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	<title>Bundeswehreinsatz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Bundeswehreinsatz &#8211; politik-digital</title>
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		<title>„In Afghanistan wird gekämpft, getötet und gestorben“</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Oct 2008 15:49:35 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
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					<description><![CDATA[Christian Thiels war am 21. Oktober zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.  Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich den zahlreichen Fragen zur Lage der  Bundeswehr in Afghanistan.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Christian Thiels war am 21. Oktober zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de.  Der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, zuständig für die Themen Verteidigung und Äußeres, stellte sich den zahlreichen Fragen zur Lage der  Bundeswehr in Afghanistan.<!--break--></p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich willkommen, liebe Leser, zum tagesschau-Chat. Heute zu Gast bei uns: Christian Thiels, Korrespondent hier im ARD-Hauptstadtstudio und verantwortlich für Verteidigung. In den kommenden 60 Minuten stellt er sich Ihren Fragen rund um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Vielen Dank, Christian Thiels, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Wir beginnen mit der ersten Frage.
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<p><b></b></p>
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<b>Flitzer:</b> Wie oft sind Sie schon in Afghanistan gewesen?
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<b>Christian Thiels:</b> Ich war acht Mal in Afghanistan. Ein sehr spannendes und an vielen Stellen wunderschönes Land.
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<p>
<b>Redondo:</b> Wie lange muss die Bundeswehr Ihrer Einschätzung nach noch mindestens in Afghanistan bleiben? Kann man das in Jahren abschätzen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das kann man nicht abschätzen. Ich bin kein Prophet. Aber wenn die Bundesregierung an ihrer Strategie festhält, können wir schon von einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren ausgehen.
</p>
<p>
<b>Klaus:</b> Ist Ihrer Meinung nach die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan richtig?
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<p>
<b>Christian Thiels:</b> Meine persönliche Meinung spielt da keine Rolle. Ich fürchte, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative zur Verlängerung dieses Einsatzes gibt.
</p>
<p>
<b>Gudrun:</b> Was denken Sie: Was passiert mit Afghanistan, wenn alle Truppen abgezogen sind? Wann könnte das sein?
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<p>
<b>Christian Thiels:</b> Im Idealfall können die Afghanen selbst für Sicherheit sorgen und im schlimmsten Fall versinkt das Land wieder in Chaos und Bürgerkrieg.
</p>
<p>
<b>logojan:</b> Kann nicht humanitäre Hilfe mehr bewirken als militärische?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Auf jeden Fall geht das Eine nicht ohne das Andere. Humanitäre Hilfe kann nur dann richtig wirken, wenn das Umfeld sicher ist. Dazu braucht man zur Zeit wohl auch Militär.
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<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war die Frage, die die meisten User schon Vorfeld als interessanteste bewertet haben. Hier kommt die Nummer zwei unserer &quot;Top Ten&quot;:
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<p>
<b>UH-1D:</b> Hat nicht auch die viel kürzere Ausbildung von Unteroffizieren und das Lösen vom Prinzip &quot;immer eine Stufe höher Ausbilden&quot; einen Einfluss auf die steigenden Gefallenenzahlen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Ausbildung der Soldaten für den Afghanistan-Einsatz ist auch im internationalen Vergleich sehr, sehr gut. Trotzdem kann keine Ausbildung der Welt die Soldaten auf alles vorbereiten.
</p>
<p>
<b>Demos:</b> Wie erleben die Soldaten vor Ort die Situation?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Für die Soldaten ist das ein Krieg, in dem sie stehen. Für sie ist es unwichtig, wie die Politik das nennt.
</p>
<p>
<b>RheinhessenAZ:</b> Ausbildung und Ausrüstung sind Schlüsselbegriffe in der Diskussion um den Einsatz. Wie fühlen sich die Soldaten im Einsatzgebiet ausgerüstet und ausgebildet? Sind sie auch dann noch zufrieden, wenn die Kamera aus und das Mikrofon weg sind?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Soldaten sind nicht hundertprozentig zufrieden mit ihrer Ausrüstung, vor allem gibt es zu wenig gepanzerte Fahrzeuge. Das sagen die Soldaten inzwischen auch in die Kamera.
</p>
<p>
<b>afga:</b> Wie sind die deutschen Soldaten in Afghanistan geschützt?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Soldaten haben verschiedene gepanzerte Fahrzeuge. Manche sind nur sehr leicht geschützt, andere sehr stark gepanzert. Die Ausrüstung hat sich ansonsten in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Was es in Afghanistan für die Soldaten nicht gibt, wird vor allem aus politischen Gründen nicht zur Verfügung gestellt.
</p>
<p>
<b>Bacio:</b> Können unsere Soldaten ihre eigentliche Aufgabe, nämlich für die Sicherheit der Afghanen zu sorgen, überhaupt noch erfüllen, wenn sie nur noch mit dem Eigenschutz beschäftigt sind? Je mehr sie sich einigeln müssen, desto größer wird doch die Distanz zur Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Genau so ist es. Deshalb versucht die Bundeswehr auch verstärkt, afghanische Polizisten und Soldaten auszubilden. Aber der Kontakt zur Bevölkerung ist ansonsten immer eingeschränkter.
</p>
<p>
<b>lieselotta:</b> Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen deutschen Soldaten und den Hilfsorganisationen vor Ort aus?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Hilfsorganisationen wollen nicht direkt mit den Soldaten in Verbindung gebracht werden, weil sie Angst vor Anschlägen haben. Aber sie schätzen die Präsenz der Bundeswehr, weil sie eine Atmosphäre sicher stellt, in der die Hilfsorganisationen arbeiten können.
</p>
<p>
<b>Schekker:</b> Mein Eindruck ist, dass die Empörung in der deutschen Bevölkerung über den Verlust (so nennt man es doch militärisch) von deutschen Soldaten im Ausland gar nicht so groß ist. Haben sich die Deutschen schon daran gewöhnt, dass Soldaten im Einsatz auch fallen können? Teilen Sie diesen Eindruck?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Diesen Eindruck teile ich nicht. Bislang hat die Bundeswehr vergleichsweise wenig Gefallene zu beklagen. Ich bin aber sicher, dass die Empörung sehr groß sein wird, wenn plötzlich eine große Anzahl Soldaten getötet wird, z. B. bei einem Hinterhalt, wie ihn die Franzosen vor wenigen Wochen erlebt haben.
</p>
<p>
<b>Timo Haller:</b> Warum ist die Politik nicht &quot;Manns genug&quot;, endlich diesen Einsatz als Kriegseinsatz zu definieren, der er ja ist und der Truppe auch ein entsprechendes Mandat und Bewaffnung zu geben?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Streng juristisch ist es kein Kriegseinsatz und auf diese Position zieht sich die Politik zurück. Ob das ehrlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenn die Politik zugeben würde, dass in Afghanistan so etwas wie ein Krieg stattfindet, hätte das auch Folgen für Wahlkämpfe.
</p>
<p>
<b>hh12345:</b> &quot;Deutschland und unsere Freiheit werden am Hindukusch verteidigt&quot;, wird oft gesagt. Ich kann das ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Inwiefern ist die Sicherheitslage hier von der in Afghanistan abhängig?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan war jahrelang ein Land, in dem internationale Terroristen ausgebildet wurden und ihre Anschläge vorbereitet haben. Auch Anschläge in Großbritannien zum Beispiel. Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Afghanistan und auch Pakistan eine Brutstätte für diesen Terrorismus sind.
</p>
<p>
<b>Samson:</b> Hallo, Herr Thiels. Denken Sie, dass die Bundeswehr seinen Bündnispartnern gegenüber in der Pflicht steht, auch Truppen in den stärker umkämpften Süden Afghanistans zu schicken? Bzw. denken Sie, dass die deutschen Soldaten hierzu überhaupt über die nötige Ausrüstung bzw. Ausbildung verfügen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Der Druck auf die Bundesregierung wird zunehmen, die Bundeswehr auch in den Süden zu schicken. Länder wie Kanada und die Niederlande tragen dort die Hauptlast der Kämpfe. Grundsätzlich könnten auch deutsche Soldaten Kampfeinsätze durchführen. Sie sind dafür ausgebildet und auch ausgerüstet. Die Kanadier haben sich zum Beispiel deutsche Panzer geliehen, um sie in Afghanistan einzusetzen.
</p>
<p>
<b>Ergo:</b> Wie beurteilen Sie die Polizeiausbildung durch deutsche Polizisten? Laut Medienberichten sind wohl sehr wenige Beamte vor Ort.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Ausbildung ist an sich gut, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es sind tatsächlich viel zu wenig Ausbilder vor Ort und diese müssen mit wenig geeigneten Polizeirekruten arbeiten. Die Kurse sind zudem viel zu kurz, um effektiv zu sein. Da muss noch sehr, sehr viel geschehen.
</p>
<p>
<b>Sanchez:</b> Welche Rolle spielt die EU in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Eine zu kleine. Die EU hat bspw. die Polizeiausbildung übernommen. Aber wirklich viel geschehen ist trotzdem nicht. Den größten Teil der Ausbildung von Polizei und Armee schultern nach wie vor die Amerikaner, die auch das meiste Geld nach Afghanistan pumpen.
</p>
<p>
<b>wolf:</b> Warum ist es nicht möglich, die Kräfte und finanzielle Mittel so zu bündeln, dass in Afghanistan der Bevölkerung sinnvoll geholfen werden kann? Das von den Politikern oft propagierte &quot;Afghan First Programm&quot; &#8211; welches in der Realität nicht existiert &#8211; sollte von allen GO, NGO und der NATO verinnerlicht und umgesetzt werden. Jede Verdienstmöglichkeit für die afghanischen Menschen, entzieht diesen und deren Familien den Einfluss der Taliban und sichert das Leben unserer Soldaten in AFG.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> In dem Punkt haben Sie sicher Recht. Das Problem ist nur häufig, dass sehr viel Geld durch Korruption überhaupt nicht bei den Afghanen ankommt.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Bei der Bundeswehr wird immer von Transformation gesprochen. Ist die Bundeswehr soweit mit der Transformation, um Terrorismus erfolgreich bekämpfen zu können oder müsste die Bundeswehr noch sehr viel lernen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Bundeswehr hat wenig Erfahrung mit der Bekämpfung von Terrorismus. Sie muss da noch sehr viel lernen. Das könnte sie vor allen Dingen von den Briten. Denn die haben in Nordirland jahrzehntelang mit Anschlägen und terroristischen Aktivitäten zu tun gehabt.
</p>
<p>
<b>Zweifler:</b> Ist das Ganze nicht ein Teufelskreis? Seit dem 11. September 2001 werden so viele militärische Aktionen mit der Abwehr der Terrorgefahr begründet. Auf der anderen Seite rufen diese Aktionen immer neue Reaktionen der Terroristen hervor. Wo wird diese Spirale von Gewalt und Gegengewalt hinführen? Wie mein Chatname schon sagt, zweifele ich daran&#8230;
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Gute Frage. Mit Militär allein wird man den Terrorismus nicht besiegen können. Wichtiger wäre es, für die Menschen in Afghanistan eine konkrete Lebensperspektive zu schaffen. So kann man dem Terrorismus möglicherweise den Boden entziehen. Die Gleichung &quot;Mehr Militär gleich mehr Sicherheit&quot; geht so sicher nicht auf.
</p>
<p>
<b>versus:</b> Herr Thiels, was erwarten Sie von der deutschen Medienlandschaft? Welchen Stellenwert haben sie bezüglich der Berichterstattung über den deutschen Afghanistan-Einsatz?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die deutschen Medien müssen versuchen, ein möglichst realistisches Bild vom Afghanistan-Einsatz zu zeichnen. Dazu gehört auch die Ehrlichkeit, Kämpfe und Tote zu benennen und nicht nur das Bauen von Brücken und das Bohren von Brunnen zu zeigen. Die Leser, Zuschauer oder Hörer sollten sich so ihre eigene Meinung bilden können, ob sie diesen Einsatz für sinnvoll halten oder nicht.
</p>
<p>
<b>Interessiert:</b> Wie sähe eine solche Lebensperspektive Ihrer Meinung nach aus? Wo liegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten Afghanistans, neben dem Drogenanbau?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan war Jahrhunderte lang ein wichtiger landwirtschaftlicher Faktor in der Region. Schon jetzt werden mit landwirtschaftlichen Exporten beachtliche Umsätze erzielt &#8211; auch abseits des Drogenhandels. Diese Rolle könnte Afghanistan in Zukunft verstärken.
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, was hat sich in Afghanistan, sowohl positiv als auch negativ, verändert, seit die Bundeswehr dort im Einsatz ist?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels: </b>Positiv ist sicher, dass es an vielen Stellen konkrete Verbesserungen für das Leben der Menschen gegeben hat. Zum Beispiel, dass die Wasserversorgung, die medizinische Versorgung und der Aufbau der Infrastruktur deutliche Fortschritte gemacht haben. Auch können viele Kinder zur Schule gehen, die früher nicht zur Schule gehen konnten. Aber natürlich gibt es auch viele Rückschläge. Ungelöst ist vor allem die Frage, wie in Afghanistan Arbeitsplätze für eine ganze Generation junger Menschen geschaffen werden können.
</p>
<p>
<b>Sanchez:</b> Könnten die deutschen Soldaten in AFG nicht zukünftig eine Sonderrolle einnehmen? Eine etwaige Fusion von Militär und Entwicklungshelfer? Das würde doch einiges erleichtern. Außerdem genießen die Deutschen in AFG doch recht gutes Ansehen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll wäre, Militär und zivile Entwicklungshilfe zu vermischen. Alle Entwicklungshelfer, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass eine solche Vermischung ihre Arbeit nur schwerer machen würde, denn es würde sie zum Ziel von Anschlägen machen.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Zu den Lebensumständen: Herr Thiels, wenn Sie mir ein Bild von Afghanistan malen sollten. Was wäre auf dem Bild zu sehen? Krieg oder Frieden? Bevölkerung oder Soldaten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Wahrscheinlich würde dieses Bild etwas von allem enthalten, aber wenn es ein Wunschbild wäre, dann wären dort überhaupt keine Soldaten mehr zu sehen.
</p>
<p>
<b>querbeet:</b> Was auf der einen Seite als Terrorismus bezeichnet wird, nennt die andere Freiheitskampf. Wäre nicht eine differenziertere Berichterstattung angezeigt, damit wir die Lage objektiver beurteilen können?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich weiß nicht, was es mit Freiheitskampf zu tun hat, wenn kleine Kinder bei einem Anschlag zerfetzt werden.
</p>
<p>
<b>Mel:</b> Sind eigentlich immer noch Entführungen an der Tagesordnung? Wie bewegen Sie sich als Korrespondent in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es gibt nach wie vor Entführungen, sogar eine richtige Entführungsindustrie. Doch die trifft vor allem die Afghanen selbst. Als Korrespondenten sind wir entweder gemeinsam mit Militär unterwegs oder möglichst unauffällig in zivilen Fahrzeugen und ohne irgendwelche militärische Begleitung. Doch das ist nicht überall möglich, obwohl es einen deutlich besseren Eindruck von Land und Leuten vermittelt.
</p>
<p>
<b>Adger:</b> Herr Thiels, schadet die Haltung der deutschen Politik in Afghanistan zur Rolle der Bundeswehr und die Beurteilung des Konflikts der Stellung Deutschlands bei den Verbündeten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Zumindest werden die Deutschen bei den Verbündeten immer kritischer beäugt. Der Druck auf Deutschland wird vor allem nach den US-Wahlen deutlich zunehmen. Eine Sonderrolle wird Deutschland nicht mehr gestattet sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Stichwort US-Wahlen:
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Welche Auswirkung hätte die Wahl von Obama?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Obama hat schon während des Wahlkampfs sehr deutlich gemacht, dass er von den Europäern ein stärkeres Engagement in Afghanistan erwartet. Damit meint er nicht nur, aber auch, Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir kommen noch einmal zurück auf die Rolle als Korrespondent vor Ort:
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, in wie weit können sich Journalisten frei bewegen in Afghanistan? Stichwort &quot;eingebettete Journalisten&quot;.
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es gibt Regionen, in denen man sich als Korrespondent relativ frei bewegen kann. Voraussetzung dafür ist, dass man sich bei den örtlichen Stammesführern &quot;angemeldet&quot; hat. Allerdings gilt das nicht für alle Regionen. Wenn man als &quot;eingebetteter Journalist&quot; mit dem Militär unterwegs ist, muss man immer wissen, dass man nur die eine Seite kennen lernt. Und da gilt es auch, besonders kritisch zu sein.
</p>
<p>
<b>Howdy Howdy:</b> Sind Sie zum Eigenschutz bewaffnet, wenn Sie unterwegs sind? (Ich meine in Afghanistan, nicht in Berlin ;-))
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Nein, ich bin nicht bewaffnet. Ich bin ja kein Soldat oder Polizist. Übrigens trage ich auch in Berlin keine Waffe.
</p>
<p>
<b><br />
christian:</b> Wie verständigen Sie sich dort &#8211; Urdu, Persisch, Paschtu?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Mit Übersetzer. Denn mein Paschtu oder Dari ist ein bisschen &quot;eingerostet&quot;. 😉
</p>
<p>
<b>Sascha Keth:</b> Wie fühlt man sich, so nahe an der Front der Taliban?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Es ist sehr spannend. Wenn man sieht, welche Probleme die Bevölkerung hat, dann relativiert das viel von dem, über was wir uns in Deutschland aufregen.
</p>
<p>
<b>Howdy Howdy:</b> Haben Sie manchmal Angst?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Eigentlich nicht. Natürlich gibt es Situationen, in denen einem schon mulmig wird. Aber wenn man aus solchen Regionen der Welt berichtet, muss man sich auf die Arbeit konzentrieren und hat wenig Zeit, ständig über die Risiken nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Haben Sie es schon erlebt, dass einzelne aus der Bevölkerung Hass oder Wut auf Sie als Deutschen hatten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Hass nicht, aber Feindseligkeit habe ich schon erlebt. Etwa, wenn Kinder Steine auf Bundeswehrfahrzeuge werfen. Ich persönlich habe mit den Afghanen bislang nur sehr positive Erfahrungen gemacht. Ein sehr gastfreundliches Volk.
</p>
<p>
<b>Adger:</b> Nir Rosen hat sich (nicht unumstritten) bei den Taliban &quot;embedden&quot; lassen und für den Rolling Stone von dort berichtet. Was halten Sie von dieser Art der Berichterstattung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ich habe einen Kollegen, der etwas ähnliches gemacht hat. Ich glaube, dass es zum ganzen Bild dazu gehört, auch die Motive von denjenigen zu beleuchten, die für Anschläge verantwortlich sind.
</p>
<p>
<b>cgs:</b> Herr Thiels, was war Ihre außergewöhnlichste Erfahrung, die Sie bislang aus Afghanistan mitnehmen werden?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das die Menschen sehr offen, sehr freundlich und ungewöhnlich kommunikativ sind. Konkret habe ich ein sehr langes, intensives Gespräch mit einem Offizier der afghanischen Armee geführt, der die Lage in seinem Land ausgesprochen realistisch und keineswegs besonders optimistisch beschrieben hat.
</p>
<p>
<b>Herold:</b> Wie wird die Anwesenheit der Bundeswehr von dem größten Teil der afghanischen Bevölkerung Ihrer Ansicht nach beurteilt?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Sehr schwere Frage, denn den größten Teil der Bevölkerung kenne ich ja nicht. Aber es gibt Umfragen, die belegen, dass zumindest eine Mehrheit der Befragten die Präsenz der Deutschen  als sehr positiv wahrnimmt.
</p>
<p>
<b>buraQ:</b> Herr Thiels, finden Sie, dass es eine richtige Entscheidung der Regierung war, überhaupt einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu starten?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Grundsätzlich finde ich es richtig, dass Deutschland den Afghanen helfen will. Aber mir ist der zivile Wiederaufbau zu wenig betont worden. Soll heißen, es wird immer noch viermal soviel für Militär, wie für zivile Projekte ausgegeben.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Eine Frage zum Selbstmordanschlag in Afghanistan, bei dem gestern zwei Bundeswehrsoldaten starben:
</p>
<p>
<b>Ekko:</b> Was denken Sie, wenn Sie die Reaktionen der deutschen Politiker nach so einem Anschlag hören? Sind es nicht immer die gleichen, gebetsmühlenartig wiederholten Luftblasen? Was glauben Sie: Wie kann man erreichen, dass die Politik angemessen auf die sich in Afghanistan verschlimmernde Lage reagiert?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Indem man das Thema öffentlich immer wieder diskutiert und der Politik nicht durchgehen lässt, dass sie die Lage am Hindukusch schön redet. Tatsächlich hat sich in diesem Punkt auch in den vergangenen Monaten etwas getan. Von Kampf wollte vor einem Jahr noch niemand reden.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Warum spricht die Presse nicht von Krieg? Schließlich sind wir dort im Krieg?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Weil es rein formal kein erklärter Krieg ist. Aber ich will mich nicht mit juristischen oder semantischen Haarspaltereien rausreden. Wenn wir über Afghanistan berichten, beschreiben wir sehr deutlich, dass dort gekämpft, getötet und gestorben wird.
</p>
<p>
<b>Delta:</b> Wie betrachten Sie die Akzeptanz des Einsatzes in der (deutschen) Bevölkerung? Wird er überhaupt wahrgenommen? Wird der Sinn verstanden? Wie steht es Ihrer Meinung nach im Allgemeinen um die Akzeptanz der Bundeswehr in der BRD?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Bundeswehr hat grundsätzlich ein gutes Image. Vor allem dann, wenn sie in Deutschland, zum Beispiel bei der Oderflut, konkret hilft. Den Einsatz in Afghanistan lehnt ja eine große Mehrheit der Deutschen ab. Das liegt sicher auch daran, dass die Politik ihn zu wenig erklärt und auch nicht ehrlich mit den Risiken umgeht.
</p>
<p>
<b>Ackermann:</b> Wir reden hier immer von der Ausrüstung der Soldaten. Fühlen Sie sich von der ARD gut ausgerüstet für den Einsatz in Afghanistan?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die ARD geht sehr behutsam mit Reisen in Krisengebiete um. Ich persönlich bin in speziellen Kursen vorbereitet worden &#8211; nicht nur bei der Bundeswehr, sondern auch bei einem britischen Anbieter. Unsere Ausrüstung ist auf unsere Aufgabe als Korrespondent ziemlich gut abgestimmt. Ich kann mich nicht wirklich beklagen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Zurück zur Information der Bürger über den Afghanistan-Einsatz:
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Warum kümmern sich deutsche Politiker um die Wünsche der Afghanen und nicht um die Wünsche der deutschen Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Politik setzt die Schwerpunkte, die sie für richtig hält. Glücklicherweise haben wir Wahlen, bei denen jeder Bürger mit seinem Kreuzchen klar machen kann, ob er diese Schwerpunkte richtig oder falsch findet.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Sind Sie mit dem Vorgehen der Amerikaner in Afghanistan einverstanden?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Die Amerikaner sind nicht nur für Bombenangriffe und zivile Opfer verantwortlich, sondern sie leisten auch den größten Teil der Ausbildung von Armee und Polizei. Das befürworte ich sehr. Aber die Art und Weise, wie sie offenbar bewusst den Tod vieler Unschuldiger in Kauf nehmen, muss man heftig kritisieren.
</p>
<p>
<b>julian: </b>Wie muss sich die Zusammenarbeit mit Pakistan ändern, um die Terroristen in den Grenzgebieten besser verfolgen zu können?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ohne Pakistan wird sich die Lage in Afghanistan niemals beruhigen. Europa und auch Deutschland müssen viel mehr an konkreter Entwicklungshilfe in Pakistan leisten, um den Menschen in den Regionen, wo der Terror seine Zufluchtsstätte hat, eine Lebensperspektive abseits von Terrorismus zu bieten.
</p>
<p>
<b>Herold: </b>Wie sieht die Information der afghanischen Bevölkerung über das Geschehen in ihrem Land aus?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> In Afghanistan gibt es eine ganze Reihe von Radiostationen und Fernsehsendern, dazu auch diverse Zeitungen. Das wichtigste Medium ist aber das Radio, weil kaum jemand einen Fernseher hat und viele Menschen schlicht nicht lesen und schreiben können.
</p>
<p>
<b>Hase:</b> Können sich deutsche Soldaten unzensiert über die Meinung der deutschen Bevölkerung informieren? Werden deutsche Programme dorthin übertragen?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Ja. Die deutschen Soldaten können sich völlig frei zum Beispiel im Internet informieren. Außerdem werden sehr viele deutsche Fernsehsender auch in Afghanistan in den Lagern gesehen. Nur das Radioprogramm ist von der Bundeswehr.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> So klar scheint die Ablehnung der Deutschen des Afghanistan-Einsatzes gar nicht zu sein: In einer (nicht repräsentativen) Umfrage unter unseren Lesern haben 51 Prozent geantwortet, die Bundeswehr solle sich aus Afghanistan zurückziehen, 49 Prozent haben dagegen gestimmt. Herr Thiels, überrascht Sie das?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Das überrascht mich nicht, denn unsere Web-User sind in der Regel anders und besser informiert als der Durchschnittsbürger.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die Zeit ist fast um, wir kommen zur letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Andi:</b> Wie sehen Sie die Chancen, dass Afghanistan später mal wieder ein souveräner Staat wird?
</p>
<p>
<b>Christian Thiels:</b> Afghanistan ist ein souveräner Staat. Aber ihre Frage zielt ja darauf, ob Afghanistan einmal ohne ausländische Hilfe auskommen wird. Ob mit oder ohne Militär &#8211; der Weg wird noch ein sehr, sehr langer sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die 60 Minuten sind schon wieder um. Vielen Dank, Christian Thiels, und vielen Dank, liebe Leser, für Ihre Fragen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Nicole Diekmann, tagesschau.de.</i></p>
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		<title>Chat zu Afghanistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2008 09:08:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Chatankündigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute von 13 bis 14 Uhr ist Christian Thiels zu Gast im tagesschau-Chat, Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin und zuständig für das Thema Verteidigung. Erst vor sechs Wochen besuchte er zuletzt deutsche Soldaten in Afghanistan. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=192&#38;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bereits Fragen stellen!</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute von 13 bis 14 Uhr ist Christian Thiels zu Gast im tagesschau-Chat, Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin und zuständig für das Thema Verteidigung. Erst vor sechs Wochen besuchte er zuletzt deutsche Soldaten in Afghanistan. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=192&amp;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bereits Fragen stellen!</a><!--break--></p>
<p>
Die Woche beginnt mit einer Schreckensmeldung: Zwei Bundeswehrsoldaten sind in Afghanistan bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen &#8211; vier Tage, nachdem der Bundestag das ISAF-Mandat aufgestockt und verlängert hat. Bundesverteidigungsminister Jung schließt den Begriff &quot;Krieg&quot; für Afghanistan aus &#8211; lässt sich das noch aufrecht erhalten? Wie sehen das die Soldaten vor Ort? Muss die Bundeswehr ihre Strategie ändern? Fragen Sie Christian Thiels im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.
</p>
<p>
Die tagesschau-Chats werden veranstaltet von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und <a href="/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>. </p>
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		<item>
		<title>InfoMonitor Februar 2008: Liechtensteiner Steueraffäre war Topthema</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/infomonitor-februar-2008-liechtensteiner-steueraffaere-war-topthema-4084/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[InfoMonitor]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 09:21:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Ypsilanti]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf 08]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Kosovo]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Peer Steinbrück]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Affäre um deutsche Steuerflüchtlinge mit Bankkonten in Liechtenstein führt im Februar die Liste der Topthemen in den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 an.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Affäre um deutsche Steuerflüchtlinge mit Bankkonten in Liechtenstein führt im Februar die Liste der Topthemen in den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 an.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Dies ermittelte der InfoMonitor des IFEM-Instituts, Köln. Zusammengerechnet 97 Minuten berichteten die „Tagesschau“, „heute“, „RTL aktuell“ und „SAT.1 News“ über dieses Thema. An zweiter Stelle platzierten sich die Vorwahlen in den USA mit 82 Minuten. Mit etwas Abstand folgen der Bundeswehreinsatz in Afghanistan mit 57 Minuten, die Unabhängigkeit des Kosovo mit 57 Minuten und die Brandkatastrophe von Ludwigshafen mit 55 Minuten. Weitere Themen unter den Top-10 waren: die Bürgerschaftswahl in Hamburg, das Verhältnis der SPD zur Linkspartei, der Tarifstreit im öffentlichen Dienst, das Filmfestival „Berlinale“ sowie der deutsche Astronaut auf der Raumstation ISS.
</p>
<p>
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/02_top-10_themen_tv_hauptnachrichten_.jpg" height="270" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.2.-29.2.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de  </i>
</p>
<p>
Extreme Unterschiede in der Gewichtung der Themen durch die verschiedenen Hauptnachrichtensendungen gab es im Februar nicht. Außer RTL setzten alle untersuchten Sender die Steueraffäre auf den ersten Platz. Bei „RTL aktuell“ waren es die Vorwahlen in den USA. Die „Tagesschau“ platzierte als einzige den Bundeswehreinsatz in Afghanistan auf Rang 2, dafür rangierte die „Berlinale“ deutlich niedriger als bei den Hauptnachrichten von ZDF, RTL und SAT.1. Erheblich mehr Sendezeit als die anderen widmete „heute“ vom ZDF der Bürgerschaftswahl in Hamburg. Bei „RTL aktuell“ und „SAT.1 News“ rangierte die Brandkatastrophe in Ludwigshafen höher als bei ARD und ZDF, in Sendeminuten ausgedrückt lagen jedoch alle vier Hauptnachrichten auch bei diesem Thema in etwa auf dem gleichen Niveau.
</p>
<p>
Die beiden öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine „Tagesthemen und „heute-journal“ widmeten im Vergleich zu den Hauptnachrichtensendungen deutlich mehr Sendezeit dem Verhältnis der SPD zu den Linken. Auch über die Wahl eines neuen Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz wurde in den Nachrichtenmagazinen intensiver berichtet.
</p>
<p>
<b>SPD-Politiker mit vielen Auftritten in Februar-Nachrichten</b>
</p>
<p>
Die Diskussionen im Gefolge der Landtagswahlen in Hessen über eine eventuelle Zusammenarbeit der SPD mit der Linken trugen unter anderem dazu bei, dass Politiker der SPD im Februar besonders häufig in den Fernsehnachrichten auftraten. Mit insgesamt 426 Auftritten überflügelte die SPD die CDU, die 398mal in den Nachrichten präsent war.
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/02_parteienpr_tv_nachrichten.jpg" height="260" width="468" /><i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.2.-29.2.2008<br />
Insgesamt 1083 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de   </i>
</p>
<p>
Besonders häufig trat Kurt Beck auf und erreichte Rang 2 der Top-20 mit 78 Auftritten, davon 39 mit O-Ton. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen Peer Steinbrück (52, davon 22 mit O-Ton) und Andrea Ypsilanti (45, davon 14 mit O-Ton). Als einziger Vertreter der Linken erreichte Gregor Gysi die Top-20 (16 Auftritte, alle mit O-Ton). An erster Position findet sich allerdings zum wiederholten Mal Bundeskanzlerin Angela Merkel mit 97 Auftritten (49mal mit O-Ton).
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/02_top-20_politiker_nachrichten.jpg" height="440" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.2.-29.2.2008<br />
Insgesamt 1083 Politikerpräsentationen (genannt, gezeigt oder mit O-Ton)<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1 News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de </i><i>  </i>
</p>
<p>
<b>Themenstruktur: Stabile Unterschiede</b>
</p>
<p>
Nach überdurchschnittlich hohen Politikanteilen in den Nachrichten von ARD und ZDF im Januar &#8211; hervorgerufen im Wesentlichen durch zwei Landtagswahlen &#8211; zeigen sich für den Februar (trotz Bürgerschaftswahl in Hamburg) wieder relativ „normale“ Verhältnisse: Die „Tagesschau“ weist einen Anteil politischer Themen von 46 Prozent (entspricht rund 7 Minuten pro Ausgabe) auf, bei „heute“ sind es 39 Prozent (8 Minuten), für die „Tagesthemen“ wurden 38 Prozent (10 Minuten) ermittelt und das „heute-journal“ kam auf 44 Prozent (11 Minuten).
</p>
<p>
Die privaten Nachrichten zeigen gegenüber dem Vormonat unveränderte Politikanteile: Die „SAT.1 News“ weisen einen Anteil von 23 Prozent politischer Themen auf. Dies entspricht rund 3 Minuten pro Ausgabe. Bei „RTL aktuell“ lag der Wert bei 19 Prozent (4 Minuten).
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/NEU_02_themenstruktur_tv_nachrichten_prozent.jpg" alt="Themenstruktur in TV-Nachrichten (in Prozent)" height="404" width="468" /><br />
<i>Untersuchungszeitraum: 1.2.-29.2.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de </i>
</p>
<p>
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/02_themenstruktur_tv_nachrichten_minuten.jpg" height="420" width="468" /><i><br />
Untersuchungszeitraum: 1.2.-29.2.2008<br />
Untersuchte Sendungen: Tagesschau 20 Uhr; heute 19 Uhr; RTL aktuell; Sat.1<br />
News; Tagesthemen; heute-journal. &#8211; Quelle: IFEM, Grafik: politik-digital.de </i></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Untersuchungsausschüsse sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg van Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war 
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur 
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im 
Kongo.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war<br />
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur<br />
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Freunde und Gegner von FDP und BND-Ausschuss, willkommen zum<br />
Tagesschau-Chat. Ins ARD-Hauptstadtstudio ist heute Jörg van<br />
Essen gekommen, der Parlamentarische Geschäftsführer der<br />
FDP-Fraktion, in allen Oppositionsfragen mit Sicherheit gut informiert.<br />
Wie immer sind Fragen zu allen Themen möglich, von BND-Affäre<br />
über Tarifstreit und Kongo-Einsatz der Bundeswehr bis zur Landtagswahl.<br />
Wir sortieren ein bisschen und dann gehen Sie an Jörg van Essen.<br />
Los geht’s:
</p>
<p class="normal">
<b>Kaja: </b>Haben Sie aus dem Visa-Ausschuss<br />
und u.a. dem unsäglichen Lügenausschuss immer noch nichts<br />
gelernt? Ihre Untersuchungsausschüsse nimmt doch keiner mehr<br />
ernst!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Untersuchungsausschüsse<br />
sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition. Der Visa-Ausschuss<br />
hat das Bild des damaligen Außenministers Fischer dramatisch<br />
verändert. Ich finde, der Untersuchungsausschuss zu den jetzigen<br />
Fragen (CIA, El-Masri) ist wichtig, weil die Bundesregierung ihre<br />
Chance, aus eigener Kraft aufzuklären, nicht genutzt hat.
</p>
<p>
<b>annett:</b> Herr van Essen, wie stehen Sie zu dem<br />
Vorwurf, dass ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre das<br />
Verhältnis zu den USA erneut belasten würde?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Befürchtung muss<br />
man ernst nehmen, aber ich teile sie im Endeffekt nicht. Der wissenschaftliche<br />
Dienst im Bundestag hat uns aufgelistet, wie offen und streng das<br />
amerikanische Parlament mit seinen Geheimdiensten umgeht.<br />
Von daher erwarte ich Verständnis dafür, dass auch wir<br />
das tun. Geheimdienste, die aus Fehlern gelernt haben, können<br />
besser zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nun hat man nach den Geheimdienst-Vorlagen<br />
für den Irak-Krieg aber nicht unbedingt den Eindruck, dass<br />
die US-Geheimdienste gut kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe dazu keine Erkenntnisse,<br />
wie die Qualität der Kontrolle ist. In aller Regel versuchen<br />
Geheimdienste, sich der Kontrolle zu entziehen. Umso wichtiger ist<br />
es, dass wir notwendige Konsequenzen ziehen. Einige liegen schon<br />
auf der Hand. Wir werden deshalb als FDP-Fraktion einen Gesetzentwurf<br />
für eine Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums des<br />
Bundestags vorlegen.
</p>
<p>
<b>Marcus: </b>Ich glaube schon, dass ein Untersuchungs-Ausschuss<br />
sinnvoll ist. Aber warum geben Sie den Grünen und insbesondere<br />
den Linken hier eine Steilvorlage? Bei einer Schröder-Schelte<br />
bin ich immer dabei, aber damit schaden Sie doch auch der großen<br />
Koalition und damit der CDU, mit denen Sie doch eigentlich koalitionsfähig<br />
und -willig sind, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zunächst einmal: Der<br />
Untersuchungsauftrag kann nur gemeinsam von der Opposition formuliert<br />
werden. Wir sind damit mit Grünen und der Linken in einer ähnlichen<br />
Zwangsehe wie CDU/CSU und SPD. Uns geht es natürlich um die<br />
politische Verantwortung. Ich bin froh, dass wir uns da gegen die<br />
Grünen durchsetzen konnten, die ihren Auftrag nach dem Motto<br />
formuliert hatten: „die Kleinen hängt man, die Großen<br />
lässt man laufen“. Wir sehen als bürgerliche Opposition<br />
unsere Pflichten und haben deshalb einen Ermittlungsbeauftragten<br />
vorgeschlagen, der bei dieser sensiblen Materie hilfreich ist und<br />
außerdem zur Beschleunigung der Untersuchung beitragen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer soll diesen Job übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir haben bisher keinen Vorschlag<br />
gemacht. Ein Ermittlungsbeauftragter muss von einer Zweidrittel-Mehrheit<br />
der Mitglieder des Untersuchungsausschusses gewählt werden,<br />
damit er über Vertrauen verfügt. Wir denken an Kandidaten,<br />
mit denen wir aber noch nicht sprechen konnten. Deshalb wäre<br />
es unfair, ihre Namen schon zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage zur Erweiterung der Kompetenzen<br />
des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG):
</p>
<p>
<b>georg: </b>Wie soll ihrer Meinung nach denn eine erweiterte<br />
Kontrolle aussehen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Eine der Ideen, die wir diskutieren,<br />
ist ein Vorschlag des ehemaligen Präsidenten für Verfassungsschutz,<br />
Werthebach, ähnlich wie beim Wehrbeauftragten des Bundestages<br />
einen Geheimdienst-Beauftragten zu installieren, der das Parlament<br />
in seinen Aufgaben unterstützt. Wir werden im Übrigen<br />
mit Sicherheit vorschlagen, dass die Mitglieder des PKG die Fraktionsvorsitzenden<br />
unterrichten, um politisch brisante Fragen mit diesen diskutieren<br />
zu können. Derzeit steht unser einziges Mitglied, Max Stadler,<br />
bei allen Fragen ohne die Möglichkeit einer Rücksprache<br />
und Diskussion da. In der gleichen Situation sind auch die Vertreter<br />
von Linksfraktion und Grünen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist denn inzwischen klar, wer ihr Obmann<br />
im BND-Ausschuss wird? Max<br />
Stadler ziert sich ja noch ein bisschen.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Ja, das ist richtig. Max<br />
Stadler hat darum gebeten nach Möglichkeit nicht Mitglied zu<br />
werden. Wir haben mehrere gute Bewerbungen aus der Fraktion und<br />
wollen mit diesen Bewerbern noch Gespräche führen. Diese<br />
Zeit haben wir aber auch noch, da der Ausschuss frühestens<br />
in der letzten Märzwoche eingesetzt wird und erst in der ersten<br />
Aprilwoche seine Arbeit aufnimmt.
</p>
<p>
<b>Kaja: </b>Zur Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums:<br />
Sind da nicht irgendwann zu viele Köpfe involviert? Lähmt<br />
das nicht die Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Es müssen zwei Ziele<br />
unter einen Hut gebracht werden: Einmal wirksame Kontrolle, die<br />
auch dem BND dient, weil jeder vermiedene Fehler die Arbeit des<br />
BND stärkt. Und auf der anderen Seite nicht zu viele Personen,<br />
die damit befasst sind, weil sonst Geheimhaltung schwieriger wird.<br />
Die Neigung zu plaudern &#8211; besonders gegenüber den Medien &#8211;<br />
nimmt mit der Zahl der Mitglieder zu. Aus diesem Grunde ist dem<br />
Ermittlungsbeauftragten im Gesetz ausdrücklich verboten, öffentliche<br />
Erklärungen abzugeben.
</p>
<p>
<b>Herr der Ringe:</b> Warum hat sich Ihre Fraktion doch<br />
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen? Anfangs zögerten<br />
Sie doch!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zu den Zögernden habe<br />
ich auch selbst gehört. Mich haben zwei Dinge letztendlich<br />
überzeugt: Einmal hatte Wolfgang Gerhardt die Chance, den geheimen<br />
Teil der Bundesregierung zu studieren und war entsetzt, wie wenig<br />
die Bundesregierung die Chance genutzt hat, klar begangene Fehler<br />
einzugestehen &#8211; z.B. die Nichtunterrichtung des Parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums über die Entsendung der BND-Mitarbeiter nach<br />
Bagdad. Zweitens hat unser Mitglied Max Stadler, dem ich sehr vertraue<br />
und den ich als exzellenten Juristen schätze, in der Fraktion<br />
erklärt, dass er weitere Fragen habe. Dies hat sich im Übrigen<br />
auch bei meinen Verhandlungen mit den anderen Oppositions-Fraktionen<br />
bestätigt, wo wir bei jeder der Fragen abgeklopft haben, ob<br />
diese noch offen sind und das jeweils von den anwesenden PKG-Mitgliedern<br />
Stadler, Neskovic und Ströbele bestätigt wurde.
</p>
<p>
<b>Billy@SPD:</b> Wäre die Wahl 2002 zu Gunsten<br />
der Union und FDP ausgegangen, hätte die FDP doch sicher kein<br />
Problem damit gehabt, den BND mit den USA zusammenarbeiten zu sehen.<br />
Wieso kritisieren Sie es also an der alten Regierung?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Hauptkritikpunkt ist für<br />
uns das Bild, das die alte Regierung in der Öffentlichkeit<br />
gezeigt hat &#8211; nämlich strikt gegen den Krieg zu sein &#8211; und<br />
das Bild, das sich jetzt zeigt, dass über die bekannten Dinge,<br />
wie Überflugrechte, Bewachung von Kasernen hinaus, intensiv<br />
kriegswichtiger Gedankenaustausch betrieben wurde. Im Übrigen<br />
hat die FDP den Irakkrieg immer aus politischen und rechtlichen<br />
Gründen für falsch gehalten. Wir haben aber unsere Kritik<br />
gegenüber den Amerikanern als Freunde vorgetragen und haben<br />
im Gegensatz zu Schröder und Fischer für unsere Kritik<br />
deshalb offene Ohren gefunden.
</p>
<p>
<b>Ludwig:</b> Hat die FDP einen weitergehenden Untersuchungsauftrag<br />
verhindert, wie es die Grünen suggerieren?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das Gegenteil ist der Fall.<br />
Die Grünen hatten nur zwei Fragen zu El-Masri und überhaupt<br />
keine Fragen zu den Vernehmungen unter Folterumständen formuliert.<br />
Und die politische Verantwortlichkeit zu all dem was geschehen ist,<br />
hat sie auch nicht interessiert. Die FDP hat durchgesetzt, dass<br />
alles dies geschehen kann. Im Übrigen haben wir auch keinerlei<br />
Generalabrechnung mit Rot-Grün beabsichtigt, wie es mein Kollege<br />
Volker Beck immer wieder behauptet. Wir wollten einen Untersuchungsausschuss<br />
zu politisch brisanten Fragen und keinen historischen Ausschuss<br />
zur Regierungszeit von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal in der gleichen Sache:
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Sind die Handlungen des BND unrechtmäßig<br />
gewesen?
</p>
<p>
<b>Michi: </b>War das Vorgehen des BND gesetzlich korrekt?<br />
Wenn ja, handelt es sich dann nicht um einen politischen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ob rechtliche Grenzen überschritten<br />
worden sind, soll der Untersuchungsausschuss gerade klären.<br />
Da der Krieg gegen den Irak ohne völkerrechtliches Mandat geführt<br />
wurde, war es der Bundesregierung und ihren Organen, darunter dem<br />
BND, untersagt, aktiv diesen Krieg zu unterstützen. Deshalb<br />
ist die Frage, ob beispielsweise Zielkoordinaten geliefert wurden<br />
von enormer Bedeutung. Hier muss der Untersuchungsausschuss noch<br />
Aufklärungsarbeit leisten. Dass der BND zwei Mitarbeiter zur<br />
Aufklärung dorthin entsandt hat, um der Bundesregierung ein<br />
eigenes Lagebild zu ermöglichen, ist allein für sich rechtlich<br />
und politisch nicht zu beanstanden.
</p>
<p>
<b>Hunger:</b> Was wären den die rechtlichen Grenzen?<br />
Ist der Informationsaustausch illegal?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist in der Allgemeinheit<br />
schwer zu sagen. In der NATO gibt es ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen,<br />
das sicherlich auch in diesem Zusammenhang zu einem Informationsaustausch<br />
geführt hat. Es kommt auf die einzelne Nachricht an, die bewertet<br />
werden muss. Dinge die unmittelbar zu militärischen Reaktionen<br />
geführt haben im Krieg, sind wegen der Rechtswidrigkeit des<br />
Krieges höchst problematisch.
</p>
<p>
<b>Markus R: </b>Der Jugoslawien-Krieg wurde doch auch<br />
ohne völkerrechtliches Mandat durchgeführt, da gab es<br />
aber keinen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Richtig. Zunächst einmal:<br />
Die Problematik hatten wir auch beim Jugoslawien-Krieg. Die Entscheidung<br />
ist mir aus diesem Grund damals sehr schwer gefallen. Es gibt aber<br />
einen wesentlichen Unterschied: Wegen des andauernden Völkermordes<br />
im Kosovo war nach der Meinung aller Demokratien dringendes Handeln<br />
angesagt und man scheiterte an einem angedrohten Veto einer Diktatur,<br />
der Volksrepublik China. Man hatte im Übrigen alle Möglichkeiten<br />
ausgeschöpft, die die UN-Charta bietet. Ich habe damals deshalb<br />
mit einem nicht guten Gefühl eine ähnliche Situation wie<br />
bei einem innerstaatlichen, übergesetzlichen Notstand gesehen.<br />
Alle diese Voraussetzungen treffen auf den Irak nicht zu. Es ist<br />
mit getürkten Geheimdienstmeldungen gearbeitet worden. Auch<br />
viele Amerikaner haben das Gefühl, man hätte sich ein<br />
paar Wochen mehr Zeit geben sollen, um über die Richtigkeit<br />
des Vorgehens nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Martin: </b>Rechtwidrigkeit des Krieges? Das klang<br />
ja vor vier Jahren noch etwas anders. Oder hat nicht die FDP damals<br />
im Wahlkampf die SPD für ihre Stellungnahmen gegenüber<br />
den USA verurteilt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist völlig falsch.<br />
Wir haben unsere rechtlichen und politischen Bedenken immer geltend<br />
gemacht. Wir haben die SPD aber zu Recht kritisiert, dass sie das<br />
wichtige Verhältnis zu dem USA durch das törichte Verhalten<br />
des Bundeskanzlers und des Bundesaußenministers beschädigt<br />
hat. Mit der Konsequenz, dass die deutsche kritische Stimme in Washington<br />
nicht mehr gehört wurde. Bei einem Besuch von Wolfgang Gerhardt<br />
und mir haben wir unsere Kritik klar und eindeutig vorgetragen und<br />
uns ist gesagt worden, wenn Schröder und Fischer uns gesagt<br />
hätten, sie wären unsere Freunde und nicht unsere Feinde,<br />
würden wir ernsthafter mit ihnen diskutieren. Das hat uns nicht<br />
gefallen und das kritisieren wir zu Recht.
</p>
<p>
<b>Volker: </b>Und das stellen Sie erst jetzt fest (falsche<br />
Geheimdienstberichte)? Hat die FDP 2002 nicht auch das Regime im<br />
Irak verurteilt und vor der Gefahr des internationalen Terrorismus<br />
gewarnt und somit die Ängste in der Bevölkerung geschürt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir hatten damals schon,<br />
wie viele, Zweifel an den Geheimdienstberichten. Trotz des politischen<br />
Fehlers des Krieges ist doch aber nicht zu übersehen, dass<br />
es sich bei Saddam Hussein um einen besonders gewalttätigen<br />
Mörder handelt, der für viel tausendfachen Tod verantwortlich<br />
ist. Ich erinnere nur an die Giftgasangriffe auf schiitische Dörfer.<br />
Wir haben deshalb den politischen Kampf gegen Saddam Hussein unterstützt.<br />
Er steht zu Recht vor Gericht.
</p>
<p>
<b>Newroz:</b> Herr Jörg van Essen, ich bin ein<br />
irakischer Staatsbürger, meine Frage: Wir wissen jetzt alle,<br />
dass Deutschland sich an den irakischen Krieg beteiligt hat. Ist<br />
jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass die Deutschen jetzt beim<br />
Aufbau des Iraks helfen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das tun sie doch bereits<br />
in vielfältiger Form, beispielsweise durch finanzielle Mittel<br />
aber auch durch Ausbildungshilfe. Unser Wunsch ist ein demokratischer<br />
Irak und ein friedliches Zusammenleben von Schiiten, Sunniten und<br />
Kurden in diesem Land. Die Hilfe wird natürlich erschwert,<br />
wenn deutsche Staatsbürger, die als Helfer kommen, entführt<br />
und mit dem Tode bedroht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müsste mehr getan werden? Vielleicht<br />
auch um das Ansehen Deutschlands wieder zu verbessern? In der arabischen<br />
Welt dürfte das durch die BND-Affäre vermutlich auch beschädigt<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe noch keine gesicherten<br />
Erkenntnisse, ob das deutsche Ansehen in der arabischen Welt, welches<br />
immer sehr hoch gewesen ist, wirklich geschädigt worden ist.<br />
Eine solche sichere Feststellung kann man derzeit noch nicht feststellen.<br />
Die FDP hat allerdings vorgeschlagen, für den Nahen Osten eine<br />
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit einzurichten,<br />
die in der gegenwärtigen Krisensituation sowohl im Irak als<br />
auch in Palästina besonders hilfreich sein könnte.
</p>
<p>
<b>Extremleber:</b> Warum stellt sich die Union denn<br />
quer, wenn es um das Thema Untersuchungsausschuss geht? Liegt es<br />
wirklich daran das die Union mit nicht mit einer Partei koalieren<br />
kann, wenn es rauskommt, dass die SPD in der Frage nicht ganz die<br />
Wahrheit gesagt hat?!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe das Gefühl,<br />
dass genau das der Grund ist. Unter der Hand kommen immer wieder<br />
Kollegen aus der Union auf einen zu und sagen: Der Untersuchungsausschuss<br />
ist doch genau richtig. Schade, dass wir soviel Ärger in der<br />
Koalition haben, dass wir jetzt auch schon in dieser Frage Rücksicht<br />
auf die SPD nehmen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorgeschlagenen Konferenz:
</p>
<p>
<b>lagavulin:</b> Wer sollte Ihrer Meinung nach an einer<br />
derartigen Konferenz teilnehmen? Wer die Leitung innehaben?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Natürlich die beteiligten<br />
Länder der Region, einschließlich Israel. Im Übrigen<br />
die EU, die Vereinigten Staaten und Russland. Also eine Zusammensetzung<br />
wie sie erfolgreich ja auch bei der Konferenz über Sicherheit<br />
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) schon einmal erprobt worden<br />
ist und zum Zusammenbruch des Ostblocks geführt hat.
</p>
<p>
<b>Inge: </b>Sehr geehrter Herr Essen, ich selbst komme<br />
aus Sachsen-Anhalt. Vor einigen Tagen habe ich in der Zeitung gelesen,<br />
dass die FDP in ihrem neuen Haushaltsplan schon die Mehrwertsteuererhöhung<br />
eingeplant hat, obwohl in diesem Wahlkampf sie damit werben, die<br />
Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Wie ist das zu erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ein kluger Kaufmann stellt<br />
sich auf unangenehme Entwicklungen sicherheitshalber ein. Ob wir<br />
als FDP das bei unserem Haushalt getan haben, ist mir gar nicht<br />
bekannt, weil ich nicht sehen kann, wo wir als Partei überhaupt<br />
Mehrwertsteuer zu zahlen hätten. Das ändert aber nichts<br />
an unserer klaren politischen Haltung gegen die Mehrwertsteuererhebung,<br />
die zu konjunkturellen Einbrüchen in der Wirtschaft und damit<br />
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Es wäre<br />
schade, wenn Sachsen-Anhalt, das bei den Arbeitslosen bei der rot-roten<br />
Regierung das Schlusslicht der Bundesrepublik war, und unter der<br />
jetzigen schwarz-gelben Regierung diese Position verloren hat, wieder<br />
mehr Arbeitslose haben würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Mehrwertsteuererhöhung bringt<br />
viele Milliarden auf einen Schlag. Selbst wenn man ihren Vorschlägen<br />
zur Subventionskürzungen folgen würde, wäre das im<br />
kommenden Jahr noch nicht zu realisieren. Sollte Finanzminister<br />
Steinbrück also lieber noch mal den EU-Stabilitätspakt<br />
reißen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Nein, das kann er gar nicht,<br />
weil eben in diesen Tagen von den EU-Finanzministern deutlich gemacht<br />
worden ist, dass man einen weiteren Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien<br />
nicht hinnehmen wird. Die FDP hat es sich schon im vergangenen Jahr<br />
bei den Haushaltsberatungen nicht leicht gemacht. Wir haben nämlich<br />
nicht, wie andere Oppositionsparteien, kräftige Ausgabenerhöhungen<br />
gefordert, sondern ein dickes Sparbuch vorgelegt, um die Maastricht-Kriterien<br />
zu erfüllen und eine Mehrwertsteuererhöhung überflüssig<br />
zu machen. Das werden wir bei den diesjährigen Haushaltsberatungen<br />
wieder ähnlich tun.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Herr van Essen, bei einem Neujahrsempfang<br />
in Göttingen haben Sie sich gegen einen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo ausgesprochen. Jetzt scheint ein solcher Einsatz aber bevorzustehen.<br />
Wie verhält sich die FDP in dieser Frage?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich bin weiterhin strikt<br />
dagegen und freue mich sehr, dass heute der Bundeswehrverband in<br />
ähnlicher Weise Stellung genommen hat. Die Frage z.B., ob die<br />
Soldaten der EU im Kongo wirklich willkommen sind, ist von der EU<br />
bis heute nicht geklärt. Auch der mögliche Auftrag für<br />
die deutschen Soldaten liegt im Nebel. Unsere Kollegen aus dem Verteidigungsausschuss,<br />
die in der letzten Woche in Brüssel waren, kamen entsetzt über<br />
den Stand des Planungsergebnissen zurück. Nach meiner Auffassung<br />
darf die Bundeswehr in diesen Abenteuer nicht geschickt werden.<br />
Ich halte die Zusage der Bundeskanzlerin für einen schweren<br />
Fehler.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat den Einsatz angesichts von drei Millionen Toten im Kongo im<br />
tagesschau-Chat als &quot;wichtiges politisches Signal&quot; bezeichnet.<br />
Und Kinshasa ist derzeit kein Kampfgebiet, betont sie. Ist das für<br />
Sie kein Argument?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Überhaupt nicht. Denn<br />
diese Millionen Toten sind ja eben nicht in Kinshasa zu beklagen<br />
gewesen. Wenn man an der Situation in den Bürgerkriegsgebieten<br />
nichts ändert, darf man mit diesen Zahlen nicht operieren.<br />
Die Ministerin ist im Übrigen erschreckend blauäugig.<br />
Seit langem kann man lesen, dass die Konfliktparteien derzeit intensiv<br />
Kindersoldaten in die Region Kinshasa bringen.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Haben sie nicht vor ein paar Minuten<br />
(Irak) die internationale Verantwortung angemahnt und ist die Ermöglichung<br />
von friedlichen Wahlen nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Das ist so, aber nur dann,<br />
wenn durch die Wahlen tatsächlich eine Änderung der Situation<br />
erreicht werden kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wahlen<br />
im Kongo die Demokratie in diesem Land voranbringen und zu einem<br />
Ende des Bürgerkrieges beitragen. Im Übrigen müssen<br />
Sicherheitsprobleme nach meiner Erfassung zunächst einmal in<br />
der Region gelöst werden. Hier im Herzen Afrikas ist deshalb<br />
zunächst einmal die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU)<br />
gefragt. Bevor Deutschland auf den Plan tritt, sind nach m.A. zunächst<br />
einmal die ehemaligen Kolonialstaaten in der Verantwortung, die<br />
diese Länder ausgebeutet haben und in vielen Fällen zu<br />
den heutigen Problemen im Wesentlichen beigetragen haben. Es ist<br />
ein Fehlglaube, wenn man meint, durch die Entsendung deutscher Soldaten<br />
in der Welt für Frieden sorgen zu können. Es ist für<br />
mich eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz deutscher<br />
Militärs, dass deutsche Interessen betroffen sind. Das sehe<br />
ich im Kongo nicht.
</p>
<p>
<b>HIT: </b>Herr van Essen, ist das Argument, dass nur<br />
in reicheren Regionen Interventionen Erfolgen (Schutz von Eigeninteressen<br />
vs. Risiko) nur paranoid oder ist da was dran?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe gerade schon gesagt,<br />
dass eigene Interessen eine Rolle spielen dürfen und müssen.<br />
Trotzdem sind wir selbstverständlich in der Verpflichtung überall<br />
auf der Welt die Situation der Menschen zu verbessern und Freiheit<br />
und Demokratie zu stärken. Aber wie gesagt, ich halte es für<br />
einen Fehlglauben, wenn Deutschland wieder meinen sollte, das sei<br />
seine militärische Aufgabe.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Jörg van Essen. Vielen<br />
Dank, Herr van Essen, dass Sie zum Chat gekommen sind. Das Protokoll<br />
gibt’s zum Nachlesen auf tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der<br />
nächste fest geplante Chat findet am 21. März statt. In<br />
der Woche<br />
vor den Landtagswahlen diskutieren Sie und wir mit dem<br />
Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen<br />
(CDU). Dieser Chat beginnt ein wenig später als üblich<br />
– um<br />
sechzehn Uhr. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen<br />
Ihnen noch einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;EU-Militäreinsatz im Kongo als politisches Signal&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war 
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit 
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen 
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz 
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen, 
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen<br />
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz<br />
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen,<br />
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat aus dem ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Heute diskutiert mit Ihnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vielen<br />
Dank, Frau Ministerin, dass Sie Zeit für den Chat haben. Ihre<br />
Fragen können Sie jederzeit stellen, nichts geht verloren,<br />
alles kommt in den großen Fragentopf. Beginnen wir damit:
</p>
<p class="normal">
<b>Klapauzius:</b> Ist es richtig, dass<br />
viele gegenwärtige Probleme in Afrika auf die Kolonisation<br />
durch die Europäer und ihre schonungslose Ausbeutung wie auch<br />
willkürlichen Handlungen gegenüber der afrikanischen Kultur<br />
zurückzuführen sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ein<br />
großer Teil der Probleme Afrikas hängt sicher mit der<br />
kolonialen Vergangenheit zusammen, z.B. die Fixierung auf Rohstoffausbeutung.<br />
Aber es gibt natürlich auch die Eigenverantwortung der afrikanischen<br />
Völker selbst.
</p>
<p class="normal">
<b>herbert</b>: Ich frage mich, wie aktiv<br />
die EU in politischen Fragen im Kongo eingreift oder ob sie lediglich<br />
passiv als Schützer der kommenden Parlamentswahl fungieren<br />
soll. Vielen Dank.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
plädiere dafür, dass sich möglichst viele Mitgliedstaaten<br />
der EU an einem Kontingent beteiligen, das zum Schutz der Wahlen<br />
im Kongo sein sollte. Diesen Schutz der Wahlen halte ich für<br />
zentral, damit der Friedensprozess voran kommt und die Gewalt ein<br />
Ende findet. Denn in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre<br />
sind dort drei Millionen Menschen gestorben. Deshalb gibt es auch<br />
die europäische Verantwortung, zu helfen.
</p>
<p class="normal">
<b>QN_Eisenmann:</b> Warum tragen Frankreich<br />
und Deutschland bei einem eventuellen Kongo-Einsatz die Hauptrolle?<br />
Deutschland entsendet genauso wie Frankreich jeweils ca. 400 Soldaten.<br />
Warum können nicht die anderen europäischen Staaten ihren<br />
Beitrag zu einem Kongo-Einsatz beisteuern? Liegt es an der Tatsache,<br />
dass Deutschland und Frankreich der &#8216;EU-Motor&#8217; sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
Ziel soll ja auch sein, möglichst viele EU-Staaten zu beteiligen.<br />
Daher ist die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen.<br />
Aber die größeren Länder haben natürlich auch<br />
die größere Verantwortung.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schutz<br />
der Wahlen:
</p>
<p class="normal">
<b>Georg: </b>Schutz ist aber immer ein<br />
relativer Begriff. Erinnern wir uns an Ruanda oder Somalia! Wie<br />
weit kann und darf dieser Schutz gehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Mit<br />
dem Kontingent von geplant 1500 europäischen Soldaten ist ein<br />
politisches Signal verbunden. Und zwar das Signal, dass wir wollen,<br />
dass die Wahlen tatsächlich stattfinden und sie auch den Friedensprozess<br />
voranbringen. Es geht nicht um einen Kampfeinsatz, denn in der schwierigsten<br />
Region &#8211; dem Osten des Kongo &#8211; ist bereits eine sehr große<br />
Zahl von UN-Friedenstruppen vorhanden, die so genannten MUNUC. Insgesamt<br />
befinden sich 16.500 Soldaten im Kongo. Es geht also um das politische<br />
Signal.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> &quot;Was sollen deutsche<br />
Soldaten im Kongo?&quot; &quot;Was haben wir da verloren?&quot;<br />
&quot;Die Hölle Kongo muss nicht auch noch sein!&quot; &#8211; so<br />
texten die Kommentatoren einiger Zeitungen heute. Haben Sie mit<br />
Ihrer Position hier einen schweren Stand?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Mancher<br />
macht natürlich auch Berichterstattung mit dem Fernstecher.<br />
Ich selbst war im Kongo. Die Situation ist so, dass die Menschen<br />
aus der Zivilgesellschaft, mit denen ich gesprochen habe, sagen:<br />
&quot;Wir wollen, dass die Wahlen stattfinden und wir wollen denen<br />
auch das Handwerk legen, die in dieser Region Gewalt ausüben&quot;.<br />
Wenn wir dazu beitragen können, dass wir in dieser Region,<br />
die größer ist als ganz Europa &#8211; der Region der großen<br />
Seen &#8211; einen Prozess des Friedens voranbringen, dann hätten<br />
wir in der Region so etwas ähnliches bewirkt, wie es der Prozess<br />
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreicht hat. Afrika<br />
ist unser Nachbarkontinent und alle Probleme, die in der Welt stattfinden,<br />
können auch uns erreichen. Daher gibt es aus meiner Sicht eine<br />
humanitäre und auch eine sicherheitspolitische Begründung.
</p>
<p class="normal">
<b>M:</b> Wurde denn überhaupt daran<br />
gedacht, was nach den vier Monaten Bundeswehreinsatz kommt? Oder<br />
wird das wieder ein Abenteuer ohne Ende wie auf dem Balkan?
</p>
<p class="normal">
<b>samir: </b>Wie lange sollte denn ihrer<br />
Meinung nach eine EU-Truppe intervenieren? Geht es ihnen um die<br />
Absicherung der anstehenden Wahlen oder wird ein längerfristiger<br />
Einsatz angestrebt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es geht<br />
darum, die Bedingungen für den Einsatz des Kontingentes festzulegen.<br />
Die Bedingungen &#8211; die ich auch teile &#8211; sind Stationierungen in der<br />
Hauptstadt Kinshasa und im Umland. Zeitlich befristet. Möglicherweise<br />
ein Zeitraum von vier Monaten und möglichst breite Beteiligung<br />
von Europa. Nach den Wahlen wird es vor allem darauf ankommen, dass<br />
die Wirtschaft voran kommt und dass vor allem die Nutzung der Ressourcen<br />
im Kongo für die Bekämpfung der Armut eingesetzt und der<br />
Ausplünderung der Ressourcen entgegengearbeitet wird.
</p>
<p class="normal">
<b>SaiSai:</b> Ich frage mich, ob das<br />
politische Signal nicht auch falsch verstanden werden kann, gerade<br />
von der lokalen Bevölkerung. Die Wurzeln der Konflikte liegen<br />
oft in der Kolonialvergangenheit. Kann da eine &quot;Einmischung&quot;<br />
durch Nationalstaaten &#8211; und nicht die UNO &#8211; nicht falsch verstanden<br />
werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Wenn<br />
es ein solches Kontingent gäbe, kann das nur mit einem UN-Auftrag<br />
versehen werden.
</p>
<p class="normal">
<b>Maiglöckchen:</b> Wozu sollen<br />
Wahlen im tribalistischen Kongo führen? Durch eine aufgesetzte<br />
Demokratie werden doch keine Probleme gelöst.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Manchmal<br />
hat man den Eindruck, dass wir den anderen erzählen sollen,<br />
was sie machen sollen. Die Menschen, mit denen ich im Kongo gesprochen<br />
habe &#8211; auch im Osten des Kongo &#8211; sagen: &quot;Wir wollen mit den<br />
Wahlen dazu beitragen, dass die, die Gewalt anwenden, sanktioniert<br />
werden, mit unserer Stimme&quot;. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich in dieser Frage so eine entschlossene Position habe.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Sollte sich nicht<br />
Belgien viel mehr im Kongo engagieren? Schließlich ist Belgien<br />
als ehemalige Kolonialmacht doch für den Schlamassel mitverantwortlich.
</p>
<p class="normal">
<b>Fleischer:</b> Welche Staaten waren<br />
denn im Besitz von Kolonien im momentanen Kongo gebiet? Sollte es<br />
nicht zu deren Aufgaben gehören das angerichtete Unheil wieder<br />
auszubaden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
teile ich überhaupt nicht. Es ist gerade so, dass Deutschland,<br />
gerade weil es nicht ehemalige Kolonialmacht in dem Gebiet ist,<br />
eher geeignet ist, sich zu engagieren. Wenn wir eine gemeinsame<br />
Außen- und Sicherheitspolitik der EU wollen, können wir<br />
doch nicht sagen, dass sollen die ehemaligen Kolonialmächte<br />
machen.
</p>
<p class="normal">
<b>barita:</b> Wie soll in Zukunft die<br />
Zusammenarbeit zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Militär<br />
aussehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Eine<br />
wirklich zentrale Frage: Auf keinen Fall darf Entwicklungszusammenarbeit<br />
militärischen Belangen untergeordnet werden. Aber eines ist<br />
auch klar: Ohne Frieden gelingt Entwicklung nicht. Und es braucht<br />
auch auf Dauer Entwicklung, damit der Frieden gelingt. Das heißt,<br />
bezogen auch auf den Kongo und viele andere sogenannte &quot;failing<br />
states&quot; &#8211; oder möglicherweise &quot;failed states&quot;<br />
&#8211; zu erreichen, dass die staatlichen Strukturen wieder aufgebaut<br />
werden und dazu beitragen, dass Rebellengruppen entwaffnet werden<br />
und dass Zukunftsperspektiven bei Bildung, Gesundheit und in der<br />
Wirtschaft für die Menschen existieren. Beide Bereiche, Entwicklungspolitik<br />
und Sicherheitspolitik und militärische Aktionen, finden unter<br />
der jeweils eigenen Verantwortung statt. Das zeigen wir ja auch<br />
bezogen auf ein Land wie Afghanistan.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Sie waren auch bereits<br />
vor 2001 Entwicklungsministerin. Die Anschläge vom 11.September<br />
und die Krise in Irak haben die Welt verändert. Ist Entwicklungspolitik<br />
heute schwieriger?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Insgesamt<br />
würde ich sagen, dass Entwicklungspolitik generell nicht nur<br />
seit 2001 schwieriger ist, weil wir diese Tendenz &#8211; die ich vorhin<br />
schon angesprochen habe &#8211; zu &quot;failing state&quot; sehr stark<br />
haben. Und damit auch das Vorherrschen von Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen<br />
innerhalb von Staaten. Darauf muss sich Entwicklungspolitik einstellen.<br />
Aber insgesamt gilt auch, dass dem Terrorismus nicht auf Dauer durch<br />
Krieg der Boden entzogen wird, sondern dass wir den Nährboden<br />
für Terrorismus in Form von Armut, von Ohnmacht, austrocknen<br />
müssen. Dasa heißt auch, Schwerpunkt in Bezug auf die<br />
Bekämpfung von Armut, in Bezug auf gerechte Gestaltung der<br />
Globalisierung und das heißt auch, die zahlenmäßigen<br />
Gewichte zu verschieben. Weltweit werden wieder eine Billion US-Dollar<br />
für Rüstung ausgegeben, davon die Hälfte Rüstungshaushalt<br />
der USA und nur 78 Milliarden US-Dollar für Entwicklungszusammenarbeit.<br />
Hier müssen die Gewichte verschoben werden.
</p>
<p class="normal">
<b>hugo: </b>Müsste Europa in der<br />
Entwicklungspolitik nicht verstärkt auf Bildung setzen (z.B.<br />
Entsendung von Lehrern, Gründung von Schulen/Hochschulen etc.),<br />
um religiösen Fanatismus einzudämmen und die Ideen einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft zu verbreiten?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Sie<br />
haben absolut Recht. Weil wir sehr lange über den Kongo gesprochen<br />
haben, haben wir nicht über die Schwerpunkte von Entwicklungszusammenarbeit<br />
gesprochen. Sie haben völlig Recht, öffentliche Schulen<br />
statt Koranschulen, Erziehen zu Dialog und Verständigung, das<br />
fördern wir &#8211; zumal in vielen islamisch geprägten Ländern.<br />
Ein Erfolg durch den Schuldenerlass für ärmste, hochverschuldete<br />
Entwicklungsländer und die Verbindung mit der Bekämpfung<br />
von Armut hat dazu geführt, dass z.B. ein Land wie Tansania<br />
heute statt 800.000 Schüler und Schülerinnen, seine Zahl<br />
auf 1,6 Millionen verdoppelt hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Leila:</b> Worin sehen Sie die Ursachen<br />
für die so unterschiedlichen Entwicklungen Afrikas und Asiens<br />
nach dem zweiten Weltkrieg? Beide Kontinente haben eine koloniale<br />
Vergangenheit und dienten den Industrieländern als Rohstofflieferanten.<br />
Während Asien floriert, scheitern in Afrika fast alle Demokratisierungsversuche<br />
an der Unfähigkeit der Revolutionäre, die von ihnen erkämpfte<br />
Macht nicht für eigene (Stammes-)Interessen zu missbrauchen.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Eines<br />
ist richtig: Afrika ist in der Globalisierung an den Rand gedrängt<br />
worden. Aber ich warne auch vor einer pauschalen Bewertung der afrikanischen<br />
Länder. Afrika ist auch Ghana, Botswana, Tansania, Südafrika<br />
&#8211; um positive Beispiele zu nennen. Aber es ist auch Simbabwe, um<br />
das schlimmste Beispiel zu nennen.<br />
Wenn man nach den Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungstrends<br />
fragt, sehe ich eher zwei mögliche Erklärungsansätze.<br />
Der Eine: Afrika ist nicht der große Markt &#8211; oder noch nicht<br />
&#8211; wie ihn ein Teil asiatischer Länder darstellen. Und die asiatischen<br />
Länder haben sich weniger an die früheren verfehlten Empfehlungen<br />
der internationalen Finanzinstitutionen gehalten.
</p>
<p class="normal">
<b>demos:</b> Geht nicht ein guter Teil<br />
der Entwicklungshilfe durch Korruption verloren? Was gedenken Sie<br />
dagegen zu tun?</p>
<p><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das, was wir an Entwicklungszusammenarbeit<br />
leisten, fließt nicht in korrupte Kanäle oder Regime.<br />
Das stellen wir sicher über Kontrolle nach Projektfortschritt,<br />
aber auch durch die Stärkung der Kontrolle der Zivilgesellschaft<br />
in den betroffenen Ländern. Dazu arbeiten wir eng mit Transparency<br />
International zusammen.<br />
Ein Beispiel, wie Korruption am besten verhindert werden kann: Dazu<br />
beitragen, dass Öleinkommen in afrikanischen Ländern nach<br />
dem Muster transparent gemacht werden: &quot;publish what you pay<br />
and publish what you receive&quot;. D.h. die ölfördernden<br />
Unternehmen müssen ihre Zahlungen offen legen und die Entwicklungsländer<br />
die Verwendung der Einnahmen in ihren Haushalten offen legen.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Aber in Palästina<br />
ging doch ein großer Teil der Entwicklungshilfe nicht an die<br />
Bevölkerung, sondern an korrupte Funktionäre der Fatah.<br />
Das war doch mit ein Grund dafür, dass die Hamas so stark geworden<br />
ist.
</p>
<p class="normal">
<b>Tristan: </b>Frau Wieczorek-Zeul, glauben<br />
Sie, dass sich die entwicklungspolitische &#8216;good governance&#8217; Theorie<br />
mit einer finanziellen Unterstützung der Hamas vereinbaren<br />
lässt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Also<br />
zunächst mal, was wir an Entwicklungszusammenarbeit in den<br />
palästinensischen Gebieten machen, umfasst folgende Bereiche:<br />
Beschäftigungsprogramme für Jugendliche und verbesserte<br />
Wasser- und Abwasserversorgung.<br />
Wir finanzieren von unserer Seite aus die palästinensische<br />
Autonomiebehörde nicht über Budgethilfe. Die Ursachen<br />
für den Wahlerfolg sind sicher vielfältig, z.B. die Korruption<br />
im Fatah-Bereich, aber auch dass es über lange Zeit nicht gelungen<br />
ist, das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen<br />
Staat an der Seite Israels zu verwirklichen. Es bleiben die Anforderungen<br />
an die Hamas, als gewählte Regierungspartei sich in den Friedensprozess<br />
einzufügen und die Prinzipien der so genannten Road-Map zu<br />
verfolgen. Ich plädiere dafür, diesen Prozess mit Nachdruck<br />
voran zu bringen.<br />
Ob eine Isolierungsstrategie, die die US-Regierung verfolgt, wirklich<br />
den gewünschten Erfolg bringt, oder nicht erst recht eine Solidarisierung<br />
mit Hamas zur Konsequenz hat, ist die große Frage.
</p>
<p class="normal">
<b>sunshine:</b> Ich bin gerade seit einem<br />
Monat in Kenia und frage mich doch, wie man bei einer Regierung,<br />
die aufgrund ihrer korrupten Politik schon von der Bevölkerung<br />
nicht ernst genommen wird, denn sicher gehen kann dass Gelder nicht<br />
veruntreut werden. Oder geht nichts an die Regierung von der Entwicklungshilfe?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Grundsätzlich<br />
noch einmal: Wir unterstützen nicht Regierungen, sondern Menschen<br />
in den beteiligten Ländern. Zwei Beispiele für Kenia:<br />
Wir unterstützen Grundschulbildung von Kindern und wir haben<br />
Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit umgewidmet, um Hilfe für<br />
die hungernde Bevölkerung in bestimmten Regionen Kenias zur<br />
Verfügung zu stellen. Wir dürfen ja nicht die Menschen<br />
für ihre schlechten Regierungen bestrafen.
</p>
<p class="normal">
<b>Kolping:</b> Ich selbst habe lange<br />
in Kenia gelebt und erlebt wie Nichtregierungsorganisationen mit<br />
gleichen Aufgaben nebeneinander herarbeiten. Sollte nicht das Bundesministerium<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordinierend<br />
wirken, um Synergieeffekte zu nutzen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es kann<br />
natürlich nicht &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; Aufgabe der Regierung<br />
sein, die Aufgaben von Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren.<br />
Unabhängig davon macht es aber Sinn, dass die staatlichen Geber,<br />
die in einem Entwicklungsland tätig sind, sich mit Nichtregierungsorganisationen<br />
konzertieren, um Doppelarbeit zu vermeiden.
</p>
<p class="normal">
<b>zacharias:</b> Welche Rolle spielen<br />
Public-Private-Partnerships für Sie im Kontext der internationalen<br />
Entwicklungszusammenarbeit? Sehen sie das als Chance oder Risiko<br />
(Verlust von Kontrolle etc)?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
betrachte es als große Chance. Wir haben eine Initiative schon<br />
im Jahr 1999 gestartet, die wir Entwicklungspartnerschaft mit der<br />
Wirtschaft nennen. Derartige Entwicklungspartnerschaften mit der<br />
Wirtschaft umfassen mittlerweile rund 1.600 Projekte. Und wir mobilisieren<br />
mit dem Einsatz von einem Euro jeweils zwei Euro aus dem Bereich<br />
der privaten Wirtschaft. In der globalen Welt braucht es möglichst<br />
viele Beteiligte, um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>ichsachrheingau&#8230;:</b> Wäre es<br />
nicht eine hübsche Idee, und außerdem viel besser für<br />
Frieden und Sicherheit, den Etat Ihres Hauses mit dem des Verteidigungsministers<br />
zu tauschen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Spannende<br />
Perspektive. Aber Spaß beiseite. Wir haben uns als Bundesregierung<br />
auf einen Aktionsplan zur Steigerung der Entwicklungshilfe festgelegt.<br />
In diesem Jahr werden wir 0.33 Prozent des BNP erreichen. Im Jahr<br />
2010 0,51 und spätestens im Jahr 2015 0,7 Prozent. Dieses Ziel<br />
werden wir auch erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Ministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat einen vollen Terminplan, daher superpünktlicher Schluss<br />
heute. Das war unser tagesschau-Chat mit Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul. Vielen Dank, Frau Ministerin für<br />
diesen interessanten Chat, vielen Dank an alle Leserinnen und Leser<br />
für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen rund um die Entwicklungspolitik.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Unsere nächsten Chats sind am 15. März<br />
und 21. März. Dann stellen sich Jörg van Essen, Parlamentarischer<br />
Geschäftsführer der FDP und Peter Harry Carstensen (CDU),<br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein der Diskussion. Die<br />
Chats beginnen um dreizehn bzw. sechzehn Uhr. tagesschau.de und<br />
politik-digital.de wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Bleiben<br />
Sie der Entwicklungspolitik gewogen!</p>
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		<title>&#8220;Der Staat hat kein Recht, Menschen vorsätzlich zu töten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotder_staat_hat_kein_recht_menschen_vorsaetzlich_zu_toetenquot-157/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Luftsicherheitsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, den 16. Februar, war Sabine 
Leutheusser-Schnarrenberger, die stellvertretende Vorsitzende der 
FDP Bundestagsfraktion und ehemalige Bundesjustizministerin, zu 
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Die rechtspolitische Sprecherin der FDP beantwortete Fragen zum 
Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Luftsicherheitsgesetz, 
zu Bundeswehreinsätzen im Inneren und zu den Mohammed-Karikaturen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, den 16. Februar, war Sabine<br />
Leutheusser-Schnarrenberger, die stellvertretende Vorsitzende der<br />
FDP Bundestagsfraktion und ehemalige Bundesjustizministerin, zu<br />
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Die rechtspolitische Sprecherin der FDP beantwortete Fragen zum<br />
Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Luftsicherheitsgesetz,<br />
zu Bundeswehreinsätzen im Inneren und zu den Mohammed-Karikaturen.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator:</b></span></span></span><br />
Heute begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.<br />
Sie war Bundesjustizministerin und ist derzeit rechtspolitische<br />
Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Zuletzt hat sie in der Diskussion<br />
um die innere Sicherheit und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren<br />
dezidiert Stellung bezogen. Selbstverständlich ist unser Chat<br />
auch heute wieder für Fragen aus anderen Themenbereichen offen.<br />
Frau Leutheusser-Schnarrenberger, können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Aber sofort.<br />
Ich freue mich auf die Diskussion und diesen Chat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wie<br />
können wir dafür sorgen, dass die Fußball-WM in<br />
unserem Land wirklich sicher abläuft?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Dazu ist<br />
es zuerst ganz notwendig, dass die Bundespolizei und die Polizeien<br />
der Länder gut ausgerüstet sind, es ausreichend Polizisten<br />
gibt und natürlich genaue Einschätzungen möglicher<br />
Gefahren vorliegen.
</p>
<p>
<b>hkrapp: </b>Ich halte die Diskussion für überzogen.<br />
Um den notwendigen Schutz leisten zu können, kann man gerne<br />
Personal anderer Staatsorgane hinzuziehen. Die vorgebrachten Bedenken<br />
sind eher verwaltungstechnisch, aber man kann ja Soldaten kurz einen<br />
Eid auf die Landesverfassung leisten lassen und sie dann der Polizei<br />
unterstellen (als Ehrenbeamte ggf.). Wo liegt da das Problem?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bundeswehrsoldaten<br />
dürfen nach unserer Verfassung nicht allgemeine Polizeiaufgaben<br />
wahrnehmen. Sie sollen Deutschland verteidigen, aber nicht Störer<br />
und Kriminelle bekämpfen. Und außerdem sind sie dafür<br />
nicht ausgebildet. Ich will keine Wehrpflichtigen in die Auseinandersetzung<br />
mit Hooligans schicken.
</p>
<p>
<b>annett: </b>Reicht es &#8211; gerade im Hinblick auf mögliche<br />
Terroranschläge bei der Fußball WM &#8211; aus, lediglich die<br />
Polizei zu stärken?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es gibt starke<br />
Bundespolizei- und Landespolizeikräfte. Sie sind für genau<br />
diese Gefahren ausgebildet, und deshalb sind sie die entscheidende<br />
Sicherheitsgarantie in Deutschland.
</p>
<p>
<b>mando:</b> Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen<br />
nach einem Terroranschlag bei der WM vorgehalten wird, dass dies<br />
durch eine entsprechende Grundgesetzänderung und Kompetenzerweiterung<br />
der Bundeswehr verhindert hätte werden können?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Dieser Vorhalt<br />
wäre natürlich unbegründet, denn mögliche Terroranschläge<br />
können nur durch erfahrene Polizisten und eventuell unsere<br />
Sicherheitsdienste im Vorfeld aufgespürt werden. Die Bundeswehr<br />
könnte Terroranschläge nicht verhindern.
</p>
<p>
<b>k.gustav: </b>Hallo! Warum ist die FDP so zurückhaltend<br />
beim Bundeswehreinsatz. Es ist doch nicht wirklich eine Militarisierung<br />
der Gesellschaft zu befürworten, wenn Soldaten irgendwo zusätzlich<br />
vor einer Botschaft am Zaun stehen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Soldaten<br />
sind nicht dafür da, irgendwo an einem Zaun zu stehen und Wehrpflichtige<br />
sind nicht dafür da, in Schießereien bei der Verteidigung<br />
dieses Zaunes verwickelt zu werden. Die Bundeswehr ist doch nicht<br />
Lückenbüßer für die Polizei.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie bezahlen wir eine gut oder gar<br />
besser ausgerüstete Polizei?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bund und<br />
Länder müssen die Polizisten gut bezahlen und auch das<br />
Geld für modernste Ausstattung bereithalten. Das ist die wichtigste<br />
Staatsaufgabe und dafür muss Geld da sein.
</p>
<p>
<b>endederfahnenstange:</b> Polizei und Bundeswehr dürfen<br />
Ihrer Meinung nach nichts miteinander zu tun haben, zur Not müssten<br />
die Polizeien der Länder verstärkt werden. Aber da werden<br />
immer mehr Stellen gekürzt? Wie soll das gehen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Da brauchen<br />
wir einen Politikwechsel. Es ist unverantwortlich, dass Innenminister<br />
Stellen kürzen, und dann nach der Bundeswehr rufen. Das Geld<br />
für die Polizisten ist da, wenn man die richtigen Prioritäten<br />
setzt.
</p>
<p>
<b>moti:</b> Könnte der Ursprung der Diskussion<br />
vom Einsatz der Bundeswehr nicht darin liegen, dass man festgestellt<br />
hat, dass die Polizei eben nicht genug ausgerüstet und vorbereitet<br />
ist?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Der Ursprung<br />
für die Diskussion liegt darin, dass die CDU/CSU seit Jahren<br />
den Bundeswehreinsatz im Innern fordert, um eine Konzentration der<br />
Sicherheitsaufgaben auf Bundesebene zu erreichen. Sie wollen die<br />
Bundeswehr zu mehr Einsetzen als nur zum Objektschutz.
</p>
<p>
<b>aurel24: </b>Ich sitze hier mit einer 10. Klasse Hauptschule.<br />
Könnten Sie die Bedeutung des Urteils für uns noch einmal<br />
zusammenfassen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Gerne. Das<br />
Urteil ist so bedeutend, weil der Schutz der Menschenwürde<br />
in Artikel 1 Grundgesetz gestärkt und als absolut bewertet<br />
wird. Es darf keine Abwägung zwischen Menschenleben geben.<br />
Es darf also keine vollbesetzte Passagiermaschine mit einigen Terroristen<br />
an Bord abgeschossen werden, um einen Anschlag am Boden zu verhindern.<br />
Menschen sind nicht Objekte.
</p>
<p>
<b>Citizen Schmidt:</b> Ein Flugzeug fliegt direkt auf<br />
ein Atomkraftwerk zu, aber die Luftwaffe darf nicht eingreifen.<br />
Wie steht es mit der Menschenwürde der Bewohner?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Und wie steht<br />
es mit der Menschenwürde der 500 unbeteiligten Passagiere?<br />
Es muss eben alles getan werden, um ein Flugzeug vorher abzudrängen<br />
oder noch besser, durch Verschärfung der Bodenkontrollen dürfen<br />
Terroristen nicht mehr an Bord gelangen.
</p>
<p>
<b>Kopfmensch: </b>Wird die ganze Debatte nicht zu hoch<br />
gehängt? Hier werden Fälle diskutiert, die total unwahrscheinlich<br />
sind. Nur den Parteien nutzt das zur Profilierung.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich teile<br />
Ihre Einschätzung. Am unwahrscheinlichen Ausnahmezustand wollen<br />
einige Politiker ihre Sicherheitsvorstellung durchsetzen. Deshalb<br />
brauchen wir eine ruhige und keine populistische Diskussion.
</p>
<p>
<b>niels:</b> Die Menschenwürde muss doch neben<br />
einem Individualgut auch einen allgemeinen Charakter haben. Wie<br />
kann es angehen, dass ein Atomkraftwerk-Fallout 500.000 Menschen<br />
verseucht, da man 500 Menschen nicht sterben lassen wollte?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Der Staat<br />
hat kein Recht, Menschen vorsätzlich zu töten. Und auch<br />
im Flugzeug werden sie nicht zu einer anonymen Masse. Aber der Staat<br />
muss alles tun, um diese Gefahrensituation zu verhindern. Bei besseren<br />
Bodenkontrollen wären die Terroristen in Amerika nicht in die<br />
drei Flugzeuge am 11. September 2001 gekommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für bessere Bodenkontrollen soll<br />
ja nun gerade das Luftsicherheitsgesetz sorgen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das Luftsicherheitsgesetz<br />
ist gerade in diesen Teilen verfassungskonform und ungeheuer wichtig.<br />
Es gilt nach wie vor und muss mit allem Nachdruck umgesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Regolabin: </b>Wie stehen Sie zu den Schäuble-Plänen<br />
einer Grundgesetz-Änderung?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ablehnend!<br />
Und ich hoffe, dass es jetzt keinen Schnellschuss für eine<br />
GG-Änderung von der CDU geben wird.
</p>
<p>
<b>D@ndy: </b>Werden Sie Verfassungsbeschwerde gegen<br />
den evtl. Bundeswehreinsatz der Bundeswehr bei der WM einreichen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird ohne<br />
Grundgesetz-Änderung keinen Einsatz geben. Das kann ein Innenminister<br />
nicht verantworten. Zulässig ist es, die Bundeswehr mit ihren<br />
Sanitätern einzusetzen und mit ihren technischen Mitteln gegen<br />
ABC-Waffen. Deshalb wird keine Klage notwendig werden, hoffe ich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Darf man da noch einen heißen<br />
Tanz mit der Union &#8211; immerhin ihr Wunschkoalitionspartner &#8211; erwarten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird eine<br />
heiße Auseinandersetzung in den nächsten Monaten geben.<br />
Die Union wollte mit uns in der Koalition bis 1998 schon immer eine<br />
Grundgesetz-Änderung für den Einsatz der Bundeswehr in<br />
Angriff nehmen. Das haben wir immer verhindert.
</p>
<p>
<b>Detlef_1967:</b> Sie erwähnen oft Wehrpflichtige<br />
als Ablehnungsgrund. Würden Sie der Vorlage zustimmen, wenn<br />
Wehrpflichtige &#8211; wie auch bei Auslandseinsätzen &#8211; vom Einsatz<br />
ausgeschlossen wären?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ohne Wehrpflichtige<br />
ist die Bundeswehr gar nicht in der Lage, Einsätze im Inneren<br />
vorzunehmen. Die Bundeswehr ist mit den derzeitigen Auslandseinsätzen<br />
schon überfordert. Das sagt ja auch der Verteidigungsminister.
</p>
<p>
<b>realampsycho:</b> Hallo. Ich verstehe die Diskussion<br />
nicht so ganz: Bei einer Geiselnahme wird doch auch nicht spekuliert,<br />
in wie fern man Menschenleben gegeneinander aufrechnen kann.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bei einer<br />
Geiselnahme, z.B. in einer Sparkasse, darf als letzte Möglichkeit<br />
der Geiselnehmer von der Polizei erschossen werden, aber nicht die<br />
Geisel. Die Situation ist nicht vergleichbar.
</p>
<p>
<b>OberG: </b>Wie ist ihre Meinung bezüglich den<br />
provozierenden Äußerungen iranischer Politiker? Wie lange<br />
wird sich die westliche Welt das noch anhören?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die westliche<br />
Welt darf sich nicht provozieren lassen. Sie muss hart in der Sache<br />
antworten, sie muss alles tun, damit es nicht zu einer Eskalation<br />
im Nahen Osten kommt.
</p>
<p>
<b>taolie: </b>Die Frage Bundeswehr-Einsatz WM 2006 wäre<br />
auch früher erkennbar gewesen; warum wird das erst kurz vor<br />
dem &quot;Tore Schießen&quot; thematisiert. Aus meiner Sicht<br />
ist das unredliche Salamitaktik bestimmter Interessengruppen auf<br />
dem &quot;Sicherheitsspielfeld“. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das ist eine<br />
sehr kluge Einschätzung. Wenn die Bundesregierung der Auffassung<br />
gewesen wäre, dass die Sicherheit zur WM nicht mit Polizeikräften<br />
gewährleistet werden kann, hätte sie sich doch gar nicht<br />
für die WM beworben.
</p>
<p>
<b>Jan80: </b>Welches Instrument wäre überhaupt<br />
geeignet gegen Terroristen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Am wichtigsten<br />
ist die Arbeit im Vorfeld, also die Arbeit die Sicherheits- und<br />
Nachrichtendienste. Es gibt sehr viele Maßnahmen gegen Terroristen,<br />
z.B. auch die Identifikation über Pässe mit biometrischen<br />
Merkmalen. Ein Patentrezept gibt es nicht.
</p>
<p>
<b>moti: </b>Ist es nicht fast schon eine amerikanische<br />
Tradition der Angstschürung, die hier betrieben wird?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Den Eindruck<br />
habe ich auch manchmal. Je größer das Schreckensszenario<br />
gezeichnet wird, desto mehr kann politisch durchgesetzt werden.<br />
Deshalb: Ruhe und Sachlichkeit ist jetzt erste Pflicht der Politiker.
</p>
<p>
<b>Regolabin:</b> Ist die FDP der SPD in rechtspolitischen<br />
Fragen nicht viel näher als der Union?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Als Schily<br />
Innenminister war, traf das überhaupt nicht zu. Die SPD hat<br />
bisher immer den Bundeswehreinsatz im Innern abgelehnt. Darin unterstützen<br />
wir sie.
</p>
<p>
<b>reisbaby: </b>Die Krawalle der Islamisten, ausgelöst<br />
durch die Mohammed-Karikaturen, sind auch Angriffe auf unsere freiheitlich-demokratische<br />
Grundordnung. Wie können wir diese gegen diese Wut und diesen<br />
Hass schützen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Zunächst<br />
dürfen wir nicht mit gleicher Münze heimzahlen, also nicht<br />
mit Hass reagieren. Aber wir dürfen auch nicht zurückweichen<br />
bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit. Wir haben nur eine Chance,<br />
wenn es Dialog mit den vernünftigen Muslimen gibt.
</p>
<p>
<b>Raven_MI:</b> Was war ihre Hauptaufgabe als Justizministerin<br />
oder was empfanden sie als das Wichtigste?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> In meiner<br />
Amtszeit stand die Verbesserung der Stellung der Kinder im Vordergrund,<br />
Stichwort Kindschaftsreform. Aber am wichtigsten war mir immer,<br />
die Bedeutung unseres Rechtstaats und unserer Grundrechte öffentlich<br />
deutlich zu machen. Viele wissen gar nicht, was für ein Schatz<br />
das ist.
</p>
<p>
<b>marvin: </b>Von wem geht für unsere freiheitlich-demokratische<br />
Grundordnung ihrer Meinung nach eine größere Gefahr aus:<br />
von Terrorosten oder von denen, die im Rahmen des &#8216;Kampfes gegen<br />
den Terror&#8217; die Grundrechte immer weiter reduzieren?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Natürlich<br />
sind Terroristen und aggressive autoritäre Regime eine Gefahr.<br />
Aber für mich ist die Gefahr noch größer, wenn wir<br />
als Reaktion unsere rechtsstaatliche Ordnung aufgeben. Dann haben<br />
die Terroristen ihr Ziel erreicht.
</p>
<p>
<b>Anton: </b>Sind Ihrer Meinung nach die Nachrichtendienste<br />
nach der Personalkürzung in der Lage, die Bundesrepublik rechtzeitig<br />
vor Terroranschlägen zu schützen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Nachrichtendienste<br />
haben in den letzten Jahren ein Schwergewicht ihrer Tätigkeit<br />
auf die Beobachtung der terroristischen Gefahren gelegt. Das ist<br />
gut. Mit über 6.000 Beamten des Bundesnachrichtendienstes sind<br />
wir gut ausgestattet.
</p>
<p>
<b>Frager1:</b> Weshalb bleibt bei der Bundeswehreinsatzdiskussion<br />
die Frage eines sinnvollen Einsatzes schon vorhandener Ressourcen<br />
im Hintergrund?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird zuwenig<br />
von den Matadoren der Grundgesetz-Änderung betont. Vorhandene<br />
Ressourcen sind eben die gesamte Sanitätsversorgung und die<br />
Spezialausstattung gegen chemische und biologische Waffen. Das alles<br />
darf natürlich genutzt werden.
</p>
<p>
<b>Witzel: </b>Warum sollen biometrische Merkmale in<br />
Pässen helfen? Selbstmordattentäter sind meist mit den<br />
eigenen echten Pässen gereist und nicht mit gefälschten.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Mit einem<br />
biometrischen Merkmal kann man gerade bei schwierigen Namen mit<br />
unterschiedlicher Schreibweise die Identifizierung sicherstellen.<br />
Ein Allheilmittel ist es natürlich nicht. Aber ein Baustein.
</p>
<p>
<b>Tigerchen:</b> Wieso versucht Herr Schäuble die<br />
Wertungen des Grundgesetzes zu umgehen, indem er das Militär<br />
mit Objektschutz betreuen will?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Herr Schäuble<br />
will eine Grundgesetz-Änderung für den Objektschutz. Er<br />
will sich eben davor drücken, seine eigene Bundespolizei für<br />
die WM aufzustocken.
</p>
<p>
<b>mando: </b>Für wie wahrscheinlich halten Sie<br />
Terroranschläge während der WM?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Fachleute<br />
für die Einschätzung der Sicherheitslage sehen keine akute<br />
Gefahr. Ich selbst habe keine zusätzlichen Erkenntnisse.
</p>
<p>
<b>Wähler: </b>Warum habe ich dann einen Pass, wenn<br />
mein bisheriger das nicht sicherstellt?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die technischen<br />
Neuerungen in den letzten Jahren sollen eben gerade bisherige Schwächen<br />
hinsichtlich einer Fälschung beseitigen. Aber im Ernst: Das<br />
betrifft ja immer nur wenige Menschen und mit Sicherheit nicht die<br />
allergrößte Mehrheit der Deutschen.
</p>
<p>
<b>marvin:</b> Fraglos geben Großveranstaltungen<br />
besondere Ziele ab. Warum kann man nicht im Rahmen der EU die Partnerländer<br />
um Unterstützung ersuchen, wenn die Ressourcen nicht reichen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das kann<br />
man natürlich, wenn die Innenminister in Deutschland meinen,<br />
dass die eigene Polizei nicht ausreicht. Dann können wir Hilfe<br />
von Österreich, Holland, Belgien und auch Frankreich erbitten.<br />
Es wäre aber ein gewisses Armutszeugnis für die deutschen<br />
Innenminister.
</p>
<p>
<b>D@ndy: </b>Was sehen Sie als die wichtigsten Dinge<br />
an, die wir als Schutz vor Angriffen von außen verbessern<br />
müssen? Und wie sehen Sie die Umsetzungsmöglichkeiten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Wenn sie<br />
Terroranschläge meinen, dann muss die Sicherheitskontrolle<br />
am Boden, sprich an den Flughäfen, in Häfen und in Flugzeugen<br />
noch deutlich verbessert werden. Und natürlich müssen<br />
öffentliche Plätze mit einer Ansammlung von tausenden<br />
von Menschen optimal mit der Polizei geschützt werden. Hooligans<br />
sind schon vor den Stadien abzufangen und gegebenenfalls in Arrest<br />
zu nehmen.
</p>
<p>
<b>JanKrugelmann: </b>Finden Sie nicht, dass bezüglich<br />
einer Grundgesetzänderung nicht das Bundesverfassungsgericht<br />
sondern die parlamentarische Zweidrittelmehrheit in jedem Fall das<br />
letzte Wort haben sollte? Die Ewigkeitsgarantie ist über Artikel<br />
1 Grundgesetz ja auf jeden Artikel anwendbar! Könnte man gegebenenfalls<br />
Abwägungen im Rahmen des Luftsicherheitsgesetzes nicht über<br />
die allgemeinen Rechtfertigungstatbestände im Einzelfall durchführen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Sie haben<br />
natürlich Recht, eine Grundgesetz-Änderung müssen<br />
der Bundestag und der Bundesrat mit Zweidrittelmehrheit beschließen.<br />
Eine Abwägung ist nicht zulässig, wenn es um den Schutz<br />
von Menschen und den Schutz ihrer Menschenwürde geht. Das hat<br />
das Bundesverfassungsgericht sehr klar gesagt.
</p>
<p>
<b>hoping:</b> Was halten Sie von der US-Politik im Zusammenhang<br />
mit dem Irak und den Iran?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ehrlich gesagt<br />
sehr wenig. Der nach meiner Einschätzung falsche Krieg im Irak<br />
hat die Terrorgefahr deutlich erhöht. Gegenüber dem Iran<br />
müssen USA, EU, UN und Nato mit einer Stimme sprechen.
</p>
<p>
<b>bloodhand:</b> Wer steckt ihrer Meinung nach hinter<br />
der Aufhetzung von Teilen der islamischen Bevölkerung gegen<br />
den Westen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das sind<br />
militante Gruppen im Iran, auch in anderen Staaten des Nahen Ostens.<br />
Das sind die Gruppen, die den Heiligen Krieg vertreten. Leider gibt<br />
es davon sehr viele.
</p>
<p>
<b>Jan80: </b>Ich halte es für dumm, die Karikaturen<br />
zu veröffentlichen. Ein &#8216;Recht haben&#8217; und es auch &#8216;auszuüben&#8217;,<br />
sind zwei verschiedene Sachen. Die westlichen Länder sollten<br />
zumindest &#8216;gute Gewinner&#8217; sein und nicht noch andere Gefühle<br />
verletzen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich teile<br />
Ihre Meinung, dass trotz Meinungsfreiheit immer auch überlegt<br />
werden sollte, wie Karikaturen denn auf die Adressaten wirken. Ich<br />
halte es aber für falsch, jetzt alle Karikaturen, wie z.B.<br />
im Tagesspiegel, nicht mehr zu veröffentlichen. Die iranische<br />
Regierung testet derzeit, wie weit sie mit Morddrohungen gehen kann.
</p>
<p>
<b>Frager1: </b>Bundespolizei aufstocken hieße<br />
ja noch höhere Kosten und eine weiterhin viel zu teure Bundeswehr,<br />
die quasi nur &#8216;zum Spaß &#8216; vorhanden ist.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die richtige<br />
Ausstattung der Bundespolizei darf nicht an Kosten scheitern. Die<br />
Bundeswehr gehört grundlegend reformiert. Zum Spaß ist<br />
sie nicht da, sondern sie nimmt wichtige Aufgaben, beispielsweise<br />
auch im Balkan wahr.
</p>
<p>
<b>Austa: </b>Bisher wurden immer die wichtigen Aufgaben<br />
der Bundeswehr im Ausland erwähnt. Wann wird die Bundeswehr<br />
für diese Aufgaben endlich speziell aufgestellt, sprich Abschaffung<br />
der Wehrpflicht, die ja momentan keine &#8216;richtige &#8216; Aufgabe haben<br />
und momentan eh keine Wehrgerechtigkeit herrscht. Das ist doch ein<br />
großes Unrecht in unserem sogenannten &#8216;Rechtsstaat&#8217;.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die FDP fordert<br />
seit mehreren Jahren die Aussetzung der Wehrpflicht als ersten Schritt.<br />
Leider lehnen CDU und SPD das ab. Die Bundeswehr muss nach Auffassung<br />
der FDP noch besser spezialisiert werden für internationale<br />
Einsätze. Das geht nicht mit Wehrpflichtigen.
</p>
<p>
<b>18%: </b>Bundeswehrsoldaten könnten im Inneren<br />
eben solche Aufgaben wie z.B. im Kosovo wahrnehmen, zu denen sie<br />
sehr wohl ausgebildet sind! Ich denke da insbesondere an Kontrollen<br />
von Personen und Kraftfahrzeugen auf dem Weg zu Großveranstaltungen.<br />
Würde das nicht die Polizei entlasten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Bundeswehr<br />
ist für diese Aufgaben eben generell nicht ausgebildet. Sie<br />
nimmt diese Aufgaben im Ausland nur vorübergehend und mit Unterstützung<br />
von internationalen Polizeikräften wahr. Außerdem will<br />
ich nicht, dass Uniformierte Soldaten Autos kontrollieren. Das muss<br />
allein bei der Polizei bleiben.
</p>
<p>
<b>roflkopter: </b>Wie kann es sein, dass Deutschland<br />
und die EU den Palästinensern nicht sofort den Geldhahn zugedreht<br />
haben, nachdem die Hamas an die Macht gekommen ist?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Zu Recht<br />
überlegt die EU, wie mit einer künftigen Regierung in<br />
den palästinensischen Gebieten umgegangen wird. Wir wissen<br />
ja noch gar nicht, wie eine solche Regierung aussehen wird. Sollte<br />
die Hamas die Forderungen nach Absage an Gewalt und Anerkennung<br />
Israels anerkennen, kann man mit ihnen auch in Regierungsverantwortung<br />
sprechen und verhandeln.
</p>
<p>
<b>miskle: </b>Was halten Sie von den Bestrebungen des<br />
Bundesministeriums der Justiz zur Änderung des Urhebergesetzes?<br />
Hier wir doch das Potenzial gelegt, um Urheber und Verlage und damit<br />
letztlich Arbeitnehmer zu gefährden?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich halte<br />
einige Vorschläge des Bundesjustizministeriums für gut.<br />
Zum Beispiel die bessere Stellung bei unbekannten Nutzungsarten.<br />
Verhandelt werden muss dringend über die Verwendung von Privatkopien<br />
und über die sogenannte Bagatellregelung. So darf das Gesetz<br />
jedenfalls nicht bleiben.
</p>
<p>
<b>oportugues:</b> Die FDP lehnt eine Rente mit 67 mit<br />
Verweis auf ihr Rentengesamtkonzept ab. Können Sie einmal kurz<br />
erläutern, wie dieses aussieht?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> In Stichworten:<br />
Verkürzung der Ausbildung und damit früherer Beginn der<br />
Arbeit. Stärkung der privaten Vorsorge und der betrieblichen<br />
Rente. Entwicklung der gesetzlichen Rente langfristig zur Grundsicherung.
</p>
<p>
<b>MIMUEX: </b>Will die FDP mit einem Untersuchungsausschuss,<br />
der ein eventuelles Fehlverhalten der Regierung Schröder durchleuchtet,<br />
bei der CDU/CSU als &#8216;Partner aus der Opposition&#8217; punkten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Parteipolitische<br />
Überlegungen spielen dabei wirklich nicht die Rolle. Eine Aufklärung<br />
über die Verschleppung deutscher Staatsangehörige und<br />
die Rolle deutscher Sicherheitskräfte ist im allgemeinen Staatsinteresse<br />
und im Interesse der Bürger. Ich hoffe, dass die Bundesregierung<br />
in ihrem Bericht in der nächsten Woche umfassend Stellung bezieht<br />
und es dann keinen Untersuchungsausschuss mehr geben müsste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ist die FDP aus pragmatischen<br />
Gründen erst mal auf die Linie der Grünen umgeschwenkt?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Grünen<br />
sind leider von der Linie der FDP abgeschwenkt, als es Ende letzten<br />
Jahres um die Einrichtung eines U-Ausschusses ging. Jetzt bleibt<br />
nichts anderes übrig, als zunächst auf den Bericht der<br />
Bundesregierung zu warten.
</p>
<p>
<b>roflkopter: </b>Würde Deutschland sich an einem<br />
eventuellen Iran-Krieg beteiligen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Frage<br />
stellt sich im Moment nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen.
</p>
<p>
<b>pawlik: </b>Wieso wird von den Bürgern eigentlich<br />
immer mehr abverlangt, etwa längere Arbeitszeiten, Rente erst<br />
mit 67! Wir haben doch genug Arbeitslose, wenn diese Leute alle<br />
die Mehrarbeit der anderen übernehmen würden, hätte<br />
man doch viele Probleme gelöst. Meiner Meinung nach gibt es<br />
nicht zu wenig Arbeit in Deutschland, sondern viel mehr ist die<br />
vorhandene Arbeit ungerecht verteilt!
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Leider ist<br />
es nicht so einfach, da die freien Arbeitsplätze zunehmend<br />
nicht von den zurzeit Arbeitslosen besetzt werden können, wegen<br />
anderer Qualifikationen, fehlender Fachkenntnisse. Ich halte es<br />
nicht für überzogen, 40 Stunden die Woche zu arbeiten.<br />
Wir brauchen in den nächsten Jahren viel mehr Fachkräfte,<br />
da gibt es jetzt schon einen Mangel.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Viele interessante Fragen sind eingegangen, die wir leider nicht<br />
alle berücksichtigen konnten. Dennoch vielen Dank an alle,<br />
die mitgemacht haben. Besonderen Dank auch an Sie, Frau Leutheusser-Schnarrenberger,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Nächster Gast<br />
bei uns ist die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.<br />
Sie wird am Mittwoch, den 13.März zum tagesschau-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
kommen. Beginnen werden wir auch dann pünktlich um 13 Uhr.
</p>
<p><b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es hat mir<br />
riesigen Spaß gemacht. Warum geht es eigentlich nicht zwei<br />
Stunden lang?</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eine Regierung die A sagt, muss auch B sagen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Apr 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrpflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Bernhard Gertz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bgerts.jpg" alt="Bernhard Gertz" align="left" height="108" width="80" />Bernhard 
Gertz ist zu Gast im tacheles.02-Chat von tageschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bgerts.jpg" alt="Bernhard Gertz" align="left" height="108" width="80" />Bernhard<br />
Gertz ist zu Gast im tacheles.02-Chat von tageschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><b>Moderator:</b></b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Bundeswehr ist in den<br />
vergangenen Monaten nicht aus den Schlagzeilen gekommen.<br />
Militär-Airbus, Strukturreform, der Streit in der Führungsspitze und<br />
die Wehrpflicht-Entscheidungen des Verfassungsgerichts haben für<br />
Diskussionen gesorgt. Für die kommenden 60 Minuten ist nun der<br />
Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, unser<br />
Chat-Gast. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Sind Sie bereit, Herr Gertz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b> Ja, von mir aus kann´s losgehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Heute hat sich der Europäische Gerichtshof mit der Wehrpflicht befasst.<br />
Eine Wehrpflicht nur für Männer verstoße gegen den<br />
Gleichheitsgrundsatz, argumentiert ein junger deutscher Wehrpflichtiger<br />
vor dem Luxemburger Gericht. Glauben Sie, dass die Wehrpflicht vor dem<br />
Gericht Bestand haben wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Nein, ich bin überzeugt, dass der Europäische Gerichtshof die<br />
Grundentscheidung des deutschen Verfassungsgebers respektieren wird,<br />
das heißt Wehrpflicht wird es in Deutschland auch künftig nur für<br />
Männer geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Michi: Ist eine Berufsarmee nicht sinnvoller als die Wehrpflicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Das kommt auf die Aufträge an, die Parlament und Regierung für eine<br />
Armee bereithalten. Besteht der Auftrag ausschließlich in<br />
Konfliktregulierung und Krisenbewältigung, bedarf es der Wehrpflicht<br />
nicht. Die Wehrpflicht kann sicherheitspolitisch nur begründet werden<br />
mit der Notwendigkeit, dass die Armee im Verteidigungsfall von einer<br />
Friedenspräsenzstärke auf einen wesentlich größeren Verteidigungsumfang<br />
aufwachsen muss. Das geht nur mit ausgebildeten Reservisten und die<br />
gewinnt man nur über die Wehrpflicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine Nachfrage: Laufen die Aufträge der Bundeswehr nicht immer mehr auf Konfliktregulierung hinaus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Unser Grundgesetz sagt in Artikel 87a: &quot;Der Bund stellt Streitkräfte<br />
zur Verteidigung auf&quot;. Sinnstiftender Zweck für die Bundeswehr ist<br />
damit nicht Konfliktregulierung, sondern die Sicherung der<br />
territorialen Integrität der Bundesrepublik Deutschland: und das ist<br />
Verteidigung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andy: </b>wie stellen Sie sich denn eine optimale, gute Bundeswehr vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Die Armee sollte über ausreichend Einsatzkräfte verfügen, die im Kern<br />
aus Zeit- und Berufssoldaten besteht. Beide Gruppen müssen<br />
hochspezialisiert ausgebildet sein. Daneben braucht man für<br />
Einsatzkräfte allerdings stets auch Soldaten, die für Wach- und<br />
Sicherungsaufgaben herangezogen werden. Ein Beispiel: In Prizren im<br />
Kosovo bewachen deutsche Soldaten rund um die Uhr hinter Sandsäcken und<br />
einem Schützenpanzer Marder eine serbisch-orthodoxe Kirche sowie einige<br />
verbliebene serbische Familien. Für solche Aufgaben braucht man keinen<br />
Meister in der Kommunikationselektronik, sondern junge Männer, die ein<br />
einziges Mal mit in einen solchen Einsatz gehen, dafür spezifisch<br />
ausgebildet sind und es dann hinter sich haben. Diese jungen Männer<br />
gewinnen wir heute aus dem Potenzial der Grundwehrdienstleistenden. Sie<br />
leisten freiwillig länger Wehrdienst, im Schnitt 19,3 Monate.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Läuft das nicht auf die Zweiteilung der Armee in Spezialisten und Wehrpflichtige auf, wie das CDU-Chef Schäuble vorschlägt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Wenn man ehrlich ist, hat es in der Bundeswehr schon immer eine<br />
Zweiteilung gegeben. Früher gab es Unterschiede zwischen dem Feldheer<br />
und dem Territorialheer, danach zwischen den Krisenreaktionskräften und<br />
den Hauptverteidigungskräften. Diese Unterschiede drückten sich aus in<br />
unterschiedlicher Ausbildung, Ausrüstung und Bewaffnung. Wichtig ist,<br />
dass solche unterschiedlichen Kräfte für unterschiedliche Aufgaben eine<br />
gemeinsame Identität aufweisen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Michi: Sind sie für eine EU-Armee?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Das wäre der Königsweg. Eine EU-Armee würde nämlich einen weitgehenden<br />
Souveränitätsverzicht der Mitgliedsstaaten voraussetzen und im Ergebnis<br />
zu einer europäischen Arbeitsteilung auf dem Gebiet der Verteidigung<br />
führen, die auch unter ökonomischen Erwägungen anzustreben ist.<br />
Allerdings gibt es noch eine Reihe von Schwierigkeiten: der<br />
Souveränitätsverzicht fällt unseren britischen und französischen<br />
Partnern deutlich schwerer als uns, eine wirkliche Einigung auf<br />
gemeinsame außenpolitische Ziele und Interessen steht noch aus und<br />
schließlich haben etwa Staaten mit kolonialen oder postkolonialen<br />
Verpflichtungen militärische Sonderinteressen, die sich mit denen der<br />
Partner nicht immer in Einklang bringen lassen. Ich hoffe trotzdem,<br />
dass wir in dieser Frage Fortschritte machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zu einem anderen Schwerpunkt: Die Bundeswehr steht unter anderem in Bosnien und Afghanistan:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>quark: </b>mich<br />
würde interessieren, wie es die Bundeswehr denn jetzt in Afghanistan<br />
schafft. Von ihrem Verband hieß es doch immer, die Bundeswehr könne gar<br />
nicht länger da runter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Wir befinden uns in einer Situation, in der wir die Belastbarkeit<br />
unserer Soldaten exzessiv ausnutzen. Wir sind gleichzeitig auf fünf<br />
verschiedenen sicherheitspolitischen Szenarien präsent mit derzeit rund<br />
10.500 Soldaten. Für keinen dieser Einsätze ist ein Ende absehbar,<br />
deswegen müssen zum Teil Soldaten, die erst im Dezember aus dem Kosovo<br />
zurück gekommen sind, jetzt schon wieder in den Einsatz. Was das für<br />
die Familien bedeutet, liegt klar auf der Hand. Deshalb sind wir jetzt<br />
schon über die Belastungsgrenze hinaus. Das sieht übrigens<br />
Bundesminister Scharping genauso wie ich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wie unterschiedlich ist ihrer Ansicht nach die Sicherheitslage in den<br />
Gebieten. Ist Bosnien schon &quot;normal&quot;, Kabul aber gefährlich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
In Bosnien herrscht relative Ruhe, aber es gibt leider keinen echten<br />
Fortschritt im Sinne der Zielsetzung des Vertrages von Dayton, der ja<br />
ein friedliches zusammenleben der ehemaligen Bürgerkriegsparteien unter<br />
gemeinsamer Verwaltung zum Ziel hat. Deswegen ist die Lage nicht<br />
wirklich stabil. Kabul dagegen ist ein Pulverfass mit Zehntausenden<br />
nicht-entwaffneten ehemaligen Bürgerkriegs-Kombattanten. Ich halte die<br />
Lage dort für hochgefährlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dani:</b> Sind Sie für einen Bundeswehreinsatz in Palästina/Israel unter UNO-Mandat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Ich denke, die Bundesrepublik Deutschland sollte nicht sozusagen ein<br />
Bewerbungsschreiben abgeben. Wir sind leider von einem Friedenschluss<br />
in Palästina weiter denn je entfernt. Der Bundeskanzler hat<br />
wahrscheinlich Recht, dass die Konfliktparteien nur durch zumutbaren<br />
politischen Druck von außen auf eine friedliche Konfliktlösung zurück<br />
gebracht werden können. Ob es danach zu einem UN-Mandat kommt, ist<br />
völlig offen. Für mich steht jedenfalls fest, dass ein Einsatz<br />
deutscher Soldaten in einem solchen Rahmen nur dann diskutiert werden<br />
sollte, wenn Israelis und Palästinenser ihn gemeinsam wünschen.<br />
Deswegen besteht kein Anlass die Frage heute abschließend zu<br />
beantworten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>charley: </b>Wie messen sie, ob ein Einsatz im Ausland ein Erfolg war oder nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Man muss unterscheiden zwischen dem politischen Erfolg und dem<br />
militärischen Erfolg. Die UN-Blauhelmmission in Somalia beispielsweise<br />
in den Jahren 1993 und 1994 war politisch ein vollständiges Desaster,<br />
für die Bundeswehr aber eine gute Lerneinheit, um festzustellen was man<br />
an den Strukturen zu verändern hat, damit man in der Lage ist, über<br />
eine Entfernung von 5000 km deutsche Truppen logistisch zu unterstützen<br />
und sie im Einsatz zu führen. Ich will aber gerne zugeben, dass diese<br />
Lerneinheit deutlich zu teuer war. Bezogen auf den Balkankonflikt<br />
sollten sie Außenminister Fischer fragen, wie eigentlich die politische<br />
Strategie für eine Befriedung aussieht insbesondere für den Fall, dass<br />
die Truppen der EU und der NATO eines Tages zurückkehren sollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Zwischen den NATO-Staaten in Europa und dem Bündnispartner USA gibt es Spannungen. Kommen wir zur Entwicklung der NATO:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oli:</b> Wie zuverlässlich ist die USA als Partner in der Nato? Wollen die nicht alles alleine machen, nur bestimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten sind die europäischen Verbündeten<br />
deutlich hinter den vereinbarten Zielen für die Entwicklung der<br />
Fähigkeiten des Bündnisses zurückgeblieben. Insbesondere richten die<br />
USA ihr Augenmerk darauf, dass die Europäer nach 1990 wesentlich<br />
weniger Geld für Verteidigung aufwenden, als die Vereinigten Staaten.<br />
Die Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel wendet nur 1,1% vom<br />
Bruttoinlandsprodukt auf, die USA 3,3 Prozent. Diese Kluft führt<br />
teilweise zu der Ansicht, dass die europäischen Partner nicht in der<br />
Lage sind, seriöse Partner zu sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Häu:</b> Sehen sie für die finanzielle Situation der Bundeswehr Besserungschancen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Als Realist weiß ich, dass jede Bundesregierung, die sich nach dem 22.<br />
September im Amt befinden wird, in der Pflicht steht, die<br />
volkswirtschaftlichen Rahmendaten Deutschlands entscheidend zu<br />
verbessern. Ganz Euro-Europa leidet darunter, dass die deutsche<br />
Volkswirtschaft die höchste Nettoneuverschuldung, die höchste<br />
Staatsschuld insgesamt, die geringste Wachstumsrate und eine imposante<br />
Arbeitslosenquote aufweist. Deshalb gibt es zur<br />
Haushaltskonsolidierungspolitik keine Alternative. Solange das so ist,<br />
wird es nur marginale Spielräume für eine Verbesserung der finanziellen<br />
Situation der Bundeswehr geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andy: </b>Wie<br />
würden Sie denn die Finanzierungsprobleme der Bundeswehr lösen, im<br />
Moment ist ja eine Art Verständnis in der Bevölkerung wegen Afghanistan<br />
vorhanden, aber das kann sich ja auch wider ändern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder passt man die<br />
Finanzierung der vom Bundeskabinett am 14.6.2000 beschlossenen Struktur<br />
an &#8211; das würde bedeuten pro Jahr etwa 2,5 Milliarden Euro mehr &#8211; oder<br />
man passt die Struktur dem Haushaltsrahmen an &#8211; das würde bedeuten<br />
weniger Soldaten und Zivilbeschäftigte, aber auch weniger Fähigkeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Uzi:</b> Sie fordern Kürzungen zugunsten der Bundeswehr? Wozu brauchen Sie mehr Geld?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Haushaltspolitik ist die Kunst der politischen Prioritätensetzung. Eine<br />
Regierung die A sagt, nämlich Soldaten in fünf Einsätze gleichzeitig<br />
schickt, muss auch B sagen, nämlich diese Einsätze seriös finanzieren.<br />
Wenn sie die Finanzierung nicht bereitstellen will, weil sie Eingriffe<br />
in andere Politikfelder scheut, dann muss sie darauf verzichten, der<br />
Bundeswehr ständig neue Aufgaben zu übertragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zur Wehrpflicht:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>M. Huck:</b> Wie rechtfertigen Sie den tiefen Eingriff in die individuelle Freiheit junger Menschen durch die allgemeine Wehrpflicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Ich bin davon überzeugt, dass dieser Eingriff nur dann gerechtfertigt<br />
werden kann, wenn es überzeugend sicherheitspolitisch begründet zu<br />
werden vermag. Nach 1990 ist diese Begründung kaum noch vermittelbar<br />
gewesen. Sie setzt ein ziemlich hohes Abstraktionsniveau voraus. Die<br />
sogenannte Zukunftskommission unter Vorsitz von Richard von Weizsäcker<br />
hat ihre Empfehlung, grundsätzlich an der allgemeinen Wehrpflicht<br />
festzuhalten, mit der sicherheitspolitischen Prognose-Unsicherheit<br />
begründet. Man müsse auch für das wenig wahrscheinlich gewordenen<br />
Risiko einer massiven militärischen Bedrohung solange Risikovorsorgen<br />
treiben, solange dieses Risiko nicht vollständig und dauerhaft<br />
ausschließbar sei. Dabei dürfe man nicht davon ausgehen, dass sich die<br />
positive sicherheitspolitischen Entwicklung der letzten zwölf Jahre in<br />
der Zukunft ungebrochen fortsetze. Ich persönlich halte diese<br />
Begründung nicht mehr für überzeugend. Deswegen muss auch aus meiner<br />
Sicht die Frage der Notwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht auf der<br />
Grundlage einer seriösen sicherheitspolitischen Risikoanalyse neu<br />
diskutiert werden. Dabei sind insbesondere die sogenannten<br />
asymmetrischen Gefahren, etwa durch massive Formen des internationalen<br />
Terrorismus mit zu betrachten.<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>M. Huck:</b> Kann das nötige Wissen, in 9 Monaten, überhaupt vermittelt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
In neun Monaten kann man junge Männer sicher nicht umfassend für die<br />
kollektive Verteidigung im Bündnis ausbilden. Das sieht auch die<br />
derzeitige Wehrpflichtkonzeption nicht vor. Als zusätzliche Bausteine<br />
neben dem Grundwehrdienst haben die Reservistenkonzeption sowie ein<br />
sogenanntes Krisenausbildungsprogramm (nach einer Mobilisierung) in<br />
diesem Rahmen Bedeutung. Allerdings sind diese Bausteine bei der<br />
Zuweisung von Haushaltsmitteln sträflich vernachlässigt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>melanie13:</b> Was halten Sie eigentlich von Frauen in der Bundeswehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Ich bin begeistert davon, dass wir im vergangenen Jahr 7.000<br />
Bewerbungen von qualifizierten jungen Frauen hatten. Der<br />
Bundeswehrverband hat lange dafür gekämpft, dass die Bundeswehr nicht<br />
eine reine Männerdomäne bleibt Das halte ich vor allem deshalb für<br />
wichtig, weil die Präsenz von Frauen in der Armee die gesellschaftliche<br />
Integration der Streitkräfte entscheidend verbessert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oli:</b> Warum ist der Ton in der Bundeswehr so autoritär? Das stört mich!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Sie haben Recht: der Ton in einer Armee, die vom Leitbild vom<br />
Staatsbürger in Uniform geprägt wird, sollte eigentlich weniger<br />
autoritär sein. Ich habe allerdings Bereiche der Gesellschaft<br />
kennengelernt, in denen Machtausübung durch Vorgesetzte deutlich<br />
weniger begrenzt ist als in den Streitkräften.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Noch einmal zu einem Problem, das die Bundeswehr ebenfalls in die Schlagzeilen gebracht hat:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman:</b><br />
Eine Frage: Thema Strahlenopfer bei den Radarkompanien. Eine Reihe von<br />
Krebsfällen bei Soldaten, die in mobilen Radarstationen Dienst hatten<br />
ist bekannt geworden. Die Bundeswehr hat sich in diesen Fällen nicht<br />
sehr kooperativ (z.B. Entschädigung der Opfer etc.) und<br />
aufklärungswillig gezeigt. Wie verhält sich die Bundeswehr heutzutage<br />
in solchen Fällen &#8211; haben sich die Dienstvorschriften und der Umgang<br />
mit kritischen Material und Gerät dahingehend verbessert?.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Wir haben ein echtes Problem, weil der Bundesminister zwar eine rasche<br />
unbürokratische und großzügige Lösung öffentlich angekündigt hat, diese<br />
Message bei seinen Beamten aber offensichtlich nicht angekommen ist.<br />
Die Administration der Bundeswehr definiert sich teilweise immer noch<br />
als Anspruchsabweisungsmaschine, statt der Verpflichtung zur Fürsorge<br />
zum Durchbruch zu helfen. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass der<br />
Deutsche Bundestag bisher meinem Vorschlag nicht gefolgt ist, in diesen<br />
Fällen durch Gesetz die Beweislast umzukehren. Dann nämlich wären wir<br />
wesentlich weiter. Ich werde allerdings an diesem Thema dranbleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Mit Bezug auf den Anfang ihrer Antwort: Der Bundesminister nimmt aber<br />
nun doch seine Aufgaben ernster, oder? Zumindest badet er nun laut<br />
&quot;Bunte&quot; in Akten und nicht mehr im Pool?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b> Ich gönne dem Bundesminister sein privates Glück.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oli:</b> Was erwarten sie von der nächsten Regierung an Weichenstellungen für die Zukunft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Die nächste Regierung wird Bestandsaufnahme und Kassensturz machen<br />
müssen. Ich hoffe, dass sie sich als beratungsfähig erweisen wird. Wenn<br />
dies der Fall ist könnten wir zu realistischen Zukunftsperspektiven für<br />
die Menschen in der Bundeswehr kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b> Eine grundsätzliche, daher sicher schwer zu beantwortende Frage zum Ende unseres Chats:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ines: </b>Glauben Sie denn, dass man heute Konflikte noch militärisch lösen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b><br />
Ganz sicher muss die Fähigkeit, insbesondere der europäischen Staaten,<br />
zur nicht-militärischen Konfliktprävention entscheidend verstärkt<br />
werden. Absichtserklärungen reichen da nicht aus. Vielmehr müssen<br />
konkrete Instrumente zur Konfliktprävention definiert werden. Die<br />
Erfahrung aus der jüngeren Vergangenheit stimmen nicht nicht besonders<br />
zukunftsfroh. Der Konflikt in Mazedonien etwa war prognostizierbar.<br />
Trotzdem ist es den Europäern nicht gelungen, in eineinhalb Jahren nach<br />
Ende des Kosovo-Luftkrieges soviel politischen Einfluss aus Mazedonien<br />
auszuüben, dass ein Bürgerkrieg vermieden werden konnte. Ich würde es<br />
vorziehen, wenn wir in Zukunft militärische Konfliktlösungen nur noch<br />
dann versuchen würden, wenn wir vorher alles zumutbare getan haben, um<br />
die Ursachen von Konflikten auszuräumen &#8211; statt die Symptome zu<br />
bekämpfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Leider ist unsere Zeit schon wieder vorbei. Viele Fragen mussten<br />
unbeantwortet bleiben. Wir bedanken uns herzlich bei Oberst Gertz!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernhard Gertz:</b> Herzlichen Dank und bis demnächst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wir würden uns freuen, Sie bei unserem nächsten Chat wieder begrüßen zu<br />
dürfen. Am Dienstag, dem 23.April, zwei Tage nach der Landtagswahl in<br />
Sachsen-Anhalt, kommt der Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer, von<br />
20.15 bis 21.00 Uhr zum chatten. Im Namen der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de wünschen wir allen Beteiligten einen schönen Abend!</span></p>
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