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	<title>Edelgard Bulmahn &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Edelgard Bulmahn &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Innovationen und Impulse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mfrost]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 May 2004 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
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					<description><![CDATA[<b>Edelgard Bulmahn<!-- #EndEditable --> 
im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->11.5.2004</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Edelgard Bulmahn<!-- #EndEditable --><br />
im europathemen-Chat am <!-- #BeginEditable "chat_datum" -->11.5.2004</b><!--break--><b><!-- #EndEditable --><br />
</b><br />
<!-- #BeginEditable "chat" --> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
zum heutigen Live-Chat, der im Rahmen des Kongresses &quot;Zeit für<br />
Innovationen &#8211; Impulse für Deutschland&quot; stattfindet, den die<br />
SPD-Bundestagsfraktion heute in Berlin durchführt. Unser heutiger<br />
Gast ist Edelgard Bulmahn (SPD), Bundesministerin für Bildung und<br />
Forschung und Bundestagsabgeordnete. Herzlich willkommen Frau Bulmahn.<br />
Wir haben 45 Minuten Zeit, kann es losgehen?
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn03.jpg" alt="Edelgard Bulmahn, Bildungsministerin" align="left" height="108" width="83" />Edelgard<br />
Bulmahn:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Erste Frage:
</p>
<p>
<b>sally:</b> Welche Innovationen sollen denn alles in Angriff<br />
genommen werden? Und welche konkreten Ziele streben Sie damit an?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir wollen ein innovationsfreundliches<br />
Klima in unserem Land schaffen, erreichen, dass viele Menschen eine<br />
gute Ausbildung und Qualifikation erhalten und Forschungsergebnisse<br />
schneller und breiter genutzt werden. Weil wir nur so gegenüber<br />
Niedriglohnländern wettbewerbsfähig bleiben werden und neue<br />
Arbeitsplätze schaffen können.
</p>
<p>
<b>Nun:</b> Bringt Informationspolitik wirklich neue Arbeitsplätze,<br />
oder wandern die nicht zunehmend nach Indien, China oder nach Ost-Europa<br />
ab?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Innovationspolitik schafft neue<br />
Arbeitsplätze. Das sehen wir klar am Beispiel der Lasertechnik.<br />
In den 80er Jahren war Deutschland noch Importeur von Lasertechnologien.<br />
Heute sind wir Weltmarktführer bei den materialbearbeitenden Laser.<br />
50.000 Arbeitsplätze sind allein in den letzten Jahren hier entstanden.<br />
Insgesamt sind es 110.000 Arbeitsplätze, die in dem Bereich der<br />
Optischen Technologien bestehen.
</p>
<p>
<b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_chat.jpg" align="left" height="164" width="150" />Gerhard:</b><br />
Welche Projekte sollen konkret unterstützt werden, damit Innovationen<br />
besser umgesetzt werden können?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Bundesregierung fördert<br />
Forschung in den Bereichen der Optischen Technologien, Informations-<br />
u. Kommunikationstechnologien, Materialwissenschaften, aber z.B. auch<br />
in der Biotechnologie, in der Gesundheitsforschung oder der Umweltforschung,<br />
um nur wichtige Beispiele zu nennen.
</p>
<p>
<b>Buli:</b> Welche Rahmenbedingungen für Innovation<br />
müssen denn verbessert werden? Mautpleite war ja nicht so dolle?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Mautpleite ist vor allem auf<br />
mangelhaftes Management zurückzuführen. Aber sicher brauchen<br />
wir auch innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, z. B. die Strukturreformen,<br />
die wir im Bereich der Hochschulen durchgeführt haben, wie die<br />
Juniorprofessur, die leistungsbezogene Besoldung der Professoren oder<br />
die Stärkung der Autonomie der Hochschulen. Dazu gehört die<br />
Überprüfung aller Gesetze auf ihre Innovationsfreundlichkeit<br />
hin und ein öffentliche Beschaffungspolitik, die klar auf Innovation<br />
setzt.
</p>
<p>
<b>Hagener:</b> Ich lese: Bei forschungsintensiven Gütern<br />
liegt Deutschland mit einem Weltmarktanteil von 14,9% nach den USA (19,4%)<br />
weltweit auf Platz 2. Sind wir besser als unser Ruf?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Ja, sind wir.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kritische Frage:
</p>
<p>
<b>danman1:</b> Zeit für Innovationen &#8211; Impulse für<br />
Deutschland &#8211; schöner Titel: wie sieht es in der Praxis mit den<br />
Innovationsförderungen aus &#8211; viele Programme werden eingestellt<br />
und die Anträge sind extrem komplex. Die Hürden sind (künstlich?)<br />
hoch &#8211; wie soll da Innovation in Deutschland ernsthaft passieren?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Forschungsförderungsanträge<br />
können über das Internet gestellt werden. Es gibt eine Beratung<br />
über die Projektträger, aber man muss sich durch Qualität<br />
und Exzellenz durchsetzen. Mit der Gießkanne wird nicht gefördert.<br />
Die Bundesregierung hat seit &#8217;98 die Mittel für Forschung und Entwicklung<br />
um gut 1 Mrd. erhöht. Zur Erinnerung: Die Kohl-Regierung hat zwischen<br />
&#8217;92 und &#8217;98 die Mittel um 670 Mio. Euro gekürzt. Das spricht doch<br />
für sich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Fragen zum Thema Hochschulen und<br />
Forschung sind eingetroffen &#8211; stellvertretend für viele:
</p>
<p>
<b>Zweifler:</b> Sie sagen: „Bis zum Jahr 2010 einen<br />
Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt<br />
von 3% erreichen&quot;. Ist das realistisch und was sagt Kabinettskollege<br />
Eichel dazu?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir haben bereits seit &#8216; 98 den<br />
Anteil an Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt<br />
von damals 2,3 auf 2,5 Prozent jetzt erhöht. Diesen Wachstumskurs<br />
werden wir auch im kommenden Jahren fortsetzen müssen.
</p>
<p>
<b>franz m.:</b> Bei der Förderung von Bildung und Forschung<br />
werden gerne die USA als Vorbild genannt. Von der privatwirtschaftlichen<br />
Förderung von Universitäten kann Deutschland jedoch nur träumen.<br />
Wie wollen Sie hier mehr Anreize für Unternehmen schaffen?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Wir unterstützen auch Unternehmen<br />
durch unsere Forschungsförderung, gerade kleine und mittlere Unternehmen<br />
profitieren davon. Wir brauchen allerdings mehr private Stifter. Mein<br />
Wunsch ist, dass ungefähr 10 Prozent des vererbten Vermögens<br />
jährlich für Bildung und Forschung bereit gestellt werden.
</p>
<p>
<b>moderator:</b> Zwei Fragen &#8211; ein Thema:
</p>
<p>
<b>Gabriela:</b> Muss man nicht weitere Maßnahmen ergreifen,<br />
unsere Akademiker hier zu behalten. Ich habe gehört, viele wandern<br />
nach Amerika aus, weil sie dort mehr Forschungsmittel erhalten, während<br />
hier an den Universitäten gespart wird, insbesondere bei Fächern,<br />
die nicht gerade die Naturwissenschaften betreffen.
</p>
<p>
<b>Main:</b> Warum wandern alle Wissenschaftler nach Amerika<br />
ab?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Das ist auch so ein dummes Vorurteil.<br />
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat vor kurzem eine umfangreiche<br />
empirische Untersuchung durchgeführt. Danach bleiben ungefähr<br />
15 Prozent der Wissenschaftler auf Dauer im Ausland. Bei den Programmen,<br />
die wir durchgeführt haben, bleibt rund ein Drittel der angeworbenen<br />
ausländischen Wissenschaftlern in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Simser:</b> Sollten die Unis nicht selbstbestimmter verwalten<br />
und sich auch finanzieren, z.B. mit Studiengebühren &#8211; würde<br />
das nicht automatisch zu einem Wettbewerb unter den Universitäten<br />
führen und eine Elite heranbilden?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Die Universitäten sollten mehr<br />
Autonomie erhalten. Hier sind vor allem die Länder gefragt. Ich<br />
bin bereit, die rechtlichen Vorgaben auf 4 Punkte zu beschränken.<br />
Auf die Zulassung, die Abschlüsse, das Dienstrecht und die Anforderung,<br />
dass Hochschulen ein Qualitätsssicherungssystem aufbauen.<br />
Zu den Studiengebühren: Bisher gibt es keinerlei Stipendienprogramme<br />
(dafür müssten die Länder aufkommen). Zweitens ist überhaupt<br />
nicht sichergestellt, dass Studiengebühren auch tatsächlich<br />
den Hochschulen zugute kommen. Solange sollte man beim Gebührenfreien<br />
Erststudium bleiben ( in einer angemessenen Zeit).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zur Abwanderung und Ihren genannten<br />
Zahlen &#8211; der Klärungsbedarf scheint hoch zu sein:
</p>
<p>
<b>saijin:</b> 15% sind eine ganze Menge, besonders wenn<br />
es die Besten sind! Oder?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Das ist aber in anderen Länder<br />
nicht anders. Teilweise liegt der Prozentsatz dort noch deutlich höher.<br />
Im übrigen ist der Austausch auch gewollt und richtig. Er darf<br />
nur keine Einbahnstraße sein.
</p>
<p>
<b>frau schmidt:</b> Ein Ideal der Sozialdemokraten war bzw.<br />
ist doch freie Bildung für Alle. Angesichts der schlechten Ausstattung<br />
der Unis, zu vieler Studenten und zu wenigen Lehrkräften, werden<br />
mehr und mehr Zugangsschranken, wie die Einführung eines Numerus<br />
Clausus oder die Erhebung von Gebühren (Sprachkurse etc.) erlassen.<br />
Wie gehen Sie mit diesen Gegebenheiten um?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Numerus Clausus gibt es schon seit<br />
meiner eigenen Studienzeit. Das ist also nichts Neues. Ich plädiere<br />
aber für ein größeres Auswahlrecht der Hochschulen.<br />
Außerdem hat die Bundesregierung hier erst einmal Verlässlichkeit<br />
für die Eltern und Studierenden geschaffen, dass das Erststudium<br />
gebührenfrei bleibt. Zusätzlich haben wir das BAföG wieder<br />
zu einer wirksamen Studienförderung gemacht. Die Bundesmittel sind<br />
um 50 Prozent erhöht worden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stellvertretend für einige Fragen<br />
zum Thema:
</p>
<p>
<b>SPD_Hannover-Süd:</b> Wie geht es beim Wettbewerb<br />
für Spitzenuniversitäten weiter?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Bund und Länder haben sich<br />
Ende März auf ein gemeinsames Konzept verständigt, das zum<br />
einen einen Wettbewerb um Spitzenuniversitäten vorsieht, zum zweiten<br />
einen Wettbewerb um fachbezogene Excellenzzentren und zum dritten einen<br />
Wettbewerb um Graduiertenschulen (Nachwuchswissenschaftlerförderung).<br />
Dies wird die Universitäten deutlich stärken.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfragen zum Auswahlrecht:
</p>
<p>
<b>garfinkel:</b> Wie sollen Hochschulen das Umsetzen. Es<br />
scheitert doch daran, das Professoren keine Zeit haben, Studenten auszuwählen!
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Für die Auswahl der Hochschulen<br />
muss die Abi-Durchschnittsnote auch weiterhin einen maßgeblichen<br />
Einfluss haben. Die Hochschulen können dieses mit gewichteten Abi-Noten<br />
verbinden oder auch mit Eingangstests, Gesprächen etc. Der Bundestag<br />
wird aller Voraussicht nach im Frühsommer diesen Jahres einen Beschluss<br />
fassen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage:
</p>
<p>
<b>michel</b> Werden Sie endlich Ganztagsschulen bundesweit<br />
einführen und somit auch Müttern eine berufliche Chance geben?
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Ja. Das Ganztagsschulprogramm der<br />
Bundesregierung ist ein voller Erfolg. Vier Milliarden Euro sind ja<br />
auch kein Pappenstiel. Alleine in diesem neuen Schuljahr werden mit<br />
unserem Programm 3.000 neue Ganztagsschulen in Deutschland entstehen.<br />
Das ist eine Steigerung um 64 Prozent. Das lässt sich doch sehen!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, leider ist<br />
die Zeit etwas früher als geplant vorbei &#8211; vielen Dank für<br />
die vielen Fragen. Leider können nicht alle in der Kürze der<br />
Zeit beantwortet werden. Vielen Dank auch an Sie, Frau Bulmahn, für<br />
die Teilnahme am Chat und die interessanten Antworten.
</p>
<p>
<b>Edelgard Bulmahn:</b> Vielen Dank, es hat Spaß gemacht.<br />
Einen schönen Tag. Gruß, Edelgard Bulmahn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weitere Informationen zum Thema und zum<br />
Kongress finden Sie auf den Internetseiten der SPD-Fraktion www.spdfraktion.de.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte Zeit sein.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotein_kostenfreies_erststudium_kann_immer_nur_ein_recht_fuer_eine_begrenzte_zeit_seinquot-264/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat 
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat<br />
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Frau Bulmahn, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren<br />
Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie fühlt man sich als Bundesbildungsministerin, wenn der wichtigste<br />
Rohstoff Deutschlands, die Bildung, sprichwörtlich baden geht oder<br />
sich die Bildungselite als Hausbesetzer profiliert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wenn die Bildungselite für ihre Rechte eintritt, dann halte ich das<br />
für gut. Das Baden ist nicht das Problem, aber die Bildung muss oben<br />
schwimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>musterstudi</b>:<br />
Wie sollen die Studienplätze finanziert werden, wenn auf Studiengebühren<br />
verzichtet werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Hochschulen generell, und damit die Studienplätze werden durch<br />
Steuermittel finanziert und dadurch von uns allen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Sind da Studiengebühren, die ausdrücklich der Verbesserung der<br />
Lehre und Forschung dienen sollen, nicht schon längst zwingende Maßnahme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Keine Bildungsministerin hat die rechtlichen Möglichkeiten dies zu<br />
verhindern. Ich bin der Auffassung dass das Erststudium Studiengebührenfrei<br />
bleiben sollte (in einer angemessenen Zeit). Wir geben im Übrigen<br />
in Deutschland pro Studierenden in der OECD nach der Schweiz am meisten<br />
aus. Deshalb müssen wir die Mittel besser einsetzen. Sonst werden<br />
sich die Studienbedingungen auch bei mehr Geld nicht verbessern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Müsste nicht vielmehr der Anteil der Hochschulausgaben an der Wirtschaftsleistung<br />
gemessen werden? Und da liegt Deutschland mit 1,0 Prozent deutlich unter<br />
dem Durchschnitt der Industriestaaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir geben insgesamt rund 9% unseres Bruttosozialproduktes für Bildung<br />
aus. Damit liegen wir etwas unterhalb des Durchschnittes, aber bei den<br />
Ausgaben pro Studienplatz liegen wir im OECD-Vergleich an zweiter Stelle.<br />
Leider wissen das die wenigsten und kümmern sich auch nicht um die<br />
Frage, wie man die Mittel sinnvoller und besser einsetzen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Besser wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student</b>:<br />
Glauben Sie, dass die Bildung in besseren Händen wäre, wenn<br />
sich der Bund darum kümmern würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir kürzen unsere Ausgaben für Studierende nicht, sondern wir<br />
haben sie in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Für die<br />
Hochschulen insgesamt haben wir ein Plus von 23% erreicht. Das spricht<br />
für sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Konstruktiver Vorschlag, denn die Probleme sind offensichtlich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kassenwart</b>:<br />
Wäre es nicht an der Zeit für einen Deal: Es gibt Studiengebühren,<br />
aber dafür garantieren die Länder oder der Bund auch, dass die<br />
Hochschulen das nötige Geld bekommen. Was heute ja wohl heißt,<br />
keine Gelder streichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Genau das kann keine Ministerin garantieren. Weil das Parlament über<br />
das Geld entscheidet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Sie haben das Gebührenverbot durchgesetzt, das jetzt unter Beschuss<br />
steht. Kritiker sagen, damit würden nur sinnlose Systeme wir Gebühren<br />
für Langzeitstudenten unterstützt. Die aber bringen wenig Geld<br />
und trotzdem verstärkten sie den Anreiz für Unis, ihre Zahlmeister<br />
noch länger an der Uni zu halten? <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte<br />
Zeit sein. Jemand, der mit dieser Zeit nicht verantwortungsvoll umgeht,<br />
kann meines Erachtens auch zu Gebühren herangezogen werden. An diejenigen,<br />
die Gebühren fordern, stelle ich die Frage: &quot;Welches Land hat<br />
bisher ein Stipendienprogramm bereits beschlossen? Der Bund wird diese<br />
Kosten nicht übernehmen können und dürfen. Welche Hochschule<br />
hat bereits Mittel eingestellt für die Finanzierung der Studiengebühren<br />
für Studierende von einkommensschwächeren Studierenden? Wie<br />
will man erreichen, dass keine unerwünschte Studienwahllenkung erfolgt,<br />
z.B. sind Ingenieurstudiengänge, naturwissenschaftliche Studiengänge<br />
um ein vielfaches teurer als ein Sprachenstudium. Deshalb kann man nicht<br />
von allen gleiche Studiengebühren verlangen. Wir brauchen zurzeit<br />
aber gerade Studierende, die sich für diese naturwissenschaftlichen/ingenieurwissenschaftlichen<br />
Studiengänge entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Viele Fragen, wir versuchen Antworten zu finden:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie könnte eine zukünftige Kompetenzverteilung zwischen Bund<br />
und Ländern in Sachen Hochschulpolitik aussehen, wenn Bildung immer<br />
mehr zur &quot;nationalen Aufgabe&quot; wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Indem zum einen die Hochschulen selbst sehr viel mehr Entscheidungshoheit<br />
erhalten und damit eine größere Autonomie erhalten und die<br />
Hochschulförderung viel stärker im Wettbewerb geschieht, z.B.<br />
nach den Leistungen in der Lehre und der Forschung. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Mehrere Eckpunkte der Bildungsreform wie Abschaffung der Habilitation,<br />
Einführung der Juniorprofessur, und Einführung von Bachelor-Abschlüssen<br />
stoßen bei den Universitäten auf heftige und begründete<br />
Kritik. Wie sollen Reformen gegen die Universitäten durchgeführt<br />
werden? Die Argumente der Universitäten werden durch die Politik<br />
nicht berücksichtigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Argumente der Wissenschaftler und Professoren werden berücksichtigt<br />
denn die Juniorprofessur ist ein Vorschlag maßgeblicher international<br />
anerkannter Wissenschaftler, den ich aufgegriffen habe, um damit jungen<br />
Wissenschaftlern vergleichbare Arbeitsbedingungen zu bieten wie sie sie<br />
im Ausland vorfinden. Wir können natürlich auch glauben, als<br />
letztes Land weltweit auf die frühe Eigenständigkeit von jungen<br />
Wissenschaftlern verzichten zu können. Ich glaube dieses nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Studifrust</b>:<br />
Immer mehr Studenten versuchen über ein Auslandsstudium das zu finden,<br />
was sie in Deutschland nicht mehr bekommen: Qualität in der Ausbildung<br />
und Perspektiven. Deutsche Studenten genießen in den USA immer noch<br />
ein hohes Ansehen. Viele kommen nach dem Auslandsjahr gar nicht mehr wieder.<br />
Was unternehmen Sie gegen diese Abwanderung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich kann jedem Studierenden nur raten, nach Möglichkeit zumindest<br />
ein Jahr oder ein Semester im Ausland zu studieren. Deshalb ist Auslandsstudium<br />
per se kein Nachteil, sondern etwas Positives. Das der Anteil der ausländischen<br />
Studierenden in Deutschland in den letzten drei Jahren ebenfalls gestiegen<br />
ist, so dass wir in den guten Hochschulen inzwischen einen Anteil von<br />
25 bis 28 Prozent haben, halte ich für eine gute Entwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>franz</b>:<br />
Welches Land hat Ihrer Ansicht nach ein gutes Bildungssystem. Können<br />
wir davon lernen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Meiner Ansicht nach haben die skandinavischen Länder ein gutes Bildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Kritiker von Studiengebühren verweisen gerne auf Nordeuropa,<br />
wo das Studium nichts kostet. Doch um skandinavische Verhältnisse<br />
zu bekommen, müsste Ihr Ministerium viel mehr Geld ausgeben. Wie<br />
erklären Sie das vor dem Hintergrund leerer Kassen?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
In Deutschland wird Bildung durch die Länder und den Bund finanziert.<br />
Deshalb muss man dann die Summen gemeinsam für einen Vergleich heranziehen.<br />
Noch einmal ausdrücklich: Es geht kein Weg daran vorbei. Wir haben<br />
das große Problem, dass es uns offenbar nicht gelungen ist, die<br />
Mittel, die wir einsetzen, optimal einzusetzen. Einer der Gründe<br />
liegt darin, dass es noch immer keine leistungsbezogene Bezahlung von<br />
Hochschulen gibt, dass es bisher kein umfassendes Benchmarking der Hochschulen<br />
gab, dass Lehre bisher an den Hochschulen nicht regelmäßig<br />
evaluiert wurde und damit auch nicht den entsprechenden Stellenwert hatte.<br />
Ich hoffe, dass sich dieses zügig ändern wird, z.B. durch die<br />
im Bundesgesetz bereits vollzogene Änderung der Professorenbesoldung<br />
(leistungsbezogen), durch ein systematisches Benchmarking, für das<br />
der Wissenschaftsrat in Kürze einen Vorschlag vorlegen wird und auch<br />
durch eine klare Prioritätensetzung der Länder für Bildung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie kann man die finanzielle Situation der Studierenden verbessern, damit<br />
es durch Nebentätigkeiten nicht zu überlangen Studienzeiten<br />
kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir haben die finanzielle Situation für Studierende aus einkommensschwachen<br />
Familien deutlich verbessert durch die BAföG-Reform.<br />
Wir haben aber ganz sicher nicht die finanziellen Ressourcen, um für<br />
jeden Studierenden,<br />
unabhängig von der persönlichen finanziellen Situation, Stipendien<br />
anbieten zu können.<br />
Und die Banken sind sicher auch nicht bereit, ohne entsprechende Sicherheiten<br />
Kredite anzubieten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jtm</b>:<br />
Bezüglich der Studiengebühren. Ich halte den Vorschlag der Grünen<br />
einer rückwirkenden Finanzierung ähnlich dem BAföG-Modell<br />
für sehr sinnvoll. Dieses könnte man nach dem Studium je nach<br />
wirtschaftlicher Lage erheben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein rückfinanzierendes Modell hilft den Hochschulen erst in ca. 10<br />
Jahren, denn vorher würden keine Mittel zurückfließen.<br />
Zumindest nicht in nennenswerter Weise. Im übrigen sprechen wir in<br />
der Realität auch nicht von Studiengebühren von 100 Euro, sondern<br />
von 2000 bis 5000 Euro. Das sind die realistischen Zahlen. Australien,<br />
das immer als Modell für rücklaufende Studiengebühren genannt<br />
wird, hat sich zum großen Teil von diesem Modell verabschiedet,<br />
weil man sich jetzt auf 50% der Studienplätze sofort einkaufen kann<br />
mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Studierenden aus einkommensschwächeren<br />
Familien erheblich gesunken ist. Das sagt selbst das Bildungsministerium<br />
in Australien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>esbleibtdabei</b>:<br />
Frau Bulmahn, es bleibt doch ein Dilemma: Es gibt in Deutschland zu wenig<br />
Geld für die Ausbildung. Das gilt ja auch für die Schulen. Wenn<br />
Leute in überfüllten Klassen und Hörsälen sitzen,<br />
dann ist einfach was nicht in Ordnung. Das kriegt man auch durch Evaluierungen<br />
nicht hin. Vielleicht sollte man einen Eurofighter weniger kaufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Erstens müssen wir in Deutschland ganz sicherlich auf Dauer auch<br />
mehr in Bildung und Forschung investieren, auf allen Ebenen nicht nur<br />
auf Bundesebene, aber auch hier. Zweitens müssen wir die Mittel besser<br />
einsetzen, denn sonst ist es ein Zahlen in ein Fass ohne Boden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aus der Praxis:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Ich studiere gerade in Trondheim/Norwegen und finde es beeindruckend,<br />
wie viel Geld hier in den Bildungssektor fließt. Ich kenne viele<br />
Deutsche die ihr Studium hier beenden möchten. Ich selbst spiele<br />
auch mit diesem Gedanken. Das ist ein Export von fähigen Menschen<br />
mit fatalen Folgen für Deutschland. Das sollte bei allen Kürzungen<br />
im Hochschulbereich beachtet werden! Die Einführung von Studiengebühren<br />
würde diesem Abwanderungsstrom noch Auftrieb geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich halte die Kürzungen wie sie jetzt von den Ländern durchgeführt<br />
werden für falsch. Gerade an den Personalkosten sollte nicht gespart<br />
werden. Hier sollte teilweise umgeschichtet werden, aber nicht gekürzt<br />
werden. Im Vergleich: Der Bund hat seine Hochschulausgaben zwischen 1988<br />
und 2003 um insgesamt 23,4 Prozent gesteigert, die Länder um 12,9<br />
Prozent. Der Bund wird auch in den kommenden Jahren seine Ausgaben für<br />
die Hochschulen nicht reduzieren. Wir werden uns aber auch darum bemühen,<br />
sie leistungsbezogener einzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tobias</b>:<br />
Liegen viele Probleme der deutschen Hochschulen im Vergleich zu anderen<br />
europäischen Ländern nicht schon am dreigliedrigen Schulsystem?<br />
Speziell bezogen auf Kinder aus &quot;bildungsferneren Schichten&quot;,<br />
denen durch unser Bildungssystem der Zugang zur Hochschulbildung unnötig<br />
erschwert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir können durch die Hochschulausbildung sicher nicht alles rückgängig<br />
machen, was in den Schulen versäumt worden ist. Insofern haben Sie<br />
Recht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cloninger</b>:<br />
Bietet die Regierung den Universitäten &#8211; die vor Kürzungen stehen<br />
&#8211; aktive Hilfe an, um diese doch noch abwenden zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Cloninger, wir haben ein föderales System!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Norbert Koch: Bei der Einführung von Bachelor-Studiengängen<br />
werden die besseren Studenten nach ihrem Abschluss ins Ausland gehen und<br />
dort promovieren. In Deutschland müssen sie zuerst den Master machen,<br />
bevor sie promovieren können. Das ist ein echter Standortnachteil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Man kann natürlich im Ausland ein PhD Studium machen, so wie man<br />
das in Deutschland im Rahmen von Modellprojekten auch entwickelt worden<br />
ist. Ansonsten benötigt man auch im Ausland einen Master, bevor man<br />
einen PhD machen kann. Man kann aber natürlich bereits im Masterstudium<br />
mit seiner Dissertation beginnen. Das ist auch in Deutschland möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Arno:</b><br />
Ein Problem unseres Bildungssystems ist doch die Frage der Zuständigkeiten.<br />
Einerseits ist hohe Eigenverantwortung der einzelnen Einheiten gewünscht,<br />
andererseits führt es zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern<br />
und noch mehr innerhalb der EU. Wäre es da nicht sinnvoll, die kleinste,<br />
überschaubare Ebene, ob Uni oder Schule, entscheidet und bestimmt<br />
am striktesten, jede weitere höhere Ebene gibt jeweils weniger bestimmende<br />
&quot;Empfehlungen&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere ausdrücklich für eine hohe Eigenständigkeit<br />
der Bildungseinrichtung selbst. Was generell geregelt werden muss, ist<br />
z.B. die Frage der Abschlüsse, des Hochschulzugangs, sind z.B. dienstrechtliche<br />
Fragen und ist die Frage, wie man Transparenz und Durchlässigkeit<br />
gewährleisten kann. Das sind im übrigen auch die zentralen Fragen,<br />
auf die sich die 40 europäischen Bildungsminister in Berlin in diesem<br />
Jahr in der Bologna-Vereinbarung geeinigt haben. Stichworte sind z.B.<br />
Bachelor- und Master-Studiengänge und Promotionsstudiengänge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Goethe</b>:<br />
Wie kann der Bund die zaghaften Bestrebungen der Länder mehr Lehrer<br />
einzustellen unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Leider gar nicht. Es gibt keine Rahmenzuständigkeit des Bundes für<br />
Schulen. Wir unterstützen die Länder aber im Rahmen unseres<br />
Ganztagsschulprogramms mit vier Milliarden Euro, um eine Qualitätsverbesserung<br />
des Unterrichts zu erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gonzalez</b>:<br />
Wie ernst nehmen Sie eigentlich den Protest der Studenten. Sie kriegen<br />
es hier in Berlin ja mit. Hoffen auf Weihnachten und dass dann alles vorbei<br />
ist, weil die Studis sich im Januar eh´ nicht mehr in die Kälte<br />
stellen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich nehme den Protest der Studierenden sehr ernst, weil ich persönlich<br />
davon überzeugt bin, dass die Studienbedingungen dringend verbessert<br />
werden müssen.<br />
Zu einer Verbesserung der Studienbedingungen gehört z.B. eine klare<br />
Struktur der Studiengänge eine gute systematische Studienberatung<br />
&#8211; nicht nur zu Beginn des Studiums, sondern kontinuierlich. Dazu gehört,<br />
dass ein Prof. nicht nur eine Stunde in der Woche für seine Studierenden<br />
anzusprechen ist, sondern jeden Tag. Dazu gehört z.B. die Möglichkeit,<br />
in den Semesterferien Prüfungen nachzuholen, dazu gehört z.B.<br />
eine frühzeitige Beratung über zukünftige Berufsmöglichkeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>karsten</b>:<br />
Denken Sie daran, den Beamtenstatus der Professoren irgendwann einmal<br />
abzuschaffen oder zumindest deren Arbeit transparenter und sanktionierbarer<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Länder können jetzt schon entscheiden, ob sie Professoren<br />
als Angestellte oder Beamte beschäftigen. Im Bundesgesetz habe ich<br />
im Jahre 2001 schon <br />
die Voraussetzung dafür geschaffen, dass in Zukunft die Lehr- und<br />
Forschungsleistung <br />
von Professoren evaluiert (damit transparent gemacht wird) und dass im<br />
Durchschnitt mindestens ein Drittel des Gehaltes leistungsbezogen gezahlt<br />
werden sollte. Leider haben bei weitem noch nicht alle Bundesländer<br />
dieses Bundesgesetz in Landesgesetze umgesetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ChristianS</b>:<br />
Einige Ideen, die sie nennen sind ja nicht schlecht, aber wie viel Macht<br />
haben sie, diese gegen die Länder durchzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Der Bund hat keinerlei Zuständigkeit für Personalausstattung<br />
der Hochschulen. Der kann in einem Rahmengesetz nur die bundesweit relevanten<br />
Eckpunkte festlegen und durch (wie z.B. die Einführung der Bachelor-<br />
und Master-Studiengänge oder die Junior Professuren) und er kann<br />
durch Programme wünschenswerte Entwicklungen in Gang setzen, z.B.<br />
durch Nachwuchsförderungsprogramme, das BAföG oder das Hochschulentwicklungsprogramm<br />
zur Internationalisierung der Hochschulen / Nutzung der neuen Medien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt doch auch, das Nord-Süd-Arm-Reich-Gefälle in<br />
der Bundesrepublik bei den Unis wird sich immer mehr verschärfen.<br />
Weil einige Länder &#8211; wie Berlin &#8211; haben ja nun wirklich kein Geld.<br />
Zum Studieren also ab nach Bayern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Jeder Student sollte selbst entscheiden können, an welcher Uni in<br />
welcher Stadt er studiert. Die Überlegungen mancher Länderminister<br />
nur Studienplätze für Menschen eigener Bundesländer anzubieten,<br />
halte ich im Zeitalter der Globalisierung für überholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Deutschland hat im internationalen Vergleich immer noch zu wenig Studierende.<br />
Das wurde von der OECD gerügt, nun wurde die Zahl der Studenten gesteigert.<br />
Wie aber will Deutschland immer mehr Studenten ausbilden, ohne dafür<br />
die richtigen Strukturen bereitzustellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich habe ja vorhin bereits auf einige notwendige strukturelle Veränderungen<br />
hingewiesen, deren Schaffung ich ja mit meinem Programm unterstütze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>abrafax:</b><br />
Als Vater einer 7jährigen Tochter frage ich Sie, wann es endlich<br />
ein einheitliches Schulsystem geben wird, wie wir es als gelernte DDR-Bürger<br />
gewöhnt waren. Und wann wird die Gewichtung der Bildung wieder mehr<br />
auf die Naturwissenschaften gelegt, damit der Nachwuchs lernt, was er<br />
fürs Leben braucht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere seit langem dafür, dass die Naturwissenschaften<br />
in der Schule wieder eine größere Rolle spielen, nicht als<br />
abstrakte Wissenschaft, sondern als notwendiges Wissen, was wir im Alltag<br />
brauchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>weitweg</b>:<br />
Wir haben 50 Minuten über die Hochschule gesprochen. Ich würde<br />
gerne eine Frage zu den geplanten Bildungsstandards stellen: Wird es eine<br />
standardisierte Erhebung, wie es sie in den USA seit 40 Jahren gibt, in<br />
Zukunft Deutschland geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich hoffe das. Das Jahr der Technik (2004) wird ganz sicherlich auch dazu<br />
beitragen. (www.jahr-der-technik.de) Es wird in Deutschland ganz sicherlich<br />
in Zukunft Erhebungen geben, wie wir sie im Rahmen der Pisa-Studie durchgeführt<br />
haben. Diese Erhebungen haben eine sehr hohe Aussagekraft. Sie zeigen<br />
uns sehr deutlich, wo wir stehen.<br />
Ich versuche in den Verhandlungen mit den Ländern durchzusetzen,<br />
dass wir in Zukunft eine regelmäßige nationale Bildungsberichterstattung<br />
haben, die uns eine genaue Kenntnis der Stärken und Schwächen<br />
dann ermöglicht. Um dann auf der Basis dieses gesicherten Wissens<br />
unser Bildungssystem zu verbessern. Leider werden viel zu viele unserer<br />
bildungspolitischen Debatten auf Basis von Meinungen geführt und<br />
nicht auf der Basis solider empirischer Fakten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Frau Bulmahn, ihr guter Wille ist eindeutig zu erkennen &#8211; haben sie schon<br />
einmal den Finanzminister gefragt, wie er sich die Zukunft der deutschen<br />
Wissenschaft und damit die Zukünftige Quelle für Innovation<br />
und Neuentwicklungen in Deutschland vorstellt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Nicht nur einmal, darüber sprechen wir regelmäßig und<br />
manchmal streiten wir uns auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Bulmahn. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02.<br />
Morgen chatten wir mit Jeanette Hofmann live vom UN-Informationsgipfel.<br />
Wir wünschen allen noch einen angenehmen Tag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Tschüss, ich bedanke mich und hoffe, das ich weiterhin so viel Unterstützung<br />
für Bildung und Forschung haben werde.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Das Bildungsduell</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Sep 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
tacheles.02 spezial: Chatduell mit Edelgard Bulmahn und Annette Schavan am 4. September 2002
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
tacheles.02 spezial: Chatduell mit Edelgard Bulmahn und Annette Schavan am 4. September 2002
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div class="subcolumns">
<div class="c50l">
<div class="subcl">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn1.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="right" height="100" width="75" />
</div>
</div>
<div class="c50r">
<div class="subcl">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/aschavan2.jpg" alt="Annette Schavan" align="left" height="97" width="75" />
</div>
</div>
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen zu unserem Live-Chat-Duell bei tacheles.02 spezial. Ich begrüße herzlich Edelgard Bulmahn (SPD), Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Annette Schavan (CDU), Ministerin für Jugend, Kultus und Sport Baden-Württemberg und Mitglied in Edmund Stoibers &quot;Kompetenzteam&quot;
</p>
<p>
tacheles.02-Spezial ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und findet im Rahmen des Debattenforums &quot;WAHLTHEMEN.DE&quot; statt, einem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität und politik-digital.de.
</p>
<p>
Gleich ein Hinweis: Am Freitag treffen (16.30 Uhr) begegnen sich beim chat tacheles.02 spezial Gregor Gysi und Christoph Schlingensief, am Montag (15.00 Uhr) die Ministerpräsidenten Roland Koch und Kurt Beck.
</p>
<p>
Frau Schavan, fangen wir mit dem Thema an, das Bildung endlich in den Rang eines Wahlkampfthemas beförderte: die PISA-Studie, die deutschen Schülern äußerst mittelmäßige Leistungen bescheinigt. Aber immerhin Platz zwei belegt Baden-Württemberg hinter Bayern im Bundesländervergleich &#8211; sitzt eine vorbildliche Kultusministerin in Stuttgart?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Auch Baden Württemberg will besser werden im internationalen Vergleich. Aber richtig ist: Es gibt in Deutschland gravierende Unterschiede, die nicht länger hingenommen werden dürfen. Als Kultusministerin in Stuttgart bin ich natürlich froh darüber, dass wir hier eine gute Ausgangspositon für die Weiterentwicklung unseres Bildungswesens haben und wichtige Reformschritte, die in anderen Ländern erst diskutiert werden, bei uns bereits gegangen wurden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Schavan, nun kann sich Baden-Württemberg freuen, dass es in Deutschland die Nummer zwei ist, international gesehen sieht es dennoch nicht gut aus. Jürgen Bäumert, Leiter der deutschen PISA-Vergleichsstudie, sagt ganz klar: Die Vorbilder für die deutschen Schulen muss man im Ausland suchen, nicht in Deutschland. Weg mit den deutschen Schulstrukturen, her mit den finnischen?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Jürgen Baumert sagt auch, dass Baden-Württemberg wohl das modernste Bildungsland in Deutschland ist. Für notwendige Verbesserungen können wir natürlich von anderen Ländern lernen, die zu den PISA-Siegern gehören. Wir müssen jetzt aber vor allem Aktionismus vermeiden. Wir brauchen konsequente Weiterentwicklung im Blick auf die Durchlässigkeit der Lernkonzepte und Schularten, im Blick auf die Stärkung des frühen Lernens, im Blick auf die Qualität des Unterrichts und im Blick auf vergleichbare Bildungsstandards in allen Bundesländern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Bulmahn, was sagt die Bundesbildungsministerin dazu, muss mehr Leistungsbewusstsein in die Schule?
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Ich will, dass alle Kinder die gleichen guten Bildungschancen in Deutschland haben wie in Finnland und Kanada. Dazu brauchen wir zum einen eine bessere praxisorientiertere Lehreraus- und -fortbildung. Die Schulen müssen zu selbständigen Schulen werden. Wir brauchen bundesweite Bildungsstandards, wie ich sie seit langem fordere, und auch regelmäßige bundesweite Bildungsvergleiche. Und wir wollen vor allen Dingen, dass wir endlich ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen haben, damit Zeit für die individuelle frühe Förderung von Kindern vorhanden ist. Dass diese Schritte notwendig sind, zeigen uns Finnland und Kanada und dieses müssen wir bundesweit erreichen.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Bildungsstandards fordern Sie nach der Veröffentlichung der Pisa-Studie. Ich habe sie bereits im Mai 2002 in der KMK für einige Fächer im Namen der unionsregierten Länder vorgelegt!
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Liebe Frau Schavan: dieses haben wir bereits bei der Veröffentlichung der Empfehlung des Forum Bildung 2001 empfohlen. Zweitens hat die KMK im Mai diese Vorschläge von Seiten _aller_ MinisterInnen beschlossen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Bulmahn, Frau Schavan, alle fordern inzwischen vergleichbare, nationale Bildungsstandards. Je nach Parteifarbe scheinen Sie aber was anderes darunter zu verstehen. Wie sollen solche Standards aussehen?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Wir müssen uns da gar nicht streiten. Hauptsache: Ihre SPD-Kolleginnen und -Kollegen lassen sich auch wirklich ein auf den Prozess der Bildungsstandards und logischerweise dann auch auf vergleichbare zentrale Abschlussprüfungen in allen Schularten. Der Beschluss in der KMK war in der Tat einstimmig. Aber auf Vorlage durch die unionsregierten Länder. Und in der gleichen Sitzung haben eben nicht alle SPD-Länder künftigen Vergleichen einheitlicher Bildungsstandards zwischen den Ländern zugestimmt!
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Die bundesweiten Bildungsstandards sollen von Wissenschaftlern und Unterrichtspraktikern entwickelt werden und beschreiben in sehr knapper präziser Form Bildungsziele, Standards, Abschlüsse und sichern damit auch, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, dass man in einem Land wie Thüringen in die zwölfte Klasse versetzt wird, aber nach Schulabgang weder einen Realschul- noch einen Hauptschulabschluss hat.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> In der allgemeinen Beschreibung gibt überhaupt es keinen Dissens. Wichtig ist aber, dass eben auch überprüft wird zwischen den Ländern, ob die Bildungsstandards eingehalten werden und damit die Differenz von bis zu zwei Schuljahren in Deutschland nicht mehr länger hingenommen wird.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Dass wir bundesweite Bildungsvergleiche benötigen, ist klar. Darauf habe ich bereits in meinem ersten Statement hingewiesen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Schavan, Sie sprechen von &quot;zwischen den Ländern&quot;. Wer soll die Standards festlegen &#8211; der Bund oder die Länder?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Die Bildungsstandards müssen in einem Staatsvertrag zwischen den 16 Ländern vereinbart werden. Verbindliche Vereinbarungen können nur diejenigen treffen, die in den Ländern Verantwortung für die Umsetzung tragen. Der Bund kann in dieser Hinsicht keine wirklich verbindlichen Regelungen schaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, hat in einem Interview gesagt: Veränderungen bei den Hochschulen gibt es nur durch eine entschlossene Durchsetzung von oben nach unten. Brauchen wir nicht mehr zentrale Steuerung, um auf die internationale Entwicklung in Forschung und Bildung schneller reagieren zu können?
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Der Unterschied zwischen Frau Schavan und mir liegt an einer anderen Stelle: Ich halte es für zwingend notwendig, dass Bildungsstandards von Wissenschaftlern und Bildungspraktikern erwickelt werden. Bildungsstandards sind etwas völlig anderes als Rahmenlehrpläne oder Curricula. Die Qualität und die Wirkungskraft von Standards hängt entscheidend davon ab, wie sie entwickelt werden.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Kanada zeigt, dass der Föderalismus der Motor für einen Wettbewerb um bessere Qualität ist. Das muss auch unser Weg sein. Die Antwort auf Pisa kann in Deutschland nicht mehr Zentralismus sein, sondern mehr Wettbewerb. Über die Beteiligung von Wissenschaftlern und Schulpraktikern bei der Erarbeitung von Wissensstandards gibt es überhaupt keinen Dissens zwischen uns, weshalb wir auch in Baden-Württemberg selbstverständlich darüber im Gespräch mit Wissenschaftlern und Schulpraktikern sind.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Zu Herrn Landfried: Ich stimme Herrn Landfried an einigen Punkten zu. Ich konnte z.B. nicht darauf warten, dass Hochschulen selber das Besoldungsrecht so ändern, dass wir von einem altersorientierten zu einem leistungsorientierten Besoldungsrecht kommen. Deshalb haben wir dieses in einem Bundesgesetz beschlossen. Ebenso war es nötig, durch ein Bundesgesetz jungen Wissenschaftlern endlich die nötigen Freiräume für eigenständige Forschung und Lehre zu eröffnen, die sie auch in anderen europäischen Ländern haben. Trotzdem müssen die Hochschulen auch von den Landesregierungen deutlich mehr Selbständigkeit erhalten. Sie sollten budgetierte Haushalte haben und selber über ihre innere Organisation entscheiden können. Für Studiengänge tragen sie jetzt schon die Verantwortung. Ich unterstütze die Hochschulen finanziell bei der Einführung internationaler Studiengänge.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Schavan, ihre Meinung dazu?
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<b>A. Schavan:</b> Über das Ziel der Dienstrechtsreform waren sich alle Parteien einig. Über die Notwendigkeit von mehr Orientierung an der internationalen Wissensgesellschaft auch. Über eine frühere Selbständigkeit junger Wissenschaftler nicht weniger. Aber es ist doch unbestritten, dass die Stimmung an den Hochschulen schlecht ist und viele junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit den neuen Regelungen keine neuen Perspektiven für sich sehen, ihnen viel mehr Arbeitslosigkeit droht. Im Blick auf mehr Selbständigkeit für die Hochschule und im Blick auf Budget und innere Organisation gibt es keinen Dissens.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Warum hat es denn die CDU nicht bereits vor 10 Jahren gemacht?
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<b>A. Schavan:</b> Jürgen Rüttgers hat doch mit der Einführung der int. Studiengänge begonnen! Das ist doch nicht Ihre Erfindung. Die letzte Hochschulgesetznovelle der damaligen Regierung hat wesentliche Schritte zu weniger Bürokratie und mehr Selbständigkeit ermöglicht. Das ist schlicht Wahlkampf!
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<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Jürgen Rüttgers hat alle wichtigen Reformen nicht angepackt. Dazu gehört die Reform des Besoldungsrechts, dazu gehört die Stellung des wissenschaftlichen Nachwuchs, dazu gehört die Reform des BAföGs, dazu gehört die Nachwuchswissenschaftlerförderung, die ich nicht nur um 46% erhöht habe, sondern auch umgestaltet habe in Richtung Eigenständigkeit/Selbständigkeit. Heute ist Chancengleichheit kein frommer Wunsch mehr, sondern konkretes Ergebnis unserer Politik. Sie hatten BAföG in Grund und Boden gewirtschaftet, heute erhalten wieder 650.000 Schüler und Studierende die notwendige finanzielle Unterstützung, um Bildungschancen wahrnehmen zu können.
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<p>
<b>A. Schavan:</b> Die Stellung des wissenschaftlichen Nachwuchses wird durch Ihre Reform nicht besser werden. Und das Meister-BAföG, das im Bereich der beruflichen Bildung bedeutsam ist, wurde von J. Rüttgers eingeführt.
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<p>
<b>Moderator:</b> Klaus Landfried fordert weitere Verbesserungen beim BAföG. Der Zuverdienst ist seiner Ansicht nach zu sehr eingeschränkt. Was werden Sie hier tun?
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<b>E. Bulmahn:</b> Das MeisterBAföG wurde auf Antrag der Länder Niedersachsen u.a. über eine Bundesratsinitiative geschaffen. Wir haben das Meister-BAföG ebenfalls auf Vordermann gebracht in dieser Legislaturperiode mit dem Ergebnis, dass sich bereits nach einem Jahr die Antragstellerzahl um 145% erhöht hat, weil aus einem Minimeister-BAföG eine richtige Hilfe geworden ist.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Klaus Landfried sagt zu Recht, dass Hochschulfinanzierung und Studienfinanzierung eine stabile langfristige Finanzierung brauchen. Da wird vermutlich nicht einfach die Weiterentwicklung des BAföGs reichen. Aus allen Parteien gibt es Stimmen die nach einem überzeugenden Gesamtkonzept rufen: Peter Glotz in der SPD, die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen, u.a. Ich bin davon überzeugt: Die Zukunft liegt nicht beim BAföG, sie liegt in mehr Möglichkeiten für unsere Hochschulen, neue eigene Einnahmen zu haben und dauerhaft zu einer Verbindung von Stipendien, Darlehen und Studiengebühren zu kommen. Das ist auch sozial gerechter.
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<p>
<b>Moderator:</b> Dazu passt eine Frage von Tschuk: Wie wird es in Zukunft mit den Studiengebühren aussehen?
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<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Zu Ihrer Information: wir haben erstens parallel zum BAföG ein Darlehensprogramm für die Studierenden eingerichtet. Das ist das sog. Bildungsdarlehen, das von Studierenden auch sehr gut angenommen wird. Studiengebühren ab dem ersten Semester lehnen wir klar ab, weil sie sozial ungerecht sind. In Österreich erleben wir gerade, mit welchen katastrophalen sozialen Folgen die Einführung von Studiengebühren einhergeht.
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<p>
<b>A. Schavan:</b> Jetzt finanzieren diejenigen mit kleinen Gehältern die Studienplätze derjenigen, die später in der Regel besser verdienen. Der Anteil der Studierenden aus einkommensschwachen Familien ist in Deutschland bislang so gering, wie kaum irgendwo. Deshalb sollten wir jetzt unkonventionelle Vorschläge in den nächsten Jahren diskutieren, die an internationalen Erfahrungen orientiert sind. Da darf es keine Denkverbote geben.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Der Anteil der Studierenden aus einkommensschwachen Familien ist deshalb so gering wie nirgendwo, weil sie 16 Jahre das BAföG in Grund und Boden gewirtschaftet hatten. Seit der Reform des BAföGs ist der Anteil der Studierenden aus Arbeitnehmerfamilien wieder stark gestiegen (über 91.000).
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Natürlich darf die Möglichkeit zum Studium nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, und genauso wichtig ist, dass die Finanzlage der Hochschulen stabile Perspektiven braucht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Schavan, Sie sind für Studiengebühren, erklären Sie doch mal, warum es der Qualität der Abschlüsse helfen soll, wenn ich Studiengebühren zahle?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Über Studiengebühren rede ich ausschließlich im Zusammenhang mit einem umfassenden Bildungsfinanzierungskonzept, das auch z.B. Stipendien vorsieht. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber alle Fachleute quer durch die Parteien sind sich einig darin, dass auch im Blick auf Konzepte der Hochschulfinanzierung wir den Wettbewerb unserer Hochschulen in der internationalen Wissensgesellschaft stärker berücksichtigen müssen. Es wird doch wohl niemand behaupten, dass in allen Ländern mit entsprechenden Konzepten katastrophale soziale Verhältnisse an den Hochschulen herrschen.
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<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Liebe Frau Schavan: als Bundesministerin muss man entscheiden. Was wollen Sie statt BAFÖG und Bildungskredit?
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<p>
<b>A. Schavan:</b> Liebe Frau Bulmahn, dazu habe ich ab dem 23. September genug Zeit.
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<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Sicherlich nicht.
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<p>
<b>Moderator:</b> raphaelrm fragt: Frau Dr. Schavan, mit der Oberstufenreform in Baden-Württemberg soll ein Schuljahr verkürzt werden. Doch ein Jahr früher Abi bringt doch nichts, wenn man 12 Semester studieren muss! Was möchten Sie tun, um die Effizienz der Hochschulen zu gewährleisten!
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> In Baden-Württemberg sind Hochschulreformen in den letzten Jahren bereits umgesetzt worden, die zu einer deutlichen Stärkung des Studiums in der Regelstudienzeit führen und damit zu mehr Effizienz. Wir brauchen generell einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Lebenszeit junger Menschen. Das betrifft Schule und Hochschule. Auch hier sollten wir uns an internationalen Maßstäben orientieren. Es wäre gut gewesen, das Abitur nach 12 Jahren zum Zeitpunkt der Deutschen Einheit in allen 16 Ländern einzuführen.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Eine entscheidende Verbesserung der Lehre und damit auch eine bessere Studierbarkeit in der Regelstudienzeit wird dadurch erreicht, dass nach dem Bundesgesetz in Zukunft die Lehre regelmäßig evaluiert werden muss und die Evaluierungsergebnisse sich auf die Besoldung auswirken werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> web worker fragt: Was halten Sie davon, die Studenten eine Evaluierung durchführen zu lassen.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Zur Evaluierung gehören ganz gewiss auch Rückmeldungen der Studierenden. Souveräne Dozenten praktizieren das schon heute.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Die Studierenden werden an der Evaluierung beteiligt (nach der Begründung des Bundesgesetzes).
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Zahl der deutschen Studienanfänger ist im internationalen Vergleich gering. Wie soll es denn nun weitergehen? Vielen den Zugang zum Studium ermöglichen oder lieber einer kleinen Elite?
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Die Zahl der Studienanfänger ist glücklicherweise in den letzten vier Jahren um knapp 5% gestiegen, so dass wir jetzt bei 32,4% eines Jahrgangs liegen. International liegen wir damit aber deutlich immer noch unter dem Durchschnitt. Deshalb werden wir in unseren Anstrengungen auch nicht nachlassen, Jugendliche besonders auch für ingenieurswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Studiengänge zu motivieren, denn hier hatten wir in den 90er Jahren einen dramatischen Einbruch, jetzt wieder eine deutliche Zunahme. Aber eben ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Es ist unbestritten, das es nicht nur um die kleine Elite geht. Die brauchen wir allerdings auch. Beim internationalen Vergleich der Zahlen müssen auch die qualifizierten Abschlüsse unseres Bildungswesens berücksichtigt werden. Sie tragen im internationalen Vergleich wesentlich bei zu einem vergleichsweise gutem Übergang zwischen Ausbildung und Beruf. Steigerungsraten n den Hochschulen brauchen wir vor allem im Bereich der Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften. Dazu braucht es allerdings eine stabile naturwissenschaftliche Ausbildung in den Gymnasien. Solange es in vielen Bundesländern reicht, mit einer Naturwissenschaft Abitur zu machen, werden die Zahlen kaum besser werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Von AKDemika kommt die Frage aus unserer User-Debatte bei Wahlthemen.de. Ich denke, Sie geht an beide Ministerinnen: Was wird unter Ihrer Regierung mit der Junior- Professur geschehen? Wenn sie beibehalten werden soll: Ist es zu begrüßen, wenn die Hochschulen aus Kostengründen volle Lehrstühle in Junior-Professuren umwandeln? Vielleicht Frau Bulmahn zuerst?
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Die Juniorprofessur ist ein klarer Erfolg. Viele exzellente Wissenschaftler, im Übrigen auch aus dem Ausland, haben sich auf diese Stellen beworben. Deshalb wird dieser Karriereweg auch ein Erfolg bleiben. Die Hochschulen entscheiden selber, in welcher Zahl sie Juniorprofessuren einrichten. Die Juniorprofessur ersetzt nicht die lebenslange Professur, sondern den bisherigen Assistenten.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Die Juniorprofessur wird beibehalten im Fall eines Wahlsiegs. Sie wird in manchen Fachbereichen begrüßt. Aber wir werden auch wieder die Möglichkeit zur Habilitation schaffen. Vor allem im Blick auf die Vielfalt der Fächerkulturen (Geisteswissenschaften).
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Sie müssen diese Möglichkeit nicht neu schaffen, weil diese Möglichkeit geblieben ist. Die Habilitation stellt aber nicht mehr den Königsweg zur Professur, sondern in Zukunft muss das gesamte wissenschaftliche Werk bei einer Berufung berücksichtig werden.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Das ist doch auch in der Vergangenheit so gewesen. Ob die Juniorprofessur in den Geisteswissenschaften zum neuen Königsweg wird, wird von vielen skeptisch beurteilt.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> In de Ingenieurwissenschaften ja, auch in einigen Naturwissenschaften, in den Rechtswissenschaften und Geisteswissenschaften nein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Bulmahn, Frau Schavan, die Stunde ist schon fast vorbei. Zum Abschluss: Wenn Sie Bundesbildungsministerin bleiben oder werden, um wieviel Prozent werden Sie den Etat für Bildung und Wissenschaft in den ersten beiden Jahren nach der Wahl steigern? Frau Bulmahn bitte zuerst.
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Ich habe es seit 98 geschafft, den Etat um knapp 30% zu erhöhen, das ist doch auch ein guter Maßstab für die Zukunft. Zur Erinnerung: in den davor liegenden Jahren wurde der Etat gekürzt.
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Sie wissen sehr wohl, das in den 90er Jahren die Kosten der Deutschen Einheit Priorität hatten. In den nächsten Jahren haben Bildung und Wissenschaft Priorität in den Ländern und im Bund. Der Blick auf die Länder zeigt, dass die Spitzenreiter bei den Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen Baden-Württemberg und Bayern sind und diese Priorität wird dann auch auf den Bund übertragen (zur Erinnerung: 41,6% aller Ausgaben im Landeshaushalt Baden-Württemberg gehen in Bildung und Wissenschaft).
</p>
<p>
<b>E. Bulmahn:</b> Frau Schavan, das ist eine Ausrede. Wir haben die Neuverschuldung verringert gegenüber der alten Bundesregierung, den Haushalt konsolidiert, und trotzdem die Ausgaben für Bildung und Forschung um knapp 30% erhöht. Auch die vorherige Bundesregierung hätte sich klar für Bildung und Forschung entscheiden können wenn sie es denn gewollte hätte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Schavan, noch eine Gegenrede?
</p>
<p>
<b>A. Schavan:</b> Wir verringern die Neuverschuldung in den beiden genannten Ländern auch seit Jahren und investieren jährlich dennoch mehr in Bildung. Im übrigen sind die Prognosen im Blick auf die Neuverschuldung des Bundeshaushaltes und Wachstum und Beschäftigung wohl kaum geeignet, als Erfolg gewertet zu werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Liebe User, liebe Chat-Gäste! Unsere Chat-Zeit ist leider vorbei. Ich bedanke mich im Namen von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a>,<br />
<a href="http://www.wahlthemen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WAHLTHEMEN.DE</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/">politik-digital.de</a> für Ihre Teilnahme sowie die vielen Fragen und Kommentare. Herzlichen Dank an Frau Schavan und Frau Bulmahn! Wer Interesse hat, sich weiter auszutauschen, ist herzlich eingeladen, am Debatten-Forum zum Thema: &quot;Jung oder Alt&quot; bei <a href="http://www.wahlthemen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">WAHLTEHMEN.DE</a> teilzunehmen, wo auch noch weitere Themen aus dem Bereich Bildung und Gesellschaft diskutiert werden. Einen schönen Tag noch!
</p>
<p>
<a title="ta" name="ta"></a>tacheles.02-Spezial ist ein Format von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und <a href="http://www.politik-digital.de/">politik-digital.de</a> und findet im Rahmen des Debattenforums <a href="http://www.wahlthemen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;WAHLTHEMEN.DE&quot;</a> statt, einem Projekt der <a href="http://www.bpb.de/">Bundeszentrale für politische Bildung</a> in Kooperation mit dem <a href="http://www.zmi.uni-giessen.de/">Zentrum für Medien und Interaktivität</a> und politik-digital.de.</p>
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		<title>&#8220;Wir werden unser Ziel erreichen&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jan 2001 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>Edelgard Bulmahn im Chat am 9. Januar 2001</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Edelgard Bulmahn im Chat am 9. Januar 2001</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ganztagsschulen, Laptops und Computer-Führerscheine sind die Zukunftsvisionen der<br />
Bundesministerin für Bildung und Forschung. Im Chat von politik-digital, stern.de und dem<br />
Cornelsen Verlag diskutierte Frau Bulmahn eine Stunde lang mit den Usern über<br />
Bildungsfragen und das Engagement der Bundesregierung in diesem Sektor. Der Chat mit der<br />
Ministerin war auch zu sehen: Live aus dem Studio von Webfreetv.com am Potsdamer Platz wurde<br />
der Chat gestreamt und ins Netz übertragen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die SPD-Ministerin zeigte sich im Chat zufrieden mit den Ergebnissen ihres Ressorts und<br />
optimistisch, was die Umsetzung ihrer Vorhaben anbetrifft: <i>&quot;Wir werden unser Ziel erreichen&quot;</i><br />
erklärte sie auf die Frage nach dem versprochenen Internetanschluss für alle Schulen.<br />
Auch an ihrem viel zitierten Projekt &quot;Laptops für Schüler&quot; hält die Ministerin<br />
fest: <i>&quot;Laptop ist ein Instrument zum lernen. Und wenn ich will, dass der Laptop genauso wie<br />
das Lehrbuch genutzt wird, müssen die Schüler das Notebook mit nach Hause nehmen<br />
können.&quot;</i> Die Software, die auf diesen Laptops laufen soll, können die Schulen selber<br />
aussuchen. Edelgard Bulmahn will hier lediglich durch enge Zusammenarbeit zwischen Staat und<br />
Wirtschaft das Angebot optimieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch bei den Universitäten und der Forschung wird nicht zuletzt der UMTS-Milliarde<br />
kräftig nachgebessert. Neben der Aufstockung des Bafögs und der intensivierten<br />
Forschung in den Bereichen Biotechnologie und Informatik, wird auch an der Uni-Struktur<br />
gearbeitet. Die Möglichkeiten, ein Studium zu absolvieren werden mit der Unterteilung<br />
in BA und MA variabler: <i>&quot;BA ist ein Abschluss, der stärker berufsorientiert ist. MA ist<br />
ein Abschluss der mehr wissenschaftsorientiert ist. Ich möchte den Studierenden beide<br />
Möglichkeiten anbieten&quot;</i> so die Ministerin.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Schulklasse aus Lippstadt, die sich eigens auf den Chat mit der Ministerin vorbereitet<br />
hatte, hielt zahlreiche Fragen bereit. Verständliche Sorge der Schüler ist, dass<br />
die qualifizierten Informatiklehrer in die Wirtschaft abwandern. Die Ministerin wollte dieses<br />
Problem nicht beschönigen und erklärte: <i>&quot;Das Image und die Anerkennung, die Lehrer<br />
erfahren sollten, muss deutlich besser werden&quot;</i>.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ausführliche Transkript finden sie <a href="http://www.stern.de/news/chat/2000/12/19/chat_bulmahn.html" target="_new" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</b><br />
<!-- Content Ende --></p>
<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
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			</span><br />
			<center><br />
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			</center></td>
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<p></span></p>
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