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	<title>Wolfgang Zöller &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Wolfgang Zöller &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Was Prävention angeht, brauchen wir einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwas_praevention_angeht_brauchen_wir_einen_bewusstseinswandel_in_der_bevoelkerungquot-129/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Zöller]]></category>
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		<category><![CDATA[CSU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Donnerstag, 31. August, <span style="font-size: x-small">war Wolfgang Zöller 
, MdB der CSU und Gesundheitsexperte seiner Fraktion, zu Gast im 
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte 
sich den Fragen der Nutzer zum aktuellen Stand der Gesundheitsreform, 
zu erwartenden Beitragserhöhungen und den Möglichkeiten 
der Gesundheitsprävention.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Donnerstag, 31. August, <span style="font-size: x-small">war Wolfgang Zöller<br />
, MdB der CSU und Gesundheitsexperte seiner Fraktion, zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er stellte<br />
sich den Fragen der Nutzer zum aktuellen Stand der Gesundheitsreform,<br />
zu erwartenden Beitragserhöhungen und den Möglichkeiten<br />
der Gesundheitsprävention.</span></span></span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<br />
<b> <b>Moderator: </b> </b>Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Zöller. Er ist<br />
Gesundheitsexperte seiner Fraktion und damit der richtige Ansprechpartner<br />
für genau jenes Thema, das auch in der Sommerpause hohe Wellen<br />
geschlagen hat: die geplante Gesundheitsreform. Herr Zöller,<br />
können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Herr Zöller, wie hoch schätzen<br />
Sie die Gefahr ein, dass die Gesundheitsreform noch scheitert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Die Gefahr schätze<br />
ich sehr gering ein, weil beide großen Volksparteien daran<br />
interessiert sein müssen, dass die Gesundheitsreform umgesetzt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Giovanni:</b> Ich bin Mitglied der Jungen Union und<br />
bin sehr enttäuscht von der so hoch gelobten Gesundheitsreform.<br />
Wie sehen Sie das, ist diese Reform nicht nur eine verdeckte Beitragserhöhung,<br />
ohne die Krankenversicherungssysteme durch Reformen fit für<br />
die Zukunft zu machen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ich kann verstehen, dass<br />
er als Junger vermisst, dass in dieser Reform etwas mehr für<br />
die demografische Entwicklung getan wird. Aber nichtsdestotrotz<br />
sind in dieser Reform mehr Strukturelemente enthalten als jemals<br />
zuvor bei bisherigen Gesundheitsreformen. Ein zusätzlicher<br />
Betrag um die demografische Entwicklung abzufedern war leider in<br />
der Koalition nicht durchsetzbar.
</p>
<p>
<b>icarus:</b> Hallo Herr Zöller. Wann glauben Sie,<br />
steht uns nach der aktuellen Reform eine weitere Reform des Gesundheitswesens<br />
ins Haus? 2007 oder 2008?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Wenn die Reform so umgesetzt<br />
wird, wie sie in den Eckpunkten festgelegt wurde und wir den Mut<br />
haben, die dritte Säule -sprich die Steuersäule &#8211; entsprechend<br />
ausgestaltet wird, werden wir eine nachhaltige Finanzierung über<br />
mehrere Jahre sicherstellen können.
</p>
<p>
<b>danno:</b> Was wird sich für die Bürger<br />
wirklich ändern, wenn die Gesundheitsreform im nächsten<br />
Jahr in Kraft tritt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Erstmals wird eine Reform<br />
beschlossen, die keine Leistungskürzungen für die Versicherten<br />
vorsieht. Im Gegenteil, es werden sogar bestimmte, zusätzlich<br />
notwendige Leistungen mit aufgenommen, wie z.B. Palliativmedizin,<br />
Schmerztherapie, geriatrische Maßnahmen, Mutter-Kind-Kuren<br />
und ähnliches. Des Weiteren haben die Versicherten wesentlich<br />
mehr Gestaltungs- und Wahlmöglichkeiten, wie sie ihre Versicherung<br />
wählen wollen. Z.B. Hausarzttarife, Kostenerstattungstarife,<br />
Selbsbehalttarife, Präventionstarife u.v.m.
</p>
<p>
<b>RTFM:</b> Wenn Sie sagen, Sie müssen die Steuersäule<br />
&quot;entsprechend ausgestalten&quot;, was heißt das konkret?
</p>
<p>
<b>icarus</b>: Wie muss die Steuersäule denn ausgestaltet<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Im Eckpunktepapier ist<br />
festgelegt, dass die Steuersäule für die Finanzierung<br />
der Beitragsfreiheit der Kinder verwendet werden soll. Dies bedeutet<br />
einen finanziellen Umfang von ca. 14-16 Milliarden und diese Summe<br />
muss zunächst stufenweise aufgebaut werden. Als Sozialpolitiker<br />
bedauere ich sehr, dass die Mittel aus der Tabaksteuer zunächst<br />
im kommenden Jahr reduziert werden. Mir wäre ein stärkerer<br />
Einstieg in die Steuersäule wesentlich lieber gewesen.
</p>
<p>
<b>RTFM:</b> Könnten nicht die Überschüsse<br />
der Bundesagentur für Arbeit teilweise umgelegt werden auf<br />
die Krankenversicherten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Nein, das lehne ich aus<br />
einem bestimmten Grund ab: Mich stören schon immer die Verschiebebahnhöfe<br />
zwischen den sozialen Systemen. Wenn durch Beiträge in der<br />
Arbeitslosenversicherung dort Überschüsse erzielt werden,<br />
müssen die Beiträge auch dort gesenkt werden. Dies dient<br />
der Transparenz, im Ergebnis ist es für den Versicherten allerdings<br />
egal, ob er 2% weniger Arbeitslosen- oder Krankenversicherungsbeiträge<br />
zu zahlen hätte.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Die Krankenkassen fordern ja den<br />
Milliardenüberschuss der Bundesagentur für Arbeit ein,<br />
um ihre Schulden begleichen zu können.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Das wäre der verkehrte<br />
Weg. Systemgerechter wäre es, die Zuschüsse, die die Agentur<br />
für die Arbeitslosen an die Krankenkassen zahlt, nicht zu kürzen<br />
und kostendeckend zu gestalten.
</p>
<p>
<b>pedo:</b> Eine realistische Einschätzung von<br />
Ihnen: Wie hoch werden die Krankenkassenbeiträge durchschnittlich<br />
im Januar 2008 für die Arbeitnehmer sein?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Diese Frage ist sehr schwierig<br />
zu beantworten, weil es Kassen geben wird, die keine Schulden haben.<br />
Die werden ihre Beiträge auch nicht erhöhen. Es wird aber<br />
auch Kassen geben, die jetzt noch eine Verschuldung haben und dementsprechend<br />
ihre Beiträge anheben müssen. Dies hat aber nichts mit<br />
der anstehenden Gesundheitsreform zu tun. Laut jetziger Gesetzeslage<br />
dürften die Kassen überhaupt keine Verschuldung aufweisen.<br />
Wenn Krankenkassen trotzdem Schulden haben, haben sie bisher keine<br />
kostendeckenden Beiträge erhoben.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> In der &quot;Zeit&quot; ist heute<br />
im Zusammenhang mit dem Finanzgebaren der Kassen von &quot;Mauschelei&quot;<br />
die Rede &#8211; stimmen Sie zu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Wenn dem so ist, muss<br />
man fragen, haben die Aufsichtsbehörden ihre Aufgaben erfüllt<br />
oder waren es solche Machenschaften, die von der Aufsichtsbehörde<br />
nicht gesehen werden konnten. Deshalb vertrete ich auch die Auffassung,<br />
dass die Haftungsfrage der nicht schlecht bezahlten Vorstände<br />
der Kassen geändert werden muss.
</p>
<p>
<b>kaisi75:</b> Hr. Zöller, sind Sie privat oder<br />
gesetzlich versichert?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ich bin in der gesetzlichen<br />
Krankenkasse versichert. Das hängt allerdings damit zusammen,<br />
dass ich früher aufgrund meiner Tätigkeit als Mechaniker<br />
in der gesetzlichen Kasse versichert war und bin mit den Leistungen<br />
der Kasse bisher sehr zufrieden gewesen und sehe keinen Grund zum<br />
Wechseln.
</p>
<p>
<b>sklein:</b> Werden die Privatversicherten künftig<br />
sehr viel höhere Beiträge zahlen müssen? (Es war<br />
von bis zu 37 Prozent die Rede?)
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Dies wird garantiert nicht<br />
der Fall sein. Dies würde nämlich den Tod der privaten<br />
Krankenversicherung bedeuten und die Koalition hat im Eckpunktepapier<br />
klar geregelt, dass wir beide Versicherungen &#8211; gesetzlich wie privat<br />
&#8211; als Vollversicherung erhalten werden.
</p>
<p>
<b>Gesundheitsexperte: </b>Wenn nicht, wie soll denn<br />
sonst das Eckpunkte-Papier der Koalition umgesetzt werden, in dem<br />
ja davon die Rede ist, dass Privatversicherte ihre Altersrückstellungen<br />
mitnehmen können? Wie soll das finanziert werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Die Mitnahme der Altersrückstellung<br />
ist deshalb vorgesehen, damit auch Privatversicherte eine Wahlmöglichkeit<br />
unter den Versicherungsunternehmen haben. Zurzeit ist es nur theoretisch<br />
möglich, von der Versicherung A in die Versicherung B zu wechseln,<br />
weil die bei der jeweiligen Versicherung gebildeten Altersrückstellungen<br />
nicht mitgenommen werden können. Und wer glaubt, durch Auflösen<br />
der privaten Krankenversicherung könnte die gesetzliche Krankenversicherung<br />
finanziert werden, geht von der falschen Annahme aus, dass in der<br />
privaten Versicherung nur Höchstverdiener versichert sind.<br />
Tatsache ist jedoch, dass in der privaten Versicherung rund 1 Mio.<br />
Versicherte über der Versicherungspflichtgrenze von 4000 Euro<br />
verdienen, in der gesetzlichen sind es rund 11 Mio., die darüber<br />
verdienen, das heißt, dass es prozentual praktisch vergleichbar<br />
ist.
</p>
<p>
<b>ace555:</b> Was ist denn nun dran an diesen Gerüchten<br />
um die angeblich geplanten Leistungskürzungen, die die BILD<br />
heute Morgen verkündet hat?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Zunächst die Mitteilung,<br />
es gäbe einen Gesetzesentwurf, entbehrt jeder Grundlage. Zum<br />
anderen: Was die veröffentlichten Zahlen angeht, so sind dies<br />
Modellrechnungen, die in verschiedenen Ministerien oder Fachgruppen<br />
schon einmal angestellt wurden. Die aber so nicht umgesetzt werden<br />
können. Die Koalition wird unmittelbar nach der Gesundheitsreform<br />
auch die Reform der Pflegeversicherung angehen. Die Zahlen, die<br />
heute veröffentlicht wurden, spiegeln den Eindruck wider, dass<br />
man die ambulante Versorgung höher vergüten und die stationäre<br />
Versorgung weniger vergüten will. Dies ist theoretisch richtig,<br />
nur in der Praxis führt das zu folgenden Schwierigkeiten: Würden<br />
diese drastischen Kürzungen im stationären Bereich kommen,<br />
würden viele Pflegeversicherten wieder in die Sozialhilfe fallen.<br />
Um genau dies zu verhindern, ist damals die Pflegeversicherung eingeführt<br />
wurden. Ein zweiter Gesichtspunkt: Wenn es jetzt schon Städte<br />
mit 65% Singlehaushalten gibt, müssen erstmal die Strukturen<br />
geschaffen werden, dass eine ambulante Pflege überhaupt vor<br />
Ort durchgeführt werden kann.
</p>
<p>
<b>Leser: </b>Wird die Gesundheitsreform das unwirtschaftliche<br />
System der stationären und ambulanten Pflege aufbrechen? Beispielsspweise<br />
Schweden hat dort mit einer Vereinheitlichung beachtliche Erfolge<br />
erzielt.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Es ist richtig, dass wir<br />
ambulante Pflege stärken wollen, nur die Problematik der Finanzierung<br />
kann nicht dadurch gelöst werden, dass sich Pflegebedürftige<br />
im stationären Bereich wieder auf Sozialhilfe verschieben.<br />
Hier gilt es, einen sinnvollen Mittelweg zu finden und man muss<br />
den Leuten auch wieder klar ins Bewusstsein bringen, dass die Pflegeversicherung<br />
keine Vollversicherung ist.
</p>
<p>
<b>Shaggy:</b> Müsste nicht ergänzend zur Gesundheitsreform<br />
noch viel mehr Gewicht auf Prävention gelegt werden? Nicht<br />
nur in Form von Aufklärung, sondern auch in Form tatsächlicher<br />
Anreizprogramme?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ja, das kann ich voll<br />
und ganz unterstützen. Nur was Prävention angeht, brauchen<br />
wir auch einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. Es kann<br />
nicht sein, dass man Prävention, z.B. was Bewegung und Ernährung<br />
angeht nur dann akzeptiert, wenn sie über Krankenkassenbeiträge<br />
finanziert wird. Wir brauchen generell mehr Eigenverantwortung was<br />
Rauchen, Trinken und Übergewicht angeht. Wir geben in Deutschland<br />
sehr viel Geld für die Behandlung von Krankheiten aus und noch<br />
zu wenig für die Verhütung von Krankheiten und hier geben<br />
wir mit der neuen Reform den Krankenkassen die Möglichkeit,<br />
spezielle Versorgungsformen ihren Patienten anzubieten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Essen, Trinken und selbst Rauchen<br />
gehören zu unserer Kultur dazu. Warum wird dieser Umstand nicht<br />
realistischerweise eingeräumt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Da müssen wir alles<br />
tun, dass wir in der Gesellschaft mehr Akzeptanz für mehr Eigenverantwortung<br />
zunächst bekommen und auch die Rahmenbedingungen dementsprechend<br />
stellen. Als Beispiel: Es nützt mir nichts, wenn ich mit einem<br />
Bundesgesetz erreichen will, dass gegen die Übergewichtigkeit<br />
mehr für Bewegung und richtige Ernährung getan werden<br />
soll und gleichzeitig auf der Länderebene die Turnstunden gestrichen<br />
und die Ernährungsberatungen an den Landratsämtern eingestellt<br />
werden. Dies passt nicht zusammen.
</p>
<p>
<b>interessiert:</b> Denken Sie dass wirklich alle krank<br />
sind, die zum Arzt gehen, bzw. warum kann es auch in der gesetzlichen<br />
Versicherung keine Rückerstattung von Beiträgen bei nicht<br />
in Anspruchnahme geben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Zunächst einmal haben<br />
wir mit Einführung der Praxisgebühr eine Maßnahme<br />
ergriffen, um nicht notwendige Arztbesuche zu verhindern. Dies hat<br />
im ersten Jahr nach Inkrafttreten dazu geführt, dass ca. 10%<br />
weniger Arztbesuche in Anspruch genommen wurden, was wiederum zu<br />
einer zweistelligen Minderausgabe aufgrund von ärztlichen Verordnungen<br />
geführt hat. Aus diesem Grund halte ich nach wie vor die Praxisgebühr<br />
als Steuerungsinstrument &#8211; und man muss ehrlich dazusagen auch als<br />
Finanzierungsinstrument &#8211; für sinnvoll.
</p>
<p>
<b>icarus:</b> Rauchen als Bestandteil einer Kultur?<br />
Merkwürdiger Kulturbegriff, Herr Moderator.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Es ist wie immer eine<br />
Frage der Dosis. Für mich ist es Kultur, zu trinken, aber Saufen<br />
hat mit Kultur nichts zu tun.
</p>
<p>
<b>Seehofer:</b> Wenn alle gesund leben, werden ja auch<br />
alle älter. Wäre das nicht ein größeres Problem<br />
für die Krankenkassen und das Gesundheitssystem?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Eindeutig nein. Wir müssen<br />
nur dafür sorgen, dass die Menschen gesund älter werden.<br />
Die tatsächlichen hohen Kosten entstehen immer in den letzten<br />
beiden Lebensjahren unabhängig, ob dies bei einem 80- oder<br />
einem 60-Jährigen ist.
</p>
<p>
<b>Leserin:</b> Wird es die Gesundheitsreform Privatversicherten<br />
ermöglichen, in die gesetzliche KV zurückzukehren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Hier ist diese Rückkehrmöglichkeit<br />
nur gegeben, wenn man seine Altersrückstellungen mitnehmen<br />
könnte. Dies bedeutet allerdings auch, dass jemand, der von<br />
der Gesetzlichen wieder zurück will in die Private, dies ebenfalls<br />
tun müsste. Hier gibt es noch große rechtliche Probleme,<br />
die z.Z. überprüft werden. Aber künftig haben Privatversicherte<br />
auch die Möglichkeit, in einen kostengünstigeren Basistarif<br />
zu wechseln. Damit dürfte ihr angesprochenes Problem gelöst<br />
werden können. Eine konditionsfreie Rückkehr haben wir<br />
früher schon gesetzlich deshalb verboten, weil sonst viele<br />
Menschen in jungen Jahren in die Private zu niedrigen Beiträgen<br />
gehen und im Alter dann wieder in die kostengünstigere gesetzliche<br />
wechseln wollten. Diese Rosinenpickerei wurde zu Recht unterbunden.
</p>
<p>
<b>Rozo: </b>Was tut jemand wie Sie, also jemand mit<br />
einem Fulltime-Job, um sich fitzuhalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ja leider viel zu wenig.<br />
Damit ist ja auch mein Übergewicht zu erklären, aber ich<br />
habe mir, wie so oft, zu Jahresbeginn vorgenommen, jeden Tag mindestens<br />
zehn Minuten auf dem Heimtrainer etwas zu tun, selbst wenn es nachts<br />
um 2 Uhr ist. Ich bin ganz ehrlich, es fällt mir schwer, aber<br />
seit Jahresbeginn habe ich so auch sieben Kilo verloren.
</p>
<p>
<b>GKV Verunsicherter:</b> Was wird aus dem Risikostrukturausgleich?<br />
Dieser verhindert doch nur, dass kranke Kassen Pleite gehen! Die<br />
Insolvenz einer Krankenkasse wäre doch kein Nachteil für<br />
die Patienten, die ja jederzeit wechseln können.
</p>
<p>
<b>Monarchist:</b> Was wird aus dem Risikostruktur-Ausgleich?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Der Risikostrukturausgleich<br />
(RSA) muss zielgenauer, einfacher und gerechter gestaltet werden.<br />
Wir sind z.Z. mit einer Arbeitsgruppe daran, dies zu erarbeiten.<br />
Er darf nicht wie der bisherige RSA manipulationsanfällig sein.<br />
Die Verknüpfung der Chronikerprogramme mit dem RSA halte ich<br />
für verkehrt, da hier nur die Kasse einen finanziellen Vorteil<br />
und nicht wie vorgesehen der chronisch Kranke eine bessere Versorgung<br />
erhält.
</p>
<p>
<b>valentin:</b> Die Krankenkassen geben Geld aus für<br />
Telefonaktionen &#8211; Beispiel Anruf, ob man einen Auslandskrankenschein<br />
brauche &#8211; dafür werden Leute bezahlt und angestellt. Ich konnte<br />
es nicht fassen, das ist rausgeschmissenes Geld.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Es gibt verschiedene Aktionen,<br />
wo ich auch sage, das Geld wäre sinnvoller für die Versorgung<br />
der Patienten angelegt. Wir werden künftig durch das Fondmodell<br />
die Finanzströme transparenter machen und wenn eine Krankenkasse<br />
für Verwaltung und Werbung zuviel Geld ausgibt, hat jeder die<br />
Möglichkeit, in eine Kasse zu wechseln, die mit den Beitragsgeldern<br />
effizienter und sinnvoller umgeht.
</p>
<p>
<b>pennallo:</b> Würden nicht zehn Krankenkassen<br />
reichen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Hierzu muss man auch folgendes<br />
zur Kenntnis nehmen: Als ich 1990 in den Bundestag kam, hatten wir<br />
1207 Krankenkassen, die weniger Verwaltungskosten hatten, wie heute<br />
die 251. Nachdem von den 251 rund 200 Betriebskrankenkassen sind,<br />
haben wie quasi 50 Krankenkassen, deren Zahl sich aus marktwirtschaftlichen<br />
Gründen die nächste Zeit weiter reduzieren wird. Ich sehe<br />
hier keine Notwendigkeit, dass der Gesetzgeber eingreifen muss,<br />
nämlich die Vorstellung, dass man den Krankenkassen eine Mindestanzahl<br />
von Mitgliedern vorschreibt, um mehr Wirtschaftlichkeit zu erreichen<br />
ist falsch. Es gibt große und kleine Krankenkassen, die mit<br />
niedrigen Verwaltungskosten oder auch beide Kassengrößen,<br />
die mit hohen Verwaltungskosten arbeiten. Die Größe der<br />
Kasse sagt nichts über deren Effizienz der Verwaltung aus.
</p>
<p>
<b>Lilo:</b> Wie genau funktioniert dieser Fonds?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Die Grundstruktur des<br />
Fonds: Arbeitgeber und -nehmer zahlen an eine Stelle einen festgelegten<br />
Beitrag. Zu diesen Beiträgen wird der Fonds zusätzlich<br />
aus einem Steueranteil finanziert. Aus diesem Fond erhalten die<br />
Krankenkassen für jeden Versicherten eine risikoadjustierte<br />
Pauschale. Das heißt, künftig hat jede Krankenkasse die<br />
gleichen Startchancen, um in einen Wettbewerb um die beste Versorgungsform<br />
ihrer Versicherten treten zu können.
</p>
<p>
<b>shakesbeere: </b>Hallo Herr Zöller, wie sieht<br />
es zukünftig für junge Familien aus? Ist in der heutigen<br />
Zeit diese &quot;Reform&quot; überhaupt noch finanzierbar oder<br />
gibt es gerade für Familien ein akzeptables Paket?
</p>
<p>
<b>marco p: </b>Als Vater zweier Kinder ist es mir finanziell<br />
nicht möglich, Zusatzversicherungen abzuschließen. Ist<br />
es auch mal geplant in dieser Hinsicht Familien zu entlasten, damit<br />
diese überhaupt eine Möglichkeit bekommen, Zusatzversicherungen<br />
abzuschließen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Wenn man die gesetzliche<br />
Krankenversicherung betrachtet, ist sie eine der Versicherungsformen,<br />
die den Familien am weitesten entgegenkommt. In ihrem Fall sind<br />
sie z.B. mit einem Beitrag komplett mit ihrer Familie versichert,<br />
d.h. der Ehepartner und ihre Kinder sind beitragsfrei mitversichert.
</p>
<p>
<b>Mheuyer:</b> Sollen die Kinder von Privatversicherten<br />
in Zukunft kostenfrei mitversichert werden können – so<br />
wie das bei gesetzlich Versicherten zurzeit der Fall ist?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Es wird garantiert nicht<br />
so sein können, dass privat versicherte Kinder kostenfrei mitversichert<br />
werden können. Wenn jedoch über eine Steuersäule<br />
die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder in der gesetzlichen<br />
Krankenversicherung finanziert wird, was beim gegenwärtigen<br />
Stand einen Betrag von 70 Euro bedeutet, muss dieser gleiche Betrag<br />
aus verfassungsrechtlichen Gründen natürlich auch den<br />
Kindern in der PKV zur Verfügung gestellt werden.
</p>
<p>
<b>rone:</b> Was, denken Sie, kann gegen die sich immer<br />
deutlicher abzeichnende Zweiklassenmedizin unternommen werden? Es<br />
ist doch so, dass Ärzte Privatpatienten, allein um Ihre Praxen<br />
zu finanzieren &#8211; bevorzugen &#8211; bei der Terminvergabe, natürlich<br />
auch beim Leistungsspektrum. Irgendwie ist es doch ganz schön<br />
degradierend, wenn Privatversicherte Freunde von mir einen Termin<br />
am nächsten Tag bekommen, ich aber als Kassenpatient über<br />
einen Monat warten muss?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Zunächst muss man<br />
feststellen, dass die GKV per Definition nur das medizinisch notwendige<br />
finanziert, während in einer privaten Versicherung können<br />
sie gegen den entsprechenden Beitrag auch zusätzliche Leistungen<br />
absichern. Die Ursache, dass ein Privatversicherter beim Arzt eher<br />
einen Termin bekommt, liegt nicht in der PKV sondern in der zurzeit<br />
noch geltenden Budgetierung der Ärzte. Wenn ein Budget des<br />
Arztes am Quartalsende aufgebraucht ist und er nur noch Kassenpatienten<br />
kostenlos behandeln kann, ist es mehr als verständlich, dass<br />
er einen Privatpatienten vorzieht, von dem er eine Vergütung<br />
erhält und der Kassenpatient terminlich ins nächste Quartal<br />
verschoben wird. Will man diese Ungerechtigkeit beseitigen, muss<br />
man dafür sorgen, dass die Ärzte unabhängig von einem<br />
Budget für die Behandlung eines Kassenpatienten vergütet<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Student2006:</b> Wann wird die PKV endlich in die<br />
GKV integriert? Schließlich kann die PKV ohne die Strukturen,<br />
welche die GKV größtenteils finanziert nicht erfolgreich<br />
wirtschaften!
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Es wäre genauso verkehrt,<br />
die PKV in die GKV zu integrieren. Da würden z.B. gute Risiken<br />
in der in der PKV &#8211; Familie mit vier Personen zahlen vier Beiträge<br />
&#8211; zu schlechten Risiken in der GKV, da dann die vier Personen mit<br />
einem Beitrag versichert werden. Die Auflösung der PKV löst<br />
keine Probleme, im Gegenteil. In verschiedenen Krankenhäusern<br />
und Arztpraxen wäre eine wirtschaftliche Führung ohne<br />
die höheren Entgelte der Privatversicherten nicht mehr möglich.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um<br />
Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Wolfgang Zöller, der sich<br />
für uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet am<br />
kommenden Mittwoch statt. Unser Gast ist dann ab dreizehn Uhr der<br />
SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz. Das letzte Wort<br />
gehört Ihnen, Herr Zöller.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Zöller: </b> Ich glaube wir können<br />
alle Sozialsysteme noch so oft reformieren wie wir wollen, wenn<br />
nicht bei allen Beteiligten, angefangen vom Patient, über den<br />
Arzt bis zum Politiker, nicht mehr Moral praktiziert wird, fahren<br />
wir alle Systeme an die Wand.
</p>
<p class="normal">
</p>
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