 20 Verbotsverfahren<br />
gegeben und das NPD-Verbotsverfahren hat das Land jahrelang in Atem<br />
gehalten.
</p>
<p>
<b>jaba:</b> Wie werden Sie versuchen, gegen rechtsradikale<br />
Aufmärsche während der WM vorzugehen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben das Demonstrationsrecht<br />
vor kurzem geändert und hoffen, dass es uns gelingt, diese<br />
Demonstrationen verbieten zu lassen oder jedenfalls so zu verlegen,<br />
dass es nicht zu einem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang<br />
mit Großveranstaltungen kommt. Das wird aber nicht einfach<br />
werden, denn die Demonstrationsfreiheit ist grundgesetzlich geschützt<br />
und<br />
sie gilt auch für Extremisten, solange sie sich an die Regeln<br />
halten.
</p>
<p>
<b>Venderbos:</b> Sehr geehrter Herr Bosbach, als Holländer<br />
habe ich die Debatte in Deutschland zum Thema Leitkultur mit großem<br />
Interesse verfolgt. Ich glaube, der Begriff Leitkultur ist ein richtiges<br />
und kraftvolles Konzept. Weshalb vertritt die Union es nicht noch<br />
nachdrücklicher, mit mehr Mut und Selbstbewusstsein?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das würde auch ich mir<br />
wünschen, denn dieser Begriff hat mit Nationalismus nichts<br />
zu tun. Freiheitlich deutsche Leitkultur bedeutet nicht: Deutschland,<br />
Deutschland über alles. Sondern wenn Menschen mit ganz unterschiedlicher<br />
Nationalität, Hautfarbe oder Gesinnung in einem Land friedlich<br />
miteinander leben wollen, dann müssen sie alle die gleichen<br />
Regeln beachten. Und dies können in unserem Land nur die Regeln<br />
der Bundesrepublik<br />
Deutschland sein.
</p>
<p>
<b>Sozialdemokrat2:</b> Werter Herr Bosbach, Sie meinten<br />
am Anfang der gestrigen Berliner Phoenix-Runde, eines der größten<br />
Probleme Deutschlands sei die Massenarbeitslosigkeit. Des Weiteren<br />
sagten Sie, dass Hartz IV der richtige Weg sei. Wie wollen sie als<br />
Christdemokrat die Massenarbeitslosigkeit bekämpfen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In Deutschland wissen wir aus<br />
langjährigen Erfahrungen, dass sich erst bei einem Wirtschaftswachstum<br />
von mehr als zwei Prozent eine spürbare Belebung auf dem Arbeitsmarkt<br />
zeigt. Die Schwelle, neue Arbeitnehmer/innen einzustellen, ist in<br />
Deutschland höher als in den meisten anderen Ländern.<br />
Dies liegt an unserem sehr starren Arbeitsrecht, das sich in zu<br />
vielen Fällen als Wiedereintrittsbarriere in den Arbeitsprozess<br />
erweist. Darüber hinaus müssen wir in Deutschland viel<br />
schneller werden. In einer globalisierten Welt gilt nicht: Der Große<br />
schlägt den Kleinen, sondern<br />
der Schnelle schlägt den Langsamen. Also: Entbürokratisierung,<br />
mehr<br />
Investitionen in Forschung und Entwicklung, mehr Bildungsinvestitionen<br />
und eine konsequent mittelstandsfreundliche Politik.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Von Herrn Kauder vernehmen wir den<br />
Satz: &quot;Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland<br />
bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann<br />
den ganzen Tag im Bett liegen bleiben&quot; &#8211; Was glauben Sie, wie<br />
viele absolut arbeitswillige Arbeitslose bei so einem Satz die kalte<br />
Wut packt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich gebe die Frage zurück:<br />
Warum sollte jemanden die kalte Wut packen, wenn er offensichtlich<br />
nicht gemeint ist? Tatsache ist, dass wir ca. 4,6 Millionen registrierte<br />
Arbeitslose haben. Tatsache ist aber auch, dass viele hunderttausend<br />
offene Stellen nicht besetzt werden können. Tatsache ist darüber<br />
hinaus, dass wir jedes Jahr 330.000 ausländische Erntehelfer<br />
einsetzen, weil es offensichtlich unmöglich ist, auch nur 8<br />
Prozent der Arbeitslosen für diese Tätigkeit zu gewinnen.<br />
Hier geht es um schlichte Arbeit und ich kann mir eigentlich nicht<br />
vorstellen, dass es tatsächlich nur wenige Tausend unter den<br />
4,6 Millionen gibt, die hierzu in der Lage sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank für alle Fragen &#8211; verbunden mit der Bitte um<br />
Verständnis an all jene, die heute nicht zum Zuge gekommen<br />
sind. Besonderen Dank an Wolfgang Bosbach, dass er sich für<br />
uns Zeit genommen hat. Unser nächster Chatgast wird am kommenden<br />
Freitag (2. Juni) der haushaltspolitische Sprecher der Union, Steffen<br />
Kampeter, sein. Der Chat beginnt um 11.30 Uhr und wird ausnahmsweise<br />
nur 45 Minuten<br />
dauern.
</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich bedanke mich für das<br />
rege Interesse und hoffe, dass niemand enttäuscht zurück<br />
bleibt. Sollte dies doch der Fall sein, holen wir das heute Versäumte<br />
beim nächsten Mal nach.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/der-staat-ist-ja-keineswegs-wehrlos-140/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir haben die Tragweite des Gesetzes unterschätzt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-die-tragweite-des-gesetzes-unterschaetzt-194/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-haben-die-tragweite-des-gesetzes-unterschaetzt-194/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Jul 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
		<category><![CDATA[Europäischer Haftbefehl]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Unionsfraktionsvize 
Wolfgang Bosbach war zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Bosbach hat nach dem Urteil zum EU-Haftbefehl 
eingeräumt, dass der Bundestag die Tragweite des Gesetzes unterschätzt 
habe. Darüber hinaus forderte er, die Spielräume nationaler 
Gesetzgebung voll auszuschöpfen.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
<span class="fett">Unionsfraktionsvize<br />
Wolfgang Bosbach war zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Bosbach hat nach dem Urteil zum EU-Haftbefehl<br />
eingeräumt, dass der Bundestag die Tragweite des Gesetzes unterschätzt<br />
habe. Darüber hinaus forderte er, die Spielräume nationaler<br />
Gesetzgebung voll auszuschöpfen.</span><!--break-->
</p>
<p>
Moderator: Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die<br />
Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute<br />
der Unionsfraktionsvize und Innenexperte Wolfgang Bosbach ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herr Bosbach, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat<br />
mit unseren Usern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich bin startklar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Angst vor Terror wächst. Sie<br />
haben die Moslems in Deutschland aufgerufen, sich aktiv gegen Islamisten<br />
zu stellen. Vertreter der führenden muslimischen Organisationen<br />
entgegnen aber, die Politik habe noch kein vernünftiges Verhältnis<br />
zu den Muslimen gefunden. Wie wollen Sie das herstellen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Ich glaube, dass es in den vergangenen<br />
Jahren intensive Kontakte gegeben hat zwischen der Politik, anderen<br />
Religionsgemeinschaften, und von gesellschaftlichen Gruppen mit<br />
Vertretern der islamischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland.<br />
Der oft angemahnte interkulturelle und interreligiöse Dialog<br />
findet intensiv statt, wobei es allerdings das objektive Problem<br />
gibt, dass die islamische Glaubensgemeinschaft keine zentrale Instanz<br />
kennt, die sie vertritt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Würde ein Dachverband helfen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Ein Dachverband, der von allen<br />
Muslimen als legitime Vertretungsinstanz akzeptiert wird, wäre<br />
für den Dialog mit Politik und Gesellschaft sicherlich hilfreich.
</p>
<p>
<b>highfly3:</b> Wird die CDU nach den Terroranschlägen<br />
in London verstärkt mit der Sicherheitspolitik im Wahlkampf<br />
argumentieren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja, das Thema innere Sicherheit<br />
ist nach den Terroranschlägen von London wieder in den Mittelpunkt<br />
des öffentlichen Interesses gerückt und wird daher auch<br />
im Wahlkampf einen besonderen Stellenwert bekommen.
</p>
<p>
<b>doro34: </b>Wie stellen Sie sich eine verstärkte<br />
Einsetzung von Videoüberwachung vor? Besteht Ihrer Meinung<br />
nach keine Gefahr, dass eine verstärkte Videoüberwachung<br />
auch im Gegensatz zu den Grundrechten stehen kann?
</p>
<p>
<b>Wahrheit_1:</b> Ihre Partei war von 1982 bis 1998<br />
an der Macht, warum hat kein einziger Politiker der Union gemeint:<br />
Die Türkei gehört nicht zu Europa. Warum erst jetzt? Wollen<br />
Sie die Türkei an Westen binden oder an Osten verlieren? Was<br />
ist ihnen lieber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben in Deutschland etwa<br />
300.000 Videoanlagen im privaten Hausrechtsbereich, z.B. bei Banken<br />
und Warenhäusern. Und noch nicht einmal 100 in der ganzen Republik<br />
im öffentlichen Raum. Trotzdem muss man die Besorgnisse gegen<br />
eine Ausweitung der Videoüberwachung ernst nehmen. Deshalb<br />
sollten folgende Grundsätze gelten: nicht flächendeckend,<br />
sondern nur an Kriminalitätsschwerpunkten oder sogenannten<br />
Angsträumen. Nie geheim sondern nur mit entsprechender Information<br />
der Bevölkerung und eine Aufzeichnung darf nur dann und nur<br />
so lange erfolgen, wie sie für Strafverfolgungszwecke benötigt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>BananenMarmelade:</b> Wie stellen Sie sicher, dass<br />
Sie nur diejenigen Islamisten identifizieren, die eine Bedrohung<br />
für Deutschland darstellen? Wie hoch schätzen Sie die<br />
Gefahr ein, dass Deutschland Ziel von Terroranschlägen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Hier in Deutschland leben gut<br />
3 Millionen Muslime, der allergrößte Teil ist friedlich<br />
und rechtstreu. Gut 30.000 gelten als Islamisten etwa 3.000 von<br />
ihnen als gewaltbereit oder gewaltgeneigt. Ob jemand eine Gefahr<br />
für den Staat ist, kann man niemanden ansehen, so dass wir<br />
auf Erkenntnisse aus öffentlichen Äußerungen oder<br />
auf Planungen und Durchführung strafbarer Handlungen angewiesen<br />
sind.
</p>
<p>
<b>BushAmKnopf:-):</b> Was wollen Sie gegen den Terror<br />
machen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben Gott sei Dank keine<br />
Erkenntnisse darüber, dass in Deutschland ein Attentat geplant<br />
wird oder gar bevorsteht. Aber wir sind Teil eines Gefahrenraumes<br />
und nicht weniger gefährdet als andere Länder dieses Gefahrenraumes<br />
auch. Eine offene Gesellschaft wie die unsrige kann, so wünschenswert<br />
das auch wäre, den Bürgern leider keinen 100-prozentigen<br />
Schutz vor Terrorismus bieten oder versprechen. Aber das darf im<br />
Umkehrschluss natürlich nicht bedeuten, dass wir zur Terrorbekämpfung<br />
nicht das tun, was wir tun können.
</p>
<p>
<b>Heckmeck28: </b>Warum glauben Sie, durch verstärkte<br />
Sicherheitsmaßnahmen &#8211; wie beispielsweise Videoüberwachung<br />
von öffentlichen Plätzen &#8211; die Sicherheit vor Terroranschlägen<br />
erhöhen zu können? Gerade die Anschläge in London<br />
zeigen doch, dass Videoüberwachung keinen Schutz bietet.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das Strafrecht hat immer auch<br />
eine präventive Funktion. Potenziellen Tätern droht der<br />
Staat mit Strafe, Mördern mit der Höchststrafe. Dieses<br />
präventive Wirkung entfällt bei den Tätern, die bereit<br />
sind ihr Leben zu opfern, um andere zu ermorden. Womit sollte der<br />
Staat ihnen drohen? Deshalb ist Prävention so wichtig, und<br />
hierbei kann Videoüberwachung helfen. Selbstverständlich<br />
kann auch Videoüberwachung keinen lückenlosen Schutz gewährleisten,<br />
aber ohne die moderne Technik wären die Taten von London sicherlich<br />
nicht so rasch aufgeklärt worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Bundeswehreinsatz im Inneren:
</p>
<p>
<b>Christian Buchen: </b>Wie stellen Sie sich die Beteiligung<br />
der Bundeswehr an der Terrorabwehr vor? Welche Aufgaben hätte<br />
die Bundeswehr genau?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Bundeswehr soll nicht generell<br />
Polizeiaufgaben übernehmen, aber die rechtliche Möglichkeit<br />
bekommen, ihre Fähigkeiten dann im Inland einsetzen zu dürfen,<br />
wenn sie zur Terrorabwehr notwendig sind. Das gilt für Angriffe<br />
aus der Luft, von See her oder bei ABC-Gefahren.
</p>
<p>
<b>Vorix:</b> Um die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen<br />
zu können, muss das Grundgesetz geändert werden. Auch<br />
der Vorschlag, die Unabhängigkeit der Polizei von den Geheimdiensten<br />
aufzuheben, erfordert Änderungen des Grundgesetzes. Haben Sie<br />
keine Bedenken, dass Ihre Vorschläge den Sinn der Verfassung,<br />
nie wieder eine Militärdiktatur nach dem Vorbild des dritten<br />
Reiches in Deutschland errichten zu können, aushebeln?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Schon nach geltender Rechtslage<br />
kann die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden, nämlich beim<br />
inneren Notstand. Eine terroristische Gefahr erfüllt die Voraussetzungen<br />
eines inneren Notstandes nicht. Erstens, die Trennung zwischen Geheimdiensten<br />
und Polizei aufzuheben, hat die Union gerade nicht (diese Trennung<br />
ist übrigens im Grundgesetz nicht verankert). Wir wollen der<br />
Polizei gerade keine geheimdienstlichen Kompetenzen übertragen<br />
und den Diensten keine polizeilichen. Die Trennung sollte bleiben.<br />
Zweitens, beim Bundeswehreinsatz im Innern wird geradezu paradox<br />
argumentiert, wie man an folgenden Beispiel gut erklären kann:<br />
Rot-Grün hat das Luftsicherheitsgesetz verabschiedet. In diesem<br />
Gesetz wird ausführlich der Einsatz der Bundeswehr im Innern<br />
geregelt und zwar der Luftwaffe. Gleichzeitig sagt die Koalition,<br />
sie sei gegen den Einsatz der Bundeswehr im Innern. Ich bin nicht<br />
der Einzige, der diese Argumentation nicht versteht.
</p>
<p>
<b>tbo:</b> Aber gerade zur ABC-Abwehr haben selbst freiwillige<br />
Feuerwehren schon Ausrüstungen. Hier würde die Bundeswehr<br />
nur logistisch tätig sein, wie schon bei der Oder- und Elbe-Flut<br />
oder beim ICE-Unfall in Eschede. Wieso dann mehr Kompetenzen? Die<br />
Gefahr von See könnte eine Bundesküstenwache der Bundespolizei<br />
übernehmen, doch dagegen sträubt sich die CDU-Mehrheit<br />
im Bundesrat.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das ist falsch. Wenn die Fähigkeiten<br />
der Polizei zur Gefahrenabwehr ausreichen, braucht man die Bundeswehr<br />
überhaupt nicht. Es geht nur um die Regelung solcher Fälle,<br />
in denen die Bundeswehr eine bestimmte Fähigkeit hat, die der<br />
Polizei aktuell nicht zur Verfügung steht. Das die Länderinnenminister<br />
ihr Personal nicht dem Bund unterstellt, halte ich für verständlich.<br />
Wenn der Bund seine Kapazitäten ist seinen Zuständigkeitsbereich<br />
erhöht, spricht hiergegen nichts.
</p>
<p>
<b>Jan in London: </b>Bitte spezifizieren Sie genauer<br />
&#8216;polizeiliche Aufgaben&#8217;, welche die Bundeswehr in Terrorfällen<br />
übernehmen könnte? Soll es sich nur um Einsätze zur<br />
Abwehr von Flugzeugen und Schiffen handeln oder auch präventive<br />
Maßnahmen? Für solche wäre die Bundeswehr nicht<br />
ausgebildet und würde kaum einen positiven Beitrag leisten<br />
können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In einem Punkt sollten wir dem<br />
BKA präventiv-polizeiliche Kompetenzen übertragen, die<br />
er zur Zeit nicht hat. Dies gilt für jene Fälle terroristischer<br />
Bedrohung, in denen sich die Gefahr noch nicht regional konkretisiert<br />
hat. Im Klartext: Fälle, in denen es konkrete Hinweise auf<br />
eine terroristische Bedrohung gibt, bei denen die Behörden<br />
aber noch nicht wissen, wo sich die Gefahr realisieren könnte.
</p>
<p>
<b>gregor samsa:</b> Frau Merkel sagte im Spiegel, wer<br />
mit islamistischen Terroristen sympathisiert, muss bestraft werden.<br />
Wie wollen Sie diese Gedankenkontrolle durchsetzen und welche Strafen<br />
schweben Ihnen da vor?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass wir wieder<br />
zur alten Rechtslage zurückkehren wollen, nämlich zur<br />
Strafbarkeit der Sympathiewerbung für terroristische Vereinigungen.<br />
Es ist geradezu kurios, dass die Koalition die Sympathiewerbung<br />
für den Terrorismus nach dem 11. September straflos gestellt<br />
hat. Die Strafe für eine konkrete Tat muss immer Tat und Schuld<br />
angemessen sein.
</p>
<p>
<b>Vorix:</b> Aber wer stellt die Tatsache einer „terroristischen<br />
Gefahr“ fest? Und wie lange sollen Ihrer Meinung nach entsprechende<br />
Sonderrechte der Bundeswehr gelten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben in Deutschland 37<br />
Behörden mit Sicherheitsaufgaben, die alle die ihnen zur Verfügung<br />
stehenden Erkenntnisquellen nutzen, um so rasch als möglich<br />
von drohenden Gefahren zu erfahren. Diese Erkenntnisse werden zu<br />
einem Lagebild zusammengeführt, mit dem Ziel einer gemeinsamen<br />
Lagebeurteilung der Behörden. Aus dieser Beurteilung müssen<br />
dann die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Grundgesetzänderungen<br />
waren bislang nie befristet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Föderalismuskommission:
</p>
<p>
<b>TheoBeck:</b> Wird die Föderalismuskommission<br />
auch bei einer schwarz-gelben Regierung immer noch den gleich hohen<br />
Stellenwert für die Union haben wie bis Dezember 04 bei einer<br />
rot-grünen Bundesregierung? In der Entflechtung der Verantwortlichkeiten<br />
liegen doch sicher auch enorme Einsparpotentiale (z.B. in der Bildungspolitik)?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Eine Reform der bundesstaatlichen<br />
Ordnung ist für die Union genauso wichtig wie für die<br />
Koalition und deshalb fordern wir in unseren Wahlprogramm ausdrücklich<br />
eine Föderalismusreform. Wenn wir die Politikverflechtung entzerren<br />
und Bund und Ländern klare Zuständigkeiten zuordnen, kann<br />
Politik endlich schneller werden, was auch zu Einsparungen führen<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bundeswehr
</p>
<p>
<b>Arminius:</b> Wollen Sie mit den erweiterten Einsatzmöglichkeiten<br />
der Bundeswehr auch deren schleichende Entwertung in der Gesellschaft<br />
(Stichwort Verweigerungsquote) entgegentreten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein, uns geht es darum, einer<br />
neuen Bedrohungslage gerecht zu werden. Nach dem Fall der Mauer<br />
und der Auflösung des Warschauer Paktes dachten viele, dass<br />
jetzt Frieden und Sicherheit auf Dauer garantiert seien. Spätestens<br />
seit dem 11. September wissen wir, dass wir eine völlig neue<br />
Form der Bedrohung haben, aber eine nicht minder gefährliche<br />
als zur Zeit des Kalten Krieges. Darauf müssen wir angemessen<br />
reagieren.
</p>
<p>
<b>Bibber:</b> Bei einer tatsächlichen Übernahme<br />
der Terrorabwehr durch die Bundeswehr kommt natürlich die oft<br />
diskutierte Frage nach der Berufsarmee wieder auf. Denn nur so ist<br />
dieses weitereichende Problem ernsthaft durch die Bundeswehr zu<br />
bekämpfen. Wie stehen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich bin ein Anhänger der<br />
Wehrpflichtarmee, allerdings nicht nur deshalb weil sie preiswerter<br />
ist als eine Berufsarmee, sondern weil eine Wehrpflichtarmee der<br />
Natur der Sache nach mit der Gesellschaft viel enger verbunden ist<br />
als eine Berufsarmee. Heute haben viele Millionen Männer und<br />
Frauen Dienst in der Bundeswehr geleistet und kennen sie deshalb<br />
von innen und nicht nur aus der Wahrnehmung von außen.
</p>
<p>
<b>Farenski:</b> Glauben Sie nicht, dass Bundeswehr-Soldaten<br />
auf der Straße mit Maschinen-Gewehren das freiheitliche Klima<br />
in unserem Land belasten würde?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Niemand denkt daran, die Bundeswehr<br />
im Innern einzusetzen, wenn sie dort nicht eingesetzt werden muss.<br />
In diesen Fällen stellt sich nicht die Frage, Polizei oder<br />
Bundeswehr, sondern Schutz oder schutzlos. Warum sollte ein Soldat<br />
mit Maschinengewehr furchterregend sein, wenn er diesen Dienst tut?<br />
Weil eine bestimmte Gefahr von der Bevölkerung abgewandt werden<br />
soll? Auch Polizisten können eine Maschinenpistole tragen.<br />
Ich habe zu Soldaten nicht weniger Vertrauen als zu Polizisten.
</p>
<p>
<b>Christian Buchen:</b> Föderalismusreform und<br />
Innere Sicherheit: Sie sprachen eben 37 Behörden an, die Sicherheitsaufgaben<br />
wahrnehmen. Sehen Sie auch Reformbedarf bei diesen Zuständigkeiten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In zweierlei Hinsicht: Zum einen<br />
müssen wir, ohne das Trennungsgebot aufzuheben, die Informationen<br />
der Behörden besser vernetzten, Stichwort Antiterrordatei.<br />
Getrennt bleiben muss jedoch die Informationserhebung. Zum anderen<br />
muss das BKA zusätzliche Befugnisse erhalten, dies hatte ich<br />
bereits erläutert.
</p>
<p>
<b>felix86868:</b> Wie gut sehen Sie die Chancen einer<br />
privilegierten Partnerschaft der Türkei?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Bis zur Stunde lehnt die Türkei<br />
dieses Angebot strikt ab. Mit dieser Haltung tut sie sich allerdings<br />
keinen Gefallen. Möglicherweise wird auch die Türkei eines<br />
Tages erkennen, dass dieses Angebot für sie keine Brüskierung<br />
bedeutet, sondern eine faire Chance, näher an Europa heranzurücken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Bundesverfassungsgericht hat das<br />
deutsche Gesetz zum europäischen Haftbefehl für nichtig<br />
erklärt. Damit dürfen mutmaßliche Straftäter<br />
mit deutschem Pass vorerst nicht mehr ans Ausland ausgeliefert werden.<br />
Das Karlsruher Gericht gab mit der Entscheidung der Verfassungsbeschwerde<br />
eines unter Terrorverdacht stehenden Deutsch-Syrers statt, der nach<br />
Spanien ausgeliefert werden sollte. Mit dem Urteil kommt Darkazanli<br />
noch heute auf freien Fuß. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Zum einen müssen wir uns<br />
im Deutschen Bundestag viel intensiver mit dem beschäftigen,<br />
was auf EU-Ebene geplant und verhandelt wird. Zum anderen dürfen<br />
wir nicht zur reinen Umsetzungsmaschine von europäischem Recht<br />
in nationales Recht werden. Wir müssen die Spielräume,<br />
die wir als nationaler Gesetzgeber haben, voll ausnutzen, um Kollisionen<br />
mit dem Grundgesetz zu vermeiden.
</p>
<p>
<b>chat-partner:</b> Zum aktuellen Urteil des BverfG:<br />
Wie können Parlamentarier ein so wichtiges Gesetz verabschieden,<br />
das solche Fehler hat, dass es das BVerfG wieder kassiert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Eine berechtigte Frage. Wir<br />
haben die Tragweite des Gesetzes unterschätzt und sind im Gesetzgebungsverfahren<br />
fast wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Umsetzung<br />
des EU-Rechts in nationales Rechts mit dem Grundgesetz kompatibel<br />
sei. Die Kombination von jeweils strengstem EU-Strafrecht mit einer<br />
Einschränkung von Bürgerrechten hätte uns frühzeitig<br />
allerdings Warnung sein müssen.
</p>
<p>
<b>Buddel:</b> Aber sind die nationalen Rechtszustände<br />
nicht noch viel zu unterschiedlich, als dass man jetzt schon europäische<br />
Haftbefehle erlassen sollte? Was ist mit der Abtreibung, die ist<br />
in Irland verboten, sollen wir deshalb Ärzte abschieben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Eigentlich haben wir den zweiten<br />
Schritt vor dem ersten getan. Es gibt kein europäisches Strafgesetzbuch<br />
und es gibt auch kein europäisches Strafprozessrecht. Auch<br />
deshalb hätten die nationalen Regelungen bei der Umsetzung<br />
des Rahmenbeschlusses restriktiver sein müssen.
</p>
<p>
<b>FlnkerFreddy:</b> Soll heißen: Halten Sie es<br />
für möglich, die notwendige 2/3 Mehrheit aufzubringen,<br />
die eine Änderung des Grundgesetzes dahingehend ermöglicht,<br />
den Haftbefehl nicht ad absurdum zu führen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wenn wir die Spielräume<br />
des Rahmenbeschlusses nutzen, kann eine Kollision mit dem Grundgesetz<br />
vermieden werden &#8211; dann müssen wir das Grundgesetz auch nicht<br />
ändern.
</p>
<p>
<b>clausi:</b> Werden Sie zur Regierungsmannschaft von<br />
Frau Merkel gehören?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Schade, dass ausgerechnet die<br />
Verbindung unterbrochen wurde. Fragen sie mal Frau Merkel, die Antwort<br />
würde auch mich interessieren! Ich bin abergläubisch und<br />
deshalb der Überzeugung, dass wir über Personen und Posten<br />
dann sprechen sollten, wenn wir die Wahlen gewonnen haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Trotzdem, nur theoretisch: Was finden<br />
Sie attraktiver, Innenminister, Justizminister oder Fraktionschef?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Bundesinnenminister.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Bosbach,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am Mittwoch, dem 20. Juli, ab 14.00 Uhr mit dem SPD-Oppositionsführer<br />
im niedersächsischen Landtag Sigmar Gabriel. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich danke für das Interesse.
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wolfgang Bosbach zur inneren Sicherheit</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wolfgang_bosbach_zur_inneren_sicherheit-182/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 15.Dezember, war Wolfgang Bosbach, stellvertretender 
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von 13 bis 14 Uhr zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er 
beantwortete Fragen zu den Konsequenzen der Föderalismusreform, 
zur Diskussion um die sogenannte Leitkultur und zu inneren Sicherheit 
Deutschlands]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, 15.Dezember, war Wolfgang Bosbach, stellvertretender<br />
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion von 13 bis 14 Uhr zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er<br />
beantwortete Fragen zu den Konsequenzen der Föderalismusreform,<br />
zur Diskussion um die sogenannte Leitkultur und zu inneren Sicherheit<br />
Deutschlands<!--break-->
</p>
<p><!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße<br />
ich heute den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, Wolfgang<br />
Bosbach. Herzlich willkommen, Herr Bosbach.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Danke für die Einladung.</p>
<p><b>ali g.:</b> Herr Bosbach, was verstehen Sie eigentlich<br />
unter Leitkultur? Wenn Sie damit die &quot;freiheitlich demokratische<br />
Grundordnung &quot; meinen, wäre es nicht ehrlicher auf diesen<br />
&#8211; dann doch recht inhaltsarmen &#8211; Begriff zu verzichten?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass der Begriff<br />
freiheitlich demokratische Grundordnung mit Inhalt gefüllt werden<br />
muss. Richtig ist aber auch, dass dieser Kulturbegriff mehr beinhalten<br />
muss als &quot;nur&quot; das Grundgesetz und damit unsere verfassungsmäßige<br />
Ordnung. Ich verstehe unter dem Begriff die Summe aller Werte und Normen,<br />
die alle Menschen respektieren und beachten sollten, die in unserem<br />
Lande leben, unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion.</p>
<p><b>Moderator:</b> Sie fordern Fingerabdruckkarteien und Beugehaft<br />
für kooperationsunwillige Ausländer. Warum brauchen wir die<br />
harte Linie?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Für die Notwendigkeit Fingerabdrücke<br />
zu erfassen nur ein Beispiel: 80 Prozent aller Asylbewerber haben keine<br />
Papiere, dennoch kommen die allermeisten von ihnen mit dem Flugzeug<br />
nach Deutschland. Also müssen sie vor dem Abflug ein Ausweispapier<br />
und in der Regel auch Visum gehabt haben. Jeder Asylbewerber muss schon<br />
jetzt einen Fingerabdruck abgeben (EURODAC). Hätten wir bereits<br />
im Visumverfahren einen Fingerabdruck genommen, könnten wir auch<br />
ohne Pass die Identität des Antragstellers feststellen. Beugehaft<br />
kann dann notwendig werden, wenn ein Ausländer vollziehbar ausreisepflichtig<br />
ist, der sich aber weigert, an der notwendigen Beschaffung von Passersatzdokumenten<br />
mitzuwirken und deshalb seine Abschiebung vereitelt. Die Beugehaft soll<br />
ihn dazu anhalten, sich rechtmäßig zu verhalten.</p>
<p><b>ali g.:</b> Herr Bosbach, wenn Sie Fundamentalisten ausweisen<br />
wollen, warum dann nicht auch Hassprediger wie Kardinal Lehmann oder<br />
Holger Apfel (Anmerkung d. Redaktion: stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender)?<br />
Oder anders, sollte man Verstöße gegen das Strafgesetzbuch<br />
nicht auch mit dem Strafgesetzbuch beantworten, und nicht mit dem Ausländerrecht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> &quot;Fundamentalismus&quot; alleine<br />
ist kein Ausweisungsgrund, es sei denn, es liegt durch extremistische<br />
politische Betätigung gleichzeitig eine Gefahr für die öffentliche<br />
Sicherheit vor oder es werden gar Straftaten begangen. Der Fall Kaplan<br />
ist hierfür ein Beispiel. Was Kardinal Lehmann damit zu tun hat,<br />
kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Holger Apfel ist meines<br />
Wissens nach deutscher Staatsbürger, er könnte also schon<br />
deshalb nicht abgeschoben werden. Eine Ausweisung von Deutschen nach<br />
Deutschland kennt unser Recht nicht.</p>
<p><b>Moderator:</b> Weil gerade nach Holger Apfel gefragt wurde:<br />
Geht es Ihnen vor allem darum, die Wähler vom rechten Rand abzuholen?<br />
Sie sind ja gegen ein erneutes NPD-Verbotsverfahren.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Wenn ich wüsste, dass ein erneuter<br />
NPD-Verbotsantrag diesmal Erfolg hätte, wäre ich sofort dafür,<br />
dass wir erneut in Karlsruhe den Antrag stellen, die NPD zu verbieten.<br />
Da aber die prozessuale Lage heute keine grundsätzlich andere ist<br />
als vor ein oder zwei Jahren, räume ich einem Verbotsantrag zur<br />
Zeit keine großen Chancen ein. Diese Auffassung wird z.B. von<br />
allen Innenministern geteilt.</p>
<p><b>Moderator:</b> Weil das Thema so stark nachgefragt wird<br />
im Doppelpack:</p>
<p><b>Steffen:</b> Kann es in einer pluralistischen Gesellschaft<br />
überhaupt die eine Leitkultur geben?</p>
<p><b>thommy:</b> Tragen ideologisch besetzte Begriffe, wie der<br />
der Leitkultur, überhaupt zur Integration bei? Oder trägt<br />
der Begriff der Leitkultur nicht eher zur Spaltung als zur Integration<br />
bei?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Das sind gute Fragen, für die<br />
ich auch Verständnis habe. Aber ideologisch argumentieren nicht<br />
diejenigen, die den Begriff verwenden, sondern jene, die ihn bewusst<br />
falsch interpretieren. Der Begriff Leitkultur stammt von dem syrischen<br />
Islamforsche Bassam Tibi und der steht nun wirklich nicht im Verdacht,<br />
einem politisch nicht korrekten Nationalismus zu huldigen. Es ist völlig<br />
unstrittig, dass unsere kulturellen Traditionen in den vergangenen Jahrhunderten<br />
in vielfältiger Form durch Einflüsse von außen und durch<br />
Zuwanderung beeinflusst und mitgeprägt wurden. Carl Zuckmayr hat<br />
dies in DES TEUFELS GENERAL hinreißend beschrieben. Aus diesen<br />
verschiedenen Strömungen und aufgrund von bestimmten historischen<br />
Entwicklungen wie z.B. Aufklärung und Humanismus, ist eine Kultur<br />
entstanden, die heute für unser Land prägend ist und auch<br />
von solchen Menschen respektiert werden sollte, die aus anderen Kulturkreisen<br />
zu uns kommen.<br />
Nachtrag: Diese historischen geistesgeschichtlichen Entwicklungen hat<br />
es ja nicht in allen Ländern und Kulturkreisen gegeben. Dies bedeutet<br />
nicht, dass wir uns eine kulturelle Überheblichkeit anmaßen,<br />
sondern dass es kulturelle Unterschiede gibt, die man weder negieren<br />
noch tabuisieren sollte.</p>
<p><b>der_erziehungsberechtigte: </b>Herr Bosbach, sollte nicht<br />
in der Öffentlichkeit klar gemacht werden, dass Islam und islamistischer<br />
Fundamentalismus was verschiedenes sind. Ich habe den Eindruck, dass<br />
eine wachsende Abneigung gegenüber Türken und Arabern, die<br />
in Deutschland leben, entsteht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Diese Differenzierung ist in der<br />
Tat notwendig. Insbesondere deshalb, um nicht die Muslime in aller Welt<br />
oder unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger islamischen Glaubens<br />
unter eine Art Generalverdacht zu stellen. Mit dem Begriff Islam meinen<br />
wir eine Glaubensgemeinschaft, demgegenüber handelt es sich beim<br />
Islamismus eher um eine politisch Bewegung. So gibt es z.B. islamische<br />
Länder wie die Türkei, die Demokratien sind, aber es gibt<br />
kein einziges islamistisches Land, das man als Demokratie in unserem<br />
Sinne bezeichnen könnte. Für Islamisten ist Demokratie und<br />
Islamismus ein Widerspruch in sich.</p>
<p><b>erdogan:</b> Sie haben kritisiert, die beiden Terrorzentren<br />
kämen zu spät &#8211; ist das die typische Kritik der Opposition<br />
an Dingen, die man eigentlich richtig findet, aber wo das Haar in der<br />
Suppe gefunden werden muss, weil die Idee von der Regierung und nicht<br />
von der Union kam?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ein gemeinsames Lage- und Analysezentrum<br />
hatten wir bereits unmittelbar nach dem 11. September gefordert. Ebenso<br />
eine gemeinsame Datei aller Sicherheitsbehörden für die Bereiche<br />
internationaler Terrorismus und islamistischer Extremismus. Für<br />
die Errichtung einer solchen Mini-Behörde braucht man bei gutem<br />
Willen allenfalls drei Monate aber nicht mehr als drei Jahre. Das Hauptproblem<br />
besteht darin, dass zwei verschiedene, auch räumlich getrennte,<br />
Analyse- und Lagezentren errichtet wurden. Das bringt mehr Bürokratie<br />
aber nicht mehr Sicherheit. Ursprünglich wollte auch Schily ein<br />
einziges Zentrum, er konnte sich aber gegenüber den Grünen<br />
nicht durchsetzen. Generalbundesanwalt Nehm hat vor kurzem zutreffend<br />
darauf hingewiesen, dass ein einziges Zentrum kein Verstoß gegen<br />
das Trennungsgebot von Diensten und Polizeien wäre.</p>
<p><b>desertson:</b> Was wären Ihrer Vorstellung nach Eckpfeiler<br />
einer Vernünftigen Sicherheitspolitik besonders im Hinblick auf<br />
die Bedrohung diverser Extremisten. Und was für Sicherungsmaßnahmen<br />
würden Sie sich wünschen, um die Bürgerrechte zu schützen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Hierzu einige Beispiele: Wir bräuchten<br />
dringend eine gemeinsame Datei aller Sicherheitsbehörden für<br />
die Bereiche internationaler Terrorismus und islamistischer Extremismus.<br />
Wenn der Staat alles wüsste, was er weiß, wären wir<br />
schon ein Stück sicherer. Dann die Verschmelzung der beiden neuen<br />
Zentren zur Abwehr terroristischer Gefahren zu einem gemeinsamen Zentrum<br />
wäre ein weiterer Sicherheitsgewinn. Insbesondere bei ethnisch<br />
geschlossenen Täterkreisen ist es kaum möglich, mit dem Ermittlungsinstrument<br />
des verdeckten Ermittlers zu arbeiten. Auch deshalb wäre die Wiedereinführung<br />
einer Kronzeugenregelung, sie gibt es seit 1999 nicht mehr, wichtig.<br />
Keine einzige Maßnahme würde zur Einschränkung von Bürgerrechten<br />
führen.</p>
<p><b>coincidence:</b> Mit Ihren Bestrebungen für eine &quot;privilegierte<br />
Partnerschaft&quot; diskreditieren Sie die Anstrengungen in der Türkei<br />
in Richtung mehr Demokratie. Warum soll die Türkei nicht EU-Mitglied<br />
werden?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich möchte mich nicht auf die<br />
beiden klassischen Argumente beschränken, dass die Türkei<br />
geographisch nicht zu Europa gehört und dass sie in einem anderen<br />
Kulturkreis liegt. Beides kann man nun wirklich ernsthaft nicht bestreiten.<br />
Eine Aufnahme der Türkei in die EU würde die begrenzte Integrationskraft<br />
der EU weit überfordern, nicht nur ökonomisch. So werden z.B.<br />
die Integrationskosten geschätzt in einem Volumen zwischen 14 und<br />
28 Milliarden Euro pro Jahr. Bis zur Stunde kann niemand erklären,<br />
woher dieses Geld kommen soll. Die Lage der Menschenrechte in der Türkei<br />
ist nach wie vor besorgniserregend. Die Türkei ist seit Jahren<br />
das Hauptherkunftsland aller Asylbewerber. Die Anerkennung türkischer<br />
Asylbewerber ist überdurchschnittlich hoch. Es ist zwar richtig,<br />
dass die Türkei viele Reformanstrenungen unternommen hat. Richtig<br />
ist aber auch, dass die Rechtspraxis mit der abstrakten Rechtslage sehr<br />
oft wenig zu tun hat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Themenwechsel: Die Föderalismusreform<br />
ist in vollem Gang. Eine wichtige Frage ist, wer künftig die Bildungspolitik<br />
bestimmen soll &#8211; Bund oder Länder? Dazu folgende fragen:<br />
chris: Sie haben mehr Kompetenzen für die Länder in Sachen<br />
Bildung gefordert. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen, dass es tatsächlich<br />
dazu kommt?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Kompetenz für die Bildungspolitik<br />
liegt heute schon bei den Ländern. Ausnahmen gibt es im Hochschulrecht<br />
durch das Hochschulrahmengesetz und durch das Rechtsinstitut der gemeinsamen<br />
Bildungsplanung. Die Union möchte, dass der Bund zukünftig<br />
nur noch Hochschulzugang und die Anerkennung von Hochschulabschlüssen<br />
regelt, den Ländern und Hochschulen aber im übrigen mehr Freiheit<br />
geben. Die Einigungschancen sind allerdings nicht sehr groß, weil<br />
wir nur von den SPD-regierten Ländern unterstützt werden,<br />
nicht aber von der Bundesregierung und der Koalition.</p>
<p><b>key</b>: Kann die Stärkung der Länderkompetenz<br />
nicht zu einer bundesweiten Uneinigkeit führen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja, es ist durchaus möglich,<br />
dass sich bei einer Übertragung von mehr Kompetenzen auf die Länder,<br />
diese auch unterschiedlich entwickeln. Es liegt in der Natur des Föderalismus,<br />
dass die Ländern dort, wo sie eigene Kompetenzen haben, diese unterschiedlich<br />
nutzen und ausgestalten. Die Länder sind schon heute in verschiedenen<br />
Politikbereichen unterschiedlich erfolgreich. Und warum sollen die Bürger<br />
eines Landes nicht einen Nutzen davon haben, dass bei ihnen eine besonders<br />
kluge Landespolitik gemacht wird. Wenn alles überall gleich sein<br />
müsste, brauchten wir keine 16 verschiedene Bundesländer.<br />
<b><br />
Wirtshausberater:</b> Wieso kann man denn das Hochschulrahmengesetz<br />
nicht einfach abschaffen? Lassen sie doch jede Uni selbst entscheiden,<br />
welche Studenten sie aufnimmt, welche Professoren sie beruft, wie sie<br />
diese bezahlt.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ihre Forderung nach mehr Freiheit<br />
für die Hochschulen kann ich gut verstehen. Dessen ungeachtet gibt<br />
es &#8211; über alle Parteigrenzen hinweg &#8211; den Wunsch nach zumindest<br />
einheitlichen Regeln für den Hochschulzugang und für die Vergleichbarkeit<br />
von Hochschulabschlüssen. Ansonsten sollen die Länder die<br />
volle Kompetenz für den Bildungsbereich erhalten und ich hoffe,<br />
dass sie dann auch den Hochschulen mehr Freiheit geben.</p>
<p><b>Moderator:</b> Heute Abend treffen sich die Ministerpräsidenten<br />
wegen der Föderalismusreform. Was erwartet uns denn nun: Reform<br />
oder Reförmchen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Wenn ich die Frage schon jetzt beantworten<br />
könnte, würde ich ab morgen im Zirkus auftreten. Wenn wir<br />
uns am Freitag tatsächlich nur auf das einigen können, worüber<br />
derzeit Konsens besteht, wäre es wirklich nur ein Reförmchen<br />
und keine echte Staatsreform. Ich hoffe darauf, dass die Ministerpräsidenten<br />
heute in wichtigen Punkten eine Einigung erzielen, die uns dem großem<br />
Ziel Staatsreform tatsächlich näher bringt.</p>
<p><b>Oxford:</b> Wie sehen Sie die Rolle der neuen Bundespolizei<br />
(BGS) in Deutschland? Würden Sie ihr mehr Aufgabenbereiche und<br />
Kompetenzen erteilen?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein. Wir haben bereits in der vorvergangenen<br />
Wahlperiode eine umfassende BGS-Reform vorgenommen. Weitergehende polizeilichen<br />
Befugnisse müssen wir dem BGS &#8211; jedenfalls derzeit &#8211; nicht geben.<br />
Man sollte einmal darüber nachdenken, ob man nicht die kriminalpolizeiliche<br />
Arbeit von BKA, BGS und ZKA (Anmerkung d. Redaktion: Zollkriminalamt)bündeln<br />
sollte, damit nicht in gleichen Tatkomplexen nebeneinander ermittelt<br />
wird. Was z.B. für den BGS ein Schleuser ist, könnte für<br />
das ZKA ein Schmuggler sein.</p>
<p><b>MaKi:</b> Das NEIN zur neuen Bundespolizei, beziehungsweise<br />
zur Aufgabenerweiterung von BKA und BfV, kann ich nicht verstehen. Ist<br />
die Sicherheit nicht wichtiger als der Föderalismus?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich gehöre der CDU an und nicht<br />
den Grünen. Alleine die Grünen weigern sich bis zur Stunde<br />
standhaft, dem BKA zusätzliche Kompetenzen zu geben. Die Union<br />
ist hierzu bereit, sofern sich die terroristische Gefahr noch nicht<br />
regional konkretisiert hat oder ein LKA um Unterstützung vom BKA<br />
bittet. Repressiv kann das BKA bei terroristischen Gefahren schon heute<br />
tätig werden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Sie äußern &quot;viel Verständnis&quot;<br />
für die Forderung der ostdeutschen Ministerpräsidenten, den<br />
Solidarpakt im Grundgesetz festzuschreiben. Roland Koch hat dies bereits<br />
als Forderung aufgestellt. Schließen Sie sich Ihm an?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich kann in der Tat diese Forderung<br />
der ostdeutschen Ministerpräsidenten verstehen, denn sie wollen<br />
für längere Zeit Planungssicherheit haben. Allerdings wäre<br />
es ein Novum, staatliche Finanzhilfen der Höhe nach im Grundgesetz<br />
zu beziffern. Daher weiß ich nicht, ob man alleine in diesem Punkt<br />
eine Einigung wird scheitern lassen können bzw. wollen. Denkbar<br />
wäre ein politisch verbindlicher Begleittext zur Verfassungsreform.<br />
Solche Texte wird es auch für andere Neuregelungen geben.</p>
<p><b>Paolo:</b> Was wird aus dem Westen? Brauchen wir nicht<br />
auch einen &quot;Solidarpakt&quot; für den Westen, da es den Ländern<br />
alles andere als gut geht?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Forderung, dass wir Fördergelder<br />
nicht alleine geographisch verteilen sondern anhand von objektiven Kriterien<br />
und Strukturdaten, ist verständlich. In diesem Zusammenhang ist<br />
allerdings zu berücksichtigen, dass der Solidarpakt für den<br />
Aufschwung Ost bis zum Jahre 2019 vereinbart wurde. Und die Ostdeutschen<br />
Bundesländer vertrauen auf diese Zusage.</p>
<p><b>Politikstudent:</b> Herr Bosbach, können Sie sich<br />
vorstellen im Falle eines Wahlsieges 2006 ein Ministeramt zu übernehmen?<br />
Und wenn ja, welches?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ehrt mich, dass sie mir ein Ministeramt<br />
zutrauen, aber hierfür müsste ich zunächst mit der gebotenen<br />
Demut das Wählervotum abwarten. Dass mich das Innenministerium<br />
reizen würde, ist kein Geheimnis.</p>
<p><b>Moderator:</b> Aus aktuellem Anlass: Hans Eichel will Diesel<br />
und Benzin angeblich künftig gleich hoch besteuern, wenn der Bund<br />
die Kompetenz für die Kfz-Steuer erhalten. Was halten Sie davon?</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Im Zuge des so genannten kleinen<br />
Steuertausches soll nach dem derzeitigen Stand der Dinge die Kfz-Steuer<br />
zum Bund und die Versicherungssteuer zu den Ländern gehen. Das<br />
hätte für den Bund den Vorteil, dass er in dem Politikfeld<br />
Verkehr die Kompetenz für die Mineralölsteuer, die Kfz-Steuer<br />
und die Maut hätte. Das halte ich für sinnvoll. Hans Eichel<br />
müsste mir seinen Vorschlag erst einmal erklären. Will er<br />
Diesel zukünftig so hoch besteuern wir Benzin oder Benzin so hoch<br />
wie Diesel? Vermutlich geht es ihm nur um Mehreinnahmen und Steuererhöhungen<br />
sind das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können.</p>
<p><b><b>Moderator:</b></b> Das war unsere<br />
Chat-Stunde, vielen Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr<br />
Bosbach, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Das Protokoll dieses<br />
Chats finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Einen schönen<br />
Tag wünscht allen das tacheles.02-Team.</p>
<p><b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich bedanke mich bei allen Usern<br />
für das rege Interesse und die klugen Fragen und entschuldige mich<br />
bei jenen, die mich nicht erreichen konnten.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Terrorismus und Zuwanderungsgesetz</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
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					<description><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm">
<b>Wolfgang Bosbach<!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->28.04.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" -->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute der Unionsfraktionsvize und Innenexperte Wolfgang<br />
Bosbach ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Bosbach, sind Sie bereit<br />
für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wbosbach.jpg" alt="Wolfgang Bosbach, Unions-Fraktionsvize" align="left" height="115" width="84" />Wolfgang<br />
Bosbach:</b> Ich freue mich darauf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir wollen in der nächsten Stunde<br />
verschiedenste Themen ansprechen: Kanzlerkandidaten-Frage, Schicksal<br />
der GSG-9-Beamten im Irak, Terrorismus, Bundespräsidentenfrage,<br />
Zuwanderungsgesetz. Doch erst eine Frage vorweg: Auf welchem Gebiet<br />
ist die Union Ihrer Einschätzung nach momentan am erfolgreichsten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> In der Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik,<br />
weil wir da schon am Beispiel Neuregelung für die Minijobs nachweisen<br />
konnten, dass unsere Ideen zur Belebung des Arbeitsmarktes die Richtigen<br />
sind. In diesem Bereich wurden hunderte neue Arbeitsplätze geschaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort Terrorismus:<br />
Ihrer Meinung nach wird die Gefahr des islamistischen Terrorismus in<br />
Deutschland noch weitgehend unterschätzt. Was müsste am dringendsten<br />
getan werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Wir müssen uns die Menschen,<br />
die nach Deutschland einreisen wollen, näher ansehen und es muss<br />
wieder gelten, im Zweifel für die Sicherheit und nicht wie zur<br />
Zeit für die Einreisefreiheit. Wir müssen uns von ausländischen<br />
Straftätern, gewaltbereiten Islamisten und Terrorhelfern leichter<br />
trennen können, als das derzeit möglich ist. Wir müssen<br />
aber auch die geistige Auseinandersetzung mit denen führen, die<br />
unsere freiheitliche Ordnung stören wollen.
</p>
<p>
<b>Claudia:</b> Im Hilton-Hotel in Berlin war gerade wieder<br />
ein Fehlalarm, reagieren wir inzwischen auf Terrordrohungen nicht viel<br />
zu sensibel?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es gibt keinen Grund, die Sicherheitslage<br />
zu dramatisieren, aber wir dürfen sie auch nicht bagatellisieren.<br />
Wenn die Sicherheitsbehörden ernstzunehmende Hinweise auf ein möglicherweise<br />
stattzufindendes Attentat bekommen, dann bleibt ihnen nichts anderes<br />
übrig, als zur Gefahrenabwehr das Gebäude räumen zu lassen<br />
und nach Sprengstoff zu suchen, oder anderen Gefahrenquellen.
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Welche Kriterien sollen denn da gelten?<br />
Müsste nicht viel mehr Datenaustausch zwischen den Geheimdiensten<br />
erfolgen? Was spricht denn gegen ein deutsches FBI?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der reibungslose und direkte Austausch<br />
von Daten und Informationen ist zur Terrorbekämpfung außerordentlich<br />
wichtig. Es gibt immer noch keine zentrale Datei zur Terrorismusbekämpfung,<br />
in der sowohl die Polizeien als auch die Dienste ihre Erkenntnisse einstellen<br />
können bzw müssen; dies wird begründet mit dem sog. Trennungsgebot<br />
von Diensten und Polizeien. Das Argument überzeugt aber nicht,<br />
denn es geht nicht um die Übertragung von Befugnissen auf die Dienste,<br />
sondern nur um den Austausch von Informationen. Wenn die Polizei wüsste,<br />
was sie alles weiß, wäre Deutschland sicherer. Eine zentrale<br />
Bundespolizei neben BKA, BGS und ZKA würde meiner Überzeugung<br />
nach aber nicht zu mehr Sicherheit führen. Möglich wäre<br />
jedoch die ermittelnden Einheiten der Bundespolizeien zusammen zu fassen.
</p>
<p>
<b>grinx03:</b> Brauchen wir den großen Lauschangriff<br />
und Vorratsdatenspeicherung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Die akkustische Wohnraumüberwachung<br />
ist zwar ein nur sehr selten angewandtes aber unverzichtbares Mittel<br />
zur Verbrechensbekämpfung, das sich in den letzten Jahren insbesondere<br />
bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen bewährt hat. Bei<br />
der Vorratsdatenspeicherung kann ich im Moment nicht erkennen, auf welchen<br />
Sachverhalt sich die Frage bezieht.
</p>
<p>
<b>gaby:</b> Hat die Union Pläne, wie man Terrorbekämpfung<br />
in Europa besser koordinieren könnte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Es ist richtig, dass wir den internationalen<br />
Terrorismus mit nationalen Mitteln alleine nicht werden bekämpfen<br />
können. Notwendig sind eine funktionierende grenzüberschreitende<br />
Zusammenarbeit: Der Austausch von Verbindungsbeamten, aber auch Ermittlungserkenntnissen<br />
und die Stärkung von Europol.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir springen kurz zurück:
</p>
<p>
<b>bluemoon:</b> Eine neue Bundespolizei sicherlich nicht,<br />
aber eine, die die Aufgaben der einzelnen Behörden, es gibt ja<br />
auch noch die ganzen Landesbehörden, bündelt! Ist es da nicht<br />
logische Konsequenz, dass etwas schief gehen muss. Warum wird hier die<br />
föderale Organisation so &quot;hoch&quot; gehalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich will das nicht mit dem formalen<br />
Argument begründen, dass es zunächst die Länder gab und<br />
dann erst den Bund, und dass das Grundgesetz von einer grundsätzlichen<br />
Verwaltungshoheit der Länder ausgeht, sondern von zwei anderen<br />
Überlegungen: Zum Einen garantieren dezentrale Strukturen einen<br />
viel unmittelbareren Überblick über Gefährdungslagen<br />
bei der inneren Sicherheit (die Länderpolizeien sind am Geschehe<br />
&quot;näher&quot; dran) und große Behörden und Organisationsstrukturen<br />
bedeuten oft nicht mehr Effektivität, sondern mehr Bürokratie.<br />
Bei gemischten Zuständigkeiten von Bund und Ländern besteht<br />
zu dem die Gefahr, dass entweder zwei Behörden am gleichen Sachverhalt<br />
arbeiten oder dass ein Sachverhalt überhaupt nicht bearbeitet wird,<br />
weil jeder glaubt, die Zuständigkeit läge beim anderen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch eine weitere Facette des Themas: Die<br />
Union fordert den Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Blödsinn sagen<br />
andere. Deshalb,&#8230;
</p>
<p>
<b>marcy:</b> Ist die Bundeswehr dem Terrorismus gewachsen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir wollen nicht die Gewährleistung<br />
der inneren Sicherheit von der Polizei auf die Bundeswehr übertragen,<br />
sondern nur die Rechtsgrundlagen dafür schaffen, dass die Bundeswehr<br />
zukünftig zur Abwehr terroristischer Gefahren im Inland eingesetzt<br />
werden darf, wenn nur sie die Fähigkeiten hat, einen Angriff abzuwehren.<br />
Bei Angriffen aus der Luft ist es ja evident, dass nur die Luftwaffe<br />
der Bundeswehr, nicht aber die Polizei, die Gefahr bannen kann. Wir<br />
haben weltweit die besten ABC-Abwehrkräfte, die wir nach unsere<br />
Verfassung in jedem Land der Erde einsetzen dürfen, nur nicht in<br />
Deutschland zur Abwehr eines terroristischen Anschlags. Das wollen wir<br />
ändern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stichwort: Mzoudi-Freispruch:
</p>
<p>
<b>wischi:</b> Untergräbt die Justiz die Polizeiarbeit,<br />
siehe Prozess in Hamburg, indem sie Terroristen wieder auf freien Fuß<br />
setzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Das Urteil habe ich mit zwiespältigen<br />
Gefühlen zur Kenntnis genommen. Auf der einen Seite ist es in der<br />
Tat mehr als nur unbefriedigend, wenn ein zweifelsfrei brandgefährlicher<br />
Angeklagter den Gerichtssaal als freier Mann verlassen kann., aber den<br />
Grundsatz &quot;Im Zweifel für den Angeklagten&quot; können<br />
und dürfen wir aus rechtsstaatlichen Überlegungen nicht aufgeben.<br />
Wenn ein Gericht Zweifel an der Schuld eines Angeklagten hat, kann keine<br />
Verurteilung erfolgen. Aber das heißt nicht, dass Her Mzoudi wegen<br />
seiner Gefährlichkeit nicht ausgewiesen werden sollte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier wollen wir zu einem anderen Thema<br />
überleiten:<br />
Humanitäre Organisationen haben sich besorgt darüber gezeigt,<br />
dass die wichtige und überfällige Entscheidung beim Zuwanderungsgesetz<br />
zunehmend von Fragen der Terrorbekämpfung dominiert wird. Gibt<br />
es da eine unheilvolle Verquickung?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal zur internationalen Strafbarkeit:
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nein. Das Ausländerrecht hat<br />
stets auch Vorschriften zum Zwecke der Gefahrenabwehr enthalten, die<br />
unserer Überzeugung nach den neuen Gefährdungslage angepasst<br />
werden müssen. Anfang des Jahres hat Rot-Grün gefordert, das<br />
Kapitel Sicherheit aus den Verhandlungen auszuklammern: das konnten<br />
wir nicht akzeptieren. Nach dem 11. März war Rot-Grün nun<br />
doch bereit, auch über dieses Thema zu sprechen. Die Verhandlungen<br />
werden am kommenden Wochenende fortgesetzt.
</p>
<p>
<b>Walt:</b> Wie wird sich die Union im Zuwanderungsstreit<br />
verhalten? Prognosen besagen, dass Deutschland eine jährliche Zuwanderung<br />
von ca. 250.000 Menschen benötigt, um die negativen wirtschaftlichen<br />
Effekte des Bevölkerungssrückganges halbwegs zu kompensieren.<br />
Ist es da nicht reichlich kontraproduktiv, die Zuwanderung zu begrenzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben jedes Jahr eine Bruttozuwanderung<br />
zwischen 750.000 und 800.000 und eine Nettozuwanderung von ca. 200.000.<br />
Wenn wir uns darum bemühen würden, das Geburtendefizit durch<br />
mehr Zuwanderung zu kompensieren, müssten wir die Nettozuwanderung<br />
vervierfachen, was die Integrationskraft unseres Landes weit überfordern<br />
würde. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist allerdings<br />
in der Tat besorgniserregend, dies ist aber in erster Linie eine Herausforderung<br />
für die Familienpolitik, nicht für das Ausländerrecht.
</p>
<p>
<b>regina:</b> Was ist Brutto, was ist Netto?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Nettozuwanderung ergibt sich aus<br />
dem Zuzug aller Deutschen und Ausländer nach Deutschland (Bruttozuwanderung)<br />
minus dem Fortzug von Deutschen und Ausländern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers<br />
hat an den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat appelliert,<br />
nicht den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung im geplanten Zuwanderungsgesetz zu streichen. Im europäischen<br />
Vergleich habe Deutschland in diesen Fragen noch Nachholbedarf, so Lubbers.<br />
Ist die Union dort uneinsichtig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Die Bundesregierung hat vor wenigen<br />
Wochen der betreffenden EU-Richtlinie zugestimmt, so dass sie nun für<br />
Deutschland geltendes Recht wird. Dem Text dieser Richtlinie könnten<br />
wir ins deutsche Ausländerrecht übernehmen. Wir sollten aber<br />
nicht über diese Richtlinie hinaus gehen.
</p>
<p>
<b>Steuerzahler:</b> Sattelt man da das Pferd nicht von der<br />
falschen Seite? Sollte man nicht eher die Familie so stärken, dass<br />
eine Frau mit Kind erwerbstätig bleiben kann, anstatt die Zuwanderung<br />
allein zu regeln?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Richtig ist, dass wir die gesellschaftlichen<br />
Rahmenbedingung so ändern sollten, dass insbesondere junge Familien<br />
bzw. erwerbstätige Mütter nicht vor die Alternative gestellt<br />
werden, Erziehung oder Erwerbstätigkeit, sondern dass sie beides<br />
&#8211; wenn sie es gerne möchten &#8211; miteinander vereinbaren können.<br />
Dazu gehören die Stichworte &quot;ausreichende Kindertagesstätten,<br />
Ganztagsschule, Randstunden – Über-Mittags-Betreuung&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorletzten Antwort: Sie stimmen<br />
also zu, den Schutz von Opfern nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer<br />
Verfolgung nicht zu streichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Wir haben stets gesagt, dass wir<br />
den Anwendungsbereich der Genfer-Flüchtlingskonvention strikt beachten,<br />
aber auch nicht ausdehnen wollen. Schon nach geltender Rechtslage können<br />
auch Opfer von nichtstaatlicher Verfolgung innerstaatlichen Schutz in<br />
Anspruch nehmen, aber nicht bei jeder Form nichtstaatlicher Verfolgung,<br />
z.B. dann wenn sich marodierende Banden bekämpfen.
</p>
<p>
<b>kummer:</b> Tja, nur mit dem Aufruf zum Kinderkriegen<br />
wird man das nicht hinbekommen. Vielleicht ein bisschen familienfreundlicher<br />
agieren? Die Merzsche Steuerpolitik ist ja da nicht gerade besonders<br />
weit &#8211; am Ende tut`s den Besserverdienern wieder gut.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Der bloße Aufruf alleine wird<br />
sicherlich die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder nicht sprunghaft<br />
ansteigen lassen, aber eine konsequente kinderfreundliche Politik wohl.<br />
Das Merzsche Steuerkonzept ist ausgesprochen familienfreundlich, denn<br />
jeder soll einen Freibetrag in Höhe von 8.000 Euro pro Person erhalten<br />
plus Arbeitnehmerpauschalbetrag &#8211; wäre bei einer vierköpfigen<br />
Familie ein Betrag von 33.000 Euro komplett steuerfrei, so dass insbesondere<br />
viele Familien mit Kindern überhaupt keine Einkommessteuer mehr<br />
bezahlen müssten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Um den Deckel bei der Zuwanderung zuzumachen:<br />
Am Freitag tagt mal wieder die Arbeitsgruppe Zuwanderung des Vermittlungsausschusses<br />
von Bundestag und Bundesrat. Wird es zum Durchbruch kommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich würde mich ja schon freuen,<br />
wenn es wenigstens einen substantiellen Fortschritt geben würde.<br />
Dies setzt allerdings voraus, dass wir von Seiten der Koalition beim<br />
Bereich Sicherheit nicht nur vage Ankündigungen, sondern konkrete<br />
Texte vorgelegt bekommen, über die man dann verhandeln kann. Auch<br />
wenn wir am Wochenende nicht zu einem Abschluss kommen sollten, werden<br />
wir am Samstag doch sicherlich, eher als heute beurteilen können,<br />
ob es am Ende zu einer Einigung kommen wird oder nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nächstes Thema: Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem. Wegen des tödlichen<br />
Anschlags auf einen deutschen Konvoi im Irak sollen GSG-9-Beamte zum<br />
Schutz der Botschaft in Bagdad nun doch mit dem verlegt werden. Heute<br />
hat der Innenausschuss darüber getagt, was ist dabei herausgekommen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich habe leider persönlich<br />
an den Beratungen nicht teilnehmen können. Nach den uns bisher<br />
erteilten Informationen können wir jedoch nach wie vor nicht nachvollziehen,<br />
warum es nicht möglich gewesen sein soll, neben dem Geschäftsträger<br />
auch die GSG-9-Beamten auf dem sichereren Luftweg nach Bagdad zu transportieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt den Vorwurf, die Bundesregierung<br />
sei zu stolz gewesen, die Amerikaner um Transportmöglichkeiten<br />
zu bitten. Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich halte es für nicht ausgeschlossen,<br />
dass dieser Vorwurf zutreffend ist. Sollte er sich als wahr herausstellen,<br />
wäre eine derartige Haltung unbegreiflich und unverantwortlich,<br />
denn bei der besonderen Gefahrenlage im Irak muss der Schutz von Menschenleben<br />
immer mehr Gewicht haben als jede politische Erwägung.
</p>
<p>
<b>calamity:</b> Glauben Sie, nachdem zwei GSG9 Beamte entführt<br />
wurden, dass wir uns überhaupt am wirtschaftlichen Aufbau im Irak<br />
beteiligen sollten, wäre dies nicht zu gefährlich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ein Irak, das eine stabile demokratische<br />
Ordnung hat, die Menschenrechte wahrt und von dem keine Gefahr mehr<br />
ausgeht, liegt auch in unserem Interesse. Daher sollten auch wir uns<br />
an humanitären Hilfeleistungen für den Irak angemessen beteiligen.<br />
Es geht dabei nicht in erster Linie um die Beseitigung von Kriegsschäden,<br />
sondern um den Wiederaufbau eines Landes, das unter einer jahrzehntelangen<br />
Diktatur gelitten hat. Richtig ist, dass bei dem Einsatz von Personal<br />
auf deren Sicherheit besonderer wert gelegt werden muss.
</p>
<p>
<b>sommerwind</b> Sie verteidigen Köhlers Kritik an<br />
den USA. Fallen sie damit Merkel in den Rücken oder loten sie einen<br />
Kurswechsel aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Horst Köhler hat gestern vor<br />
der Unionsfraktion in der Bundesversammlung gesagt, dass sowohl die<br />
USA als auch die Europäer Fehler gemacht hätten. Wer will<br />
das bestreiten? Er hat aber auch gesagt, dass die USA &quot;ein Hort<br />
der Freiheit&quot; seien und dass unser Platz an ihrer Seite sein müsste.<br />
Dies ist kein Widerspruch zu den Positionen im Irak-Konflikt und ich<br />
sehe auch keinen Grund, warum Angela Merkel ihre bisherigen Aussagen<br />
in diesem Punkt korrigieren sollte.
</p>
<p>
<b>politicalforce:</b> Zur K-Frage: Jeder der beiden bedeutendsten<br />
Politiker, Stoiber wie auch Merkel, würden beim nächsten Mal<br />
den Wechsel schaffen. Nur die Frage, ob die Partei- und Fraktionschefin<br />
sich mit dem Verweis Stoiber hat seine Chance schon bewiesen, vielleicht<br />
auch auf sein Alter, 2006 durchsetzt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Über ihren Optimismus freue<br />
ich mich, allerdings schlage ich vor, dass wir nicht zu früh jubeln,<br />
sondern alle Kraft darauf konzentrieren, dass aus den guten Umfrageergebnissen<br />
ein ebenso gutes Wahlergebnis wird. Die berühmte K-Frage sollten<br />
wir erst dann entscheiden, wenn sie entschieden werden muss, was nach<br />
Lage der Dinge erst 2006 der Fall sein wird.
</p>
<p>
<b>ju_stadtlohn:</b> Herr Köhler spricht doch nicht<br />
ex cathedra, das ist doch eine Meinung unter vielen. Warum wird er dennoch<br />
zurück gepfiffen?
</p>
<p>
W<b>olfgang Bosbach:</b> Niemand pfeift Herrn Köhler<br />
zurück und für mich ist es geradezu erfreulich und erfrischend,<br />
wie offen Herr Köhler das sagt, was er denkt. Auch für ihn<br />
gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung und davon sollte<br />
er auch weiterhin Gebrauch machen.
</p>
<p>
<b>icke03:</b> Hätte Merkel überhaupt noch eine<br />
Chance auf eine Kanzlerkandidatur, würde wider Erwarten Gesine<br />
Schwan zur Bundespräsidentin gewählt werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ja. Deutschland hat in den vergangenen<br />
Jahrzehnten zwei Männer in den Ämtern des Bundeskanzlers und<br />
Bundespräsidenten völlig problemlos verkraftet. Warum sollte<br />
das bei zwei Frauen anders sein?
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das ist doch nur Geplänkel &#8211; es weiß<br />
doch jeder, dass, wenn Angela Merkel zur Wahl antreten würde, die<br />
derzeitige Regierung weitere 4 Jahre regieren würde.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Ich glaube, dass wir mit einer Kanzlerkandidatin<br />
Angela Merkel gute Wahlchancen hätten, denn sie hat sich in allen<br />
bisherigen Ämtern hervorragend bewährt und genießt nicht<br />
nur in der Union hohes Ansehen. Ich bitte aber auch um Verständnis<br />
dafür, dass ich mich an K-Spekulationen nicht weiter beteiligen<br />
möchte, denn die Union würde einen kapitalen Fehler machen,<br />
wenn wir uns jetzt mehr mit Personal- als mit Sachfragen beschäftigen<br />
würden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Dazu passt:
</p>
<p>
<b>Mark25:</b> Das heißt man wählt nicht mehr,<br />
weil man von Konzepten der jeweiligen Partei überzeugt ist, sondern<br />
nur um die &quot;Anderen&quot; abzuwählen&#8230;.?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach:</b> Sicherlich spielt bei vielen Wahlentscheidungen<br />
nicht nur die Begeisterung über die Politik der gewählten<br />
Partei, sondern auch die Enttäuschung über die Fehlleistungen<br />
der politischen Konkurrenz eine Rolle. Meistens haben die Wählerinnen<br />
und Wähler ein ganzes Bündel von Wahlmotiven, aber den Wahlzetteln<br />
kann man es nicht ansehen, warum die Wähler die eine oder die andere<br />
Partei gewählt haben.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank<br />
an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind<br />
leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Bosbach, dass Sie<br />
sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats<br />
finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt<br />
es am nächsten Montag, dem 3. Mai, ab 3.00 Uhr mit dem Chef der<br />
Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Ludwig Georg Braun. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Bosbach: </b>Ich bedanke mich für das lebhafte<br />
Interesse und hoffe, dass niemand enttäuscht ist, dass ich seine<br />
Frage nicht beantwortet habe.
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Wolfgang Bosbach</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Bosbach]]></category>
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					<description><![CDATA[<table border="0">
	<tbody>
		<tr valign="top">
			<th align="right">Moderator:</th>
			<td>
			Sehr geehrter Herr Bosbach, im Namen von politik-digital moechte ich
			Sie herzlich zu unserer heutigen digitalen Diskussionsrunde begruessen.
			Viel Spass!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0">
<tbody>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Sehr geehrter Herr Bosbach, im Namen von politik-digital moechte ich<br />
			Sie herzlich zu unserer heutigen digitalen Diskussionsrunde begruessen.<br />
			Viel Spass!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Zuerst eine kleine Einleitungsfrage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">sunny:</th>
<td>
			Was bewegte Sie zum Eintritt in die CDU?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Das war die Auseinandersetzung über die Ostverträge Anfang der 70&#8217;er<br />
			Jahre und der Umstand, dass ich damals viele junge Leute nicht nur<br />
			politisch interessierten und engagierten, sondern auch parteipolitisch<br />
			betätigt haben.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Steht die Mehrheit in CDU- und CSU-Fraktion hinter Ihren Ideen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Für mich kam nur die Union in Frage. Zunächst war ich nur JU-Mitglied und bin dann in die CDU eingetreten.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Fragen sie mich dienstag Abend noch einmal. Ich erwarte in der Fraktion eine lebhafte und interessante Debatte.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			wo steht für sie die CDU in der heutigen parteienlandschaft
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			In der Mitte wäre zu einfach. Die CDU bemüht sich auf die aktuellen<br />
			Fragen die richtigen Antworten und für die drängenden Zukunftsproblemen<br />
			die richtigen Lösungen zu finden.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Welchen Aufwand betreibt ihre Partei im Internet &#8230; Kosten, Personen, spezielle Inhalte etc. ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich glaube, dass uns ein rechts-links-Schema nicht weiter bringt.<br />
			Entscheidend ist ob die Politik richtig oder falsch, zukunftsorientiert<br />
			oder rückwartsgewandt ist.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			ich bin wohl ein bisschen zu voreilig mit den fragen 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Diese Auskunft kann ihnen nur unsere Bundesgeschäftsstelle geben.<br />
			Jedenfalls bemühen wir uns, den neuen Info-Medien viel stärker zu<br />
			nutzen als es früher der Fall war.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Larsandl:</th>
<td>
			Wie wollen Sie die CDU/CSU im Bereich Medien, inbesondere Neue Medien,<br />
			verbessern? Wo gibt es in Ihren augen in der eigenen Partei Mängel?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Wir müssen als Union viel stärker auf neue technische Möglichkeiten und die damit verbundenen Chancen reagieren&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Hier geht es aber nicht nur um die Nutzung neuer technischer Anwendungen sondern auch um Inhalte&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Ich glaube, dass das Internet eine einmalige Chance bietet, Politik<br />
			transparenter zu machen und viel mehr Menschen als bislang in<br />
			Meinungsbildungsprozesse mit einzubeziehen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Was halten Sie von Wahlen über das Internet? 
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Meinungsbildung und innerparteiliche Abstimmungen könnte ich mir vorstellen; Wahlen im klassischen Sinne jedoch nicht&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Wir sollten den Gang zum Wahllokal nicht durch den Mausklick<br />
			ersetzen. Ausserdem kann ich beim besten Willen nicht überblicken<br />
			inwieweit Missbrauchsmöglichkeiten verhindert werden können.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			glauben sie,dass über das internet wieder eine grössere nähe zwischen wählern und politik geschaffen werden kann?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Uneingeschränkt: ja! Allerdings wird das Internet nie den persönlichen Kontakt und den persönlichen Dialog ersetzen können.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Und Sie persönlich wie nutzen sich das Internet, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Wir haben sowohl im Berliner Büro als auch im Wahlkreisbüro ein<br />
			Internet-Zugang und ich habe zunächst nicht damit gerechnet welchen<br />
			Umfang die Kommunikation via Internet annehmen würde&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Meine Erfahrungen sind durchweg positiv. Nicht zuletzt deshalb,<br />
			weil sich User erfahrungsgemäß kurz und präzise ausdrücken und die<br />
			Dinge auf den Punkt bringen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Sie sprechen in Ihrem Thesenpapier von &#8216;Quoten&#8217; &#8211; sollen die auch für Asylbewerber gelten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Nein! Denn das würde im Ergebnis bedeuten, dass bei Erreichen der<br />
			beschlossenen Quote ein tatsächlich politisch Verfolgter keine Aufnahme<br />
			mehr finden könnte&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Allerdings müsste konsequenterweise ein hoher Zuzug von politisch Verfolgten Auswirkungen haben auf den Zuzug im übrigen&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Wir können nicht unsteuerbaren Zuzug und gesteuerten Zuzug einfach<br />
			addieren. Deswegen bessere Bekämpfung des Asylmissbrauchs, um<br />
			Möglichkeiten für Zuwanderung aus anderen Gründen zu gewinnen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">ilona5:</th>
<td>
			wann ist deutschland ein einwanderungsland geworden? mit dem antritt ihrer neuen parteivorsitzenden?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Deutschland wirbt seit 1973 nicht mehr um Zuwanderung. Dennoch sind in den letzten 10 Jahren netto 2 Mio. Ausländer zugezogen&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Die Frage ob wir trotzdem oder deshalb ein Einwanderungsland sind<br />
			ist müßig, denn viel wichtiger ist die Beantwortung der Frage, welche<br />
			Chancen die Einwanderer in unserem Land haben und was wir von ihnen<br />
			nicht nur erwarten dürfen sondern auch erwarten müssen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Daran hat sich mit der Wahl von Frau Dr. Merkel nichts geändert.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">annex:</th>
<td>
			Wie wichtig war für Ihr Papier die Arbeit der &#8216;Arbeitsgruppe Flüchtlingskonzeption&#8217; von Wolfgang Schäuble von 1990?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich habe mich nicht an zuvor angefertigten Papieren orientiert, sondern<br />
			ausschließlich die mir übertragene Aufgabe erfüllt eine<br />
			Zustandbeschreibung über aktuelle Fragen der Einwanderungspolitik<br />
			abzugeben und eine Diskussionsgrundlage für eine moderne Ausländer- und<br />
			Asylpolitik vorzulegen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">paul:</th>
<td>
			Ist die einwanderungspolitik der USA auf deutsche Verhältnisse übertragbar?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Nein, weil wir im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten nie ein klassisches Einwanderungsland waren.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			finden sie die haltung der cdu in bezug auf die einwanderungsdebatte<br />
			nicht äusserst inkonsequent? wenn man die letzten jahre betrachtet, in<br />
			denen sie immer behauptet haben deutschland sei KEIN einwanderungsland,<br />
			jetzt jedoch die gegnteilige meinung vertreten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Die USA sind 23mal so groß wie die Bundesrepubli Deutschland, haben aber nur 3mal so viel Einwohner&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;außerdem haben sie ganz andere Probleme wie wir, denken Sie beispielsweise an die Situation im Grenzgebiet zu Mexiko.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			zu login: &#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;ich habe in meinem Diskussionspapier ausdrücklich darauf<br />
			hingewiesen, dass uns die Erörterung der Frage, ob wir ein<br />
			Einwanderungsland sind überhaupt nicht weiter bringt&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;je nach dem welche politische Meinung man vertrat, wurde die Frage bajaht oder verneint. Was war damit gewonnen?&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Entscheidend ist alleine, wie man mit Einwanderung umgeht und<br />
			Einwanderen umgeht und wie man Belastungen vermeidet und Chancen nutzt.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">heini:</th>
<td>
			Welche Maßnahmen sind nach den gehäuften Polizistenmoreden in letzer<br />
			Zeit zu ergreifen, um eine höhere Sicherheit der Beamten zu<br />
			gewährleisten?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Die Morde in Dortmund und Waltrop wären zwar nicht durch moderne<br />
			schuss- und stichfeste Schutzwesten zu verhindern gewesen, dennoch<br />
			braucht unsere Polizei diese Ausrüstung&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Daneben muss die Aus- und Fortbildung dahingehend verbessert werden,<br />
			dass Gefahrensituationen früher erkannt werden können und rechtzeitiger<br />
			reagiert werden kann.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Floarin:</th>
<td>
			Beurteilen Sie den Kompromiss zum Atomausstieg zwischen Regierung und Atomwirtschaft positiv oder negativ?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Ich kann nicht erkennen, dass es sich hier um einen Ausstieg handelt.<br />
			Es handelt sich um eine Vereinbarung zum Abbau von Arbeitsplätzen an<br />
			den Standorten von Kernkraftwerken..
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230; Ich gehe davon aus, dass die Energieunternehmen nach und nach<br />
			verstärkt zu Energiehandelsunternehmen werden, die ganz sicher auch mit<br />
			Atomstrom handeln werden, der außerhalb Deutschlands produziert wird.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">login:</th>
<td>
			welche entscheidung erhoffen sie von den gruenen in bezug auf den atomausstieg?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Die Grünen müssen sich zwischen der Beibehlatung ihrer politischen Überzeugung oder der Beibehaltung ihrer Ämter entscheiden&#8230;.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Ich habe keinen Zweifel, dass sie die letzte Alternative wählen werden.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">muffin:</th>
<td>
			Was kann ein Friedrich Merz in der CDU bewirken, was seine Vorgänger nicht schaffen würden oder geschafft haben?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Friedrich Merz kann und wird in der Fraktion von CDU und CSU ebenso wie<br />
			Angela Merkel in der Partei dafür sorgen, dass es zu offenen und fairen<br />
			Diskussionen über die wichtigen Sachfragen unserer Zeit kommt und dass<br />
			die dann zu treffenden Entscheidungen geschlossen getragen werden&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Ich glaube, dass lebhafte Diskussionen in einer Partei die Menschen<br />
			nicht verwirren, sondern beweisen, dass die Union eine lebendige<br />
			Volkspartei ist, in der auch unterschiedliche Meinungen zum tragen<br />
			kommen.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Da die Zeit leider schon vorbei ist stellt m_barth nun die vorletzte Frage:
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">m_barth:</th>
<td>
			Wie wird der Einfluß des Internets in der Zukunft auf die Politik aussehen, wo sehen Sie Chancen?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Der Einfluss des Internets wird kontinuierlich zunehmen und ich bin der<br />
			Überzeugung, dass nicht nur die junge Generation das Medium noch<br />
			stärker nutzen wird&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Wähler und Gewählte rücken schneller und enger zusammen. Das ist<br />
			allerdings noch keine Garantie dafür, dass die politischen<br />
			Entscheidungen schneller fallen. Das jedoch wäre wichtig.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			&#8230; und nun die letzte Frage;-(
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">lynX:</th>
<td>
			Wie groß (prozentual?) ist in der CDU noch das Widerstreben gegen eine<br />
			Erneuerung und der Wunsch zur Rückkehr zu den geruhsamen Zeiten der<br />
			sechzehnjährigen Regierung?
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Der Bundesparteitag in Essen hat gezeigt, dass die Sehnsucht nach einem<br />
			Neuanfang viel größer ist als der Wunsch &quot;in die gute alte Zeit&quot; zurück<br />
			zu kehren&#8230;
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			&#8230;Wir haben keinen Grund nicht zur Geschichte der Union und unserer<br />
			historischen Programmatik zu stehen. Ganz im Gegenteil, aber jede Zeit<br />
			hat ihre neue Herausforderungen, die man nur mit einem Blick nach vorne<br />
			bewältigen kann.
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Herr Bosbach, im Namen von politik-digital möchte ich mich bei Ihnen<br />
			für die vergangenen abwechslungsreichen Minuten bedanken! Gruss nach<br />
			Koeln!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">WolfgangBosbach:</th>
<td>
			Es war für mich eine interessante Erfahrung, die ich gerne wiederholen würde!
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Wir stehen immer bereit! 😉
			</td>
</tr>
<tr valign="top">
<th align="right">Moderator:</th>
<td>
			Ab Montag wird das transcript dieses chats bei politik-digital zu finden sein!</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
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