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	<title>Bundeswehr &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Bundeswehr &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Propagandakrieg im Netz: Europa fast unbewaffnet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan Voß]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2015 15:16:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Die moderne Kriegspropaganda macht schon längst auch vor dem Internet nicht mehr halt. Auf Facebook, Twitter und Co werden die Konflikte der Gegenwart ebenso hart ausgetragen wie in der analogen Welt. Über YouTube wird Bildmaterial der aktuellen Konflikte verbreitet, um Stimmung zu machen. Wie sind die Armeen der Welt auf diesem Schlachtfeld aufgestellt?</p>
<p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die starke Ausdehnung des selbst ernannten Islamischen Staates (IS) im Irak und in Syrien macht auch vor dem Internet nicht halt. Seit einigen Monaten ergießt sich ein Strom von Videos ins Netz, die Enthauptungen, Massenerschießungen oder Selbstmordanschläge der radikalen Islamisten zeigen. Auch die Bilder von gekreuzigten Menschen, geschändeten Leichen oder um ihr Leben flehenden Geiseln sind beispiellos grausam. Die Betreiber sozialer Netzwerke und Plattformen schaffen es angesichts der schieren Masse der propagandistischen Inhalte nicht, gegen die Verbreitung vorzugehen, und auch staatliche Institutionen scheinen bisher machtlos. Zwar können Accounts in sozialen Netzwerken aufgrund ihrer Inhalte gesperrt und gelöscht werden, doch IS-Anhänger finden immer neue Wege, diese zu verbreiten. Sie eröffnen Accounts unter anderem Namen oder weichen auf andere Internetseiten aus.</p>
<p>Darauf reagiert nun das britische Militär und gründet <a href="http://www.theguardian.com/uk-news/2015/jan/31/british-army-facebook-warriors-77th-brigade" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine 1.500 Personen starke Einheit</a> an „Facebook-Kämpfern“: das 77. Bataillon. Angelehnt ist der Name an die 77. Einheit, die im Zweiten Weltkrieg mit kleinen Einheiten Guerillaangriffe auf japanischem Territorium durchführte und die japanische Armee dadurch zum Strategiewechsel nötigte. Die neu gegründete Einheit ist damit beauftragt, einerseits ein positives Bild der britischen Armee im Internet zu zeichnen und Zustimmung und Unterstützung zu generieren. Darüber hinaus sollen sie gegen Inhalte wie die des Islamischen Staates vorgehen. Grundlegende Erfahrungen dafür wurden aus der Aufstandsbekämpfung während des Afghanistankrieges gesammelt. Ziel der Strategie ist eine gewaltfreie Kriegsführung in den sozialen Medien durch gezielte Informationspolitik.</p>
<h3>Deutsche Bundeswehr: Ein Jahrzehnt ohne Erfolg in der Gegenpropaganda</h3>
<p>Bereits seit 2002 betreibt auch die deutsche <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/propaganda-die-psychokrieger-der-bundeswehr-a-163995.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeswehr das Zentrum für Operative Kommunikation</a>. Dessen Aufgabe besteht darin, auf das Verhalten der gegnerischen Streitkräfte einzuwirken – auch bekannt als psychologische Kampf- oder Kriegsführung. Zu seinem Aufgabengebiet gehört nicht nur die Information der eigenen SoldatInnen und OffizierInnen, sondern auch die gezielte Einflussnahme auf gegnerische Konfliktparteien oder ZivilistInnen im entsprechenden Kampfgebiet. Zwar ist die Bedeutung des modernen digitalen Informationskrieges bei der Bundeswehr erkannt worden, doch bisher scheint sie wenig gegen die öffentlichkeitswirksame Propaganda des IS unternehmen zu können. Das hat auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière erkannt und eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/thomas-de-maiziere-will-aufklaerungsoffensive-gegen-islamisten-13277369.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufklärungsoffensive gefordert</a>. Einen konkreten Plan dafür gibt es bisher jedoch noch nicht.</p>
<p>Was in diesem Bereich möglich ist, zeigt die Israelische Armee (IDF). Bereits seit 2008 ist diese auf insgesamt 30 Plattformen – Twitter, Facebook, YouTube, Instagram und vielen weiteren – und in sechs Sprachen unterwegs. Über die sozialen Netzwerke hat die IDF eine breite Basis, mit der sie im Internet ihre Standpunkte verbreiten kann. Im Sommer 2014 während des Gaza-Konflikts zwischen den radikalislamischen Kassam-Brigaden und dem israelischen Militär gipfelte dieser <a href="http://www.cnbc.com/id/101861248#." target="_blank" rel="noopener noreferrer">auch in einer öffentlichkeitswirksamen Schlacht auf den sozialen Plattformen</a>. Beide Konfliktparteien verbreiteten primär über den <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/gazastreifen-twitter-krieg-zwischen-israel-und-der-hamas-a-981310.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kurznachrichtendienst Twitter Informationen über den Konfliktverlauf</a> und veröffentlichten Bilder und Nachrichten, die den Gegner in ein schlechtes und die eigenen Taten in ein gutes Licht rücken sollten.</p>
<p>Man mag von den vielseitigen Maßnahmen des modernen Propagandakrieges halten, was man will. Es zeigt sich jedoch am oben beschriebenen Beispiel, dass er effizient ist und man sich offenkundig nur mit den gleichen Mitteln dagegen wehren kann. Doch die europäischen Staaten und Institutionen sind bei der Bekämpfung des Islamischen Staates bisher kaum erfolgreich und können keine wirksame Strategie vorweisen. Eher ungewollte Unterstützung erhielten sie hingegen Anfang Februar vom Hackerkollektiv Anonymus, <a href="http://www.nzz.ch/mehr/digital/is-anonymous-grammys-tony-abbott-1.18479215" target="_blank" rel="noopener noreferrer">das Accounts von vermeintlichen IS-UnterstützerInnen in sozialen Netzwerken hackte und kurzfristig abschaltete</a>.</p>
<h3>Asien: Netzpropaganda durch Geheimdienste und Hackergruppen</h3>
<p>Der moderne Informationskrieg bleibt jedoch häufig nicht mehr nur bei Online-Propaganda, sondern wird nicht selten durch Hacking und Sabotage der gegnerischen (Digital-)Infrastruktur unterstützt. In China unterhält der Geheimdienst beispielsweise die sogenannte <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article113766122/Cyberangriff-aus-China.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Einheit 61398</a>“ und greift gemeinsam mit der chinesischen Hackergruppe „Shanghai Group“ gezielt amerikanische und andere relevante Ziele an. Seit 2009 besitzt auch das südkoreanische Militär eine eigene Einheit für psychologische Kriegsführung. Ursprünglich gegründet, um im Internet Regierungspropaganda gegen Nordkorea zu betreiben, nutzen Mitglieder der Einheit ihre Ressourcen derweil auch, <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/suedkorea-seouls-cyberkrieger-machen-regierungspropaganda-12719930.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">um die Präsidentschaftskandidatin Park Guen-Hye zu loben und über die Opposition zu lästern</a>.</p>
<p>Gruppen von Hackern und Netzaktivisten, die Online-Propaganda für Regierungen betreiben, gibt es auch in Syrien und Ägypten. Diese agieren paramilitärisch, ihre Verbindung zu den offiziellen Militärstrukturen ist nicht eindeutig belegbar. Die „<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/syrian-electronic-army-hacker-unterstuetzen-assad-regime-a-919036.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Syrian Electronic Army</a>“ etwa unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad durch Hacker-Angriffe auf Oppositionsgruppen und Medien. Bekannt wurden die Hacks von Twitter-Accounts der Presseagenturen <a href="http://www.reuters.com/article/2012/08/06/net-us-reuters-syria-hacking-idUSBRE8721B420120806" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reuters</a> und <a href="http://www.telegraph.co.uk/finance/markets/10013768/Bogus-AP-tweet-about-explosion-at-the-White-House-wipes-billions-off-US-markets.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AP</a> und die Versendung von falschen Tweets. In Ägypten lehnt sich die „<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/egyptian-electronic-army-hacker-angriff-gegen-is-a-1004700.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Egyptian Electronic Army</a><span style="text-decoration: underline;">“</span> nicht nur namentlich an den die Syrian Electronic Army an, sondern geht auch mit ähnlichen Mitteln vor. Dabei unterstützt sie das ägyptische Militär und den neuen Machthaber Abdel Fattah el-Sisi. Auf Facebook und weiteren sozialen Netzwerken beziehen sie Stellung gegen die Muslimbruderschaft und den IS.</p>
<h3>Europa verliert Anschluss im Informationskrieg</h3>
<p>Den westlichen Armeen mangelt es hingegen bisher nicht nur an ausreichendem Personal, sonders es fehlt vor allem eine Strategie im Kampf gegen die Deutungshoheit des Islamischen Staates. Auch auf supranationaler Ebene beim Verteidigungsbündnis NATO und in der Außen- und Innenpolitik vieler europäischer Staaten scheint keine Strategie ersichtlich. Ob paramilitärische Hacker-Gruppen und ihre Aktivitäten die Lösung für die britische Armee sind, bleibt abzuwarten. Der ambitionierten Ankündigung des 77. Batallions müssen schnell Taten folgen, damit es nicht vollends den Anschluss im Informationskrieg verliert.</p>
<p>Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/icedsoul/3041770422" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Teymur Madjderey</a><br />
<img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></p>
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		<title>Mit Heugabel und Fackel unterwegs im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Wilke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 15:45:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Shitstorm]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Lynchmob]]></category>
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					<description><![CDATA[Kritisiere eine Religion, beleidige ein Berufsbild, gebe falsche Informationen heraus oder äußere dich unsachlich zu einem heiklen Thema. Die Wut [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/mit-heugabel-und-fackel-unterwegs-im-internet/pranger/" rel="attachment wp-att-115152"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-115152 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Pranger-305x429.png" alt="Quelle: Wikimedia" width="305" height="429" /></a>Kritisiere eine Religion, beleidige ein Berufsbild, gebe falsche Informationen heraus oder äußere dich unsachlich zu einem heiklen Thema. Die Wut der Bevölkerung sei dir gewiss. Mache dies im Internet und ein schier unglaubliches Maß an hasserfüllten Kommentaren füllt unzählige Seiten. Die Gesellschaft greift immer häufiger zur digitalen Fackel und Heugabel!</p>
<p>Schon bevor die Antikriegskomödie „Willkommen im Krieg“ am Osterwochenende im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, meldeten sich <a href="http://www.prosieben.de/tv/willkommen-im-krieg/video/clip/290359-clip-drei-loch-susi-1.3127702/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">viele Stimmen</a>, die die fragwürdige Aufmachung und den Inhalt des Films kritisierten. Doch nachdem der Streifen gelaufen war, entbrannte ein regelrechter &#8220;Shitstorm&#8221; im Internet. Was man üblicherweise in vermehrtem Maße nach Attacken gegen die Netzgemeinde oder die Piratenpartei erlebt, wurde dieses Mal auf ein populäres Thema ausgeweitet. Der sogenannte Shitstorm (zu Deutsch: Empörungswelle) beschreibt das Internetphänomen, bei dem konstruktive Kritik und Wortmeldungen mit unsachlichen, meist emotionalen Beiträgen vermischt werden. Diese an Personen aber auch Gruppen oder Unternehmen gerichteten Beiträge sind für gewöhnlich drohender, beleidigender oder stark überzogener Natur, stehen aber gemeinhin unter dem Schutz der freien Meinungsäußerung.</p>
<h3>Vom Shitstorm zum Lynchmob</h3>
<p>Dieser Schutz hört jedoch bei offensichtlichen Gewalt- und Morddrohungen auf. In dem oben beschriebenen Fall kam es auf der Facebook-Seite des Schauspielers Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der in dem Film einen Bundeswehrsoldaten im Afghanistaneinsatz spielt, zu ebensolchen Drohungen. So äußerten sich einige Soldaten teilweise mit sehr <a href="http://www.bild.de/unterhaltung/leute/wilson-gonzalez-ochsenknecht/erhaelt-morddrohungen-von-soldaten-23611338.bild.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">konkreten Forderungen</a>, die einem Lynchaufruf gleichkamen und offenbar den Schauspieler mit seiner Rolle verwechselten: „Du dreckiger Hurensohn! Ich bin Fallschirmjäger. Vor genau zwei Jahren verloren wir an Ostern in Afghanistan drei Männer. Und du schwuler Hurensohn findest es richtig, sich über den Einsatz da unten lustig zu machen? (…) Sei ein Mann und komm mich doch im Fallschirmjägerbataillon 261 besuchen. Ich bring Dich um, Du Tunte!“. Weiterhin war dort zu lesen: „Erschießt Ochsenknecht!“ und „Lass uns ihm mal ne kleine Tour durch die lustigsten Hinterhalte und spaßigsten Sprengfallen buchen.“. Bereits kurz darauf wurde einer der Soldaten identifiziert. Derweil distanziert sich die Bundeswehr von dem Verhalten ihres Angestellten. Derartige Äußerungen eines Soldaten seien absolut inakzeptabel, da sie nicht nur den strafrechtlichen Bestand der Beleidigung und Bedrohung erfüllten, sondern massiv dem Ansehen der Bundeswehr in der Gesellschaft schadeten, erwiderte ein Bundeswehrsprecher, von der Bildzeitung auf den Fall angesprochen. Der für die Mordäußerungen verantwortliche Soldat <a href="http://www.n-tv.de/leute/Fallschirmjaeger-entschuldigt-sich-article6042476.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bedauert seine Worte</a> inzwischen. Nach seinen Aussagen sei es nicht möglich gewesen, den Kommentar auf der Facebook-Seite des Schauspielers zu löschen. Er wolle sich nun in einem Brief an den Betroffenen für seine extremen Äußerungen entschuldigen. Ob dieser die Entschuldigung jedoch akzeptieren wird, ist fraglich. Fakt ist hingegen, dass bereits Ermittlungen gegen den Soldaten geführt werden und nun entschieden werden muss, welche disziplinarischen oder gar rechtlichen Folgen auf ihn zukommen.</p>
<h3>Das Stichwort heißt Zurückhaltung</h3>
<p>Der wohl stärkste Unterschied zwischen direkten verbalen und digitalen Auseinandersetzungen besteht wohl im Umgang mit der anderen Person.  Nun mag man genau hierin den Vorteil des Internet sehen. Man kann sich hier schließlich so ausdrücken, wie es einem beliebt, ohne ernsthafte Folgen zu erwarten, und zum anderen kann sich jeder zu jeder Zeit eine anonyme Identität zulegen. Der Fall zeigt jedoch auch deutlich, welche Tragweite Beiträge in sozialen Netzwerken haben können, die entweder aus dem Affekt geschrieben wurden oder gänzlich abwegiger Natur sind.</p>
<p>Solange man sich  innerhalb der eigenen Peer-Group befindet, mögen einem die Folgen derartiger diffamierender Äußerungen gleichgültig sein, weil man sie zurücknehmen oder korrigieren kann. Ist man allerdings mit derlei Meinung in den stärker besuchten Gefilden des Netzes unterwegs, in der Annahme, dort auf Zustimmung zu treffen, liegt man meist falsch. Hat man innerhalb der eigenen Community bei einer gering abweichenden Meinung höchstens negative Reaktionen und Kommentare zu fürchten, so erwartet einen auf der Bühne der großen Plattformen bei polarisierenden, bewusst reißerischen oder diskriminierenden Posts der oben genannte Shitstorm. Zudem sollten insbesondere Angehörige einer öffentlichen Organisation oder Behörde, aber auch Mitarbeiter von großen Firmen sich darüber im Klaren sein, dass ihre persönliche Meinung, ist sie einmal öffentlich geäußert, als repräsentativ wahrgenommen werden und dem Ansehen der entsprechenden Organisation in hohem Maße schaden kann.</p>
<h3>Das Internet vergibt nicht!</h3>
<p>Im Unterschied zum Shitstorm ist der digitale Lynchmob die konkrete Androhung von Gewalt, die sich bis in das reale Leben auswirken kann. Die bekanntesten Beispiele der vergangenen Wochen  – <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/mordfall-lena-lehren-aus-dem-lynchmob-1.1326578" target="_blank" rel="noopener noreferrer">der Fall des getöteten Mädchens in Emden</a>  und nun auch der <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/ariane-friedrich-outet-verfasser-obszoener-mail-digitaler-gegenschlag-maximale-verletzung-1.1339657" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fall Ariane Friedrich</a> – haben gezeigt, welch infernaler Sturm ausgelöst werden kann, wenn an der falschen Stelle Informationen an die Öffentlichkeit durchsickern. Urplötzlich findet sich eine Schar Menschen an, die es sich zum Ziel setzt, den Ursprung des Übels zur Strecke zu bringen – gewissermaßen in Lynchjustizmanier. Dabei staffeln sich die Maßnahmen von übler Nachrede über öffentliche Beleidigungen oder Schikanen bis hin zur Aufforderung von Gewaltausübung. Dass dieses Phänomen durch die Beschleunigung und Verstärkung des Internet noch einmal eine andere Dimension erreichen kann, gibt Grund zur Annahme, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ernsthafte Folgen entstehen und jemand tatsächlich nicht nur vorverurteilt, sondern real tätlich angegriffen wird.</p>
<p>Die Menschen können sich viel schneller organisieren, absprechen und Gemeinsamkeiten finden. Das Bedrohliche am digitalen Lynchmob ist der hohe Grad der Organisationsfähigkeit. Menschen, die sich sonst nur unter widrigen Bedingungen zusammentun würden, finden in ihrem Hass auf einen vermeintlich Schuldigen eine starke Gemeinsamkeit. Besonders extrem war diese bei den Forderungen der Facebook-Gruppe „Das saudische Volk will die Bestrafung von Hamza Kashgari“. Der saudi-arabischen Journalisten Hamza Kashgari geriet Mitte Februar ins <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815501,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kreuzfeuer</a> tausender gläubiger Muslime, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Innerhalb weniger Tage wuchs die Gruppe auf über 25.000 Mitglieder an, die zum Teil unverhohlen den Tod des Journalisten verlangten. Das zeigt deutlich die Dimensionen, die ein Lynchmob annehmen kann.</p>
<h3>Brauchen wir Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien?</h3>
<p>Tausende Nutzer kommentieren täglich die unterschiedlichsten Themen. All das ist auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter gang und gäbe. Dass dabei ein gewisses Know-how im Umgang mit dieser Form der Meinungsäußerung oder Selbstdarstellung notwendig ist, zeigt unter anderem das jüngste Beispiel des Soldaten. Es wäre demzufolge durchaus ratsam, z.B. Soldaten und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes im Umgang mit Social Media-Plattformen zu schulen. Insbesondere wenn durch einen einzigen Fehltritt die Reputation einer Behörde oder eines Berufsbildes gefährdet ist oder wenn durch die unsachgemäße Handhabe von Informationen die Gefahr eines realen Lynchmobs besteht.</p>
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		<title>Digitale Presseschau &#8211; KW 36</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thomas Würdinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 15:56:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
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					<description><![CDATA[<a href="/digitale-presseschau-kw-36"><img src="/sites/politik-digital.de/files/logo-linkliste.png" align="left" height="83" width="75" /></a>Allwissende Datensammler, demokratisierende Netzwerke, ideologische Kämpfe und die twitternde Bundeswehr – dies und mehr in unserer heutigen Digitalen Presseschau.   
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Allwissende Datensammler, demokratisierende Netzwerke, ideologische Kämpfe und die twitternde Bundeswehr – dies und mehr in unserer heutigen Digitalen Presseschau.</p>
<p><strong><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/nach-der-datenpanne-bei-wikileaks-warum-wir-aus-dem-netz-der-ideologien-ausbrechen-muessen-1.1138601" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netz der Ideologien</a></strong></p>
<p>Einstimmig auf Platz eins gewählt: der kritische Kommentar zur WikiLeaks-Debatte von Andrian Kreye auf sueddeutsche.de. Julian Assanges Forderung nach radikaler Transparenz sei beispielhaft für die ideologische Aufladung, die seit den Anfangsjahren den Diskurs ums Digitale dominiert. Genau diese extremen Positionen aber würden meist zu starren Dogmen verkrusten und für Chaos sorgen – sowohl im Netz als auch in der realen Welt. Kreye ruft deswegen zur Ordnung  und fordert mehr Pragmatismus beim Entwurf eines neuen Gesellschaftsvertrages.</p>
<p><strong><a href="http://blog.zeit.de/open-data/2011/09/08/datenjournalismus-ddj-big-data-medien-deutschlan" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenjournalismus bietet eine große Chance</a></strong></p>
<p>Auf Platz zwei unserer Digitalen Presseschau wählten wir einen Beitrag zum Thema Datenjournalismus. Hinter dem Begriff verbirgt sich die journalistische Aufarbeitung und Visualisierung großer Datensätze. Nach Meinung von Lorenz Matzat werde dies in den deutschen Medien bisher aber viel zu wenig umgesetzt. Das sei bedauernswert, denn der Datenjorunalismus biete die Chance, komplexe Sachverhalte wie den Stresstest zu Stuttgart 21 oder Entwicklungen auf dem Finanzmarkt verständlich und mit Erkenntnisgewinn darzustellen, schreibt er in seinem Beitrag für den Data-Blog auf Zeit Online.</p>
<p><strong><a href="http://wissen.dradio.de/netz-reporter-xl-die-diktatur-der-aktiven.126.de.html?dram:article_id=12175" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Diktatur der Aktiven </a></strong></p>
<p>Abstimmung per Klick, Bürgerhaushalte und E-Petitionen: Erleben wir aktuell die Revolution unserer Demokratie hin zu mehr direkter Bürgerbeteiligung? Und das dank des Internets? Oder kommt die Euphorie doch etwas zu früh, sind wir überhaupt bereit dazu? Und werden nicht vielmehr Partikularinteressen gefördert, während jene außen vor bleiben, die sich in der digitalen Welt nicht zurecht finden? Eine aufschlussreiche Zwischenbilanz zur Debatte zieht das Deutschlandradio im Online-Talk mit dem Politologen Markus Linden, dem Kommunikationsstrategen Thomas Gebel und dem Blogger Michael Seemann.</p>
<p><strong><a href="http://www.faz.net/artikel/S30405/f-a-z-sachbuecher-der-woche-sie-wissen-einfach-was-das-beste-fuer-uns-internetnutzer-ist-30495279.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google weiß, was du willst </a></strong></p>
<p>Auf Platz vier chafft es in dieser Woche eine pointierte Rezension des Sachbuchs &#8220;In The Plex. How Google Thinks, Works, and Shapes Our Lives&#8221; von Steven Levy. Thomas Thiels Buchbesprechung folgt dem Autor ins Innenleben des Internet-Giganten. Dort offenbaren sich faszienierende Einsichten in die Wandlung Googles vom idealistischen Forschungsprojekt zum machtvollen Datensammler und erlauben erschreckende Ausichten auf die Zukunft unseres digitalen Daseins: Denn Google will nicht nur immer mehr Daten sammeln, sondern schon bald noch stärker als bereits heute auch das alltägliche Handeln seiner Nutzer leiten.</p>
<p><strong><a href="http://www.pcworld.com/article/239594/how_hacktivism_affects_us_all.html#tk.rss_news" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warum Hacker-Aktivitäten uns alle betreffen </a></strong></p>
<p>Dieser Frage geht Robert Vamosi in seinem Beitrag auf pcworld.com nach und zeigt, wie vielschichtig das Phänaomen &#8220;Hacktivism&#8221; ist. Mit WikiLeaks, Anonymous und Co. seien Hacker längst zum Politikum und zur Bedrohung des geistigen Eigentums geworden. Vor allem aber lege das Hackertum die Verletzbarkeit staatlicher und wirtschaftlicher Institutionen offen und sorge für Verunsicherung unter den Nutzern.</p>
<p><strong><a href="http://www.n-tv.de/politik/Twittern-von-der-Front-article4218251.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twittern von der Front</a></strong></p>
<p>Nachwuchswerbung auf YouTube, Gefechtsvideos aus Afghanistan und Liebesgrüße aus der Heimat auf Facebook: Sebastian Schöbel hat für n-tv.de die Präsenz der Bundeswehr in den Sozialen Medien recherchiert und mit den Online-Aktivitäten der NATO und der US-amerikanischen Streitkräfte verglichen. Das Urteil für die Bundeswehr fällt dabei ziemlich ernüchternd aus.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Links, zwo, drei, vier – KW 43</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/links-zwo-drei-vier-kw-43-2-5062/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Janek Reimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 16:11:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
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		<category><![CDATA[Protestkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg stellt Kooperation mit abgeordnetenwatch.de ein, die Bundeswehr schießt gegen Google Street View und in Frankfurt können Bürger die Stadt mitgestalten - diese und weitere Netznews der Woche in unserer Linkliste.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg stellt Kooperation mit abgeordnetenwatch.de ein, die Bundeswehr schießt gegen Google Street View und in Frankfurt können Bürger die Stadt mitgestalten &#8211; diese und weitere Netznews der Woche in unserer Linkliste.<br />
<!--break--></p>
<p>
<b><u><a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2682794_0_8713_-landeszentrale-fuer-politische-bildung-koop-mit-abgeordnetenwatch-beendet.html?_skip=0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Landeszentrale duckt sich weg</a></u></b>
</p>
<p>
Nach nur zwei Monaten hat die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg die finanzielle Kooperation mit abgeordnetenwatch.de eingestellt. Lothar Fricke, Vorsitzender der Landeszentrale, hatte dabei die Einbindung des baden-württembergischen Landtags auf dem Portal zuerst entscheidend vorangetrieben. Nun wird der Vorwurf laut, Fricke habe sich dem Druck des CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Hauk ergeben müssen, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Hauk hätte möglicherweise die Art und Weise der Kommunikation auf abgeordnetenwatch.de missfallen, so die Tageszeitung weiter.
</p>
<p>
<b><u><a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6127527,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Botschaft ist entscheidend</a></u></b>
</p>
<p>
Franziska Schmidt von der Deutschen Welle hat einen Blick auf die Protestkultur in Deutschland geworfen. Ergebnis: Online wird organisiert, offline protestiert. Ob auf avaaz.org oder Facebook &#8211; Stuttgart 21 und das neue Energiekonzept der Bundesregierung sind aktuell die bestimmenden Themen. Für eine erfolgreiche Mobilisierung sei aber nach wie vor die Botschaft entscheidend, so Schmidt, weniger die Verbreitungsform.
</p>
<p>
<b><u><a href="http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:google-bilderdienst-bundeswehr-versteckt-kasernen-vor-street-view/50188513.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeswehr schießt gegen Google</a></u></b>
</p>
<p>
Wie die Financial Times Deutschland berichtet, hat die Bundeswehr Anträge zur Unkenntlichmachung ihrer Standorte bei Google Street View eingereicht. 114 Liegenschaften der Bundeswehr sollen demnach nicht abgebildet werden. Aber nicht nur das deutsche Verteidigungsministerium, sondern auch Militärs aus anderen EU-Staaten haben schwerwiegende Bedenken an Googles bildlicher Darstellung von militärischen Standorten angemeldet.
</p>
<p>
<b><u><a href="http://blog.zeit.de/open-data/2010/10/27/frankfurt-gestalten/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mittendrin in Frankfurt</a></u></b>
</p>
<p>
Kein neuer &quot;<a href="http://maerker.brandenburg.de/lis/list.php?page=maerker" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Maerker</a>&quot;, aber ähnlich: Die Seite <a href="http://www.frankfurt-gestalten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Frankfurt gestalten</a> will die Bürger durch erweiterte interaktive Informationen weiter in das Stadtgeschehen einbinden. Die Seite wird jetzt <i>hyperlocal</i>, d.h. sie bietet Informationen von lokalen Initiativen von politischen Anträgen bis zum Nahverkehr &#8211; und das nicht nur in Stadtvierteln, sondern auch einzelnen Straßen. Das Angebot soll in Kürze durch verschiedene Veranstaltungskalender ergänzt werden.
</p>
<p>
<b><u><a href="http://www.futurezone.at/stories/1664264/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verzichtet EU auf Netzsperren?</a></u></b>
</p>
<p>
Der Kulturausschuss des Europäischen Parlaments will das Blockieren von Websites mit kinderpornographischen Inhalten nicht verbindlich vorschreiben. Vielmehr sollen von den Mitgliedsstaaten Vorkehrungen zum unverzüglichen Löschen getroffen werden. Einen entsprechenden Änderungsantrag zu dem Richtlinienvorschlag der EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hat der Ausschuss nun vorgelegt. Der ursprüngliche Entwurf sah eine Verpflichtung aller EU-Staaten zur Sperrung der Seiten vor, ohne dabei die Alternative der Löschung zu prüfen.</p>
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		<item>
		<title>CDU/CSU vs. Grüne: Duellchat zur Bundeswehr</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/cducsu-vs-gruene-duellchat-zur-bundeswehr-5037/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Rita Schmidt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 15:39:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CSU]]></category>
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		<category><![CDATA[Ernst-Reinhard Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Omid Nouripur]]></category>
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					<description><![CDATA[Ernst-Reinhard Beck (CDU) und Omid Nouripour (Grüne) stellten sich am 30. September 2010 im tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de den Fragen der User. Die verteidigungs- bzw. sicherheitspolitischen Sprecher ihrer Bundestagsraktionen diskutierten u.a. über die Aussetzung der Wehrpflicht, höhere Attraktivität des Freiwilligendienstes und den Sinn der Bundeswehr.
<p>
&#160;
</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ernst-Reinhard Beck (CDU) und Omid Nouripour (Grüne) stellten sich am 30. September 2010 im tagesschau-Videochat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de den Fragen der User. Die verteidigungs- bzw. sicherheitspolitischen Sprecher ihrer Bundestagsraktionen diskutierten u.a. über die Aussetzung der Wehrpflicht, höhere Attraktivität des Freiwilligendienstes und den Sinn der Bundeswehr.</p>
<p>
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</p>
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<p>
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</p>
<p>
<i>Wenn Sie den Chat noch einmal sehen möchten, klicken Sie einfach auf das Bild. </i></p>
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		<title>&#034;Wir haben verloren&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 17:48:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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		<category><![CDATA[Volker Beck]]></category>
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		<category><![CDATA[Thomas Ebermann]]></category>
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					<description><![CDATA[Erstmals zwei Gäste im tagesschau-Videochat: Volker Beck, Grünen-MdB, und Thomas Ebermann, 1990 aus der Partei ausgetretener Mitbegründer, diskutierten am 30. Jahrestag der Grünen-Gründung live untereinander und mit den Nutzern von tagesschau.de und politik-digital.de. Ebermann hat &#34;seit 20 Jahren gute Gründe, nicht mehr bei den Grünen mitzumachen&#34;, Beck verteidigte den Wandel der Partei.<br />
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erstmals zwei Gäste im tagesschau-Videochat: Volker Beck, Grünen-MdB, und Thomas Ebermann, 1990 aus der Partei ausgetretener Mitbegründer, diskutierten am 30. Jahrestag der Grünen-Gründung live untereinander und mit den Nutzern von tagesschau.de und politik-digital.de. Ebermann hat &quot;seit 20 Jahren gute Gründe, nicht mehr bei den Grünen mitzumachen&quot;, Beck verteidigte den Wandel der Partei.</p>
<p>
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</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
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<p>
&nbsp;
</p>
<div>
Wenn Sie den Videochat noch einmal sehen wollen, einfach auf das Bild klicken.
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<p>
&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Militär-PR: Marsch in die neuen Medien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/militaer-pr-marsch-in-die-neuen-medien-4669/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jknocha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 17:24:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Medien]]></category>
		<category><![CDATA[IDF]]></category>
		<category><![CDATA[U.S. Army]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Militär]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine neue Einheit der israelischen Streitkräfte soll den Informationsfluss im Internet besser kontrollieren. Wie bei der US-Armee geht es um Public Relations – und die Kontrolle von Informationen. Die Bundeswehr hinkt allerdings hinterher. 
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Einheit der israelischen Streitkräfte soll den Informationsfluss im Internet besser kontrollieren. Wie bei der US-Armee geht es um Public Relations – und die Kontrolle von Informationen. Die Bundeswehr hinkt allerdings hinterher. </p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
In Israel ist die <a href="http://idfspokesperson.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“IDF Spokesperson´s Unit”</a> für die Neuen Medien zuständig – unter anderem mit einem eigenen <a href="http://www.youtube.com/user/idfnadesk?blend=3&amp;ob=4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">YouTube-Channel</a>. Die israelische Tageszeitung <a href="http://www.haaretz.com/hasen/spages/1131918.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Haaretz</a> berichtet nun, dass die Einheit eine neue Abteilung für Internet und Neue Medien gründen wird und dafür Experten sucht. Die Streitkräfte wollen so ihr negatives Image in der internationalen Öffentlichkeit verbessern. Mit Videos will man beweisen, wie vorsichtig die Armee im Einsatz vorgehe. Soziale Netzwerke sollen genutzt werden, um die Debatten im Web zu beeinflussen. Dahinter steckt auch der Versuch der Monopolisierung von sicherheitsrelevanten Informationen. Dass Veröffentlichungen zu militärischen Operationen angesichts bloggender oder twitternder Soldaten kaum mehr kontrolliert werden können, gilt als potentielle Gefährdungsquelle.
</p>
<p>
<b>Restriktionen statt Transparenz</b>
</p>
<p>
Das Beispiel der US-Armee zeigt, wie die unkontrollierte Nutzung des Web 2.0 durch die Zentralisierung von Informationen verhindert werden soll. Auf allen Stützpunkten gibt es ein <a href="http://www.wired.com/dangerroom/2009/06/army-orders-bases-stop-blocking-twitter-facebook-flickr/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verbot </a>von MySpace und YouTube. In einigen Militäreinrichtungen außerhalb der USA haben die Soldaten zusätzlich keinen Zugang zu Facebook, Twitter, Flickr und vergleichbaren Seiten. Dahinter steckt die Angst der Armeeführung, dass sensibles Material zu Einsätzen ungefiltert veröffentlicht werden könnte. Gleichzeitig nutzen die Streitkräfte die gleichen Online-Services, um den Informationslfuss zu zentralisieren bzw. zu filtern. Vor allem auf <a href="http://www.facebook.com/USarmy" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook</a>, <a href="http://twitter.com/usarmy" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter</a> und <a href="http://www.youtube.com/soldiersmediacenter" target="_blank" rel="noopener noreferrer">YouTube</a> ist die US-Army aktiv. Auch die <a href="http://www.telegraph.co.uk/technology/facebook/4636962/Soldiers-banned-from-MySpace-and-Facebook.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">britische Armee</a> rät ihren Soldaten von der Nutzung sozialer Netzwerke ab, verboten sind sie jedoch nicht.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/USArmy_on_Twitter.jpg" alt="Screenshot von twitter.com/usarmy" title="Screenshot von twitter.com/usarmy" height="251" width="468" /> </b>
</p>
<p>
<i>Screenshot von twitter.com/usarmy</i>
</p>
<p>
<b>Abstinenz der Bundeswehr</b>
</p>
<p>
Die <a href="http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeswehr</a> empfiehlt ihren Soldaten, diese Medien <a href="http://www.zeit.de/digital/2009-10/bundeswehr-twitter" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nicht für Meinungsäußerungen zu nutzen</a>. Auf Anfrage von politik-digital.de bestätigte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, dass die private Nutzung erlaubt sei. Restriktionen gäbe es lediglich in operativen Bereichen, die der Verschwiegenheit unterliegen. Neben dem Verschwiegenheitsparagraphen des <a href="http://bundesrecht.juris.de/sg/BJNR001140956.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Soldatengesetzes</a> würden aber keine gesetzlichen Richtlinien existieren. Konkrete Nutzungshinweise für das Web 2.0 gäbe es ebenfalls nicht. Die Anwendung der Neuen Medien durch die Bundeswehr sei nicht geplant. Man beobachte diese zwar, doch durch die Einrichtung solcher Angebote würden hohe Erwartungen geweckt werden. Da diese kaum zu erfüllen seien, halte man derzeit davon Abstand. Für das Internet gilt der alte Bundeswehrslogan zur Nachwuchswerbung angesichts dieses defensiven Verhaltens wohl nicht: „Bundeswehr – ganz schön auf Zack“.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Mit Angriffen haben wir immer zu rechnen“</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat-quick-reaction-force-3969/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fkirchner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 17:22:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Eingreiftruppe]]></category>
		<category><![CDATA[Quick Reaction Force]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 22. Juli 2008 waren drei Bundeswehrsoldaten der Quick Reaction Force im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Direkt aus Masar-i-Scharif in Afghanistan sprachen sie über die Sorgen der Angehörigen, unangenehme Temperaturen und die Anerkennung der deutschen Öffentlichkeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 22. Juli 2008 waren drei Bundeswehrsoldaten der Quick Reaction Force im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Direkt aus Masar-i-Scharif in Afghanistan sprachen sie über die Sorgen der Angehörigen, unangenehme Temperaturen und die Anerkennung der deutschen Öffentlichkeit.<!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen zum tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Aus Afghanistan zugeschaltet sind uns heute drei deutsche Soldaten aus Masar-i-Scharif. Seit dem 1. Juli stellt die Bundeswehr die Schnelle Eingreiftruppe &#8211; Quick Reaction Force &#8211; im Norden Afghanistans. Wie gehen die Soldaten mit der täglichen Gefahr um? Was für eine Rolle spielen Routine und Erfahrung? Wie lebt man in den befestigten Lagern? Liebe User, fragen Sie Oberstleutnant K., Stabsfeldwebel M. und Hauptfeldwebel R., deren Namen wir aus Sicherheitsgründen abkürzen.</p>
<p>Guten Tag und herzlich willkommen im Chat auch nach Afghanistan, können wir beginnen?</p>
<p><b>Quick Reaction Force: </b>Hallo und guten Tag aus Masar-i-Scharif! Wir freuen uns auf Ihre Fragen!</p>
<p><b><br />
Anonymous: </b>Sind die Antwortenden Offiziere der Kampftruppe oder Presseoffiziere?</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Sowohl als auch. Ich bin Presse-Offizier der QRF. Die beiden anderen Soldaten gehören der QRF an sich an.</p>
<p><b><br />
SanFWfa: </b>Wie wird ausgewählt, welcher Soldat in die QRF kommt?</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M:</b> Es gibt keine Auswahlkriterien in dem Sinne. Unser Verband hatte diesen Auftrag erhalten und daher kommt die Masse der Soldaten auch daher.</p>
<p><b><br />
Anonymous: </b>Wie gut fühlen Sie sich auf diese Aufgabe vorbereitet?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Ich fühle mich gut vorbereitet. Es war eine sehr gute Vorausbildung.</p>
<p><b><br />
Melle: </b>Inwieweit sind Sie mit der dienstlich zur Verfügung gestellten persönlichen Kampfausrüstung zufrieden?</p>
<p>
<b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Die dienstlich gelieferte Ausrüstung ist grundsätzlich ausreichend. Teilweise versuchen wir, sie mit eigenen Gegenständen sinnvoll zu ergänzen.</p>
<p><b><br />
kiefer: </b>Wie haben Sie reagiert, als Sie hörten, dass Ihr Verband für die QRF eingeteilt wurde?</p>
<p>
<b><br />
Stabsfeldwebel M..: </b>Zunächst stellte ich mir die Frage, was da genau auf uns zukommt. Wie groß wird das Aufgabenspektrum sein?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Auf alle Fälle erwartete ich eine neue Aufgabe mit einer besonderen Herausforderung.</p>
<p><b><br />
chatter2: </b>Mit welchen Gegenständen ergänzen Sie denn Ihre Ausrüstung?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Z.B. mit Pistolenholstern oder Brillen mit ballistischem Schutz oder ganz einfach geeigneter Funktionsunterwäsche.</p>
<p><b><br />
NERO: </b>Reicht Ihre Ausbildung, die Sie von der Bundeswehr erhalten haben, im Allgemeinen aus in Afghanistan und werden Sie in Sprache, Kultur und allgemeinen Verhaltensweisen mit und gegenüber den Einheimischen geschult?</p>
<p>
<b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Die Ausbildung ist, wie bereits dargestellt, sehr gut. Bezüglich Kultur und landestypischen Dingen haben wir Unterricht erhalten, der uns einen ersten Eindruck gab, was uns hier erwartet.</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Für die Sprache haben wir Sprachmittler.</p>
<p><b><br />
motte: </b>Ist vor Ort weibliches Personal eingesetzt und wenn ja, wie reagiert die Bevölkerung auf weibliche Soldaten?</p>
<p>
<b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Wir haben bei der QRF drei Soldatinnen. Bisher gab es noch keine unmittelbaren Berührungspunkte mit der hiesigen Bevölkerung, so dass wir da noch keine Erfahrungen sammeln konnten.</p>
<p>
<b><br />
102: </b>Stimmt es, dass von den in Afghanistan eingesetzten Soldaten max. fünf bis zehn Prozent die Lager überhaupt verlassen?</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>In Bezug auf das gesamte Afghanistankontingent kann ich keine Angaben machen. Die QRF ist eine Einheit, die außerhalb eingesetzt wird. Daher verlassen auch alle unsere Soldaten das Lager.</p>
<p>
<b><br />
Rienits: </b>Wie gehen Sie mit der Debatte über Kampfeinsätze deutscher Truppen um? Ich persönlich finde das, was Sie leisten, sehr gut und bin stolz auf Sie. Deutschland muss auch endlich lernen, die nötige Verantwortung im NATO-Bündnis zu tragen und nicht immer nur andere kämpfen zu lassen.</p>
<p>
<b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Zunächst einmal vielen Dank für Ihre moralische Unterstützung. Die Frage nach einem Kampfeinsatz ist nicht so einfach zu beantworten. Unser Einsatz deckt ein breites Spektrum ab. Dieses reicht von humanitären Aspekten bis hin natürlich auch zum Kämpfen. Der Kampf ist aber immer das letzte Mittel. Wir versuchen stets auf die jeweilige Situation angemessen und verhältnismäßig zu reagieren.</p>
<p>
<b><br />
Nimrod: </b>Wie ist die Stimmung unter den Soldaten? Fühlen Sie sich vom deutschen Volk genügend &quot;unterstützt&quot;?</p>
<p>
<b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Die Stimmung der Soldaten ist auf alle Fälle gut.</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Mir reicht es im Endeffekt aus, wenn ich von meiner Familie und meinen Freunden unterstützt werde.</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Grundsätzlich bin ich für jede Unterstützung dankbar, wenn aber auch das, wie der Bundespräsident es nannte, &quot;freundliche Desinteresse&quot; in Deutschland stark ausgeprägt ist. Vielleicht wäre hier durch bessere Information auch ein höheres Interesse zu wecken.</p>
<p>
<b><br />
Mole: </b>Sind Sie überzeugt von der Wichtigkeit Ihres Einsatzes oder sind Sie nur dort, &quot;weil der Job gemacht werden muss&quot;?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Ich bin überzeugt von meinem Einsatz.</p>
<p>
<b><br />
Omar: </b>Was genau ist die Aufgabe der deutschen Soldaten in Masar-i-Scharif?</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>In Masar-i-Scharif gibt es unterschiedliche Aufgaben. Masar-i-Scharif ist im Schwerpunkt eine logistische Basis für die deutschen Truppen in Afghanistan.</p>
<p><b><br />
burak: </b>Wie sieht Euer Alltag in Afghanistan aus?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Für uns bei der QRF gibt es keinen klassisch geregelten Alltag. Die Inhalte wechseln täglich von Operationen über Ausbildung bis hin zu Sport. Dementsprechend sind auch die Zeiten täglich anders.</p>
<p><b><br />
Mole: </b>Was wünschen Sie sich im Moment oft? Also was für Gedanken beherrschen Sie in diesen Tagen?</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Angenehmere Temperaturen, da wir hier täglich deutlich über 40 Grad im Schatten haben. Einige Soldaten wünschen sich auch eine abwechslungsreichere Verpflegung.</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.:  </b>Meine Gedanken drehen sich eher um die nächste Operation und was mich da erwartet.</p>
<p><b><br />
Lifke: </b>Wie sieht es mit Freizeitmöglichkeiten aus und wie gestalten Sie diese?</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Wir haben hier verschiedene Möglichkeiten. Eigentlich ist für jeden etwas dabei. Es reicht von Sportzelten bis hin zum Internet-Café. Oftmals fehlt aber die Zeit, dies regelmäßig zu nutzen. </p>
<p><b><br />
Reachable: </b>Wie lassen sich Einsätze in Afghanistan und Familie vereinbaren? Wie gut gelingt es, den Kontakt zur Familie während des Einsatzes aufrecht zu erhalten und inwiefern ist dort überhaupt Platz und Zeit für Privatsphäre?</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Natürlich ist die Trennung eine Belastung für die Familie. Allerdings kann der Kontakt per Telefon, E-Mail oder per Brief problemlos gehalten werden. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden.</p>
<p>
<b>Stabsfeldwebel M.: </b>Privatsphäre gibt es hier so gut wie gar nicht. Man ist hier halt auf engstem Raum untergebracht. Drei Soldaten in einem Unterkunftscontainer (13 qm).</p>
<p><b><br />
sebastian: </b>Ganz praktisch: Wie oft können Sie denn telefonieren (und zahlt das die Bundeswehr)?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Im Grunde immer dann wenn Zeit ist. Dazu stehen zwei Netze zur Verfügung, allerdings auf eigene Rechnung.</p>
<p><b><br />
Solace19: </b>Wieviel Zeit verbringen Sie durchschnittlich außerhalb des Lagers und wie groß schätzen Sie die Gefahr durch Angriffe auf Ihren Konvoi ein?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Im Schnitt sind wir hier drei Tage pro Woche draußen. Mit Angriffen auf Konvois ist dabei natürlich immer zu rechnen.</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Zur Zeit geht allerdings von selbstgebauten Sprengsätzen die meiste Gefahr aus. Und auch damit ist natürlich jederzeit und überall zu rechnen.</p>
<p><b><br />
Anonymous: </b>Kampfeinsatz &#8211; Wie kämpft man gegen Selbstmordattentäter und wie geht man mit dieser Bedrohung persönlich um?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Der beste Schutz ist hier die rechtzeitige Informationsgewinnung, um bereits die Bedrohung im Voraus zu erkennen und entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Diese Bedrohung ist natürlich genauso da wie die Sprengsätze.</p>
<p><b><br />
kiefer: </b>Was für einen Eindruck haben Sie davon, was die einheimische Bevölkerung von ihrer Anwesenheit hält?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Dies ist sehr unterschiedlich. In einigen Dörfern wurden wir sehr gut aufgenommen, in anderem wiederum wurde unsere Anwesenheit eher ignoriert.</p>
<p><b><br />
nakon: </b>Setzen sich die Dolmetscher denselben Gefahren aus wie die Soldaten? Bekommen diese eine gesonderte Ausbildung? Wie wichtig ist das Kommunizieren mit den Einheimischen?</p>
<p><b><br />
Oberstleutnant K.: </b>Hier muss man trennen. Zum einen haben wir uniformierte Sprachmittler, also Soldaten aus Deutschland. Diese unterliegen natürlich den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie alle anderen Soldaten auch. Zum anderen haben wir hier einheimische Sprachmittler, die in ihrer Funktion unserem Schutz unterliegen. Aber grundsätzlich gilt für diese die gleiche Gefährdung wie für Soldaten.</p>
<p><b><br />
Markus Evers: </b>Ich persönlich habe vor einigen Tagen auf tagesschau.de mit positivem Interesse den Videobeitrag von einem Hauptfeldwebel der QRF gesehen. In diesem merkte er die teilweise fehlende Unterstützung durch die Politik an. Wie ist das Empfinden im Einsatz in Hinsicht auf die politische Unterstützung für dieses schwere Mandat?</p>
<p><b><br />
Stabsfeldwebel M.: </b>Ich teile die Ansicht des Hauptfeldwebels. Man würde sich schon öfter wünschen, dass man das ein oder andere Mal auf die Schulter geklopft bekommt und nicht nur das Haar in der Suppe gesucht wird.</p>
<p><b><br />
Marcel: </b>Wie haben Sie Ihre Familie und Ihre Verwandten auf die möglichen Gefahren vorbereitet, die Sie im Einsatz erwarten könnten und hatten Sie dabei Unterstützung durch die Bundeswehr?</p>
<p><b><br />
Hauptfeldwebel R.: </b>Ich habe meiner Familie offen gesagt, dass das Schlimmste passieren kann, obwohl ich davon nicht unbedingt ausgehe. Es gibt aber auch Kameraden, die ihrer Familie nicht gesagt haben, dass sie zur QRF gehören, sondern eher Schreibtischaufgaben erledigen. Unterstützung für die Familien zu Hause gibt es durch unsere Familienbetreuungsorganisation und auch durch den Sozialdienst der Bundeswehr.</p>
<p><b><br />
Moderatorin: </b>Eine Stunde tagesschau-Chat ist leider vorbei. Möchten Sie noch ein Schlusswort aus Afghanistan an unsere User richten?</p>
<p><b><br />
Quick Reaction Force: </b>Ja. Vielen Dank für Ihre Fragen. Diese haben gezeigt, dass man sich doch für uns hier im Einsatz interessiert. Nochmals beste Grüße aus dem heißen Masar-i-Scharif ins verregnete Deutschland!</p>
<p><b><br />
Moderatorin: </b>Grüße und Dank nach Afghanistan und auch Dankeschön an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht noch einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Klügerer Militäreinsatz und mehr Aufbau&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alina Barenz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jul 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Gertz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am 17. Juli 2007 war Bernhard Gertz, der Vorsitzende
des Bundeswehrverbandes, im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.
Er sprach über die Lage der deutschen Soldaten in Afghanistan,
nahm zu Einsätzen der Bundeswehr im Inneren Stellung und erklärte,
weshalb er eine reine Berufsarmee ablehnt.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b><span class="fett">Am 17. Juli 2007 war Bernhard Gertz, der Vorsitzende<br />
des Bundeswehrverbandes, im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Er sprach über die Lage der deutschen Soldaten in Afghanistan,<br />
nahm zu Einsätzen der Bundeswehr im Inneren Stellung und erklärte,<br />
weshalb er eine reine Berufsarmee ablehnt.</span></b><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><b><b>Moderator: </b> </b><br />
</b></b> Willkommen im tagesschau-Chat! Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute unser Gast der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard<br />
Gertz. Der Verband vertritt die Interessen von rund 210.000 Mitgliedern.<br />
Oberst Gertz sagt man nach, dass er einer derjenigen ist, der am<br />
besten über die Stimmung der Truppe Bescheid weiß. Ein<br />
Fachmann also für alle Fragen in Sachen Bundeswehr. Jetzt geht<br />
es damit los:
</p>
<p>
<b>bernadette:</b> Wie offen können Sie über<br />
die Lage der deutschen Soldaten in Afghanistan sprechen?
</p>
<p>
<b><b>Bernhard Gertz:</b></b> Ich habe keinerlei<br />
Rücksichten zu nehmen, weil ich Gott sei Dank nicht der Bundesregierung<br />
angehöre. Deswegen gibt es von meiner Seite zu diesem Thema<br />
nur Klartext.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bgertz388x.jpg" alt="Berhard Gertz" height="372" width="378" /><br />
<i>Bernhard Gertz</i><br />
<i>Vorsitzender des Bundeswehrverbandes</i>
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Gab es wegen der klaren Worte schon<br />
mal Beschwerden aus der Bundesregierung?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Das gefällt nicht jedem,<br />
wenn Klartext gesprochen wird. Regierungen reden gern vom vollen<br />
Teil eines halbvollen Glases und lassen die Beschreibung des leeren<br />
Teils weg. Meine Aufgabe ist es, auch über den leeren Teil<br />
zu sprechen.
</p>
<p>
<b>Leutnant:</b> Wie häufig treffen sie auf Franz-Josef<br />
Jung und wie sehen solche Treffen aus?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Wir treffen uns wöchentlich.<br />
Entweder auf Verabredung &#8211; zum Beispiel wenn ich einen Termin erbitte,<br />
wird das regelmäßig kurzfristig organisiert. Oder wir<br />
laufen uns bei zahlreichen anderen Anlässen in Berlin über<br />
den Weg. In der vergangenen Woche etwa haben wir uns beim Focus-Fest,<br />
beim Bild-Fest und beim ZDF-Fest getroffen. Darüber hinaus<br />
telefonieren wir miteinander, wenn etwas zu besprechen ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Für alle, die die Gebräuche<br />
in Berlin nicht kennen: Es gibt nicht jede Woche so viele Feierlichkeiten.<br />
Das ist so ein bisschen der Start in die Ferien.
</p>
<p>
<b>Sandbär: </b>Für den Einsatz in Afghanistan<br />
fordern Sie eine größere Beteiligung der zivilen Ressorts,<br />
wie zum Beispiel der Polizei. Ist es nicht sinnvoll, hier bereits<br />
vor Einsätzen wie in Afghanistan, Ex-Jugoslawien, Kongo und<br />
so weiter derartige Strukturen vorzubereiten? Und muss der „Lead<br />
&quot; dazu immer beim Militär liegen?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Erstens: Ja. Es wäre vorzuziehen,<br />
auch über verfügbare zivile Strukturen bereits zu Beginn<br />
eines Einsatzes entscheiden zu können. Für eine so genannte<br />
„Selbsttragende Sicherheitsstruktur“ in Afghanistan<br />
zum Beispiel ist nicht nur der Aufbau afghanischer Streitkräfte,<br />
sondern vor allem der Aufbau einer loyalen und in der Fläche<br />
präsenten afghanischen Polizei von herausragender Bedeutung.<br />
Dafür hat nicht das Militär die Lead-Funktion übernommen,<br />
sondern die Bundesrepublik Deutschland als so genannte Lead-Nation.<br />
Leider hat sie seit 2002 durchschnittlich nur etwa 40 Polizeiausbilder<br />
in Afghanistan zur Verfügung stellen können. Das war ein<br />
Tropfen auf den heißen Stein.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Jetzt gibt es eine Verstärkung<br />
auf insgesamt 140 Ausbilder (mehrere Nationen beteiligen sich).<br />
Reicht das aus?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Leider reicht auch das bei weitem<br />
nicht aus. Afghanistan ist bekanntlich ein riesengroßes Land<br />
mit gleichzeitig miserabelsten Verkehrsverbindungen. Da muss man<br />
die Polizei in der Fläche präsent machen. Deswegen bräuchten<br />
wir sehr viel mehr Polizeiausbilder vor Ort. Zurzeit behelfen wir<br />
uns mit Notmaßnahmen. Eine solche Notmaßnahme besteht<br />
darin, dass 30 deutsche Feldjäger in Mazar-i-Sharif im Norden<br />
afghanische Polizisten ausbilden. Ich finde das ein ärgerliches<br />
Armutszeugnis für die Fähigkeit der Bundesrepublik, auch<br />
im Bereich der Polizeiausbildung belastbare Strukturen herzustellen.<br />
Vielleicht steht uns da der Föderalismus im Weg.
</p>
<p>
<b>Cpt: </b>Welche Möglichkeit hat der Bundeswehrverband,<br />
„Druck&quot; auf die Politik auszuüben, um deren Unkenntnis<br />
entgegen zu wirken? Und mehr Ausbildung und Stärkung der Zivilgesellschaft<br />
in Afghanistan zu erreichen?
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Oder kürzer ausgedrückt:
</p>
<p>
<b>remlb73: </b>Wer bremst?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Der Bundeswehrverband kann öffentlich<br />
Themen besetzen, über die die Regierung nicht gerne spricht.<br />
Das eigene Versagen wird von der Regierung selten thematisiert.<br />
Deswegen sorgen wir dafür, dass nicht nur über die militärische<br />
Seite Afghanistans gesprochen wird, sondern auch über die Mängel<br />
und Defizite beim Aufbau von Polizei und Justiz, bei der Bekämpfung<br />
von Drogenanbau und -handel, bei der Entwaffnung, Demilitarisierung<br />
und Reintegration ehemaliger Kämpfer und auf dem Feld der Verbesserung<br />
der Lebensbedingungen für die Menschen in Afghanistan. Die<br />
Staatengemeinschaft kennt diese Mängel und Defizite ganz genau,<br />
es fehlt aber an Konsequenzen. Nicht zuletzt, weil eine wirkungsvolle<br />
internationale Koordinierung aller zivilen Aufbaumaßnahmen<br />
bislang nicht stattfindet. Einen spezifischen „Bremser&quot;<br />
kann man nicht identifizieren. Allerdings besteht bei allen beteiligten<br />
Regierungen die Neigung, mehr über die Erfolge zu sprechen<br />
als über die Mängel und Defizite.
</p>
<p>
<b>joker: </b>Wie geht die Bundeswehr mit den „Warlords&quot;<br />
und deren privater Hausmacht um? Insbesondere wenn es um deren Einnahmen<br />
aus Erpressung und Drogenanbau geht?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Die Bundeswehr hat wenig Möglichkeiten<br />
eines unmittelbaren Vorgehens. Weil sie als Bestandteil der Isaf-Truppe<br />
nicht über exekutive Befugnisse verfügt. Polizei und Justiz<br />
sind Aufgabe des souveränen afghanischen Staates. Deshalb kann<br />
die Bundeswehr zum Beispiel keine Strafverfolgung für sich<br />
durchführen. Übrigens nicht einmal, wenn eigene Soldaten<br />
von Anschlägen betroffen gewesen sind. Sie kann helfen beim<br />
Aufbau loyaler Polizeikräfte, sie kann durch schnell sichtbare<br />
Maßnahmen des zivilen Aufbaus unter militärischem Schutz<br />
für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen<br />
sorgen und auf diesem Weg versuchen, das Vertrauen in die Zentralregierung<br />
zu stärken.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Zur Erklärung: In Afghanistan<br />
gibt es zwei Missionen mit ausländischen Truppen: Isaf ist<br />
eine Unterstützungstruppe für den afghanischen Staat.<br />
OEF = Operation Enduring Freedom, diese Mission ist für die<br />
Bekämpfung von internationalen Terroristen zuständig.<br />
Für OEF waren bislang vor allem KSK-Spezialkräfte eingesetzt.<br />
Derzeit sind keine KSK-Soldaten in Afghanistan [KSK=Kommando Spezialkräfte,<br />
eine Spezialeinheit der Bundeswehr, Anm. der Redaktion]
</p>
<p>
<b>hansisch: </b>Unabhängig davon, dass es möglicherweise<br />
unbezahlbar ist: Welche Truppenstärke halten Sie in Afghanistan<br />
für notwendig, um tatsächlich die Sicherheit zu gewährleisten,<br />
die für zivile Aufbauhilfe erforderlich ist?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Ich bin überzeugt, dass die<br />
Zahl der Soldaten nicht entscheidend ist. Natürlich hätte<br />
der Isaf-Oberbefehlshaber gerne mehr Soldaten. Vor allem mit Spezialfähigkeiten,<br />
an denen regelmäßig Mangel herrscht, wie zum Beispiel<br />
Heeresflieger mit funktionstüchtigen Hubschraubern, Fernmelder,<br />
Spezialpioniere, Sanitäter . Entscheidend ist für mich,<br />
dass die Art und Weise der militärischen Kampfführung<br />
im Süden stärker Rücksicht nehmen müsste auf<br />
die Menschen. Natürlich schont es die eigenen Soldaten, wenn<br />
man bei Gegnerkontakt Luftverstärkung anfordert und den vermeintlichen<br />
oder tatsächlichen terroristischen Gegner mit Bomben bekämpft.<br />
Wenn dabei aber regelmäßig Zivilisten getötet werden,<br />
ist man mit dem Anspruch, eine Staats- und Gesellschaftsordnung<br />
errichten zu wollen, die auf dem Respekt vor der Menschenwürde<br />
gründet, nicht mehr glaubwürdig. Deshalb brauchen wir<br />
im Süden eine klügere Art und Weise des militärischen<br />
Vorgehens und entschieden viel mehr zivilen Aufbau.
</p>
<p>
<b>Rantanplan54:</b> Waren Sie schon persönlich<br />
in Afghanistan? Wenn ja, wie war Ihr Eindruck?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Ich habe einige Male die deutschen<br />
Stationierungsorte besucht, in Kabul, in Kundus und in Faizabad.<br />
Mein Eindruck war, dass man nach einem Flug von Deutschland über<br />
Usbekistan unmittelbar im Mittelalter landet. In einer Gesellschaftsordnung,<br />
die man erst verstehen muss, bevor man mit Rezepten versucht, die<br />
Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern. Man lernt auch<br />
ein Stück Demut. Man bewundert, wie Menschen unter so kargen<br />
Bedingungen zurecht kommen können. Man entdeckt, dass Langsamkeit<br />
auch eine Tugend sein kann und stellt fest, dass das Gespräch,<br />
dass der Kontakt mit den Menschen sehr viel wichtiger ist als martialisches,<br />
militärisches Auftreten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Zweimal vom gleichen User:
</p>
<p>
<b>liqmaster: </b>Wie geht die Bundeswehr mit diesen<br />
zivilen Opfern um, die ja durch die OEF verursacht wurden, aber<br />
dennoch den Druck vor Ort auf die Truppe erhöhen, da dadurch<br />
ja ein Misstrauen in der Bevölkerung aufgebaut wird.
</p>
<p>
<b>liqmaster: </b>Wie wird denn das Engagement der Deutschen<br />
außerhalb Kabuls von der zivilen Bevölkerung aufgenommen?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Die Deutschen befinden sich im<br />
Norden Afghanistans immer noch in einem ihnen freundschaftlich zugeneigten<br />
Umfeld. Dort ist also offenbar Vertrauen entstanden. Deshalb hat<br />
es ja auch in Kundus nach dem Selbstmordattentat auf die deutschen<br />
Soldaten am 19. Juni 2007 eine spontane Gegendemonstration gegeben.<br />
Im Süden ist die Situation grundlegend anders. Dort befinden<br />
sich unsere niederländischen Freunde &#8211; die im Ergebnis unser<br />
Rezept aus dem Norden zu kopieren versuchen &#8211; in einem feindseligen<br />
Umfeld, weil das militärische Vorgehen insbesondere der Amerikaner,<br />
Briten und Kanadier die Menschen gegen alle westlichen Soldaten<br />
aufgebracht hat. Bundesminister Dr. Franz-Josef Jung hat vor etwa<br />
sechs Wochen sowohl öffentlich als auch bei seinem folgenden<br />
Besuch in Washington die Zahl der so genannten „Kollateralschäden&quot;<br />
thematisiert. Ich fand das gut, denn nur, wenn man mit den Verbündeten<br />
darüber redet, kann man das Verhalten ändern.
</p>
<p>
<b>krauler: </b>Ich lebe in Großbritannien. Hier<br />
wird der Einsatz der Bundeswehr sehr kritisch bewertet. Das britische<br />
Militär fühlt sich bei seinen Kampfeinsätzen in den<br />
gefährlichsten Zonen wie Helmand von den Partnern allein gelassen.<br />
In der öffentlichen Diskussion wird der deutschen Afghanistan-Politik<br />
Lahmheit und zum Teil sogar Feigheit vorgeworfen. Mit welchen Argumenten<br />
kann man Ihres Erachtens solchen Vorhaltungen begegnen?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Diese Vorwürfe sind mir nicht<br />
unbekannt. Sie sind in leicht abgemilderter Form auch schon von<br />
britischen Parlamentariern in der NATO-Parliamentary Assembly erhoben<br />
worden.<br />
Dazu muss man feststellen, dass es die britische Regierung gewesen<br />
ist, die sich für den Einsatz im Süden entschieden hat.<br />
Die Bundesrepublik hat sich entschieden, ihre Truppen auf den Norden<br />
zu konzentrieren und stellt dort den regionalen Befehlshaber. Dass<br />
dort relative Ruhe und Stabilität herrschen, ist auch eine<br />
Folge des seit 2002 klug umgesetzten Konzepts der so genannten „Vernetzten<br />
Sicherheit“, bei der das Militär einen schützenden<br />
Rahmen für den zivilen Wiederaufbau stellt. Soldaten, die diese<br />
Aufgabe haben, können keine Kämpfer im klassischen Sinne<br />
sein. Sie müssen den Kontakt mit Menschen suchen, kommunizieren,<br />
erklären, überzeugen, auf Menschen zugehen. Diese Soldaten<br />
abzuziehen, um sie im Süden in einem militärischen Kampf<br />
einzusetzen, wäre töricht. Ich finde, jeder sollte die<br />
selbst gewählte Aufgabe nach besten Kräften erfüllen.<br />
Wir wären heute schon viel weiter im Norden und im Süden,<br />
wenn die Deutschen beim Polizeiaufbau als Lead-Nation nicht so versagt<br />
hätten und wenn Großbritannien als Lead-Nation bei der<br />
Bekämpfung des Drogenanbaus nicht so katastrophal gescheitert<br />
wäre.
</p>
<p>
<b>MartinSchneider: </b>Wie steht es um den Ausrüstungsstand<br />
der Bundeswehr in Afghanistan? Vor einiger Zeit war doch mal die<br />
Rede davon, dass Mangel an Fahrzeugen der „Humvee-Klasse&quot;<br />
herrscht, beziehungsweise die vorhandenen veraltet sind. Wie ist<br />
die sonstige Ausrüstungslage vor Ort? [Humvee= ein geländegängiges,<br />
vielseitig einsetzbares Fahrzeug, Anm. der Redaktion]
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Inzwischen haben wir eine ausreichende<br />
Anzahl geschützter Fahrzeuge in Afghanistan. Der Anteil der<br />
geschützten Fahrzeuge am Gesamtfuhrpark der Bundeswehr liegt<br />
bei 45 Prozent. Regierung und Parlament haben in den letzten Jahren<br />
über das Instrument des so genannten „einsatzbedingten<br />
Sofortbedarfs“ Priorität auf die schnelle Beschaffung<br />
geschützter Fahrzeuge gelegt. Deswegen haben wir an dieser<br />
Stelle heute kein nennenswertes Problem mehr. Unsere Kommunikationstechnologie<br />
ist allerdings immer noch von vorgestern. Da hoffen wir darauf,<br />
dass die berühmte Herkules-Lösung eines Tages auch vollständige<br />
Interoperabilität mit unseren Verbündeten zulässt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Herkules = ein Großprojekt zur<br />
Verbindung aller Kommunikationstechnik der Bundeswehr, beziehungsweise<br />
deren Ersatz.
</p>
<p>
<b>Markus Wochnik:</b> Könnte eine reine Berufsarmee<br />
besser, schneller, effizienter auf die Herausforderungen solcher<br />
Auslandseinsätze reagieren? Wenn ja, warum?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Eine Berufsarmee hat regelmäßig<br />
das Problem, aus der Gesellschaft genügend qualifizierte Männer<br />
und Frauen für den soldatischen Dienst zu rekrutieren. Einsätze<br />
wie der in Afghanistan haben für junge Leute einen erheblichen<br />
Abschreckungswert. Da mag man sich gerade noch vorstellen, gegen<br />
einen zusätzlichen finanziellen Aufschlag den Grundwehrdienst<br />
von neun Monaten freiwillig auf dreizehn, höchstens 23 Monate<br />
zu verlängern, um in dieser Zeit einmal für vier Monate<br />
in den Auslandseinsatz zu gehen. Aber auf Dauer dabeibleiben will<br />
man nicht. <br />
Deswegen haben alle Berufsarmeen gerade im Bereich der Mannschaften<br />
und Unteroffiziere ein ganz erhebliches Rekrutierungsproblem. Gerade<br />
in Deutschland, vor dem Hintergrund unserer Geschichte, wird jedes<br />
Fehlverhalten von Bundeswehrsoldaten als besonders schwerwiegend<br />
betrachtet. Deswegen kann die Bundeswehr sich nicht leisten, mit<br />
Männern und Frauen in Einsätze zu gehen, die das Leitbild<br />
von Staatsbürgern in Uniform intellektuell nicht auszufüllen<br />
vermögen. In diesem Bereich hat die Wehrpflicht uns über<br />
Jahrzehnte gute Dienste geleistet. Entscheidend ist nicht, ob man<br />
eine reine Freiwilligenarmee hat oder eine Freiwilligenarmee mit<br />
einem begrenzten Umfang an Grundwehrdienstleistenden. Entscheidend<br />
ist, ob diese Armeen seriös finanziert sind in Personal, Betrieb<br />
und Investition. Auch eine unterfinanzierte Berufsarmee wird ihre<br />
Aufgaben nicht wirklich schultern können. Mir fehlt der Glaube,<br />
dass der deutsche Gesetzgeber eine Berufsarmee besser finanzieren<br />
würde, als die jetzige Bundeswehr.
</p>
<p>
<b>RegiBull: </b>Wenn von der Umstellung auf eine Berufsarmee<br />
geredet wird, kommt an dieser Stelle immer das Argument, dass eine<br />
Wehrpflichtarmee besser in der Bevölkerung und Demokratie verankert<br />
ist. Ich halte dieses Argument für verfehlt, da es den Berufssoldaten<br />
diese Fähigkeit de facto abspricht. Wie denken Sie darüber?<br />
Und sollte man im modernen Deutschland nicht ein wenig mehr Vertrauen<br />
in seine Soldaten haben?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Das ist in der Tat ein Argument<br />
von gestern oder vorgestern. Ich bin ziemlich sicher, dass meine<br />
Kameraden ihr demokratisches Selbstverständnis nicht an der<br />
Garderobe abhängen würden, wenn aus der Bundeswehr morgen<br />
eine Berufsarmee würde. Aber wenn nur noch die zur Armee kommen,<br />
die mit 18 oder 19 Jahren schon fest entschlossen sind, Soldat werden<br />
zu wollen, gewinnt die Armee ganz sicher ihren Nachwuchs aus einem<br />
wesentlich kleineren Spektrum der politischen und weltanschaulichen<br />
Orientierungen. In der Wehrpflichtarmee sind immer wieder Leute<br />
bei uns geblieben, die nie den Wunsch hatten, Soldat zu werden,<br />
dann aber festgestellt haben, dass auch ein System von militärischer<br />
Hierarchie, Befehl und Gehorsam und Disziplin viele spannende berufliche<br />
Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die Generation der heutigen<br />
militärischen Führung weist viele solche Persönlichkeiten<br />
auf. Die wären dann künftig nicht mehr da.
</p>
<p>
<b>Diablo: </b>Denken Sie, der Wehrdienst wird in Zukunft<br />
weiterhin so bestehen bleiben, oder könnte sich da etwas ändern?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> In der SPD gibt es zurzeit eine<br />
intensive Diskussion über die Zukunft der allgemeinen Wehrpflicht.<br />
Die Partei hatte 2005 schon einmal damit begonnen, vor dem Hintergrund<br />
der vorgezogenen Bundestagswahl &#8211; den vorgesehenen Sonderparteitag<br />
aber abgesagt. In diesem Jahr werden viele Kräfte in der SPD<br />
auf eine Entscheidung in der Wehrpflichtfrage drängen. Vieles<br />
spricht dafür, dass sich ein Vorschlag durchsetzt, nachdem<br />
man zwar grundsätzlich an der allgemeinen Wehrpflicht festhalten<br />
will, jedoch nur noch diejenigen jungen Männer einberuft, die<br />
sich vorher freiwillig mit ihrer Einberufung einverstanden erklärt<br />
haben. Das wäre ganz sicher das Ende der klassischen Wehrpflicht<br />
in Deutschland, auch wenn die Schöpfer dieser Idee betonen,<br />
man werde für den Fall, dass es nicht genügen Freiwillige<br />
gäbe, auf die zwangsweise Einberufung zurückgreifen. Dieser<br />
Beteuerung glaube ich nicht. Ob in der Koalition darüber Einigkeit<br />
herzustellen ist, darf mit Fug bezweifelt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Stellvertretend für viele Fragen<br />
zu diese Thema:
</p>
<p>
<b>ijo: </b>Wo endet für Sie der Einsatzbereich<br />
der Bundeswehr im Inneren? Würden Sie am Status Quo rütteln?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Ich halte eine Veränderung<br />
der verfassungsrechtlichen Festlegungen für den Einsatz der<br />
Bundeswehr im Inneren nicht für geboten. Polizeiliche Gefahrenabwehr<br />
im Inland ist Polizeiaufgabe und nicht Aufgabe vom Militär.<br />
Es kann jedoch Situationen geben, in denen Fähigkeiten benötigt<br />
werden, über die die Polizei nicht verfügt. Beispiel:<br />
Ein Flugzeug mit ausschließlich Terroristen an Bord, das als<br />
Waffe benutzt zu werden droht, soll abgeschossen werden. Das kann<br />
nur die Luftwaffe. Der derzeitige Artikel 35 Absatz 2 des Grundgesetzes<br />
lässt aber für den Fall, dass die Bundeswehr um Amtshilfe<br />
bei der polizeilichen Gefahrenabwehr im Inland gebeten wird, auch<br />
für diese nur den Einsatz polizeilicher Waffen zu. Das heißt,<br />
die Luftwaffe müsste dann mit einer Pistole oder Maschinenpistole<br />
auf das Terroristenflugzeug schießen. In diesem Punkt scheint<br />
sich die Große Koalition über eine Wortlautänderung<br />
einig. Alle anderen Vorschläge von Herrn Schäuble lehnt<br />
der Bundeswehrverband genauso ab, wie alle anderen im Bundestag<br />
vertretenen Parteien mit Ausnahme von CDU und CSU.
</p>
<p>
<b>FatBaron:</b> „Polizeiliche Gefahrenabwehr im<br />
Inland ist Polizeiaufgabe und nicht Aufgabe vom Militär&#8230;&quot;<br />
Das ist sicher richtig, aber ist die Polizei denn gerüstet<br />
für den Fall von Anschlägen mit ABC-Waffen zum Beispiel?<br />
Müsste das nicht besser geregelt werden?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Es wäre nicht klug, bei der<br />
Polizei Fähigkeiten zu duplizieren, die bei den Streitkräften<br />
vorhanden sind. Eine solche technische Amtshilfe wie die Bereitstellung<br />
von Kapazitäten für die ABC-Abwehr ist auch verfassungsrechtlich<br />
viel weniger problematisch, weil es dabei nicht um den Einsatz von<br />
Waffen geht. Hier haben sich schon immer die Fähigkeiten der<br />
Polizei und der Streitkräfte ergänzt. Auch bei der Fußball-WM<br />
waren die ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr in Bereitschaft.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b> Noch mal zu den Auslandseinsätzen:
</p>
<p>
<b>AnnaLena1: </b>An der Hilfe für Soldaten, die<br />
bei Einsätzen verletzt werden und dann dienstunfähig werden<br />
hat sich bis heute nichts geändert. Sie werden nach Ablauf<br />
eines Jahres entlassen! Warum schafft es der Bundeswehrverband nicht,<br />
für mehr Öffentlichkeit und somit für Druck auf die<br />
Verantwortlichen der Einsätze zu sorgen? Damit „einsatzversehrte&quot;<br />
Soldaten auch in Zukunft der Bundeswehr oder Bundeswehr-Verwaltung<br />
mit ihrem Fachwissen erhalten bleiben?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Zur Zeit befindet sich der Entwurf<br />
des so genannten „Einsatzweiterverwendungsgesetzes“<br />
in der Ressort-Abstimmung innerhalb der Bundesregierung. Über<br />
den Inhalt besteht bereits Einigkeit, nur die förmliche Prüfung<br />
durch das Bundesministerium für Justiz ist noch nicht abgeschlossen.<br />
Dieses Gesetz soll Soldaten, die im Einsatz verwundet worden sind<br />
und auch nach Abschluss der ärztlichen Behandlung mindestens<br />
50 Prozent Minderung der Erwerbsfähigkeit aufweisen einen Rechtsanspruch<br />
verschaffen, entweder auf Übernahme in das Dienstverhältnis<br />
eines Berufssoldaten oder auf ein Lebenszeitarbeitsverhältnis<br />
im Bundesdienst. Da dieser Entwurf von allen Fraktionen unterstützt<br />
wird, rechne ich damit, dass er noch in diesem Jahr Gesetz wird.<br />
Wir wollen ihn außerdem rückwirkend in Kraft gesetzt<br />
sehen, so dass alle zwischenzeitlich eingetretenen Härtefälle<br />
davon erfasst werden.
</p>
<p>
<b>Iratus: </b>Wie bewerten Sie die Vor- beziehungsweise<br />
Nachbereitung der Soldaten und Soldatinnen für den Auslandseinsatz<br />
aktuell? Wo und in welchen Bereichen sehen Sie dort noch Verbesserungsmöglichkeiten?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Aus der Mitgliederbefragung des<br />
Deutschen Bundeswehrverbandes, an der 45.000 Mitglieder teilgenommen<br />
haben, haben wir zwei Erkenntnisse gewonnen:<br />
Erstens: Parlament und Regierung gelingt es nicht, Soldaten die<br />
Sinnhaftigkeit ihrer Auslandseinsätze zu vermitteln. Zweitens:<br />
Die landeskundliche Einweisung in die spezifischen Verhältnisse<br />
im Einsatzland wird von den Soldaten mit großer Mehrheit als<br />
nicht ausreichend empfunden. In beiden Bereichen muss in der Tat<br />
in der Ausbildung vor dem Einsatz nachgearbeitet werden. Bei der<br />
Nachbereitung der Einsätze sollte dem Thema Posttraumatische<br />
Belastungsstörung noch stärkere Beachtung geschenkt werden<br />
als in der Vergangenheit.
</p>
<p>
<b>bwwb:</b> Was würden die Soldaten vor Ort am<br />
liebsten ändern, was sie jedoch aus rechtlichen oder Mandatsgründen<br />
nicht können?
</p>
<p>
<b>Bernhard Gertz:</b> Das hängt sehr von der spezifischen<br />
Situation ab, in der sich die Soldaten jeweils befinden. Da kann<br />
etwa der Wunsch aufkommen, die Verfolgung der Kundus-Attentäter<br />
anstelle der afghanischen Polizei selbst machen zu dürfen.<br />
Oder der Wunsch, technische Geräte zur Störung der Auslösung<br />
ferngelenkter Sprengsätze zu besitzen, von denen man gehört<br />
hat, dass es sie gibt und dass sie sich seit geraumer Zeit in der<br />
Erprobung befinden. Als ich im vergangenen Juli in Kinshasa unsere<br />
dort frisch eingetroffenen Eufor-Soldaten getroffen habe, hätten<br />
die am liebsten den Verantwortlichen, der in einer europaweiten<br />
Ausschreibung den Zuschlag an eine spanische Firma für den<br />
Aufbau eines Feldlagers vergeben hatte, auf den Mond geschossen.<br />
Das konnte ich gut verstehen. Im Übrigen sagt man von uns Soldaten,<br />
wenn wir nichts zu meckern hätten, seien wir nicht gesund.
</p>
<p><b>Moderator: </b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Bundeswehrverbands-Chef Bernhard Gertz. Herzlichen Dank, Oberst<br />
Gertz, dass Sie bei uns waren, herzlichen Dank an alle User für<br />
Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen. Die waren bei weitem nicht<br />
alle zu schaffen. Das Protokoll ist in Kürze auf den Seiten<br />
der Veranstalter www.tagesschau.de und www.politik-digital.de zu<br />
finden. Wir wünschen allen Beteiligten noch einen schönen<br />
Tag!</p>
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		<title>Soldaten: Finger weg von Digi-Cams!</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bilderskandal in Afghanistan]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>(Artikel) Digitale Speicher- und Aufnahmengeräte finden mit zunehmendem Preisverfall auch bei den Soldaten Anklang. Das hat auch für das Militär Konsequenzen, wie die öffentliche Debatte in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Denn durch die digitalen Medien kommen neue Dimensionen beim Dokumentationsvorgang hinzu.<!--break--><br />
</b></p>
<p>
&nbsp;
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<p>
Die vermeintlichen „Schädel-“ oder „Schock-Fotos“ aus Afghanistan kursieren nun seit etwa einer Woche in der deutschen Medienöffentlichkeit, und so allmählich ergänzen auch durchdachtere Positionen und Anmerkungen die aufgeregten Empörungen der ersten Tage. Doch es bleiben auch einige Lücken bestehen, insbesondere mit Blick auf den Entstehungskontext der Bilder und ihren Weg in die deutsche Medienöffentlichkeit – nein, hier sind nicht die exklusiven Kanäle der BILD-Zeitung gemeint, sondern vielmehr die digitalen Aufnahme- und Speichergeräte in den Händen der Soldaten. Offenbar war die Mitnahme von Digitalkameras (bisweilen auch des eigenen Notebooks) nach Afghanistan problemlos möglich – für die digitale Bildproduktion öffnete sich so ein weites Feld, und man muss sich beinahe fragen, warum es so lange dauerte, bis das Bildmaterial an eine breitere Öffentlichkeit gelangte.
</p>
<p>
Der Charakter der Bilder als Digitalbilder wurde in der Debatte bislang so gut wie nicht thematisiert, lediglich in Nebensätzen war von Lösch- oder Kopierversuchen die Rede, manche Artikel erwähnen einen regen Bilderhandel im Camp. Aus mehreren Gründen scheint aber der „Aggregatzustand“ des Fotomaterials besonders interessant. Zunächst einmal wurde die Authentizitätsfrage nie ernsthaft gestellt, die Öffentlichkeit ist sich einig, dass es sich nicht um Fälschungen handelt. Spätestens die Publikation in der BILD fungiert ganz offenbar als Echtheits-Zertifikat (die schnellen Schuldeingeständnisse der Bundeswehr taten ein übriges). An sich wäre dies nicht verwunderlich, zeigt aber, dass der generelle Vorbehalt gegenüber Digitalfotos angesichts der schieren Menge und weiten Verbreitung nicht mehr aufrecht erhalten wird – digitales Bildmaterial wird inzwischen schneller als „authentisch“ angesehen.</p>
<p>Damit wäre man beim zweiten Punkt: Die Bilder stammen aus dem dem Jahr 2003 und sind alt – zumal in einem digitalen Umfeld, das als besonders schnelllebig gilt. Warum haben sie in den vergangenen drei Jahren nicht schon einige Runden durch die schmutzigen Randzonen des Internet gedreht? Warum keine „Enthüllung“ durch einen umtriebigen Blogger? Offenbar ist die „deutsche Blogosphäre“ noch längst nicht auf internationalem Niveau, denn bewaffnete Konflikte waren nicht erst seit dem Bagdad-Blog von<br />
<a href="http://dear_raed.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Salam Pax</a> ein wesentlicher Nährboden für die hochgelobte Kommunikationsplattform. Die bislang seltenen „Bundeswehrblogs“ umfassen eher harmlose Berichte aus dem Alltag junger Wehrdienstleistender. Ein breit aufgestelltes Angebot wie „milblogging.com“, das mehr als 1.500 „Militär-Weblogs“ auflistet (darunter nur eine Handvoll von deutschen Soldaten), ist hierzulande nicht in Sicht.
</p>
<p>
Schließlich muss auch der konkrete Produktionsvorgang der „Schock-Fotos“ als Digitalbilder mitgedacht werden. Dabei sind drei wesentliche Charakteristika des Digitalfotografierens relevant. Zum einen entfällt die aufwändige Filmentwicklung, als traditionelle Fotos mit der Kleinbildkamera sind die Aufnahmen im afghanischen Kriegsgebiet schlichtweg undenkbar. Wichtiger aber sind zwei andere Punkte: Digitalfotos stehen unmittelbar nach der Aufnahme zur Verfügung, können überprüft und bei Bedarf erneut aufgenommen werden. Dies „erklärt“ die hohe Zahl der Bilder und den hohen Inszenierungsgrad der Aufnahmen. Das technologische Setting leistet einer seriellen Bilderproduktion Vorschub, multipliziert die Motive und die Anzahl der Bilder. Bleibt ein dritter Aspekt: Mit Abschluss der Aufnahmen verwandelt sich die Digitalkamera von einem Aufnahme- in ein Aufbewahrungs- und Zeigegerät. Nach der Rückkehr von einer Patrouillenfahrt liefert die Dia-Show im Basislager das Beweismaterial zu den Ereignissen des Tages – entweder auf dem Mini-Monitor in der Kamera oder nach der Übertragung auf ein Notebook. Einige der zuletzt veröffentlichten Berichte aus Afghanistan weisen deutlich darauf hin, dass innerhalb der Truppe reichlich digitales Bildmaterial zirkuliert und gerade die Möglichkeit zur schnellen Einsichtnahme auch zu einer Verstärkung der Aufnahmetätigkeiten geführt hat. Dass solche „personal devices“ nicht allein der Ablenkung und Zerstreuung dienen, sondern mitunter auch nicht unerhebliche Risiken bergen, sollte eigentlich bekannt sein.
</p>
<p>
Diese Eigenlogik der digitalen Bildproduktion führt schließlich zu einer scheinbar simplen Schlussfolgerung: Das Hantieren mit Kameras im Kriegsgebiet ist dem Umgang mit Waffen gleichzusetzen und gehört ganz offensichtlich verregelt. Nicht ohne Grund hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Nutzung digitaler Aufnahmegeräte aller Art in irakischen Militärlagern verboten – allerdings erst nach dem Skandal von Abu Ghraib. Inzwischen haben die US-Militärs ganz offensichtlich hinzugelernt, ein Bericht der Associated Press vom 30. Oktober 2006 (verfügbar über military.com) stellt die Arbeit der „Army Web Risk Assessment Cell“ vor: ein in Virginia ansässiges Sondergremium, das die digitalen Aktivitäten der US-Truppen überwacht und auf Sicherheitsrisiken prüft. Bis die Bundeswehr eine ähnliche Einheit beschäftigt, wird es wohl noch etwas dauern, doch schon jetzt scheint ein restriktiverer Umgang mit persönlichen digitalen Assistenten aller Art angezeigt.<br />

</p>
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<br />
Diskutieren Sie, ob den deutschen Soldaten Digitalkameras weggenommen werden sollen.<br />
<b><br />
</b></p>
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