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	<title>Kommunikation &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Die neuen Gatekeeper</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 10:57:30 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Online-Plattformen spielen in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle dafür, welche Medieninhalte Bürger*innen angezeigt werden und letztendlich dadurch auch, welche Inhalte konsumiert werden. Doch was bedeutet die neue Rolle dieser Gatekeeper für die Verbreitung von Informationen, für die Medien als Institution und letztlich für unsere Demokratie?</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-162874/">erste Text</a> dieser Reihe widmete sich dem Wechselverhältnis vom politischen zum Medienakteur. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/politik-als-inszenierung-162957/">darauf folgende Text</a> thematisierte die politische Kommunikation in der Mediendemokratie und wie sich diese durch das Internet und durch Soziale Netzwerke verändert. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/neue-digitale-oeffentlichkeit-163418/">dritte Text</a> ging der Frage nach, inwiefern dadurch klassische Öffentlichkeitsverständnisse noch angebracht sind. In diesem Text geht es nun um neue Formen der Gatekeeper.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine Funktion vom Journalismus ist es, Informationen aufzunehmen, zu selektieren, einzuordnen und weiter zu verbreiten. Vereinfacht ausgedrückt: Was in den Nachrichten gezeigt oder in der Zeitung abgedruckt wird, entscheiden die Medienvertreter*innen. Sie bestimmen über die Reichweite einer Nachricht.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Mit dem Aufkommen der neuen Medien kann nun eine direkte Interaktion des politischen Akteurs mit Nutzer*innen eingegangen werden. Mit dem eigenen YouTube Kanal oder dem Twitter Profil können eigene Botschaften verbreitet werden und die Rezipient*innen können auf diese direkt reagieren. Die Einbahnstraßen Kommunikation vom politischen Akteur über die Medienakteure hin zur Öffentlichkeit(en) ist nicht mehr der einzige Weg der Informationsverbreitung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Jedoch ist mit der direkten Interaktion noch keine Reichweite gegeben. Um diese zu erhalten, müssen Nachrichten, Botschaften und Narrative einen gewissen Mehrwert für die Rezipient*innen enthalten. An dieser Stelle greifen neue Logiken. Anders, als bei der klassischen Informationsverbreitung, in der die Rezipient*innen die Informationen quasi passiv erreichen, müssen Sie in den Social Media-Weiten aktiv die Informationen und Informationsquellen suchen und sich eine Gruppe an “Zulieferern” (gefolgten Seiten, abonnierte Kanäle, etc.) selbst zusammenbauen. Proaktives Handeln ist Voraussetzung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dennoch erreichen auch im Digitalen Beiträge die Rezipient*innen, ohne das diese bewusst aktiv werden müssen. Beispielsweise erscheinen auf der Timeline auf Facebook Nachrichtenbeiträge von gefolgten Fanpages, auf Twitter lassen sich unter Hashtags Beiträge aus Medien entdecken, die man selbst nicht aufgesucht hätte und auf YouTube wird einem am Ende eines Videos bereits das nächste vorgeschlagen. Verantwortlich hierfür sind die den Portalen zugrundeliegende Algorithmen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Wie die Nutzer*innen Informationen und Inhalte präsentiert bekommen, was sie oder er sieht und was nicht, in welcher Reihenfolge etwas gezeigt wird und in welchen Kontext dies gebracht wird – all dies „entscheiden“ Algorithmen. Sie berechnen eine mögliche Relevanz von Inhalten und bestimmen anhand individueller Eigenschaften der Nutzer*innen, was ihnen angezeigt oder vorgeschlagen wird. Algorithmen sind eine neue Form der Gatekeeper.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Klassischerweise entscheiden Medienvertreter*innen anhand gewisser Kriterien über die Verbreitung und Einordnung von Inhalten. Ähnlich verhält es sich mit den Algorithmen. Auch diese “entscheiden” anhand von nicht-öffentlich einsehbaren Kriterien über Reichweite und Aufmerksamkeit. Diese Entscheidungen werden anhand nüchterner Berechnungen getroffen, können aber oftmals auch durch Targeting beeinflusst werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Problematisch daran ist, dass Algorithmen auch immer einer Filterfunktion gleichkommen, sie die Meinungsbildungsprozesse so beeinflussen und dass es große Konzerne wie beispielsweise Facebook oder Google sind, die diese Algorithmen entwickeln und kontrollieren. Als gewinnorientierte Unternehmen sind sie den Eigentümer*innen bzw. den Aktionär*innen verpflichtet. Diese verfolgen andere Interessen als vermeintlich „öffentliche“ Interessen. Jederzeit können auch die Eigentümer*innen der Plattformen wechseln oder sich die Nutzungsbedingungen ändern. Es besteht das Risiko, das dann auch die Algorithmen geändert werden. Dies relativiert sich aber wiederum dadurch, dass auch die meisten Medienbetriebe gewinnorientierte Unternehmen sind.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zusammenfassend bedeutet dies, dass neben den Medienakteuren als klassische Gatekeeper mit<br />
den Algorithmen eine neue Form der Gatekeeper in Erscheinung getreten sind. So entscheiden nun auch neue Logiken über Reichweite und Aufmerksamkeit. Zudem war es nie so einfach mit politischen Akteuren in direkte Interaktion zu treten und die Gatekeeper zu umgehen. Die Möglichkeiten, wie uns Inhalte und Beiträge erreichen sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Was bedeutet dies nun für die Gesellschaft? Einerseits ist zu begrüßen, dass die politische Partizipation auch ressourcenschwache Akteure gefördert wird, solange diese in ihrer Außenkommunikation die Logiken der Algorithmen berücksichtigen &#8211; vorausgesetzt diese Logiken sind in Ansätzen bekannt. So können eigene Netzwerköffentlichkeiten gebildet werden. Andererseits sind so auch Radikalisierungsprozesse möglich. Die aus den USA mittlerweile auch in<br />
Deutschland angekommene verschwörungsidologische QAnon Bewegung ist ein warnendes Beispiel. Die Attentäter von Halle und Hanau können der Bewegung zugerechnet werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Auch hier zeigt sich, muss die Gesellschaft Lernprozesse durchmachen. In einer hoch durch Medien geprägten Gesellschaft ist Medienkompetenz eine nicht zu vernachlässigende Tugend. Das Internet im Allgemeinen und Soziale Netzwerke im Besonderen ändern demokratische und partizipative Spielregeln &#8211; und das nicht nur im positiven. Am Ende hängt es jedoch davon ab, wie und von wem diese neuen Kommunikations- und Austauschkanäle genutzt werden.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@lifeofteej?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Thomas Charters</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-4"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>CyberWar – Die Gefahr aus dem Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Dec 2018 12:58:57 +0000</pubDate>
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<p>Immer mehr Nationalstaaten vernetzten ihre zivile Infrastruktur und die Digitalisierung aller Bereiche nimmt weiter zu. Damit steigen auch die digitalen Angriffsmöglichkeiten und viele Staaten basteln weiter an ihren Cyberoffensivkapazitäten. Aber wie genau sehen diese aus, wie funktionieren Cyber-Angriffe, was erwartet uns zukünftig und wie können wir unsere Systeme wirklich sicher machen? Auf diesen Fragen geben die Autoren Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem Buch „CyberWar – Die Gefahr aus dem Netz“ Antwort.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155579" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/BildBUchcover1-305x486.jpg" alt="BildBUchcover" width="161" height="257" /></p>
<p>Kurz, Constanze; Rieger, Frank: CyberWar – Die Gefahr aus dem Netz. München: Bertelsmann 2018. 288 S. ISBN 978-3-570-10351-7.</p>
<p></div></div>
<p>Im ersten Kapitel simulieren die Autoren einen Cyber-Notstand in der Bundesrepublik. Die zuständigen Institutionen, z.B. das fiktive Gemeinsame Cyber-Lagezentrum Deutschlands, werden mit einem Denial-of-Service-Angriff, der später noch genauer erläutert wird, konfrontiert und versuchen die kritischen Infrastrukturen trotz völliger Netzüberlastung zu schützen. Dieser Einstieg bietet die Möglichkeit, sich einen solchen Cyber-Angriff und dessen Dimension vorzustellen. Darauf aufbauend geben die folgenden Kapitel Antworten auf verschiedene Sachfragen der Cyberwar-Thematik.</p>
<h3>Wie funktionieren Cyber-Angriffe?</h3>
<p>Cyber-Angriffe sind zumeist eine Kombination aus verschiedenen Angriffsmethoden. Häufige Angriffsmethoden sind z.B. das Ausnutzen von Programmierfehlern und Schwachstellen in einer Software, sogenannte Exploits. Weitere oft genutzte Schwachstellen sind auch die durch den Hersteller erstellten Fernwartungszugänge, um Tests oder Ähnliches zu ermöglichen. Teilweise werden solche Zugänge sogar absichtlich offengehalten, um z.B. Geheimdiensten den Zugriff zu erleichtern, so der Verdacht.</p>
<p>Die unsichere IT-Struktur und die freiwilligen und nicht-freiwilligen Kooperationen von Herstellern und Geheimdiensten führen zu einem Vertrauensverfall in der IT-Sicherheit. Die Anfälligkeit vor allem von Software-Systemen hat unterschiedliche Gründe. Zum einen ist die Software-Entwicklung extrem komplex, daher werden einfach Fehler beim Programmieren gemacht, und zum anderen wurden die wenigsten Softwareentwickler im sicheren Programmieren ausgebildet. Ziel der Software-Entwicklung ist anfangs vor allem, dass das System funktioniert und nicht, dass es besonders sicher ist. Die Autoren halten fest, dass eine Mischung aus Unwissenheit, Fahrlässigkeit. ökonomischen Zwängen und falscher Prioritätensetzung, häufig in Startups, zu Sicherheitsrisiken führen. Das Vertrauen in die Dienste geht verloren, da die Nutzer keine Möglichkeit haben zu erkennen, wo ein System solide, bedacht und unter Berücksichtigung des aktuellen Stands der Technik gebaut wurde. Diese „Fehler, Versäumnisse und Gedankenlosigkeit, die beim Programmieren Sicherheitslücken entstehen lassen, bilden die technische Grundlage für Cyberwaffen.“</p>
<h3>Angriffswerkzeuge in Cyberkonflikten</h3>
<p>Moderne Cyberwaffen werden APT (Advanced Persistent Threat) genannt und so konstruiert, dass sie sich im Zielsystem verstecken, um möglichst lange aktiv zu sein. Sie sind möglichst modular aufgebaut, um leicht übertragbar auf andere Anwendungen zu sein. Die Struktur entspricht dabei häufig sinnbildlichen Stufen. In der ersten Stufe versucht das Angriffswerkzeug die Kontrolle über einen Teil des anvisierten Systems, z.B. über einen Exploit, zu erlangen. In der zweiten Stufe muss der Angreifer eine sogenannte „Privilegien-Eskalation“ erzeugen, da heutige Betriebssysteme häufig über umfangreiche Abstufungen von Privilegien und Rechten verfügen, um am Ende die gewünschten Administratorrechte zu erlangen. In der dritten Stufe macht es sich die Cyberwaffe im System gemütlich und wartet auf den Einsatz.</p>
<p>Die Geheimdienste, z.B. die NSA, nutzen solche Waffen für verschiedenen Zwecke und infizieren weltweit Rechner. Daraus ergeben sich für die Geheimdienste verschiedene Möglichkeiten. Die NSA entwickelte z.B. eine von geheimdienstlichen Partnern mitgenutzte globale „Suchmaschine“, die nicht auf Websites, sondern in Nutzerdaten auf Festplatten nach Stichwörtern sucht.</p>
<p>Die Infiltrierung von Systemen kann auch über Hardware-Hintertüren erreicht werden. Dazu ist jedoch direkter Zugriff auf die Hardware notwendig, weswegen die NSA ganze Chipfabriken gekauft hat. Außerdem fing sie in einer groß angelegten Logistikoperation Produkte der Firma Cisco, einem großen US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen, auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden ab und konnte so Manipulationen, die „Implant“ genannt werden, vornehmen.</p>
<p>Ein weiteres Angriffswerkzeug sind die Denial-of-Service-Angriffe, kurz DoS. DoS-Angriffe gehen meistens mit der Überlastung von Netzwerkverbindungen und Serverressourcen einher. Dafür werden sogenannte Botnets verwendet, die eine hohe Anzahl an leicht manipulierbaren, mit dem Internet verbundenen Geräten zu kontrollieren ersuchen. Diese stellen dann auf Befehl des Angreifers legitim aussehende Anfragen, die jedoch so konstruiert sind, dass sie möglichst viele Ressourcen verbrauchen, an die Server des Opfers. Schnell sind die Kapazitäten des Opfersystems erschöpft und die Website oder Dienstleistung nicht mehr erreichbar. Durch die steigende Anzahl an vernetzten Geräten und Haushalten wird das Schadenspotenzial bedeutend gesteigert und die Sorge vor DoS-Angriffen wächst.</p>
<p>Ziele von Angriffen können z.B. auch sensible Industriesteuerungen sein, wie beim berühmten Stuxnet-Angriff auf eine iranische Atomanreicherungsanlage 2010. Die den Amerikanern zugeschriebene Operation gilt als erfolgreichste Sabotageaktion gegen eine Produktionsanlage, ohne dass die Angreifer physisch anwesend waren. Durch den Trend zur Industrie 4.0 werden Angriffe wie Stuxnet vermutlich auch häufiger werden, so die Autoren.</p>
<h3>Akteure und Attribution</h3>
<p>Die eindeutige Zuordnung eines Angriffs zu einem oder mehreren Akteuren ist in der militärischen und nicht-militärischen Sicherheitspolitik zentral für die Koordinierung von Gegenmaßnahmen. Die sogenannte Attribution ist aber fast nie mit Sicherheit möglich, da Angreifer mit genügend Ressourcen viele Möglichkeiten zur Tarnung haben. Es bleibt mehr oder weniger Glückssache, ob ein Angreifer Fehler begeht und z.B. nicht getarnt oder unverschlüsselt agiert und Spuren hinterlässt. Die Geheimdienste rufen trotzdem nach immer mehr Überwachungskapazitäten, um die Attribution zu vereinfachen. Die Autoren sind sich aber einig: „Letztendlich ist „Cyberabwehr“ nur eine weitere Begründung für eine immer stärker ausufernde Überwachungsgier,“ denn wirklich zuverlässige Attribution ist auch mit mehr Überwachung kaum möglich.</p>
<p>Als wichtigste Akteure in der globalen Cyberwarfare werden unter anderem die „Five Eyes“, die Geheimdienste der USA, Kanada, Neuseeland, Australien und dem Vereinigten Königreich sowie Israel, Russland und China genannt.</p>
<p>Die US-amerikanischen Geheimdienste können dabei mit jährlich mehr als 50 Milliarden Dollar („<a href="https://www.gruenderszene.de/allgemein/snowden-black-budget" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Black Budget</a>“) auf die größten finanziellen Ressourcen zurückgreifen. Zu ihren Aufgaben gehören die Benennung und Priorisierung von politischen und wirtschaftlichen Spionagezielen und die Forschung an digitalen Angriffswaffen.</p>
<p>Die israelischen Geheimdienste werden als „einer der aktivsten und kreativsten Akteure im globalen Cyberkrieg“ bezeichnet. Deren Strukturen zeichnen sich vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit Tech-Firmen und die frühe Talentförderung von Cyberspezialisten in Schulen und dem Militärdienst aus.</p>
<p>Die „Besonderheit der russischen Geheimdienst-Hacker ist ihre enge Verflechtung mit den kriminellen Gruppen in ihrem Land.“ Das hat vor allem historische Gründe, da nach dem Ende der Sowjetunion viele naturwissenschaftlich-mathematisch hervorragend ausgebildete Menschen Berufswege in der Online-Kriminalität fanden. „Es entstand eine große, komplexe Szene mit hoher Arbeitsteilung, die immer wieder Innovationen bei krimineller Malware hervorbrachte.“ Die russischen Behörden machten sich diese Strukturen zu Nutze und gelten heute als „Meister der Täuschung und Irreführung.“</p>
<p>Die chinesischen Geheimdienste konzentrieren sich auf die Wirtschaftsspionage und auf die militärische und politische Informationsbeschaffung. Mit den Cyberfähigkeiten werden aber auch immer wieder Oppositionelle und Aktivisten im eigenen Land bekämpft. Aufgrund der hohen Anzahl an Personal haben die chinesischen Geheimdienste außerdem wahrscheinlich am meisten Cyberoperatoren überhaupt.</p>
<p>Die Autoren betonen im Weiteren die wachsende Relevanz der Überwachungs- und Hackingindustrie als Zulieferer und Dienstleister der Geheimdienste. Die wichtigsten Staaten, in denen sich solche Unternehmen auf einem wenig regulierten Markt etablieren konnten, sind die USA, Frankreich, Israel, die BRD und Großbritannien. Im „<a href="http://sii.transparencytoolkit.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Surveillance Industry Index</a>“ erfasst die NGO Privacy International regelmäßig das Wachstum der Branche. In Deutschland wurde vor allem die Firma FinFisher bekannt, sie lieferte eine Variante des Staatstrojaners zum Ausleiten der Daten von Smartphones und Computern.</p>
<h3>Disclosure</h3>
<p>Seitdem Software-Systeme entwickelt werden, werden Fehler bei der Entwicklung gemacht. Diese Fehler zu suchen ist das erklärte Ziel von IT-Sicherheitsforschern. Doch wie geht man damit um, wenn man eine Sicherheitslücke gefunden hat? Unmittelbar veröffentlichen oder doch den diskreten Austausch mit dem Hersteller suchen? Es besteht immerhin die Gefahr, dass ein Dritter das Wissen direkt ausnutzt und bedeutenden Schaden anrichtet. Bisher lautete die ungeschriebene Regel, die Sicherheitslücke erstmal geheimzuhalten, den Hersteller zu kontaktieren und es dann ggf. zu veröffentlichen. Einige Hersteller zahlen mittlerweile sogar eine Prämie für gefundene Sicherheitslücken, die sogenannte „Bug Bounty“. Diese Prämie stehen dem Geld, das Exploit-Dealer zahlen, die solche Sicherheitslücken an ihre Kunden wie Geheimdienste oder Kriminelle verkaufen, jedoch häufig nach. Als Beispiel dafür dient die Firma Apple, die vor einigen Jahren 200.000 Dollar denjenigen bot, die eine Lücke im Betriebssystem des damals aktuellen iPhones finden. Die auf den Handel mit Schwachstellen spezialisierte Firma Exodus Intelligence bot allerdings mehr als das Doppelte. Aktuell bietet der Exploit-Dealer 1,5 Millionen Dollar für das Eindringen in ein neues Apple-iPhone aus der Ferne.</p>
<p>Der Markt für Exploits wird mit dem Cloud-Computing und der Vernetzung aller möglichen elektronischen Objekte zukünftig auch noch weiter wachsen. Die Autoren empfehlen daher jedem Unternehmen, das Hard- und Softwaresysteme verwendet, die Initiierung eines zahlungskräftigen Bug-Bounty-Programms und eines Schadensbehebungsprozesses.</p>
<p>Die mitunter wichtigste Rolle in der globalen IT-Sicherheit kommt den Sicherheits- und Antivirus-Firmen zu, die oberflächlich betrachtet „Produkte [verkaufen], mit denen Schadsoftware erkannt und entfernt werden kann, mit denen sich Denial-of-Service Angriffe abwehren lassen und Botnetze lahmgelegt werden könne.“ Um ein System zu überwachen und zu schützen benötigt die Software aber Zugriff auf das gesamte System und die gespeicherten Daten. Dateien, die von der Software als verdächtig eingestuft werden, werden dann in die Cloud-Systeme des Anbieters übertragen. Dabei können mitunter auch andere Dateien übertragen werden, die hochsensible Informationen beinhalten. Aufgrund dieser interessanten Datenströme, die „permanent aus den Computern der Nutzer einer Sicherheitssoftware in die Cloud-Server des Herstellers fließen“, sind Sicherheits- und Antivirus-Firmen äußerst relevant für staatliche Geheimdienste. Alle staatlichen Akteure versuchen daher mindestens eine Partnerfirma zu haben. So z.B. Kaspersky in Russland, Symantec und FireEye in den USA, G Data und Avira in Deutschland und die NCC Group in Großbritannien.</p>
<h3>Strategie und Taktik in Cyberkonflikten</h3>
<p>Schon während des Kalten Krieges etablierten sich Konflikte, die unterhalb der Schwelle eines großen, offen erklärten Krieges lagen. Diese Art von Konflikten erkennen die Autoren auch heute wieder in denen, wo globale Großmächte ihre geopolitischen Interessen verfolgen und unterschiedliche bewaffnete Gruppen militärisch oder finanziell unterstützen oder bekämpfen. Genauso undurchsichtig ist auch die Struktur der Cyberkonflikte. Nur sehr selten ist eine klare Zuordnung möglich. Die Kurz und Krieger halten fest: „Die praktisch nahtlose Integration von Kommunikationsüberwachung, Satellitenbildern, klassischer Spionage, Desinformations- und psychologischen Operationen, Informationen, die aus Digitalgeräten von Gefangenen extrahiert werden, drohnen-gestützten Raketeneinsätzen und Spezialkräfte-Operationen sowie der ökonomischen Manipulation mit Bombenangriffen hat den klassischen Frontalkrieg mit dem massiven Einsatz von Bodentruppen faktisch bereits abgelöst.“ „Das grundlegende Problem dieser Art der Kriegsführung ist, dass das wichtigste Element jeder militärischen Strategie verloren geht: ein klares Ziel der Operation. In der Regel gibt es kein definiertes Ende, keinen Friedensschluss, keine Nachkriegsordnung, keine Kodifizierung der entstandenen Machtverschiebungen.“ Aus den zerrütteten Strukturen durch „nation-building“ wieder einen stabilen Staat zu formen, ist selten erfolgreich und hinterlässt in der Regel nur Chaos.</p>
<h3>„Es gibt keine Cyberabschreckung“</h3>
<p>Im Kalten Krieg lieferte die atomare Abschreckung klare Strategien und Überschaubarkeit. Im Cyberspace kann das aber nicht funktionieren, auch wenn unter anderem die US-Amerikaner sich das wünschen. Der 2010 durchgeführte Stuxnet-Angriff, der im Buch als neuzeitliches Äquivalent zum Atomwaffentest beschrieben wird, hätte dazu führen sollen, „dass niemand es wagen würde, US-Interessen mit digitalen Waffen zu attackieren.“ Stattdessen wurde Stuxnet so interpretiert, dass „es jetzt üblich, angemessen und akzeptiert sei, mit Cybermitteln verdeckte Angriffe gegen andere Staaten zu führen.“ Alle Staaten, die auf internationaler Bühne mitmischen möchten, entwickeln nun eigene Offensivkapazitäten. Die „Abschreckungstheorie ist ad absurdum geführt.“</p>
<h3>Desinformation</h3>
<p>Strategische Ziele liefern aber nicht nur Infrastruktur oder Datenbanken, Cyberwarfare kann auch benutzt werden, um gezielt Desinformation zu verbreiten und gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen. „Die Manipulation dessen, was der Gegner für die Wahrheit hält, was er glaubt, was seine Sicht der Welt ist, also die Grundlage seiner Entscheidungen und Prioritäten, ist ein altes und gern genutztes Mittel in Auseinandersetzungen. In Cyberkonflikten finden Täuschungsmanöver und Desinformationskampagnen auf vielen Ebenen Anwendung.“ Dabei konzentriert sich der Gegner häufig auf die Manipulation von Meinungen und versucht gezielt Emotionen wie Angst, Ablehnung und Skepsis zu erzeugen. Moderne Beispiele für solche „alternativen Informationskanäle“ sind z.B. RT oder Sputnik. Diese bauen sich über Jahre Glaubwürdigkeit bei den Zuschauern auf, indem sie gezielt Themen in den Vordergrund rücken, über die z.B. in den deutschen Medien weniger oder gar nicht berichtet wird und inszenieren sich als ganzheitliche Journalisten. Gelegentlich eingestreute Desinformationsnachrichten können diese aufgebaute Glaubwürdigkeit, auch wenn sie offensichtlich falsch sind, nicht erschüttern. „Die kurzen Aufmerksamkeitsspannen der Zuschauer und die heute ohnehin hohe Geschwindigkeit des Nachrichtenflusses sorgen dafür, dass die Desinformationsnachricht ihre Wirkung entfalten kann.“</p>
<p>Ein wichtiger Kanal zur Einflussnahme sind die sozialen Netzwerke. Ihre Algorithmen sortieren Inhalte in den Feeds der Nutzer und werten diese auf. Die Einflussnahme läuft dann z.B. über Social Bots, die die relevanten Inhalte verbreiten und somit die Trend-Algorithmen der Netzwerke beeinflussen. Ein weiteres Mittel ist auch das Übertönen von Informationen z.B. durch das Aufblasen von anderen Ereignissen, englisch: drown out. Dieser Methode bedient sich unter anderem die chinesische Regierung, um ihre Bevölkerung zu beeinflussen. Statt einfach nur Inhalte zu sperren, was häufig eher zu Abneigung in der Bevölkerung führt, wird von bestimmten Inhalten und unerwünschten Themen abgelenkt. „Die Social-Media-Mechanismen sind wie geschaffen für diese Technik [drown out], insbesondere in Kombination mit Social Bots.“</p>
<h3>Cyberwar im Inneren</h3>
<p>Wie für den chinesischen, ist es für die meisten Sicherheitsapparate von großem Interesse, jegliche Information und Kommunikation im Netz zu beobachten. Die Rechtfertigung dessen liefert ein immer weiter gefasster Schutzauftrag des Staates gegenüber den Bürgern. Obwohl die digitale Verschlüsselung mittlerweile 40 Jahre alt ist, konnten die Ermittlungsbehörden lange jede digitale Kommunikation überwachen. Heute trifft der Nutzer jeden Tag auf verschiedenste Arten von Online-Verschlüsselungen. Für viele ist sogar die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von kommunizierenden Geräten alltäglich. Die Beschwerden der Sicherheitsapparate werden daher immer lauter. Bestes Beispiel ist das Protestpapier des FBI von 2016 mit dem Titel „<a href="https://www.fbi.gov/services/operational-technology/going-dark" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Going Dark</a>“, in dem sie die zunehmende Verschlüsselung kritisieren. Kurz und Rieger halten den Wunsch nach mehr Überwachung, z.B. in Form von offenen Hintertüren für die Geheimdienste, entgegen, dass eine echte Verschlüsselung für eine digitale Gesellschaft zentral ist. Vor allem Unternehmen müssten in ihrer Kommunikation z.B. vor Wirtschaftsspionage geschützt werden. Der Staat, die Bürger und die Unternehmen hätten eigentlich „erhebliches Interesse daran, sichere IT-Systeme zu nutzen“. Wenn der Staat dann aber absichtlich Sicherheitslücken für Überwachung und Angriffe offen lässt, „verletzt der Staat seine Fürsorgepflicht.“</p>
<p>Diese Verletzung wird spätestens seit der Diskussion um den sogenannten Staatstrojaner immer wieder heftig kritisiert. Offensichtlich wünscht der deutsche Staat eine Ausweitung digitaler Überwachung und Angriffe. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Gründung der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, kurz ZITis, 2017. Diese „Sicherheitsdienstleistungsstelle“ soll Sicherheitslücken finden, sowie Kryptografie und deren Schwachstellen analysieren. Die Autoren nehmen an, dass die ZITis auch als Dienstleister bei offensiven IT-Angriffen in Stellung gebracht wird. Ziel der Behörde und der staatlichen Bemühungen seien klar: „Der Staat will sich die Fähigkeiten schaffen, um nach Belieben in Digitalgeräte aller Art einzudringen, sie unter Kontrolle zu bringen und gewünschte Informationen zu extrahieren.“</p>
<h3>„IT-Sicherheit ist kein Hexenwerk“</h3>
<p>Im letzten Kapitel versuchen die Autoren Handlungsempfehlungen für die globale Steigerung der IT-Sicherheit zu geben. Dabei erkennen sie vor allem eine internationale Übereinkunft über Legitimität und Illegitimität digitaler Operationen als zentral an. Orientierungspunkte für die Regelbildung im Cyberwar würde das 150 Regeln umfassende „Tallin Manual“ der NATO liefern. Außerdem halten sie fest, dass Deutschland durch den bisher „unterbliebenen Ausbau von größeren Offensivfähigkeiten in einer hervorragenden moralischen Position wäre, [eine solche Übereinkunft] voranzutreiben.“ Der Schutz deutscher Unternehmen vor skrupelloseren Staaten, die in unmittelbarem Wettbewerb stehen, könne nur erreicht werden, wenn sich für eine sichere IT-Struktur eingesetzt würde. „Die Entscheidung muss hier klar zugunsten der Sicherheit von Bürgern und Wirtschaft und nicht im Sinne der Cyberkrieger und Spionageapparate getroffen werden.“<br />
Außerdem plädieren die Autoren für eine Veröffentlichungspflicht von Sicherheitslücken, da durch gezwungene Offenheit die Unternehmen deutlich mehr in die IT-Sicherheit von vorneherein investieren würden.</p>
<p>Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der IT-Sicherheit sei deren Kennzeichnung. Normale Käufer und Nutzer von IT-Produkten müssten die Möglichkeit haben, sich auf Basis von verlässlichen Informationen für oder gegen das Produkt oder die Dienstleistung zu entscheiden. Beispielhaft steht dafür das US-amerikanische <a href="http://cyber-itl.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cyber Independent Testing Lab</a>, das nach dem Muster von „Stiftung-Warentest-artigen Bewertungen halbautomatische Analysen von Software-Paketen durchführt.“ Dabei wird beurteilt, „ob sich Entwickler an den aktuellen Stand der Technik halten, etwa sicher programmieren und die verfügbaren Methoden verwenden, um den erfolgreichen Einsatz von Exploits zu erschweren.“ Ein solche Bewertungssystem könnte eine starke Motivation für Hersteller und Softwareentwickler sein, sich an sichere Softwareentwicklungsmethoden zu halten.</p>
<p>Wichtig bleibt weiterhin die Frage der Haftung. Momentan lehnen Hersteller von Digitalprodukten jede Haftung ab, wodurch zwar die Innovations- und Entwicklungsgeschwindigkeit im Digitalbereich erst ermöglicht wurde, die Anwender aber auch zwingt, ein kaum abschätzbares Risiko einzugehen.</p>
<p>Ein konkretes Prüfsystem könnte auf drei Komponenten beruhen, „einem anerkannten Stand der Technik, Instanzen zur Überprüfung der Einhaltung dieses Stands der Technik und einer Verpflichtung zum Abschluss einer Versicherung, die im Zweifel für die Schäden aufkommt, die durch die risikogeneigte Technologie verursacht werden können.“ Die Autoren halt fest: „Standards einzuführen, um die Sicherheit gegen technisches Versagen zu verbessern, ist prinzipiell einfacher, als technische Systeme gegen Angriffe durch Menschen zu schützen.“ Dazu könnten rechtliche oder finanzielle Vorteile für die Hersteller kommen, die sich an den neuesten Stand halten.</p>
<p>Abschließend plädieren die Autoren für eine defensivere IT-Sicherheitspolitik, statt ausschließlich auf den Aufbau von Offensivkapazitäten zu setzen und damit die „Welt unsicherer und gefährlicher“ zu machen.</p>
<p>Das Buch von Constanze Kurz und Frank Rieger zeichnet sich durch ausgesprochen tiefgehende Expertise aus und versucht den aktuellen Stand bezüglich IT-Sicherheit und Cyberwar-Strukturen auch dem fachfremden Leser zu erklären. Dazu werden die einleitende Kurzgeschichte, aber auch immer wieder illustrierende Beispiele, wie z.B. das Haus, das zwar eine schöne Fassade hat, aber instabile Betonträger, als Sinnbild für unsichere IT-Produkte, genutzt. Durch die ausgewiesene Expertise von Kurz und Rieger eignet sich das Buch nicht nur für Laien, sondern bietet auch Experten fundierte Erkenntnisse und Zusammenhänge.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bild:</strong> von <a href="https://pixabay.com/de/users/blickpixel-52945/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=453758">Michael Schwarzenberger</a> auf <a href="https://pixabay.com/de/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=453758">Pixabay</a></p>
<p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-7"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>BBC &#8211; Beyond Fake News</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Philip Matthiessen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Nov 2018 08:51:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Desinformation]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
		<category><![CDATA[Vernetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-8"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Am 14. November stellte die &#8220;Beyond Fake News&#8221; Initiative des BBC die Ergebnisse ihrer Studie vor. Untersucht wurde die Verbeitung von Fake News in Ländern des globalen Südens wie Kenia, Nigeria oder Indien.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zentrale Ergebnisse der Studie waren unter anderem die Unterschiedlichkeit der Motivation für das Verbreiten von Fake News in den untersuchten Ländern. In Indien zeigte sich z.B. die Steigerung des Nationalstolz als zentrale Motivation. Für Menschen in den untersuchten afrikanischen Ländern war es hingegen eher wichtig, Informationen weiterzugeben, die jemanden aus dem Netzwerk betreffen könnten oder den Zugang zu Informationen zu demokratisieren. Außerdem hätten &#8220;Menschen in den afrikanischen Ländern [&#8230;] ein großes Interesse daran, auf dem aktuellsten Stand der Nachrichten zu sein, was auch als Prestige gilt. Aufgrund dieser Faktoren können Fake News in private Netzwerke gelangen, obwohl deren Nutzer ein hohes Interesse an verifizierten Nachrichten haben.&#8221;</p>
<p>Ziel der Initiative &#8220;Beyond Fake News&#8221; ist es, global gegen Desinformation vorzugehen und die Diskussion, die sich in den Medien vor allem auf Fake News im Westen konzentrieren, auf alle Staaten auszuweiten.</p>
<p>Zu weiteren Informationen und Ergebnissen der Studie geht es <a href="https://www.bbc.co.uk/mediacentre/latestnews/2018/bbc-beyond-fake-news-research" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
<p>Titelbild: BBC News</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-8" data-row="script-row-unique-8" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-8"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-10"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-10" data-row="script-row-unique-10" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-10"));</script></div></div></div>
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		<title>Framing der politischen Kultur: Propaganda 4.0 – Ein Buch von Johannes Hillje</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2017 08:07:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[AFD]]></category>
		<category><![CDATA[Echokammer]]></category>
		<category><![CDATA[framing]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda 4.0]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei: Mit seinem Buch Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen erschien mitten im Wahlkampf [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HilljeArtikel.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-153200" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/HilljeArtikel.jpg" alt="TitelbildRezensionArte" width="640" height="280" /></a>Die Bundestagswahl 2017 ist vorbei: Mit seinem Buch <em>Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen</em> erschien mitten im Wahlkampf eine aktuelle Darstellung von Medienstrategien rechter Populisten. Eine kompakte Analyse über die langfristige Veränderung rechter Politik und deren Auswirkung auf die politische Kultur.</p>
<p>Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Rechtspopulismus. Weder Wahlniederlagen rechter Hoffnungsträger in Frankreich oder Holland, noch die Radikalität ihrer Äußerungen lässt die Erscheinung verblassen. Im Gegenteil – im digitalen Zeitalter zirkulieren und verfestigten sich propagandistische Inhalte im gesellschaftlichen Diskurs. Der Einzug der AFD in den Bundestag zeugt von der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung.</p>
<p>Jahr 2016 in Berlin. Johannes Hillje sitzt im Maxim-Gorki-Theater und sieht sich die Perfomance <a href="http://www.gorki.de/de/rechte-reden">RECHTE REDEN</a> an. Das Berliner Publikum johlt einvernehmlich bei der versucht neutralen Darstellung von Redeauszügen von AfD Spitzenkandidaten. Die Vorstellung soll mahnen, doch vielerlei Zuschauer sind sich einig: Die Sprache der Inhalte beraubt sich jedweder Authentizität. Viele Anwesende amüsieren sich – die Abendunterhaltung ist für das urbane und vornehmlich gebildete Publikum garantiert. Doch die persiflierte Rhetorik ist für Johannes Hillje aber vor allem Grund, das gegenwärtige politische Klima zu reflektieren. Ein Schlüsselmoment und persönliche Motivation. So schreibt er es im Vorwort seines Buches. Ist diese Sprache nur albern? Die Inhalte der Vorstellung mögen im Publikum auf eine einheitliche Ablehnung treffen – für viele deutsche Bürger sind sie aber Ausdruck einer Frustration und politisches Novum zu gleich.</p>
<h3>Das Rennen nach Rechts – Duktus der Empörung</h3>
<p>Im ersten Kapitel seines Werks schreibt Hillje über die Veränderung des sprachlichen Diskurses. Populismus als rhetorisches Kampfmittel. Zwischen der Diskreditierung politischer Gegner und Mobilisierung von Bevölkerungsgruppen fungiert dieser insbesondere als charakteristische Strategie einer eigenen Ideologie. Das Entwaffnen und Delegitimieren von politischen Gegnern ist daher kein rechtes Phänomen, doch scheinen gerade die Apologeten von Rechtsaußen das emotionalisierte Klima zu verstehen. Europaweit &#8211; sei es von der Partij voor de Vrijheid um Geert Wilders, der Front National oder der Brexit-Bewegung – werden Ängste, Unzufriedenheiten, Hass und Enttäuschung in einer sprachlichen Verrohung gebündelt. Die romantische Ideologie des homogenen Volkes gegen Eliten und das Fremde lädt zum interpretativen Spiel ein. Denn in seiner konzeptionellen Beschaffenheit bietet der Populismus die Vorteile eines inklusiven Appells: Kollektive Identität, Emotionalisierung und Vereinfachungen. Jeder ist betroffen, denn jeder ist Teil des größeren Ganzen. Inklusion für diejenigen, die sich nach Exklusion anderer sehnen.</p>
<h3>AFD Framing &#8211; Das Spiel der Polarisierung</h3>
<p>Ob Volk, Milieu, Kultur oder Rasse – der Populismus bietet die Grundlage zur ideologischen Mobilisierung. Während es bei politischen Diskussionen im Allgemeinen als unschick gilt, populistisch zu skandieren, definieren Parteien wie die AFD die politische Sprache neu und lassen Spielraum für aggressive Interpretationen. Als das neue Normal bezeichnet Hillje die Etablierung des AFD-Jargons, der vor allem eins ist: sich aufschaukelnde Empörung mit dem Ziel der Eskalation. Durch eine stetig wiederholte negative Konnotation wird das Andere und das Fremde kriminalisiert und dämonisiert. Als Medienstratege erkennt der Autor eine gefährliche Systematik der kognitiven Prozesse dieser Strategie. Treffend beschreibt er, wie die gebetsmühlenartige Reproduktion von Feindbildern eine eigene Realität und sprachliche Dimension etabliert. Getragen wird dieser Deutungsrahmen – framing – aber nicht nur durch Rechte. Politiker und Medien übernehmen diese negativ besetzten Formulierungen und die damit verbundene Stimmung der AFD. Und tragen so zum Verbreiten dieser Begriffe und Denkmuster bei. Auf diese Weise prägte die Partei schon vor dem Bundestagswahlergebnis von 13% den politischen Dialog.</p>
<h3>Digitale Gegenmacht: AFD als Social-Media-Partei</h3>
<p>Doch wie konnte sie sich so etablieren? Im zweiten Teil seines Werkes beschreibt Hillje das natürliche Terrain der Rechtspopulisten – die Stimmungsmache im digitalen Raum. Kaum eine andere Partei wie die AFD hat so viel in die digitale Kommunikation investiert. Ob durch Echokammern oder versuchte Abnahme der Integrität der Medien: das polarisierende und vereinfachte framing des Rechtspopulismus brilliert im sozialen Netzwerken. Empörung im Dauertakt, ob kontrafaktisch oder nicht. Die Mobilisierung durch Präsenz, Content und Vernetzung. Das Kalkül des Eklats und der Menge an Inhalten zirkuliert im Akkord über Twitter, Facebook und Co. Hilljes Analyse offenbart das Ausmaß des „digitalen Volkes“, das die AFD kanalisiert. „Die offizielle Seite der AfD hat über 320.000 Fans. Keine andere Partei in Deutschland hat so viele Facebook-Fans.“ Im digitalen Bereich investiert die Partei groß – bis zu drei Postings pro Tag. Hillje betrieb für die Recherche zu seinem Buch Feldstudien in AFD-nahen Gruppen und Seiten.</p>
<h3>„In Ansätzen können wir von einem AFD-Internet sprechen.“</h3>
<p>Mit dem Ziel der Delegitimierung der Medien eignet sich die Propaganda 4.0-Maschinerie als verlässliche Alternative zu offiziellen Stellen, die nicht mit der eigenen Agenda übereinstimmen. Doch wie entgegnet man dieser schieren Masse an selektiven, suggestiven oder schlichtweg falschen Informationen? Mit Satire gegen die gewünschte Spaltung der Gesellschaft? Ein Bärendienst: Die Inszenierung der Polarisierung gewinnt langfristig die AFD, da sie innerhalb ihres framings spielt. Sie bleibt dadurch der „Spitzenverdiener der Aufmerksamkeitsökonomie,“ so der Autor.</p>
<h3>Medienstrategien begreifen lernen</h3>
<p>Aber wie kann man das Monopol von sprachlicher Deutungshoheit zurückgewinnen? Eine rhetorische Appeasementpolitik führt zu nichts, stellt Hillje treffend fest. Ein Zeichen der Einsicht mag dem Prinzip des politischen Kompromisses entlehnt sein &#8211; eine rein populistische Partei will jedoch gar nicht den gesellschaftlichen Konsens. Konzeptionell ist sie <em>die</em> Oppositionspartei &#8211;  das vermittelt sie ihren Anhängern und der Gesellschaft. Und gerade dieses Bild verdichtet sich durch ihr besonderes mediales Geschick. Nach dem Prinzip des <a href="http://www.decisions.ch/publikationen/confirmation_bias.html">Bestätigungsfehler</a> werden in AFD-nahen Plattformen Inhalte nicht nur gezielt geteilt, sondern auch algorithmisch verstärkt. Die völlige Selbstüberlassung der Echokammern zeugt von der derzeitigen Informationsinkompetenz, mit der auf die AFD reagiert wird. Daher ist es umso wichtiger, aus den reaktiven und entlehnten Handlungsmustern des AFD-framings herauszutreten.</p>
<figure id="attachment_140620" aria-describedby="caption-attachment-140620" style="width: 213px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/propaganda4.0cover.png"><img decoding="async" class=" wp-image-140620  " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/propaganda4.0cover.png" alt="12109-7_Einspänner.indd" width="213" height="308" /></a><figcaption id="caption-attachment-140620" class="wp-caption-text">Hillje, Johannes (Hg.): Propaganda 4.0 &#8211; Wie Rechte Populisten Politik machen. Berlin: Dietz Verlag 2017. 184 Se iten, Preis: 14,90 Euro. ISBN 978-3-8012-0509-6</figcaption></figure>
<h3>Demokratie 4.0 – Reframing der politischen Debattenkultur</h3>
<p>Im letzten Kapitel seiner Analyse nennt Hillje mögliche Ansätze, um diesen Schritt zu tätigen. Digitale Aufrüstung von Parteien und Politikern ist zwingend notwendig, wenn man das Internet nicht den Populisten überlassen will. Die Oberflächlichkeit und Simplifizierung von Inhalten darf da aber nicht nach populistischer Logik betrieben werden. Ein reframing – also eine Rückeroberung der Deutungshoheit von Begriffen &#8211; muss durch Sensibilisierung erfolgen, nicht mit zunehmender Desensibilisierung. „Es liegt eine Sprachstörung zwischen Parteien und Bürgern vor,“ attestiert Hillje. Wenn man das Vertrauen in das Etablierte wiederherstellen will, dann muss man neben einer starken Präsenz im Netz auch gezielt die Bürger ansprechen. Im Rahmen von <a href="https://www.boell.de/de/2017/02/09/microtargeting-digitales-marketing">Microtargeting</a> könne der Versuch getätigt werden, neue Inhalte mit politischen Gewicht in die Debatte eintreten zu lassen. Die Deutungshoheit des Tabubruchs ist keineswegs ein Spezifikum der Rechten. Auch wenn sie es allgegenwärtig proklamieren. Für die Berichterstattung gilt der gleiche Apell: Digitale Pädagogik reicht nicht aus. Informationskompetenz wird nicht vermittelt, wenn die Medien „Anpasser“ der Sprache sind. Die Verwendung von Begriffen wie „Biodeutsche“ und „Flüchtlingswelle“ zementieren die kognitiven Bedingungen der Populisten. Um zum „Aufpasser“ einer sensibilisierten Kommunikation zu werden, muss die mediale Sprache in eine selbstkritische Verantwortung gezogen werden.</p>
<p>Mit seinem Werk bietet Hillje eine kompakte und breite Analyse aus dem Bereich der Kommunikationsstrategie. Das Buch ist nicht als Ursachenforschung zu bewerten, sondern kritisiert in einer verständlichen Weise die gezielte Veränderung von Sprache und Sprachwirkung im Rahmen rechtspopulistischer Stimmungsmache. Die Effektivität und gezielte Eskalationsspirale bestätigt sich durch den veränderten Duktus der digitalen Debattenkultur und letztlich auch im derzeitigen Wahlerfolg der AFD. Hilljes Ausführungen und Lösungsstrategien bieten letztlich nur einen Umriss eines globalpolitischen Trends, dessen Umfang und Differenzierungsweise tiefer gehen als er es in diesem Buch tut. Dennoch ist besonders seine Beurteilung der kognitiven Reproduktion des framings im digitalen Raum eine treffende Einschätzung über die drastischen Auswirkungen von Sprachsteuerung im Netz.</p>
<p>Mit Ausblick auf die kommende Zusammensetzung des Bundestags kann sich der Leser ein Bild von Populismustrategien machen und die Bedeutung von digitaler Kommunikation noch einmal verinnerlichen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Copyright by <a href="http://www.medienkompetenzwerkstatt.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Henrik Andree/ meko factory</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/TitelbildRezensionArte.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
<p><img decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/b76402208ee9466fb38ce67c7c48ef44" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		<title>aula, Schülerbeteiligung und die Kompetenzen der Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Marina Weisband]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Aug 2017 14:49:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-11"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Die 4Ks (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken) sind eine Antwort auf die Frage, was Menschen können müssen, wenn problemlösungs- und kommunikationsorientierte Arbeit immer bedeutsamer wird. Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an der Gestaltung von Schule ist eine Möglichkeit, diese Fähigkeiten der Zukunft zu vermitteln.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dass Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung die Gesellschaft und damit die Bildung vor neue Herausforderungen stellen, ist hinreichend klar. Auf die Frage, wie man diesen Herausforderungen begegnen könne und welche Fähigkeiten bei Menschen auf ihrem Bildungsweg besonders entwickelt werden sollen, identifizierte die Partnership for 21st Century Learning am Anfang des Jahrtausends die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/21st_century_skills#The_Four_Cs">“4Cs” als Teil der “21st century skillls”</a>.</p>
<p dir="ltr">Diese lassen sich praktischerweise in 4Ks im Deutschen übersetzen (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken) und sind <a href="https://mihajlovicfreiburg.wordpress.com/2017/04/18/kommunikation-kollaboration-kreativitaet-und-kritisches-denken-mehr-als-buzzwords/">hier</a> bereits mit der Betonung auf das Digitale wunderbar beschrieben. Diese Kompetenzen bilden im Prinzip das ab, was Menschen können müssen, wenn Maschinen schwere, monotone und auf abrufbarem Wissen basierende Arbeiten übernehmen und problemlösungs- und kommunikationsorientierte Arbeit immer bedeutsamer wird. Es ist deshalb die feste Meinung der Autorin, dass alle innovativen Projekte an Schulen und Hochschulen eine Verantwortung haben, besonders diese Kompetenzen zu fördern.</p>
<p dir="ltr">Das Beteiligungsprojekt <a href="https://www.aula.de/was-ist-aula/">aula</a> dient vor allem dem praktischen Erleben von Demokratie und erlaubt Schülerinnen und Schülern, ihre eigenen Ideen zu Unterricht, Schulräumen und Regeln vorzustellen, gemeinsam zu entwickeln, abzustimmen und verbindlich umzusetzen. So wird den Schülerinnen und Schülern nicht nur mehr Mitbestimmung ermöglicht, sondern es werden auch gleichzeitig die wesentlichen Kompetenzen des 21. Jahrhunderts gefördert. Im Folgenden geht es darum zu zeigen, wie mit aula die 4Ks eingebunden und entwickelt werden können und wie der restliche Unterricht davon profitieren kann.</p>
<h3>1. Kollaboration</h3>
<p dir="ltr">Das gesamte aula Projekt dient in erster Linie der kollaborativen Entscheidungsfindung und dem praktischen Erfahren von Demokratie. Dabei wird besonderer Wert auf eine Form der kollaborativen Ausarbeitung von Ideen gelegt, die vor allem digital gut funktioniert. Zu einer einmal eingestellten Idee können von anderen Teilnehmern Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Diese Verbesserungsvorschläge können von Allen positiv oder negativ bewertet werden. Die Autoren der Idee sehen dadurch, welche Verbesserungsvorschläge besonders beliebt sind und ihrer Idee viele Stimmen hinzufügen würden. Sie können ihren Ideentext dahingehend ändern, dass sie die Verbesserung einarbeiten. So kommt ein demokratisch kollaboratives Schreiben zustande. Durch die Bewertungsfunktion ist der Mechanismus &#8220;klüger&#8221;, als eine bloße Sammlung ungewichteter Verbesserungsvorschläge. Die Kollaboration wird hier genutzt, um stichhaltige, komplexe Ideen zu entwickeln, obwohl die einzelnen Teilnehmenden nicht über viel Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Digitale Kollaboration gibt hier einen Mehrwert.</p>
<p dir="ltr">Zudem fördert aula die Kollaboration zwischen den verschiedenen Beteiligten des Schulgeschehens. Schon bei der Einführung müssen zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonal, Elternvertretung und Schulleitung Verträge geschlossen und Interessen verhandelt werden. Verschiedene Interessensgemeinschaften entstehen aus Einzelnen, die vorher nicht viel miteinander zu tun hatten. Diese Kollaboration ist zielgerichtet und bereitet auf die Gestaltung zukünftiger Interessensgemeinschaften vor.</p>
<h3>2. Kreativität</h3>
<p dir="ltr">Wenn man mit jungen Menschen im demokratiepädagogischen Bereich arbeitet, fällt schnell eine etwas auf: Es gibt eine gewisse Hemmung, eigene Ideen zu entwickeln. Vielen Schülerinnen und Schülern fällt es schwer, sich eine ideale Schule vorzustellen. Selbst wenn die Aufgabe lautet sich die ultimative Schule ohne Beschränkungen vorzustellen, kommen häufig Anregungen zur Verbesserung der Situation auf den Toiletten oder zu überdachten Fahrradständern. Auch wenn das durchaus reale Problematiken der Schülerinnen und Schüler sind, fällt doch auf, dass sie zunächst wenige komplexe und weitreichende Ideen entwickeln. Auch Jugendverbände der Gewerkschaften beklagen, dass die jungen Auszubildenden kaum Wünsche zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen äußern.</p>
<p dir="ltr">Psychologen sprechen hierbei von &#8220;erlernter Hilflosigkeit&#8221;. Als Anpassung an ein vergleichsweise autoritäres System können viele Schülerinnen und Schüler nicht mehr so gut visionäres Denken entwickeln. Dies aber ist eine Voraussetzung für Kreativität. Um neue Wege zu finden, muss man erstmal Ziele definieren. Das Wünschen-Können ist eine Kernkompetenz der Zukunft, da es die Triebfeder der Innovation ist. Da aula vor allem der Umsetzung eigener Ideen dient, bietet es Raum, das eigene visionäre Denken Schritt für Schritt zu erweitern. Wenn Schülerinnen und Schüler sich darüber unterhalten, was an ihrer Schule besser werden kann, inspirieren sich gegenseitig und werden mutiger.</p>
<p dir="ltr">Die Ergebnisse des Projekts bringen Kreativität dadurch hervor, dass sie die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler mit den bisherigen Rahmenbedingungen der Schule kollidieren lassen. Ein Beispiel für ein solches Zusammentreffen zweier Welten und die daraus resultierende Kreativität entstand in Freiburg, als in aula positiv über einen “<a href="http://aula-blog.website/ideen-fuer-zeitgemaessen-unterricht-der-smartphone-tag-in-freiburg/">Smartphone-Tag</a>” abgestimmt wurde. An diesem Tag mussten alle Lehrerinnen und Lehrer das Smartphone irgendwie sinnvoll in ihren Unterricht einbinden. Von Sport bis Musik entstanden so neue und innovative Unterrichtskonzepte, die ohne die Einmischung der Schülerinnen und Schüler so nicht zustande gekommen wären.</p>
<h3>3. Kritisches Denken</h3>
<p dir="ltr">Bevor eine Idee bei aula in die Abstimmung kommt, kommt sie auf den Tisch der Schulleitung. Diese vergleicht die Idee mit dem Vertrag, der zuvor mit der Schulkonferenz aufgesetzt wurde. Darin sind die Grenzen und Freiheiten der Beteiligung durch die Schülerinnen und Schüler definiert. Eine neue Idee wird verbindlich umgesetzt, wenn sie mit geltendem Recht inklusive des Schulgesetzes vereinbar ist, sich nicht in die Personalpolitik der Schule einmischt, kostenneutral ist, etc. Bei jeder neuen Idee gibt es also viele Punkte zu beachten, bevor die Schulleitung grünes Licht gibt. Um all diese Punkte diskutieren und einarbeiten zu können, gibt es eine zweiwöchige Ausarbeitungsphase für jede Idee. Darin werden sowohl online wie auch offline Fragen und Verbesserungsvorschläge für die Idee formuliert.</p>
<p dir="ltr">Wenn man eine Idee sieht, wie z.B. mehr Fahrradständer, dann liegt es erstmal nahe, zuzustimmen und zu sagen: &#8220;Ja, das ist eine gute Idee, das will ich, lasst uns darüber abstimmen&#8221;. Das aula-Projekt ist aber so angelegt, dass es eine explizite Phase gibt, in der an die Idee kritische Fragen formuliert werden müssen. &#8220;Was kostet das?&#8221;, &#8220;Wie bezahlen wir dafür?&#8221;, &#8220;Wo werden die Ständer aufgestellt?&#8221;, &#8220;Aus welchen Materialien sollen sie sein?&#8221;, &#8220;Haben wir dann noch genug Platz zum Fußball spielen?&#8221;.</p>
<p dir="ltr">Dieser Prozess, der am Anfang stärker von Lehrkräften begleitet und nach und nach immer selbstständiger ablaufen soll, fungiert als ein mentaler Entschleuniger. Denn nicht alles in der digitalisierten Welt wird schneller. Je mehr Information und Freiheit wir haben, desto mehr müssen wir ab und an innehalten und reflektieren. Diese Kompetenz wird mit aula explizit angesprochen. Die eigenen Ideen hinterfragen, kritische Fragen an sich selbst stellen, mehrere Aspekte und Perspektiven eines Problems in Betracht ziehen. Hierfür ist neben der Möglichkeit online Verbesserungsvorschlägen zu formulieren, vor allem die aula-Stunde wichtig. Hier können sich die Beteiligten noch einmal in kleineren Gruppen (Zum Beispiel dem Klassenverbund) auseinandersetzen, diskutieren und Hilfestellung durch andere bekommen. Denn in der mündlichen Auseinandersetzung bekommen auch weniger engagierte Schülerinnen und Schüler das kritische Hinterfragen von Ideen mit.</p>
<p dir="ltr">Ein weiterer Aspekt des kritischen Denkens findet sich auf interpersoneller Ebene. Es gibt die Möglichkeit, bei der Abstimmung die eigene Stimme zu delegieren, sprich sie nicht selbst zu nutzen, sondern an jemanden zu übertragen. Wenn man sich selbst nicht genug mit einem Thema auskennt, keine Zeit für Beteiligung oder einfach kein großes Interesse für den Ausgang einer Abstimmung hat, kann man die eigene Stimme an eine Person delegieren, die einem selbst kompetenter, engagierter oder zeitlich flexibler erscheint.  Dabei werden Schülerinnen und Schüler zur Reflektion darüber gezwungen, wie gut sie sich selbst mit einem Thema auskennen, wer kompetent und vertrauenswürdig ist und ob diese Person ihre Stimme nach einer gewissen Zeit noch angemessen vertritt. Diese Fähigkeiten sind zentral ganz besonders in repräsentativer Demokratie. Sie verbessern die Qualität der Beteiligung und die Repräsentation der Wählerinteressen. Sie geben jungen Menschen außerdem ein Gefühl für ihre eigenen Kompetenzen und das Vertrauen, das andere in sie setzen können und erhöhen so die Selbstwirksamkeit.</p>
<h3>4. Kommunikation</h3>
<p dir="ltr">Da so ziemlich alles Kommunikation ist, muss dieses Ziel spezifiziert werden. Im Rahmen der relevanten Kompetenzen für die Zukunft ist hier die Fähigkeit zur zielgerichteten und effektiven Kommunikation gemeint, also die Wahl von angemessenem Kanal und Sprache unter den spezifischen Konventionen des jeweiligen Mediums. Die Kommunikation bei aula soll nachhaltig sein und findet deshalb auf einer Vielzahl von Kanälen statt. Online werden Ideen schriftlich eingestellt und mit schriftlichen Verbesserungsvorschlägen versehen. Dabei hat aula keine “Kommentarfunktion”, wodurch besonders die Kompetenz des problemlösungsorientierten Feedbacks gefördert wird, die vielen Online-Diskussionen abgeht. Zu Ideen lassen sich nur Verbesserungsvorschläge einstellen. Die beginnen stets mit dem gedachten Satz: “Ich stimme deiner Idee zu, aber nur wenn…”. Diese Fähigkeit wird im Unterricht im Rahmen des aula-Projekts geübt. Diese Art der Online-Kommunikation erlaubt Problemlösungsprozesse, die einen Anfang und ein Ende haben und dabei den Ideengeber nicht beleidigen. Das unterscheidet sie, beispielsweise, von einer Facebook-Diskussion.</p>
<p dir="ltr">Ansonsten findet die Kommunikation bei aula aber auch ganz explizit auf Offline-Kanälen statt. So gibt es im Optimalfall zum Beispiel eine regelmäßige aula-Stunde, in der Ideen mündlich vorgestellt und weiterentwickelt werden. Zu Zwecken der Werbung für die eigene Idee oder eine anstehende schulweite Abstimmung werden auch Plakate geklebt, Snapchat-Stories gebaut, WhatsApp-Nachrichten verschickt, Lautsprecher-Durchsagen gemacht und Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben.</p>
<p dir="ltr">Die Vielfalt der Kanäle wird im Lehrleitfaden betont und gezielt genutzt. Das fördert bei Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit, einen für eine Aufgabe geeigneten Kanal zu suchen und ihn effektiv einzusetzen. Wann braucht eine Frage zu einer “Idee” eine persönliche Unterredung mit der Schulleitung? Was muss hingegen transparent bei der Schulversammlung angesprochen werden? Welche Informationen sollten schriftlich  und welche lieber über den Lautsprecher verbreitet werden? Wie nutzen wir das schwarze Brett effektiv? Nur im Ausprobieren erleben Schülerinnen und Schüler die feinen Unterschiede zwischen verschiedenen Formen schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Teilnehmer, die die deutsche Sprache noch lernen, können dabei andere Ausdrucksformen bevorzugen, als eloquente Muttersprachler. Die Hauptsache ist, dass alle eine eigene Ausdrucksform finden und einem kritischen Vergleich unterziehen können.</p>
<p dir="ltr">Dies war ein grober Überblick, wo aula beispielhaft Kompetenzen fördert, die nicht nur in  anderen Unterrichtsfächern, sondern auch in der beruflichen Zukunft und dem sozialen Leben der Schülerinnen und Schüler hoch relevant ist. Da das Projekt stets aktuelle Probleme rund um die Schule behandelt, tauchen viele Spezialfälle auf, die die eine oder andere Kompetenz auf andere Weise fördern. So mussten die Schülerinnen und Schüler in Freiburg eine zu niedrige Wahlbeteiligung analysieren und eigenständig Maßnahmen dagegen entwickeln; in Nottuln mussten sie ihre Lehrerinnen und Lehrer von den Vorteilen des Systems überzeugen; in Jena muss aula mit den anderen Möglichkeiten der Beteiligung verzahnt werden.</p>
<p dir="ltr">Kollaboration, Kreativität, Kommunikation und kritisches Denken werden in erster Linie da erlernt, wo gemeinsam Verantwortung getragen wird. Diese Kompetenzen können nicht erworben werden, wenn sie nicht angewandt werden müssen und Verantwortung kann nicht gelernt werden, wenn sie nicht gegeben wird.</p>
<p dir="ltr">Es ist deshalb wichtig, das scheinbare Risiko der Verantwortungsabgabe an Schülerinnen und Schüler zu wagen. Das Risiko, dass sie in der digitalisierten Welt ohne die Fähigkeit zum vernetzten Problemlösen dastehen und mit Computerprogrammen um Arbeit konkurrieren müssen, ist weit größer. Deshalb lohnt es sich, diese Kernkompetenzen immer wieder mit all ihrem vielschichtigen Inhalt zu betrachten und die eigene Lehre und eigene Projekte zu hinterfragen:</p>
<p dir="ltr">Fördere ich die Fähigkeiten, die in diesem Jahrhundert dringend gebraucht werden?</p>
<p><strong>Titelbild by:</strong> <a href="https://pixabay.com/de/users/FotoEmotions-872019/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FotoEmotions, </a>  <a class="external" href="https://pixabay.com/de/service/terms/#usage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a>, <a href="https://pixabay.com/p-685029/?no_redirect" target="_blank" rel="noopener noreferrer">on pixabay.com</a>&#8211; Eigene Bearbeitung</p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Zwischen neuen Chancen und alten Grenzen: Gehörlose im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Mahler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2016 08:34:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft wp-image-150387 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/barrier-gates-280628_640x314_CC0_by_Ben_Kerckxvia_pixabay.jpg" alt="Schranke auf einem Weg im Wald, barrier gates by Ben_Kerckx CC0 via Flickr" width="640" height="314" />Sprechen, sich austauschen, Kontakt haben: Für Gehörlose ist die Kommunikation der hörenden Mehrheitsgesellschaft praktisch eine unerreichbare Welt. Eigene Schulen und Vereine waren deshalb für sie lange Zeit die einzigen Orte, in denen sich ihnen diese Welt auftat. Mit dem Internet hat sich das geändert: Das Netz beeinflusst nicht nur die Kultur der Gehörlosen. Dass deren Herzstück, die Gebärdensprache, auch beim Videochat eingesetzt werden kann, ist für taube Menschen inzwischen sogar der Hauptgrund, online zu gehen. Doch bei allem Fortschritt: Taube Menschen treffen auch online immer noch auf alte Barrieren.</p>
<p>Inzwischen klingen die Buchstaben schon fast banal: WWW, weltweites Netz. Dabei schafft das Internet manchmal sogar weit mehr, als die eine Welt zu verbinden: Manchmal eröffnet es regelrecht neue Welten. Zum Beispiel für Gehörlose.</p>
<p>Denn dass im Analogen oft Welten zwischen Hörenden und Gehörlosen liegen, erfahren taube Menschen alltäglich: Anders als für Hörende ist es für Gehörlose ohne Dolmetscher alles andere als einfach, jemanden auf der Straße mal kurz anzusprechen und nach dem Weg zu fragen oder einkaufen zu gehen. Verständnisprobleme sind immer vorprogrammiert. Eigentlich besitzen taube Menschen mit der Gebärdensprache eine perfekte Möglichkeit sich mitzuteilen und zu verständigen. Aufgrund eines von der hörenden Mehrheitsgesellschaft bestimmten Kommunikationssystems sind Gehörlose jedoch de facto immer auf andere Mitglieder der eigenen Minderheit angewiesen, um sich austauschen zu können. Lange Zeit waren deshalb Gehörlosenschulen und eigene Vereine praktisch <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die einzigen Örtlichkeiten der Gehörlosengemeinschaft</a>, in denen sich ihnen die weithin unerreichbare Welt der Alltagskommunikation erschloss.</p>
<p>Mit dem Internet ist ein neuer Ort dazugekommen, der – wie bei Hörenden auch – die menschliche Kommunikation teilweise sogar überflüssig gemacht hat: Wer nach einer Straße sucht, fragt einfach schnell Google-Maps. Und wer shoppen oder eine Reise buchen will, kann dies mit wenigen Klicks auch zuhause online erledigen. Für Gehörlose ist das nicht nur genauso bequem wie für Hörende. Es bedeutet für sie auch, im Alltag ohne Dolmetscher weniger mit Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert zu sein. „Das Internet ermöglicht Gehörlosen also eine stärkere Individualisierung. Es schafft Unabhängigkeit“, erklärt Andreas Bittner. Bittner ist nicht nur selbst taub, sondern auch Dozent am <a href="https://www.reha.hu-berlin.de/lehrgebiete/gsd/lehre-und-studium/ds" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deaf-Studies-Lehrstuhl der Humboldt-Universität in Berlin</a>. Für ihn steht fest: „Es hat durch das Internet einen großen Wandel für Gehörlose gegeben.“</p>
<h3>Das Internet prägt die Kultur der Gehörlosen mit</h3>
<p>Seit den 1990er Jahren gibt es etwa eigene Webseiten für die sprachliche Minderheit. Der spätertaubte Bernd Rehling gehört dabei zu den „Dinosauriern“ des Deaf Internet (Gehörlosen-Internet), wie er sich selbst nennt. Er hat 1997 das Portal <a href="http://taubenschlag.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">taubenschlag.de</a> mitgegründet, das Informationen aus der Deaf World bündelt. Seine Motivation beschreibt er so: „Im Internet habe ich gerade für Hörgeschädigte eine große Chance gesehen, um Informationen zu bekommen, zu kommunizieren und zu lernen.“ Und der 73-Jährige sieht die Chancen auch zu einem guten Stück erfüllt, nicht zuletzt auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die eigenständige Kultur der Gehörlosen: „Es gibt kulturelle Angebote für Gehörlose wie nie zuvor. Die wären überregional ohne das Internet kaum zugänglich, ja, viele gäbe es gar nicht.“ Erst durch das Internet seien ausländische Impulse wie die Deaf Poetry Slams in Deutschland schnell verbreitet worden. Auch das Entstehen einer selbstbewussten Jugendkultur habe das Netz beschleunigt. Und durch Online-Veröffentlichungen finden lokale Angebote wie Museumsführungen für Gehörlose überhaupt erst ein breites Publikum, so Rehling.</p>
<p>Um ein vielfaches verbessert habe sich auch der Informationserwerb, sagt der pensionierte Lehrer. So würden zumindest einige öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen 90 Prozent ihres Angebots untertiteln. Und über das Live-Streaming kämen Gehörlose nun sofort an aktuelle Informationen. Zum Medium schlechthin sei für Gehörlose der Video-on-demand-Dienst Netflix geworden: Dort werden alle Filme und Serien ausnahmslos untertitelt. Und selbst Facebook ermöglicht jetzt Werbetreibenden – wenn auch primär aus Rücksicht auf mobile Nutzer und deren Klickzahlen – <a href="https://www.facebook.com/business/news/updated-features-for-video-ads" target="_blank" rel="noopener noreferrer">automatisch Untertitel in Videos einzubauen</a>. Eine wichtige Entwicklung, schließlich nimmt dort die Zahl der Videos im Newsfeed rasant zu. Und Andreas Bittner vom Berliner Deaf-Studies-Lehrstuhl bestätigt, dass durch das Internet Gehörlosen so grundsätzlich mehr Informationen zugänglich gemacht werden: „Man bekommt stärker mit, was in der hörenden Gesellschaft passiert.“</p>
<h3>Das barrierefreie Netz gibt es noch nicht</h3>
<p>Trotzdem gibt es auch online immer noch starke Einschränkungen für Gehörlose. <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">So rufen schon jetzt 53 Prozent der Mehrheitsgesellschaft mindestens einmal wöchentlich audiovisuelle Inhalte im Netz auf, um sich zu informieren. </a>Werden diese in Zukunft nicht überall barrierefrei angeboten, wird die Kluft zwischen Hörenden und Gehörlosen bei der Informationsbeschaffung wieder zunehmen, die sich durch die <a href="http://www.deutsche-gesellschaft.de/fokus/tagesspiegel-inklusion-im-fernsehen-untertitel-ersetzen-keine-gebaerden" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gestiegene Zahl an Untertiteln im Fernsehen</a> gerade langsam vermindert. Momentan sehen sich laut einer aktuellen Studie der Rheinischen Fachhochschule Köln 76 Prozent der Gehörlosen ausgebremst, wenn es um audiobasierte Inhalte im Netz geht.</p>
<p>Andreas Bittner von der HU Berlin sieht aber auch unabhängig davon noch lange kein barrierefreies Netz. Zu tun habe das mit der Schriftsprache, von der es natürlich im Internet ebenfalls nur so wimmelt. So wie sie von der Mehrheitsgesellschaft gebraucht wird, unterscheidet sich die Schriftsprache von der Gebärdensprache nicht nur durch die fehlende visuelle Ausdrucksweise. Für taube Menschen ist sie auch deshalb nur mit Mühe zu verstehen, weil ihr eine andere Grammatik zugrunde liegt. Bittner: „Deutsche Schriftsprache ist wie eine Fremdsprache für deutsche taube Menschen.“ Eine entscheidende Rolle für Gehörlose spiele daher auch im Internet ihre Schriftsprachkompetenz. Und die brauche es oft schon zum Verstehen von Untertiteln, so der Deaf-Studies-Experte. „Erst die Gebärdensprache wäre ein wirklicher Vorteil“, findet Bittner. „Doch die ist im Internet noch die absolute Ausnahme.“ Das gilt auch für die <a href="http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Leichte Sprache“</a>. Gehörlose profitieren also bislang – abhängig von ihrer Schriftsprachkompetenz – unterschiedlich stark von den Vorzügen des Internet.</p>
<h3>Deaf World: Gehörlose können jetzt auch in die Ferne mittels Gebärdensprache kommunizieren</h3>
<p>Von unschätzbarem Wert für alle tauben Menschen sind dagegen die Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten, die das Netz bietet. Welche große Rolle die Vernetzung für sie spielt, beweist allein schon Achim Feldmann: Er hat lange vor Facebook und Co 1995 mit gehoerlos.de das erste Diskussionsforum für taube Menschen in Deutschland gegründet: „Ich wollte, dass die Gehörlosen weniger isoliert sind. Zuvor mussten sie erst in die nächste Großstadt fahren, um sich mit anderen Gehörlosen zu unterhalten. Das hat Zeit und Geld gekostet.“ Zwar nutzten Gehörlose damals auch Faxgeräte oder seit 1975 schon Schreibtelefone, um in die Ferne zu kommunizieren. Mit einem schnellen Chat vermögen diese Geräte aber freilich nicht mitzuhalten. Mehr noch: Heute können auf Skype, Whatsapp oder per Email auch Videos verschickt werden. Und damit wird der Austausch in Gebärdensprache über Entfernungen hinweg möglich. „Das ist ein Quantensprung in der Entwicklung“, findet auch taubenschlag.de-Gründer Rehling. „Gehörlose können jetzt weltweit Kontakte pflegen, sogar in ihrer Muttersprache.“</p>
<p>Tatsächlich bietet das Internet die Chance, dass der Bedeutung der Gebärdensprache für taube Menschen auch bei der Kommunikation in die Ferne noch Rechnung getragen wird: Weil die Gebärdensprache die Gehörlosengemeinschaft überhaupt erst stiftet, gilt sie als <a href="http://fzgresearch.org/PDF_VUGS/(41)%20Hohl%202004.pdf%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Herzstück der Gehörlosenkultur“</a>. Das bedeutet, dass sogar Gehörlose die Gebärdensprache lernen oder weiter pflegen, denen ein Cochlea-Implantat das Hören und Verstehen der Lautsprache ermöglicht. Sie wollen damit ihrer Gemeinschaft treu bleiben. Florian Lothmann, Leiter der erwähnten Studie aus Köln, hat in seiner Umfrage von 2015 sogar folgendes festgestellt: Die gebärdensprachliche Kommunikation räumlich unabhängig einsetzen zu können, ist für Gehörlose inzwischen sogar der Hauptgrund, das Internet zu nutzen und nicht die erleichterte Informationsbeschaffung. Doch überraschenderweise war das nicht immer so.</p>
<h3>Neue Möglichkeiten im Netz trafen zunächst auf alte Nutzungsgewohnheiten</h3>
<p>Eine Studie der HU Berlin aus dem Jahr 2012 zur Nutzung sozialer Medien durch Gehörlose zeigt, dass der Trend, die Gebärdensprache zu pflegen, online erst verzögert eingesetzt hat. So ergab die Studie damals folgendes Bild: Von 106 befragten Gehörlosen und einigen wenigen Schwerhörigen setzte nur eine Person ausschließlich auf Video-Chats. Dagegen gaben umgekehrt mehr als 61 Prozent der Befragten an, sich dort nur schriftlich mit anderen auszutauschen und damit sogar ganz auf das Gebärden zu verzichten. Die Übrigen nutzten beide Möglichkeiten. Studienleiterin Laura Schulze hatte ferner festgestellt, dass es bei der Wahl des Netzwerks keinen Unterschied zur Mehrheitsgesellschaft gibt: Auch bei den befragten Gehörlosen waren die meisten bei Facebook angemeldet. Und das, obwohl es seit 2007 ein visuell orientiertes Netzwerk gegeben hatte, das speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Hörschädigung abgestimmt war.</p>
<p>Andreas Bittner vom Deaf-Studies-Lehrstuhl erklärt diese Ergebnisse mit ausgeprägten alten Nutzungsgewohnheiten, die erst mit der Zeit zurückgegangen sind. Noch heute kommunizierten ältere Gehörlose teils immer noch lieber per Fax als sich etwa via Skype in ihrer Muttersprache mit anderen auszutauschen – „weil sie es so gewohnt sind.“ Technikaffinität und digitale Nutzungsgewohnheiten sind also offenbar ausschlaggebender als die Nähe zur eigenen Muttersprache. „Und ich denke: Wenn man die Gebärdensprache über Video und Webcam einsetzt, zeigt man gleichzeitig sehr viel von sich persönlich, der ganze Mensch in seiner Verfassung ist dann sichtbar“, so Bittner. Wenn Gehörlose also im Internet ihre Muttersprache einsetzen wollen, ist das – anders als bei Hörenden – zwangsläufig mit Sichtbarkeit verbunden. Und setzt damit – genau umgekehrt zu den Hörenden, die problemlos auch unsichtbar kommunizieren können – immer die Überwindung einer gewissen Hemmschwelle voraus.</p>
<h3>Die Muttersprache liegt bei tauben Menschen inzwischen auch online  im Trend</h3>
<p>Dass Video-Nachrichten inzwischen im Trend liegen, hängt für Deaf-Studies-Experte Andreas Bittner auch damit zusammen, dass die technischen Voraussetzungen dazu immer besser geworden sind: Videonachrichten setzen geeignete Endgeräte, schnelles Internet, gute Videoqualität und ausreichendes Datenvolumen voraus. Bittner: „Ist das alles erfüllt, schafft das zusätzliche Anreize, die Gebärdensprache auch digital einzusetzen.“ Gerade bei gehörlosen Jugendlichen führen die neuen Videochatmöglichkeiten nach Angaben der <a href="http://www.gehoerlosen-jugend.de/allesueberdgj/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Deutschen Gehörlosen Jugend e.V.“</a> dazu, dass diese sich ihrer Muttersprache stärker bewusst werden.</p>
<p>Trotzdem kann Andreas Bittner der Schriftform nach wie vor etwas abgewinnen. Und zwar was das Verhältnis zu Hörenden angeht: „Wenn man nur schreibt, merkt man nicht zwangsläufig, ob jemand hörend ist oder nicht. Und auch wenn Gehörlose in der Schriftform nicht immer grammatisch perfekt sind: Der Kontakt zu Hörenden wird erleichtert.“ So gaben von den 241 Gehörlosen, die in der bereits genannten Studie der Rheinischen Fachhochschule befragt wurden, zwei Drittel an, durch das Internet sogar häufiger mit Hörenden zu kommunizieren. Den digitalen Austausch in Schriftform hält der taube Softwareentwickler Achim Feldmann dabei vor allem in der Arbeitswelt für wichtig: „Die Selbstständigkeit von Gehörlosen am Arbeitsplatz hat dadurch zugenommen. Und damit auch die Verantwortung und das Selbstbewusstsein.“ Aufgrund der Unabhängigkeit von Dolmetschern zieht Feldmann im Kontakt mit hörenden Arbeitskollegen Emails sogar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Relay-Dienst" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Relay-Diensten</a> vor.</p>
<h3>Filter Bubble: Auch online trennen Gehörlose und Hörende oft noch Welten</h3>
<p>Doch konnte das Internet auch insgesamt dabei helfen, die Welten zwischen Gehörlosen und Hörenden wegzuräumen? Führen die neuen digitalen Kontaktmöglichkeiten beide Seiten stärker zusammen? Bernd Rehling bringt es mit Blick auf die sozialen Netzwerken so auf den Punkt: „Wie alle Nutzer schmoren auch Gehörlose dort im eigenen Saft, gründen also Gruppen zu ihren Interessengebieten und tauschen Informationen aus der Gehörlosenwelt aus.“ Die taube Lippenleserin und Inklusionsaktivistin Julia Probst hält Rehling dabei für eine Ausnahme: <a href="https://twitter.com/einaugenschmaus?lang=de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Probst hat auf Twitter mehr als 34.000 Follower</a>, hauptsächlich Hörende. Doch bei allen sprachlichen Barrieren und, in ihren Augen, nach wie vor ungenügender Inklusion im Netz, sieht die 34-Jährige selbst die Lage weniger pessimistisch: „Das Internet spielt eine wichtige Rolle, das Verständnis von Gehörlosen und Hörenden zu verbessern – auch wenn es nicht immer gelingt. Und es hat sich auch schon etwas verändert, aber eher bei Menschen, die schon immer offener waren.“</p>
<p>Denn bei allem technischen Fortschritt bleiben zwischen Hörenden und Gehörlosen in der Regel unterschiedliche Interessen und Denkweisen bestehen. Schon allein aufgrund ihrer visuellen Ausrichtung nähmen Gehörlose manches ganz anders wahr als Hörende, so Bernd Rehling. Das beginne schon bei Witzen und höre längst noch nicht bei einem unterschiedlichen Zugang zu Musik und Literatur auf. Rehling: „Nach anfänglicher Begeisterung brechen Kontakte zwischen hörenden und gehörlosen Jugendlichen daher meistens schnell ab – es sei denn, die Hörenden erlernen die Gebärdensprache und begeben sich in die deaf world. Solche Kontakte lassen sich dann aber besser real als im Internet pflegen.“</p>
<p>So viel das Internet also auch für Gehörlose verbessert haben mag: Mentalitätsunterschiede lassen sich eben dann doch nicht mal eben schnell wegdigitalisieren.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/de/barrier-gates-walking-pfad-natur-280628/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Barrier Gates von Ben Kerckx via Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Verbrechensaufklärung und Bürgerdialog: Die Polizei in sozialen Netzwerken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 15:24:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht nur die Politik nutzt soziale Netzwerke für ihre Außendarstellung und als Informationsplattform. Für die Zivilgesellschaft sind Plattformen wie Twitter, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Polizei-Leipzig-zuschnitt.jpg" rel="attachment wp-att-126710"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-148505 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Polizei-Leipzig-zuschnitt.jpg" alt="Polizei Sachsen, Twitter" width="640" height="280" /></a>Nicht nur die Politik nutzt soziale Netzwerke für ihre Außendarstellung und als Informationsplattform. Für die Zivilgesellschaft sind Plattformen wie Twitter, Facebook oder Instagram längst wichtige Diskursräume. Auch staatliche Institutionen finden sich vermehrt im virtuellen Netzwerk, so beispielsweise Polizeibehörden. In der Flüchtlingsdebatte kann die Polizei eine wichtigere Rolle einnehmen – als „Gegenrede“ zu lancierten Gerüchten und Mutmaßungen.</p>
<p>Die Aktivitäten von Behörden im Internet zur Verbrechensaufklärung oder allgemeinen Gefahreneinschätzung sind auch in Deutschland längst kein neues Phänomen. So kam es in der Vergangenheit zu ersten Erfolgen durch Facebook-Fahndungen. Bereits im Jahr 2011 machte die Polizei Hannover erste positive Erfahrungen mit diesem Ansatz. Niedersachsen avancierte zu dem Bundesland mit der intensivsten Nutzung. Die Politik beschäftigte sich daraufhin mit den Potenzialen und Risiken. Über Vor- und Nachteile diskutierten bereits in der Vergangenheit Experten auf <a href="http://politik-digital.de/netzstandpunkte/thema-soll-die-polizei-facebook-zur-fahndung-nutzen-125152/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>.</p>
<p>Soziale Netzwerke stehen für Möglichkeiten sowie Gefahren. Behörden können beispielsweise digitale Plattformen für die Auswahl geeigneter MitarbeiterInnen nutzen, wie es bereits bei der Personalakquise von Unternehmen üblich ist. Für die ureigene Aufgabe der Verbrechensaufklärung und Gefahrenabwehr muss die Polizei mittlerweile auch die Kommunikationsformen im Internet kennen, da sich kriminelle Motivationen zunehmend auch im Cyberspace bemerkbar machen.</p>
<p>Die gezielte Verbreitung von Gerüchten durch NutzerInnen von sozialen Netzwerken, vor allem über mutmaßlich durch Flüchtlinge begangene Straftaten, ist ein neueres Phänomen, mit dem sich die Polizei auseinandersetzen muss.</p>
<h3>Polizei genervt von (Online-)Gerüchten</h3>
<p>Im Zuge der Flüchtlingsdiskussion finden sich gerade in den deutschsprachigen sozialen Netzwerken gezielt geschürte Gerüchte über Straftaten von Flüchtlingen wieder. Vorsätzlich gestreute Beschuldigungen können Risiken möglicher Eskalation bergen und gegebenenfalls zu Übergriffen anstiften. Die Gefahr von Selbstjustiz durch Bürgerwehren, die sich auch auf sozialen Netzwerken organisieren, wurde in den Wochen nach der Silvesternacht verstärkt diskutiert.</p>
<p>Die Behörden zeigen sich zunehmend genervt von Gerüchten,<a href="http://www.mdr.de/sachsen/falschmeldungen-ueber-straftaten-um-asylbewerber100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> wie die Leipziger Polizei mitteilt</a>. Strafverfolgungsbehörden sind aufgrund des Legalitätsprinzips zu Ermittlungsverfahren angehalten, wenn durch ein Gerücht auf eine mögliche Straftat hingewiesen wird. Falsche Gerüchte binden viel Arbeitszeit und Arbeitskraft, berichten die BeamtInnen aus Leipzig, und behindern eine effiziente Polizeiarbeit. Derweil appellieren einige KollegInnen, so auch die <a href="http://www.berliner-zeitung.de/polizei/13-jaehrige-in-berlin-marzahn-polizei-dementiert-vergewaltigung-und-appelliert-an-internetnutzer,10809296,33548968.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Polizei</a>, an die InternetnutzerInnen, sensibler mit schwerwiegenden Vorwürfen umgehen.</p>
<h3>Polizei kann Gerüchten Online entgegentreten</h3>
<p>Die Vorstellung von kriminellen Flüchtlingen in der deutschen Flüchtlingsdebatte ist präsent, somit  muss gerade ein Exekutivorgan wie die Polizei mit Aufmerksamkeit und Sensibilität reagieren. Das gelang im Oktober 2015 einer Polizeibehörde in Mecklenburg-Vorpommern, als sie eine <a href="http://www.welt.de/vermischtes/article147963176/Nein-es-hat-seitdem-nicht-mehr-Einbrueche-gegeben.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Facebook-Offensive</a> gegen eine pauschale Verurteilung von Flüchtlingen als Kriminelle startete. Die Polizei Vorpommern-Greifswald griff zu Fakten und präsentierte die nackten Zahlen: Das Ergebnis der statistischen Darstellung zeigte keinen Kriminalitätsanstieg im diskutierten Zeitraum.</p>
<h3>(Digital) Community Policing?</h3>
<p>Community Policing ist ein Konzept aus der Polizeiforschung, das die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bevölkerung vor Ort (meist auf kommunaler Ebene) verbessern soll. Es dient in erster Linie  der verbesserten Kommunikation und soll gemeinsame Probleme präventiv lösen.</p>
<p>In diesem Zusammenhang scheint es daher besonders interessant, welche Möglichkeiten sich aus der aktiven Nutzung sozialer Netzwerken durch die Polizei ergeben könnten. Kann der Polizei-BürgerInnen-Dialog durch soziale Netzwerke nachhaltig gefördert werden? Welche Konzepte können das Vertrauensverhältnis verbessern? Diese Fragen könnten in der Zukunft von größerer Bedeutung werden, vorausgesetzt die Politik wird sich der Relevanz neuer Technologien bewusst und setzt hier neue Akzente. Die Flüchtlingsdebatte zeigt bereits eindrücklich, dass die BeamtInnen vor neuen digitalen Herausforderungen stehen.</p>
<p>Bild: Screenshot des Twittter-Profils der <a href="https://twitter.com/polizeisachsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Polizei Sachsen </a></p>
<h2> <img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011-305x53.png" alt="CC-Lizenz-630x110" width="305" height="53" /></h2>
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		<title>Auf allen Kanälen: Obamas letzte Rede zur Lage der Nation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2016 11:28:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Weiße Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Rede zur Lage der Nation]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus der Perspektive der Online-Kommunikation hat das Weiße Haus während Obamas Präsidentschaft viele Kanäle der sozialen Medien, die eine relevante [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack_Obama-Image-by-Gage-CC0-Public-Domains-via-Wikimedia-Commons_Fotor.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-148194" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack_Obama-Image-by-Gage-CC0-Public-Domains-via-Wikimedia-Commons_Fotor.jpg" alt="Barack_Obama-Image-by-Gage-CC0-Public-Domains-via-Wikimedia-Commons_Fotor" width="640" height="280" /></a><br />
Aus der Perspektive der Online-Kommunikation hat das Weiße Haus während Obamas Präsidentschaft viele Kanäle der sozialen Medien, die eine relevante Reichweite aufweisen, mit eigenen Inhalten bespielt sowie mit neuen Formaten experimentiert. In diesem Jahr waren beim Medienereignis #SOTU (State of the Union) vor allem folgende Innovationen zu verzeichnen: Kooperationen mit Amazons Video-Streaming-Dienst und mit Genius.com, wo Texte kommentiert werden können, sowie eine Präsenz beim Messenger Snapchat. Und auf die Rede folgen dann diverse Dialogangebote, um mit den Bürgern online ins Gespräch zu kommen.</p>
<p>Im letzten Jahr hatte die Obama-Administration noch den Unmut traditioneller Gatekeeper auf sich gezogen, weil der Text der Ansprache vorab vom Weißen Haus auf der Publikations-Plattform Medium.com veröffentlicht wurde: Ein Privileg, das bis dahin nur ausgewählten Journalisten etablierter Massenmedien zuteil wurde. In diesem Jahr gehört es nun schon zum Standard, dass Interessierte das Manuskript dort in Echtzeit mitlesen, die prägnante Sätze markieren und diese via Twitter teilen können.</p>
<p>http://twitter.com/TimKarr/status/687105994858610689/photo/1</p>
<p>Dass “The People Formerly Known as the Audience” (Jay Rosen) Inhalte eben nicht nur passiv rezipieren wollen, sondern den Anspruch haben, sich darüber in den sozialen Medien auszutauschen, reflektiert <a class="liexternal" href="https://twitter.com/Goldman44" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jason Goldman</a>, der Chief Digital Officer des Weißen Hauses. Ebenfalls bei Medium hat er die diesjährige Agenda seines Stabes unter dem Titel “<a class="liexternal" href="https://medium.com/@Goldman44/meeting-people-where-they-are-9e396744bc43#.2bwxyb2gx" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Meeting People Where They Are</a>” so umrissen:</p>
<blockquote><p>“<em>The American people will see a multi-platform streaming and social broadcast of the State of the Union that reflects the ways people experience live events in 2016. We’ll be reaching people where they are – and making it possible for them to engage, respond, and share the President’s speech themselves in new and different ways.</em>”</p></blockquote>
<p>Mit diesem Anspruch wären die Verantwortlichen vom “White House Office of Digital Strategy” auch gut für die Inszenierung anderer Medienereignisse gerüstet, die als nächstes in den USA anstehen, also Super Bowl und Oscarverleihung.</p>
<h3>Obamas Abschieds-Show: enhanced, on demand und behind the scenes</h3>
<p>Das Herzstück der #SOTU-Online-Kommunikation ist schon seit 2011 ein „enhanced Live Stream“, bei dem die Übertragung der Rede im Split-Screen-Modus mit Animationen, Fotos, Grafiken und Texten angereichert wird. Dieser wurde bislang auf der Website des Weißen Hauses und in dessen YouTube-Kanal ausgestrahlt. Hinzu kommt in diesem Jahr Amazons Video-Streaming-Dienst, wo die Rede ebenso wie die anderen SOTU-Ansprachen aus Obamas Amtszeit dann auch on demand verfügbar bleibt. Polit-Junkies, die von House of Cards genug haben, können sie also bingewatchen.</p>
<p>Um echten Fans am Abend die Zeit bis zur Übertragung der Rede zu vertreiben, wurde dann vom und im Weißen Haus noch die “1 More Years! State of the Union Pre-Show” produziert und live gestreamt. Moderiert von Terrence Jenkins übernahm Vize-Präsident Joe Biden das Warm-Up und es gab musikalische Einlagen von Wale und EL VY.</p>
<p><iframe hcb-fetch-image-from="https://youtu.be/fUuCwQpQqbI" title="1 More Years! State of the Union Pre-Show" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/fUuCwQpQqbI?feature=oembed&#038;width=840&#038;height=1000&#038;discover=1" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Desweiteren hat sich das Weiße Haus nun ein Profil bei Snapchat zugelegt und publiziert dort kurze Filmchen. Die offizielle Begründung unter der Überschrift “<a class="liexternal" href="https://www.whitehouse.gov/blog/2016/01/11/whitehouse-joins-snapchat" target="_blank" rel="noopener noreferrer">We’re on Snapchat: Add WhiteHouse</a>” lautet: “<em>There are over 100 million daily active Snapchat users, and over 60 percent of American smartphone users between the ages of 13 and 34 use the platform.</em>” Und für diese Zielgruppe gibt es dann, wie bei anderen Events inzwischen üblich, jede Menge “behind the scenes”-Material.</p>
<h3>Multimediales Mitmachen</h3>
<p>Einen Blick hinter die Kulissen der von Obama gehaltenen Reden zur Lage der Nation lieferte im Vorfeld schon eine andere Innovation: Die Manuskripte wurden nämlich mittels der Anwendung Genius.com <a class="liexternal" href="https://www.whitehouse.gov/sotu#279321" target="_blank" rel="noopener noreferrer">multimedial kommentiert</a>. Da geben beispielsweise Anmerkungen von Mitarbeitern des Weißen Hauses persönliche Eindrücke wieder. Andere Einträge betreiben einen interessengeleiteten Faktencheck, ob beispielsweise formulierte Ziele erreicht wurden. Insofern können bei Genius registrierte Nutzer auch Anmerkungen machen, über deren Veröffentlichung aber das Weiße Haus entscheidet.</p>
<p>Am Tag nach #SOTU soll es dann auch Antworten auf Beiträge der Bürger geben: Über 50 Offizielle reagieren nach einem ausgeklügelten Schema in den sozialen Medien auf Kommentare zu zentralen Themen, darunter die <a class="liexternal" href="https://www.whitehouse.gov/blog/2016/01/08/big-block-cheese-day-back-again-gouda-time" target="_blank" rel="noopener noreferrer">First Lady und der Vize-Präsident</a>. Und am Freitag nach der Rede folgt dann <a class="liinternal" href="http://www.netzpiloten.de/besuch-im-weissen-haus-youtube-stars-interviewen-obama/">wie im letzten Jahr</a> noch ein Live-Interview mit drei YouTube-Stars. Am Start sind in diesem Jahr Destin Sandlin (<a class="liexternal" href="https://www.youtube.com/user/destinws2" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>Smarter Every Day</em></a>), Ingrid Nilsen, eine <a class="liexternal" href="https://www.youtube.com/user/missglamorazzi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beauty-Vloggerin</a> und Gamer und Youtubestar <a class="liexternal" href="https://www.youtube.com/user/swoozie06" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Adande Thorn</a>. Diese Akteure fungieren einerseits als Filter für Fragen, die via #YouTubeAsksObama erhoben wurden, andererseits als zielgruppenspezifische Multiplikatoren: Zusammen haben ihre Kanäle über zwölf Millionen Abonnenten, während das Weiße Haus zum Staffelfinale von Obamas “State of the Union” bei weniger als 650.000 Abos lag.</p>
<p>Dies ist ein Crosspost von netzpiloten.de. Der Artikel ist zuerst <a href="http://www.netzpiloten.de/obama-sotu-social-media-rede/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dort</a> erschienen.</p>
<p>Bild: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Barack_Obama_speaks_in_Cairo,_Egypt_06-04-09.jpg">Chuck Kennedy/The White House</a>, <a class="liexternal" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 Public Domain</a></p>
<p><img decoding="async" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Wenn das Dark Web dein Leben rettet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Livia Helbing]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2015 11:40:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymität]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Arabischer Frühling]]></category>
		<category><![CDATA[Dark Web]]></category>
		<category><![CDATA[Deep Web]]></category>
		<category><![CDATA[Unterdrückung]]></category>
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					<description><![CDATA[Viele Regierungen auf dieser Welt zensieren Internetseiten und Messenger, um die Meinungsfreiheit zu beschränken und Proteste zu verhindern. Äußert man [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Knebel-Tor2.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-146948" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Knebel-Tor2.jpg" alt="Knebel Tor2" width="640" height="280" /></a>Viele Regierungen auf dieser Welt zensieren Internetseiten und Messenger, um die Meinungsfreiheit zu beschränken und Proteste zu verhindern. Äußert man seine Meinung doch öffentlich im Internet, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. Das Dark Web bietet die anonyme Alternative zum Surface Web und dient in vielen Krisengebieten als wichtige Kommunikations-Methode.</p>
<p>„Ich habe nichts zu verheimlichen“ sagen viele, wenn sie sich für ihren riskanten Umgang mit den eigenen Daten rechtfertigen oder wenn der Staat Gesetze erlassen will, die seinen Zugriff auf Daten vereinfachen. Aber haben wir nicht alle etwas zu verheimlichen? Jeder Mensch hat Träume, Wünsche, Ambitionen und Ängste, die er nicht mit Regierungen oder Unternehmen teilen möchte. Auch die Abfolge unserer Suchanfragen, auf welche Anzeigen wir klicken, wo wir im Internet die meiste Zeit verbringen und über was wir uns im Netz mit anderen Nutzern unterhalten, sind private Informationen, die wir möglicherweise nicht einmal unserem besten Freund anvertrauen würden. Doch Regierungen, Geheimdienste und US-amerikanische Unternehmen haben Zugriff darauf.</p>
<h3>90-95% des Internets nicht einsehbar</h3>
<p>Es gibt jedoch Möglichkeiten dieses transparente Internet, auch Surface Web genannt, zu verlassen und sich stattdessen im sogenannten Deep Web zu bewegen. Das Deep Web umfasst jene Seiten, die weder von Google noch von DuckDuckGo oder anderen Suchmaschinen indiziert werden. Schätzungen zufolge zeigen diese Suchmaschinen nur fünf bis zehn Prozent des tatsächlichen Inhalts des Internets an. Den Großteil des Deep Webs machen unsichtbare Datenbanken wie etwa die der NASA, von Regierungen oder Museen aus. Ein anderer Teil sind kostenpflichtige Inhalte von Internetseiten wie Kataloge oder Bibliotheken.</p>
<p>Klar vom Deep Web zu unterscheiden ist das „Dark Web“, das nur einen Teil des Deep Webs ausmacht. Das Dark Web ist ein verschlüsseltes Netzwerk, in das man in der Regel über den sogenannten Tor Browser gelangt. Ziel der Macher war es, sich von Strafverfolgern abzuschotten und anonyme und geheime Kommunikation zu ermöglichen. Die so geschaffene Anonymität war jedoch nicht nur für unterdrückte Revolutionäre aus Zensurstaaten hilfreich, sondern auch für Nutzer (kinder-)pornographischer Inhalte, Waffen- sowie Drogenhändler und deren Kunden. In erster Linie war das Dark Web jedoch insbesondere als Informations- und Kommunikations-Tool gedacht.</p>
<p>Tor („The Onion Router“) kann jeder Internet-Nutzer herunterladen. Die Zwiebel steht symbolisch für die drei Verschleierungsschichten, durch die die Informationen permanent laufen. Die erste „Schale“ ist der Server, der die Informationen von einer beliebigen Internetadresse entgegennimmt. Als nächstes werden die Informationen von einem anonymen Server an den nächsten weitergereicht. Der letzte Server schickt die Informationen an den Empfänger weiter. So ist die ursprüngliche IP-Adresse und damit die Identität nicht mehr nachzuverfolgen.</p>
<h3>Spionage gleich Todesstrafe</h3>
<p>Wenn Korruption, Ungleichheit und Unterdrückung an der Tagesordnung sind, bleibt den Menschen oft nur der Protest, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn in vielen Ländern auf dieser Welt ist es nicht selbstverständlich, dass wir uns frei im Internet bewegen. Oftmals werden Seiten wie Facebook, Amnesty International, YouTube oder Twitter von Regierungen zensiert. So auch während des Arabischen Frühlings, nachdem sich die Rebellen in erster Linie über soziale Netzwerke organisiert hatten. Online-Aktivisten, Journalisten und Blogger nutzten deswegen Tor, um sich weiterhin austauschen, informieren und anonym bleiben zu können.</p>
<p>Jacob Appelbaum, ein Mitentwickler von Tor, soll Nutzer im arabischen Raum sogar aktiv darin geschult haben, wie sie das Dark Web effizient und gefahrlos nutzen können. Dieser berichtete aber bei einem Treffen des „Chaos Computer Clubs“, derartige Aktionen seien zunehmend schwierig geworden, weil Tor inzwischen so populär geworden sei, dass Zensurstaaten alles daran setzen, gerade diesen Dienst zu blockieren. In Syrien werde beispielsweise der gesamte Internetverkehr gespeichert, sodass es dort sehr schwer werde, einzelne Verbindungen zu tarnen.</p>
<p>In einer <a href="http://motherboard.vice.com/read/buying-guns-and-drugs-on-the-deep-web-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reportage </a>von <a href="http://motherboard.vice.com/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">motherboard.vice.com</a> berichtete der iranische Journalist Ehsan Narouzi, wie er dem Druck und der Überwachung der iranischen Regierung ausgesetzt war. „When you know the government is watching you, you are trapped in your own self-censorship, even in your private conversations”. Man könne bereits der Spionage beschuldigt werden, nur weil man einen Anruf erhalte, in dem es darum gehe, was auf den Straßen los sei. Eine entsprechende Anklage würde in diesem Fall nur eines bedeuten – Todesstrafe.</p>
<h3>Anonymität als Versicherungspolice</h3>
<p>Kommunikationswege können in manchen Staaten also über Leben und Tod entscheiden. Das Dark Web bietet die Chance, seine Meinung kundzutun und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Anonymität ist hier eine Art Versicherungspolice, die einen gegen die totale Kontrolle schützen kann. Netzaktivist Sebastian Nerz ist sogar davon überzeugt, die Möglichkeit sich anonym zu äußern, sei Voraussetzung für echte Meinungsfreiheit in Staaten. Kriminelle, die diese Anonymität für ihre Zwecke ausnutzen, wird es immer geben. Wie Ehsan Narouzi es passend zusammenfasst: „We’re still free to choose. Ultimately it’s up to us: do we want the devil we know, or the devil we don’t.”</p>
<p>Bild: <a class="owner-name truncate" title="Geh zum Fotostream von Brian J. Matis" href="https://www.flickr.com/photos/brianjmatis/6723758731/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Brian J. Matis </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a></p>
<div id="yui_3_16_0_1_1443091126297_764" class="view follow-view clear-float photo-attribution"> <img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-130752" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x1101-305x53.png" alt="CC-BY-SA" width="305" height="53" /></div>
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		<title>Zusammen im Netz: Freundschaften im Wandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Livia Helbing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2015 11:23:34 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Zusammen im Netz - Beziehungen in Zeiten neuer Medien]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-14"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Kommunikation ist so einfach wie nie. Durch die technische Weiterentwicklung in den letzten Jahrzehnten können wir Smartphones und Social Media nutzen, um Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. Große Distanzen und teure Telefonpreise sind kein Hindernis mehr. Freundschaften werden so stärker – nicht schwächer.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Seit jeher ist Kommunikation zwischen Menschen unerlässlich für ein funktionierendes Sozialleben. Doch die Kommunikationswege haben sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert. Sie sind einfacher geworden. Facebook, Whatsapp, und Co. sind in unser Leben getreten. Wir benötigen weder Brieftauben, um Kontakt zu Familie und Freunden aufzunehmen, noch 37 Kilo schwere Handys. Aber was bedeutet das für unsere Freundschaften? Es ist fraglich, ob all unsere Facebook-Kontakte tatsächlich unsere Freunde sind, aber womöglich bedeutet Freundschaft von früher auch nicht mehr das, was sie vor ein paar Jahrzehnten bedeutete.</p>
<h3>Zeitreise der Kommunikation</h3>
<p>Während die Briten im 2. Weltkrieg noch über 250.000 Brieftauben zur Kommunikation miteinander einsetzen, wird 1946 bereits der erste Telefonanruf von einem Handy getätigt. Dass sich die Briten zuvor für die Brieftauben entscheiden, ist vermutlich nicht unklug – das erste Handy wiegt fast 37 Kilogramm. Heute können wir glücklicherweise auf die gefiederten Freunde verzichten. In den USA telefonieren heute über 34.000 Menschen pro Sekunde. 1971 kommt das Internet ins Spiel. Ray Tomlinson verschickt die allererste E-Mail. Auch wenn diese nur die kurze Distanz von einem Meter zu überwinden hat, stellt sie eine Revolution in der Kommunikation dar. Heute werden über 100 Trillionen Mails pro Jahr verschickt. Die Geschichte geht weiter mit der ersten SMS im Jahr 1992. Sie enthält die Nachricht „Frohe Weihnachten“ und geht an den Firmenchef von Vodafone. 2011 wurden 8.000.000.000.000 SMS verschickt. 1995 beobachten wir die Fusion des Internets und der Handy-Telefonie. VocalTec bringt Voice-over IP zur kommerziellen Nutzung auf den Markt und nennt es „Internet Phone“.</p>
<p>Mit TheFacebook setzt Mark Zuckerberg 2004 das Web 2.0 oder auch Social Media durch. Das Sozialleben wird nun nicht mehr allein durch Nachrichten, sondern auch durch Posts, Likes und Selfies aufrechterhalten. 2012 wurden täglich 250 Millionen Bilder hochgeladen und Facebookseiten-Zugriffe machen 20 Prozent des gesamten Webtraffic aus. Endgültig revolutioniert wird die Kommunikation jedoch durch Smartphones. Während es im Jahr 2007 „nur“ 500 Millionen internetfähige Handys gibt, werden sie 2012 bereits von 1.06 Milliarden Menschen genutzt &#8211; Tendenz steigend. Mit den Smartphones werden Apps wie der Facebook Messenger, Snapchat und insbesondere WhatsApp populär. SMS sind nun nicht nur zu teuer, sondern auch viel zu spartanisch. Sie verlieren an Bedeutung. Die rapide technische Weiterentwicklung hat die Kommunikationsmöglichkeiten im 21. Jahrhundert revolutioniert. Aber welchen Einfluss haben diese neuen Optionen auf unser Sozialleben? Entstehen Freundschaften so schneller? Halten sie länger? Was ist überhaupt Freundschaft?</p>
<h3>Die einzig wahre Freundschaft</h3>
<p>Aristoteles zufolge muss zunächst zwischen gleichen und ungleichen Freundschaften unterschieden werden. Letztere beschreiben beispielsweise das Verhältnis zwischen Familienmitgliedern. In gleichen Freundschaften verfügen beide Personen über dieselben Handlungsmöglichkeiten, die den Diskurs relativ herrschaftsfrei ablaufen lassen. Zudem wünschen sie sich beide dasselbe. Letztlich kommt es nach Aristoteles aber auf die Ursache der Zuneigung füreinander an. Hier differenziert er zwischen drei Arten:</p>
<p>Die <em>Nutzenfreundschaft</em> existiert lediglich aufgrund eines Zweckes. Fällt dieser Zweck weg, ist die Freundschaft gefährdet. Ein modernes Beispiel hierfür wären Arbeitskollegen, die sich im Büro sehr gut verstehen, aber außerhalb der Geschäftszeiten praktisch keine gemeinsamen Aktivitäten oder Kontakt pflegen. Die zweite Art ist die <em>Lustfreundschaft. </em>Die Freundschaft wird in diesem Fall durch ein bestimmtes Interesse, wie beispielsweise Basketball spielen, Horrorfilme sehen oder eine gemeinsame Musikrichtung ausgemacht. Beide Freundschaftsarten sind nach Aristoteles leicht lösbar und nur temporär, da sich die Objekte des Nutzens und der Lust für Menschen ändern.</p>
<p>Die einzig wahre und den ersten beiden überlegene ist die die <em>Tugendfreundschaft</em>. Sie fußt auf der Tugendhaftigkeit beider Personen, die nicht nur Nutzen und Lust, sondern auch das Gute im jeweils anderen suchen und finden. Es bedarf Zeit und Gewohnheit des Zusammenlebens zur Bildung eines solchen „Herzensbundes“. Außerdem kann man nicht eher aneinander Gefallen finden, und Freundschaft schließen, bevor durch gemeinsame negative und positive Erfahrungen gegenseitiges Vertrauen und Zuneigung geschaffen wurde.</p>
<h3>827 Facebbok-„Freunde“</h3>
<p>Böse Zungen behaupten diese dritte Form der Freundschaft könne gar nicht mehr existieren. Denn wie sollten 827 Facebook-„Freundschaften“ tatsächlich auf Tugendhaftigkeit beruhen? Suchen und finden wir das Gute in diesen unzähligen Online-Freunden oder basieren sie nicht vielmehr auf Nutzen und Lust? Nicht nur der moderne Freundschaftsbegriff allein wird oftmals in Frage gestellt, sondern auch die Form der Kommunikation. Wir würden uns in die digitale Welt verkriechen, pausenlos mit unseren Smartphones beschäftigt sein und uns lieber über WhatsApp, den Facebook Messenger oder ähnliche Apps unterhalten, anstatt unsere Freunde in der realen Welt zu treffen, behaupten viele. Beim Drang ständig erreichbar zu sein, nichts zu verpassen und nur ja ein Foto der frisch servierten Pizza beim Italiener auf Instagram hochzuladen, kann das Gegenüber schnell einmal in Vergessenheit geraten. Freundschaften seien oberflächlich geworden und Smartphones würden einsam machen.</p>
<p>Bei all den negativen Aspekten der technischen Weiterentwicklung, werden unzählige positive Aspekte gerne von Kritikern &#8211; oftmals selbst digital unerfahren &#8211; übersehen. Natürlich sind unsere 827 Freunde auf Facebook nicht unsere tatsächlichen Freunde. Der Ausdruck „Facebook-Freund“ hat vielmehr einen eigenen Status erreicht, der in den wenigsten Fällen als wahre Freundschaft zu verstehen ist. Aber sich immer wieder an der Begrifflichkeit zu stören ändert nichts an der Tatsache, dass Facebook uns den Kontakt zu Menschen ermöglicht, die womöglich auf der anderen Seite der Erde sitzen.</p>
<h3>Früher war alles besser?</h3>
<p>Die Welt ist globalisiert. „Mal eben“ für ein Jahr durch Neuseeland zu reisen, ist für viele nicht mehr unrealistisch. Auf Facebook können wir Freunde und Familie durch Bilder, Videos oder Standortmittleilungen an unseren Reisen teilhaben lassen. Wer seine Bilder und Videos aber nicht im Netz veröffentlichen will, versendet sie einfach über WhatsApp oder lädt sie auf Snapchat hoch. Hier sind sie sogar nur für 24 Stunden sichtbar. So fühlt es sich für die Familie durch Snapchat fast so an, als wäre sie live bei der Reise dabei. Zusätzlich werden wir unzählige neue Bekanntschaften machen. Aber wie Kontakt halten? Die sozialen Netzwerke machen es uns leicht.</p>
<p>Vor 30 Jahren hätte ein Anruf von Übersee nach Deutschland vermutlich die halbe Reisekasse aufgebraucht. Briefe und Postkarten mussten genügen. Diese hatten mit Sicherheit ihren Charme, aber warum auf kostengünstige Kommunikation in Form von Text-, Voice- und Videonachrichten verzichten?</p>
<p>Geographische Flexibilität ist Grundvoraussetzung, um im heiß umkämpften Arbeitsmarkt der modernen Welt bestehen zu können. Schon während des Studiums ist es nicht ungewöhnlich, wenn Bachelor und Master an unterschiedlichen Orten absolviert werden. Wir müssen uns daran gewöhnen, „neu“ zu sein. Sich dann wieder ein Leben aufzubauen und Kontakte zu knüpfen ist nicht immer leicht. Facebook-Gruppen wie „Neu in Berlin“ ermöglichen uns einen direkten Weg dahin. Einfach der Gruppe beitreten, einen netten Gruß posten und schon werden Leute darauf reagieren. Ein Treffen soll organisiert werden? Kein Problem: Einfach eine Umfrage in der Facebook-Gruppe starten oder gleich Handynummern austauschen, um sich im Gruppenchat bei WhatsApp zu organisieren. Gerne wird gesagt wir würden faul werden durch diesen technischen Fortschritt, wir würden verlernen wie man Kontakte von Angesicht zu Angesicht knüpft und wie man diese pflegt. Naja – warum einfach wenn es auch kompliziert geht?</p>
<h3> Herzensbund</h3>
<p>Der Begriff des Facebook-„Freundes“ stiftet Verwirrung. Davon abgesehen hat die technische Weiterentwicklung aber nicht dafür gesorgt, dass die Bedeutung von Freundschaften abnimmt. Im Gegenteil – Freundschaften zu pflegen ist viel einfacher geworden. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ zählt nicht mehr. Während wir früher zu faul waren, Kontakte über weite Distanzen durch Briefe und unbezahlbare Telefonpreise aufrecht zu halten, ist es jetzt ein leichtes zu erfahren, wie es der Studienfreundin während ihres Erasmus-Jahres in Budapest ergeht. Mit Apps wie WhatsApp sind wir weder finanziell noch technisch beschränkt.</p>
<p>Aristoteles Tugendfreundschaften sind heutzutage genauso gang und gäbe wie vor 5, 20 oder 50 Jahren. Die modernen Medien machen es uns lediglich leichter, unsere Freundschaften zu pflegen. Das Gute im jeweils anderen suchen und finden, durch gemeinsame negative und positive Erfahrungen gegenseitiges Vertrauen und Zuneigung schaffen, einen „Herzensbund“ bilden – all das verschwindet nicht durch Apps und Soziale Netzwerke. Wir müssen uns nur einlassen auf diese neuen Methoden der Freundschaftsfindung, denn die Welt steht nicht still und wir müssen uns mit ihr drehen.</p>
<p>Weitere Beiträge unserer Sommerreihe “Zusammen im Netz – Beziehungen in Zeiten neuer Medien”<a title="Dossier Sommerreihe &quot;Zusammen im Netz&quot;" href="http://politik-digital.de/category/themen/zusammen-im-netz-beziehungen-in-zeiten-neuer-medien/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> lesen Sie hier</a>.</p>
<p>Bild: <a href="https://pixabay.com/en/service/terms/#usage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 </a><a class="hover_opacity" href="https://pixabay.com/en/hand-friend-people-friendship-782688/">ju_sajjad0</a></p>
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