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	<title>Zuwanderungsgesetz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Zuwanderungsgesetz &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#034;Integrationsgipfel kommt 50 Jahre zu spät&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Seifert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Lale Akgün]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Integration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 12. Juli 2007, war Dr. Lale Akgün,
SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den
Integrationsgipfel am 12. Juli 2007, das neue Zuwanderungsgesetz
und ihr Verständnis von Integration.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am Donnerstag, 12. Juli 2007, war Dr. Lale Akgün,<br />
SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den<br />
Integrationsgipfel am 12. Juli 2007, das neue Zuwanderungsgesetz<br />
und ihr Verständnis von Integration.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><b>Moderator: </b> </b></b>Herzlich<br />
willkommen im tagesschau-Chat. Heute begrüßen wir im<br />
ARD-Hauptstadtstudio die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Lale Akgün.<br />
Sie ist Integrationsexpertin ihrer Partei und selbst im Ausland<br />
geboren und zwar in Istanbul. Der heutige Integrationsgipfel schlägt<br />
hohe Wellen: Einige türkische Verbände werfen der Bundesregierung<br />
Diskriminierung beim Familiennachzug vor. Integration, ein Thema,<br />
das viel Stoff zur Diskussion in unserem Chat bietet. Frau Akgün,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b><b>Lale Akgün:</b></b> Ja.
</p>
<p align="center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/laguen390x.jpg" alt="Dr. Lale Akgün" height="350" width="381" /><br />
<i>Dr. Lale Akgün</i><br />
<i>SPD-Integrationsexpertin und Bundestagsabgeordnete</i>
</p>
<p><b>bora:</b> Finden Sie auch, dass die türkischen<br />
Verbände endlich mal Rückgrat zeigen? Die Bundesregierung<br />
hat sich auch bei der Gestaltung der Gesetzesvorlage nicht mit den<br />
Verbänden beraten, wieso sollen die es jetzt umgekehrt tun<br />
und der Kanzlerin ein Alibi für eine integrationsfreundliche<br />
Politik liefern. Im Tagesgeschäft interessiert es die Kanzlerin<br />
herzlich wenig, was die Migranten möchten und brauchen. Es<br />
geht nur um Stimmen für die nächste Wahl.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Nun, im Vorfeld wurden die Verbände<br />
im Rahmen einer Anhörung zur Änderung des Zuwanderungsgesetzes<br />
eingeladen und ihre Meinung wurde auch eingeholt. Dass sie sich<br />
zum Gesetz kritisch äußern, kann ich nachvollziehen und<br />
auch verstehen. Aber ein Boykott ist kein gutes Mittel. Und die<br />
von ihnen geäußerte Forderung, im Nachhinein das Gesetz<br />
zu ändern, ist natürlich nicht möglich. </p>
<p><b>BrigitteStenzel:</b> Trifft es nicht zu, dass es für<br />
Menschen, etwa aus dem ostanatolischen Bergland, im Vergleich zu<br />
anderen Staatsbürgern eine unzumutbare Erschwernis ist, wenn<br />
sie in ihrer Heimatregion nicht nur Deutsch lernen sollen, sondern<br />
dort auch noch ihre Prüfung ablegen müssen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Für mich ist es nicht hinnehmbar,<br />
dass die Ehen von Menschen aus verschiedenen Ländern verschieden<br />
behandelt werden. Es kann nicht sein, dass der Ehegattennachzug<br />
unterschiedlich behandelt wird, weil die Ehe unter dem Schutz des<br />
Grundgesetzes steht.</p>
<p><b>necesin: </b>Wird durch das neue Zuwanderungsgesetz<br />
nicht jede türkische Ehe unter einen Generalverdacht gestellt?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie meinen sicherlich die viel<br />
gescholtenen Zwangsehen. Ich bin der Überzeugung, dass man<br />
mit dem Gesetz, wie es jetzt vorliegt, Zwangsehen nicht verhindern<br />
kann. Dafür hätte es im Gesetz anderer Maßnahmen<br />
bedurft. Im Übrigen weiß kein Mensch in Deutschland,<br />
wie viele Zwangsehen geschlossen werden. Deshalb wäre es ganz<br />
wichtig, jetzt wo die Bundesregierung ja Geld für die Integration<br />
in die Hand nehmen will, eine größere, und ich unterstreiche<br />
&#8211; eine wissenschaftlich fundierte Studie &#8211; zu dem Thema Zwangsehen<br />
in Auftrag zu geben.</p>
<p><b>Moderator: </b> Wie kann man Zwangsehen verhindern?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Um Zwangsehen zu verhindern oder<br />
Menschen zu helfen, die von Zwangsehen betroffen sind, hätten<br />
folgende Regelungen ins Gesetz aufgenommen werden müssen. Erstens:<br />
Für Frauen, die nach Deutschland zwangsverheiratet werden,<br />
wären vor allem aufenthaltsrechtliche Erleichterungen unter<br />
Ausbau von niederschwelligen Beratungsangeboten wichtig. Zweitens:<br />
Für Frauen, die ins Ausland zwangsverheiratet werden, wäre<br />
die Verlängerung des Rückkehrrechts dringend notwendig<br />
gewesen. Das heißt, dass ihre Aufenthaltserlaubnis nicht erlischt<br />
und sie die Chance haben, nach Deutschland zurück zu kommen.</p>
<p><b>cevher:</b> Manche Frauen versuchen, die deutsche Sprache<br />
zu erlernen. Aber wie soll das gehen, wenn die Umgebung nur türkisch<br />
spricht und sich die Deutschen, besonders in Großstädten,<br />
vor einem Kontakt scheuen oder sich mit Vorurteilen distanzieren?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie haben aber einen wunderschönen<br />
Namen &#8211; übersetzt bedeutet er &quot;Juwel&quot; &#8211; und Sie haben<br />
einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Den Erwerb der deutschen<br />
Sprache vergleiche ich gerne mit dem Erwerb des Führerscheins.<br />
Man muss üben, üben, üben! Bei der Sprache geht das<br />
eben nur durch Kontakte und das ist wiederum die gesellschaftliche<br />
Seite der Integration. Menschen müssen sich kennen lernen.<br />
Dann verstehen sie, dass wir nicht so unterschiedlich sind, sondern<br />
dass wir sehr viel mehr Gemeinsamkeiten haben, gerade Frauen. Besonders<br />
Frauen könnte der Kontakt über die Kinder leichter fallen,<br />
als es im Moment der Fall ist, wenn beide Seiten mehr Interesse<br />
zeigen würden.</p>
<p><b>saw:</b> Was halten Sie davon die Männer ausländischer<br />
und deutscher Abstammung, die eine so genannte „Importbraut“<br />
(ob aus der Türkei oder aus Indonesien) heiraten, zu einer<br />
&quot;Eheaufklärung“ zu verpflichten, bei der ihnen die<br />
Rechte der Ehefrau in Deutschland klar gemacht werden?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich glaube, wir sollten Menschen<br />
überhaupt viel mehr über die Ehe- und Familiengründung<br />
erzählen. Ich habe immer für Elternschulen plädiert,<br />
wo jungen Paaren die Verantwortung des Eltern-Werdens bewusst gemacht<br />
werden könnte. Man könnte durchaus Ihren Gedanken aufgreifen<br />
und auf Standesämtern jungen Menschen Aufklärungsmaterial<br />
an die Hand geben, beispielsweise über Eheschließung,<br />
Verantwortung in der Ehe und auch Scheidung. Aber das ist ein weites<br />
Feld.</p>
<p><b>Christoph Dowe:</b> Was sagen Sie zu der Absage türkischer<br />
Vertreter beim Integrationsgipfel?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich kann ihre Beweggründe,<br />
die dazu geführt haben, nachvollziehen, aber halte den Schritt<br />
nicht für richtig.</p>
<p><b>Moderator: </b> Welchen Schritt hätten Sie vorgeschlagen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich hätte ihnen vorgeschlagen,<br />
dass sie auf jeden Fall im Gespräch bleiben, wobei ich insgesamt<br />
nicht von dem Gipfel überzeugt bin. Aber das ist eine andere<br />
Sache. Ich bin von dem Gipfel nicht überzeugt, weil es 50 Jahre<br />
nach Beginn der Arbeitsmigration nach Deutschland zu spät ist<br />
für Gipfel und wir mit anderen Instrumenten arbeiten müssen.<br />
Aber da die Verbände ja anscheinend von dem Gipfel beim ersten<br />
Mal begeistert waren, hätten sie auch an dem zweiten teilnehmen<br />
müssen.</p>
<p><b>xxxx77:</b> Warum wird heute mehr über Integration<br />
gesprochen? Die Migranten gibt es seit mehr als 20 Jahren. Als Sie<br />
hierher kamen, mussten Sie keine Sprachkenntnisse nachweisen, keiner<br />
wollte dass Sie Deutsch können-deswegen hat man Sie doch vernachlässigt?<br />
Kann es sein, dass die Politik einfach gescheitert ist, und jetzt<br />
ein Sündenbock gesucht wird?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Auch ich bin der Meinung, dass<br />
Integrationspolitik viel früher hätte anfangen müssen.<br />
Und ich muss auch heftig widersprechen, dass die zweite und dritte<br />
Generation viel schlechter integriert ist, als die erste. Als die<br />
ersten Gastarbeiter in Gastarbeiterwohnheimen gelebte haben und<br />
keinerlei Kontakt zur deutschen Bevölkerung hatten, hat keiner<br />
von Parallelgesellschaften gesprochen. Dabei waren das eher Parallelgesellschaften,<br />
weil die Kontakte sich nur auf die Arbeitswelt beschränkt haben.<br />
Heute, wo wir viel weiter sind in der Integration der Menschen,<br />
Menschen in allen gesellschaftlichen Gruppierungen anzutreffen sind,<br />
spricht jeder von &quot;Parallelgesellschaften&quot;. Leider wird<br />
bei uns, was Integration angeht, die Stimme der Wissenschaft viel<br />
zu wenig gehört. Die deutschen Integrationswissenschaftler<br />
würden jedem bestätigen, dass wir so schlecht nicht sind,<br />
was Integrationserfolge in unserem Land angeht.</p>
<p><b>yen150:</b> Mein Vater hat als koreanischer Bergarbeiter<br />
neben türkischen Kollegen unter Tage gearbeitet. Er sprach<br />
damals auch kein Deutsch, trotzdem sind Asiaten der Zweiten und<br />
Dritten Generation voll integriert. Auch wir haben unsere Parallelgesellschaft,<br />
unsere eigenen Bräuche. Warum gelingt die Integration bei einigen<br />
Gruppen, bei anderen nicht? Die Voraussetzungen sind doch dieselben?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Dafür müssten wir erst<br />
einmal darüber sprechen, was Integration ist. Wir haben auf<br />
der einen Seite Integration, die durch knallharte Fakten belegbar<br />
ist, wie zum Beispiel Bildung, Arbeitsplatz, Einkommen, Wohnort,<br />
gesellschaftliche Stellung. Auf der anderen Seite haben wir die<br />
&quot;gefühlte&quot; Integration. Die meisten Menschen gehen<br />
davon aus, dass zum Beispiel Muslime schlechter zu integrieren sind<br />
als Nicht-Muslime. Leider wird da nicht genug hinterfragt. Und als<br />
Beispiel werden immer soziale Brennpunkte in den Großstädten<br />
angeführt, die inzwischen jeder Bundesbürger kennt: Berlin-Neukölln,<br />
Duisburg-Marxloh und Hamburg-Willhelmsburg. Diese Stadtteile sind<br />
zum Synonym für nicht gelungene Integration geworden. Und da<br />
die meisten Menschen in diesen Stadtteilen nie gewesen sind, wird<br />
ihr Bild von diesen Stadtteilen meist durch die Medien geprägt.<br />
So entstehen die Bilder von der Nicht-Integration der Zugewanderten:<br />
Kopftuchfrauen mit vielen Kindern, heruntergekommene Häuser,<br />
bärtige Männer, Kebapbuden.</p>
<p><b>Zadam:</b> Das Problem vieler Ausländer in Deutschland<br />
ist der Spagat zwischen zwei Ländern. Bei mir ist das Polen<br />
und Deutschland. Ich habe mich für Europa als Lösung meines<br />
Problems entschieden und sehe mich nicht als Deutschen oder Polen,<br />
sondern als Europäer. Wären die Türken in Deutschland<br />
in der Lage, sich als Europäer zu fühlen, obwohl Ihnen<br />
von fast allen Staaten gesagt wird, dass sie nicht dazugehören?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich glaube, Sie haben für<br />
sich eine gute Lösung gefunden, nämlich die Synthese zwischen<br />
zwei Ländern als Europäer. Übrigens machen das sehr<br />
viele junge Menschen, indem sie die lokale Ebene für sich beanspruchen<br />
(&quot;Ich bin Kölner, Berliner usw.!&quot;) und eben die supranationale<br />
als Europäer. Warum sollen sich Türken nicht als Europäer<br />
fühlen? Europäer zu sein, ist ein &quot;state of mind&quot;.<br />
Man kann durchaus ein guter Europäer sein, ohne dass das Ursprungsland<br />
der Eltern in der EU ist.</p>
<p><b>elle:</b> Frau Akgün, bitte nicht auf die Medien<br />
schimpfen! Was tun Sie persönlich um Ihren Landsleuten die<br />
Integration in UNSERE Gesellschaft näher zu bringen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Wer sind denn meine Landsleute?<br />
Ich bin mit neun Jahren nach Deutschland gekommen und bin jetzt<br />
53 Jahre alt. Das heißt, ich lebe seit 44 Jahren in Deutschland.<br />
Ich bin deutsche Staatsbürgerin und sitze als Volksvertreterin<br />
im Deutschen Bundestag.</p>
<p><b>Tomasz:</b> Inwieweit spielt die Religion eine Rolle?<br />
Ich kenne viele Polen und Russen, auch Aussiedler, die Christen<br />
oder Atheisten sind, aber in diesem Land weder willkommen noch integriert<br />
sind und auch keine Lust haben, sich hier zu Hause zu fühlen.<br />
Ist das ein anderes Problem, als das von jungen Muslimen?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Nein. Natürlich nicht! Ich<br />
glaube auch nicht, dass es die Gruppe der jungen Muslime gibt. Junge<br />
Muslime sind eine genauso weit gefächerte Gruppe wie andere<br />
Religionsgemeinschaften auch. Ich glaube, es wäre zu kurz gegriffen,<br />
Menschen nur über ihre Religion zu definieren, genauso wie<br />
es zu kurz greift, sich selbst nur über Religion zu definieren.<br />
Die Identität und das Bewusstsein werden durch viele Faktoren<br />
mitbestimmt. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei die soziale Frage,<br />
aber auch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Milieus.</p>
<p><b>Moderator: </b> Noch einmal zur Politik und dem Integrationsgipfel:</p>
<p><b>GenosseKoeln:</b> Hallo Lale, wie werden die Migranten<br />
vertreten, die nicht religiös sind. Gibt es da ausreichend<br />
Beteiligung für atheistische, unreligiöse Menschen, die<br />
sich nicht mit und über die islamische Religion identifizieren<br />
bzw. definieren? Gruß aus Köln.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Gruß nach Köln zurück!<br />
Ich freue mich immer, wenn sich Leute aus meiner Heimatstadt melden.<br />
Ich glaube, es ist an der Zeit, dass sich Migranten in der Gesellschaft<br />
über die Gruppen Gehör verschaffen, die ihnen gesellschaftlich<br />
entsprechen. Wir brauchen keine weiteren Migrantenvereine, weil<br />
dies wiederum nur eine Dimension wäre, nämlich, dass man<br />
irgendwann mal, oder die Eltern, &quot;migriert&quot; sind. Das<br />
reicht aber nicht für den Zusammenhalt und schafft wieder neue<br />
Separierungen. Also rein in die Parteien, Vereine, Sportclubs, überall<br />
da wo Menschen zusammenkommen!</p>
<p><b>elle:</b> Unter &quot;Ihren Landsleuten&quot; verstehe<br />
ich zunächst die Türken, falls Sie aus der Türkei<br />
stammen. Frau Akgün, Sie haben meine Frage nach Ihrem persönlichen<br />
Einsatz für eine Integration der Türken in UNSERE Gesellschaft<br />
nicht beantwortet.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Falls ich es noch nicht erwähnt<br />
haben sollte: Meine Eltern stammen wirklich aus der Türkei.<br />
Und ich bin auch in Istanbul geboren. Aber als glühende Anhängerin<br />
des republikanischen Denkens gehört diese Gesellschaft uns<br />
allen. Wir sind alle Teil dieser Gesellschaft. Und wir müssen<br />
allen helfen, die aus dieser Gesellschaft herausfallen und des-integriert<br />
sind. Das sind sozial Benachteiligte, Bildungsarme, also alle, die<br />
es in dieser Gesellschaft schwer haben. Ich bin Sozialdemokratin<br />
und es ist meine Aufgabe, all diesen oben erwähnten Menschen<br />
die Chance zu geben, in der Gesellschaft anzukommen. Wenn Sie nach<br />
meinem persönlichen Hintergrund fragen sollten, so kann ich<br />
Ihnen sagen, dass ich 15 Jahre als Psychologin in den sozialen Brennpunkten<br />
der Großstadt Köln gearbeitet habe!</p>
<p><b>Moderator: </b> Zum Thema Chancengleichheit:</p>
<p><b>Gärtnerin:</b> Wie kann erreicht werden, dass<br />
Lehrer/innen auch Kindern mit Migrationshintergrund eine Empfehlung<br />
für eine höherer Schule geben? Ich habe selbst mehrfach<br />
erlebt, dass mit dem Hinweis fehlender Unterstützung nur eine<br />
Hauptschulempfehlung gegeben wurde.</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Sie sprechen ein sehr schwieriges<br />
Thema an: Das Thema, dass Kinder mit Migrationshintergrund bei gleichen<br />
Voraussetzungen nicht gleich gefördert werden. Dazu bedarf<br />
es bei der Lehrerausbildung mehr interkultureller Kompetenz! Wir<br />
brauchen auch mehr Unterstützung für die Lehrer. Ich glaube<br />
nämlich, dass Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und<br />
Pädagogen sehr viel im Bereich der Integrationsarbeit geleistet<br />
haben, dass sie aber auch oft allein gelassen wurden. In diesem<br />
Zusammenhang müsste man aber auch über unser dreigliedriges<br />
Schulsystem reden und darüber nachdenken, ob es geeignet zur<br />
Förderung sozial benachteiligter Kinder ist.</p>
<p><b>BrigitteStenzel:</b> Glauben Sie daran, dass es in<br />
Deutschland in der Zukunft einen deutschen Bundeskanzler mit Migrationshintergrund<br />
geben wird?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Warum nicht? Gerade haben wir<br />
in Frankreich einen Präsidenten mit Migrationshintergrund bekommen.<br />
Und es war im Wahlkampf kein einziges Mal Thema. Ich finde Sarkozy<br />
ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration. 😉</p>
<p><b>Moderator: </b> Wir sind leider schon wieder am Ende<br />
unserer Zeit angelangt. Herzlichen Dank unseren Usern, die viele<br />
und interessante Fragen gestellt haben. Leider kamen nicht alle<br />
zum Zug. Frau Akgün, möchten Sie noch ein Schlusswort<br />
an die User richten?</p>
<p><b>Lale Akgün:</b> Ich freue mich, dass sich so viele<br />
Menschen in unserem Land für die Fragen der Zuwanderung und<br />
Integration interessieren und ich freue mich auch, dass so viele<br />
qualifizierte Fragen gestellt worden sind. Das zeigt mir, dass wir<br />
die Integrationsfrage nicht so pessimistisch angehen müssen!</p>
<p><b>Moderator: </b> Das war unser tagesschau-Chat bei tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse und vielen<br />
Dank an Frau Akgün. Das Protokoll des Chats ist in Kürze<br />
zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht noch einen schönen<br />
Tag!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Volker Beck zu Schäuble und Zuwanderung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/volker-beck-zu-schaeuble-und-zuwanderung-241/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Mar 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Beck]]></category>
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					<description><![CDATA[<b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --> 
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><b>Volker Beck</b><!-- #EndEditable --><br />
im tacheles.02-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->02.03.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p align="left">
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Zum Chat ist heute Volker Beck, Grünen-Bundestagsabgeordneter und<br />
Verhandlungsführer der Grünen beim Zuwanderungsgesetz, ins<br />
ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann es losgehen?</span>
</p>
<p align="left">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/vbeck84x115.jpg" align="left" height="115" width="84" /><br />
<b>Volker Beck:</b> Ja
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Dinge braucht der Grünen-Politiker: Erfolg<br />
beim Zuwanderungsgesetz, Erfolg im Super-Wahljahr und einen schönen<br />
Streit, mit dem sich die Opposition selbst beschädigt. Zuwanderungsgesetz<br />
ist noch offen, aber immerhin zerstreitet sich die Opposition über<br />
der Kandidaten-Frage bei der Bundespräsidentenwahl und bei der<br />
Hamburg-Wahl glänzten die Grünen schon mal. Da müsste<br />
es den Grünen doch eigentlich schon ziemlich gut gehen? Wächst<br />
der Einfluss der Grünen in der rot-grünen Koalition wieder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also unser Einfluss ist glaube ich seit der letzten<br />
Bundestagswahl gleich hoch und wir haben uns als stabiler Faktor in<br />
der Koalition erwiesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zuerst zu Zuwanderung, Bundespräsidentenspektakel<br />
kommen wir gleich noch drauf:
</p>
<p>
<b>wasser:</b> Die Frage der &quot;Zuwanderung von Leistungsträgern<br />
ist für eine Stadt wie Hamburg und andere Großstädte<br />
von essenzieller Bedeutung&quot;, sagte Merkel. Ist das nicht auch ihre<br />
Position und wo ist der Dissens?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Der Dissens ist bei der Umsetzung. Wir wollen,<br />
dass in Deutschland, wie in mit uns konkurrierenden Ländern längst<br />
üblich, Spitzenkräfte das Angebot bekommen, auf Dauer in Deutschland<br />
Leben und Arbeiten zu können. Die Union will nur befristete Aufenthaltstitel<br />
anbieten. Damit sind wir unattraktiver als Länder wie beispielsweise<br />
die USA.
</p>
<p>
<b>chatter:</b> Die CDU hat bisher alle Entwürfe der Regierung<br />
zurückgewiesen. Die FDP ist im Prinzip für den aktuellen Entwurf,<br />
wird sich aber wohl erst einmal enthalten. Die PDS hat zuerst Zustimmung<br />
signalisiert, wird nun aber gegen den Gesetzentwurf stimmen, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Was die PDS machen wird, ist völlig irrerelevant,<br />
weil es derzeit darauf ankommt, ob der Bundesrat zustimmen wird.
</p>
<p>
<b>Luise:</b> Hört die CDU nicht, was die Wirtschaft will? Arbeitskräfte?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die CDU hat sich entschieden, im Bereich Ausländerpolitik<br />
gegen die Interessen der deutschen Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplätze<br />
in Deutschland Politik zu machen.
</p>
<p>
<b>flr09:</b> Die Grünen konnten in Hamburg wieder Punkten: Woher<br />
sind die Stimmen gekommen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Stimmen sind von den Jungwählern gekommen,<br />
von der SPD und von der FDP. Neu ist für die Grünen, dass<br />
sie neben der Umweltkompetenz und dem Thema Bürgerrechte erstmals<br />
auch für ihre Kompetenz beim Thema Bildungspolitik und soziale<br />
Gerechtigkeit Stimmen bekommen haben.
</p>
<p>
<b>agendaa:</b> Ist die Karriere von Schill endgültig vorbei?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich wünsche ihm einen schönen Urlaub<br />
in Südamerika!
</p>
<p>
<b>Karim:</b> Wann tritt das Zuwanderungsgesetz in Kraft, wenn es zu<br />
einem Kompromiss am 12 .März kommt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das könnte am 1.7.2004 oder 1.1.2005 sein.
</p>
<p>
<b>Bert:</b> Beer warf der Union erneut eine &quot;Abschottungspolitik&quot;<br />
vor. Warum?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Die Union will an keinem Punkt zu einer Neuformulierung<br />
der Regeln bei der Arbeitsmigration kommen. Sie lehnt ihre eigenen Konzepte<br />
zum Punkteverfahren von 2001 genauso ab, wie eine flexiblere Regelung<br />
für qualifizierte Zuwanderer oder ein attraktives Angebot mit einem<br />
Daueraufenthaltsstatus für Höchstqualifizierte. Damit würde<br />
praktisch alles beim Alten bleiben. Ein Zuwanderungsgesetz ohne Zuwanderung<br />
also.
</p>
<p>
<b>Hanne:</b> Sie sagen, in wichtigen Fragen wie der Arbeitsmigration<br />
seien keine Fortschritte erzielt worden. Ob ein Durchbruch gelinge,<br />
sei offen. Wo liegt der Knackpunkt?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es geht darum, im Bereich der Arbeitsmigration<br />
zu flexibleren Regelungen für die deutsche Wirtschaft zu kommen.<br />
Außerdem wollen wir, dass im Flüchtlingsrecht europäische<br />
Standards, z.B. bei der nichtstaatlichen Verfolgung, endlich auch in<br />
Deutschland eingehalten werden und dass es an anderen Punkten keinen<br />
Rückschritt für Flüchtlinge gibt. Wir brauchen auch dringend<br />
eine Altfallregelung. Es macht keinen Sinn Flüchtlinge über<br />
Jahre hinweg von Monat zu Monat, von Halbjahr zu Halbjahr mit einer<br />
vorübergehenden Duldung auszustatten Irgendwann muss es mit diesen<br />
Kettenduldungen ein Ende haben und müssen diese Flüchtlinge<br />
die Chance für einen Neustart ins Leben in unserem Land erhalten.
</p>
<p>
<b>Petr:</b> Sind die EU-Standards höher als in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In allen Mitgliedsstaaten der Europäischen<br />
Union ist es selbstverständlich, dass im Falle eines untergegangenen<br />
Staates, wie heute z.B. in Somalia oder früher in Afghanistan,<br />
nichtstaatliche Verfolgung anerkannt wird. Allein in Deutschland weicht<br />
die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hiervon ab, so dass uns vom<br />
Ausland hier eine Schutzlücke bei der Umsetzung der Genfer Flüchtlingskonvention<br />
bescheinigt wird.
</p>
<p>
<b>losiop:</b> Wenn CDU-Chefin Angela Merkel weiter eine Lösung<br />
blockiere, würden die Grünen mit der SPD einen Weg finden<br />
müssen, wie man ohne die Union die Situation verbessern könne.<br />
Wie sieht der Weg aus?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das Ausländerrecht ist grundsätzlich<br />
nach unserer Verfassung eine zustimmungsfreie Rechtsmaterie. Deshalb<br />
kann der Bund, wenn er an den bestehenden Verwaltungsverfahren nichts<br />
verändert oder wenn er die Verwaltungstätigkeit selbst übernimmt,<br />
das materielle Ausländerrecht auch zustimmungsfrei gestalten. Wir<br />
brauchen z.B. dringend eine wettbewerbsfreundliche Regelung für<br />
Höchstqualifizierte. Wenn diese mit der Union nicht zu erreichen<br />
ist, müssen wir der Wirtschaft mit einer zustimmungsfreien Lösung<br />
helfen. Sonst hat Deutschland als Standort für Innovationen und<br />
wissenschaftliche Höchstleistungen keine Chance.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Grünen betonen immer wieder, man werde gemeinsam<br />
mit der SPD entscheiden. Am Ende dürfte der Kanzler das letzte<br />
Wort haben &#8211; und dessen Entscheidungen fallen nicht unbedingt nach grünen<br />
Kriterien. Was wollen Sie dem entgegenhalten &#8211; die Koalition werden<br />
Sie ja wohl nicht platzen lassen.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Wir werden hier gemeinsam entscheiden und niemand<br />
wird hier in der Koalition einsame Entscheidungen fällen. Unsere<br />
Kriterien für eine Zustimmung sind ja auch völlig rational.<br />
Wir werden ein Gesetz machen. wenn es im Bereich der Arbeitsmarktmigration,<br />
im Flüchtlingsschutz und bei der Integration ein Fortschritt gegenüber<br />
dem geltenden Ausländergesetz darstellt. Ist es ein Rückschritt<br />
oder Stillstand, dann macht es keinen Sinn, ein Gesetz als Selbstzweck<br />
zu verabschieden.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wird eigentlich berücksichtigt, dass Zuwanderung<br />
nur Sinn macht, wenn man gleichzeitig im universitären Bereich<br />
massiv auf internationale Standards hinarbeitet? Bin gerade als Student<br />
im Ausland und weiß, wie wahnsinnig schwer Anerkennung von Abschlüssen,<br />
Examina etc. ist.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> In diesen Bereichen der gegenseitigen Anerkennung<br />
von ausländischen Qualifikationen müssen wir unbürokratischer<br />
werden. Es kommt oftmals auch auf die tatsächlichen Fähigkeiten<br />
stärker an als auf formale Abschlüsse. Das zeigt das Beispiel<br />
<br />
Bill Gates eindrücklich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Beck, Sie sagen vor allem bei den Hochqualifizierten<br />
sind die bisherigen Regelungen einen Bremse. Jedes Jahr verlassen Tausende<br />
junge deutsche hochqualifizierte Wissenschaftler die Bundesrepublik<br />
in Richtung USA. Ist das die Zuwanderungsdiskussion nicht eine Scheindebatte.<br />
Wäre nicht mit einer Verbesserung der Forschungslage viel mehr<br />
zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Also, es ist richtig, dass wir in der Forschungspolitik<br />
etwas für die Attraktivität Deutschlands tun müssen.<br />
Wir brauchen z.B. dringend einen Wissenschaftstarifvertrag, der auch<br />
außerhalb der Universität attraktive Arbeitsbedingungen sichert.<br />
In modernen, atmenden Gesellschaften ist es allerdings selbstverständlich,<br />
dass ein Teil der akademischen. Elite das Land zumindest zeitweise verlässt,<br />
um an anderen Standorten Erfahrungen und Kontakte zu sammeln. Nur wenn<br />
man dies nicht ausgleicht, indem man im Gegenzug ebenfalls höchstqualifizierte<br />
Akademiker ins Land holt, ist dies ein Problem. Wir leben in einer globalen<br />
Welt, in der Migration einen festen Stellenwert hat. Deutschland verlassen<br />
jedes Jahr im Durchschnitt 600.000 Menschen. Im Gegenzug kommen jährlich<br />
zw. 700.000 und 800.000 Menschen zu uns. Wir sind also ein Einwanderungs-<br />
und Auswanderungsland.
</p>
<p>
<b>lemonMUCPARIS:</b> Wie sieht es im nichtakademischen Bereich aus?<br />
Gibt es da nicht auch durchaus einige Gebiete wo mehr &quot;Gewürz&quot;<br />
gut täte, z.B. Kunst, aber auch Selbständige?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Aus diesem Grund sind wir für die Aufhebung<br />
des Anwerbestopps im Bereich der qualifizierten Tätigkeiten. Die<br />
Wirtschaft soll die Möglichkeit haben, in diesem Bereich Arbeitskräfte<br />
anzuwerben, wenn sie für einen Arbeitsplatz nachweislich weder<br />
einen Deutschen oder einen gleichgestellten EU-Ausländer gefunden<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Beim Anwerbestopp bleibt aber eben diese Bedingung:<br />
es muss niemand aus Deutschland oder der EU für den entsprechenden<br />
Arbeitsplatz geben. Eigentlich gibt&#8217;s das doch gar nicht &#8211; oder nur<br />
für Hochqualifizierte, oder?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Es gibt in vielen Bereichen offene Stellen, die<br />
im Einzelfall nicht durch einen deutschen Bewerber besetzt werden können.<br />
Oftmals fehlen bestimmte Qualifikationen oder die Menschen sind nicht<br />
bereit, von Rostock nach München umzuziehen, um die Arbeit dort<br />
zu tun, wo sie angeboten wird.
</p>
<p>
<b>Armenier:</b> Wer soll untersuchen, ob es keinen deutschen Qualifizierten<br />
gibt, etwa die BA?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ja, das ist eine Aufgabe für die Bundesagentur<br />
für Arbeit.
</p>
<p>
<b>SiD:</b> Was halten Sie von der Idee in Deutschland ebenfalls Eliteuniversitäten<br />
zu gründen? Sollte man nicht vorhandene Unis unterstützen<br />
und somit dem mehr oder weniger letzten verbleibenden Rohstoff &quot;Wissen&quot;<br />
in Deutschland zu halten?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich find es richtig, zwischen den universitären<br />
Einrichtungen mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Gute Leistung soll<br />
sich auch auszahlen. Allerdings halte ich nichts davon, ganze Universitäten<br />
gegen einander ins Rennen zu schicken. Für diesen Wettbewerb in<br />
den Disziplinen Forschung , Lehre und Nachwuchsbildung sollten einzelne<br />
Institute oder Fakultäten in Frage kommen.
</p>
<p>
<b>Nodus1978:</b> Die Unis sind nur die Spitze des Eisbergs! Der Unterrichtsausfall<br />
an normalen und berufsbildenden Schulen hat längst ein unerträgliches<br />
Maß angenommen! Dazu kommen überalterte Lehrpläne und<br />
Lehrkräfte die nicht reformfähig sind! Unten muss das bildungspolitische<br />
Umdenken beginnen. Schon im Kindergarten sollte über frühkindliche<br />
und kindgerechte Bildung nachgedacht werden. Dann kann man sich in 5<br />
Jahren noch mal Gedanken über Unis machen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehen Sie das auch so?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich glaube nicht, dass wir 5 Jahre Zeit haben.<br />
Der Bund hat im Bereich Hochschulpolitik einen Teil der Verantwortung<br />
und die muss er wahrnehmen. Für die Schulpolitik sind die Länder<br />
zuständig und die müssen ihre Hausaufgaben ebenfalls machen.<br />
Wer mehr Geld in die Bildung investieren will, muss aber Schluss machen<br />
mit der albernen Debatte um weitere Steuersenkungen. Denn irgendwoher<br />
muss das Geld auch kommen.<br />
E.T.: Wie stehen Sie zur emotionalen Frage der Zuwanderung. Es gibt<br />
immer noch sehr viele Menschen in Deutschland die einfach Angst vor<br />
Ausländern haben. Begründet oder nicht, ist hierbei eigentlich<br />
egal. Das Gefühl einer Überfremdung ist meiner Meinung nach<br />
sehr stark.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Das entscheidende ist, dass wir endlich das Thema<br />
Integration systematisch anpacken. Hier hat die Politik 30 Jahre lang<br />
die Sache schleifen lassen. Wir müssen dafür sorgen, im Interesse<br />
der Ausländer, aber auch im Interesse des innenpolitischen Friedens,<br />
dass alle Menschen, die zu uns kommen, die deutsche Sprache erlernen<br />
und Recht und Kultur unseres Landes verstehen. Das baut auch irrationale<br />
Ängste ab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ärger-Thema Bundespräsidentenwahl:
</p>
<p>
<b>Hagen:</b> Als Fischer wegen seiner Sponti-Vergangenheit aus dem<br />
Außenministerium geschossen werden sollte, veranstalteten Opposition<br />
und Medien einen ziemlichen Zirkus. Wie ist es zu erklären, dass<br />
es niemanden aufzuregen scheint, wenn uns jetzt mit Schäuble ein<br />
Mann, der das Parlament belogen hat und per eidesstattlicher Versicherung<br />
beteuerte, illegale Spenden angenommen zu haben &#8211; ein Lügner und<br />
Gesetzesbrecher also &#8211; als der &quot;beste&quot; denkbare Kandidat für<br />
das Präsidentenamt vorgeschlagen wird?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich finde Herr Schäuble ist aus vielen Gründen<br />
nicht der geeignete Kandidat: Er ist das Modell Griesgram für die<br />
schlechtgelaunte Republik. Wir brauchen einen Bundespräsidenten,<br />
oder besser noch eine Bundespräsidentin, die das Land zusammenführen<br />
kann. Also wir warten jetzt erst einmal auf einen Vorschlag der anderen<br />
Seite und dann werden wir uns dazu verhalten. Wir werden auf jeden Fall<br />
die Debatte nicht so führen, wo einzelne Namen wie auf dem Basar<br />
gehandelt werden und die FDP inzwischen schon Koppelgeschäfte ventiliert,<br />
nach dem Motto: Stimm Du für meinen Steuermodell, dann wähle<br />
ich auch deinen unmöglichen Kandidaten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Am Ende könnte auch der Kuhhandel herauskommen:<br />
Nicht der &quot;beste&quot;, sondern der &quot;zweitbeste&quot; Kompromisskandidat<br />
wird Präsident.
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Bei der jetzigen Opposition ist nicht auszuschließen,<br />
dass gute Kandidaten keine Chance haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was wäre mit Töpfer, könnten Sie dem<br />
zustimmen?
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Töpfer ist auf jeden Fall ein Kandidat, der<br />
über die Lagergrenzen hinaus Akzeptanz findet.
</p>
<p>
<b>logger:</b> Süssmuth ist ein Name, den man sich ernsthaft überlegen<br />
sollte! Ich glaube, dass sie mehrheitsfähig über die Parteigrenzen<br />
hinweg wäre!
</p>
<p>
<b>Volker Beck:</b> Ich halte persönlich viel von Frau Süssmuth.<br />
Sie hat als Bundestagspräsidentin bewiesen, dass sie präsidiale<br />
Qualitäten hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe User, vielen Dank für ihr Interesse, vielen<br />
Dank Herr Beck. Morgen Abend chatten wir um 23.00 Uhr mit Tom Buhrow,<br />
dem ARD-Korrespondenten in Washington über den Wahlkampf zwischen<br />
Kerry und Bush. Nach dem Super-Tuesday werden sich die Wahlkampffronten<br />
dort ein bisschen geklärt haben, Tom Buhrow beobachtet den Wahlkampf<br />
aus nächster Nähe und weiß sicher Interessantes zu berichten.<br />
Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Einen schönen Tag wünscht das tacheles.02-Team!
</p>
<p><!-- #EndEditable --> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Jüngere Generation muss entlastet werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[CDU-Parteitag]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Mißfelder]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialreform]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe CDU-Freunde und -Gegner, liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüße ich<br />
zum Chat Philipp Mißfelder, Junge-Union-Vorsitzender, live vom Parteitag<br />
der CDU in Leipzig. Guten Tag also nach Leipzig und die Frage, können<br />
wir loslegen, Herr Mißfelder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ja, gerne</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Mißfelder, Sie wollen eine steuerfinanzierte Grundrente, für<br />
den Rest sollen die Bürgerinnen und Bürger selbst sorgen. Das<br />
klingt nach dem passenden Konzept zur eingeschränkten Versorgung<br />
mit künstlichen Hüftgelenken bei der älteren Bevölkerung,<br />
die Sie mal propagiert haben. Die junge CDU scheint auf dem Weg in eine<br />
neue, mehr in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft zu sein &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Uns geht es um die Zukunft. Kein Rentner von heute hat zu befürchten,<br />
dass seine Versorgung, seine Rente grundsätzlich in Frage gestellt<br />
wird. Mir geht es um die junge Generation in unserem Land, die auch ein<br />
Anrecht auf soziale Sicherung und Spitzenmedizin heute und in 30 Jahren<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Menge Fragen auf einmal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rudolf</b>:<br />
Wie sollte die Privatvorsorge organisiert werden. Wie sieht es in diesen<br />
Punkt mit Verbraucherschutz aus? Sind Private Vorsorgeverfahren schon<br />
jetzt sicher als staatliche? Das heißt, der Einzahler bekommt die<br />
monatlichen Investitionen tatsächlich wieder ausgezahlt? Warum wurde<br />
dieses System dann nicht schon viel früher eingeführt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
1. Private Vorsorge: Die Beitragslast bei der Rentenversicherung liegt<br />
dauerhaft über dem, was ein heute 20Jähriger, aber auch ein<br />
50Jähriger schultern kann, wenn er zusätzlich privat vorsorgen<br />
muss, weil durch die negative demografische Entwicklung unser umlagefinanziertes<br />
System ad absurdum geführt wird. In Zukunft wird es wesentlich mehr<br />
private Rentenangebote geben. Also muss sich auch der Verbraucherschutz<br />
verbessern. Dies ist einer der nächsten Schritte, die es zu diskutieren<br />
gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Junge Union ist mit ihrem Rentenkonzept &quot;steuerfinanzierte Grundrente&quot;<br />
auf dem Parteitag ja erst einmal gescheitert. Und jetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Thema bleibt aktuell gerade vor dem Hintergrund, dass der demografische<br />
Wandel bis zu einer möglichen Regierungsübernahme der CDU im<br />
Jahre 2006 weitere Probleme angehäuft werden. Ein Systemwechsel wird<br />
dann zwar noch schwieriger sein, ist aber unumgänglich, wenn die<br />
jüngere Generation nicht dauerhaft mehrfach belastet werden soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>robert</b>:<br />
Hallo Philipp, kannst Du mir erklären, wie ich der Union glauben<br />
kann, dass sie wirklich Reformen durchführen will, die diesen Namen<br />
verdienen. Ich bin da mehr als skeptisch, weil ich nicht daran glaube,<br />
dass die Damen und Herren, die 16 Jahre lang an der Regierung waren ohne<br />
Entscheidendes voranzubringen, jetzt plötzlich die Kraft und den<br />
Willen dazu haben sollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
In den 16 Jahren von Helmut Kohl als Kanzler ist Deutschland so gut wie<br />
selten zuvor regiert worden. Trotzdem muss man auch selbstkritisch anmerken,<br />
dass die Problematik des demografischen Wandels unterschätzt und<br />
größtenteils ausgeblendet worden ist. Die Probleme haben wir<br />
in den vergangenen Jahren ausführlicher denn je diskutiert. Unser<br />
Erkenntnisdefizit haben wir durch Herzog ausgeglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden. Was ist die Position der Jungen Union<br />
dazu? Was machen die Hochschulgruppen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und noch eine Frage hinterher:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>magga</b>:<br />
Wie will die junge Union (und die CDU) sich für eine Verbesserung<br />
der Situation an den Universitäten einsetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU und der Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) unterstützen<br />
die Studenten bei ihren Protesten. Gerade wir Jüngere haben ein Anrecht<br />
auf funktionierende Bildungsinstitutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt konkret in Berlin zum Beispiel: Schluss mit den Sparmaßnahmen<br />
bei bankrottem Stadthaushalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Wir fordern bei Kürzungen in den Haushalten, den Bildungsetat nicht<br />
anzutasten, da gerade hier die Zukunft des Standorts Deutschlands und<br />
unserer Wissensgesellschaft auf dem Spiel steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Und warum wollen alle CDU-regierten Länder Studiengebühren von<br />
500€ pro Semester einführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Studiengebühren sind dann sinnvoll, wenn sie direkt an der Universität<br />
und ausschließlich für deren Ausbau eingesetzt werden. Wenn<br />
Studiengebühren allerdings in den allgemeinen Haushalt fließen,<br />
ist dies eine Studenten-Steuer. Die wird es mit der JU und der CDU nicht<br />
geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch ein Kommentar zum Thema Rente und die Erfolge von 16 Jahren Helmut<br />
Kohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Dazu kommt noch, dass diese Helden 16 Jahre einem Blüm hinterhergedackelt<br />
sind und ihm alles geglaubt haben, was er gesagt hat. Taschenrechner gibt<br />
es aber nun schon längerer Zeit und der demographische Wandel ist<br />
auch nicht über Nacht gekommen. Wenn eine Partei so blind einzelnen<br />
Führungsleuten nachrennt muss man sich schon fragen, ob eine solche<br />
Partei nicht &#8211; frei nach Baring &#8211; strukturell und personell mit der Situation<br />
überfordert ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Richtig ist, dass von allen Parteien die Probleme, die einhergehen mit<br />
dem demografischen Wandel, nicht wahrgenommen worden sind. Norbert Blüm<br />
personifizierte die falsche Aussage &quot;Die Rente ist sicher&quot;.<br />
Dies war ein Fehler.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peter-pan-15</b>:<br />
Herr Missfelder, im Zuge des CDU Parteitages habe ich immer mehr den Eindruck<br />
gewonnen, dass die Union auf Konfrontationskurs mit der SPD gehen möchte.<br />
Im Grunde würde ich dies begrüßen, doch meinen Sie, dass<br />
dies auch das Scheitern des Vorziehens der Steuerreform wert ist? Wäre<br />
es in der Situation, in der sich Deutschland befindet nicht ratsamer,<br />
diesen Parteienstreit aufzuschieben und konstruktiv-objektiv miteinander<br />
zusammenzuarbeiten? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es gibt keine Blockadehaltung der Union. Dort, wo es sinnvoll ist, den<br />
Konsens zu suchen, tun wir dies. Beispielsweise bei der Steuerreform.<br />
Es gibt keine Blockade bei Steuerentlastungen, die seriös gegenfinanziert<br />
sind. Eine allein durch Schulden finanzierte Steuerreform wird von der<br />
Union nicht mitgetragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tyriz</b>:<br />
Dazu auch von mir eine Frage: Es kommt mir immer öfter so vor, als<br />
betreibe die Union eine Art Prinzipopposition. Egal was vorgeschlagen<br />
wird, wir sind dagegen. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aufgabe der Opposition ist es, die Regierung zu kontrollieren. Dinge,<br />
die in eine vollkommen falsche Richtung laufen, werden daher unsere Zustimmung<br />
nicht finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tyriz</b>:<br />
Aber nicht allem zu widersprechen. Kontrolle bedeutet doch auch, richtiges<br />
auch als richtiges stehen zu lassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
bestes Beispiel: Einwanderungsgesetz (peinlich, peinlich, peinlich)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht<br />
die Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik.<br />
Die Union ist grundsätzlich zu einer Einigung mit der Regierung bereit,<br />
wenn es wirklich ein Steuerungs- und Begrenzungsgesetz gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Experten streiten sich zwar ein bisschen, aber prinzipiell sagen alle,<br />
Zuwanderung ist gut für die demografische Entwicklung. Und deren<br />
kritische Lage haben Sie ja nun erkannt, sagen Sie. Warum also nicht dem<br />
Gesetz zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Oberste Priorität hat für uns eine aktive Familienpolitik. Zuwanderung,<br />
wenn sie nicht auf hochqualifizierte Fachkräfte setzt, bringt mehr<br />
Probleme für den Sozialstaat als Lösungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Realist</b>:<br />
damit die Gesellschaft noch mehr vergreist, wird das Zuwanderungsgesetz<br />
gestoppt, obwohl in ein paar Jahren die Arbeitskräfte fehlen, bedenkt<br />
das diese CDU der Senioren und Nationalisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Sie weichen aus!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ich weiche nicht aus. Ungezügelte Zuwanderung hat seit Anfang der<br />
90er Jahre unseren Sozialstaat sehr stark zusätzlich belastet. Der<br />
Arbeitskräftemangel ist ein zentrales Problem, was vor allem über<br />
Bildungspolitik, Förderung von Familien und zielgenauer Zuwanderung<br />
gelöst werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle</b>:<br />
Wie bewerten sie die Debatte um Hohmann und dass einige in der CDU nicht<br />
zufrieden sind mit dem Parteiausschluss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Der Fall Hohmann ist abgeschlossen. In der Union gibt es keinen Platz<br />
für denjenigen, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>CSHaverkamp</b>:<br />
Herr Mißfelder, weshalb setzt die CDU ihren Hohmann Kurs fort. Die<br />
Rede ist dumm, aber nicht antisemitisch. Ein jüdischer Freund hat<br />
dies bestätigt, als ich ihn fragte. 2. Weshalb werde diejenigen,<br />
die für Hohmann gestimmt haben, nicht auch aus der Fraktion ausgeschlossen,<br />
denn auch sie, Merkels Logik zufolge, unterstützen Grundsätze<br />
die mit der CDU nicht vereinbar sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es ist falsch, wenn man denjenigen in der Union, die Kritik am Verfahren<br />
geübt haben, Antisemitismus unterstellt. Herr Hohmann wurde ausgeschlossen,<br />
um ein deutliches Signal zu geben: Antisemitismus darf in unseren Parteien<br />
und gerade bei deren Vertretern keinen Platz haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edmund</b>:<br />
Was halten sie persönlich von der Hohmann-Affäre. Wie ist die<br />
Stimmung in der Jungen Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU unterstützt den Beschluss der BT-Fraktion. Sicherlich gab<br />
es vielerorts Kritik am Verfahren. Trotzdem war dies die richtige Entscheidung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Guten Tag, Herr Mißfelder. Ich habe nur eine Frage<br />
und hoffe, dass Sie diese beantworten, obwohl sie, zumindest für<br />
die CDU, nicht mehr aktuell ist: Warum sollte ein Bürger die CDU<br />
wählen, obwohl diese immer noch keine klare Stellung zu den Verfehlung<br />
ihres ehemaligen Ehrenvorsitzenden Helmuth Kohl bezogen hat, der einem<br />
Ehrenwort mehr Bedeutung beimisst als seinem Schwur auf das Grundgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aus den Fehlern der Spendenaffäre hat die CDU die Konsequenzen gezogen.<br />
Helmut Kohls Lebenswerk bleibt dadurch aber unangetastet. Ohne ihn hätte<br />
es die Deutsche Einheit nicht gegeben und auch nicht die europäische<br />
Einigung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube, das beantwortet die Frage nicht ganz. Man kann ja auch persönlicher<br />
fragen: Wie stehen Sie zu Helmut Kohl und seinem Vorgehen?<br />
Da kommt die Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Herr Missfelder, es geht nicht um sein Lebenswerk. Das<br />
bleibt unbestritten. Aber was ist mit den Prioritäten, die er gesetzt<br />
hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Wenn nicht mal der CDU-Nachwuchs Kritik an Kohl üben kann, wie lange<br />
soll dieser Kult noch betrieben werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jalu</b>:<br />
Welche Konsequenzen hat die CDU daraus gezogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Dies ist überhaupt kein Thema. Ich habe großen Respekt vor<br />
Helmut Kohl. Ich bin dankbar für Frieden und Freiheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>EDesperados</b>:<br />
Trotzdem hat er gegen das Gesetz gehandelt&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nein, hat er nicht. Die Staatsanwaltschaften haben alle Ermittlungen eingestellt.<br />
Auch politische Gegner Helmut Kohls müssen akzeptieren, dass wir<br />
in einem Rechtstaat leben, der Vorverurteilungen nicht zulässt. Genug<br />
Vergangenheitsbewältigung&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
Du hast ja durchaus Zuspruch für Deine Hüftgelenk-Aussage bekommen.<br />
Würdest Du das noch mal machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>detmar_k</b>:<br />
Herr Mißfelder, hat Sie ihre Äußerung über Hüftgelenke<br />
altern lassen? Sie wurden ja ganz schön in die Mangel genommen&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Mit dem Thema Generationengerechtigkeit ist die JU untrennbar verbunden.<br />
Mir ging es nicht darum, älteren Menschen Angst zu machen, sondern<br />
auf ein Problem in 30 oder 40 Jahren hinzuweisen. Meine Formulierung bedaure<br />
ich. Das Thema bleibt jedoch aktuell.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich würde es nicht so hart formulieren, aber die Frage, wie man Inhalte<br />
vermittelt, bleibt ja:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WORKER</b>:<br />
Können Sie verstehen, dass sich meine Oma von einem 24jährigen<br />
Bübchen nicht so gerne vorschreiben lassen will, ob sie Anspruch<br />
auf ein neues Hüftgelenk hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ihre Oma hat nichts zu befürchten, da ich gerne und auch zu Recht<br />
über meine Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung für<br />
ihre medizinische Versorgung einzahle. Die Frage ist nur: Wer zahlt für<br />
uns, wenn wir mal alt sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zwergi Ö</b>.:<br />
Hallo Philipp! Wie hat die JU Basis den Generationenkrieg verkraftet?<br />
Stehen die JUler noch hinter Dir?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Auf dem Deutschlandtag vor ein paar Wochen gab es große Unterstützung<br />
für den Kurs des JU-Bundesvorstandes. In meiner Amtszeit sind zum<br />
ersten Mal seit 20 Jahren die Mitgliederzahlen der JU gestiegen. Dies<br />
zeigt, dass wir unsere Stellung als größter politischer Jugendverband<br />
Europas ausbauen konnten. Und zwar über ein Sachthema und nicht auf<br />
Kosten anderer Personen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hildegard<br />
Müller</b>: Philipp, warum dringt man nur mit populistischen<br />
Aussagen wie die Hüftgelenk-Nummer an die Öffentlichkeit? Denn<br />
sonst hört man ja nicht so viel von Dir.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nächste Frage, Hildegard.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Matthias Zuerl</b>:<br />
Hallo Philipp, wie stehst du zum Gottesbezug im europäischen Verfassungsvertrag:<br />
ja oder nein? Und warum, wenn ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Zum Gottesbezug ein klares Ja.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Liebe Chatter, leider<br />
müssen wir den Chat wegen technischer Probleme fünf Minuten<br />
vor der Zeit beenden. Herr Mißfelder hätte gerne noch diese<br />
und andere Fragen ausführlicher beantwortet. Herzlichen Dank, Herr<br />
Mißfelder, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Tag!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschland sollte endlich eine gesteuerte und gezielte Einwanderung bekommen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuchstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte 
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im<br />
ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Marieluise Beck, die<br />
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und<br />
Integration. Können wir loslegen, Frau Beck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Beck, im Vermittlungsausschuss wird derzeit zwischen Union und Rot-Grün<br />
über das Zuwanderungsgesetz verhandelt. Ihre Parteichefin Angelika<br />
Beer hat gefordert: &quot;die wesentlichen Bestandteile&quot; des rot-grünen<br />
Gesetzentwurfes müssten erhalten bleiben, sonst werde das ganze Vorhaben<br />
platzen. Sehen Sie das auch so und wo ist die Grenze für Sie, hinter<br />
die man nicht zurückfallen darf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die Grenze wird grob dort markiert, wo es eine Verschärfung<br />
und Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Ausländerrecht gäbe.<br />
Allerdings, muss man sich in Erinnerung rufen, weshalb dieses neue Gesetz<br />
überhaupt gemacht wurde. Deutschland sollte endlich eine gesteuerte<br />
und gezielte Einwanderung bekommen, damit wir den Herausforderungen einer<br />
modernen Gesellschaft gewachsen sind. Wer fordert den Anwerbestop aufrechtzuerhalten,<br />
negiert den eigentlichen Impuls für dieses Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>soso</b>:<br />
Die Debatte im Bundesrat zum Einwanderungsgesetz war peinlich für<br />
die Politik und der Sache schädlich. Wie haben sie sich dabei gefühlt<br />
und was denken sie in der Sache darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck:</b> Ich habe als Zuschauerin dem Drama im Bundesrat beigewohnt.<br />
Als &quot;Ausländerbeauftragte&quot; bin ich sehr wohl vertraut damit,<br />
dass gerade Ausländerthemen immer wieder als Folie herhalten müssen<br />
für politische Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um Machtfragen<br />
geht. Das finde ich sehr bedauerlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
Wie will man Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten herstellen,<br />
wenn Politik und Gesellschaft diese nach wie vor als unbeliebte aber für<br />
den Bedarfsfall nützliche Humanressource betrachten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie treffen den Kern des Problems mit ihrer Einschätzung.<br />
Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration nur gelingen kann,<br />
wenn wir den Migrantinnen und Migranten echte Angebote machen, zu unserer<br />
Gesellschaft dazuzugehören. Das bedeutet vor allem, Chancen zu eröffnen<br />
in Bildung und Ausbildung, in Zugängen zu gesellschaftlichen Institutionen<br />
und mit einer Haltung, die gleichzeitig kulturelles und religiöses<br />
Anderssein respektiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kerner</b>:<br />
Aber wollen Ausländer dazu gehören? Sie schotten sich doch ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Das halte ich für ein gut gepflegtes Vorurteil, das<br />
bedauerlicherweise oft von jenen geäußert wird, die den Einwanderern<br />
nicht wirklich die Türen in unserer Gesellschaft öffnen wollen.<br />
Nach meinen Erfahrungen überschätzen wir als Aufnahmegesellschaft,<br />
wie viele kleine Demütigungen, Kränkungen und Zurückweisungserfahrungen<br />
es für viele Migrantinnen in unserer Gesellschaft gibt und damit<br />
produzieren wir zum Teil den Rückzug, den wir dann beklagen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard.jpg" alt="Marieluise Beck" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Migros</b>:<br />
Heißt integrieren Deutsch-werden? Und wie werde ich deutsch? Wo<br />
fängt das an und wo hört das auf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Chapeau. Es gibt nicht den Ausländer und es gibt nicht<br />
den Otto-Normaldeutschen, der als Maßstab für vollzogene Integration<br />
herhalten könnte. Moderne Gesellschaften sind pluralistisch, das<br />
heißt es gibt lesbische, heterosexuelle, asiatisch aussehende, schwarze,<br />
jüdische, christliche, atheistische, muslimische, buddhistische Menschen,<br />
jeweils unter den Deutschen und auch unter den Migranten. Gemeinsam Basis<br />
für das Deutschsein sind die Grundwerte der Verfassung und die Rechtsordnung.<br />
Kulturelle und religiöse Differenz, sind von den klugen Verfassungsvätern<br />
und -Müttern explizit geschützt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Veronika</b>:<br />
Wie können Sie als Ausländerbeauftragte überhaupt Einfluss<br />
nehmen auf die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
Ausländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die schärfste Waffe der Migrationsbeauftragten ist<br />
das Wort. Wie ich höre, hat auch der Bundespräsident keine anderen<br />
Instrumente in der Hand oder im Mund. Es geht immer um Aufklärung,<br />
Ausleuchten des Fremden und Unbekannten, Dialog, sich Kennenlernen, Einschätzen<br />
können, was das Fremde oder die Fremden mitbringen oder durch ihre<br />
Symbole vermitteln wollen. Kurz gesagt, es gibt keine Alternative zu einer<br />
aufklärenden Debatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zum &quot;Deutschsein&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pauöli</b>:<br />
Aber jede Gesellschaft und jeder Staat muss doch klare Grenzen haben,<br />
sonst macht das Staatsbürgerrecht ja keinen Sinn mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie haben vollkommen Recht. Es geht mit der Staatsbürgerschaft<br />
um die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die Eintrittsbedingungen in<br />
eine Nation sind klar definiert, sei es durch Geburt oder bei den Einbürgerungen<br />
durch Aufenthaltszeiten, Sprachkenntnisse und die Sicherung des eigenen<br />
Lebensunterhaltes plus die Anerkennung der Verfassungswerte und des Rechtsstaates<br />
als gemeinsame Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Nation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UmsÖ</b>:<br />
Die Franzosen sind ganz &quot;natürlich&quot; stolz auf ihr Land.<br />
Sollten die Deutschen das auch sein und entspannter damit umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Angesichts der unfassbaren Ereignisse, die durch den deutschen<br />
Faschismus in die Welt getragen worden sind, fällt es schwer, umstandslos<br />
stolz auf dieses Land und damit seine Geschichte zu sein. Anders als in<br />
Frankreich mit seiner republikanischen Tradition und einem unbefangenen<br />
Patriotismus ist nach der deutschen Geschichte das Verhältnis zur<br />
Nation gebrochener. Es geht in Deutschland immer darum, die dunklen und<br />
die hellen Seiten der eigenen Geschichte gemeinsam auszuleuchten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare zu Staatsbürgerschaft und Deutsch-Sein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student nl</b>:<br />
Ich sehe es nicht mehr wirklich ein, den Kopf einzuziehen, denn ich meine,<br />
ein Deutscher kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Geschichte umgeht,<br />
anders als die Japaner z.B., deren Präsident das Grab eines Kriegsverbrechers<br />
ehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
apropos Deutsch-Sein: Teile unserer Gesellschaft sollten es akzeptieren,<br />
dass der Gedanke vom Deutsch-Sein aufgrund der Abstammung in die Geschichte<br />
gehört. Für eine überfällige Errungenschaft des Staatsbürgerschaftsgesetztes<br />
halte ich die Tatsache, dass deutsche Staatsbürgerschaft nun aufgrund<br />
des Jus Soli erreicht werden kann. Der Gedanke vom &quot;deutschen Blut&quot;<br />
gehört endgültig aufs Abstellgleis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Zu student nl: Es geht bei der Haltung gegenüber Deutschland<br />
nicht um individuelle Schuldgefühle, die eine zweite und dritte Nachkriegsgeneration<br />
zu Recht zurückweist. Es geht allerdings dennoch, um ein historisches<br />
Bewusstsein, dass die Nation, zu der wir als Bürgerinnen und Bürger<br />
gehören, eine Geschichte hat, die wir nicht negieren können,<br />
und die gleichzeitig auch Verpflichtungen für unsere Haltung und<br />
Handlungen, jetzt, bedeuten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kommentar<br />
zu Gunnar</b>. Sie haben ja Recht. Das Absurde in Deutschland war,<br />
dass bis zur Staatsbürgerschaftsrechtsreform im Jahr 2000 Ausländer<br />
in deutschen Kreissälen geboren wurden. Rein statistisch wäre<br />
die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich niedriger, wenn wir<br />
wie andere republikanische Staaten das Jus Soli (Geburtsrecht) früher<br />
eingeführt und Einbürgerungen erleichtert hätten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur folgenden Frage: Haben Sie da Erfahrungen, vielleicht im Austausch<br />
mit den Ausländerbeauftragten anderer Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pontek</b>:<br />
Wieso haben andere Staaten denn nicht dieses Problem, so haben sich die<br />
Kolonialmächte in ihrer Blütezeit auch nicht gerade mit Ruhm<br />
bekleckert. Gewiss ist die deutsche Schuld eine besondere, aber gerade<br />
in Sachen Rassismus ist bspw. die USA (Sklavenhandel etc.) auch nicht<br />
gerade ein Vorbild, aber mit Patriotismus hat dort keiner Probleme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Um diese schwierige Frage zu beantworten, muss man vermutlich<br />
etwas tiefer in die deutsche Geschichte und in die Frage der Nationenbildung<br />
einsteigen. Die USA und Frankreich &#8211; deren Nationenbildung fand eindeutig<br />
auf der Basis von allgemeinen Bürgerrechten statt und machte damit<br />
ein Angebot an alle Bürger, sich mit dem eigenen &quot;Vaterland&quot;<br />
zu identifizieren &#8211; während zeitgleich im mitteleuropäischen<br />
Raum, der jetzt Deutschland ist, noch viele Kleinstaaten plus das Königsreich<br />
Preußen und das Kaiserreich Österreich existierten. Deutschland<br />
verstand sich deswegen lange Zeit als Kulturnation, zusammengehalten durch<br />
Sprache und Kultur, und der positive Rückgriff auf allgemeine Werte,<br />
wie die Bürgerrechte fand nicht statt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Halstuch</b>:<br />
In Berlin werden Kopftücher für Lehrerinnen nicht verboten,<br />
lese ich. In Baden-Württemberg wird eifrig an einem Gesetz gearbeitet.<br />
Diese Uneinheitlichkeit ist verwirrend und verunsichert. Sollten sie da<br />
nicht ein Machtwort sprechen?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich kann ihnen nur zustimmen. Ich finde auch, dass man<br />
politische Entscheidungen viel öfter mir übertragen sollte,<br />
dann hätten wir nicht so ein Durcheinander im Föderalismus.<br />
😉 </p>
<p>
Angesichts der Tatsache, dass die Schulpolitik in die Hoheit der Länder<br />
fällt und es sich bei der Kopftuchfrage um eine schulische Angelegenheit<br />
handelt, können in den Ländern unterschiedliche Gesetze gemacht<br />
werden. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die<br />
Grundlagen für eine solche Gesetzgebung deutlich markiert: wenn man<br />
sich entscheidet, die Institution Schule säkular werden zu lassen,<br />
das heißt religiöse Symbole und Inhalte aus dem Ort Schule<br />
verbannt, dann muss das alle Religionen in gleichem Maße treffen.<br />
Die Alternative ist das Zulassen von Vielfalt. Grenzen bestehen dort,<br />
wo religiös-politisch missioniert wird. Ich gehe davon aus, dass<br />
der Versuch der Kultusministerin Schavan, diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts<br />
zu umgehen und die christlich, jüdischen Symbole als &quot;normal&quot;,<br />
die islamischen als nicht-zugehörig, zu definieren, verfassungsrechtlich<br />
nicht standhalten wird.
</p>
<p></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wo endet die Gleichheit der Kulturen? Warum soll die christliche Kultur,<br />
die die deutsche Nation Jahrhunderte lang prägte und ja immer noch<br />
gelebt wird, nicht vorrangig vermittelt werden?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Wir haben in Deutschland eine sehr dramatische Erfahrung,<br />
wie über den Ausschluss einer Religion, nämlich der jüdischen,<br />
die dann sogar zu der künstlichen Definition einer Ethnie umgedeutet<br />
wurde, zunächst zu harten Diskriminierungen und dann zur Ausmerzung<br />
führte. Die Gleichheit der Religionen, die die Verfassungsväter-<br />
und mütter ins Grundgesetz geschrieben haben, ist eine historische<br />
Konsequenz aus diesem Teil der deutschen Geschichte. Das bedeutet jedoch<br />
nicht, dass wir eine christlich- abendländische Prägung, die<br />
wir zweifellos haben, verstecken sollten.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Magenta</b>:<br />
Wie reagieren Schüler auf das Kopftuch? Gibt es dazu Untersuchungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Anders als die aufgeregte politische Debatte, sind in den<br />
Orten, wo es kopftuchtragende Lehrerinnen gibt, Schülerinnen und<br />
Schüler und auch Eltern deutlich gelassener mit dieser Frage umgegangen,<br />
als die ideologischen Vorturner. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren<br />
kopftuchtragende Lehrerinnen und es sind keinerlei Konflikte aus diesen<br />
Schulen bekannt geworden. Es gab sogar Protestaktionen von Schülern,<br />
Schülerinnen und Eltern, nachdem einer kopftuchtragenden Referendarin<br />
die Weiterbeschäftigung untersagt wurde, weil sie ihre Lehrerin wiederhaben<br />
wollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilhelms</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Beck, auch auf die Gefahr hin, dass Sie schon mal auf<br />
eine ähnliche Frage geantwortet haben: Wie wollen Sie mit dem Problem<br />
umgehen, dass die islamische Religion &#8211; in ihrer Entwicklung 600 Jahre<br />
rückständig &#8211; auf eine radikale Missionierung der christlich-jüdischen<br />
Welt aus ist? Ähnlich wie die Kreuzfahrer üben sich auch die<br />
heutigen radikalen Moslems nicht in Toleranz und gefährden unsere<br />
innere Sicherheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt nicht die Christen und nicht die Moslems. Es gibt<br />
in der Tat höchst alarmierenden politischen Extremismus, der meint<br />
sich vom Islam ableiten zu können, sowohl in fundamentalistischen<br />
Staaten, wie Afghanistan unter den Taliban, Iran unter den Mullahs und<br />
zum Beispiel der Norden Nigerias. Doch ebenso wie das Christentum sich<br />
einen kulturellen Wandel nicht entziehen konnte, gibt es auch einen Islam,<br />
der die universellen Menschenrechte anerkennt, und damit auch demokratische<br />
und Gleichheitsgrundsätze. Wenn wir diese Ausdifferenzierung des<br />
Islam nicht wahrzunehmen bereit sind, verlieren wir jede Chance auf Dialog.<br />
Die Friedensnobelpreisträgerin dieses Jahres ist eine Muslime aus<br />
dem Iran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>matze3</b>:<br />
Ich habe einen Bericht über die steigende Kriminalität bei russischen<br />
Aussiedlern gesehen. Dort scheint es ein zunehmendes Integrations-Problem<br />
zu geben. Wie wollen Sie diese Bevölkerungsgruppe stärker integrieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt leider keinen Instrumentenbaukasten &quot;Integration&quot;,<br />
wie den Arztkoffer. Trotz Sprachkursangeboten und Qualifikationsangeboten<br />
durch die Bundesanstalt für Arbeit, gibt es in der Tat viele Konflikte<br />
vor Ort mit Spätaussiedlern, die zu zunehmenden Anteilen mitreisende<br />
russische Familienmitglieder sind. Ich gehe davon aus, dass es keine Alternative<br />
zu dem sehr mühseligen Weg gibt, auch für diese Zugewanderten<br />
möglichst viele gesellschaftliche Chancen zu eröffnen, das heißt<br />
Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen, damit sie selber<br />
einen integrierten Weg durch die deutsche Gesellschaft für lohnenswert<br />
erhalten, als einen desintegrierten, der Kriminalität, formal Drogenabhängigkeit<br />
und Gewalttätigkeit, bedeutet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
In vielen Städten ist eine Gettoisierung von einzelnen Stadtvierteln<br />
bereits Fakt. Duisburg-Marxloh oder das Rollberg-Viertel in Berlin-Neukölln<br />
&#8211; dort wohnen auch viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion.<br />
Der Berliner &quot;Tagesspiegel&quot; sprach gestern von &quot;no-go-areas&quot;.<br />
Die Politik sei hilflos, heißt es. Ist die Gettoisierung noch rückgängig<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich selber verwende den Begriff des Gettos nicht, weil<br />
er historisch klar definiert ist, als auch räumlich abgeschlossen.<br />
Ich halte es für treffender, von ethnischen Communities zu sprechen,<br />
deren Entstehung überall auf der Welt mit Migration verbunden ist.<br />
Man denke an Chinatown in New York oder das Holländische Viertel<br />
in Potsdam. Problematisch werden diese Communities dann, wenn sie sozial<br />
zerfallen, über extrem hohe Arbeitslosigkeit, miserable städtebauliche<br />
Verhältnisse, Unterbeschäftigung von Jugendlichen, Perspektivlosigkeit<br />
und fehlenden sozialintegrativen Angeboten. Insofern handelt es sich bei<br />
den Problemen, in den von Ihnen genannten Vierteln zumeist, neben den<br />
ethnischen Problemen, immer auch um soziale Probleme. Das konnte man übrigens<br />
in England, bei den gewalttätigen Revolten von jungen Migranten,<br />
deutlich lernen. Bei einer solchen Zusammenballung von Problemen, gibt<br />
es keine Alternative, als auch in diesen Räumen, Perspektiven auf<br />
Chancen der Teilhabe entgegenzusetzen durch Investitionen in Bildung,<br />
Anschluss zum Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman991</b>:<br />
Was sagen Sie zu der Angst Vieler, dass gerade in der heutigen Krisenzeit<br />
hohe Zuwanderung die Deutschen Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt<br />
vergrößert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Generell ist ökonomisch belegt, dass wir bisher durch<br />
die Zuwanderung wirtschaftlich profitiert haben. Sowohl in den Unternehmen<br />
als auch in den Sozialversicherungssystemen. Zuwanderung von Menschen,<br />
die auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance bekommen, ist in der Tat<br />
ein Problem. Nicht nur weil der Arbeitsmarkt ein zentraler Ort von Integration<br />
ist, sondern weil sonst auch Kosten entstehen. Wir wissen aber, dass es<br />
namhafte Bereiche auf dem Arbeitsmarkt gibt, die von deutschen Arbeitnehmern<br />
nicht mehr angenommen werden. Dazu gehören Pflege, Gastronomie, Haushalt.<br />
Gleichzeitig haben wir auch im hochqualifizierten Bereich Segmente des<br />
Arbeitsmarktes, bei dem gutqualifizierte Menschen fehlen und deren Nichtvorhandensein<br />
Arbeitsplätze kostet. So wissen wir inzwischen, dass jeder eingereiste<br />
IT- Fachmensch, drei Arbeitsplätze in Deutschland nach sich gezogen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hopi</b>:<br />
Wie lange muss ich mich in einem geeinten Europa noch entscheiden, ob<br />
ich Deutsche ODER Italienerin sein will &#8211; wann wird die doppelte oder<br />
die europäische Staatsbürgerschaft verwirklicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ist für Deutsche und Italiener bereits der Fall &#8211;<br />
seit einem Jahr.<br />
Innerhalb der EU gibt es eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit bei der<br />
Hinnahme von Doppelstaatsbürgerschaft.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat- und Politik- Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Frau Beck, dass Sie sich<br />
die Stunde Zeit genommen haben (es ist sogar etwas mehr geworden). Das<br />
Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.</span></p>
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