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	<title>Wolfgang Kleinwächter &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wolfgang Kleinwächter &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Ergebnisse der WCIT-12: Alles wie gehabt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Dec 2012 16:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[WCIT]]></category>
		<category><![CDATA[Internetregulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) ist als Sonderorganisation der UN damit beauftragt, sich mit der technischen Seite der weltweiten Telekommunikation auseinanderzusetzen. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/world-conference-on-international-telecommunications-wcit-in-dubai/itu-logo-7/" rel="attachment wp-att-123930"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-123930" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ITU-Logo6.jpg" alt="Logo der ITU" width="211" height="239" /></a><br />
Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) ist als Sonderorganisation der UN damit beauftragt, sich mit der technischen Seite der weltweiten Telekommunikation auseinanderzusetzen. Als die Regierungsvertreter 1988 die „<a href="http://www.itu.int/osg/csd/wtpf/wtpf2009/documents/ITU_ITRs_88.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Telecommunication Regulations</a>“ (ITRs) unterschrieben, einigten sie sich lediglich auf eine nationale Regulierung der Telefon-, Rundfunk- und Fernsehnetzwerke. Vom 3. bis zum 14. Dezember fand nun die „World Conference on International Telecommunications“ (WCIT-12) in Dubai statt, an der Gesandte von 193 Staaten mit dem Ziel teilnahmen, sich auf einheitliche Richtlinien über den staatlichen Umgang mit dem Internet zu einigen.</p>
<p>Im Vorfeld wurden Befürchtungen laut, dass einige Staaten, in denen die Meinungsfreiheit durch Zensur eingeschränkt wird, Anträge zur Beschränkung der Informationsfreiheit und zur Regulierung des Internets stellen würden. Wie befürchtet, stellten Russland, China, der Iran und andere Länder den Antrag, das Internet nationalen Kontrollen zu überantworten. Die USA, Deutschland und rund ein Dutzend weitere Länder weigerten sich jedoch vehement, das vorgeschlagene Abkommen zu unterzeichnen, „<a href="http://www.zdnet.de/88136147/wcit-telekommunikationsabkommen-ist-gescheitert/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">da es eine Internet-Kontrolle durch repressive Regierungen legitimiere</a>“. Tatsächlich lehnten diese Staaten es sogar ab, das Internet im Rahmen der UN überhaupt zu thematisieren. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/itu-konferenz-warum-es-richtig-ist-den-vertrag-zu-boykottieren-a-872938.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel online bewertet </a>das positiv: „Trotzdem ist die Position der Vertrags-Verweigerer zwar radikal, aber richtig: UN-Organisationen sollten sich aus dem Internet heraushalten. Auch wenn die USA hier eine Freiheit verteidigen, die sie manchmal dann doch eigenen Interessen unterordnen.“</p>
<p>Wie wird es nun weitergehen? Obwohl zunächst keine völkerrechtlichen Regelungen, die das Internet betreffen, vereinbart worden sind, wird dasThema mitnichten von der Bildfläche verschwinden. Im Mai des kommenden Jahres veranstaltet die ITU in Genf das „World Telecommunication Policy Forum“, das sich ausschließlich mit dem Internet beschäftigen wird. Wolfgang Kleinwächter, der als Beobachter an der Konferenz in Dubai teilgenommen hat, sieht zumindest <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/netzpolitik-experte-kleinwaechter-zur-wcit-die-staatliche-kontrolle-des-internets-droht-durchaus-11991225.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gute Chancen für größere Transparenz und stärkere Einbeziehung der Zivilgesellschaft</a> bei künftigen ITU-Tagungen.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-121978 alignleft" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Human Rights and Internet Governance: Die neue Publikation des Collaboratory</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory-123375/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Solinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 15:16:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
		<category><![CDATA[ITU]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance Forum]]></category>
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		<category><![CDATA[Multistakeholder-Modell]]></category>
		<category><![CDATA[Internet und Gesellschaft Co:llaboratory]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des Internet &#38; Gesellschaft Collaboratory [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mindbaku2_1/" rel="attachment wp-att-123376"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123376" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/mindbaku2_1.jpg" alt="Alice Munyua, Wolfgang Kleinwaechter, Markus  Kummer, Nicolas Seidler und Joy Liddicoat am IGF Baku" width="630" height="308" /></a><br />
Am 14. November wurde die mittlerweile vierte Ausgabe von MIND (Abkürzung für &#8220;MultiStakeholder Internet Dialog&#8221;) des <a href="http://www.collaboratory.de/w/Hauptseite" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</a> veröffentlicht. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft antworten darin auf den Beitrag von Shirin Ebadi, in dem die Nobelpreisträgerin den Zugang zum Internet als indirektes Menschenrecht proklamiert.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"> <em><strong>Internet &amp; Gesellschaft Collaboratory</strong></em> (kurz: Colab) ist eine offene Experten- und Interventionsplattform mit dem Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven mit relevanten Stakeholdern zu diskutieren.<br />
<em><strong>MIND</strong></em> steht für „Multistakeholder Internet Dialog“ und ist der Titel der seit Mai 2011 erscheinenden Zeitschrift des Collaboratory, die unter einem festgelegten Thema Beiträge verschiedener Stakeholder versammelt. Herausgeber ist Wolfgang Kleinwächter.</div></div>
<p>Datenschutz oder Überwachung? Selbstreguliert oder national gesteuert? In den Augen von Shirin Ebadi sind solche Entscheidungen über das Internet weder Expertensache noch Luxusproblem, sondern Gegenstand der Menschenrechtsdebatte. Sie führt ein Beispiel aus ihrem Heimatland an: 2009 wurde über das Internet ein Video verbreitet, auf dem zu sehen war, wie iranische Militärs in eine friedlich demonstrierende Menschenmenge schossen und dabei eine junge Frau trafen. Während in den 80er Jahren die Exekution von 12.000 politischen Gefangenen noch lange Zeit von der Regierung verschwiegen werden konnte, ging der Tod von „Neda“ in Sekundenschnelle um die Welt. Die Menschenrechtsaktivistin Ebadi glaubt: „Once people are informed about an event, they will not stay indifferent“; der Arabischen Frühling gibt ihr Recht.</p>
<h3>Debatte zwischen allen Beteiligten</h3>
<p>Mit zunehmender Bedeutung steigt aber auch die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung des Internet. Wobei die Rede von „dem einen“ Internet bereits irreführend ist: eher müsste man von einem Netzwerk der Netzwerke sprechen. Gerade weil es sich um ein technisch frei gewachsenes Gefüge handelt und sich Deregulation als innovationsförderlich erwiesen hat, ist die Etablierung einer nationalstaatlichen Rechtsordnung umstritten. Das von den Vereinten Nationen eingesetzte <a href="http://www.intgovforum.org/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet Governance Forum (IGF) </a>versammelt all die Akteure, die stattdessen ein Multi-Stakeholder-Modell vorziehen. Das bedeutet, dass Staaten, Wissenschaftler, zivilgesellschaftliche und Wirtschaftsakteure gemeinsam über das Ausmaß der Internetregulierung beraten.<br />
Der Aufbau der Publikation spiegelt dieses Verständnis wider: Jede Akteursgruppe ist mit drei Beiträge vertreten, welche die Verbindung von Internet und Menschenrechten aus ihrer Perspektive beleuchten. Besonders lesenswert ist der Beitrag von Raúl Echeberrria, Vorsitzender der Lateinamerikanischen und Karibischen Internet Adress-Registrierungsstelle LACNIC. Wie er verdeutlicht, kann Meinungsfreiheit im Internet nicht nur durch autoritäre Regime, sondern auch durch Eigentumsrechte und Sicherheitsbedenken beschnitten werden.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/human-rights-and-internet-governance-die-neue-publikation-des-collaboratory/mind4/" rel="attachment wp-att-123420"><img decoding="async" class="wp-image-123420 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/MIND4-630x933.jpg" alt="" width="227" height="336" /></a>Letzter Stop vor der ITU</h3>
<p>Zudem ist die Publikation „Human Rights and Internet Governance“ hochaktuell, denn schon in drei Wochen könnte sich die Zukunft des Internet entscheiden. Vom 3. bis zum 14. Dezember versammeln sich Vertreter der 193 UN-Mitgliedsstaaten zur „World Conference on International Telecommunications“ (WCIT-12) in Dubai. Veranstalter ist die <a href="http://www.itu.int/en/Pages/default.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internationale Telekommunikationsorganisation (ITU)</a>, eine Sonderorganisation der UN. „Dubai ist einerseits nicht, andererseits sehr ernst zu nehmen.“, sagte Wolfgang Kleinwächter beim Treffen der IGF-Arbeitsgruppe des Collaboratory am 19. November in Berlin. Angesichts dessen, dass die verschiedenen Akteure allesamt ihren eigenen Prinzipienkatalog vorgelegt haben, wäre eine Magna Charta zwar wünschenswert, allerdings werden in der ITU nur Regierungsvorschläge gehört. Deshalb wird der Professor für Internetpolitik auf der Konferenz auch keine Vorschläge machen oder abstimmen, sondern lediglich als Ohr der deutschen Zivilgesellschaft agieren können. Kleinwächter, der MIND herausgibt, sieht in einem staatenzentrierten Entscheidungsverfahren eine Gefahr für das Multi-Stakeholder-Modell und für die Freiheit des Internet überhaupt. Die neue Ausgabe von MIND ist auch ein Versuch, die Politik auf diesen Punkt hinzuweisen.</p>
<p><a href="http://www.collaboratory.de/w/MIND_4_-_Human_Rights_and_Internet_Governance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MIND #4: &#8220;Human Rights and Internet Governance&#8221; gibt es hier</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-121978 alignleft" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;ICANN musste sich vom ersten Tag an die Schuhe im Laufen zubinden&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/icann_musste_sich_vom_ersten_tag_an_die_schuhe_im_laufen_zubinden-776/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Kairo]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wolfgang Kleinwächter ist Professor am Department for Media and Information Sciences der Universität<br />
Aarhus in Dänemark und Direktor des NETCOM Instituts der Medienstadt Leipzig e.V. Zuvor lehrte er<br />
Kommunikations- und Medienwissenschaften in Europa und den USA. Von 1994 bis 1997 war er Koordinator der<br />
Sächsischen Informationsinitiative und leitete das Management Committee der Inter-Regional Information Society<br />
Initiative der Europäischen Kommission. Seit Mitte der 90er Jahre verfolgt er die Entwicklung des Domain Name<br />
System und <a href="http://www.icann.org/">ICANN</a>, zudem beteiligt er sich selbst aktiv an diesem Prozess.<br />
Er ist Mitglied  der <a href="http://www.icann.org/at-large/call-1dec99.htm">ICANN Membership Implementation<br />
Task Force</a> für die Region Mittel- und Osteuropa und des ICANN-Studienkreises Leipzig. Als solches nahm<br />
er auch an der ICANN-Konferenz vergangene Woche in Kairo teil. politik-digital sprach mit Professor Kleinwächter<br />
über direkte Demokratie im Internet, die „digital divide“ und die zukünftige Entwicklung von ICANN.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/images/kleinwaechter.jpg" alt="Prof. Kleinwächter" align="left" border="1" height="155" width="130" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Herr Professor Kleinwächter, Sie sind Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises und haben vergangene Woche an der <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/kairo.shtml">ICANN-Konferenz in Kairo</a><br />
teilgenommen. Bevor Sie uns Ihre Eindrücke schildern, erklären sie uns doch bitte kurz,<br />
was der ICANN-Studienkreis ist und was er tut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Der ICANN Studienkreis ist eine lose Plattform von engagierten Experten aus<br />
der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, vorrangig im deutschsprachigen Raum, die am Fortgang des<br />
ICANN Prozesses interessiert sind. Sinn und Zweck des Studienkreises ist es, den ICANN Prozess kritisch<br />
zu begleiten, Netzwerke zu knüpfen, persönliche Kontakte zu fördern und sich<br />
wechselseitig auf Ereignisse, Prozesse und Publikationen im Zusammenhang mit<br />
ICANN aufmerksam zu machen. Der <a href="http://www.icann-studienkreis.net/">Studienkreis</a> hat<br />
eine Website, einmal jährlich soll eine Tagung veranstaltet werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Im Oktober soll ICANN die Arbeit endgültig aufnehmen.<br />
In Kairo wurde aber deutlich, daß noch viele Dinge ungeklärt sind. Ist der Zeitplan realistisch?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Wenn man davon ausgeht, mit welcher Geschwindigkeit sich ICANN bislang<br />
entwickelt hat, ist der Zeitplan nicht unrealistisch. Dabei ist ICANN wie<br />
das Leben: nichts ist perfekt und das einzig Beständige ist der Wandel. Vom<br />
ersten Tag an hat der ICANN Board lernen müssen, sich die &quot;Schuhe im Laufen<br />
zuzubinden&quot;. Das wird auch in der Zukunft so sein. Oktober 2000 heißt nicht,<br />
dass alles gelöst ist. Ich gehe aber davon aus, dass im Oktober 2000 ICANN<br />
voll operationsfähig ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Der wohl strittigste Punkt ist die geplante Wahl von neun der<br />
18 Mitglieder des ICANN-Direktoriums durch die At-large Mitglieder. Dabei geht es vor<br />
allem um die Frage, ob die neuen Direktoren direkt oder durch einen<br />
&quot;At-large Council&quot; gewählt werden sollen. Wie und zwischen wem verlaufen<br />
hier die Konfliktlinien?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Es handelt sich nicht eigentlich um einen Konflikt zwischen verschiedenen<br />
Gruppen, sondern um die gemeinschaftliche Suche nach einem optimalen<br />
Verfahren, das sowohl dem Zeitfaktor als auch den Ansprüchen an einen<br />
demokratisch breit legitimierten Prozess gerecht wird. Sowohl das direkte als<br />
auch das indirekte Wahlverfahren haben Vor- und Nachteile. Kompliziert ist die<br />
Situation, weil ICANN unter kalifornischen Recht inkorporiert ist. Nach der<br />
dortigen Rechtslage könnte eine direkte Wahl des Boards, auch wenn die Wahl<br />
auf globaler Ebene stattfindet, juristisch angefochten werden. Damit wäre es<br />
möglich, die Arbeit von ICANN durch ein kalifornisches Gericht lahmzulegen.<br />
Diese Konstellation spricht eher für ein Wahlmännergremium a la Membership<br />
Council. Ich selbst plädiere dafür, die Diskussion um &quot;direkte Demokratie im<br />
Internet&quot; mehr auf einen solchen &quot;At Large Membership Council&quot; zu<br />
konzentrieren und weniger auf den Board of Directors. Natürlich ist es<br />
Unsinn, so wie bislang vorgesehen, einen At Large Membership Council zu<br />
wählen allein zu dem Behufe, neun Direktoren zu wählen. Einem Membership<br />
Council könnten aber durchaus auch andere Aufgaben übertragen werden die,<br />
wie die Councils der drei Supporting Organisations, eine mehr politische<br />
Funktion haben. So könnte ein Membership Council zu einer Art Parlament der<br />
globalen Internet-Community werden, das all jene Fragen, die der ICANN Board<br />
zu Recht mit Hinweis auf sein technisches Mandat zurückweist, wie etwa<br />
Konsumentenschutz, Informationsinhalte und Netzsicherheit. Es könnte diskutieren und<br />
dem Board Empfehlungen geben, welche technischen Lösungen notwendig sind, um<br />
den legitimen politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Interessen der<br />
globalen Internet Gemeinschaft gerecht zu werden. Ein solcher Council müsste<br />
dann aber mehr als 18 Mitglieder haben, wenn er die ganze Welt<br />
repräsentieren soll. Es wurde ja schon diskutiert, ob die in Kairo gebildete<br />
&quot;Membership Implementation Task Force&quot; (MITF), die aus elf regionalen<br />
Gruppen mit 78 Mitgliedern besteht, nicht ein de-facto Membership Council<br />
ist. Aber dafür bedarf es noch gründlicherer Studien und die sind ja in<br />
Kairo auch beschlossen worden. Insofern war Kairo ein Schritt nach vorn.<br />
Inhalt ist eben wichtiger als der Prozess. Und niemand nimmt Schaden, wenn<br />
der Wahlzeitraum für die neun Membership-Direktoren jetzt etwas gestreckt<br />
wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie bewerten Sie den gefundenen Kompromiss, zunächst nur<br />
fünf neue Direktoren zu wählen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ich finde das vernünftig: Das sichert auch Kontinuität und Wandel im Board.<br />
Wiewohl es in der Vergangenheit viel Wirbel um die Legitimation der neun<br />
Interims-Direktoren gab, hat die Praxis gezeigt, dass dieses so bunt<br />
zusammengewürfelte Gremium in der Lage war, im allgemeinen Interesse der<br />
Internet-Gemeinschaft zu agieren. <a href="http://www.icann.org/biog/crew.htm">Greg Crew</a> hat es<br />
in Kairo auf den Punkt gebracht als er sagte, dass wohl keiner der ICANN Interims-Direktoren eine<br />
persönliche Agenda verfolgt hat. Also warum sollen dann nicht vier der alten<br />
Direktoren noch ein Jahr weitermachen, wenn es dadurch möglich wird, das<br />
Wahlverfahren insgesamt zu optimieren und demokratischer zu gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Eine Schwierigkeit bei den Wahlen liegt in der Bestimmung<br />
des &quot;Wahlvolkes&quot;. 80 Prozent der bisher registrierten Mitglieder stammen aus Nordamerika und<br />
Europa. Sollte ICANN nur die Internet-Gemeinde repräsentieren, wie es<br />
<a href="http://www.icann.org/biog/dyson.htm">Esther Dyson</a> fordert, oder die Weltbevölkerung insgesamt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Esther Dyson hat natürlich recht. Der ICANN Board kann nicht den Anspruch<br />
haben, eine Weltregierung zu sein und die Probleme dieses Globus zu lösen.<br />
Dennoch stimmt es natürlich, dass seine Entscheidungen in gewisser Hinsicht<br />
in die Weltpolitik der globalen Informationsgesellschaft eingreifen. ICANN<br />
wird sich seiner politischen und sozialen Verantwortung nicht entziehen<br />
können. Bezogen auf die Wahlen aber ist das eigentliche Problem nicht das<br />
Gefälle bei den jetzt registrierten ICANN Mitgliedern, sondern die globale<br />
Lücke bei den Internet-Nutzern. Die bisherige ICANN Mitgliedschaft spiegelt<br />
ja die weltweite &quot;digital divide&quot; wieder. Aber die digitale Spaltung der<br />
Gesellschaft ist, wie wir aus den Studien der NTIA in den USA wissen, ein<br />
Problem, das nicht in das alte Nord-Süd Schema passt sondern auch quer durch<br />
die entwickelten Industriegesellschaften geht. Und auch in Deutschland wird<br />
sich die &quot;digital divide&quot; an den &quot;arm-reich&quot; und &quot;gebildet-ungebildet&quot; Polen<br />
aufbauen. Die Regierungen dieser Welt müssen sich zusammen mit ICANN darüber<br />
Gedanken machen, wie sie den &quot;Rest der Welt&quot; online bringen. UN-Generalsekretär<br />
Kofi Annan hat bei der jüngsten ITU World Telecom in Genf in<br />
Erinnerung gerufen, daß die 200 Millionen Internet-Nutzer von heute ganze<br />
drei Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Zugang zum Internet wird aber<br />
einmal mit zu den &quot;basic needs&quot; gehören, auf die der Mensch nach der<br />
UN-Menschenrechtsdeklaration von 1948 einen natürlichen Anspruch hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Mehrere Teilnehmer der Konferenz haben die Befürchtung<br />
geäußert, einige Länder könnten auf Grund sprachlicher, technischer und kultureller Faktoren<br />
gehindert sein, (voll) am Prozess teilzunehmen. Was wird unternommen, um diesem Problem zu begegnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ein schwieriges Problem. Läßt man den Prozeß einfach laufen wie bislang,<br />
wird die Ausgrenzung von Sprach- und Kulturräumen voranschreiten. Man muß<br />
also bewusst gegensteuern. Ob dies ICANN alleine kann, sei dahin gestellt.<br />
Hier sind natürlich auch die betroffenen Länder, ihre Regierungen und<br />
Gesellschaften selbst gefordert. ICANN ist nicht wie oft fälschlicherweise<br />
dargestellt, ein geschlossener Club, sondern &quot;offen für alle&quot; wie einst die<br />
Nikolaikirche zu Leipzig vor der Wende 1989. Man muss nur hingehen um an der<br />
Revolution teilzuhaben. Mit der Bildung der aus elf regionalen Gruppen<br />
bestehenden &quot;Membership Implementation Task Force&quot; versucht ICANN zu tun,<br />
was notwendig ist. Ob dies hinreichend ist, und ob es funktioniert, ist aber<br />
unklar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Einige Direktoriumsmitglieder zeigen mitunter ein elitäres<br />
Politikverständnis, wenn sie deutlich machen, dass sie am liebsten jeglichen<br />
Einfluß von außen &#8211; sei es durch die &quot;einfachen&quot; Mitglieder, sei es durch<br />
nationale Regierungen &#8211; vermeiden würden. Wie beurteilen Sie die Legitimität von ICANN?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Manche amerikanische Kollegen verweisen gerne auf die Situation vor mehr als<br />
200 Jahren, als einige wenige brilliante Köpfe in der &quot;Hall of Independence&quot;<br />
in Philadelphia saßen und die Verfassung der USA ausarbeiteten. 90 Prozent<br />
der Bevölkerung sei damals ausgegrenzt gewesen oder hätten sich überhaupt<br />
nicht dafür interessiert. Sklaven war die Beteiligung an den Wahlen ganz<br />
verunmöglicht. Dennoch sei die US-Verfassung so etwas wie eine Bibel<br />
demokratischer Werte. Natürlich hinkt der Vergleich. Richtig ist aber, dass<br />
die Prinzipien und Strukturen, die jetzt im ICANN Prozess geschaffen werden,<br />
weitreichende Folgen haben für die zukünftige globale<br />
Informationsgesellschaft werden. Insofern ist die Frage der Legitimität von ICANN<br />
schon von erheblicher Bedeutung, vielleicht ist sie sogar die<br />
Schlüsselfrage. Ich persönlich plädiere für eine Art Mischung von<br />
repräsentativer und direkter Demokratie, von &quot;bottom-up&quot; und &quot;top-down&quot;.<br />
Juristisch betrachtet läuft das auf ein globales System von Ko-Regulierung<br />
hinaus, wo Regierung und Wirtschaft sich kooperativ abstimmen. Zukünftig<br />
wird weder &quot;governmental regulation&quot; noch &quot;industry self-regulation&quot; allein<br />
in der Lage sein, stabile, effektive und gerechte Verhältnisse zu schaffen.<br />
Es muss, zumindest beim gegenwärtigen Zustand der Welt, zu einer Kombination<br />
kommen. Und selbst dies ist eigentlich nicht hinreichend, weil der dritte<br />
Partner, der mündige, aktive und kritische Bürger (Citizen, Consumer, User),<br />
auch direkt (und nicht nur über die von ihm gewählte Regierung) einen<br />
Beitrag leisten können muß. Das Thema &quot;public self-regulation&quot; ist bisher<br />
kaum diskutierrt worden, eröffnet aber viele neue Denk- und<br />
Handlungshorizonte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Das Interview mit Wolfgang Kleinwächter führte Florian Niedlich</span></p>
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