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	<title>Kurzmitteilung &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>“Digital First ist unser Prinzip ” – Matthias Storath im Gespräch</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Aug 2017 12:58:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wie funktioniert eigentlich politisches Marketing? Und welche Rolle spielen soziale Medien in einer Zeit, in der Wähler vermehrt auf digitalem [&#8230;]]]></description>
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<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/fdp-artikelbild.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-152941" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/fdp-artikelbild.png" alt="fdp artikelbild" width="640" height="280" /></a>Wie funktioniert eigentlich politisches Marketing? Und welche Rolle spielen soziale Medien in einer Zeit, in der Wähler vermehrt auf digitalem Wege erreichbar sind? Wir haben mit Matthias Storath, Geschäftsführer Kreation der Berliner Werbeagentur Heimat über die Veränderungen der politischen Kommunikation, kluge Strategien und die vermeintliche Inhaltslosigkeit der FDP-Kampagne gesprochen.</p>
<p>Terrorgefahr, Rentenreform, Digitalisierung. Der Bundestagswahlkampf ist in vollem Gange. Neben der Vorstellung der Parteiprogramme haben in den letzten Monaten auch immer wieder verschiedene Formate der FDP-Parteiwerbung mediale Aufmerksamkeit erregt. Neue Farbe, Hashtags und ungewöhnliche Werbeaktionen. Besonders der starke Fokus auf Parteichef Christian Lindner wurde von der politischen Konkurrenz häufig kritisiert. Nichtsdestotrotz: Gerade in den sozialen Medien verbreiteten sich die Clips, die Lindner etwa im Gespräch mit dem Sprachassistenten Alexa zeigen oder seinen Arbeitsalltag dokumentieren, schnell viral. Hierfür hauptverantwortlich ist die Berliner Werbeagentur Heimat, die sonst eher im Bereich der klassischen Unternehmenskommunikation angesiedelt ist und Kampagnen für große Unternehmen wie Hornbach, Otto oder Coca-Cola entwirft. Im Gespräch mit politik-digital erklärt Geschäftsführer Matthias Storath das Prinzip politischer Werbung, was viele Parteien falsch machen und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt.</p>
<h3>Herr Storath, Ihre Agentur ist nun seit 18 Jahren im Marketing-Bereich tätig, viele große Unternehmen zählen zu Ihren Kunden. Gibt es grundsätzliche Unterschiede bei der Herangehensweise an Parteiwerbung?</h3>
<p>Normalerweise ist Parteikommunikation stark vom Wahlkampf geprägt. Das ist Vertrieb und Abverkauf: Sechs Wochen vor der Wahl wird eine Kampagne gestartet, die im Prinzip wie eine Rabattaktion beim Elektro-Großmarkt funktioniert. Dann heißt es plötzlich: Leute, kommt zu uns und wählt uns, dann bekommt ihr das da. Das ist nicht unser Ansatz. Wir behandeln eine Partei wie eine Marke, die langfristig aufgebaut wird. Das ist eine Arbeit über mehrere Jahre.</p>
<p>Und auch in der Herangehensweise anders: Wir wollen immer eine Wahrheit im politischen Produkt finden und die kommunizieren. Das ist im Zeitalter der „alternativen Fakten“ wichtiger denn je. Die Wahrheit, das sind nicht alleine die Inhalte, sondern eben wie eine Partei denkt: reaktionär, konservativ, progressiv.</p>
<p>Beispiel: Die Freien Demokraten sind sicher progressiver in vielen Dingen als andere Parteien. Das kann man jetzt so auf das Plakat schreiben, aber besser ist, wenn man es erleben lässt. Zum Beispiel indem man eine neue Farbe ins starre Farbsystem der Parteien einführt: Pink. Das ist natürlich fast ein Skandal und jeder spricht darüber.</p>
<p>Aber die Freien Demokraten haben eben damit bewiesen, dass sie eben auch wenn es um ihr Corporate Design geht mal anders denken als die anderen Parteien.</p>
<h3>Sie haben davon gesprochen, dass die Vermittlung einer bestimmten Stimmung in der Werbung eine wichtige Rolle spielt. Wird der Aspekt des Emotionalen in der politischen Kommunikation häufig unterschätzt?</h3>
<p>Im Kern geht es darum die Wahrheit im politischen Produkt zu finden und die dann nach außen zu tragen. Wenn Spitzenkandidat und Programm die gute alte Zeit beschwören, dann können sie keine progressive Kampagne machen. Das ist unglaubwürdig. Die Wahrheit heißt aber eben auch nicht, dass man die Punkte aus dem Wahlprogramm 1:1 in Social Media bringt. Das würde eben auch nicht dem Gesamtkonzept der Partei gerecht werden. Es geht vielmehr darum, die Menschen über entsprechende Maßnahmen wieder dazu zu bewegen, sich näher mit den inhaltlichen Positionen einer Partei auseinanderzusetzen.</p>
<p>Das ist meistens nicht so einfach, weil wir ja fast alle Parteien seit Jahrzehnten kennen und eine relativ klare Meinung haben wofür sie grundsätzlich stehen.</p>
<h3>Heimat hat schon zu Beginn der 2000er für politische Parteien Wahlkampagnen entworfen. Welche Veränderungen im politischen Marketing haben sich durch die Digitalisierung ergeben?</h3>
<p>Die Digitalisierung hat vieles radikal verändert, die politische Kommunikation hat sich in Deutschland nur teilweise geändert. Das ist vielleicht auch ein Spiegel der tatsächlichen Politik, die beim Thema Digitalisierung zögerlicher agiert als andere Länder.</p>
<p>Trotzdem ist es heute selbstverständlich, dass ein Politiker auf Facebook, Twitter und Instagram aktiv ist. Profitiert haben davon aber vor allem extreme Haltungen. Weil diese Personen sowohl von ihren Unterstützern, wie auch ihren Gegnern profitieren. Das klingt zunächst absurd. Aber eben gerade Menschen die sich über etwas empören, geben dem Gegenstand ihrer Empörung Aufmerksamkeit. Und das wirkt in sozialen Medien noch viel stärker. Weil ich relativ direkt den Grund der Empörung mitposten kann. Das kann ein Video, ein Tweet oder ein ganzer Artikel sein. Und so irrsinnig das klingt, die Gegner dieser extremen Positionen schenken ihre Social Media Power ihrem Feind.</p>
<p>Vernünftige Positionen haben es da viel schwieriger Reichweite und Awareness zu erzeugen. Wir müssen deshalb viel kreativer werden.</p>
<h3>Können Parteien der Mitte von der Social Media-Verwendung der Rechts- oder Linkspopulisten etwas lernen?</h3>
<p>Nein. Denn es sind ja in erster Linie die extremen Inhalte, die Awareness erzeugen. Ich kann ja nicht mein Programm, das ich für das Richtige halte, verändern, nur um meine Reichweite zu verbessern. Das wäre dann tatsächlich Populismus, aber man muss das, wofür man steht, überraschender kommunizieren, als es im Moment oft getan wird.</p>
<p>Wir konnten aber vor allem in der letzten Zeit lernen, wie man digital nicht mit extremen Haltungen umgeht. Bestes Beispiel ist hier der Clinton-Wahlkampf: Da gab es zum Beispiel ein Online-Tool „Trump yourself“, das Daten von potentiellen Hillary-Sympathisanten sammeln sollte. Konkret konnte man gegen Angabe seiner Daten sein Facebook-Profilbild mit einer Beleidigung und einem Foto von Donald Trump versehen. „Total Lightweight. So sad.“ Das war lustig. Aber auch völlig wirr gedacht, weil man ja seinem Gegner dadurch kostenlos Awareness verschafft hat.</p>
<p>Wer Social Media nutzt, um Gegner zu diffamieren oder Angst vor ihm zu schüren, rückt ihn letztendlich noch mehr in den Mittelpunkt. Das ist jedoch besonders bei Populisten gefährlich, die genau davon leben.</p>
<h3>Viele werfen Ihnen vor, die Werbestrategie der FDP inhaltslos zu gestalten und stattdessen den Parteivorsitzenden Lindner als Alleinvertreter zu inszenieren. Was sagen Sie dazu?</h3>
<p>Das ist Unsinn, aber psychologisch nachvollziehbar. Der Mensch ist nicht dafür ausgelegt, dass er sein Weltbild ständig in Frage stellt. Sonst könnte er gar nicht überleben. Deshalb suchen wir in allem, was wir sehen, die Bestätigung unseres Denkens. Wahrscheinlich hat sich auch irgendwann der Eindruck verfestigt, dass es bei den Freien Demokraten immer nur um die Person Lindner geht. Mit Fakten hat das wenig zu tun.</p>
<p>Beispiel: Bei der Vorstellung der Bundestagswahl-Plakate wurde als erstes Motiv eine 1:1 Abbildung des Wahlprogramms vorgestellt. In der Berichterstattung wurde aber überhaupt nicht darüber gesprochen und nur über die Lindner-Motive gesprochen.</p>
<p>Anderes Beispiel: Schauen sie sich mal alte Wahlfilme von Angela Merkel oder Gerhard Schröder aus den letzten Wahlen an. Von der ersten bis zur letzten Minute Merkel, Merkel und nochmal Merkel. Häufig begleitet von Floskeln und vagen Begrifflichkeiten.</p>
<p>Wenn sie das neben unseren Film für Christian Lindner halten, dann wirkt das ja in Sachen Personenvermarkung geradezu schüchtern. Und der Film enthält sogar 6 konkrete inhaltliche Punkte der Freien Demokraten. So etwas ist ja fast schon skandalös in der politischen Kommunikation.</p>
<p>Trotzdem wird nicht über die Inhalte gesprochen. Die Reaktion auf unser Video war “Lindner macht Wahlkampf im Unterhemd”. Dabei hat es sich hier um ein Sportshirt gehandelt. (lacht) Man hat eines von 100 Bildern aus dem Film herausgenommen, das sicher nicht repräsentativ aber plakativ war. Auch das ist psychologisch nachvollziehbar. Abgesehen davon ist die Verdichtung auf eine Person natürlich sehr wichtig. Aber es nützt nichts ein Image aufzubauen. Gerade in Social Media ist jede aufgesetzte Inszenierung vernichtend. Sie müssen das Echte in der Person finden und das kommunizieren.</p>
<p>Im NRW Wahlkampf haben wir zum Beispiel Christian Lindner über Monate hinweg von einem Reportage-Photographen begleiten lassen, anstatt ein klassisches Werbeshooting zu machen &#8211; ungefiltered, ungephotoshopped &#8211; teilweise mit metertiefen Augenringen.Die daraus entstandenen Aufnahmen wurden dann unter anderem für einen Film verwendet, der Lindners Alltag zeigt. Gezeigt wurde nicht der perfekte Politiker, sondern einen Menschen, der auch gegen die Mehrheitsmeinung bestimmte Standpunkte vertritt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Matthias-Storath_Potrait_Interview1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152582 " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Matthias-Storath_Potrait_Interview1.jpg" alt="" width="155" height="148" /><br />
</a>Matthias Storath, 40 ist Geschäftsführer Kreation bei HEIMAT, Berlin. Er arbeitete u.a. für Marken wie IKEA, Hornbach, Pampers, Deutsche Bahn, Audi, Playstation, ASICS, Freie Demokraten und Coca-Cola. Matthias kreierte einige der meist besprochenen Kampagnen Deutschlands wie „Mach es zu Deinem Projekt“ (Hornbach), „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ (Media Markt) oder „German Mut“ (Freie Demokraten). Matthias gewann zahlreiche Preise unter anderem einen Goldenen Löwen in Cannes.</div></div>
<h3>Über Social Media werden hauptsächlich diejenigen erreicht, deren Alltag längst digital ist. Wie groß ist die Bedeutung von Online-Wahlkämpfen, auch mit Blick auf die demographische Entwicklung, in Deutschland wirklich?</h3>
<p>Wir arbeiten nach dem Prinzip „Digital First“. Das heißt aber eben auch, dass es ein „Second“, „Third“ usw. geht. Die meisten anderen Digitalagenturen machen eben „Digital only“.</p>
<p>Konkretes Beispiel: Die NRW Kampagne. Die Wahrheit im Produkt war klar: Christian Lindner ist ein Spitzenkandidat, der wirklich extrem hart arbeitet. Also haben wir beschlossen, das zu dokumentieren. Aus den 14.000 Fotos haben wir dann einige in Social Media veröffentlicht. Als Fotos aber auch als Film. Aber die Fotos haben wir dann eben auch für die Plakate verwendet, die Broschüren und für den TV und Kinofilm. Die Kampagne hat also nicht in Social Media aufgehört.</p>
<h3>Ein großer digitaler Trend im Zusammenhang mit Marketing ist die nutzerspezifische Werbung, auch Targeting genannt. Ein Beispiel hierfür sind “Dark Posts”, also gesponsorte Anzeigen, die nur ausgewählten Zielgruppen erscheinen. Im Bereich der politischen Kommunikation wird dieses Vorgehen ethisch kontrovers diskutiert. Wie ist Ihre Meinung dazu?</h3>
<p>Apple verkauft Smartphones, Tablets und Notebooks. Wenn dann jemand zu ihnen kommt und einen Notebook sucht, würden sie nicht über ein Smartphone mit ihm sprechen. Wenn Sie das auf die Politik übertragen, dann ist das relativ einfach, dass Sie mit jemanden, der sich für Digitalisierung interessiert, auch über dieses Thema sprechen. „Dark Posts“ klingt seltsam, ist aber ganz klassischer Vertrieb.</p>
<h3>Eine Frage zum Abschluss: Wir haben viel über die unterschiedlichen Formen und Instrumente der politischen Kommunikation gesprochen. Wo geht der Weg ihrer Ansicht nach in den nächsten Jahren hin?</h3>
<p>Das ist immer stark von der politischen Lage selbst abhängig. Wenn man wie aktuell merkt, dass radikale politische Kräfte überhandnehmen, dann sind die Parteien der Mitte eher bereit, kreative Lösungen finden und neue Wege gehen, um dem entgegenzuwirken. Das betrifft momentan besonders die digitalen Maßnahmen bei vielen Parteien. Wenn alles seinen normalen Gang geht, verschwindet in der Regel auch die Bereitschaft zur Innovation. Dann heißt es schnell: Bald ist Wahl, welchen Spruch bringen wir denn jetzt aufs Plakat?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielen Dank für das Gespräch, Herr Storath!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Das Interview führte Daniel Krüger.</em></p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/users/kschneider2991-4936815/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kschneider2991</a> via <a href="https://pixabay.com/de/ballon-fdp-gelb-magenta-bunt-2333925/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, <a href="https://pixabay.com/de/users/Digitalpfade-5169674/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalpfade</a> via <a href="https://pixabay.com/de/smartphone-app-facebook-2271722/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>// <a href="https://pixabay.com/de/service/terms/#usage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a>, Eigene Bearbeitung</p>
</div>
</div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Projekt Datenspende &#8211; Wie arbeitet Google?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jul 2017 11:27:54 +0000</pubDate>
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</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Crowdsourcing-Projekt “Datenspende” startet diesen Donnerstag und funktioniert über ein extra entwickeltes Tool, dass sich Nutzer als Plug-In für ihren Browser installieren können. Alle vier Stunden sucht es dann nach einer vorgefertigten Liste von rund 15 Parteinamen und Politikern. Hierzu gehören etwa SPD und CSU, aber auch Angela Merkel oder Christian Lindner. Das ganze funktioniert automatisch &#8211; vorausgesetzt, der Rechner ist am Strom und der Browser eingeschaltet.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Ergebnisse werden zunächst in einer Datenbank gespeichert und schließlich für jedermann zugänglich gemacht. Sie stehen im Anschluss auch für die eigene Auswertung zur Verfügung. Ziel des Ganzen: Herauszufinden, wie Google persönliche Nutzerpräferenzen für die Optimierung der Suchmaschinen nutzt &#8211; und welche Themen im Rahmen der Bundestagswahl Hochkonjunktur haben. Wer teilnehmen möchte, kann sich </span><a href="https://datenspende.algorithmwatch.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="font-weight: 400;">hier informieren und das Tool downloaden</span></a><span style="font-weight: 400;">.  </span></p>
<p>Titelbild: By <a href="https://pixabay.com/de/users/422737-422737/">422737</a> on <a href="https://pixabay.com/de/google-www-online-suche-suche-485611/">Pixabay</a>, CCO Public Domain</p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-2"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<title>“Normen und Werte im digitalen Wandel erhalten” &#8211; Prof. Dr. Jeanette Hofmann im Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Jun 2017 09:37:04 +0000</pubDate>
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</div><div class="uncode_text_column" ></p>
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<p>Ende Mai wurde bekannt gegeben, dass das von der Bundesregierung geplante “Deutsche Internet-Institut” künftig in Berlin seinen Sitz hat. Bei der Ausschreibung gewann das Berlin-Brandenburg-Konsortium, bestehend aus den vier Berliner Universitäten, der Universität Potsdam und dem Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Den Verbund koordinierte das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Wir haben mit Projektleiterin Prof. Dr. Jeanette Hofmann über die Ziele des Instituts und die Rolle der Gesellschaft im Digitalisierungsprozess gesprochen.</p>
<p><b>Frau Hofmann, was war die Motivation für die Mitglieder des Konsortiums, sich mit einer eigenen Forschungsagenda für die Gestaltung des neuen Internet-Instituts zu bewerben?</b></p>
<p>Jede der teilnehmenden Institutionen betreibt Internetforschung auf seine eigene Art und Weise. Diese unterschiedlichen Felder durch interdisziplinäre Zusammenarbeit zu bündeln, ist ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung kaum möglich. Das Einreichen einer gemeinsamen Bewerbung erschien logisch, denn eine solche Gelegenheit auf Förderung der Internetforschung sollte meiner Ansicht nach auf jeden Fall genutzt werden.</p>
<p><b>Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit dem Aufbau des Instituts und dessen interdisziplinären Fokus?</b></p>
<p>Die Ausschreibung war recht spezifisch. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung hat sehr viele Themenkomplexe bereits vorgegeben. Die weiteren Forschungsthemen des Konsortiums orientieren sich daran und fungieren als inhaltliche Erweiterung. Der thematische rote Faden der Forschungsagenda wird generell von der Frage nach der Zukunft der “individuellen” und der “kollektiven Selbstbestimmung” bestimmt. Hierbei geht es sowohl um den demokratischen Charakter der Digitalisierung als auch die Autonomie des Einzelnen und der Gemeinschaft innerhalb dieses Prozesses.</p>
<p><b>Jetzt steht das Projekt “Internet-Institut” noch relativ am Anfang. Gibt es bereits Pläne, wie der Prozess auf der organisatorischen Ebene stattfinden wird?</b></p>
<p>Wir sind vorrangig ein Forschungsinstitut. Es werden circa 20 Forschungsgruppen eingerichtet, deren Leitung Postdocs übernehmen. Diese wiederum beschäftigen Doktoranden, die ihrerseits von studentischen Hilfskräften unterstützt werden. Zusammengehalten und weiterentwickelt wird das Forschungsprogramm durch die Direktoren in Zusammenarbeit mit den Principle Investigators (PIs). Die Gruppe der PIs besteht im Kern aus denjenigen, die den Antrag für das Internet-Institut entwickelt haben. Im Laufe der Zeit werden noch weitere PIs eingebunden.</p>
<p><b>Das Internet-Institut wurde ja besonders in den letzten Wochen häufig als deutsches “Leuchtturmprojekt” der internationalen Digitalisierung bezeichnet. Wo sehen Sie in der Bundesrepublik eigentlich den größten “Digitalisierungs-Nachholbedarf” im Vergleich zu anderen europäischen Staaten und natürlich den USA?</b></p>
<p>Deutschland ist im Bereich der technischen und rechtswissenschaftlichen Forschung relativ gut aufgestellt. Allerdings gibt es einen großen Nachholbedarf in den Sozialwissenschaften. Der Grund dafür ist, dass nur wenige etablierte SozialwissenschaftlerInnen neue Fragestellungen im Bereich der Digitalisierungsforschung aufgreifen. Das Institut soll dazu beitragen, diese Lücke gegenüber vielen anderen Ländern zu füllen.</p>
<p><b>In Berlin gibt es bereits zwei renommierte Forschungsinstitute, die sich die Digitalisierung auf die Fahne geschrieben haben (Anmerkung d. Autors: Einstein-Zentrum für digitale Zukunft und Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, kurz HIIG). Wo wird das Internet-Institut nochmal spezifische Akzente setzen?</b></p>
<p>Im Einstein-Zentrum liegt der Fokus der meisten Professoren im Bereich der technischen Forschung. Das Internet-Institut unterscheidet sich hiervon deutlich, weil wir einen gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt haben, aber interdisziplinär arbeiten werden.</p>
<p>Das Internet-Institut bietet den Vorteil, dass die Vernetzung und gemeinsame bereichsübergreifende Zusammenarbeit von vornherein in unserem Forschungsprogramm und in den Professuren selbst angelegt sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="/wp-content/uploads/2020/06/Jeanette-Hofmann2-300x285-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152582" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Jeanette-Hofmann2-300x285.jpg" alt="" width="155" height="148" /></a>Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann, Professorin für Internetpolitik an der Freien Universität Berlin, forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zu den Themen Global Governance, Regulierung des Internets und digitalem Wandel. Sie ist außerdem Leiterin der WZB-Projektgruppe ‚Politikfeld Internet‘, die sich mit der Herausbildung von Politikfeldern am Beispiel der Internetpolitik befasst. Des Weiteren ist Prof. Hofmann Honorarprofessorin an der Universität der Künste, Research Associate am Centre for Analysis of Risk and Regulation (CARR) der London School of Economics and Political Science (LSE) und Mitglied in verschiedenen politikberatenden Gremien.</div></div>
<p><b>Bedeutet das auch, dass das Internet-Institut nicht nur verschiedene Wissenschaftsbereiche vernetzen soll, sondern schlussendlich auch eine Schnittstelle für Politik und Wirtschaft darstellt? Oder anders gefragt: Hat das Internet-Institut auch eine Beratungsfunktion für Regierung und Unternehmen?</b></p>
<p>Wir haben in unserem Konzept einen Akzent auf Transfer gelegt, d.h. auf die Zusammenarbeit mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir rechnen damit, dass die Politik einen Zusammenarbeit mit uns anstrebt. Die vielen politischen Veranstaltungen, besonders hier in Berlin, machen deutlich, dass großes Interesse an der Digitalisierung und ihrem gesellschaftlichen Bezug besteht. Es ist eines unserer Ziele, mit allen relevanten Gruppen der Öffentlichkeit eng zusammenzuarbeiten.</p>
<p><b>Wo sehen Sie eigentlich als Professorin am WZB die Funktion der Sozialwissenschaften im Kontext des Digitalisierungsprozesses?</b></p>
<p>Noch sind die Möglichkeiten hier eher unterausgeschöpft. Es gibt diesbezüglich jedoch ein breites Aufgabenspektrum, angefangen im Bereich der sozialwissenschaftlichen Technikforschung. Dieses Feld ist deshalb so bedeutsam, weil die technische Entwicklung immer viele Entwicklungsoptionen eröffnet. Diese Optionen müssen auch sichtbar gemacht werden, damit sich die Gesellschaft ihrer Handlungsspielräume bewußt ist. Großen Nachholbedarf sehe ich auch im Bereich der international vergleichenden Regulierungsforschung. Die große Frage lautet hier, welche Prinzipien und Werte den weiteren Digitalisierungsprozess prägen werden und welche gesetzlichen Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diese Werte auch durchzusetzen.</p>
<p>Dazu können die Sozial- wie die Rechtswissenschaften einen großen Beitrag leisten.</p>
<p><b>Zum Schluss noch eine allgemeine Frage: Wo sehen Sie eigentlich die größten gesellschaftlichen Herausforderungen der Digitalisierung in, sagen wir, den nächsten 20-30 Jahren?</b></p>
<p>Eine der großen Herausforderungen wird darin bestehen, den Trend zu Monopolstellungen in der digitalen Wirtschaft zu stoppen und den Wettbewerb zwischen Unternehmen zu erhalten.</p>
<p>Eine zweite Herausforderung sehe ich im Bereich der Arbeit. Im Zuge der häufig prognostizierten “Automatisierungswelle” wird wahrscheinlich eine Vielzahl von Arbeitsplätzen wegfallen. Hier müssen wir über Lösungen nachdenken, die in der Lage sind, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung zu bewältigen.</p>
<p>Ein dritter Problembereich, der mich auch in meiner Forschung beschäftigt, stellt das Thema Privatheit und Datenschutz dar. Eine große Herausforderung bilden datenbasierte Geschäftsmodelle. Es wäre etwa denkbar, dass Nutzer in Zukunft für digitale Kommunikationsdienste ein Entgelt entrichten anstatt mit ihren personenbezogenen Daten zu zahlen. Die zentrale Frage dahinter lautet jedoch: Wie ist es möglich, dem Verlust der Privatsphäre im Zeitalter der Digitalisierung generell Grenzen zu setzen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vielen Dank für das Gespräch, Frau Hofmann!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Das Interview führte Daniel Krüger.</em></p>
<p>Titelbild: Jeanette Hofmann, by re:publica on <a href="https://www.flickr.com/photos/re-publica/13951209458/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcode" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY -SA 2.0</a></p>
</div>
</div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-3" data-row="script-row-unique-3" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-3"));</script></div></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Rettet Blockchain Presse- und Meinungsfreiheit in repressiven Staaten?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/rettet-blockchain-presse-und-meinungsfreiheit-152554/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Valerie Rödder]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jun 2017 08:37:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreitheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Pressefreiheit ist weltweit auf dem Rückzug. Kann die Technologie Blockchain dabei helfen, dass Journalisten in repressiven Staaten sicher publizieren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="document-page">
<div class="text-wrapper user-select-text">
<p><b></b>Die Pressefreiheit ist weltweit auf dem Rückzug. Kann die Technologie Blockchain dabei helfen, dass Journalisten in repressiven Staaten sicher publizieren können? Und Menschen die digitalen Räume bieten, die die Meinungsfreiheit braucht? Publicism als erstes dezentrales News-Medium auf Blockchainbasis will das versuchen.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Eine freie und breit gefächerte</span> <span style="font-weight: 400;">Presse und Medienlandschaft ist essentiell für eine offene und freie Demokratie. Doch weltweit ist in den letzten Jahren die Pressefreiheit immer mehr zurückgegangen, errechneten Reporter ohne Grenzen in ihrem <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2017/ueberblick/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Globalen Pressefreiheitsindikator</a></span><span style="font-weight: 400;">. Nur ca. 13% der weltweiten Bevölkerung hat Zugang zu einer freien und diversifizierten Presse. Die anderen 87% sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt: Staatliche Kontrolle und Überwachung, Verfolgung, Bedrohung und Inhaftierung kritisch berichtender Journalisten; staatliche und private Medienimperien ‘besitzen’ und gestalten die Nachrichten nach Belieben; Staaten schränken den Zugriff auf Websiten und Internet-Dienste ein. Nordkorea, Eritrea, Turkmenistan, Syrien, China und Vietnam sind die Länder, die im <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2017/ueberblick/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Index 2017</a></span><span style="font-weight: 400;"><a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2017/ueberblick/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> der freien Presse</a> am schlechtesten abschneiden.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Aber auch in westlichen Staaten ist die Pressefreiheit und die Sicherheit von Journalisten nicht garantiert. Probleme mit der Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern nehmen in den USA (Platz 43) unter Trump noch mehr zu. Die Angriffslust  von französischen Politikern und Polizei auf politische Journalisten beförderte Frankreich auf Platz 39. Obwohl Deutschland auf Platz 16 immerhin recht weit oben steht, zeigen sich auch hier bei genauerer Betrachtung besorgniserregende Entwicklungen: Reporter ohne Grenzen hat die Medienlandschaft <a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Ranglisten/Rangliste_2017/ROG-Nahaufnahme_Deutschland_2017.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">analysiert</a>: Zusammenlegungen von Redaktionen, das Erstarken von Content-Marketing Plattformen, Vermischung von Nachrichten mit PR und Marketing führen zu einer rapide schrumpfenden Pressevielfalt. </span>Und nicht zuletzt auch die <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29186/G-wie-Google" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kommerzielle algorithmusbetriebene Auswahl</a> von Content durch große Internetunternehmen wie Google und Facebook bestimmen den Grad der Wichtigkeit von Nachrichten.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Auf der gesetzlichen Ebene führt die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung (VDS) zu einem abnehmenden Schutz von Journalisten und deren Quellen. Die Einführung des <a href="https://dejure.org/gesetze/StGB/202d.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Strafparagrafen zur „Datenhehlerei“</a></span><span style="font-weight: 400;"> merken Reporter ohne Grenzen ebenfalls <a href="www.reporter-ohne-grenzen.de/uploads/tx_lfnews/media/ROG-Nahaufnahme_Deutschland_2017.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kritisch</a> an: „</span><i><span style="font-weight: 400;">durch den neuen Strafparagrafen macht sich womöglich schon strafbar, wer Daten, die er von einem Whistleblower erhalten hat, vertraulich an Experten zur Prüfung weitergibt“</span></i><span style="font-weight: 400;"> und weiter heißt es in dem Bericht:</span><i><span style="font-weight: 400;"> „Der Whistleblowerschutz ist in Deutschland noch immer unzureichend und im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich entwickelt“. </span></i></p>
<h3>Publiscm – Die Blockchain als unabhängige Medienplattform</h3>
<p><span style="font-weight: 400;"><a href="http://www.publicism.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Publiscm</a> ist ein niederländisches Projekt, welches das Potenzial der dezentralen Blockchain nutzen will, um diese globalen Probleme der Pressefreiheit nachhaltig zu lösen. Die Idee dahinter ist eine unabhängige Content-Plattform, die keinerlei zentrale Steuerung besitzt: Auf dieser können Journalisten anonym ihre Inhalte hochladen und entlohnen lassen &#8211; anonym und manipulationssicher.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Über das zentrale Dashboard sind dezentrale und sichere Worktools eingebunden, die es auch möglich machen, mit anderen Journalisten, aber auch Bürgerjournalisten, Vloggern sowie weiteren Akteuren zu kollaborieren. Diese sind sichere Tools analog zu GoogleDocs, Slack, Dropbox und GMail. Die Plattform möchte Content-Erstellern und Journalisten ermöglichen, sich angemessen für ihre Arbeit bezahlen zu lassen. Dafür bietet die Plattform die Möglichkeit, Crowdfunding für ein Projekt einzuholen, per Spenden oder Zuschüsse für die Recherchearbeit zu werben oder  sich für publizierte Artikel über Micropayment (Kleinstbeträge, die ohne Transaktionskosten virtuell und unmittelbar überwiesen werden und aus einem virtuellen Portemonnaie, einer sogenannten Wallet, bezahlt werden) bezahlen zu lassen.</span></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2020/06/publicism-blockchain-journalism-630x348-1.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152557 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/publicism-blockchain-journalism-630x348.png" alt="publicism blockchain journalism" width="630" height="348" /></a></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Um die Quellen anonym zu halten und trotzdem den Zugang auch für technische Laien zu garantieren, werden bewährte Verschlüsselungstechnologien in Publicism integriert: Der  <a href="https://www.torproject.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Onion-Router</a></span><span style="font-weight: 400;">, der <a href="https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tor-Browser</a> </span><span style="font-weight: 400;">und <a href="https://www.websecuritas.com/was-ist-vpn" target="_blank" rel="noopener noreferrer">VPN- Verbindungen</a>, wie sie auch die Whistleblowerwebsite Wikileaks verwendet.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die größte Herausforderung des Projektes ist jedoch die Handhabung des Contents selbst: da die Blockchain auf kleinere Informationsmengen wie etwa Geldbeträge ausgelegt ist, ist es bis jetzt nicht möglich, größere Mengen an Daten abzuspeichern. Zusammen mit dem MIT (Massachusetts Institute of Technologie) arbeitet Publicism deshalb an einem <a href="https://www.media.mit.edu/projects/enigma/overview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dezentralen Datennetzwerk</a></span><span style="font-weight: 400;"> zur Speicherung von Inhalten, die mit der Blockchain sicher verknüpft sind, ohne darin verspeichert werden zu müssen. Da die Inhalte nicht auf einem zentralen Server gelagert werden, ist es Regierungen oder sonstigen Organisationen unmöglich, diese Inhalte zu kontrollieren oder abzuschalten.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Publiscm will damit die erste blockchainbasierte Presseagentur werden und journalistische Inhalte etwa an andere sichere Plattformen weiterleiten. Das blockchainbasierte soziale Netzwerk <a href="https://steemit.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Steemit</a> ist z.B. ebenfalls angeschlossen, und um Inhalte zu teilen, werden bald sichere Übertragungswege zu Twitter integriert.</span></p>
<p>Wir haben mit dem Gründer von Publicism Pieter Haasnoot gesprochen:</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><strong><span style="font-weight: 400;"> <a href="/wp-content/uploads/2020/06/Pieter-Haasnoot-publicism-blockchain1.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152561 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Pieter-Haasnoot-publicism-blockchain1.png" alt="Pieter Haasnoot publicism blockchain" width="183" height="247" /></a><strong>Pieter Haasnoot</strong><br />
gründete mehrere Medienorganisationen im Bereich Video, Apps, Multimedia Games sowie ein TV-Netzwerk. Er ist als Berater für neue Technologien und Geschäftsfelder tätig und Mitgründer von Publicism, welches mit einem Seed Investment des staatlichen niederländischen Innovationsfonds für Journalismus gefördert wird.</span></strong></div></div>
<p><strong><em>Publicism will als Presseagentur auftreten, die zwischen Journalisten und vertrauenswürdigen Plattformen vermittelt und diese verbindet. Welche Plattformen wären dafür geeignet und wie kann man dem Herausgeber ein großes Publikum garantieren?</em></strong></p>
<p><em>Publicism ist primär ein dezentrales Netzwerk, das Dienstleistungen im Bereich Datenspeicherung, dem Veröffentlichen von Inhalten und Zahlungsverkehr auf einer dezentralen gesicherten Ebene anbietet. Es besteht ein Netzzugang vom verteilten Serviceportal zum üblichen Internet. Der Service kann sowohl von Einzelpersonen als auch Gruppen von Journalisten und Herausgebern und Presseagenturen genutzt werden. Im nächsten Schritt wird Publicism zu einer freien Presseplattform ausgebaut, über die organisatorische Vorgänge möglich sein werden.<br />
</em></p>
<p><strong><em>Es besteht das Risiko, dass diese Technologie oder die Plattform von Regierungen oder Terroristen zur Verbreitung ihrer Inhalte missbraucht werden könnte. Wie werden Sie damit umgehen und wie werden Sie Fakenews vorbeugen?</em></strong></p>
<p><em>Aufgrund des dezentralen Charakters der Blockchain Database werden Regierungen und zentrale Werbetreibende es unmöglich schaffen, die Registrierung von Transaktionen im Publicism-Netzwerk zu kontrollieren oder gar einzustellen. Der Service erleichtert die Kooperation zwischen Journalisten, um Inhalte zu schaffen, zu veröffentlichen oder zu rezensieren. Publicism schafft Möglichkeiten zur Kooperation von Journalisten im &#8220;Free Press Circle&#8221; und ermöglicht so offene Kritik und Anleitung. Diese Zirkel agieren als Redaktion, die die Glaubwürdigkeit der Inhalte kontrolliert. </em></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Wie geht es weiter mit Publicism? Ab Juli 2017 soll die Plattform mit 60 Journalisten getestet und weitere Medienpartnerschaften gebildet werden. Bis Dezember 2017 ist das Ziel, 500 auf der Plattform teilnehmende Journalisten zu erreichen. Und ab 2018 soll dann per Initial Coin offering (ICO), ein in der Blockchainwelt übliches Verfahren zur Finanzierung von Projekten gestartet werden: man erschafft eine eigene Kryptowährung und verkauft diese gegen Bitcoin oder andere Kryptowährungen. Die Investoren können dann, bei Erfolg des Projekts, diese &#8211; hoffentlich mit Gewinn &#8211; an virtuellen Börsen verkaufen.</span></p>
<p><span style="font-weight: 400;">Publicism ist ein ambitioniertes Projekt, welches mit 50.000 Euro Startkapital versucht, Lösungsansätze für ein globales Problem zu finden. Dazu will es die Blockchaintechnologie um Speicherkapazitäten erweitern, ein Problem, mit dem sich auch die FinTech- und die  Health- &amp; Insurance Branche beschäftigen, große Branchen, die schon länger mit Blockchain experimentieren. Publicism hat sich viel vorgenommen.</span></p>
<h3 style="text-align: right;"></h3>
<p>Bilder: <a href="http://www.publicism.nl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">publicism.nl</a></p>
</div>
</div>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>“Den Konsumenten zum Produzenten machen” &#8211; Tilman Baumgärtel im Interview</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/den-konsumenten-zum-produzenten-machen-tilman-baumgaertel-im-interview-152537/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Daniel Krüger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jun 2017 10:15:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Offene Kanäle]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
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					<description><![CDATA[Soziale Medien prägen unseren Alltag. Das war nicht immer so. Doch auch in Zeiten von Schallplatten und Röhrenfernsehern gab es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Soziale Medien prägen unseren Alltag. Das war nicht immer so. Doch auch in Zeiten von Schallplatten und Röhrenfernsehern gab es bereits Ansätze partizipativer Mediengestaltung &#8211; und auch viel Selbstdarstellung, wie uns Prof. Tilman Baumgärtel im Interview erklärt hat.</p>
<p>Selfies, Shortclips und ganze Serien: Dank sozialer Netzwerke kann heute jeder der möchte, Inhalte ganz leicht selbst produzieren und veröffentlichen. Wie aber sahen eigentlich die Vorläufer von Youtube-Kanälen und Videoblogs aus? Und welche gesellschaftspolitischen Statements gingen von ihnen aus? Medienwissenschaftler Prof. Tilman Baumgärtel, Kurator der Oberhausener Kurzfilmtage 2017, zum Thema “Soziale Medien vor dem Internet” im Interview bei politik-digital.de.</p>
<p><b>Herr Baumgärtel, Soziale Medien und Internet. Das sind für die meisten zwei kaum trennbare Begrifflichkeiten. Welche Formen partizipativer Medien gab es eigentlich überhaupt vor dem Aufkommen der Online-Welt?</b></p>
<p>Den Konsumenten zum Produzenten von Medieninhalten zu machen – diese Forderung hat der deutsche Schriftsteller Bertolt Brecht schon 1930 für das Radio aufgestellt. Damals fehlten die technische Möglichkeiten, dem Publikum die Produktionsmittel zu überlassen. Radio war – wie auch der Film – noch technisch zu anspruchsvoll.</p>
<p>Aber der Wunsch, selbst Medien zu machen, ist so alt wie die Medien selbst. Und sobald das zum Beispiel durch Schmalfilm, Video, Offene Kanäle oder die ersten Online-Mailboxen möglich wurde, gab es auch Leute, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten – teils als Amateure, die Hochzeitsvideos drehten, teils aber auch Leute mit sozialen und politischen Zielen. Das hieß damals zwar noch nicht „Soziale Medien“. Diesen Zusammenhang zu den Internet-Angeboten der Gegenwart behaupte ich zunächst einmal. Aber bisher hat mir noch niemand widersprochen.</p>
<p><b>Wie kann man sich konkret die Kommunikation, aber auch die Produktion eigener Inhalte abseits neuer Medien vorstellen? </b></p>
<p>Das kann man so kaum verallgemeinern, das hängt zuallererst von den jeweiligen betreffenden Medien ab. Und selbst beim Piratenradio gab es zum Beispiel einerseits eine politische Fraktion, andererseits Radiopiraten wie Radio Caroline, die eher aus kommerziellen Gründen und mit Gewinnabsichten sendeten.</p>
<p><b>Welche Rolle spielten solche partizipativen Medien im gesamtgesellschaftlichen Diskurs und wie waren die Reaktionen der Allgemeinheit darauf?</b></p>
<p>Das ist unterschiedlich, weil die historischen wie die technischen Umstände immer wieder anders waren. Was mich bei den Programmen für die Oberhausener Kurzfilmtage besonders interessiert hat, war der Zusammenhang zwischen politischem und medialem Aktivismus seit Ende der 60er Jahre. Zu dieser Zeit gab es einerseits eine Reihe von technischen Entwicklungen (16mm, Super 8, Video), die den Zugang zur Medienproduktion erleichterten.</p>
<p>Andererseits hat sich durch die Studentenrevolte 1968 und die sich in den 70er Jahren entwickelnden Neuen Sozialen Bewegungen ein gesellschaftliches Umfeld für neue Formen der alternativen Medienproduktion (Piratensender, Videogruppen, offene Kanäle/Bürgerfernsehen) entwickelt. Diese Medienproduktion richtete sich damals zwar vor allen Dingen an politische Aktivisten. Aber heute sind das auch tolle Dokumente, wie für politische Forderungen gekämpft wurde, die inzwischen durchgesetzt sind: das Ende der Wehrpflicht und die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke, teilweise auch die Forderungen der Frauen- und der Schwulenbewegung.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="/wp-content/uploads/2020/06/TilmanIMG_9634-195x119-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-152542 size-thumbnail" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/TilmanIMG_9634-195x119.jpg" alt="TilmanIMG_9634" width="195" height="119" /></a>Tilman Baumgärtel (* 1966 in Würzburg) ist ein deutscher Autor, Medienwissenschaftler und Journalist. Er ist Professor für Medientheorie im Fachbereich Zeitbasierte Medien an der Hochschule Mainz und hat zuvor u. a. an Universitäten in Paderborn, Manila und Phnom Penh unterrichtet.</div></div>
<p><b>Wie wurden diese Medien verwendet, um diese politische Akzente zu setzen?</b></p>
<p>Die Videos, die von Videogruppen wie der Medienwerkstatt Freiburg in Deutschland oder den Videofreex in den USA produziert wurden, verstanden sich als Teil einer „Gegenöffentlichkeit“, die eine Alternative zu der Berichterstattung der „bürgerlichen Medien“ darstellen sollte. Diese Vorstellung ist inzwischen leider teilweise von Kräften wie Russia Today, KenFM oder Breitbart News gekapert worden, die nicht gerade progressiven Vorstellungen verpflichtet sind. Trotzdem war es wichtig, dass es solche Stimmen gegeben hat, und das ist es auch heute noch. Und die Sozialen Medien der Gegenwart werden ja trotz Fake News und Polittrollen immer noch dafür verwendet, um solchen Stimmen Gehör zu verschaffen.</p>
<p><b>Viele sagen, Youtube und Co. wären heutzutage voller Selbstdarsteller. Ist das für Sie ein Abbild der postmodernen Gesellschaft oder sind lediglich die entsprechenden technischen Möglichkeiten jetzt für jedermann zugänglich?</b></p>
<p>Dass Video das Medium des Narzissmus ist, hat die amerikanische Kunsttheoretikerin Rosalind Krauss schon in den 70er Jahren geschrieben. Die vielen Dampfplauderer, Selbstdarsteller und Schminktipps-Verbreiter bei YouTube mögen zwar deprimierend sein. Und es stimmt einen schon traurig, wie hier zum Beispiel öde Geschlechterklischees höchst erfolgreich wieder aufgewärmt werden: Mädchen putzen sich heraus, Jungs zocken Ballerspiele.</p>
<p>Aber das Schlimmste ist eigentlich nicht, dass es solche YouTuber gibt, sondern dass sich das so viele ansehen, statt selbst ihr eigenes Programm zu machen. Das Versprechen von YouTube („Broadcast Yourself“) ist eigentlich bis heute nicht eingelöst worden. Trotzdem gibt es auch unter den YouTubern Beispiele dafür, dass auch aufdringliche Selbstdarstellung emanzipatorische Züge haben kann. Leute wie Marvyn Macnificent oder Ossi.Glossy geben zwar auch Schminktipps. Aber dass Jungs so etwas machen, kann man auch als Kritik an überkommenen Geschlechterrollen betrachten.</p>
<p><b>Dann zum Abschluss noch eine kurze Einschätzung: Wo sehen Sie Gefahren und Chancen in der Digitalisierung generell und in der Nutzung von partizipativen oder sozialen Medien im Speziellen?</b></p>
<p>Die sogenannten &#8220;Sozialen Medien&#8221; von heute befinden sich in der Hand von einigen wenigen Mammutunternehmen wie Google oder Facebook, die sich weitgehend nationalstaatlicher, politischer Kontrolle entziehen. Aller menschenfreundlichen Rhetorik zum Trotz sind sie letztlich vor allem wirtschaftlichen Interessen verpflichtet. Die Machtverhältnisse zwischen solchen Plattformen und ihren Nutzern sind vollkommen asymmetrisch. Anpassungen an nationale Gesetze nimmt zum Beispiel YouTube nur widerwillig und nachlässig vor. Auch Facebook lässt sich nur ungern Vorschriften machen, sondern orientiert sich an seinen eigenen „Community Standards“. Es ist unbegreiflich, wie YouTube so lässig mit dem Jugendschutz oder geistigem Eigentum umgehen kann, ohne dafür belangt zu werden. YouTube ist nicht nur die wohl größte Piratenbörse der Welt, sondern beliefert auch Kinder und Jugendliche mit ekligem Gangster-Hiphop und Gewaltvideos, die ihnen auf anderem Weg nicht zugänglich gemacht werden dürften.</p>
<p>In diesem Bereich haben sich Monopole gebildet, die dem möglichen gesellschaftlichen Nutzen dieser Angebote entgegenstehen. Jonathan Taplin argumentiert darum in seinem Buch „Move Fast and Break Things“, dass Unternehmen wie Google oder Facebook mit Hilfe der amerikanischen Anti-Trust-Gesetze zerschlagen werden müssen. Das mag eine richtige, aber kurzfristig kaum umzusetzende Forderung sein. Auf jeden Fall stellt sich die Frage, ob Facebook und YouTube immer noch die neutralen Plattformen sind, als die sie sich gerne darstellen, um keine Verantwortung für die Inhalte übernehmen zu müssen, die über sie verbreitet werden. Für mich spricht viel dafür, dass sie durch Moderation und algorithmische Kuratierung oder auch durch die Serien, die sie neuerdings produzieren, Medienunternehmen sind, die sich dann auch den Regeln und Gesetzen für Medienunternehmen unterwerfen müssten.</p>
<p><b>Vielen Dank für das Gespräch Herr Baumgärtel!</b></p>
<h3 style="text-align: right;"></h3>
<p>Titelbild: Radio room, by The Library of Virginia on <a href="https://www.flickr.com/photos/library_of_virginia/2899347850/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Meilenstein 2017: Hälfte der Weltbevölkerung online</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/meilenstein-2017-haelfte-der-weltbevoelkerung-online-2-151132/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sam van Wijk]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2017 15:19:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Chancengleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Trends]]></category>
		<category><![CDATA[globaler Internetzugang]]></category>
		<category><![CDATA[Konsumverhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[2017 markiert einen Meilenstein der digitalen Welt. Waren es Anfang 2016 noch 354 Millionen weniger Menschen, die einen Zugang zum [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151130" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5280585822_ed883a633a_z-1.jpg" alt="5280585822_ed883a633a_z (1)" width="757" height="318" /></a>2017 markiert einen Meilenstein der digitalen Welt. Waren es Anfang 2016 noch 354 Millionen weniger Menschen, die einen Zugang zum Internet hatten, gibt es 2017 mehr als 3,7 Milliarden Internetnutzer, etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Eine Studie schafft nun einen globalen Überblick und zeigt Unterschiede in Bezug auf digitale Trends, aber auch regionale Diversitäten auf.</p>
<p>Jedes Jahr veröffentlicht die Agentur We Are Social einen Bericht über Trends im Hinblick auf die weltweite Nutzung digitaler Endgeräte, den globalen Internetzugang und die Veränderungen in der Nutzung von sozialen Netzwerken. Zusammen mit Hootsuite, einer Social Relationship Plattform, wurden Statistiken von 238 Ländern ausgewertet und mit den Statistikerhebungen von 2016 verglichen, somit entstand „Digital in 2017 – Global  Overview“. Dieser umfassende Bericht vergleicht und analysiert nicht nur die Veränderungen zum vergangen Jahr, sondern zieht auch einen Regionen- und Ländervergleich.</p>
<p>Im Vergleich zu 2016 ist die Zahl der Internetznutzer um 10% innerhalb eines Jahres gestiegen. Allerdings hat sich die Art der Internetnutzung in den letzten Jahren sehr verändert. Waren es Anfang 2016 noch 65% Internetnutzer, die ihren Computer oder Laptop als digitales Endgerät benutzten, sind es Anfang 2017 schon 20% weniger. Auch die Zahl der Tablet Nutzer ist gesunken. Eine völlig entgegengesetzte Entwicklung zeigt sich bei der Nutzung von Mobiltelefonen, die in den letzten 12 Monaten um 30% anstieg. Auch Social Media spielen eine immer größere Rolle. Mittlerweile haben sich 37%, also fast 2,8 Milliarden Menschen, online vernetzt.</p>
<p>Weltweit gibt es jedoch gravierende Unterschiede beim Zugang zum Internet. Liegt die durchschnittliche Rate der Verbreitung des Internets weltweit bei circa 50%, haben in Nordamerika und Europa über 80% der Menschen Zugang zum Internet. In Afrika ist es nicht einmal 30% der Bevölkerung möglich, durch ein stationäres oder mobiles Endgerät das Internet zu nutzen. Auch die Verbreitung in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Wenig überraschend ist, dass Nordkorea das Land mit der geringsten Internetverbreitung ist und nur 0,1% der Bevölkerung Zugang zum Internet hat. Die anderen Schlusslichter finden sich alle auf dem afrikanischen Kontinent. Am anderen Ende der Skala sind die Vereinigten Arabischen Emirate Spitzenreiter, wo 99% der Bevölkerung Zugang zum Internet hat, dicht gefolgt von Island und Norwegen auf den Plätzen zwei und drei.</p>
<p>Insgesamt betrachtet ist die Internetverbreitung in den letzten Jahren exponentiell gestiegen und wird sich fortsetzen. Dabei gibt der globale Vergleich Anlass zur Sorge. Entgegen der Hoffnung, dass die Digitalisierung schlechter entwickelten Ländern eine Chance zum wirtschaftlichen Aufschwung bietet, zeigt sich auch bei der Internetverbreitung die altbekannte Schere zwischen armen und reichen Ländern. Das Risiko wächst, dass manche Länder den Anschluss an die digitale Welt verlieren.</p>
<p>Weitere Informationen und die gesamte Studie findet man <a href="https://thenextweb.com/insights/2017/01/24/digital-trends-2017-report-internet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Facebook Connections by Michael Coghlan via <a href="https://www.flickr.com/photos/mikecogh/5280585822/in/photolist-93Coc9-oN7zg9-s4VDzN-ae91q2-5qYmVZ-6tFDAd-ruX8Zc-8LuTvK-7hSSsi-6HmtmW-85g9uL-fqZmKR-51onL4-fE35QJ-7upjXs-cWWfx3-qF7rfg-brNdwt-btctRN-nFF27N-3e2raZ-oASF7U-jhq6sD-8ocCbr-dY987x-jc2fAf-snvkUZ-8LBJxk-8TPS1L-jhrrqy-jhtEUf-jhrrCN-jhtLKU-fgjA9m-9RPrKQ-bzAFdq-rgBvZ8-9cggqL-9PSLHY-qgEEiR-nZEiqc-51ooTn-bM2yxM-rqUzy1-hjJT9N-pPDNbq-6NBMaT-51oo32-cpWDWq-6BUMEz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-630x110.png" alt="cc-lizenz-630x11011" width="453" height="79" /></a></p>
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		<title>„Ein Jahr lang musste ich meinen Kaffee alleine trinken“ &#8211; Im Interview mit einem Online-Studenten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 2017 11:37:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Bachelor]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung der Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Viele verbinden das Studium mit unzähligen Stunden, die man in riesigen Vorlesungsräumen zusammen mit hunderten weiteren jungen Menschen verbringt. Mittlerweile [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gxd8hcmi0iq-parker-byrd.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-151034" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gxd8hcmi0iq-parker-byrd-630x420.jpg" alt="gxd8hcmi0iq-parker-byrd" width="630" height="420" /></a>Viele verbinden das Studium mit unzähligen Stunden, die man in riesigen Vorlesungsräumen zusammen mit hunderten weiteren jungen Menschen verbringt. Mittlerweile kann man jedoch ein Studium absolvieren, ohne jemals einen Fuß auf den Campus gesetzt zu haben. Wir haben mit einem Online-Studenten über seine Erfahrungen gesprochen.</p>
<p><strong>politik-digital: Baptiste, wie heißt der digitale Bachelor, den Du gemacht hast?</strong></p>
<p>Baptiste Zapatero: Es ist ein <em>Bachelor of Science in Development and Economics</em> von der <em>University of London International Programmes</em>, durchgeführt von der London School of Economics (LSE).</p>
<p><strong>Wieso hast Du Dich genau für diesen Bachelor entschieden?</strong></p>
<p>Ich habe eigentlich an der Universität Genf einer herkömmlichen Bachelor in Internationalen Beziehungen gemacht. Diesen Bachelor habe ich aber nach zwei Jahren pausiert, um ein Studium an einer professionellen Tanzschule anzufangen. Ich wollte jedoch Vorsichtsmaßnahmen treffen, weil ich wusste, dass ich vielleicht doch weiter studieren möchte. Deswegen habe ich einen Online-Bachelor gesucht und das Thema, das mich interessiert hat, an der LSE gefunden. Nach einem Jahr habe ich dann auch die Tanzschule verlassen und nur online studiert. Schließlich habe ich meinen Bachelor in Genf wieder aufgenommen und ihn zusammen mit dem LSE Kurs abgeschlossen.</p>
<p><strong>Zählt Dein Online-Bachelor genauso viel wie ein herkömmlicher Bachelor? </strong></p>
<p>Ja. Der Bachelor zählt als ein vollwertiger Universitäts-Abschluss.</p>
<p><strong>Waren die Zulassungsvorraussetzungen auch ähnlich? </strong></p>
<p>Ja. Sie waren dieselben wie für einen normalen Bachelor. Gute Noten vom Gymnasium waren zwar wichtig, jedoch gibt es keinen <em>Numerus clausus</em> für digitale Bildung. Deswegen ist der Bachelor weniger selektiv als ein klassischer Bachelor an der LSE. Die Uni garantiert aber, dass die Online-Kurse denselben Wert haben wie die vor Ort. Die Prüfungen werden von LSE-Professoren nach denselben Kriterien bewertet.</p>
<p><strong>Gab es viele Studenten, die den gleichen digitalen Bachelor wie Du gemacht haben, aber keinen normalen Bachelor nebenher? </strong></p>
<p>Ja, natürlich. Es gibt viele die nur diesen Online-Bachelor gemacht haben und danach für ihren Master an der LSE angenommen wurden. Wenn man an einer kleinen Universität studiert, die nicht sehr bekannt ist, dann werden die Kurse, die man dort belegt hat, von der LSE nicht als gut genug angesehen, um dort für einen Master angenommen zu werden. Wenn man aber den Bachelor als Online-Studium an der LSE macht, weiß die Uni, dass dein Wissensniveau hoch genug ist, um dort erfolgreich einen Master abzuschließen. Das zeigt also, dass man dieses Online-Studium durchaus als eigenständiges Studium sehen kann.</p>
<p><strong>Hat Dir Dein Diplom von der LSE dann auch geholfen, in Deinem Master angenommen zu werden? </strong></p>
<p>Ich denke ja. Die LSE ist eine weltweit bekannte Universität und sehr renommiert. Außerdem habe ich durch die Verbindung beider Bachelor viele Kompetenzen gewonnen. Die Universitäten wissen, dass ich mich alleine gut zurechtfinden kann. Deswegen glaube ich, dass es eine Rolle gespielt hat.<br />
<div class="c33l info-box"><div class="subc"><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/picture.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-151035 " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/picture-e1484321240580-305x318.jpg" alt="" width="193" height="201" /></a> <strong>Baptiste Zapatero </strong>ist Masterstudent der Hertie School of Governance in Berlin. Zuvor hat er neben seinem Bachelor an der Universität Genf ein Online-Studium an der London School of Economics absolviert. </div></div>
<p><strong>Kannst Du einschätzen, ob es weltweit viele vergleichbare Fernstudiums-Angebote gibt? Und denkst Du, dass der Bedarf steigt? </strong></p>
<p>Es gibt weltweit sehr viele Universitäten, die ein Fernstudium anbieten. Aber vermutlich gibt es nur wenige Studenten, die ausschließlich online studieren. Die meisten Studenten absolvieren ein klassisches Studium. Und die, die online studieren, sind meistens noch an einer herkömmlichen Uni eingeschrieben oder gehen schon einem Beruf nach.</p>
<p><strong>Ist ein Online-Kurs billiger als das normale Äquivalent an der gleichen Uni? </strong></p>
<p>Ja. Ein Online-Studium an der LSE ist viel billiger. Allerdings sind die Kosten unterschiedlich, je nach Partner-Uni. Die stellen eine zertifizierte Person, die dein Online-Studium begleitet. Meine Begleiterin wurde dafür sehr gut bezahlt. Ich habe sogar überlegt, ob ich mich nach Lyon oder Paris versetzen lassen soll, denn dort kostet die Begleitperson viel weniger. Ungefähr die Hälfte der Gebühren, die ich an die LSE gezahlt habe, wurde für die Bezahlung der Tutorin verwendet. Aber insgesamt ist es auf jeden Fall erheblich günstiger als in London zu studieren. Ich habe insgesamt 2.000 Franken pro Jahr gezahlt.</p>
<p><strong>Wie finden die Prüfungen im Online-Studium statt? </strong></p>
<p>Die LSE hat Partnerschaften mit Unis, an denen du ein Zimmer zum Schreiben der Prüfungen bekommst &#8211; in Genf ist es die Webster Universität. Die Begleiter öffnen die Umschläge mit den Tests für die Studenten und schicken sie dann nach London. So kann man die Prüfung in jedem beliebigen Land ablegen &#8211; das System ist sehr ausgefeilt und praktisch.</p>
<p><strong>Also warst Du für die Prüfungen kein einziges Mal in London? </strong></p>
<p>Nein. Man schreibt sich im September oder Oktober online ein und dann wird einem der Kursplan zugeschickt. Danach ist man komplett flexibel; man kann und muss alles selber organisieren. Alles, was man weiß, ist, dass die Prüfungen im Mai sind.</p>
<p><strong>Dann zählt die Prüfung für 100% Deiner Note in einem Kurs? Es gibt keine Hausarbeiten oder Aufgaben, die man zwischendurch abgeben muss? </strong></p>
<p>Dafür war unser Programm zu groß. Ein Freund von mir hat einen Jura-Bachelor online gemacht und er hatte Hausaufgaben im Semester, da das Programm wesentlich kleiner war.</p>
<p><strong>Hat dir deine Begleiterin in Genf mit den Kursen geholfen wenn du Fragen hattest? Hast du sie regelmäßig getroffen?<br />
</strong></p>
<p>Nein, ich habe sie nur bei den Prüfungen getroffen. Wenn ich sonst Fragen hatte und etwas nicht verstanden habe, musste ich es selbst über das Internet herausfinden. Man ist da auf sich selbst gestellt. Deswegen habe ich auch mein Studium in Genf wieder nebenher aufgenommen. Aber das hat mich auch geprägt und mir weitergeholfen. Ich merke jetzt in meinem Master, dass sich viele Studenten schwer tun, Antworten selbst herauszufinden. Ich weiß, wie ich Antworten finde, das habe ich in den letzten Jahren gelernt.</p>
<p><strong>Denkst Du, dass Dein Abschluss von der LSE höher einzuordnen ist, weil Du mehr auf dich selbst gestellt warst als Studenten in London? </strong></p>
<p>Teils, teils. Zwar lernst du mehr dadurch, dass du dich selbst zurechtfinden musst, aber es ist natürlich nicht so angenehm. Man kann nicht einfach die Hand heben und den Professor etwas direkt fragen, also brauchst du auch viel mehr Zeit. Zum Glück gibt es ein Online-Forum für alle Studenten.</p>
<p><strong>Und es gab kein System, um andere Online-Studenten Deines Kurses zu treffen, die den gleichen Kurs belegt haben? </strong></p>
<p>Nein, das ist ein großer Nachteil dieses Online-Kurses. Aber ich hatte Glück: im ersten Jahr meines Online-Bachelors gab das “Study Weekend“, ein Wochenende in London. Man konnte unseren Professor treffen und mit ihm diskutieren, ihm Fragen stellen und andere Studenten treffen. Dadurch habe ich eine andere Studentin aus Genf kennengelernt und so konnten wir einander helfen. Danach haben sie das “Study Weekend” aber wieder abgeschafft, da es unfair denen gegenüber war, die weiter weg wohnen, und nicht einfach für ein Wochenende nach London kommen konnten. Wenn man jetzt also andere Studenten treffen möchte, kann man nur im Forum posten und hoffen, dass einen jemand kontaktiert, der in der Nähe wohnt. Das war aber nicht einfach. Deswegen war ich in der Zeit, als ich nur den Online-Bachelor gemacht habe, ziemlich isoliert. Alle meine Freunde waren schon fertig und sind aus Genf weggezogen. In diesem Jahr kannte ich wirklich niemanden und habe meinen Kaffee alleine getrunken. Es ist hart, aber so lernt man eben auch unabhängig zu werden.</p>
<p><strong>Könntest Du Dir mit deinem jetzigen Wissen vorstellen, ein weiteres reines Online-Studium zu belegen? </strong></p>
<p>Ich könnte es mir nur dann vorstellen, wenn ich wüsste, dass ich in der ganzen Zeit genug Freunde in der Nähe habe. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, auch ein soziales Leben zu haben. Und das ist viel schwieriger mit digitalen Bildungsangeboten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: by Parker Byrd via <a href="https://unsplash.com/collections/446537/education?photo=gxD8hCmi0IQ" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><small>CC0 1.0</small></a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Deutsche sehen staatliche Eingriffe in die Privatsphäre weiter kritisch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/studie-einstellung-haben-deutsche-zu-privatsphaere-und-ueberwachung-150991/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Valerie Rödder]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2017 11:02:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Privatssphäre]]></category>
		<category><![CDATA[informelle Selbstbestimmung]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Auswirkungen haben die Snowden-Enthüllung, der NSA-Skandal und die zunehmende Speicherung von persönlichen Daten durch Webseitenanbieter auf den alltäglichen Umgang [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/15427817102_f944594fd9_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-151001" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/15427817102_f944594fd9_z-630x420.jpg" alt="15427817102_f944594fd9_z" width="630" height="420" /></a>Welche Auswirkungen haben die Snowden-Enthüllung, der NSA-Skandal und die zunehmende Speicherung von persönlichen Daten durch Webseitenanbieter auf den alltäglichen Umgang mit Daten in Deutschland? Die Universität Hohenheim hat zusammen mit dem Forum Privatheit die Studie „Privatheit und informationelle Selbstbestimmung &#8211; Trendmonitor zu den Einstellungen, Meinungen und Perspektiven der Deutschen“ veröffentlicht.</p>
<p>Die Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen um den Datenschutz und sieht auch in Ausnahmesituationen Eingriffe in die Privatsphäre kritisch. Nur 8 % der Deutschen stimmen der Aussage zu, dass es zum Schutz der Bürger dem Staat erlaubt sein solle, jeden Menschen zu überwachen. 82 % der Befragten lehnten die staatliche Überwachung ab. Am stärksten sorgen sich die Menschen darüber, dass Anbieter von Webseiten ihr Surfverhalten aufzeichnet und dass jemand ihre PIN-Eingabe am Geldautomat erkennen könnte.</p>
<p>Insgesamt machen sich jüngere Menschen weniger Sorgen um Überwachung und Privatsphäre als Menschen über 40 Jahre. Zwischen den Geschlechtern gibt es hingegen kaum Unterschiede. Im europäischen Vergleich wird in deutschen Medien eher kritisch über Privatsphäre und Überwachung berichtet und mehr über die Riskken geschrieben, die diese Technologien mit sich bringen.</p>
<p>Die Studie der Universität Hohenheim setzte sich mit diesen Fragen auseinander:  Was verstehen die Deutschen heute unter Privatsphäre? Machen sie sich Sorgen um ihre Daten und ihre Privatsphäre? Als wie bedrohlich nehmen Deutsche neue Kommunikationsmittel wahr? Wie werden diese Themen in den Medien dargestellt?</p>
<p>Dazu befragten die WissenschaftlerInnen potentielle und aktuelle BenutzerInnen von Smart-Watches und Fitnessarmbänder zu Nutzenversprechen und Sorgen bei der Privatsphäre und der Datenübermittlung. Die Berichterstattung in den Massenmedien wurde als Trendindikator gedeutet und die großen deutschen Leitmedien ein Jahr lang nach Artikeln und Beiträgen zum Thema Privatheit analysiert. Eine qualitative Befragung mit 33 TeilnehmerInnen im Jugend- und Erwachsenenalter beantwortete die Frage, was Privatheit bedeutet und wie sich Privatheit im Internet und von Angesicht zu Angesicht unterscheidet. Schließlich ermittelte eine repräsentative Umfrage, inwieweit sich die Menschen in Deutschland über die Gefährdung ihrer online und offline Privatsphäre Sorgen machen.</p>
<p>Der Trendmonitor „Privatheit und informationelle Selbstbestimmung” gibt einen knappen, aber gut gegliederten Überblick über die Einstellung und den Umgang der Deutschen mit Privatsphäre.</p>
<p>Weitere Informationen sowie die Studie sind <a href="https://medienpsychologie.uni-hohenheim.de/trendmonitor" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a> abrufbar.</p>
<p>Titelbild: Yellow Watcher by Alexander Svensson via <a href="https://www.flickr.com/photos/svensson/15427817102/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-630x110.png" alt="cc-lizenz-630x11011" width="453" height="79" /></a></p>
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		<item>
		<title>&#8220;Natürlich wird dann mal Instagram gecheckt&#8221; – ein Schulleiter im Gespräch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/smartphones-in-der-schule-ein-schulleiter-im-gespraech-150965/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2017 15:49:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[BYOD]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenslanges Lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung der Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Großteil der deutschen Schulen wird mit digitalen Inhalten noch immer vorsichtig umgegangen. Die aktive Einbindung von Apps und Online-Programmen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipad-907577_1280.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-150969 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/ipad-907577_1280-630x420.jpg" alt="" width="630" height="420" /></a>Im Großteil der deutschen Schulen wird mit digitalen Inhalten noch immer vorsichtig umgegangen. Die aktive Einbindung von Apps und Online-Programmen in den Unterricht ist selten zu finden. An der deutsch-skandinavischen Gesamtschule in Berlin sieht das anders aus. Wir haben den Schulleiter Jacob Chammon zum Gespräch getroffen.</p>
<p>Digitale Inhalte in jedem Unterrichtsfach und WLAN ohne jegliche Einschränkung auf dem gesamten Schulgelände. Das ist der Alltag für Schüler an der deutsch-skandinavischen Gesamtschule. Was genau das beinhaltet und wie die Digitalisierung und Pädagogik zusammenspielen, hat uns der gebürtige Däne erklärt.</p>
<p><strong>Herr Chammon, an Ihrer Schule können die Schüler das WLAN nutzen. Welche Einschränkungen gibt es dabei? </strong></p>
<p>Seit dem Sommer haben wir ein flächendeckendes WLAN, auf das mit allen Geräten zugegriffen werden kann. Einschränkungen wie einen Adult Content Filter haben wir nicht. Das war eine pädagogische Entscheidung. Gerade wenn es einen Filter gibt, wird es für die Schüler zum Sport, diesen zu umgehen und sich trotzdem schöne Frauen anzuschauen. Deswegen liegt unser Fokus darauf, mit den Schülern über Netz-Ethik zu sprechen: Was kann und darf ich machen? Wo landen meine Sachen wenn ich etwas poste? Welche Konsequenzen kann das haben?</p>
<p><strong>An vielen Schulen ist die Smartphone Nutzung verboten. Wie stehen Sie dazu?</strong></p>
<p>Ich bin fest davon überzeugt, dass das Handyverbot das größte Hindernis für die Digitalisierung in Deutschland ist. Denn eigentlich ist alles, was wir brauchen, bei den Schülern in der Tasche. Dabei ist natürlich wichtig, dass die Geräte sinnvoll eingesetzt werden. Schüler dürfen bei uns nicht immer und überall online sein. Natürlich müssen sie im Unterricht das Handy weglegen. Aber wenn die Schüler recherchieren müssen oder eine Präsentation erstellen sollen, und wenn sie in ihrer Tasche sowieso ein Tablet haben, warum soll es dann nicht benutzt werden? Natürlich wird dann auch mal ab und zu Instagram gecheckt, aber vor der Digitalisierung haben die Kinder eben Blumen auf das Arbeitsblatt gemalt. Die Ablenkung gibt es immer und wird es auch immer geben.</p>
<p><strong>Das bedeutet, sie haben eine “Bring Your Own Device” (Anm. d. Red: Die SchülerInnen bringen eigene Endgeräte wie zB Tablets und Smartphones mit, die dann im Unterricht genutzt werden) Regel für die Nutzung digitaler Inhalte.</strong> <strong>Wie gehen Sie mit einer möglichen Ungleichheit um, wenn manche Kinder keine Smartphones oder nur sehr alte besitzen? </strong></p>
<p>Das ist kein Problem bei uns. Natürlich haben die Schüler unterschiedliche Sachen, aber deswegen haben wir ja auch schuleigene Geräte. Das sind Computer, Laptops,Tablets und sogar Smartphones. Da wir keinen großen finanziellen Träger hinter uns haben, können wir nur begrenzt einkaufen. Aber mit dem, was die Schüler haben, und dem was wir dazu kaufen können, deckt das alle ab. Wir versuchen eher noch, das BYOD ein bisschen voranzutreiben. Wir haben Spinde aufgestellt, wo die Schüle ihre Geräte nicht nur sicher einschließen können, sondern auch per USB aufladen können. Es ist nämlich eigentlich super, diese Vielfalt an unterschiedlichen Geräten zu haben. Wenn ein Schüler zum Beispiel mit einem Mac zuhause arbeitet, muss er sich hier mit einem PC auseinandersetzen. So lernen die Schüler verschiedene Formate kennen, was sehr wichtig ist.</p>
<h3 style="text-align: right;"><div class="c33l info-box"><div class="subc"><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Jacob_Chammon.jpg"><img decoding="async" class="     alignnone wp-image-150966 " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Jacob_Chammon-305x457.jpg" alt="" width="187" height="281" /></a><strong> Jacob Chammon </strong>ist Schulleiter der <a href="http://dsg-schule.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsch Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin</a> und gebürtiger Däne. Er ist ausgebildeter Lehrer in den Fächern Dänisch, Deutsch, Geschichte und Musik und arbeitet seit Jahren als Coach und Berater für Qualitätssicherung und Veränderungsprozesse für Lehrer, Fachbereichsleiter und Schulleitungen. </div></div></h3>
<p><strong>Wie genau bringen Sie Ihren Schülern im Unterricht gezielt digitale Kompetenzen bei?</strong></p>
<p>Im neuen Rahmenlehrplan in Berlin-Brandenburg gibt es eine Basiskompetenz Medien. Das bedeutet, dass sich alle Lehrer mit dem Thema Medien auseinandersetzen müssen und Digitales in ihren Unterricht einbauen. Darüber hinaus haben wir in unserer Oberstufe das Fach Medien. Dort lernen die Schüler Kompetenzen, die in die anderen Fächer eingebunden werden können. Ein Beispiel sind unterschiedliche Präsentationsformate, d.h. nicht nur Powerpoint sondern noch 3-5 andere. Ein anderes Beispiel  ist das Bearbeiten von Videos und Fotos und das Erstellen von Online-Quizzes und Grafiken. Darüber hinaus haben wir auch AGs zum Thema Coding und Programmierung, die am Nachmittag angeboten werden, jedoch keinen Informatikunterricht.</p>
<p><strong>Benutzen Sie Lern-Apps, gerade um den individuellen Lernprozess zu leiten, die Sie besonders gut finden? </strong></p>
<p>Da wir jahresgemischte Klassen haben, arbeiten wir generell sehr individuell, weil ein Frontalunterricht durch die vielen Niveaustufen ausgeschlossen ist. Wir unterrichten auf fünf unterschiedlichen Sprachen, dabei sind bei uns Lernportale sehr wichtig, weil wir eine unglaubliche Vielfalt von Materialien brauchen. Wir können nicht alle Fachbücher in fünf unterschiedlichen Sprachen in unserer kleinen Bibliothek unterbringen. Durch das Internet können wir uns die Materialien aus den verschiedenen Portalen der unterschiedlichen Länder holen. Wir nutzen natürlich auch Apps, vor allem Wörterbücher-Apps, mit denen die Schüler Sprachen lernen können.</p>
<p><strong>Sehen Sie Ihre Schüler nach der Ausbildung an Ihrer Schule sowohl für den zukünftigen Arbeitsmarkt, als auch für das Leben ausreichend vorbereitet?</strong></p>
<p>Meines Erachtens ist es am wichtigsten, den Schülern Flexibilität und Kreativität beizubringen. Wir haben einen ganz anderen pädagogischen Blickwinkel, weil wir es den Schülern überlassen, ihre Kurse auszuwählen und ihren eigenen Stundenplan zusammenzustellen. So sollen sie lernen, sich selbst einzuschätzen und dort zu arbeiten, wo es nötig ist, anstatt nach einem festen Schema. Diese Selbsteinschätzung halte ich für eine wichtige Kompetenz für die Zukunft.</p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Zukunft der schulischen Ausbildung? </strong></p>
<p>Man kann viel über das deutsche Bildungssystem sagen, aber Berlin und Brandenburg sind wirklich fortschrittlich mit dem neuen Rahmenlehrplan. Dadurch müssen sich die Schulen jetzt anpassen und fortschrittlicher werden. Im Radio wurde dafür plädiert, dass in Brandenburg dass BYOD-System eingeführt werden soll, was ich super fände. Aber wenn vermehrt in das Digitale investiert wird, muss auch mehr in die Weiterbildung der Kollegen investiert werden. Erstaunlicherweise sind gerade die jungen Lehrer, die frisch aus der Uni kommen, oft sehr eingeschränkt und haben nicht den Mut zu freieren Aufgaben.</p>
<p><strong>Schicken Sie ihre Lehrer denn oft zu Fortbildungen? </strong></p>
<p>Ja das machen wir auch. Am effektivsten ist aber der interne Austausch. In den Lehrersitzungen werden Apps gezeigt, die die anderen Lehrer dann auch mal ausprobieren sollen. Das wird dann auch immer wieder angesprochen, damit die Kollegen dass auch wirklich verstehen. Wie bei den Schülern einmal Prozentrechnen erklären nicht reicht, so ist das auch bei den Kollegen. Man muss es immer begleiten und ansprechen.</p>
<p><strong>Sie sagten, dass gerade in Berlin und Brandenburg viele Fortschritte gemacht werden. Sehen Sie es als Problem, dass Bildung in Deutschland Ländersache ist? </strong></p>
<p>Das ist ein riesiges Problem. Es gibt ja eine Bundesbildungsministerin, und die sollte viel mehr Macht haben.</p>
<p><strong>Unter anderem wegen des schnellen technologischen Wandels müssen Menschen lebenslang lernen. Ist das Ihrer Einschätzung nach überhaupt im nötigen Maße bis ins hohe Alter für alle Menschen machbar? </strong></p>
<p>Es geht hier hauptsächlich darum, auch älteren Leuten etwas zuzutrauen. Sie können viel mehr als wir oft glauben. Beim lebenslangen Lernen wachsen auch ältere Menschen mit ihren Ansprüchen, man muss ihnen nur die Chance geben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: by <a href="https://pixabay.com/de/users/lcr3cr-1336922/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">lc3cr</a> via <a href="https://pixabay.com/de/ipad-lernen-tablette-computer-907577/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, licenced CC0 Public Domain</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Land, Leute, Digitalisierung</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2017 11:50:45 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Initiative Digitale Region]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsgruppe Politik & Verwaltung]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Fokus der Digitalisierungsdebatte steht zunehmend die Überwindung von Ängsten. Gerade in den ländlichen Räumen Deutschlands wird das Thema Digitalisierung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/AG-Pol-VEr.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-150906 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/AG-Pol-VEr-630x366.png" alt="Arbeitsgruppe Politik und Verwaltung" width="630" height="366" /></a>Im Fokus der Digitalisierungsdebatte steht zunehmend die Überwindung von Ängsten. Gerade in den ländlichen Räumen Deutschlands wird das Thema Digitalisierung oftmals noch mit großer Vorsicht betrachtet.  Wir haben den Experten Florian Apel-Soetebeer gefragt, wie dies geändert werden kann.</p>
<p>Dass die Digitalisierung gerade für die ländlichen Räume große Vorteile bringen kann, hat auch die 11. Initiative Digitale Region herausgefunden. Hierzu haben wir bereits vor ein paar Wochen <a title="Chatbots und autonome Shuttles auf dem Land – Der Abschlussbericht der 11. Initiative Digitale Region" href="http://politik-digital.de/news/chatbots-und-autonome-shuttles-auf-dem-land-der-abschlussbericht-der-11-initiative-digitale-region-150679/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet</a>, und mit Anja C. Wagner, Leiterin der Arbeitsgruppe Bildung, <a title="“Wir müssen aufhören zu überlegen, wie wir ganze Institutionen transformieren können” – Anja C. Wagner im Gespräch" href="http://politik-digital.de/news/wir-muessen-aufhoeren-die-institutionen-transformieren-zu-wollen-interview-anja-wagner-150766/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gesprochen</a>. Florian Apel-Soetebeer leitete in der Initiative die Arbeitsgruppe &#8220;Politik und Verwaltung&#8221; und schildert uns seine Erfahrungen.</p>
<p><strong>Sie beraten Landkreise und Kommunen dabei, digitaler zu werden und Technologien umzusetzen. Wie kann man sich das vorstellen? </strong></p>
<p>Wir beraten auf allen Ebenen der Digitalisierung und übersetzen technische Innovationen in kommunales Handeln. Wir helfen einer Kommune herauszufinden, welches Maß an Technologie für sie sinnvoll ist. Es geht also nicht darum, jeden Trend mitzumachen und dann festzustellen, dass man damit noch ein bisschen hätte warten können. Im Moment ist bei uns beispielsweise das Thema Wissensmanagement sehr wichtig, und zwar innerhalb einer Kommunalverwaltung, aber auch im Austausch zwischen den Kommunen über solche Themen. Und da versuchen wir, die richtigen Ansatzpunkte für eine sinnvolle technische Unterstützung zu finden.</p>
<p><strong>Austausch zwischen den Kommunen bedeutet also, dass eine Kommune, die von Ihnen beraten wird, ihr Wissen an eine andere weitergibt? </strong></p>
<p>Wir organisieren auch selbst Erfahrungsaustausche zwischen Kommunen. Mit unseren Erfahrungen können wir aber auch viel erreichen, indem wir zwischen der Politik, der Verwaltung und weiteren Akteuren in der Stadt oder Region moderieren. Wir sind aber auch dazu da, die Kommunalverwaltung bei der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie zur Seite zu stehen. Denn da die kommunale Personaldecke oft sehr dünn ist, fehlen dann die Mitarbeiter, um hier alles im Blick zu behalten und zu strukturieren.</p>
<p><strong>Vermitteln Sie den Verwaltungsmitarbeitern in den Kommunen auch digitale Kompetenzen? </strong></p>
<p>Wir versuchen lieber ein Stück davor anzusetzen. Also nicht bei der konkreten Technik, sondern bei einem generellen Verständnis von Digitalisierung und der Frage der Vernetzung. Wenn zum Beispiel in der Zukunft mehr Leute im Home-Office oder in Co-Working Spaces arbeiten, entsteht ein Bedarf an einer ganz anderen Infrastruktur. Das Verständnis dieser Wirkzusammenhänge ist der zentrale Ansatz.</p>
<p>Und wir versuchen deutlich zu machen, dass die Digitalisierung genauso wichtig ist wie der Schul- oder Straßenbau. Bislang galt, die Digitalisierung entscheidet keine Wahlen, aber sie wird das tun. Es wird passieren, dass Menschen ganz konkret sagen, hier können sie nicht wohnen, weil es keine Breitbandverfügbarkeit gibt. Und das sind dann reale Probleme, die sich vor Ort auswirken.</p>
<p><strong>Gerade das Thema Breitband liegt aber doch eher auf Bundesebene, oder ist das auch eine Entscheidung der Kommunen? </strong></p>
<p>Es ist wichtig, dass Breitbandinfrastruktur als Daseinsvorsorge anerkannt wird. Und das muss dann auch entsprechend irgendwo gesetzlich diskutiert werden. Konkrete Ansatzpunkte aber können Kommunen direkt angehen, wenn sie sich selbst engagieren und nicht auf die Unterstützung warten. Hier gibt es gute Beispiele u.a. von Landkreisen in Niedersachsen, die das selbst in die Hand nehmen und nicht auf die Telekom oder den Gesetzgeber warten&#8230;</p>
<p><strong>Wichtig ist also, dass die Kommunen Eigeninitiative zeigen und nicht auf Anweisungen von oben warten?</strong></p>
<p>Es gibt viele Handlungsspielräume, wo man konkret ansetzen kann. Es gibt Bereiche, in denen die Bundesregierung feststellt, dass die Kommunen nicht schnell genug sind. Und sich dann die Frage stellt, inwieweit IT-Themen zentralisiert werden sollten. Wir müssen daher genau beobachten, wohin der Gesetzgebungsprozess aktuell geht und sollten diese Diskussionen konstruktiv verfolgen anstatt zu blockieren. In Deutschland könnte schon viel mehr getan werden, wenn wir unser Denken ein bisschen anpassen würden und uns nicht von der Angst treiben ließen, sondern die Chancen darin sehen.</p>
<p><strong>Ist Deutschland bei der Digitalisierung zu vorsichtig?  </strong></p>
<p>Das Thema ist vielschichtig. Ich finde es ein bisschen platt, immer nur von der “German Angst” zu reden. Aber: Ja, gerade auf der persönlichen Ebene ist beim Einzelnen noch viel Sorge da. Das muss man ernst nehmen, denn es ist sinnlos, etwas technisch zu ermöglichen, wenn die Menschen dann nicht mitmachen. Diese Angst abzubauen und gleichzeitig ein Grundverständnis zu entwickeln, ist ein sehr dickes Brett, aber es funktioniert nur im konkreten Diskurs. Ich glaube, wir haben viele junge und kreative Politiker, die teils auch in der <a href="http://blog.collaboratory.de/auf-dem-steinigen-weg-zur-digitalen-region/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative Digitale Region</a> dabei waren und sich ganz konkret überlegen, wie sie in ihrem kleinen Gestaltungsraum vorangehen können. Solche Leute können die Menschen direkt erreichen, besser als bspw. ein Bundesministerium das kann.</p>
<h3 style="text-align: right;"><div class="c33l info-box"><div class="subc"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2010-Profil-Foto_Apel-Soetebeer-sw-2-e1483615714384.jpg"><img decoding="async" class="    wp-image-150907  aligncenter" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2010-Profil-Foto_Apel-Soetebeer-sw-2-e1483615714384-305x382.jpg" alt="" width="169" height="212" /></a><strong><br />
Florian Apel-Soetebeer</strong> ist Geschäftsführer der <a href="www.cityandbits.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">City &amp; Bits GmbH</a>. Er berät Kreise, Städte und Gemeinden bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung. In der Colab-Initiative „Digitale Region“ hat er die <a href="http://www.collaboratory.de/w/AGs_der_Initiative_Digitale_Region" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeitsgruppe Politik &amp; Verwaltung</a> geleitet.</div></div></h3>
<p><strong>In der Initiative Digitale Region waren sie verantwortlich für die Arbeitsgruppe Politik &amp; Verwaltung. Was sind Ihre Ergebnisse?</strong></p>
<p>Die Digitale Region ist die Folge-Initiative zu dem Smart Country Projekt, an dem ich auch schon mitgearbeitet habe. Das Format gefällt mir, weil es unabhängig von wirtschaftlichen Interessen ist. In unserer Arbeitsgruppe haben wir in kurzer Zeit sehr viel gearbeitet, Leute motiviert, und sind zu spannenden Ergebnissen gekommen. Vor allem war uns wichtig, dass wir nicht einfach noch ein Papier produzieren wollten, das dann irgendwo rumliegt, sondern einen Diskurs anregen. In allen Bereichen der Initiative war die Handlungsebene vor Ort das Wichtige. Daraus kann die Politik ihre Schlüsse für ihre gesetzgeberischen Tätigkeiten ziehen, vor allem aber sollen die Praktiker vor Ort motiviert werden, einfach anzufangen. Dazu haben wir konkrete Fragen und Ansatzpunkte erarbeitet.</p>
<p><strong>Vor Ort nach Lösungen zu suchen war ja gerade bei den drei Workshops ein Thema, die von der Initiative begleitet wurden. </strong><strong>Welche konkreten Maßnahmen setzen die Regionen jetzt um? </strong></p>
<p>In Wennigsen weiß ich es genauer als in den anderen Regionen. Dort prüfen sie, ob das Gemeinschaftshaus auch als Coworking Space genutzt werden kann. Gerade bei solchen Projekten merkt man, dass es eigentlich wirklich nicht viel dazu braucht: WLAN, bestenfalls Breitband Internet und vielleicht irgendetwas zum Mittagessen in der Nähe. Und man muss eine Nutzungsregelung schaffen, um auch irgendwie die Unkosten reinzubekommen. Aber der Raum ist da, er muss nur neu definiert werden. Und das ist mit vielen Sachen so &#8211; letztendlich hängt auch viel an der Kreativität der Politik und Akteuren vor Ort.</p>
<p><strong>Sie haben viel mit den Bürgern vor Ort geredet. Gab es da Momente, in denen Sie bei den Leuten auf Unverständnis gestoßen sind?</strong></p>
<p>Ja, das war manchmal der Fall. Wir waren zum Beispiel in einer Tierhandlung, wo die Leute draußen saßen und rauchten, als wir uns vorgestellten. Und da war zuerst ein wahnsinnig großes Misstrauen. Die haben uns angeschaut als wären wir die Zeugen Jehovas und gefragt, wieso wir denn nicht normal arbeiten und was wir verkaufen wollen. Und dann musste ich erst mal erklären, dass ich Berater bin und damit auch mein Geld verdiene, aber dass ich diese Initiative ehrenamtlich mache.</p>
<p>Und beim Thema Digitalisierung war oft schon eine gewisse Sorge da, dass der Einzelhandel durch Internetbestellungen kaputt geht. Das ist sicher ein Problem, aber gleichzeitig auch die einzige Chance &#8211; und hier kann auch eine Kommune sehr gut handeln. Mit einer digitalen Plattform könnte ein lokaler Einzelhandel im Grunde das gleiche Sortiment anbieten wie Amazon, indem nicht im Lager vorhandene Produkte innerhalb von 24 Stunden geliefert werden. Denn gerade solche Geschäfte sind für eine Region überlebenswichtig. Ohne Begegnungszonen ist eine Innenstadt tot und verliert eigentlich jegliche Attraktivität. Und dann ziehen die Leute in die Städte, da muss ich als Kommune einfach handeln.</p>
<p><strong>Also ist das Elementare, diesen Denkanstoß zu geben, damit die Leute das Dorf am Leben erhalten?</strong></p>
<p>Genau! Aber andererseits eben auch die Vernetzung in der Regionen: beim Carsharing hat ein Dorf vielleicht nicht genug Menschen, dass sich das lohnt, aber mit zehn Dörfern schon.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Arbeitsgruppe Politik &amp; Verwaltung by Martha Friedrich, Erklärfilmstudio, licenced <a class="external" href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY 4.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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