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	<title>Wolfgang Schäuble &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wolfgang Schäuble &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Weniger Streit, wie von allen gefordert, führt zu weniger Wahlbeteiligung&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/weniger-streit-wie-von-allen-gefordert-fuehrt-zu-weniger-wahlbeteiligung-150/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Einbürgerungstest]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Dienstag, den 28.März 
2006, war <span style="font-size: x-small">Wolfgang Schäuble,</span> Bundesinnenminister 
(CDU), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. 
</span></b><b><span style="font-size: x-small">Er beantwortete Fragen zum 
Ausgang der Landtagswahlen, zum umstrittenen hessischen Einbürgerungstest 
und zu einem möglichen Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden 
Fußball-WM.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Dienstag, den 28.März<br />
2006, war <span style="font-size: x-small">Wolfgang Schäuble,</span> Bundesinnenminister<br />
(CDU), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
</span></b><b><span style="font-size: x-small">Er beantwortete Fragen zum<br />
Ausgang der Landtagswahlen, zum umstrittenen hessischen Einbürgerungstest<br />
und zu einem möglichen Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden<br />
Fußball-WM.</span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Heute begrüßen<br />
wir im ARD-Hauptstadtstudio Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.<br />
Herr Schäuble hat zuletzt besonders zu den Themen Zuwanderung<br />
und den Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden Fußball-WM<br />
Stellung bezogen. Selbstverständlich ist unser Chat auch heute<br />
wieder für Fragen aus anderen Themenbereichen offen. Herr Schäuble,<br />
können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Bitte, ja.
</p>
<p>
<b>Musgries:</b> Herr Schäuble, nach knapp vier<br />
Monaten der neuen Bundesregierung werden nun langsam auch die Themen<br />
angegangen, die für Konflikte innerhalb der großen Koalition<br />
sorgen. Welche Themen gehören dazu und wo sehen Sie die größten<br />
Differenzen gegenüber der SPD?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wir haben ja die Gesundheitsreform<br />
bei den Koalitionsverhandlungen zurückgestellt, weil wir dort<br />
große Unterschiede haben. In dieser Woche beginnen die Gespräche<br />
zwischen CDU/CSU und SPD. Außerdem müssen wir den Arbeitsmarkt<br />
weiter flexibilisieren und in absehbarer Zeit muss der Finanzminister<br />
mit den Arbeiten an der Unternehmenssteuerreform beginnen.
</p>
<p>
<b>Uli12: </b>Hallo Herr Schäuble. Wie bewerten<br />
Sie den Ausgang der Landtagswahlen am Sonntag?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In Baden-Württemberg<br />
gut, in Sachsen-Anhalt auch gut, in Rheinland-Pfalz sind wir natürlich<br />
traurig. Aus der Sicht der Bundesregierung wird man allerdings sagen<br />
können, dass alle drei Landtagswahlergebnisse eher eine Bestätigung<br />
der Politik von Angela Merkel sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Auch wenn Rot und Schwarz hat in absoluten<br />
Zahlen verloren haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In absoluten Zahlen haben<br />
alle verloren, weil die Wahlbeteiligung so traurig niedrig ist.<br />
Aber das hat wohl auch damit zu tun, dass weniger Streit, der von<br />
allen immer gefordert wird, im Ergebnis zu weniger Wahlbeteiligung<br />
führt.
</p>
<p>
<b>Lennox:</b> Sehr geehrter Herr Schäuble, verstehen<br />
Sie, warum es eine Opposition zur Einführung von Einbürgerungstests<br />
gibt? Sollte das nicht eines der normalsten Dinge sein?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Dass es unterschiedliche<br />
Auffassungen, also Opposition gibt, ist völlig normal. Dass<br />
man vor Erwerb der Staatsangehörigkeit etwas davon wissen sollte,<br />
was diese Staatsangehörigkeit ausmacht, scheint mir auch normal<br />
zu sein. Für viele Dinge müssen wir unsere Fähigkeiten<br />
nachweisen, warum nicht für den Erwerb der Staatsangehörigkeit.
</p>
<p>
<b>E-Woman:</b> Hallo Wolfgang, durch die Möglichkeit<br />
des Trainierens von Antworten ist der Einbürgerungstest doch<br />
wenig aussagekräftig. Wo wird da die Geisteshaltung geprüft?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auch mit dem Trainieren<br />
von Antworten lernt der Bewerber etwas über unser Land. Und<br />
das ist der Sinn der Sache.
</p>
<p>
<b>S.Haber:</b> Können Sie mir zwei deutsche Mittelgebirge<br />
nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Den Harz und den Schwarzwald.
</p>
<p>
<b>pompardine:</b> Hallo Herr Schäuble! Ich halte<br />
die Einbürgerungstests ja an sich für eine gute Idee,<br />
aber wenn man sieht, dass nicht mal Deutsche, vor allem Schüler,<br />
diese Fragen zum größten Teil beantworten können,<br />
fange ich an zu zweifeln! Was denken Sie darüber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Vorbereitung auf einen<br />
solchen Test führt dazu, dass man etwas lernt, was man bisher<br />
nicht weiß. Auf die Weise bekommt man Kenntnisse von unserem<br />
Land, die jemand, der hier geboren und aufgewachsen ist, so nicht<br />
nachzuweisen braucht.
</p>
<p>
<b>michael schäfer:</b> Ich komme aus Berlin und<br />
mich bewegt die mögliche Abschiebung der Familie Aydin. Die<br />
Familie lebt schon lange hier und ist gut integriert. Die 17-jährige<br />
Tochter Hayriye wurde letzte Woche sogar von Bundespräsident<br />
Horst Köhler für ihr soziales Engagement ausgezeichnet.<br />
Gibt es für diese Familie noch Hoffnung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zuständig für<br />
die Entscheidung ist das Land, nicht die Bundesregierung. Deswegen<br />
muss ich mich etwas zurückhalten. Das Problem liegt darin,<br />
dass die Eltern, soweit ich es verstanden habe, früher falsche<br />
Angaben gemacht haben. Ob man deshalb ein Kind, das hier lange aufgewachsen<br />
ist, abschieben muss, das ist genau das Problem.
</p>
<p>
<b>CDUwähler:</b> Wäre ein Bewerbungsgespräch,<br />
in dem entsprechende Fragen gestellt werden, nicht geeigneter um<br />
eine richtige Haltung gegenüber unseren Werten zu überprüfen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist der Weg, den zurzeit<br />
Baden-Württemberg geht. Nun müssen die Länder ihre<br />
Erfahrungen austauschen, um zu einer gemeinsamen Position zu kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist Deutschland nun eigentlich ein<br />
Einwanderungsland oder nicht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Ich kann mit dem Begriff<br />
nicht viel anfangen, weil unterschiedliches darunter verstanden<br />
wird. Natürlich findet ständig Einwanderung nach Deutschland<br />
statt. Aber klassische Einwanderungsländer sind solche, die<br />
sich die Menschen aussuchen, die zu ihnen kommen dürfen. Und<br />
das war bisher nicht die Situation in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zur niedrigen Wahlbeteiligung:
</p>
<p>
<b>Werner11:</b> Welche Ursachen hat diese Politikverdrossenheit?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich weiß nicht,<br />
ob es Politikverdrossenheit ist. Man könnte ja auch unterstellen,<br />
die Leute seien mit den Verhältnissen so zufrieden, dass sie<br />
nicht einmal zur Wahl gehen wollen. Das ist dasselbe Problem, wie<br />
die Debatte über Streit oder Konsens. Auf der einen Seite sagen<br />
die meisten, die Parteien sollten nicht so viel streiten sondern<br />
mehr an einem Strang ziehen. Aber wenn sie dann in einer großen<br />
Koalition zusammenerarbeiten wird gesagt, mangels Alternativen sei<br />
es ja langweilig.
</p>
<p>
<b>Student-xy:</b> Guten Tag! Andere Staaten haben bereits<br />
Einbürgerungstests, in wie weit kann Deutschland auf die Erfahrung<br />
dieser für sich selber zurückgreifen beziehungsweise sich<br />
mit diesen Staaten austauschen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir tun das. Und in der<br />
Tat berufen sich die Befürworter von Tests auf die positiven<br />
Erfahrungen anderer Länder.
</p>
<p>
<b>Monne:</b> Oftmals verlassen Politiker die Diskussionsrunde,<br />
wenn Rechtsradikale anfangen zu reden. Wann gibt es endlich eine<br />
Offensive, in welcher dem Radikalismus inhaltlich die Argumente<br />
genommen werden und zwar spürbar in der ganzen Bundesrepublik?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Ich finde, die Wahlergebnisse<br />
vom letzten Sonntag zeigen, dass wir in der Bekämpfung des<br />
Rechtsradikalismus erfolgreich sind. Entgegen manchen Befürchtungen<br />
sind sie überall klar an der 5 Prozent-Grenze gescheitert.<br />
Und das ist der beste Weg, Rechtsradikale zu bekämpfen: Dafür<br />
zu sorgen, dass sie keine Unterstützung in der Bevölkerung<br />
finden.
</p>
<p>
<b>Wenzel:</b> So bekämpfen wir sie auf der politischen<br />
Schiene, aber wie wollen sie rechtsradikale Jugendliche von ihrem<br />
falschen Weg abbringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Durch Argumente, durch<br />
Vermittlung von politischen Inhalten, die nicht radikal sind und<br />
durch öffentliche Ächtung von Rechtsradikalismus.
</p>
<p>
<b>admiralitaet:</b> Welche Legitimation hat eine Landesregierung<br />
bei unter 50 Prozent Wahlbeteiligung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wahlen sind Wahlen. Wer<br />
nicht wählt, trifft auch eine Entscheidung &#8211; und akzeptiert,<br />
dass die Mehrheit der anderen verbindlich ist. Das ist das Grundgesetz<br />
der Demokratie. Im Übrigen müssen diejenigen, die nicht<br />
wählen, sich die Frage stellen, wie es mit ihrem Demokratieverständnis<br />
steht.
</p>
<p>
<b>TKS: </b>Hallo Herr Schäuble. Ich würde<br />
Sie gerne fragen, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt,<br />
um zu &quot;messen&quot;, wie gut sich eine eingewanderte Person/Familie<br />
in unserer Gesellschaft integriert (hat)?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Natürlich gibt es<br />
viele Möglichkeiten. Bei vielen stellt sich die Frage gar nicht.<br />
Aber bei denjenigen, die eben nicht mit dem deutschstämmigen<br />
Teil der Bevölkerung kommunizieren ist es schon richtig, ein<br />
bisschen genauer danach zu schauen, ob sie denn überhaupt mit<br />
uns zusammen leben wollen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was halten Sie vom Vorschlag Stoibers,<br />
sich am Modell USA zu orientieren, sprich: Interviews mit anschließenden<br />
Prüfungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist eine Möglichkeit,<br />
die sich ja nicht nur in den USA gut bewährt.
</p>
<p>
<b>B. Wunden:</b> Zur Einwanderung: Wäre es nicht<br />
besser, einen europäischen &quot;Verteilungsschlüssel&quot;<br />
einzuführen? Denn schließlich halten Italien und Spanien<br />
mit ihrer Arbeit illegale Einwanderer auch davon ab nach Deutschland<br />
zu kommen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es gibt eben Menschen,<br />
die möchten nach Finnland und nicht nach Portugal. Und deswegen<br />
wird es mit einem europäischen Einwanderungsschlüssel<br />
nicht ganz einfach sein. Aber diejenigen, die aus Verfolgung Zuflucht<br />
suchen, die könnten schon solidarisch in Europa verteilt werden.<br />
So wie wir das auch in Deutschland zwischen den Bundesländern<br />
machen.
</p>
<p>
<b>jsmo: </b>Wie stellen sie sich den Bevölkerungsschutz<br />
in 5-10 Jahren vor?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist eine etwas umfassende<br />
Frage, denn die Bedrohungen &#8211; sei es durch Naturkatastrophen, sei<br />
es durch neue Epidemien oder auch durch den internationalen Terrorismus<br />
&#8211; sind ungeheuer vielfältig. In einer Zeit, in der sich durch<br />
die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen alle Verhältnisse<br />
rasend schnell ändern, müssen wir immer daran arbeiten,<br />
optimalen Schutz auch gegen neue Bedrohungen zu gewährleisten.<br />
Aber konkret kann man das für die nächsten zehn Jahre<br />
nicht vorhersagen, weil letzten Endes die Zukunft immer ungewiss<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen mit ähnlichem Tenor:
</p>
<p>
<b>Heitmann: </b>Herr Schäuble, muss ich bei einem<br />
Bundeswehreinsatz zur Fußball-WM etwa an schwer bewaffneten<br />
Soldaten vorbei ins Stadion gehen?
</p>
<p>
<b>PeterPan: </b>Wird die Bundeswehr während der<br />
WM im Inland eingesetzt werden? Ist das wirklich nötig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Kein Mensch hat je daran<br />
gedacht, die Fußballstadien durch die Bundeswehr zu schützen.<br />
Worum es geht ist, dass die Bundeswehr bestimmte Fähigkeiten,<br />
die nur sie hat, etwa im ABC-Schutz, für den Notfall bereit<br />
hält und zur Verfügung stellt. Darüber hinaus könnte<br />
die Bundeswehr die Polizei an anderer Stelle soweit entlasten, dass<br />
wir notfalls mehr Polizisten für den Schutz der Stadien aber<br />
auch der öffentlichen Plätze, an denen Fernsehübertragungen<br />
stattfinden, zur Verfügung haben.
</p>
<p>
<b>Zweiniger: </b>Wie kann eine ohnehin schon unterdurchschnittlich<br />
finanzierte, nicht polizeilich ausgebildete Bundeswehr während<br />
der Fußballweltmeisterschaft die Polizeiorgane sinnvoll unterstützen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auf dem Balkan tut sie<br />
das auch, und in Afghanistan ebenso. Warum soll sie das nicht auch<br />
in Deutschland können?
</p>
<p>
<b>Sonne:</b> Wie sicher ist die Fußball-WM, vor<br />
allem das Public Viewing? Was passiert, wenn dort jemand eine Bombe<br />
zündet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nach menschlichem Ermessen<br />
ist die Fußball-WM gut geschützt. Aber die Herausforderung<br />
ist angesichts der vielen Public-Viewing Veranstaltungen riesengroß.<br />
Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass eine Bombe gezündet<br />
wird. Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
</p>
<p>
<b>FLo7: </b>Wie sehen Sie derzeit das Problem der Rechtsradikalität<br />
im Fußball?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nicht besonders. Schließlich<br />
sind im Fußball so viele Stars aus anderen Kontinenten &#8211; auch<br />
in der Bundesliga &#8211; eingesetzt. So dass die Gefahr von Nationalismus<br />
und Rassismus nicht groß sein kann.
</p>
<p>
<b>syrakuse: Thema Fußball-WM:</b> Wie steht es<br />
um die IT-technische Ausstattung der Polizeien in Bund und Ländern?<br />
Datenaustausch gewährleistet? Insbesondere bei Einsatz an &quot;offenen&quot;<br />
Versammlungsplätzen (Big Screens)?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Die Polizeien von Bund<br />
und Ländern sind fortlaufend dabei, ihre technischen Ausstattungen<br />
weiter zu entwickeln. Angesichts der rasanten Entwicklung in der<br />
Informationstechnologie ist man da nie am Ende. Aber für die<br />
Fußball-WM sind wir gut vorbereitet.
</p>
<p>
<b>jsmo: </b>Wenn Bundeswehr zur WM eingesetzt werden<br />
soll, so heißt das, dass die Möglichkeiten und Strukturen<br />
des Schutzes der Bevölkerung in ihrer aktuellen Form nicht<br />
ausreichen &#8211; trifft dies zu und wie soll hier Abhilfe geschaffen<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Bundeswehr wird nur<br />
das tun, was sie nach dem Grundgesetz darf. Aber das wird sie auch<br />
tun. Da die Fußball-WM Sicherheitsherausforderungen in einer<br />
bisher nicht gekannten Größenordnung stellt &#8211; insbesondere<br />
beim Public Viewing &#8211; ist es ja nur vernünftig, dass alle Verantwortlichen<br />
sich bemühen, das menschenmögliche an Vorkehrungen zu<br />
leisten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Zusammenhang mit der Diskussion<br />
um den Einsatz der Bundeswehr bei der WM war oft davon die Rede,<br />
worauf Sie angeblich hinaus wollen: Es war die Rede vom „amerikanischen<br />
Modell“ oder von der Bundeswehr als „stiller Reserve<br />
der Polizei“. Trifft das zu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Aufgaben von Polizei<br />
und Bundeswehr sind unterschiedlich. Das bleibt auch in der Zukunft<br />
so. Aber die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit<br />
sind durch die Entwicklungen in der globalisierten Welt sehr fließend<br />
geworden. War der elfte September 2001 ein Fall der inneren oder<br />
der äußeren Sicherheit? Die UNO hat ihn jedenfalls als<br />
&quot;kriegerischen Akt&quot; gemäß der Charta der Vereinten<br />
Nationen gewertet.
</p>
<p>
<b>Finity: </b>Sind Sie der Meinung, man sollte die Bundeswehr<br />
auch nach der WM in Bereichen der inneren Sicherheit einsetzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In dem Sinne, dass die<br />
Bundeswehr dort tätig sein muss. Wo die Möglichkeiten<br />
der Polizei erschöpft sind, halte ich es für richtig,<br />
dafür die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.
</p>
<p>
<b>pompardine:</b> Wie sicher ist das Verfahren zur Einstellung<br />
der Sicherheitskräfte zur WM hinsichtlich der Herausfiltrierung<br />
von Rechtsradikalen und Hooligans ohne bekannte Vorbestrafung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auf bitten des Organisationskomitees<br />
werden diejenigen, die im Stadionbereich tätig sind, anhand<br />
vorhandener Karteien überprüft. Aber wer bisher nicht<br />
auffällig geworden ist, kann dabei auch nicht erkannt werden.
</p>
<p>
<b>Levent: </b>Herr Schäuble, glauben Sie nicht,<br />
dass ein Militäraufgebot zur WM in Deutschland, ein &quot;falsches&quot;<br />
Bild der Deutschen vermittelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nein. Es gibt kein Land,<br />
in dem der Einsatz der Armee im Inneren so begrenzt ist wie in Deutschland.<br />
Wenn wir also tun, was alle anderen machen, schaffen wir kein falsches<br />
Bild.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen:
</p>
<p>
<b>UKvsD:</b> Warum wird nicht endlich in Deutschland<br />
eine Berufsarmee eingeführt? Brauchen wir den ganzen Block<br />
von Pflichtdienst und alternativem Zivildienst? Mit einer Berufsarme<br />
würden doch ganz andere Qualitätsmaßstäbe freigesetzt.
</p>
<p>
<b>Browser:</b> Warum gibt es nicht die Berufsarmee?<br />
Ist das bisherige System nicht längst überholt angesichts<br />
neuer Herausforderungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im internationalen Vergleich<br />
kann sich die Bundeswehr mit der Mischung aus Berufs- und Zeitsoldaten<br />
und Wehrpflichtigen durchaus sehen lassen. Durch die Wehrpflicht<br />
finden viele überdurchschnittlich qualifizierte Bewerber auch<br />
den Weg in die Laufbahn des Berufs- oder Zeitsoldaten. Im Übrigen<br />
ist durch die Wehrpflicht die Armee in unserer demokratisch verfassten<br />
Gesellschaft gut verankert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu den Unruhen in Frankreich:
</p>
<p>
<b>Regierungsinspektor:</b> Welche Maßnahmen können<br />
wir in Deutschland ergreifen, damit solche brenzligen Situation<br />
in Bezug auf die Jugendlichen nicht auch bei uns vorkommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich glaube die Situation<br />
in Deutschland ist mit der Lage in den französischen Banlieus<br />
nicht zu vergleichen. Aber auch wir werden alles tun müssen,<br />
um die Menschen ausländischer Abstammung möglichst gut<br />
zu integrieren. Was die aktuellen Auseinandersetzungen um die französische<br />
KündigungsschutzGesetzgebung angeht, sehe ich keine Parallelen<br />
zu Deutschland. Im Übrigen haben wir ja die Möglichkeit<br />
von zweijährigen Probezeiten, was Frankreich jetzt einführen<br />
möchte.
</p>
<p>
<b>gengenbach:</b> Überwachungskameras schützen<br />
nicht vor Verbrechen! Dass haben wir ja jetzt bei der Überwachung<br />
der Kanzlerwohnung gesehen. Wie stehen sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe bisher nicht<br />
gehört, dass in der Kanzlerwohnung ein Verbrechen verübt<br />
worden sei. Im Übrigen haben Videokameras manchmal schon eine<br />
abschreckende Wirkung. Vermutlich wäre etwa die Zahl der Ladendiebstähle<br />
durchaus größer, wenn es keine Videoüberwachung<br />
gäbe.
</p>
<p>
<b>nk: </b>Wie schätzen Sie die Diskussion über<br />
die Abgeordnetengehälter ein? Kollege Merz hat sich ja ausdrücklich<br />
dagegen ausgesprochen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Friedrich Merz wehrt sich<br />
dagegen, dass Abgeordnete andere Einkünfte offen legen sollen.<br />
Darüber wird das Verfassungsgericht entscheiden müssen.
</p>
<p>
<b>alleswasrechtist: </b>Wie sieht die Zukunft des Beamtentums<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir werden auch in Zukunft<br />
für die Erfüllung hoheitlicher Aufgaben ein leistungsfähiges<br />
Beamtentum brauchen, mit dem wir in der Vergangenheit gut gefahren<br />
sind. Das schließt eine Modernisierung, die im Übrigen<br />
auch immer stattgefunden hat, natürlich nicht aus.
</p>
<p>
<b>nele:</b> Herr Schäuble, ist Bürokratieabbau<br />
für Bürger und Verwaltung noch Ihr Thema?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ja, für die Bürger<br />
schon deswegen, weil sie sich über zuviel Bürokratie zu<br />
recht ärgern. Und deshalb bemühen wir uns auch in der<br />
Verwaltung, möglichst viel Bürokratie abzubauen.
</p>
<p>
<b>Fewnaf: </b>Rente: Wie viel Sinn macht private Vorsorge?<br />
Wenn jemand als Vorsorge fürs Alter ein Haus kauft, kann es<br />
ihm wieder weggenommen werden, wenn er arbeitslos wird. Finden Sie<br />
einen solchen Eingriff des Staates rechtens? Betriebswirtschaftlich/bürokratisch<br />
ist eine solche Maßnahme auf jeden Fall unsinnig, da der Staat<br />
das Haus zwar einkassiert, aber dem arbeitslosen Vorbesitzer Miete<br />
zahlen muss (evtl. sogar für ein anderes Haus).
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich denke, dass das Prinzip<br />
richtig ist, dass die Gemeinschaft der Steuerzahler einem Menschen<br />
nur dann hilft, wenn er selbst nicht in der Lage ist, sich zu helfen.<br />
Deswegen ist private Vorsorge für das Alter durchaus richtig.<br />
Denn es geht ja darum, die gesetzliche Rente zu ergänzen und<br />
dabei wird dann Erspartes nicht angerechnet.
</p>
<p>
<b>sebastian80:</b> Sie wissen, dass das Renten- und<br />
das Krankenversicherungssystem in Deutschland definitiv kollabieren<br />
werden. Die &quot;Korrekturen&quot;, die momentan geplant sind,<br />
verzögern den Zusammenbruch nur. Warum handelt die Politik<br />
seit über 30 Jahren nicht entsprechend? Was kann getan werden,<br />
um die Politik in Deutschland handlungsfähiger und -williger<br />
zu gestalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Politik handelt fortlaufend,<br />
um unsere gesetzlichen Sicherungssysteme an die demografische Entwicklung<br />
anzupassen. Das ist das eigentliche Problem, dass der Anteil älterer<br />
Menschen &#8211; vor allem auch durch steigende Lebenserwartung &#8211; größer<br />
und der Anteil jüngerer kleiner wird. Gegen diese Veränderung<br />
beziehungsweise die sich daraus ergebenden Konsequenzen gibt es<br />
in der Öffentlichkeit viel Widerstand, weshalb mutige Reformkonzepte<br />
oft vom Wähler nicht belohnt werden. Wenn man entschlossenere<br />
Reformen will, muss man sich mit den politischen Debatten und bei<br />
den Wahlen dafür entsprechend engagieren. Einen anderen Weg<br />
gibt es in der Demokratie nicht.
</p>
<p>
<b>Florian Bott:</b> Noch eine Frage zum Gesundheitssystem:<br />
Welche Reaktion würde die Bundesregierung zeigen, wenn die<br />
Mehrheit der deutschen Ärzte ihre Kassenzulassung zurückgeben<br />
wird, falls den Ärzte-Streik-Forderungen nicht nachgegeben<br />
würde?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich denke, es wir immer<br />
genügend Ärzte geben, die bereit sind, kranken Menschen<br />
zu helfen. Man sollte im Übrigen die Probleme von Ärzten<br />
immer auch ein wenig vergleichen mit den Nöten von Menschen,<br />
die keinen Arbeitsplatz haben.
</p>
<p>
<b>Don_Mulli:</b> Lieber Herr Schäuble, der Spiegel<br />
berichtete kürzlich über die von der damaligen Bundesregierung<br />
zurückgewiesene Überführung des so genannten &quot;Bremer<br />
Taliban&quot; aus Guantanamo. Kann ich mir sicher sein, dass unter<br />
Ihrer Führung die Geheimdienste und das Innenministerium anders<br />
entschieden hätten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir haben uns für<br />
die Freilassung von Herrn Kuraz eingesetzt und auch erklärt,<br />
dass er nach Deutschland zurückkehren kann, obwohl er nicht<br />
die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Ich denke, dass das<br />
bald der Fall sein wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was heiß bald?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das kann ich so genau<br />
jetzt nicht sagen. Aber die Bundeskanzlerin hat ja auf ihre Bitte<br />
nach Freilassung eine positive Reaktion der amerikanischen Seite<br />
erfahren.
</p>
<p>
<b>Marcel_Goette:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,<br />
es gibt Diskussionen, nach denen die Legislaturperiode des Bundestags<br />
auf fünf oder mehr Jahre verlängert werden soll. Halten<br />
Sie dies für richtig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich persönlich finde<br />
vier Jahre ausreichend, aber fünf Jahre ist auch okay. Von<br />
einer längeren Zeitspanne habe ich nicht gehört.
</p>
<p>
<b>olivares:</b> Werden während der WM Mannschaftsquartiere<br />
wie USA, Iran, Saudi-Arabien besonders geschützt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Alle Mannschaftsquartiere<br />
werden besonders geschützt. Und natürlich gibt es besonders<br />
gefährdete Mannschaften, zu denen die von Ihnen genannten gehören.<br />
Auf diese wird dann besonders aufgepasst, hoffentlich.
</p>
<p>
<b>Helmuth Bohl:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,<br />
wird es in Deutschland je eine Vereinfachung des Steuersystems geben?<br />
Können Sie eine Schätzung in Jahrzehnten abgeben, bis<br />
wann damit gerechnet werden kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich hoffe noch in diesem<br />
Jahrzehnt.
</p>
<p>
<b>Debattant:</b> Sehr geehrter Herr Bundesminister Dr.<br />
Schäuble. Seit der Ablehnung der EU-Verfassung bei den Referenden<br />
in Frankreich und den Niederlanden steckt Europa in der Krise. Welche<br />
Perspektive hat der europäische Integrationsprozess? Sollte<br />
Ihre Idee eines Kerneuropas wiederbelebt werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das kann sein, dass es<br />
dazu kommt. Ich denke, wir müssen uns nach der Einführung<br />
der europäischen Währung in den nächsten Jahren vor<br />
allem darauf konzentrieren, in der Außen- und Sicherheitspolitik<br />
neue europäische Gemeinsamkeit zu entwickeln. Wenn die Menschen<br />
in Europa begreifen, dass europäische Einigung für unser<br />
aller Sicherheit notwendig ist, werden wir auch wieder mehr Zustimmung<br />
für das europäische Projekt bekommen und so die gegenwärtige<br />
Krise überwinden können. Das wird allerdings auch notwendig<br />
sein, dass sich die europäische Ebene nicht in alle Bereiche<br />
einmischt. Vermutlich, werden auf diesem Weg einige europäische<br />
Länder voran gehen in der Hoffnung, dass die anderen später<br />
nachfolgen. Das kann man dann, wenn man will, als Kerneuropa bezeichnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum möglichen Kongo-Einsatz:
</p>
<p>
<b>JFK:</b> Die Bundesrepublik steht finanziell sehr<br />
schlecht da. Warum müssen ausgerechnet wir den größten<br />
Teil der Soldaten stellen? Wer trägt die Kosten? Kann nicht<br />
die Weltpolizei Großbritannien sich auch beteiligen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist ein gemeinsamer<br />
europäischer Einsatz, bei dem wir keinen größeren<br />
Anteil tragen, als unserem Verhältnis in Europa entspricht.<br />
Die Briten machen übrigens in Afghanistan sehr viel mehr als<br />
wir.
</p>
<p>
<b>Regierungsinspektor:</b> Energiepolitik: Wir streben<br />
in Europa eine gemeinsame Energiepolitik an, wie sieht dann der<br />
faktische Verzicht von Atomstrom aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich halte davon wenig.<br />
Weil ja die anderen Länder überall auf der Welt nicht<br />
auf die friedliche Nutzung der Kernenergie verzichten wollen. Insofern<br />
ist ein nationaler Alleingang immer problematisch. Aber in der Frage<br />
haben die beiden Partner der großen Koalition unterschiedliche<br />
Vorstellungen.
</p>
<p>
<b>UN-Beobachter:</b> Kann die EU langfristig ein Instrument<br />
der kollektiven Sicherheit darstellen, das der NATO Aufgaben abnehmen<br />
kann (auch operativ)? Eigentlich sollte die NATO als Verteidigungsbündnis<br />
keine Krisenbewältigung durchführen. Ist das eine Lücke<br />
für die EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die EU kann teilweise<br />
Aufgaben wahrnehmen, die sonst auch die NATO machen könnte.<br />
Auf dem Balkan tut sie das schon. Aber auch die NATO werden wir<br />
zur Krisenbewältigung brauchen, weil in der NATO Europäer<br />
und Amerikaner zusammengeschlossen sind. Mit dem Ende des Kalten<br />
Kriegs haben sich die Bedrohungslage und damit auch die Einsatznotwendigkeiten<br />
für die NATO grundlegend verändert.
</p>
<p>
<b>s:</b> Herr Schäuble, WM, Kongo, Afghanistan,<br />
Balkan: Stößt die Bundeswehr nicht langsam an ihre Grenzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Bundeswehr ist durch<br />
die vielen Einsätze stark belastet. Aber beispielsweise in<br />
Kongo ist nur ein kleines Kontingent vorgesehen, von nur vier Monaten.
</p>
<p>
<b>Horace T. West:</b> Laut „Spiegel“ hat<br />
die Bundesrepublik im Korruptionsranking weiter an Boden verloren.<br />
Welche Maßnahmen gedenkt der Innenminister zu ergreifen, um<br />
der Korruption in unserem Land Einhalt zu gebieten? Abgesehen davon,<br />
dass es oft bei uns als Kavaliersdelikt angesehen wird, ist ja wohl<br />
das wichtigste Problem, dass man hierzulande nicht mit allzu intensiver<br />
Strafverfolgung rechnen muss.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Strafverfolgungsbehörden<br />
der Länder, die dafür zuständig sind, verfolgen Korruption<br />
mit großem Nachdruck und wachsendem Erfolg. Wir haben die<br />
Gesetze zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität allgemein<br />
verstärkt und das ist auch nicht ohne Wirkung geblieben.
</p>
<p>
<b>Browser:</b> Herr Schäuble, wie unterstützt<br />
die deutsche Bundesregierung die Opposition in Weißrussland?<br />
Welche Maßnahmen sind ihrer Meinung nach nötig, um ein<br />
auf den Menschenrechten basierendes System zu forcieren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die europäische Union<br />
hat ja Sanktionen gegen Weißrussland, wegen der Wahlmanipulation<br />
und der Unterdrückung der Opposition, beschlossen. Daran beteiligt<br />
sich die Bundesrepublik Deutschland. Und es ist auch richtig, dass<br />
wir solche Maßnahmen nicht im nationalen Alleingang, sondern<br />
im europäischen Verbund treffen.
</p>
<p>
<b>JFK:</b> Glauben Sie, unsere Mannschaft wird Weltmeister?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Als Fußballfan hofft<br />
man immer auf den Erfolg der eigenen Mannschaft. Wunder gibt es<br />
immer wieder und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Viele interessante Fragen sind eingegangen, die wir leider nicht<br />
alle berücksichtigen konnten. Dennoch vielen Dank an alle,<br />
die mitgemacht haben. Besonderen Dank auch an Sie, Herr Schäuble,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Nächster Gast<br />
bei uns ist Konrad Schily. Er ist MdB der FDP und wird am Donnerstag,<br />
den 6. April zum tagesschau-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.<br />
Beginnen werden wir pünktlich um 13 Uhr.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich bedanke mich für<br />
das Interesse und für viele interessante Fragen. Jedenfalls<br />
ist es besser zu diskutieren, als nicht zur Wahl zu gehen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eine Achse Paris-Berlin-Moskau spaltet Europa&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Schäuble]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Wolfgang Schäuble, stellv. 
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, war am 8. September 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tageschau.de und politik-digital.de.<span style="font-size: x-small"> 
</span>Im Mittelpunkt standen Fragen zur Außen-, Europa- und 
Energiepolitik. Daneben wurde auch ausführlich über den 
Wahlkampf sowie die Steuer- und Familienpolitik der Union diskutiert.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Wolfgang Schäuble, stellv.<br />
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, war am 8. September<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tageschau.de und politik-digital.de.<span style="font-size: x-small"><br />
</span>Im Mittelpunkt standen Fragen zur Außen-, Europa- und<br />
Energiepolitik. Daneben wurde auch ausführlich über den<br />
Wahlkampf sowie die Steuer- und Familienpolitik der Union diskutiert.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe<br />
Politik-Interessierte, herzlich Willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Unsere Chat-Reihe ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Heute chatten wir<br />
mit dem stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble,<br />
den Angela Merkel als Außenexperte in ihr Kompetenzteam berufen<br />
hat. Herr Schäuble chattet in den Räumen der Mittelbadischen<br />
Presse in Offenburg. Vielen Dank an die Kollegen von der Zeitung,<br />
dass Sie das möglich gemacht haben! Herzlich willkommen Herr<br />
Schäuble, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Na klar!
</p>
<p>
<b>pollux:</b> Herr Schäuble, sind Sie beunruhigt<br />
über die steigenden Umfragewerte für die SPD in den letzten<br />
Tagen? Vielleicht reicht es am 18. September doch &quot;nur&quot;<br />
für eine große Koalition?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Die Umfragen<br />
interessieren mich nicht mehr sehr. Entscheidend sind die Stimmen<br />
am 18. September und das bleibt bis zur letzten Sekunde knapp.
</p>
<p>
<b>JochenH.:</b> Nach den jüngsten Umfragen kann<br />
eine große Koalition nicht mehr ausgeschlossen werden. Welche<br />
Reformperspektiven sehen Sie mit der SPD? Kann dann beispielsweise<br />
die Erhöhung der Mehrwertsteuer durchgesetzt werden?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Ich bin<br />
kein Anhänger der großen Koalition. Demokratie heißt<br />
Wettbewerb und große Koalition ist eher Kartell. Im Übrigen<br />
ist die SPD im Moment ja nicht einmal bereit, die zögerlichen<br />
Reformen Schröders zu unterstützen. Was sollte also in<br />
einer großen Koalition besser werden?
</p>
<p>
<b>HolgerJ.:</b> Herr Schäuble, glauben Sie, dass<br />
die SPD eine große Koalition aushalten würde, ohne sich<br />
in die Schröder-SPD und die neue Linkspartei zu zerreißen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Nein.<br />
Deswegen vermute ich, dass spätestens nach einem Jahr die SPD<br />
doch eine Koalition mit der Linkspartei bilden würde.
</p>
<p>
<b>Helga Maria Schneider:</b> Herr Schäuble, wann<br />
hören die Grabenkämpfe innerhalb der Union endlich auf?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Ich finde,<br />
dass es im Moment keine Grabenkämpfe gibt. Man muss immer bedenken,<br />
dass in einer großen Volkspartei viele Individuen sind, von<br />
denen jedes einen Rest eigener Meinung bewahrt.
</p>
<p>
<b>dirk01:</b> Herr Schäuble, wie beschreiben Sie<br />
Ihr Verhältnis zu Angela Merkel? Sie waren ja nicht immer gleicher<br />
Meinung. Passt zwischen Sie beide ein Blatt Papier?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Wir arbeiten<br />
vertrauensvoll zusammen für das gleiche Ziel: eine bessere<br />
Politik für Deutschland.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Kann man daraus schließen,<br />
dass es eine bessere Zusammenarbeit gibt als früher?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Unsere<br />
Zusammenarbeit war immer gut. Schließlich habe ich sie als<br />
Generalsekretärin ausgewählt und dafür geworben,<br />
dass sie meine Nachfolgerin als Parteivorsitzende wurde. Im Übrigen,<br />
was würden wohl ihr Mann und meine Frau dazu sagen, wenn kein<br />
Blatt Papier zwischen uns wäre?
</p>
<p>
<b>Simonslimy:</b> Herr Dr. Schäuble, nicht wenige<br />
werfen Kanzlerkandidatin Angela Merkel eine mangelnde Repräsentationsfähigkeit<br />
für Deutschland im Ausland vor. Wie stehen Sie zu diesem Vorwurf?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Den halte<br />
ich für völlig unbegründet. Sie wird unser Land nach<br />
innen gut führen und nach außen gut vertreten.
</p>
<p>
<b>StevenRCDS:</b> Wie wird sich Herr Stoiber nach einem<br />
Wahlsieg verhalten? Was meinen Sie, wird Herr Stoiber in das Bundeskabinett<br />
gehen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Nach<br />
seiner eigenen Aussage hat er sich noch nicht entschieden. Also<br />
kann ich es auch nicht wissen.
</p>
<p>
<b>rene.kusch@web.de:</b> Was schätzen Sie an der<br />
Außenpolitik von Herrn Fischer und was würden Sie genau<br />
so auch machen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> In den<br />
Iran-Verhandlungen und im Israel-Palästina-Konflikt waren wir<br />
immer derselben Meinung. Ansonsten kritisiere ich vor allem, dass<br />
er in den letzten Jahren keinen großen Einfluss mehr auf die<br />
Außenpolitik des Kanzlers ausübte, der zu einer tiefen<br />
Spaltung Europas, zu einer Beschädigung der transatlantischen<br />
Beziehungen und zu einer Reform der Vereinten Nationen sehr schlechte<br />
Beiträge geleistet hat.
</p>
<p>
<b>Podolski:</b> Nicht wenige Experten, darunter durchaus<br />
auch konservative Wissenschaftler, sprechen sich aus geopolitischen<br />
bzw. -strategischen Gründen für den Beitritt der Türkei<br />
zur EU aus. Diese Gründe seien wichtiger als beispielsweise<br />
die entgegenstehenden ökonomischen Bedenken. Was halten Sie<br />
von dieser Ansicht?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Die geopolitischen<br />
und -strategischen Argumente teile ich. Aber sie sind auch ohne<br />
einen vollen Beitritt zur Europäischen Union zu verwirklichen.<br />
Die Europäische Union ihrerseits würde meines Erachtens<br />
durch eine Mitgliedschaft der Türkei an der notwendigen Unterstützung<br />
der Menschen in Europa verlieren. Deshalb halte ich eine privilegierte<br />
Partnerschaft für die bessere Lösung.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Bush wünscht<br />
sich ausdrücklich, dass die Türkei in die EU aufgenommen<br />
wird. Stößt die CDU ihn mit Ihrer Forderung nach einer<br />
privilegierten Partnerschaft nicht vor den Kopf?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Nein.<br />
Ich habe darüber mit Außenministerin Rice gesprochen.<br />
Indem wir auf die strategischen Interessen Rücksicht nehmen,<br />
können wir den Argumenten der USA Rechnung tragen.
</p>
<p>
<b>Bitte klare Antwort:</b> Als sich viele Deutsche gegen<br />
den Kriegseintritt der Deutschen im völkerrechtswidrigen Krieg<br />
der USA gegen den Irak aussprachen, bezeichneten Sie das als primitiven<br />
Antiamerikanismus. Müssen wir unter einer CDU-FDP-Regierung<br />
mit der Beteiligung Deutschlands an so genannten Präventivkriegen<br />
der USA rechnen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Die Debatte<br />
war damals anders. Ich habe immer gesagt, dass Voraussetzung für<br />
jede Entscheidung ein Mandat der Vereinten Nationen ist. Das gilt<br />
auch in Zukunft.
</p>
<p>
<b>thomas192:</b> In welcher Beziehung sehen Sie die<br />
Europäische Union und Russland in 20 Jahren? Kann Russlang<br />
mittel-/ langfristig Teil der EU werden?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Für<br />
Russland gilt Ähnliches wie für die Türkei. Wir sollten<br />
eng mit Russland verbunden sein, aber eine volle Mitgliedschaft<br />
würde die Europäische Union überdehnen.
</p>
<p>
<b>Dr. Sawatzki:</b> Wie sehen Sie das deutsch-amerikanische<br />
Verhältnis in den nächsten zwei Jahren nach einem Machtwechsel?<br />
Sollte Deutschland mehr Abstand zu einer gemeinsamen Außenpolitik<br />
mit Frankreich gewinnen?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Wir brauchen<br />
eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich. Aber sie darf Europa nicht<br />
spalten, sondern muss ganz Europa zusammenführen und zu einem<br />
verlässlichen Partner machen im atlantischen Bündnis.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Die CDU hat angekündigt,<br />
nach einem Wahlsieg die Achse Berlin-Moskau-Paris außer Betrieb<br />
zu nehmen. Was versprechen Sie sich davon? Verschlechtert das nicht<br />
die wichtigen Beziehungen zu den beiden Ländern?
</p>
<p>
<b><b>Wolfgang Schäuble:</b></b> Wir wollen<br />
keine neuen Achsen. Sondern gemeinsame europäische Politik.<br />
Eine Achse Paris-Berlin-Moskau spaltet Europa. Deshalb lehnen wir<br />
sie ab. Gute Beziehungen zu Russland dürfen nicht als neue<br />
Achsenbildung missverstanden werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal eine Nachfrage zu Irak und<br />
UN-Mandat:
</p>
<p>
<b>Sol84:</b> Demnach schließen sie eine Beteiligung<br />
der Bundeswehr an US-Militäreinsätzen ohne ein Mandat<br />
der Vereinten Nationen grundsätzlich aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ja. Natürlich gibt<br />
es Ausnahmen, wie 1999 im Kosovo, wo der Weltsicherheitsrat bewusst<br />
nicht angerufen wurde. Aber besser ist, wenn die Vereinten Nationen<br />
entscheidungsfähig sind. Deshalb ist es so zu bedauern, dass<br />
die deutsche Regierung auch nach Aussage des Bevollmächtigten<br />
von Kofi Annan zur Reform der Vereinten Nationen keine guten Beiträge<br />
geleistet hat.
</p>
<p>
<b>knoten:</b> Herr Schäuble, Gerhardt Schröder<br />
und Putin pflegen eine enge, auch persönliche Beziehung. Welche<br />
Linie gedenken Sie im Falle des Wahlsieges in Bezug auf Russland<br />
und Putin einzuschlagen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Gute Beziehungen zwischen<br />
den Regierungschefs sind immer nützlich. Sie dürfen aber<br />
nicht von anderen als Bedrohung missverstanden werden können.<br />
Wir wollen mit Russland enge Beziehungen auf der Basis einer gemeinsamen<br />
europäischen Politik und einer funktionierenden atlantischen<br />
Partnerschaft. Das habe ich meinen Gesprächspartnern auch vor<br />
zwei Wochen in Moskau gesagt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer könnte sich denn durch die<br />
guten Beziehungen zwischen Putin und Schröder bedroht fühlen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zum Beispiel Polen oder<br />
die baltischen Staaten.
</p>
<p>
<b>AlexN:</b> Herr Schäuble, sollte man die Pläne<br />
für die Ostsee-Pipeline aus Rücksicht auf Polen durchkreuzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Man hätte vorher<br />
besser mit den Polen gesprochen. Jetzt ist es für eine Änderung<br />
wohl zu spät.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hätte eine unionsgeführte<br />
Regierung ein so wichtiges Wirtschaftsprojekt wie den Bau der Pipeline<br />
zwischen Russland und Deutschland tatsächlich verhindert, nur<br />
um die baltischen Staaten und Polen zufrieden zu stellen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir hätten versucht,<br />
eine gemeinsame Lösung zu erreichen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kleinen Moment, es gibt viele Fragen<br />
zu sortieren&#8230;
</p>
<p>
<b>streberdaniel:</b> Herr Schäuble, finden Sie<br />
nicht, dass sich Angela Merkel Ihres Sieges schon zu sicher ist?<br />
Immerhin hat CDU/CSU&amp;FDP die Mehrheit verloren.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie ist sich überhaupt<br />
nicht sicher. Sondern sie kämpft, wie wir alle, um jede Stimme<br />
bis zur letzten Minute.
</p>
<p>
<b>DjangoUN:</b> Herr Dr. Schäuble: Im Falle einer<br />
Schwarz-Gelb-Regierung wäre traditionell Herr Westerwelle Außenminister.<br />
Welche Rolle würden Sie dann einnehmen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Erst wollen wir die Wahl<br />
gewinnen. Danach reden wir darüber, wer welche Aufgabe übernimmt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nicht mal eine klitzekleine Spekulation?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>Heinz Hubert:</b> Herr Schäuble, wie ist Ihre<br />
Meinung zur Berufung von Herrn Kirchhof? Ich denke, dass eine Berufung<br />
von Herrn Merz als Finanzexperte eine bessere Wahl gewesen wäre<br />
– nicht zuletzt, weil harte Reformen auch gut politisch vermarktet<br />
werden müssen; und gerade dies ist eine Stärke von Herrn<br />
Merz.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zum Glück hat die<br />
Union viele gute Leute. Friedrich Merz hat die Berufung von Kirchhof<br />
ausdrücklich begrüßt und arbeitet seinerseits engagiert<br />
in unserem Wahlkampf mit. Heute Abend zum Beispiel ist er bei mir<br />
in Offenburg.
</p>
<p>
<b>KurtWagner:</b> Herr Schäuble, was würde<br />
eine schwarz-gelbe Regierung gegen die momentan stark steigenden<br />
Energiepreise unternehmen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Kurzfristig kann man angesichts<br />
der Entwicklung auf den Märkten nicht allzu viel tun. Frau<br />
Merkel hat ja die Freigabe der Energiereserven gefordert. Ansonsten<br />
müssen wir langfristig für Energieeinsparung und ein möglichst<br />
breites Angebot aller Energien sorgen.
</p>
<p>
<b>Anti_Atom:</b> Herr Schäuble, Frau Merkel &quot;rennt&quot;<br />
der Atomlobby mit offenen Armen entgegen. Wird der Atomausstieg<br />
2017 bei einem Wahlsieg auf Eis gelegt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Angesichts der weltweiten<br />
Energieknappheit machen nationale Alleingänge keinen Sinn.<br />
Deutschland hat den höchsten Sicherheitsstandard bei der friedlichen<br />
Nutzung der Kernenergie. Der sollte auch in Zukunft für möglichst<br />
viel Sicherheit geleistet werden.
</p>
<p>
<b>Robs:</b> Was hat es mit dieser fragwürdigen<br />
Kopplung des Gas- an den Ölpreis auf sich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist vor Jahren einmal<br />
eingeführt worden, um die Erdgaspreise kalkulierbarer zu machen.<br />
Ob das jetzt noch richtig ist, daran kann man tatsächlich Zweifel<br />
haben. Darüber wird ja auch in der aktuellen Krise international<br />
gesprochen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wollen Sie diese Bindung also aufheben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenn man eine vernünftige<br />
Lösung finden kann, ja.
</p>
<p>
<b>Schloti:</b> Werden die Subventionen für alternativen<br />
Ressourcen wie z. B. Wind und Sonne bröckeln?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nein. Wir setzen auf alle<br />
Energiearten, auch auf die erneuerbaren und alternativen.
</p>
<p>
<b>olli1:</b> Sehr geehrter Herr Schäuble, wie gedenkt<br />
eine unionsgeführte Regierung das Vertrauen der Bürger<br />
in die Politiker wiederherzustellen?
</p>
<p>
<b>kannste-mal-sehen:</b> Die FAZ hat heute im Kommentar<br />
gewettert, das Parlament sei nicht mehr Bühne für die<br />
Politik, sondern TV-Duelle. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zunächst zu Olli1:<br />
Indem wir vor der Wahl klar sagen, was wir im Falle eines Wahlerfolgs<br />
machen werden. Das ist das Gegenteil zu Schröder, der fast<br />
alle seine Versprechungen gebrochen hat. Zur zweiten Frage: Ich<br />
teile die Ansicht dieses Kommentars und plädiere seit langem<br />
zum Beispiel dafür, dass die Bundesregierung zunächst<br />
das Parlament und erst danach die Journalisten unterrichten sollte.
</p>
<p>
<b>Heinz Hubert:</b> Herr Dr. Schäuble, die Diskussion<br />
über das Steuerkonzept von Kirchhof überlagert viele andere<br />
wichtige Themen. Warum lässt Ihre Partei zu, dass mehr über<br />
das Kirchhof-Konzept diskutiert wird als über das CDU-Konzept?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich setze mich sehr dafür<br />
ein, dass allen Wählern klar ist, dass wir unser Regierungsprogramm<br />
verwirklichen werden. Leider ist das im Augenblick in den Medien<br />
zum Teil etwas unklar geworden. Wir wollen zum 1. Januar 2007 ein<br />
einheitliches Unternehmenssteuerrecht, eine Senkung der Einkommenssteuersätze<br />
auf 12 bis 39 Prozent und Freibeträge für jeden Mann und<br />
jede Frau und jedes Kind von je 8000 Euro. Das gilt.
</p>
<p>
<b>Der_Hesse:</b> Sie können vor der Wahl nicht<br />
alle notwendigen Reformen ankündigen, weil Ihnen sonst die<br />
Wähler weglaufen. Das was sie ankündigen, stößt<br />
schon nicht auf große Euphorie. Schaffen sie den Spagat zwischen<br />
Wahrheit und dem, was die Wähler hören wollen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir sagen vor der Wahl,<br />
was wir nach der Wahl machen werden. Natürlich kann man nicht<br />
alle Einzelheiten kommunizieren, aber die Grundlinien sind eindeutig.<br />
Insofern gibt es diesen Spagat nicht.
</p>
<p>
<b>B5:</b> Können wir also erwarten, dass Kirchhof<br />
seine Streichliste vor der Wahl bekannt gibt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Darauf kommt es nicht<br />
an, weil nur gilt, was in unserem Regierungsprogramm steht. Das<br />
kann jeder nachlesen, und darüber reden wir auf jeder Wahlveranstaltung.
</p>
<p>
<b>gpeter:</b> Herr Schäuble, die CDU hat sogar<br />
die Pflegeversicherung eingeführt, warum sollte sie gerade<br />
unter Frau Merkel die Sozialsysteme reformieren können und<br />
für mehr Eigenverantwortung sorgen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Pflegeversicherung<br />
war richtig, weil sie die Eigenverantwortung von Familien mit pflegebedürftigen<br />
Angehörigen gestärkt hat. Im Übrigen sind unsere<br />
Vorschläge zum Gesundheitswesen und zur Rente bekannt. Und<br />
sie werden die sozialen Sicherungssysteme dauerhaft sicher machen.
</p>
<p>
<b>Det:</b> Herr Schäuble, müssen nicht endlich<br />
mehr Anreize für mehr Kinder geschaffen werden? Ich sehe nicht<br />
ein, dass meine drei Kinder später einmal die Renten der Kinderlosen<br />
bezahlen sollen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Unser Programm sieht neben<br />
den Steuerfreibeträgen von 8000 Euro für jedes Kind einen<br />
Abschlag von 50 Euro pro Kind bei den Rentenbeiträgen und die<br />
Erstattung der Krankenversicherungsbeiträge für Kinder<br />
aus dem Bundeshaushalt vor. Das ist ein gutes Programm, um Eltern<br />
mit Kindern zu entlasten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage:
</p>
<p>
<b>rene.kusch@web.de:</b> Es kommt nicht auf die Aussagen<br />
Kirchhofs an?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es gilt, was im gemeinsamen<br />
Regierungsprogramm von CDU und CSU steht. Das sagt auch Herr Kirchhof.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar dazu:
</p>
<p>
<b>aussen:</b> Soll das heißen, Kirchhofs Behauptungen<br />
sind überhaupt nicht gültig. Wir können uns nur auf<br />
das CDU-Parteiprogramm berufen? Na dann kann die CDU ja viel erzählen!!
</p>
<p>
<b>Penti-21:</b> Nun besteht die Union ja mal aus 2 Parteien:<br />
CDU und CSU. Wie stehen Ihre bayerischen Kollegen zu den radikalen<br />
Vorschlägen von Herrn Kirchhof?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zuerst zu aussen: Wir<br />
haben für die Wahl ein klares Regierungsprogramm vorgelegt.<br />
Das beschreibt, was wir in der nächsten Legislaturperiode machen<br />
werden. Zu Penti-21: Das ist ein gemeinsames Programm von CDU und<br />
CSU, insofern gibt es keine Unterschiede.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal eine Nachfrage zu den Koalitionen:
</p>
<p>
<b>Em2802:</b> Was passiert eigentlich im Falle einer<br />
großen Koalition, wenn die SPD nach 18 Monaten auseinander<br />
bricht? Wieder Neuwahlen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das Beste ist, wir bekommen<br />
ein klares Wahlergebnis, damit die Spekulation über eine große<br />
Koalition ohne Grundlage bleibt. Alles andere schafft neue Unsicherheit<br />
und wäre schlecht für Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Jede Menge Fragen zu Kirchhof.
</p>
<p>
<b>madlock:</b> Wählen wir jetzt Kirchhof oder CDU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wählen Sie CDU!
</p>
<p>
<b>gaukus:</b> Herr Schäuble, wie sieht ihre Taktik<br />
aus, angesichts steigender Umfrage-Ergebnisse der SPD und schwächelnder<br />
Liberaler doch noch die für Deutschland so wichtige schwarz-gelbe<br />
Koalition zu realisieren? Auf welche Themen wollen sie in den letzten<br />
Tagen des Wahlkampfes verstärkt setzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vorrang für Arbeit<br />
und Vorfahrt für Familie. Das sind unsere zentralen Themen<br />
im Wahlkampf und dafür kämpfen wir bis zum 18. September<br />
um 18.00 Uhr.</p>
<p><b>Moderator:</b> Glauben Sie nicht, dass die CDU im Endspurt<br />
möglicherweise für eine unklare Haltung in der Steuerfrage<br />
bestraft wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Unsere Haltung ist klar.<br />
Sie steht in unserem Regierungsprogramm. Soweit es Missverständnisse<br />
gibt, müssen wir alles tun, um sie zu beseitigen.
</p>
<p>
<b>thomas192:</b> Wie groß beurteilen Sie den noch<br />
verbliebenen Gestaltungsspielraum des Staates in den Bereichen Schaffung<br />
von Arbeitsplätzen, Gestaltung von Energiepreisen, etc. angesichts<br />
omnipräsenter Globalisierung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Entscheidend ist, dass<br />
wir angesichts der Globalisierung die Wettbewerbsfähigkeit<br />
Deutschlands verbessern. Das beginnt bei den Arbeitskosten, umfasst<br />
Bürokratie-Abbau, leistungsfähigere Forschung und Hochschulen,<br />
bessere Rahmenbedingungen für den Mittelstand. Und auf nationale<br />
Alleingänge, die die Energiepreise im Vergleich zu anderen<br />
Ländern verteuern, sollten wir verzichten.
</p>
<p>
<b>rick: </b>Herr Schäuble, der Bundeskanzler wurde<br />
von Ihnen oft kritisiert. Dennoch die Frage: Welche Eigenschaften<br />
schätzen Sie an ihm, da er für viele nicht mehr lange<br />
im Amt ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es macht wenig Sinn, wenn<br />
man in der Endphase des Wahlkampfs den politischen Gegner lobt.<br />
Dass er den Weg zu vorzeitigen Neuwahlen freigemacht hat, verdient<br />
Anerkennung. Die leisten wir am besten, indem wir jetzt wirklich<br />
für einen Regierungswechsel sorgen.
</p>
<p>
<b>sb_bcn:</b> Von den Bürgern wird verlangt, dass<br />
sie sich den neuen Aufgaben stellen. Wo ist dies bei den Politikern<br />
zu sehen? Ist das heutige Modell von Demokratie nicht renovierungsbedürftig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Bürger und Politiker<br />
sind ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt. Wir versuchen<br />
alle, dem so gut wie möglich gerecht zu werden.
</p>
<p>
<b>kannste-mal-sehen:</b> Zur Ernsthaftigkeit der Politik<br />
noch mal. Wie ist ihre persönliche Meinung: Besser keine TV-Duelle<br />
mehr?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich finde, dass das Duell<br />
am Sonntag nicht so schlecht war. Aber natürlich darf sich<br />
der Wahlkampf nicht auf Fernseh-Inszenierungen reduzieren.
</p>
<p>
<b>MSchmoll:</b> Herr Schäuble, wie beurteilen Sie<br />
die Berichterstattung der Medien, welche die Wähler oftmals<br />
durch ihre Darstellung der Parteien und Politiker von den politischen<br />
Inhalten abzulenken scheinen und stattdessen gezielt Sympathien<br />
erzeugen oder Ängste hervorrufen? Wie kann dem entgegengewirkt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Medien bringen das,<br />
von dem sie glauben, dass es die meiste Aufmerksamkeit bei Zuschauern<br />
und Lesern findet. Insofern liegt es an den Wählern selbst<br />
wie Wahlkämpfe erfolgreich sind oder nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unsere Chat-Stunde, vielen<br />
Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr Schäuble,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Kein Wunder bei einem so<br />
prominenten Gast: Es sind außerordentlich viele Fragen übrig<br />
geblieben. Der nächste Chat findet am Montag statt. Den Fragen<br />
stellt sich dann SPD-Fraktionsvize Michael Müller. Der Chat<br />
beginnt um halb zwei und dauert wie immer eine Stunde. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vielen Dank, bis zum nächsten<br />
Mal.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wolfgang Schäuble zu Europa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Wolfgang Schäuble<!-- #EndEditable --> 
im europthemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->7.05.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wolfgang Schäuble<!-- #EndEditable --><br />
im europthemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->7.05.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen im Europathemen-Chat.<br />
„Europathemen“ ist das Internetangebot der Bundeszentrale<br />
für politische Bildung zur Europawahl. Es wird in Zusammenarbeit<br />
mit ARTE Multimedia und www.netzeitung.de am Zentrum für Medien<br />
und Interaktivität der Universität Gießen erstellt.<br />
Wir begrüßen unseren heutigen Gast Dr. Wolfgang Schäuble,<br />
Bundesinnenminister a. D. und Europa-Experte der Union. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit &#8211; kann es losgehen, Herr Schäuble?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wschaeuble6.jpg" alt="Wolfgang Schaeuble, Unions-Fraktionsvize" align="left" height="116" width="82" />Wolfgang<br />
Schäuble:</b> Bitte.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Erste Frage:
</p>
<p>
<b>gabriela:</b> Wie und wo haben Sie den 1. Mai erlebt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe den 1. Mai in der<br />
Nachbarschaft zu Straßburg erlebt, wo auch meine Heimat ist. Wir<br />
haben dort eine grenzüberschreitende Gartenschau, die von Kehl<br />
und Straßburg veranstaltet wird. Ein schönes europäisches<br />
Projekt.
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Lieber Herr Schäuble, haben Sie die neuen<br />
EU-Staaten schon privat besucht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nicht alle, aber einige. Ich<br />
bin in Polen, Ungarn und Tschechien gewesen.
</p>
<p>
<b>Suse23:</b> Wie sehen Sie Deutschlands Position im erweiterten<br />
Europa?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In der Mitte. Und daraus folgt,<br />
dass wir durch die Erweiterung große Chancen haben. Wir sind jetzt<br />
umgeben von lauter Nachbarn – mit Ausnahme der Schweiz –<br />
die mit uns zusammen in der EU sind. Dies ist nicht nur politisch von<br />
Vorteil, sondern derzeit gewiss auch wirtschaftlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frage dazu von:
</p>
<p>
<b>Grimm:</b> Was wird sich durch die neue EU in Deutschland<br />
ändern?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die neue EU wird den Druck<br />
verstärken, dass wir die nötigen Reformen im Wirtschafts-<br />
und Sozialsystem angehen müssen. Auch wenn das unbequem scheinen<br />
mag, ist das gut, da wir ja zur Zeit erleben, dass wir zurückfallen,<br />
wenn wir nicht entscheidungsfreudiger werden.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Welche Auswirkungen wird die EU-Ost-Erweiterung<br />
speziell für die Grenzlandregion Ostbayern in wirtschaftlicher<br />
Hinsicht haben? Wird die ohnehin sehr strukturschwache Region durch<br />
den Zustrom von Billigarbeitern noch mehr Arbeitsplätze für<br />
Einheimische verlieren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich glaube, eher das Gegenteil.<br />
Grenzland bedeutet ja, dass man von den Zentralen weit entfernt ist.<br />
Diese Randlage entfällt durch die Erweiterung. Im Übrigen<br />
haben wir den Zustrom von Zuwanderern seit langem, so dass die Erweiterung<br />
nicht die Ursache dieser Probleme ist. Wenn sich die wirtschaftliche<br />
Lage bei unseren Nachbarn verbessert, wird der Druck auf unseren Arbeitsmarkt<br />
geringer.
</p>
<p>
<b>euro_egon:</b> À pro pos wirtschaftliche Reformen:<br />
Sehen Sie den Aufschwung in Europa kommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich hoffe und ich setze darauf,<br />
dass mit der Erweiterung eine stärkere Dynamik verbunden sein wird,<br />
weil das unterschiedliche Wirtschaftsniveau in den einzelnen Regionen<br />
Europas für mehr Wachstum spricht als für das Gegenteil. Aber<br />
unsere eigenen Hausaufgaben müssen wir in Deutschland trotzdem<br />
lösen. Also Steuern, Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, usw.
</p>
<p>
<b>PeterBursch:</b> Schätzen wir die Folgen des Beitritts<br />
der zehn neuen Mitglieder im Hinblick auf unseren Arbeitsmarkt realistisch<br />
ein? Viele Jobs werden in Kürze aus Deutschland Richtung Polen<br />
abwandern.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das hat ja bisher schon stattgefunden.<br />
Deshalb ist meine Meinung, dass die Erweiterung nicht die Ursache dieses<br />
Problems ist, sondern über eine gewisse Zeit hinweg dazu beitragen<br />
kann, dass das Problem kleiner werden kann. Die Ursache ist das unterschiedliche<br />
Niveau an Wohlstand und Produktionskosten.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Welche Folgen kann die Erweiterung für<br />
das deutsche Steuersystem haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich gehöre zu denjenigen,<br />
die eine Harmonisierung der Steuern für nicht notwendig halten.<br />
Aber unser Steuersystem muss einfacher, gerechter und effizienter werden<br />
– unabhängig von der Erweiterung.
</p>
<p>
<b>lee morgan:</b> Inwiefern wären sie für Regelungen<br />
der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik auf europäischer<br />
Ebene? Welche Kompetenzen sollten bei den nationalen Regierungen verbleiben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich ziehe es vor, dass die<br />
nationalen Staaten für die Regelungen des Arbeitsmarktes zuständig<br />
bleiben. Wir sollten in Europa nur vereinheitlichen, was Europa wirklich<br />
besser kann. Sonst bekommen wir noch mehr Bürokratie und nicht<br />
mehr Wachstum.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> neues Thema:
</p>
<p>
<b>Friedrich:</b> Sehen Sie Europa als historische Erinnerungs-<br />
und Schicksalsgemeinschaft, aus der sich eine kollektive europäische<br />
Identität entwickelt hat?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im Prinzip ja, allerdings<br />
ist das noch sehr im Werden. Genau deshalb darf man nicht zu viel in<br />
Europa vereinheitlichen. Aber durch eine gemeinsame Währung, eine<br />
hoffentlich baldige gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik werden<br />
wir lernen, dass wir als Europäer gemeinsam in der Welt bessere<br />
Chancen haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grenzen Europa, einige sagen dazu:
</p>
<p>
<b>stefan:</b> Was halten Sie grundsätzlich von einer<br />
Aufnahme der Türkei in die EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenn Europa eine wirkliche<br />
politische Union werden soll, dann braucht es Grenzen. Und andere Grenzen,<br />
als die des geografischen Kontinents werden sich nicht wirklich finden<br />
lassen. Länder, die nicht zum europäischen Kontinent gehören,<br />
sollten wir nicht in die EU aufnehmen. Und für Länder, die<br />
teilweise zu Europa gehören und teilweise nicht, ist eine privilegierte<br />
Partnerschaft die bessere Lösung. Das gilt für die Türkei,<br />
und das gilt vielleicht auch eines Tages für Russland.
</p>
<p>
<b>greek220:</b> Es wird immer gesagt, die Türkei sei<br />
eine fremde Kultur. Aber wenn man das protestantische Schweden mit dem<br />
katholischen Bayern oder dem orthodoxen Griechenland vergleicht, kann<br />
man auch dort sehr unterschiedliche Kulturen feststellen. Was macht<br />
also die Türkei so besonders?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie liegt außerhalb<br />
Europas. In der Tat sind in der EU die kulturellen Unterschiede groß.<br />
Das macht auch ihren Reichtum aus. Allerdings haben wir aus unserer<br />
Geschichte auch viele Gemeinsamkeiten, wobei der Islam etwa auf der<br />
spanischen Halbinsel oder dem Balkan auch zur europäischen Geschichte<br />
gehört. Aber für die Grenzen bleibe ich bei dem, was ich eben<br />
gesagt habe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Nachfragen:
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Aber ist Istanbul nicht auch eine wichtige<br />
europäische Metropole und haben die Griechen nicht auch über<br />
Jahrtausende in Vorderasien gelebt?
</p>
<p>
<b>bia:</b> Aber der Westteil der Türkei liegt auf dem<br />
europäischen Kontinent, und historisch betrachtet reichte die europäische<br />
Antike bis zur heutigen Westküste der Türkei.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe schon gesagt, dass<br />
die Türkei teilweise zu Europa gehört. Aber an der Grenze<br />
zu Syrien oder dem Irak sind wir nicht mehr in Europa. Und deshalb gehört<br />
die Türkei nur teilweise zu Europa. Und deshalb ist eine Partnerschaft<br />
die bessere Lösung gegenüber einer vollen Mitgliedschaft.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Vorerst die letzte Frage zur Türkei:
</p>
<p>
<b>ilse:</b> Wird das Kurdenproblem auch eine Rolle beim<br />
EU-Beitritt der Türkei spielen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Türkei hat in demokratischer<br />
wie rechtsstaatlicher Hinsicht große Fortschritte erzielt. Das<br />
gilt auch für den Umgang mit der kurdischen Minderheit. Für<br />
meine Auffassung, was die Frage einer Mitgliedschaft in der EU anbelangt,<br />
ist dies nicht entscheidend. Im Übrigen ist es in jedem Fall im<br />
Interesse der Türkei, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ohne jede<br />
Einschränkung einzuführen und dauerhaft daran festzuhalten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir bleiben international: Der Beitritt<br />
weiterer Länder:
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Dann sehen Sie einen Beitritt Georgiens also<br />
auch mit Skepsis entgegen?
</p>
<p>
<b>Europa1:</b> Aber selbst geografische Grenzen sind grenzwertig.<br />
Was ist mit Moldawien oder der Ukraine?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Grenzen sind immer auch im<br />
Einzelfall grenzwertig. Zypern könnte man auch nennen. Aber Türkei<br />
und Russland überschreiten eindeutig jede denkbare Grenze des europäischen<br />
Kontinents. Bei Ländern wie Georgien oder Moldawien kann man das<br />
nicht so eindeutig sagen. Allerdings stellt sich dort die Frage einer<br />
Mitgliedschaft in der EU bei den derzeitigen gegebenen Verhältnissen<br />
nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Europa ist groß – ein weiterer<br />
Kandidat:
</p>
<p>
<b>bimbo:</b> Wann kann Kroatien der EU beitreten? Hat Kroatien<br />
nicht bessere Chancen als Rumänien und Bulgarien 2007?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Rumänien und Bulgarien<br />
sind in den Verhandlungen sehr viel weiter. Ob es klug ist, dass man<br />
sich praktisch schon auf 2007 festgelegt hat, kann man bezweifeln. Ob<br />
man es ändern kann, ist ein andere Sache. Kroatien hat große<br />
Fortschritte gemacht, weswegen die Kommission zu Recht baldige Verhandlungen<br />
vorgeschlagen hat. Das könnte alle im ehemaligen Jugoslawien ermutigen,<br />
auf dem Weg zu Stabilität voran zu schreiten und nicht in nationalistische<br />
Exzesse zurück zu fallen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage zu Zypern:
</p>
<p>
<b>Suse23:</b> Wie bewerten Sie den Beitritt Zyperns zur<br />
EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es ist durch die gescheiterte<br />
Volksabstimmung etwas problematisch geworden. Aber ich bin ganz zuversichtlich,<br />
dass die Teilung Zyperns dennoch bald überwunden werden wird; und<br />
dann sehe ich für Europa keine Probleme.
</p>
<p>
<b>Diana:</b> Wäre es dann vielleicht richtig, andere<br />
Länder zu ermutigen, eigene Gemeinschaften zu gründen mit<br />
der EU als Vorbild?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die EU kann für viele<br />
Teile der Welt ein Vorbild sein, um aus Jahrhunderte langen Streit eine<br />
friedliche Zukunft und eine starke wirtschaftliche Einheit zu bilden.<br />
Im Übrigen muss die EU über die Mitgliedschaft hinaus zu den<br />
benachbarten Regionen möglichst enge Beziehungen aufbauen.
</p>
<p>
<b>lee morgan:</b> Wie viele Mitglieder wird die EU im Jahre<br />
2010 haben? Und wie viele &quot;privilegierte Partner&quot;?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im Jahre 2010 wird die EU<br />
vermutlich 27, vielleicht – wenn Kroatien es schafft – 28<br />
Mitglieder haben. Wenn die Türkei will, kann sie dann auch &quot;privilegierter&quot;<br />
Partner sein. Mehr sehe ich für das Jahr 2010 nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Von den geografischen Grenzen zu institutionellen<br />
Grenzen und Fragen:
</p>
<p>
<b>trickser:</b> Was halten Sie von der EU-Verfassung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie ist gegenüber den<br />
bisherigen Vertragsrecht ein Fortschritt. Aber wir sind noch lange nicht<br />
am Ziel angelangt. Wir brauchen klarere Unterscheidungen, was in Zukunft<br />
die EU und was die Mitgliedstaaten entscheiden sollen. Wenn alle für<br />
alles zuständig sind, ist niemand für etwas verantwortlich.<br />
Und für das, was die EU entscheiden soll, muss die demokratische<br />
Zustimmung durch das Europäische Parlament, sowie von einer von<br />
einer Mehrheit im Parlament getragenen Kommission und vom Rat, in dem<br />
die Regierungen der Mitgliedstaaten vertreten sind, gebildet werden.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie sehen Sie gerade nach dem<br />
Beitritt der zehn Länder die Chance auf eine gemeinsame Verfassung<br />
Europas?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Der Druck, das wir eine brauchen,<br />
wird größer. Und deshalb bin ich für die Verfassung<br />
eher optimistisch.
</p>
<p>
<b>swiss:</b> Wie stehen Sie dazu, die Europäische Verfassung<br />
vom deutschen Volk in direkter Abstimmung akzeptieren (oder nicht akzeptieren)<br />
zu lassen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenn es eine richtige Verfassung<br />
ist, sollte man das tun. Das, was wir jetzt in dem Verfassungsvertrag<br />
haben, enthält allerdings wenig qualitative Fortschritte und deshalb<br />
habe ich Zweifel, ob darüber ein Referendum Sinn hat.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie bewerten Sie die Entscheidung<br />
Tony Blairs, die Bevölkerung in einem Referendum über die<br />
gemeinsame Verfassung abstimmen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Großbritannien hat öfters<br />
schon Volksabstimmungen durchgeführt. Blair will offenbar eine<br />
Grundsatzentscheidung der Briten erreichen, dass sie zu Europa gehören<br />
wollen. Das kann Sinn haben. In Deutschland zweifelt die große<br />
Mehrheit der Bevölkerung, im Gegensatz zu Großbritannien,<br />
nicht daran, dass wir zu Europa gehören.
</p>
<p>
<b>abel:</b> Wo liegen die Schwächen des Verfassungsentwurfs<br />
im Hinblick auf eine ständig wachsende EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir haben keine klare Kompetenzregelung,<br />
und wir haben zu komplizierte Entscheidungsverfahren mit immer noch<br />
zu geringer Legitimation.
</p>
<p>
<b>gerzam:</b> Wie stellen Sie sich den Abbau des Demokratiedefizits<br />
in der EU vor?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vor allem durch eine Stärkung<br />
des Europäischen Parlamentes. Dazu wäre übrigens eine<br />
hohe Wahlbeteiligung am 13. Juni hilfreich.
</p>
<p>
<b>P. Müller:</b> Stoiber will ein europaweites Referendum<br />
in allen 25 Staaten über die EU-Verfassung fordern. Was halten<br />
Sie davon?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Stoiber hat meines Wissens<br />
gesagt, dass wir dann in Deutschland ein Referendum machen sollen, wenn<br />
vereinbart wird, dass in allen Mitgliedstaaten dies gemacht wird. Dagegen<br />
ist nichts einzuwenden. Mir wäre allerdings lieber, wenn wir solche<br />
europaweite Volksabstimmungen über eine Verfassung abhalten könnten,<br />
die sowohl in der Kompetenzabgrenzung als auch in den europäischen<br />
Institutionen noch bessere Ergebnisse aufweist, als wir sie in dem jetzigen<br />
Entwurf haben.
</p>
<p>
<b>agendachris:</b> Was passiert, wenn der Verfassungsentwurf<br />
scheitert? Oder wenn er nur in einigen Ländern angenommen wird?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> So lange er nicht in allen<br />
Ländern angenommen ist, tritt er nicht in Kraft. Wenn er nicht<br />
zustande kommen sollte, muss man eben einen neuen Anlauf nehmen. Das<br />
bisherige Vertragsrecht in Europa gilt bis dahin weiter.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Was sagen Sie zum Abrechnungsskandal<br />
innerhalb der EU? Finden Sie es seriös, dass Abgeordnete Tagegelder<br />
kassieren, ohne anwesend zu sein? Treibt sich die Politik dadurch nicht<br />
selber in die Unglaubwürdigkeit?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die deutschen Abgeordneten<br />
haben dieser Tage eine Selbstverpflichtung beschlossen, diesen Misstand<br />
abzustellen. Das begrüße ich. Auf Dauer wird man jedoch um<br />
eine bessere Regelung der Bezüge für die Abgeordneten des<br />
EP, die im letzten Jahr nicht zuletzt an Widerständen der deutschen<br />
Regierung gescheitert ist, nicht herumkommen.
</p>
<p>
<b>gerzam:</b> Wie halten Sie es angesichts der vielen Aufgaben,<br />
die nach der Erweiterung der EU zu bewältigen sind, mit Ihren eigenen<br />
Überlegungen des &quot;Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten“?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das haben wir ja, wenn Sie<br />
nur an die Währungsunion denken, der ja nicht alle Mitglieder der<br />
EU angehören. Wenn der Prozess der europäischen Einigung weitergehen<br />
soll, werden immer einige Länder vorangehen, und andere werden<br />
später nachkommen. Die Alternative wäre Stillstand.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage: Bedeutet bessere Regelung auch<br />
höhere Diäten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das Entscheidende ist, dass<br />
die Abgeordneten alle, sowohl was die Diäten als auch was ihre<br />
Reise- und sonstigen Kosten angeht, in einer angemessenen und für<br />
alle gleichen Weise ausgestattet werden. Das Problem der letzten Wochen<br />
ist, soweit ich es sehe, dass Abgeordnete ihre sehr unterschiedlichen<br />
Diäten durch relativ hohe Sitzungsgelder und Reisekostenerstattungen<br />
sozusagen aufgebessert haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kurz innenpolitisch, bevor wir zur Außenpolitik<br />
kommen:
</p>
<p>
<b>P. Müller:</b> Anderes Thema: Halten sie eine Einigung<br />
beim Zuwanderungsstreit noch vor der EU-Wahl für möglich –<br />
in einem Spitzengespräch zwischen Schröder und Merkel, wie<br />
heute in der Koalitionsrunde beschlossen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Für möglich halte<br />
ich es, aber für nicht sehr wahrscheinlich. Meistens einigt man<br />
sich nach Wahlkämpfen eher als in Wahlkampfzeiten.
</p>
<p>
<b>agendachris:</b> In Brüssel wird an einer europäischen<br />
Asyl- und Einwanderungspolitik gearbeitet. Welche Auswirkungen hat dies<br />
auf die deutsche Debatte zum Zuwanderungsgesetz?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Sie hat sie schon sehr beeinflusst,<br />
weil manche Fragen, mit denen wir uns früher in Deutschland befasst<br />
haben, inzwischen europäisch geregelt sind. Aber das Problem, das<br />
in den Verhandlungen jetzt zwischen den Grünen auf der einen Seite<br />
und den anderen Parteien auf der anderen Seite besteht, liegt ja darin,<br />
dass wir die neuen Erkenntnisse über Sicherheit gegenüber<br />
Terrorismus bei der Regelung über Zuwanderung nicht unberücksichtigt<br />
lassen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Thema Außenpolitik und Sicherheit:
</p>
<p>
<b>simsa:</b> Was halten Sie von einer gemeinsamen Außenpolitik,<br />
gerade in Bezug auf Konfliktherde wie den Irak?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die halte ich für zwingend<br />
notwendig. Wenn Europa nicht mit einer Stimme spricht, entfaltet es<br />
keine Wirkung. Das war in der Irak-Krise deutlich zu sehen.
</p>
<p>
<b>ilse:</b> Wie sollte Europa in den Irak-Konflikt eingreifen,<br />
und wie kann man die Situation überhaupt noch lösen? Wie soll<br />
denn eine irakische Regierung bei solchen Zuständen eingesetzt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Durch ein Mandat der UN. Wenn<br />
die Europäer mit einer Stimme sprechen, werden sie sich leichter<br />
mit den USA einigen. Und Europäer und USA zusammen haben noch eine<br />
gute Chance, in den Vereinten Nationen zu Beschlüssen zu kommen<br />
und auch die verantwortlichen Kräfte in der arabischen Welt einzubeziehen.
</p>
<p>
<b>Span_Tau:</b> Hallo Herr Schäuble – sind Sie<br />
der Meinung, dass Europa jetzt geschlossen gegenüber der amerikanischen<br />
Übermachtsrolle stehen sollte?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir sollten ein einiges Europa<br />
als Partner der USA verstehen, nicht als Gegenmacht. Übrigens,<br />
wer versucht, Europa gegen die USA zu einigen, wird am Ende nur Europa<br />
spalten. Und wenn Europa einig ist, dann werden die Amerikaner eher<br />
auf Europa hören.
</p>
<p>
<b>ende:</b> Wie denken Sie, können die Amerikaner die<br />
Konflikt-Situation im Irak lösen. Und ist der Abzug Spaniens gerechtfertigt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir brauchen möglichst<br />
schnell eine starke Rolle der UNO. Mir wäre lieber gewesen, Spanien<br />
wäre dabei geblieben, bis zum 30. Juni eine UNO-Resolution abzuwarten<br />
und sich für eine solche einzusetzen als einseitig ohne Rücksicht<br />
auf die UNO abzuziehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen:
</p>
<p>
<b>calamity:</b> Was halten Sie von einer gemeinsamen militärischen<br />
Einsatztruppe für Europa?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die halte ich grundsätzlich<br />
für richtig. Sie wird die NATO nicht ersetzen können, aber<br />
sie kann den europäischen Pfeiler der NATO stärken.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wird die Erweiterung das transatlantische<br />
Verhältnis ändern? Wie?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wenig, denn die neuen Mitglieder<br />
sind ja praktisch alle Mitglieder der NATO.
</p>
<p>
<b>Student aus Passau:</b> Wie kann ein Machtkonflikt zwischen<br />
den USA und der EU verhindert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Indem man, etwa beim kommenden<br />
NATO-Gipfel in Istanbul, offen über die dringenden Probleme für<br />
die Sicherheit diskutiert und versucht, eine gemeinsame Strategie zu<br />
entwickeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Ende leichtere Kost:
</p>
<p>
<b>spokk:</b> Welche Bedeutung messen Sie informellen Ereignissen,<br />
wie z.B. dem Eurovision Song Contest oder der Fußball-EM für<br />
die europäische Integration bei?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist ganz wichtig, weil<br />
durch solche Events unser Bewusstsein gestärkt wird, dass wir nicht<br />
nur Polen, Franzosen oder Deutsche, sondern eben auch Europäer<br />
sind.
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wer wird Europameister? Wie schneidet die<br />
deutsche Nationalmannschaft ab?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich bin ein hoffnungsloser<br />
Optimist und denke, dass wir vielleicht doch eine Chance haben, Europameister<br />
zu werden. Rumänien ist ja zum Glück nicht qualifiziert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>ramelow:</b> Wird Föderalismus nach dem 1. Mai neu<br />
definiert werden müssen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Eigentlich nicht, denn auch<br />
schon mit 15 Mitgliedern kann Europa gar nicht anders organisiert werden,<br />
als nach dem Prinzip des Föderalismus. Durch die Erweiterung wird<br />
das nur noch verstärkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Europa-Freunde, leider ist die Zeit<br />
vorbei – vielen Dank an Herrn Schäuble und an Sie, liebe<br />
User, für die vielen Fragen. Leider können wir in einer Stunde<br />
nicht alle Fragen beantworten. Auf www.europathemen.de finden sie weitere<br />
Informationen zum Thema.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Vielen Dank für die vielen<br />
Fragen! Und geht alle am 13. Juni wählen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Europathemen ist das Internetangebot der<br />
Bundeszentrale für politische Bildung zur Europawahl. Es wird in<br />
Zusammenarbeit mit ARTE Multimedia und www.netzeitung.de am Zentrum<br />
für Medien und Interaktivität der Universität Gießen<br />
erstellt. Vielen Dank, den nächsten Chat-Termin finden Sie auf<br />
den Seiten von www.europathemen.de
</p>
<p>
<b>Span_Tau:</b> Danke für den interessanten Chat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Danke auch 😉</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hohmann hat Chance zur Klarstellung nicht genutzt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Schäuble]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute den Vizevorsitzenden<br />
der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Wolfgang Schäuble. Herzlichen<br />
Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Schäuble, kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Die EU wächst in Zeiten leerer Kassen<br />
und internationaler Spannungen. Welche Rolle muss Deutschland dabei spielen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich denke, wir sollten mit anderen<br />
zusammen Vorreiter sein, dass die Reform der EU in Richtung auf eine klarere<br />
Struktur der europäischen Entscheidungen gelingt und zugleich auch<br />
für die Erweiterung, weil der Beitritt unserer Nachbarn im Osten<br />
für uns politisch und auf längere Sicht auch wirtschaftlich<br />
von Vorteil ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>a propos</b>: Wann hat die EU ihre Grenze erreicht, was die<br />
Anzahl der Mitglieder betrifft? Je mehr desto besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Nein, nach meiner Überzeugung kann Mitglied<br />
der EU nur werden, wer nicht nur die Voraussetzungen wirtschaftlich und<br />
demokratisch erfüllt, sondern wer auch innerhalb der geografischen<br />
Grenzen Europas liegt. Überschreiten wir diese Grenzen, werden wir<br />
nicht genügend Zusammenhalt schaffen, der Voraussetzung für<br />
das Gelingen der europäischen Einigung ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dennis Raab</b>: Wie stehen Sie zu einem EU-Beitritt der<br />
Türkei??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich finde, es wäre besser,<br />
wenn wir mit der Türkei eine besondere Form enger Partnerschaft vereinbaren<br />
könnten. Eine volle Mitgliedschaft der Türkei stößt<br />
auf das Problem, dass wir damit über die Grenzen Europas hinausgehen<br />
würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Flint</b>: Warum kommt dann die Türkei überhaupt<br />
in Frage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Weil wir seit den 60er Jahren<br />
der Türkei Hoffnung gemacht haben, können wir jetzt nicht einfach<br />
einseitig die Verhandlungen aufkündigen. Im Übrigen haben wir<br />
ein Interesse an einer engen Zusammenarbeit mit der Türkei und auch<br />
daran, dass sich die Türkei weiter im Sinne einer stabilen, rechtstaatlichen<br />
Demokratie entwickelt und verlässlicher Partner des Westens bleibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Eupos</b>: Es gebe &quot;Verzögerungen in der Praxis&quot;,<br />
sagte Außenminister Abdullah Gül. Die Defizite würden<br />
jedoch rasch ausgeräumt &#8211; die Regierung sei entschlossen, das Land<br />
schnell auf EU-Niveau zu bringen. Glauben sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube das. Aber es räumt<br />
meine Bedenken gegen eine volle Mitgliedschaft der Türkei nicht aus.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/schauble_ard.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Aber ist das nicht gerade ein Grund dafür,<br />
die Türkei aufzunehmen, um besser Einfluss nehmen zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ich denke mit einer engen Partnerschaft, die wir mit der Türkei vereinbaren<br />
sollten, könnten wir der besonderen Rolle der Türkei als Partner<br />
des Westens und als Brücke der islamischen Welt besser gerecht werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Neues EU-Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Mikael</b>: Wie lange sollen noch solch kleine Länder<br />
wie Luxemburg und zukünftig Malta eine für ihre Einwohnerzahl<br />
zu bedeutende Stimme in der EU haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Entwurf für eine europäische<br />
Verfassung sieht ein doppeltes Stimmenrecht vor, nämlich nach der<br />
Zahl der Einwohner und nach der Zahl der Staaten. Damit hat ein Land wie<br />
Deutschland auch einen größeren Einfluss als beispielsweise<br />
Luxemburg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Gelbfüßler</b>: Wie stehen sie zum derzeitigen<br />
Eu-Ratspräsidenten Berlusconi? Ich finde, er ist eine Schande für<br />
Europa. Sie auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ratspräsident ist der jeweilige<br />
Regierungschef des Landes, das für ein halbes Jahr den Vorsitz in<br />
der EU hat und der ist in seinem Land demokratisch gewählt. Das Problem<br />
kann aber für die Zukunft dadurch gelöst werden, dass in dem<br />
erwähnten Verfassungsentwurf die Wahl eines eigenen Präsidenten<br />
für den europäischen Rat vorgesehen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Funk</b>: Was halten Sie davon, die Sozialstandards innerhalb<br />
Europa zu harmonisieren und so etwas wie eine einheitliche soziale Grundsicherung<br />
zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das halte ich nicht für<br />
gut. Ich denke, die Verhältnisse in den einzelnen Ländern, die<br />
Familienstrukturen, die sozialen Systeme usw. sind so unterschiedlich,<br />
dass wir das nicht in Europa harmonisieren sollten. Europa gelingt besser,<br />
wenn wir die notwendige Einheit mit der Bewahrung der Vielfalt verbinden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Angela Merkel hat nachdrücklich &quot;Ja&quot;<br />
gesagt zum Verfassungsentwurf des Europakonvents: Stoiber und Koch hatten<br />
massive Vorbehalte. Wie ist die Stimmung in der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wir sind uns in der Union einig,<br />
dass dieser Entwurf gegenüber dem heutigen Zustand eine klare Verbesserung<br />
ist. Natürlich könnten wir uns zusätzliche Verbesserungen<br />
vorstellen, und es bleibt abzuwarten, wie viel davon noch in der Regierungskonferenz<br />
durchzusetzen ist. Das ist die gemeinsame Position von Merkel, Stoiber<br />
und Koch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Wo sollen die Kompetenzen des erwähnten<br />
Ratspräsidenten liegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Ratspräsident hat den<br />
Vorsitz des Rats. Unser Wunsch ist, dass möglichst bald diese Aufgabe<br />
mit dem Kommissionspräsidenten verbunden wird und das dieser vom<br />
EU-Parlament gewählt wird. Aber dafür gibt es im Moment noch<br />
keine Mehrheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Sollte die EU &#8211; trotz der wirtschaftlichen<br />
Chancen &#8211; nicht kritischer mit Russland und Putin umgehen? Stichwort:<br />
Tschetschenien, Yukos, Medienfreiheit,&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Doch. Deswegen hat die CDU/CSU-Fraktion heute<br />
auch eine Debatte im Bundestag beantragt über die Lage in Russland.<br />
Gerade weil wir an guten Beziehungen zu Russland interessiert sind, dürfen<br />
wir die Augen nicht vor Problemen verschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Kritiker sagen, es sei dem Verfassungskonvent<br />
nicht gelungen, die außenpolitischen Interessen Europas zu definieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das war auch nicht seine Aufgabe.<br />
Der Verfassungskonvent sollte eine Ordnung entwerfen, wie europäische<br />
Entscheidungen zustande kommen. Die Verständigung über die Inhalte<br />
also auch in der Außenpolitik ist Sache des Europäischen Rats,<br />
der Kommission und des Parlaments. Man hätte sich allerdings wünschen<br />
können, dass die europäischen Regierungen in letzter Zeit einiger<br />
gewesen sind.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/chatter.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="left" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>user03</b>: Guten Abend, Herr Dr. Schäuble. Existiert<br />
Ihrer Ansicht nach noch das, was früher der „deutsch-französische<br />
Motor der europäischen Einigung“ genannt wurde und, falls ja,<br />
wie würden Sie das heute nennen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich würde es immer noch<br />
Motor nennen und er existiert auch noch. Man muss allerdings darauf achten,<br />
dass er von anderen nicht als der Versuch missverstanden wird, sie zu<br />
bevormunden. Das ist in letzter Zeit nicht immer gut gelungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Welche Rolle spielt Polen dabei künftig<br />
&#8211; als wichtiger Neuer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Polen ist von den neuen Mitgliedern<br />
das größte Land. Deswegen hat es eine zentrale Rolle, wenn<br />
die Erweiterung insgesamt gelingen soll. Im Übrigen öffnet Polen<br />
den Blick der Europäer auch für unsere neuen Nachbarn weiter<br />
im Osten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Was &#8211; wenn die Union im Erweiterungskurs scheitert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hoffe, dass die Erweiterung<br />
gelingt. Aber es wird auch immer wieder Rückschläge geben. Das<br />
war in der Vergangenheit so und dann muss man gegebenenfalls in Krisen<br />
nach neuen Lösungen suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>DeutzR</b>: Herr Schäuble, sind Sie der Meinung, dass<br />
die neue EU Verfassung durch eine Volksbefragung bestätigt wird,<br />
oder ist die Meinung der Bevölkerung in dieser Frage unwichtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Meinung der Bevölkerung<br />
ist immer wichtig. Die Frage ist, ob sie sich besser in Wahlen oder in<br />
Abstimmungen zum Ausdruck bringt. Beides ist demokratisch. Wer den Verfassungsentwurf<br />
einmal liest, wird Zweifel haben, ob die Bevölkerung in einer Volksabstimmung<br />
wirklich bereit ist, sich mit den Einzelheiten zu beschäftigen. Deshalb<br />
halte ich die repräsentative Demokratie für besser als plebiszitär.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Ist es nicht so, man traut dem Bürger<br />
darüber keine Entscheidung zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wer sich die Abstimmungsbeteiligung<br />
der Volksabstimmungen in der Schweiz anschaut, kann feststellen, dass<br />
sie sehr viel geringer ist als die Wahlbeteiligung bei uns. Es geht nicht<br />
darum, was man dem Bürger zutraut, sondern es geht darum, wie die<br />
demokratische Willensbildung am besten funktioniert. Bei den Wahlen zum<br />
EU-Parlament wird eine relativ geringe Wahlbeteiligung vor allem damit<br />
erklärt, dass es nicht um die Frage einer Regierung, also um die<br />
Wahl von Personen dafür geht. Das ist meines Erachtens ein Argument,<br />
dass das Interesse an der Mehrzahl an Wahlen größer ist als<br />
an Abstimmungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, müssten die europäischen<br />
Bürger nicht mehr Rechte erlangen, um Europa nach deren Sinne zu<br />
lenken? Würde durch die Stärkung der EU-Bürger nicht auch<br />
die Identifikation zur EU gestärkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Rechte der Bürger beantworten<br />
die Frage noch nicht, wie diese Rechte wahrgenommen werden. Bei 450 Millionen<br />
Bürgern müssen wir immer einen Weg finden, um zu Entscheidungen<br />
zu kommen. Das ist die Aufgabe von Verfassungen und Institutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Denken Sie nicht, dass es an der<br />
Zeit wäre, Öffentlichkeitsarbeit für die EU zu betreiben?<br />
Dann wäre die Wahlbeteiligung vermutlich auch höher</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die EU gibt viel Geld für<br />
Öffentlichkeitsarbeit aus. Das Ergebnis ist bescheiden. Wichtiger<br />
ist, dass durch eine klare Kompetenzordnung die Menschen besser verstehen<br />
können, wer eigentlich was entscheidet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b><a title="Hohmann" name="Hohmann"></a>Moderator</b>: Wir bekommen viele Fragen zum Thema Hohmann,<br />
also Themenwechsel:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BDIler</b>: Der Schlussstrich unter die Affäre um Martin<br />
Hohmann soll den rechten Flügel in der Union schützen. Ist das<br />
nötig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: So stimmt das nicht. Worum es<br />
geht ist, dass wir klar machen wollen, dass jeder Ansatz von Antisemitismus<br />
mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>danman_java1:</b> Herr Schäuble, die Union handelt &#8211;<br />
zu spät?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein. In einer so schwierigen<br />
Frage ist es besser, man denkt erst nach, diskutiert, spricht auch mit<br />
den Betroffenen und entscheidet dann. Wir haben das sorgfältig und<br />
zügig getan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Engelen</b>: Die Trennung von dem Abgeordneten Hohmann musste<br />
sein, damit die Konservativen nicht in den Verdacht geraten, rechtsradikal<br />
zu sein. Wer denkt denn das überhaupt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich weiß nicht, ob das<br />
jemand denkt. Aber gelegentlich hat man in manchen Veröffentlichungen<br />
schon den Eindruck, dass Patriotismus schon unter einen Generalverdacht<br />
gestellt wird. Dagegen wehren wir uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>funk</b>: Wie kommt Ihre Partei eigentlich dazu, so einen<br />
Salonfaschisten wie Hohmann ausgerechnet im Bereich Zwangsarbeiterentschädigung<br />
einzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Kollege Hohmann war Mitglied<br />
im Innenausschuss, der für diese Fragen zuständig ist und er<br />
hat aber nach der Auffassung aller Kollegen bisher gute Arbeit geleistet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wird die Fraktion dem Ausschluss geschlossen<br />
zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Frage kann ich besser am<br />
Freitag beantworten. Heute haben wir eine sehr intensive und ernsthafte<br />
Diskussion geführt. Aber entschieden wird am Freitag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wenn nicht geschlossen, wird das dann Frau<br />
Merkel schaden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, Meinungsfreiheit gehört<br />
zu den Grundwerten der Demokratie. In der DDR hatten wir immer 100 % Ergebnisse.<br />
Der Wert davon ist bekannt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Herr Schäuble, wie kommt es überhaupt<br />
zu solchen Aussagen von Politikern allgemein? Ist das Unwissenheit oder<br />
pure Dummheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir mit den Auffassungen<br />
des Kollegen uns einverstanden erklären können, bräuchten<br />
wir nicht über seinen Ausschluss zu entscheiden. Welches Motiv er<br />
für seine Rede hatte, ist uns leider nicht wirklich klar geworden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>yuppiedeadhead</b>: Herr Schäuble, wie viele solcher<br />
rechten Schläfer gibt es noch im Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube, dass die Rede von<br />
Herrn Hohmann ein Einzelfall ist. Das Problem von Schläfern ist allerdings,<br />
dass man es immer erst hinterher weiß.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Haben Sie das Gefühl, dass das Thema<br />
differenziert genug diskutiert wurde oder hatten Sie den Eindruck, dass<br />
die SPD das nun zum politischen Gegenschlag nutzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das Thema ist in unseren eigenen<br />
Reihen und in großen Teilen der Öffentlichkeit sehr ernsthaft<br />
diskutiert worden. Dass der politische Gegner so etwas auch zum eigenen<br />
Vorteil nutzt, gehört zum Alltag des politischen Wettbewerbs. Im<br />
Übrigen kann ich verstehen, dass die SPD in ihrer fast trostlosen<br />
Lage an jeden Strohhalm zu klammern versucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>m-28-SW</b>: Weshalb sollte dann nicht jemand wie Herr Hohmann<br />
seine freie Meinung sagen dürfen, auch wenn sie unappetitlich ist,<br />
sondern wird deshalb als Berufspolitiker &quot;gekündigt&quot;? Ein<br />
Ausschluss ist gleich einem Berufsverbot &#8211; &quot;Meinungsfreiheit&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Eine politische Gemeinschaft,<br />
Partei und Fraktion, muss darauf bestehen, dass es gewisse gemeinsame<br />
Grundpositionen gibt, mit Berufsverbot hat das nichts zu tun. Hohmann<br />
bleibt Bundestagsabgeordneter, nur wird er beim nächsten Mal nicht<br />
mehr als CDU Kandidat gewählt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ewtrfdff</b>: Man kann gegen das sein, was Herr Hohmann gesagt<br />
hat &#8211; nichtsdestotrotz war die Union in der Vergangenheit ja immer bemüht,<br />
auch die rechten Positionen in der Partei zu halten, um sie im demokratischen<br />
Grundkonsens zu halten und sie nicht abdriften zu lassen. Beispiele gibt<br />
es ja viele. Wo ist die Grenze, wo die Union solchen Leuten eben keine<br />
Angebote mehr machen will? Herr Hohmann hat ja vermutlich auch nicht gegen<br />
das Grundgesetz verstoßen, das kann also nicht die Meßlatte<br />
sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, die Meßlatte ist<br />
für uns, dass auch das Missverständnis des Antisemitismus und<br />
des Rechtsradikalismus vermieden werden muss. Sonst würden unsere<br />
politischen Grundsätze unglaubwürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Halten Sie es für realistisch, dass Herr<br />
Hohmann sich einer seinen politischen Vorstellung wie auch näher<br />
stehenden politischen Vereinigung anschließt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hatte in der Debatte der<br />
Fraktionen heute den Eindruck, dass er am liebsten in der CDU bleiben<br />
würde. Deswegen spekuliere ich nicht darüber, was er machen<br />
wird, wenn das nicht mehr möglich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Eine Frage nicht von uns, aber in eigener<br />
Sache:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Wie beurteilen sie den Vorstoß<br />
dreier Ministerpräsidenten (Bayern, Sachsen, NRW) das öffentlich-rechtliche<br />
Rundfunksystem radikal zu reformieren? Wo liegen die stärken, wo<br />
die Defizite von ARD und ZDF? Und schließlich: brauchen wir eine<br />
Gebührenerhöhung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir an allen Ecken und Kanten<br />
sparen müssen, dann fällt mir schwer einzusehen, warum jetzt<br />
eine Gebührenerhöhung notwendig sein soll. Vielleicht muss auch<br />
in den Öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart werden. Wir haben<br />
ja sehr viel mehr öffentlich-rechtliche, als private Programme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Zurück zu Hohmann:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, meiner Meinung nach müssten<br />
Personen, die solche Äußerungen machen, rechtlich verfolgt<br />
werden. Ist dies überhaupt möglich oder wird das gescheut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich vermute nicht, dass sich<br />
Herr Hohmann strafbar gemacht hat. Aber das zu beurteilen ist Sache der<br />
Staatsanwaltschaft, die das von Amtswegen prüft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>S</b>: Was meint Herr Schäuble mit dem &quot;Missverständnis&quot;<br />
des Antisemitismus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Herr Hohmann hat gesagt seine<br />
Äußerungen seien nicht antisemitisch gemeint. Darüber<br />
kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber unsere Überzeugung<br />
ist, dass man insoweit nicht einmal zu Missverständnissen Anlass<br />
geben darf. Und die Chance, ausreichende Klarheit zu schaffen, hat er<br />
leider nach unserer Auffassung nicht genutzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Der Sprung zum Abschluss in ein weiteres Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Richter</b>: Herr Schäuble, was hätten Sie<br />
getan, wenn Ihre Partei im März an der Macht gewesen und mit wehenden<br />
Fahnen an Seite der Amerikaner in den Irak gezogen wäre? Waren Sie<br />
nicht erleichtert über die Oppositionsrolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Unsere Position war von Anfang<br />
an, dass die USA nicht einseitig entscheiden sollten, sondern dass die<br />
Entscheidung im Weltsicherheitsrat liegen musste. Für diesen Fall<br />
hätten wir allerdings nicht von Vornherein jedes Mitwirken ausgeschlossen,<br />
weil es keinen Sinn macht, auf der einen Seite zu sagen, es muss gemeinsam<br />
entschieden werden, aber wir beteiligen uns unter keinen Umständen.<br />
Wahrscheinlich wäre auf diese Art die Chance größer gewesen<br />
den Krieg zu vermeiden und das wäre bestimmt das Beste gewesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Und nun wieder in die EU:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BastianZ</b>: Denken Sie, dass das Subsidiaritätsprinzip<br />
in der EU in Zukunft eine Rolle spielen wird? Wie bewerten Sie die jetzige<br />
Situation? Trifft die EU-Kommission bzw. das Parlament wirklich nur die<br />
Entscheidungen, die auf niederer Ebene nicht zu entscheiden sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ohne das Subsidiaritätsprinzip<br />
wird die EU scheitern.Wenn wir alles in<br />
Europa vereinheitlichen, werden wir in Bürokratie ersticken. Leider<br />
haben das die in Brüssel noch nicht alle verstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der<br />
allgemeinen Wehrpflicht. Ist nicht angesichts der Gefahr einer Entsendung<br />
ins Ausland die Frage der Wehrgerechtigkeit nicht brennender als zuvor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Bei Auslandseinsätzen werden<br />
auch heute Wehrpflichtige nur eingesetzt, wenn sie sich freiwillig dazu<br />
bereit erklären. Das soll auch so bleiben. Die Wehrpflicht ist vor<br />
allem für die Territorialverteidigung notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Herr Schäuble, fühlen Sie sich als<br />
Deutscher oder als Europäer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Sowohl als auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle<br />
für ihr Interesse und die zahlreichen Fragen. Es ist leider vieles<br />
noch ungefragt geblieben. Herzlichen Dank an Sie, Herr Schäuble.<br />
Das Transkript dieses Chats und aller anderen Chats finden Sie wie immer<br />
auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02. Noch einen<br />
Termin-Hinweis. Am 19. November kommt Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn wir Sie<br />
dann wieder bei uns im Chat begrüßen dürfen. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich bedanke mich für eine<br />
sehr intensive und sachliche Diskussion.</span></p>
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		<title>&#8220;Mehr Substanz als Show&#8230;&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Dec 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Wolfgang Schäuble im Chat mit politik-digital und stern.de am 4. Dezember 2000</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Schäuble im Chat mit politik-digital und stern.de am 4. Dezember 2000</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&#8230; wünschte sich Wolfgang Schäuble für die Politik im Chat von stern.de und politik-digital<br />
am 4. Dezember. Der Rüffel ging an Gerhard Schröder, dem Schäuble auch in der Reformpolitik<br />
schlechte Noten erteilte: &quot;Die Regierung nutzt eine gute konjunkturelle Entwicklung leider<br />
nicht zu den notwendigen Reformen insbesondere am Arbeitsmarkt&quot; erklärte der ehemalige<br />
CDU-Vorsitzende seine Kritik an der Bundespolitik und auch die Rentenreform komme nicht<br />
voran: seine Halbzeitbilanz: &quot;Viel Show und wenig Substanz&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Neben der Manöverkritik an Schröder und Co. war die EU-Politik das zweite große Thema im Chat.<br />
Schäuble, der es nach eigenem Bekunden genießt &quot;etwas weniger im Brennpunkt des Geschehens zu<br />
stehen&quot; arbeitet momentan an der Vorbereitung einer europäischen Verfassung. Die CDU,<br />
beruhigte Schäuble die Chatter, bleibt die Europapartei und &quot;die europäische Einigung  ist<br />
zu wichtig, als das man sie aufgeben könnte.&quot; Deswegen hoffe er auch, dass man sich in Nizza<br />
noch einigen werde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Von Südfrankreich ging es thematisch weiter in die USA, wo Schäuble trotz des unrühmlichen<br />
Wahlverlaufs &quot;nicht an die amerikanische Krise&quot; glaubt. Und Europa ist nach seiner Auffassung<br />
&quot;durch die Wirtschafts- und Währungsunion etwas weniger anfällig für den Fall, dass es in USA<br />
schlecht laufen sollte.&quot; Im eCommerce, so Schäuble, werden sich die Erwartungen allerdings im<br />
nächsten Jahr nicht erfüllen. Hier hätten &quot;die verrückten Entwicklungen am neuen Markt doch<br />
eine reale Anpassung der Erwartungen als Grundlage&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Schäuble, der auf sein Verhältnis zum Internet angesprochen, antwortete: &quot;ich bin noch dabei<br />
mich an den Umgang zu gewöhnen. Immerhin bearbeite ich meine email-Post inzwischen<br />
selbstständig&quot; gab sich im Chat ganz locker. Sogar eine Meinung zum Tagebuch des<br />
früheren Partei-Intimus Helmut Kohl war ihm zu entlocken: &quot;Da ich ihn lange kenne, hat<br />
mich überrascht, dass er Tagebuch geführt haben soll.&quot;<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/news/chat/2000/11/10/chat_schaueble.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b></span></p>
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