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	<title>Zick &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Hate-Speech: Wer muss handeln?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja Hellmys]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2015 17:12:13 +0000</pubDate>
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</div><div class="uncode_text_column" ></p>
<h3>Die Funktion von Hate Speech</h3>
<p>Hate Speech stellt eine besondere Form der Ablehnung gegenüber Anderen dar. Sie findet signifikant im Netz statt, muss aber nicht darauf beschränkt sein. Kennzeichnend für das Internet ist jedoch die schnelle Verbreitung wie auch die Anonymität der Adressaten. Die Grenzen zwischen online und offline verschwimmen dabei zunehmend. Was im Netz stattfindet hat unmittelbare Auswirkungen auf die Realität und umgekehrt.</p>
<p>Prof. Dr. Andreas Zick, Leiter des <a href="https://ekvv.uni-bielefeld.de/pers_publ/publ/PersonDetail.jsp?personId=112507" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung</a>, erläuterte in seinem Vortrag bei der DigiKon, dass sich  Hasskommentare in ihrer Funktion unterscheiden: Handelt es sich um eine impulsartige, aber einmalige Botschaft oder um eine strategische Massenbewegung? Der Unterschied wird an dem Beispiel Pegida deutlich. Das Bündnis nutzt u.a. <a href="https://www.facebook.com/PEGIDADEUTSCHLAND2014/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a> als Forum für Hasskommentare. Kommentare werden dabei nicht nur am Montag – dem Tag der eigentlichen Demo – gepostet, sondern durchgängig. Am 10.September 2015 veröffentlichte Pegida auf seiner Facebook-Seite eine Liste von <a href="https://www.facebook.com/PEGIDADEUTSCHLAND2014/posts/935976779789194" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Zehn Forderungen an die deutsche Asylpolitik“.</a> Bereits sprachlich ist der Kommentar von strategischen Herablassung einer bestimmten Gruppe gegenüber geprägt: Asylanten, Asyl-Notstandsgesetz, sofortiger Aufnahmestopp usw.</p>
<p>Hier zeigt sich, was Zick als vorgelagerte menschenfeindliche Mentalitäten bezeichnet: Hasskommentare bilden Emotionen und Stereotype ab, die in der radikalisierten Version als Hate Speech auftreten. Hate Speech erzeugt ein verzerrtes und hasserfülltes Bild der Wirklichkeit, dass von Einigen bewusst eingesetzt wird um populistische Meinungsbilder zu produzieren und zu verbreiten.</p>
<h3>Muss sich der Journalismus der Hate Speech annehmen?</h3>
<p>Die Berührungspunkte von Hate Speech und Journalismus zeigen sich am deutlichsten in der Kommentarzeile eines Artikels. Die Hasskommentare richten sich nicht nur gegen den Artikel, sondern auch gegen den Journalisten. Eine Abgrenzung zwischen individueller Hassbotschaft gegen einen Menschen oder Artikel ist nicht mehr oder nur schwer zu treffen. Die Kommentare entbehren <a href="http://europeanjournalists.org/blog/2015/08/13/media-should-speak-out-against-hate-speech/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jeglicher Objektivität oder Distanz</a> und beinhalten Beleidigungen, Drohungen usw. gegen den Journalisten.</p>
<p>Dabei fragt Zick, ob der Journalismus nicht bereits hier ansetzen müsse und die Kommentare selbst kommentieren sollte, statt sie nur zu verfolgen? Die Forderung stellt sich vor dem Hintergrund, ob es nicht gerade die Aufgabe des Journalisten sei, ein möglichst breites Meinungsbild der Gesellschaft wiederzugeben. Dazu sei es notwendig, die Kommentare selbst zu beachten und gegebenenfalls zu beantworten.</p>
<p>Die Forderung scheint aus diesem Verständnis heraus verständlich, ist aber faktisch mit Problemen behaftet. Hierzu sind die verschiedenen Facetten des Hate Speech zu berücksichtigen. Wesentlich ist dabei, ob Hate Speech von einer Person ausgeht, oder ob ein kollektives wie strategisches Vorgehen dahintersteckt, wie z. B. bei Pegida. Tatsächlich muss es sich aber nicht notwendigerweise um eine derart große Gruppe handeln. Flankiert wird dieses Vorgehen dabei aber in jedem Fall von ideologischen Einstellungen, die keiner eigenen Reflexion unterzogen werden. Auch darf die „kollektive Mission“, als die für viele Nutzer der Hasskommentar empfunden wird, nicht unterschätzt werden. Mit der kommunikativen Abwertung anderer Gruppen sollen <a href="http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2013/9251/pdf/HassredeMeibauer_2013.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politische und soziale Prozesse gesteuert</a> werden.</p>
<p>Greift der Journalismus an dieser Stelle ein, wird er zu einem Teil dieses strategischen Vorgehens. Die Aufgabe des Journalismus ist es nicht Meinungen vorzugeben, sondern zur Meinungsbildung beizutragen. Insofern ist es an dieser Stelle die Aufgabe jedes Einzelnen, sich seine eigene – differenzierte – Meinung zu bilden. Soviel zur Theorie, in der Realität sollen Hasskommentare jedoch vor allem den Absendern Spaß machen und zugleich mobilisieren – Gewalt wird zum Erlebnis wie das Beispiel HOGESA zeigt. Ob das Mitkommentieren durch den Journalisten sinnvoll und zielführend ist, scheint in diesem Zusammenhang fraglich.</p>
<p>Letztlich muss jeder für sich alleine entscheiden, ob er sich von Hass instrumentalisieren lässt– und das gilt nicht nur für Journalisten.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/98706376@N00/6329770277/in/photolist-aDkJbi-gXArBC-nUAyJF-8SxTyh-nzdi73-opgPNg-46uZse-4TQZoA-op4wX5-brd3wj-nuiaTX-bE824i-8LP3B2-9tVAbA-rDX17d-qQi8GA-721w4-rnuuX7-rDXkjk-rDX1f9-j8XCPQ-57togn-dWiNtA-rntpFL-fw2wK1-49qUG-rnuvj9-56oiSP-7jG1M7-rDX1kQ-qHgpxM-rnuv1o-6tsrsE-dDip1m-4VXgjJ-jokak4-brcnWA-8gm6iz-aR3AfV-brcR9G-gWVZ1i-bE7VVB-osyf2N-bE7iuk-bE7jFx-q9xHav-jojF9p-bE824D-bE824v-brd3ws" target="_blank" rel="noopener noreferrer">No violence no hate speech</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/98706376@N00/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">John S. Quarterman</a> unter <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a> via Flickr/ Orginal zugeschnitten</p>
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