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	<title>Silvio Berlusconi &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Silvio Berlusconi &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Links, zwo, drei, vier (KW 3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 15:15:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
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		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[Internetzensur]]></category>
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					<description><![CDATA[Bilanz aus einem (netz-)politischen Barack Obama-Jahr, Thomas de Maizière stellt sich dem Netzaktivisten-Dialog, die SPD will online durchstarten und Berlusconi die Kontrolle über Internetvideos: Die News aus einer Woche Netzpolitik in der Linkliste.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bilanz aus einem (netz-)politischen Barack Obama-Jahr, Thomas de Maizière stellt sich dem Netzaktivisten-Dialog, die SPD will online durchstarten und Berlusconi die Kontrolle über Internetvideos: Die News aus einer Woche Netzpolitik in der Linkliste.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,672341,00.html#ref=rss" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SPD plant Online-Offensive</a>
</p>
<p>
Mit neuem digitalen Engagement wollen die Sozialdemokraten nun die Piratenpartei um einige Jungwähler ‚erleichtern&#8217;. Der SPD-Politiker Björn Böhning soll künftig gemeinsam mit dem niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD) die neue Onlinestrategie des Gesprächskreises Netzpolitik realisieren. Böhning kritisiert vor allem, dass man die Diskussionen um Netzsperren verschlafen habe, denen die SPD letztendlich ihre Zustimmung gab.<br />
<a href="http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EF808247A54A74CFD8D1FACF9DF1DD244~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Resümee nach einem (digitalen) Jahr Obama</a>
</p>
<p>
„Böses Erwachen in der realen Welt&quot;, zieht faz.net Bilanz nach dem ersten Regierungsjahr des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Was mit euphorisch betriebener, zielgruppenspezifischer Wahlwerbung und einer ausgeklügelten Internetstrategie begann, scheint in der non-virtuellen Politik an seine Grenzen zu stoßen. Die Professoren James Davis und Miriam Meckel haben Erfolg und Misserfolg der Obama-Politik mit Fokus auf die Offline-Realisierung analysiert.<br />
<a href="http://futurezone.orf.at/stories/1636538/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
Google vor Bundeskartellamt in Erklärungsbedrängnis</a>
</p>
<p>
Deutsche Verleger, die Preisvergleich-Maschine Ciao.de sowie der Kartendienst-Anbieter Euro-Cities reichten nun Beschwerde gegen den Suchmaschinenriesen Google beim Bundeskartellamt ein. Hauptsächlich, weil sich die Beschwerdeführer finanziell benachteiligt fühlen. Google soll nun über seine Produkte und Geschäftspraktiken aufklären und zeigt sich kooperativ.</p>
<p><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Zaeher-Datenschutz-Dialog-zwischen-Buergerrechtlern-und-Innenminister-907783.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Datenschutz-Dialog mit Innenminister de Maizière </a>
</p>
<p>
Als erster Part einer vier Dialoge umfassenden Diskussionsveranstaltung zu „Perspektiven deutscher Netzpolitik&quot; lud der Bundesinnenminister Thomas de Maizière vergangenen Montag Bürgerrechtler und Netzaktivisten zum Gespräch, um über „Datenschutz  und Datensicherheit im Netz&quot; zu diskutieren. Die Netzgemeinde wünsche sich vor allem mehr Integration in die Planungsprozesse neuer  Vorhaben, bevor sie entschieden werden. <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/im-protokoll-verfangen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogger Markus Beckedahl zieht eine enttäuschte Bilanz.</a><br />
<a href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Unternehmen-Google-China-Internet;art129,3006780" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></a>
</p>
<p>
<a href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Unternehmen-Google-China-Internet;art129,3006780" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google und China im Konflikt</a>
</p>
<p>
Nach chinesischen Hackerangriffen und Zensurvorgaben seitens der chinesischen Regierung drohe Google nun mit dem Rückzug aus dem chinesischen Internetmarkt. Die Regierung jedoch beabsichtige nicht, eine Ausnahme zu machen. Google wäre somit nicht die erste Firma, die sich vom chinesischen Markt zurückzieht. Große industrielle Nachteile entstünden für die Volksrepublik jedoch nicht, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
</p>
<p>
<a href="http://diepresse.com/home/techscience/internet/533781/index.do?_vl_backlink=/home/techscience/internet/index.do" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berlusconi will sie alle</a>
</p>
<p>
Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat es eh schon: das Medienmonopol. Nun hat er es sich zum Ziel gesetzt, auch noch über die Daseinsberechtigung von Web-TV  und Internetvideos zu entscheiden. Die beabsichtigte staatliche Kontrolle über Online-Videomaterial hinsichtlich der Urheberrechte sei vor allem der oppositionellen Demokratischen Partei ein Dorn im Auge, <a href="http://www.digitalfernsehen.de/news/news_875232.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diese befürchte den Beitritt in den „Club der Zensoren&quot;.</a>
</p>
<p>
<a href="http://www.datenschutz-praxis.de/fachwissen/fachnews/film-informiert-uber-den-bundesbeauftragten-fur-den-datenschutz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schaar veröffentlicht Kurzfilm zu seinem Job</a>
</p>
<p>
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nutzt nun einen <a href="http://www.bfdi.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Kurzfilm auf seiner Homepage</a>, um seine Arbeit und Aufgabengebiete transparenter zu machen. Das Video thematisiert Datensicherheit und Informationsfreiheit und lässt zudem Bürger zu Wort kommen. Für Datenschutz-Experten sei der Film sicher nichts Neues, so datenschutz-praxis.de, jedoch sei er durchaus für Schulungen geeignet.</p>
<p></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Links, zwo, drei, vier (KW 51)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Kemmerich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 16:01:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[Nichtraucher]]></category>
		<category><![CDATA[Chaos Computer Club]]></category>
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		<category><![CDATA[Filesharing]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Chaos Computer Club duelliert sich mit der Urheberrechtslobby, der
neue Innenminister setzt auf Dialog mit der Netzgemeinde. Italienische
Blogger und bayerische Nichtraucher machen im Netz mobil. Dies und mehr in der aktuellen Linkliste.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Chaos Computer Club duelliert sich mit der Urheberrechtslobby, der<br />
neue Innenminister setzt auf Dialog mit der Netzgemeinde. Italienische<br />
Blogger und bayerische Nichtraucher machen im Netz mobil. Dies und mehr in der aktuellen Linkliste.</p>
<p>
<!--break-->
</p>
<p>
<a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2009-12/ccc-filesharing-gaycken" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CCC vs.GVU &#8211; Ist Filesharing politisch?</a>
</p>
<p>
Auf zeit.de antwortete der Chaos Computer Club (CCC) unter dem Titel &quot;Die Politische Dimension des Teilens&quot; auf einen<a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2009-12/filesharing-demokratie-gaycken" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Text von Sandro Gaycken</a><br />
zum Thema Filesharing. Christian Sommer wiederum &#8211; <br />
Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft zur Verfolgung von<br />
Urheberrechtsverletzungen &#8211; beharrt dagegen in seiner Antwort darauf: <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2009-12/filesharing-sommer-warner?page=1" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;Filesharing ist nicht politisch&quot;</a>.
</p>
<p>
<a href="http://www.welt.de/webwelt/article5456770/Es-geht-dem-Staat-nicht-um-Zensur-des-Internets.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Innenminister will Dialog mit der Netzgemeinde</a>
</p>
<p>
In der Welt bewirbt der neue Bundesinnenminister Thomas de Maizière<br />
seine netzpolitischen Vorstellungen und wünscht sich einen Dialog mit<br />
der Netzgemeinde. Der Staat sei keine bedrohende Instanz, betont der<br />
CDU-Politiker.
</p>
<p>
<a href="http://www.sueddeutsche.de/W5X388/3181934/Rauchfreies-Netz.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bayerische Nichtraucher nutzen das Netz zur Koordination<br />
</a>
</p>
<p>
Das Volksbegehren &quot;für echten Nichtraucherschutz&quot; in Bayern hat fast<br />
1,3 Millionen Bürger zur Unterschrift bewegen können. Der Organisator<br />
der Nichtraucherschutzinitiative, Sebastian Frankenberger, hat dabei<br />
vor allem auf das Internet gesetzt. Eine Netzbewegung ist auf diese<br />
Weise entstanden, die allein <a href="http://www.facebook.com/pages/Volksbegehren-Fur-echten-Nichtraucherschutz/77572014149?ref=mf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bei Facebook fast 14.000 Unterstützer</a> zählt.
</p>
<p>
<a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/30/0,3672,7956798,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IT-Gipfel &#8211; Licht und Schatten in Stuttgart<br />
</a>
</p>
<p>
Eine durchwachsene Bilanz  des diesjährigen IT-Gipfels in Stuttgart<br />
zieht Alfred Krüger für heute.de. Neue Projekte oder Initiativen seien<br />
nicht in Sicht &#8211; dafür hat Krüger von der Politik &quot;neue Töne&quot; gehört.
</p>
<p>
<a href="/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neue E-Government-Engagements in Europa</a>
</p>
<p>
Obamas E-Government-Deklaration setzt neue Standards in Bezug auf<br />
Datentransparenz von Regierung und Behörden. Was sich in Sachen Open<br />
Data in Deutschland und Europa tut, fasst futurezone.orf.at zusammen.
</p>
<p>
<a href="http://www.thebobs.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beste Blogs für Meinungsfreiheit gesucht</a>
</p>
<p>
Die Deutsche Welle (DW) und Reporter ohne Grenzen (ROG) zeichnen in<br />
14 Kategorien Blogger und Blogs aus. Zum Beispiel werden<br />
Netzaktivisten- und projekte gesucht, die sich in herausragender Weise<br />
für freie Meinungsäußerung einsetzen. Bis zum 14. Februar 2010 können <br />
Internetuser weltweit über thebobs.com Vorschläge für die<br />
Auszeichnungen der Blog-Awards einzureichen.
</p>
<p>
<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,665613,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google Zugriff einschränken</a>
</p>
<p>
Die Datenkrake Google wird immer mächtiger. Der User muss aber nicht<br />
machtlos sein. Mit ein paar einfachen Tipps und Tricks kann dem<br />
Datenhunger von Google begegnet werden, Spiegel Netzwelt zeigt wie.
</p>
<p>
<a href="http://www.welt.de/die-welt/politik/article5448692/Tausende-tragen-lila-gegen-Berlusconi.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Italienische Netz-Massenmobilisierung gegen Berlusconi<br />
</a>
</p>
<p>
Beim <a href="http://www.noberlusconiday.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&quot;No-B-Day&quot;</a><br />
am 5. Dezember 2009 in Rom haben Zehntausende gegen Berlusconi<br />
demonstriert. Proteste gegen den italienischen Regierungschef gab es in<br />
der Vergangenheit schon häufiger. Neu ist dagegen, dass der Protestzug<br />
fast ausschließlich von Bloggern über das Internet organisiert wurde.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Merkel immun gegen Berlusconis Altherren-Charme&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/merkel-immun-gegen-berlusconis-altherren-charme-3846/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 15:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[Lega Nord]]></category>
		<category><![CDATA[Neapel]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Greiner]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Romano Prodi]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 15.4.08, war Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom,  zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Er sprach über Berlusconis Sieg bei den Parlamentswahlen, Korruptionsvorwürfe, italienische Politikverdrossenheit und Müllentsorgungsprobleme in Neapel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 15.4.08, war Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom,  zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Er sprach über Berlusconis Sieg bei den Parlamentswahlen, Korruptionsvorwürfe, italienische Politikverdrossenheit und Müllentsorgungsprobleme in Neapel.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich<br />
willkommen zum tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Mein Name<br />
ist Ulrich Bentele, ich werde diesen Chat in der kommenden Stunde moderieren. Unser<br />
Gast heute ist aus Rom zugeschaltet: Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent.<br />
Herr Greiner, kann es losgehen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Ja, gerne.
</p>
<div align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/pgreiner250x.jpg" height="222" width="177" />
</div>
<div align="center">
<br />
<i>Philipp Greiner (ARD-Korrespondent)<br />
</i>
</div>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie haben Sie die<br />
Wahlnacht erlebt?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
&quot;Nacht&quot; im engeren Sinne war kurz. Bis elf abends haben wir die<br />
italienischen Medien verfolgt und so gegen sechs waren die ersten<br />
&quot;Live-Auftritte&quot; in den deutschen Radiomagazinen.</p>
<p><b>seba:</b> Warum wählen die Italiener<br />
eigentlich immer wieder Herrn Berlusconi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Naja, abwechselnd<br />
wählen sie ihn ja auch nicht.</p>
<p><b>Martin:</b> Laufen zurzeit eigentlich<br />
noch Gerichtsverfahren gegen Berlusconi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Ja, es gibt noch<br />
eins, soweit ich weiß. Und sorry an seba. Ernsthaftere Antwort: Weil das<br />
Mitterechts-Lager ihn aufstellt- die denken wohl, sie haben keinen<br />
Zugkräftigeren. </p>
<p><b>Moderator</b>: Welche Vorwürfe gegen<br />
Berlusconi stehen denn noch im Raum?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>:<br />
&quot;Korruption&quot;- das ist ein Verfahren im Zusammenhang mit dem Handel<br />
mit Filmrechten. Dieser Prozess war aber schon vor der Wahl ausgesetzt, und<br />
solange Herr Berlusconi im Amt ist, wird er wohl auch nicht wieder aufgenommen.</p>
<p><b>nora<br />
barnacle:</b> Herr Greiner, ist das verfügbare<br />
politische Personal in Italien so verbraucht oder sind die Italiener so<br />
politikverdrossen, dass sie zum dritten Mal Berlusconi wählen? </p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
&quot;Verdrossenen&quot; gehen wohl gar nicht wählen. (Das waren diesmal knapp<br />
20 Prozent &#8211; für Italien ist das viel.) Und Veltroni wäre für die nationale<br />
Politik relativ frisch gewesen, obwohl er auch schon Minister in Rom war. </p>
<p><b>Huschke:</b> Wie kommt es, dass die<br />
konservativen Kräfte in Italien sich nur auf diesen Medienmenschen Berlusconi<br />
einigen konnten?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
habe ich mich auch schon gefragt, und mit dieser Frage bin ich auch mal im<br />
&quot;Corriere della sera&quot; zitiert worden. Das war zwar nur auf Seite 11,<br />
aber ich war trotzdem sehr stolz, in der Zeitung zu stehen. Es hängt aber wohl<br />
mit seinem Reichtum und seiner mittlerweile erwiesenen Wirksamkeit auf die<br />
Wähler zusammen. Mit dem Reichtum hat er sich eine eigene Partei basteln<br />
können.</p>
<p><b>manila:</b> Nachfrage: Was waren denn jetzt die ausschlaggebenden<br />
Gründe für die Berlusconi-Wahl (nach der damaligen Abwahl)?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ein<br />
Grund: Das schlechte Bild, das die Prodi-Regierung abgegeben hat. Viel Streit<br />
zwischen den Koalitionsparteien und wenig erkennbare, effiziente<br />
Regierungsarbeit. Anderer Grund: Viele wollten &#8211; egal von welcher Seite, links<br />
oder rechts &#8211; eine stabile Regierung mit deutlicher Mehrheit; für die war es<br />
logisch, den in den Umfragen vorn Liegenden zu wählen. Es gibt noch mehr<br />
Gründe.</p>
<p><b>Velbert:</b> Was wird denn jetzt aus Romano Prodi?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Der hat sinngemäß<br />
gesagt, er wird jetzt hauptberuflicher Opa.</p>
<p><b>ts:</b> Wie erklären Sie sich das<br />
schlechte Abschneiden der &quot;Regenbogen-Linke&quot;?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Der<br />
wird die Hauptschuld an dem erwähnten vielen Koalitions-Gezänk gegeben.<br />
Außerdem gehören dazu einige Kommunisten, die man wohl ohne zu viel zu werten<br />
als allzu orthodox oder &quot;altlinks&quot; bezeichnen kann. Und dann war auch<br />
nicht ganz klar, wofür dieses Bündnis, zu dem auch die Grünen gehörten, denn<br />
nun genau steht.
</p>
<p>
<b>Aristarch:</b> Trotz<br />
Wahlpflicht sinkt die Wahlbeteiligung &#8211; ein Zeichen für die<br />
Politikverdrossenheit. Interessiert das irgendjemanden (Politiker oder so etwas<br />
wie eine APO) eigentlich?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Die Wahlpflicht ist<br />
de facto abgeschafft. Ich bin nicht ganz sicher, ob per Gesetz, oder ob das nur<br />
per Gewohnheitsrecht nicht mehr kontrolliert wird. Und die Wahlbeteiligung<br />
interessiert die Leute schon: Es war in den letzten Tagen viel vom<br />
&quot;astensionismo&quot; die Rede, der Enthaltung, die grassieren könnte. Man<br />
war dann froh, dass die 80 Prozent überschritten worden sind.
</p>
<p>
<b>Maiha:</b> Großen Anteil<br />
am Sieg der pdl hatte die Lega Nord. Wie stark wird ihr Einfluss in der neuen<br />
Regierung und was bedeutet ein möglicher verstärkter Föderalismus für Italien?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner: </b>Die Nord-Politiker äußern sich seit gestern Abend SEHR<br />
selbstbewusst. Sie sollen laut Berlusconi zwei der zwölf Ministerien kriegen.<br />
Verstärkter Föderalismus kann aus meiner (in der BUNDES-Republik Deutschland<br />
geprägten) Sicht nicht schaden. Zum Beispiel wäre &#8211; wenn man schon ein<br />
Zwei-Kammer-Parlament hat &#8211; so was wie der Bundesrat gescheiter als zwei<br />
gleichberechtigte Kammern.
</p>
<p>
<b>Corradina:</b> Wie kann<br />
man das erneute Erstarken der Lega Nord erklären?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
könnte sogar mit dem Müll in Neapel zusammenhängen, da hat man sich auch von<br />
der Mitte Italiens ab nach Norden ziemlich geniert. Und dann sind die so<br />
populistisch, dass sie bei schlichteren Menschen mit ihren Sprüchen ankommen.<br />
Außerdem die Wirtschaft, die auch im reichen Norden kriselt.</p>
<p><b>Kritiker:</b> Warum schaffen es die Italiener nicht, den Müll in Neapel<br />
zu beseitigen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Gute<br />
Frage. Altes Problem. Seit 20 Jahren ungefähr wird der Bau von Verbrennungsanlagen<br />
(oder auch erst mal Deponien) nach dem Sankt-Florians-Prinzip blockiert. Kein<br />
Ort will so was. Da sind übrigens die Grünen und die Linken nicht unschuldig.<br />
Und dann trennen die im Süden auch nicht so gern den Müll.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>ombelico:</b> Warum divergieren die Auslandssicht und Italiens Sicht auf<br />
Berlusconi so? Gibt es Länder, in denen Berlusconi weniger kritisch gesehen<br />
wird als z.B. in DE, FR oder UK?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Als<br />
Spötter oder Berlusconi-Feind würde ich sagen, dass wahrscheinlich<br />
halbverrückte afrikanische Despoten oder Bananenrepublikspräsidenten ihn gut<br />
finden. Aber: Alle Länder und ihre Berlusconi-Wahrnehmung kenne ich nicht so.<br />
Die Italiener haben jedenfalls &#8211; zu einem größeren Teil als ihre europäischen<br />
Nachbarn &#8211; vor dem Selfmade-Milliardär eher Respekt, als dass sie den Reichtum<br />
suspekt finden &#8211; und wenn er ihn manchmal mit nicht ganz legalen Mitteln<br />
erworben und gemehrt hat. Dann gibt es viele Italiener (sagen auch Italiener),<br />
die das selber auch so tun (würden).</p>
<p><b>HolgerT:</b> Was ist von Berlusconi zu halten &#8211; kann der wirklich wie<br />
Thatcher als ganz neuer Mensch regieren, wie er versprochen hat?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ich<br />
habe noch nicht mal verstanden (oder nicht mehr gut in Erinnerung), was er<br />
meinte, er werde Thatcher in ihrer zweiten Amtszeit nacheifern. Hat die sich so<br />
geändert nach der ersten? Berlusconi kann sich bestimmt ändern und ich könnte<br />
mir vorstellen, dass er mit Blick auf das Staatspräsidentenamt, das er<br />
angeblich anstrebt, versucht, auch bei seinen Kritikern populärer zu werden.<br />
Das hieße dann, dass er sich mäßigt. Mal schaun!<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>wolfi:</b> Was will Berlusconi mit der Aussage, er wolle wie Thatcher<br />
regieren, eigentlich sagen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Mir<br />
fällt dazu als erstes ein: Die Macht der Gewerkschaften brechen. (In<br />
Rechts-Regierungs-Zeiten gibt es in Italien üblicherweise mehr politisch<br />
motivierte Streiks.) Und: Wirtschaftsliberalismus, beispielsweise Lockerung des<br />
Kündigungsschutz und andere Maßnahmen zur Belebung des Arbeitsmarkts.</p>
<p><b>illy:</b> Wird die &quot;neue&quot; Regierung nun dringend<br />
notwendige Reformen in Angriff nehmen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Das ist der Appell,<br />
den heute auch die Kommentatoren von links an sie richten. Die Mehrheiten hat<br />
sie schließlich. Symbolisch wird es damit beginnen, dass das Kabinett in Neapel<br />
tagt und so den Müll sozusagen höchstpersönlich wegschafft!</p>
<p><b>Heinrich 2.:</b> Was hat die Regierung<br />
Prodi eigentlich vor Ihrem Zusammenbruch bewegen können?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Nun, die<br />
Staatsfinanzen haben sich ein bisschen mehr in Richtung<br />
Euro-Stabilitäts-Kriterien bewegt als unter der vorigen Regierung Berlusconis.<br />
Über irgendeine Art Gleichstellungsgesetz &#8211; oder was Ähnliches wie die<br />
französischen PACS &#8211; ist immerhin diskutiert worden, im katholischen Italien<br />
ist das schon was.</p>
<p><b>WileyCoyote:</b> Hat Berlusconis<br />
Medienmacht eigentlich Einfluss darauf, dass er wiedergewählt wurde? Wie<br />
verhalten sich seine Sender nun wirklich politisch?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Mein<br />
Eindruck ist, dass mindestens zwei der drei Berlusconi-Programme hauptsächlich<br />
ihre Zuschauer verblöden. Aber wer nur dumme Quizze anguckt und ähnliches, ist<br />
weniger gut informiert; und wer weniger gut informiert ist, wählt eher<br />
populistische Politiker. Und zu denen rechne ich ihn. Es gibt aber auch eine<br />
linke Satire-Sendung auf einem Berlusconi-Kanal, die mindestens so oft<br />
Konservative durch den Kakao zieht wie Linkere.</p>
<p><b>abc:</b> Welche Rolle spielt für die<br />
Italiener denn die internationale Repräsentation des Landes, wenn sie jemanden<br />
wie Berlusconi immer wieder wählen?</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Einerseits wird<br />
schon immer wieder in den italienischen Zeitungen berichtet, wenn der<br />
&quot;Economist&quot; usw. ihn fertigmachen. Andererseits gibt es dann auch so<br />
&#8216;ne Art Solidarisierungseffekt, so nach der Devise: Wir lassen uns auch unsere<br />
schlechten Politiker vom Ausland nicht noch schlechter machen!</p>
<p><b>Tru:</b> Und was mit der RAI &#8211; wie sehen<br />
die Kollegen dort den Machtwechsel und wie stark kann Berlusconi hier Einfluss<br />
ausüben?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
RAI untersteht schon immer dem Parteien-Proporz. Es steht zu hoffen, dass es da<br />
&#8211; wie in der letzten Zeit &#8211; anteilig Pöstchen und Pfründe für alle Lager gibt.<br />
Ich gestehe, dass ich gar nicht auswendig weiß, wann da die nächsten wichtigen<br />
Positionen zu besetzen sind.</p>
<p><b>Moderator</b>: Es folgt eine kritischen<br />
Anmerkung eines Users:</p>
<p><b>dlongo:</b> Als Italiener muss ich hier einmal sagen, dass der Ausdruck<br />
&quot;die Italiener&quot; nicht ganz korrekt ist: So wie ich haben viele meiner<br />
Landsleute (60%)  nicht direkt<br />
Berlusconi gewählt oder bewundern ihn. Also es wäre besser zu sagen, &quot;die<br />
Berlusconi-Anhänger&quot;. In Deutschland sind ja auch nicht gleich alle für &quot;la<br />
Merkel&quot;. Zudem: auch Süditaliener trennen ihren Müll, auch wenn nicht<br />
direkt in 4 verschiedene Tonnen vor der Haustür (ähnlich wie auch im Flughafen<br />
München).</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zwei Fragen zusammen<br />
gefasst:</p>
<p><b>wolfi:</b> Wird eigentlich immer noch an<br />
einem neuen Wahlverfahren gearbeitet und was könnte das bei der jetzigen<br />
Konstellation für die kleinen Parteien bedeuten?</p>
<p><b>muhaha0815:</b> Gibt es schon konkrete<br />
Pläne, wie Berlusconi das Wahlrecht reformieren will? Wenn ja, wie sehen die<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Die<br />
Kritik akzeptiere ich. Das war (wie manches Andere auch) unordentlich<br />
formuliert &#8211; &quot;die&quot; Italiener ist oft nur &quot;die Mehrheit der<br />
Italiener, die wählen gegangen sind&quot; usw. &#8211; Aber der Anteil am getrennt<br />
eingesammelten Müll in Süditalien ist nach amtlichen Erhebungen geringer als in<br />
der Mitte oder gar im Norden Italiens. Zum Wahlrecht: Da ist mir noch kein<br />
Entwurf bekannt. Und das wäre eines der Felder, bei<br />
denen sich zeigen wird, ob Berlusconi, so wie er es gestern Abend angekündigt<br />
hat, mit der Opposition zusammenarbeitet. Dann müssten sie alle gemeinsam<br />
überlegen, mit welchem System man die nächsten Jahrzehnte leben (und wählen)<br />
kann.</p>
<p><b>fm:</b> Wie sieht die Zukunft der italienischen Parteienlandschaft<br />
aus? Amerikanisches System?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Nicht<br />
ganz, denke ich. Immerhin ist zwischen den beiden großen Lagern die<br />
christdemokratische UDC nicht ganz zerrieben worden. Denkbar wäre zum Beispiel<br />
eine Situation wie in der Bundesrepublik in den 60er- bis 80er-Jahren, wo ja<br />
auch die kleine FDP mal mit der Union und mal mit der SPD regiert hat. Aber das<br />
ist keine Prognose. Da kommt die vorherige Frage nochmal ins Spiel: Das wird<br />
vom künftigen Wahlrecht abhängen.
</p>
<p>
<b>Herr Martin:</b> Warum ist<br />
die Parteienlandschaft in Italien eigentlich so relativ zersplittert &#8211;<br />
abgesehen von der jetzigen doch deutlichen Konzentration?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Zum<br />
Teil hängt das wohl mit persönlicher Eitelkeit der Parteichefs zusammen. Die<br />
sogenannten &quot;Sozialisten&quot;, die jetzt bei der Wahl völlig eingegangen<br />
sind, hätten sich gut auf die ganz Linke und die gemäßigte Linke verteilen<br />
können, aber dann wäre ihr Vorsitzender nicht so oft ins Fernsehen gekommen.
</p>
<p>
<b>mano a mano:</b> Was<br />
meinen Sie, welche Rolle die Opposition jetzt in der Regierung Berlusconi<br />
spielen kann?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Ich<br />
will nicht kleinlich sein, aber &quot;die Opposition in der Regierung&quot; &#8211;<br />
das wäre dann die Lega Nord. Die werden durchaus stören können; das sind die,<br />
die gerne mal &quot;zu den Gewehren greifen&quot; oder &quot;auf Rom<br />
marschieren&quot; wollen, wenn ihnen was nicht passt. Die Opposition links von<br />
der künftigen Regierung ist ziemlich machtlos, aber Berlusconi hat versprochen<br />
sie bei manchen Fragen, wo es angebracht ist (z.B. Wahlrecht), einzubinden.</p>
<p><b>Peloso:</b> Wie verstehen sich eigentlich Berlusconi und Merkel &#8211;<br />
besser als Prodi und Merkel?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Oh<br />
je: Ich habe keine Informationen über ein schlechtes Verhältnis Prodi/Merkel!<br />
Vielleicht wissen Sie das besser. Aber wenn ich an den Gesichtsausdruck denke,<br />
mit dem Frau Merkel die Handküsse französischer Präsidenten entgegennimmt,<br />
nehme ich an, dass sie gegen den<br />
Altherren-Charme des gelifteten Berlusconi ziemlich immun ist.</p>
<p><b>fm:</b> Welche Rolle spielte die Kirche bei diesen Wahlen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Etwa<br />
dieselbe wie sonst auch: Man schätzt den Einfluss katholischer Wahlappelle, die<br />
natürlich nicht offiziell von der Bischofskonferenz oder gar aus der Kurie<br />
kommen, auf rund drei Prozent. Da allerdings<br />
die Christdemokraten mit Ach und Krach den Einzug ins Parlament geschafft<br />
haben, als einzige der ganz- und mittel-kleinen Parteien, waren die drei<br />
Prozent (wenn&#8217;s stimmt) diesmal dann doch wichtiger als sonst.</p>
<p><b>Tulip:</b> Was ist eigentlich dran, dass<br />
Berlusconi Gesetze zu seinen Gunsten geändert hat &#8211; können Sie da ein Beispiel<br />
nennen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Bei<br />
Bilanzfälschung ist das Höchststrafmaß herabgesetzt worden, womit dann<br />
automatisch die Verjährungsfrist kürzer war; so war er aus dem Schneider. Beim<br />
Gesetz über den &quot;Interessenkonflikt&quot; (Unvereinbarkeit von<br />
wirtschaftlicher und politischer Tätigkeit) war die Formulierung so, dass Berlusconi<br />
zwar nicht mehr als Präsident von AC Mailand fungieren durfte, aber seine<br />
Medienunternehmen durfte er als Ministerpräsident behalten.</p>
<p><b>wolfi:</b> Wird Berlusconi versuchen,<br />
die unabhängige Justiz stärker in die Abhängigkeit der Regierung zu ziehen? Von<br />
Staatsanwälten scheint er keine hohe Meinung zu haben?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
war einer seiner letzten Klöpse im Wahlkampf: Staatsanwälte sollten &#8211; sagte er<br />
&#8211; alle paar Jahre zum psychologischen Test, wie unbelehrbare Verkehrssünder.<br />
Ich glaube aber, dass er in puncto Justizreform jetzt erst mal stillhalten<br />
wird. Schon seinem Image zuliebe.</p>
<p><b>fm:</b> Inwieweit kann Staatspräsident Napolitano die Politik<br />
Berlusconis beeinflussen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>:<br />
Wenig. Er kann Gesetze nicht unterzeichnen, die er für verfassungswidrig hält,<br />
wie Köhler. Das ist Berlusconi 2001 bis 2006 zweimal passiert, für italienische<br />
Verhältnisse war das oft. Und daher beide Male ziemlich peinlich. Da wird er<br />
wohl diesmal besser aufpassen.
</p>
<p>
<b>nora barnacle:</b> Welche<br />
Konsequenzen wird die Wiederwahl Berlusconis für Europa nach sich ziehen?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>: Das<br />
wird, glaube ich, nicht so schlimm. Bei den wenigen Äußerungen Berlusconis nach<br />
der Wahl war was dabei, was nach einer europafreundlicheren Außenpolitik als<br />
2001 bis 2006 klang. Und EU-Kommissar Frattini, den er zum Außenminister machen<br />
will, ist ja ein guter Europäer. Andererseits ist Berlusconi etwas<br />
unberechenbar. Aber warum sollte er uns nicht auch mal positiv überraschen?!</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Mit-Chatter, die<br />
Stunde ist fast um, Zeit für eine allerletzte Frage:
</p>
<p>
<b>Tedesco:</b> Auch wenn es<br />
schwer ist und allgemein: Welches Image hat Deutschland eigentlich in Italien?
</p>
<p>
<b>Philipp Greiner</b>:<br />
Wahrscheinlich kennen Sie den Spruch: „Die Deutschen lieben die Italiener, aber<br />
sie achten sie nicht. Die Italiener achten die Deutschen, aber sie lieben sie<br />
nicht.&quot; Da ist was dran. Aber es gibt viele Italiener, die beispielsweise die<br />
Sauberkeit in deutschen Städten sehr schätzen, und die Stabilität unserer<br />
Regierungen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: So, das war<br />
unser Chat für heute. Vielen Dank an die User, die viele interessante Fragen<br />
gestellt haben. Leider konnten wir nicht alle davon berücksichtigen. Ein<br />
besonderer Dank geht an Herrn Greiner nach Rom! Schön, dass Sie sich die Zeit<br />
genommen haben! Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen Tag.</p>
<p><b>Philipp Greiner</b>: Hat Spaß gemacht.<br />
Tschuldigung an &quot;abc&quot; &#8211; an der Frage habe ich vorbeigeredet, es aber<br />
zu spät gemerkt. Ciao aus Rom!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Chat zur Wahl in Italien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2008 11:06:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 15. April,  von 14 bis 15 Uhr ist der ARD-Italienkorrespondent Philipp Greiner zu Gast im tagesschau-Chat zu den Parlamentswahlen in Italien.  <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fragen können Sie jetzt schon hier stellen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 15. April,  von 14 bis 15 Uhr ist der ARD-Italienkorrespondent Philipp Greiner zu Gast im tagesschau-Chat zu den Parlamentswahlen in Italien.  <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fragen können Sie jetzt schon hier stellen.<!--break--></a></p>
<p>
Erdrutschsieg für Silvio Berlusconi:  Mit deutlichem Vorsprung hat der<br />
Oppositionsführer die Parlamentswahlen in Italien gewonnen und kehrt<br />
nun an die Macht zurück. Fast sieben Punkte Vorsprung im<br />
Abgeordnetenhaus, fast neun Prozent im Senat – mit einer klaren<br />
Mehrheit wird der 71-Jährige Medienmogul mit seiner<br />
Mitte-rechts-Koalition Italien künftig regieren können.</p>
<p>Die<br />
Deutlichkeit des Sieges überrascht viele. Haben die Italiener<br />
Berlusconis nicht bereits zweimal mit Schimpf und Schande aus den<br />
Ämtern gejagt? Wollen Sie sich seinen  sowohl autoritären als auch<br />
exzentrischen Politikstil ein weiteres Mal zumuten? Was ist aus den<br />
Vorwürfen der Mafia-Nähe geworden? <br />
Berlusconi selbst will sich neu<br />
präsentieren. Noch in der Wahlnacht teilte er den Italienern mit, er<br />
sei ein anderer geworden: „Ich bin nicht mehr der Ministerpräsident aus<br />
dem Jahre 2001.“ Als neues Vorbild gibt er Margaret Thatcher aus. Doch<br />
in vielen europäischen Hauptstädten schaut man mit skeptischen Blick<br />
nach Rom: Wie wird sich dieses Mal die Zusammenarbeit mit<br />
Berlusconi-Italien entwickeln?</p>
<p>Italien nach der Parlamentswahl –<br />
dazu heute der tagesschau-Chat im Zusammenarbeit mit politik-digital.de<br />
mit Philipp Greiner, ARD-Hörfunkkorrespondent in Rom. Von 14.00 Uhr bis<br />
15.00 Uhr stellt sich Greiner live Ihren Fragen. <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Diese können Sie schon jetzt stellen.</a><span style="font-weight: bold"></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Steiniger Weg nach Digitalien</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/steiniger-weg-nach-digitalien-3702/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jan 2008 15:43:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[TV-Markt]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Digitales Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Romano Prodi]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Jahren verletzt Italiens Fernsehmarkt EU-Normen. Jetzt zwingen die Brüsseler Wettbewerbshüter Premier Romano Prodi zu einem neuen Rundfunkgesetz. Der Umstieg ins Digital-Fernsehen soll für mehr Vielfalt in der Berichterstattung sorgen. Berlusconi sieht seine Medienmacht in Gefahr und blockiert das Vorhaben.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Jahren verletzt Italiens Fernsehmarkt EU-Normen. Jetzt zwingen die Brüsseler Wettbewerbshüter Premier Romano Prodi zu einem neuen Rundfunkgesetz. Der Umstieg ins Digital-Fernsehen soll für mehr Vielfalt in der Berichterstattung sorgen. Berlusconi sieht seine Medienmacht in Gefahr und blockiert das Vorhaben.<br />
<!--break--></p>
<p>
Francesco di Stefano konnte sich eigentlich glücklich schätzen. Als Italiens Verfassungsgericht 1999 eine Neuordnung des konzentrierten Rundfunkmarkts beschließt, gelingt es dem Gründer und Chef des Senders Europa 7, jene landesweite TV-Lizenz zu ersteigern, die <a href="http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=68&amp;RID=1">Silvio Berlusconis</a> Privatsender Rete 4 laut Gericht entzogen werden muss.
</p>
<p>
Startbereit warten die Mitarbeiter des riesigen Produktionszentrums in Rom mit seinen acht Studios, Ende 1999 endlich auf Sendung gehen zu können. Europa 7 wartet bis heute. Medienunternehmer und Politiker Berlusconi durfte sein Rete 4 dank Sondererlaubnis des zuständigen Ministeriums weiter ausstrahlen. Als die obersten Richter 2002 Berlusconi erneut zur Abgabe eines Senders verurteilen, um neue Wettbewerber zu gewinnen, ist dieser inzwischen Premierminister. Mit dem maßgeschneiderten Gasparri-Gesetz sichert er seiner führenden Privatsenderkette Mediaset den Bestand. Die erworbenen Frequenzen wurden Europa 7 nie zugeteilt. Ironisch prangt auf deren <a href="http://www.europa7.it/">Internetseite</a> neben dem goldenen Senderemblem: „La TV che non c’e“, das Fernsehprogramm, das es nicht gibt. Der Fall Europa 7 macht deutlich, wie Medienpolitik auf italienisch aussieht. Seit Mai 2006 ist Berlusconi-Gegenspieler <a href="http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1505&amp;RID=1">Romano Prodi</a> Ministerpräsident. Geändert hat sich am Mediengesetz unter dessen Mitte-Links-Bündnis trotzdem<br />
nichts.
</p>
<p>
<b>EU beklagt geringe Eintrittschancen für neue TV-Anbieter </b>
</p>
<p>
Jetzt will die Europäische Union Italien zu einer Rundfunkreform zwingen. Bereits im Sommer 2006 leitete die EU-Wettbewerbskommission ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Vergangenen Juli <a href="http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/1114&amp;format=HTML&amp;aged=1&amp;language=DE&amp;guiLanguage=en">ermahnte<br />
EU-Kommissarin Neelie Kroes Italien erneut</a>, seine Rundfunkvorschriften endlich mit dem EU-Rechtsrahmen für elektronische Kommunikation in Einklang zu bringen. Im Fokus stehen die in Italien geltenden Spielregeln für den Übergang vom analogen zum digitalen Fernsehen. Sie beschränken aus Sicht der EU die Eintrittschancen für neue TV-Anbieter und verschaffen den bisherigen Anbietern von analogem Fernsehen ungerechtfertigte Vorteile. Bislang ist es nur diesen überhaupt gestattet, ihre eigenen digitalen Netze aufzubauen. Nicht nur das: Gesetzlich dürfen sie neben ihrem Schritt in die digitale Welt sogar weiter den vollständig belegten Analog-Markt blockieren und somit ihr Monopol zementieren.
</p>
<p>
Schon der jetzige TV-Markt ist so reguliert, dass derzeit nur wenige Akteure in Wettbewerb treten können. Mediaset, deren Hauptaktionär Berlusconis Familien-Holding <a href="http://www.fininvest.com/">Fininvest</a> ist, besitzt alle drei großen Privatsender: Canale 5, Italia 1 und Rete 4. Zusammen mit den drei Kanälen des Staatsfernsehens RAI vereinnahmt Mediaset rund 90 Prozent der Zuschauer und TV-Werbeeinnahmen im Land. Halbwegs mithalten kann nur Sky Italia. Rupert Murdochs Satelliten-Bezahlsender bringt es auf rund vier Millionen Abonnenten. Diese Konzentration, so befürchten die Brüsseler Wettbewerbshüter, „droht sich nun beim digitalen terrestrischen Fernsehen zu wiederholen“. Dann bliebe dem Zuschauer zwischen Mailand und Palermo weiterhin nur die leidliche Wahl zwischen den marktbeherrschenden Sendern der Duopolisten. Brüssel drohte deshalb im Juli: Sollte die Regierung Prodi nicht innerhalb von zwei Monaten konkrete Vorschläge unterbreiten, könne die Kommission Italien vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen.
</p>
<p>
<b>Neues Mediengesetz soll Duopol aus RAI und Mediaset zerschlagen </b>
</p>
<p>
Diesem peinlichen Prozess versucht die Regierung Prodi zu entgehen. Im Oktober 2006 legte sie deshalb dem Parlament einen Entwurf vor, der das Mediengesetz aus der Berlusconi-Ära abändern soll. Mit dem „Legge Gentiloni“ will man das Rundfunksystem wieder „offener und pluralistischer gestalten“, heißt es aus Paolo Gentilonis Kommunikationsministerium. Dort hofft man, per Übergang ins digitale Fernsehzeitalter endlich das Duopol aus RAI und Mediaset zu zerschlagen.
</p>
<p>
Laut Entwurf darf in Zukunft jede Mediengruppe höchstens zwei landesweite Sender auf dem analogen Markt belassen. RAI und Mediaset müssten somit je einen Kanal ins digitale Fernsehen verlagern. Freiwerdende Frequenzen will der Staat an neue Anbieter versteigern. Medienmogul Rupert Murdoch, Besitzer vom Pay-TV Sky Italia wird ebenso als Interessent gehandelt wie Berlusconis Erzfeind und La Repubblica-Verleger Carlo de Benedetti. Besonders Mediaset dürfte die Abgabe extreme Zuschauer- und Werbeeinbußen bescheren. Denn rund 90 Prozent der Haushalte empfangen ihr Programm noch über Antenne. RAI 3 dagegen sendet schon jetzt eher regional.
</p>
<p>
Die Fernseheinnahmen will das Gesetz ebenfalls begrenzen. So darf keine Sendergruppe mehr als 45 Prozent der TV-Werbeerlöse auf sich vereinen. Berlusconis Mediaset-Kanäle kassieren aktuell rund 66 Prozent. Zudem  dämmt das Gentiloni-Gesetz die Werbezeiten ein. Die ausufernde Reklame hatte die EU-Kommission erst jüngst im Dezember zu einem<br />
weiteren Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien veranlasst.
</p>
<p>
Technisch soll es jeder Sendergruppen untersagt sein, mehr als 20 Prozent der digital-terrestrischen Frequenzen zu besitzen. Damit kann kein Monopol zustande kommen. Der<br />
„Switch-off“, der Sendeschluss des analogen Fernsehens, ist dem Entwurf zufolge für Ende 2012 geplant.
</p>
<p>
<b>Tadel aus Brüssel könnte Prodi gelegen kommen</b>
</p>
<p>
Oppositionsführer Berlusconi bezeichnet den Entwurf  der Linken als „Akt des Banditentums“. Die Regierung habe es auf sein Medienimperium abgesehen. So betrachtet, kommt Prodi der Tadel aus Brüssel sogar gelegen, sagt Politologe Roman Maruhn, Italien-Experte am <a href="http://www.cap.uni-muenchen.de/">Centrum für angewandte Politikforschung (CAP)</a> in München. Prodi könne nun anders argumentieren: Wegen der mangelnden Rundfunkvielfalt haben wir ein Vertragsverletzungsverfahren der EU, also einen juristischen Grund für eine Medienreform. Zweitens wollen wir die Digitalisierung vorantreiben, bei der Italien den europäischen Nachbarn ohnehin hinterherhinkt.
</p>
<p>
Den medienpolitischen Rettungsversuch in Rom hat man in Brüssel zwiespältig zur Kenntnis genommen. So erreichte Kommunikationsminister Gentiloni zumindest die Antwort, der Entwurf sei „ein geeignetes Werkzeug, die Ungleichmäßigkeit des italienischen TV-Systems zu überwinden“. Doch die EU will klare Ergebnisse sehen, dem Zeitspiel ein Ende machen. Die Verabschiedung des Gentiloni-Gesetzes müsse zügig erfolgen, hieß es weiter – womit die Kommission einen wunden Punkt der italienischen Politik trifft. Denn mehr als ein Jahr nach dem Start, steckt das Papier noch immer in der legislativen Pipeline fest. Prodi zufolge wurden im Parlament rund 1400 Änderungsanträge eingebracht. 1280 stammten demnach<br />
von der größten Oppositionspartei: Berlusconis <a href="http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/361/129144/"> Forza Italia</a>. Nicht nur die Rechte scheint die Neuordnung des Fernsehens blockieren zu wollen. Sogar aus den eigenen Reihen droht Widerstand: „Es kann sehr gut sein, dass es Parlamentarier innerhalb der Regierungskoalition gibt, die mit Mediaset verbunden sind und im Zweifelsfall gegen das Gesetz stimmen würden“, sagt Maruhn.
</p>
<p>
Weil der Streit um die Rundfunkreform andauert, hat die EU einen erneuten Aufschub abgeschmettert und entschieden, dass Italien vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg angezeigt werden muss. Unklar ist, wann die Klage in die Tat umgesetzt wird. Auch wenn viele vorhersagen, dass das in Kürze geschehen wird. Aktuell ist das „Legge Gentiloni“ von zwei Sachverständigenausschüssen der Abgeordnetenkammer verabschiedet worden. Nun wartet die Reform darauf, vom Plenum der Abgeordnetenkammer beraten und beschlossen zu werden. Die Regierung kämpfe zur Zeit dafür, dass das Parlament den Gesetzentwurf noch auf die Tagesordnung für Januar setze, erklärt das Kommunikationsministerium auf Anfrage. Anschließend muss er noch unverändert den Senat überstehen und von <a href="http://www.quirinale.it/presidente/altrelingue/tedesco/presidente-de.htm">Staatspräsident<br />
Napolitano</a> unterzeichnet werden.
</p>
<p>
<b>Italiener finden im Internet ständig neue Alternativen </b>
</p>
<p>
Wie viel Pluralismus das Gentiloni-Gesetz dem Zuschauer bringt, wenn es denn kommt, bleibt abzuwarten. Wer sich in Italien umfassend informieren will, könne das schon heute tun, meint Roman Maruhn. Nur eben nicht übers Fernsehen: „Der muss sich sein Puzzle selber zusammensetzen, was anstrengend und komplex ist.“ Die zweitgrößte Zeitung La Repubblica etwa hat in den letzten Jahren ihren Multimediabereich enorm ausgebaut und betreibt auf dem hauseigenen Internet-TV-Sender <a href="http://tv.repubblica.it/home_page.php?ref=hphead1">„Repubblica TV“</a> ein Vollprogramm. Das stets regierungskritische <a href="http://www.beppegrillo.it/english.php">Blog</a> des Kabarettisten Beppe Grillo gehört zu den meistgeklickten Websites des Landes und ist teilweise auf Englisch übersetzt.<br />
<a href="http://www.indymedia.org/de/index.shtml">Indymedia</a> bietet neben Blogs und Zeitungsprojekten auch Videonachrichten. Das globalisierungskritische, unkommerzielle Mediennetzwerk wurde einst in Deutschland für den Grimme Online Award nominiert, gerät aber bisweilen in den Fokus der Verfassungsschützer. Auf den kaum regulierten Medienwegen abseits des unzugänglichen Fernsehmarkts wachsen stetig alternative Informationsprogramme heran. Besonders seit der Amtszeit Berlusconis, in der die Berichterstattung der großen TV-Kanäle zwischen tendenziös und erdrückend schwankte.</p>
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		<title>Italienwahl: Stimmungsbarometer Weblog</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-italien_wahlnachlese060426-shtml-2747/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[ccampani]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Internet spielte für den knappen Wahlausgang in Italien eine entscheidendere Rolle als bisher angenommen. Die Foren einiger Zeitungen wurden zu Stimungsbarometern, die beiden politischen Lagern eine Plattform boten. Die Beteiligung an zahlreichen Blogs und über das Internet organisierte Aktionen zeigen, wie sehr die Italiener es verstanden, das Potenzial des Webs zu nutzen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet spielte für den knappen Wahlausgang in Italien eine entscheidendere Rolle als bisher angenommen. Die Foren einiger Zeitungen wurden zu Stimungsbarometern, die beiden politischen Lagern eine Plattform boten. Die Beteiligung an zahlreichen Blogs und über das Internet organisierte Aktionen zeigen, wie sehr die Italiener es verstanden, das Potenzial des Webs zu nutzen.<!--break--></p>
<p>
                              <strong>Das Internet spielte für den knappen Wahlausgang in Italien eine entscheidendere Rolle als bisher angenommen. Die Foren einiger Zeitungen wurden zu Stimungsbarometern, die beiden politischen Lagern eine Plattform boten. Die Beteiligung an zahlreichen Blogs und über das Internet organisierte Aktionen zeigen, wie sehr die Italiener es verstanden, das Potenzial des Webs zu nutzen.</strong>
                            </p>
<p>Der äußerst knappe Sieg der Opposition und die Anschuldigungen des noch amtierenden Ministerpräsidenten Berlusconi wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der bei der Stimmenzählung bzw. Wahlbetrugs waren der „würdige“ Abschluss eines Wahlkampfes, der von<br />
                            <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Negative_campaigning" target="_blank" rel="noopener noreferrer">negative campaigning</a> und von der Person Berlusconis beherrscht wurde. Wenige Politiker haben sich im Wahlkampf des Internets professionell bedient, die größeren Parteien haben jedoch neben ihren<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wahlkampf/italien_campani_060404.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Websites</a> zusätzliche Online-Angebote geschaltet. Insgesamt<br />
                            <a href="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahlgro1.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <img decoding="async" height="75" alt='Berlusconi-Plakat: "Ich hole mir meine Haare zurück" ' src="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahl.jpg" width="186" align="right" vspace="10" border="0" /><br />
                            </a>hat das Web im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2001 eine bedeutendere Rolle gespielt. Beispiele dafür sind die Onlineangebote der zwei wichtigsten Tageszeitungen Italiens<br />
                            <a href="http://www.corriere.it/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Corriere della Sera&#8221;</a> und<br />
                            <a href="http://www.repubblica.it/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;La Repubblica&#8221;</a>. Beide Zeitungen haben zwar Romano Prodis Mitte-Links Bündnis offen unterstützt, für den bürgerlichen „Corriere della Sera“ keine Selbstverständlichkeit, gleichzeitig mit ihren Foren parteienunabhängige Diskussionsplattformen angeboten.</p>
<p>
                            <br />Das Forum<br />
                            <a href="http://www.corriere.it/solferino/severgnini/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Italians&#8221;</a>, das seit Jahren auf der Website der „Corriere della Sera“ betrieben wird, wurde während des Wahlkampfes zum wichtigen Stimmungsbarometer. Dem „spiritus rector“ von „Italians“, dem Publizisten Beppe Servegnini, ist eine Mischung zwischen moderiertem Forum und Blog gelungen, in dem er täglich (nebst einem kurzen Kommentar) 12 Leserbeiträge (von den bis zu 400, die jeden Tag das Forum erreichen) zu unterschiedlichen Themen veröffentlicht und oft beantwortet. Von Anfang März bis Mitte April verdrängte die Politik die anderen Themen in dem Forum. Befürworter beider Lager – viele aus dem Ausland – konnten hier ihre Meinungen artikulieren und die anderer Leser kommentieren. Obwohl auch hier fast nur mit heftiger Kritik am politischen Gegner argumentiert wurde, blieb dieses Forum dank der Moderation Severgninis quasi als virtuelle Insel des „Fair Play“ frei von gegenseitigen Beschimpfungen. Bei „Italians“ war die Berlusconi-kritische Einstellung der im Ausland lebenden Italiener schon früh zu bemerken. Ein Faktor, der die Wahl mitentschieden haben könnte.</p>
<p>
                              <strong>Web-Satire gegen negative campaigning</strong>
                            </p>
<p>
                            <a href="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahlgro4.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <img decoding="async" height="119" alt='Prodi-Plakat: "Ich in der Regierung? Nie!"' hspace="10" src="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahl4.jpg" width="78" align="left" border="0" /><br />
                            </a>Bereits Anfang März hatte die Internet-Redaktion der „La Repubblica“ die Leser dazu aufgefordert, Bilder zu „ihrem Wahlkampf“ zuzusenden. Die riesigen Wahlplakate, die die Strassen Italiens sechs Wochen lang beherrscht haben, sind schnell zur Zielscheibe der Websurfer geworden, die die Chance dazu genutzt haben, politische Satire zu betreiben.<br />
                            <a href="www.repubblica.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;La Repubblica&#8221;</a> veröffentlichte mehrere Hundert Fotos mit Wahlplakaten, die an wenig passenden Stellen (Klohäuschen oder Mülltonen) oder zufällig neben gewöhnlichen Werbeplakaten hingen, so dass deren politische Botschaft sich ins Gegenteil kehrte. Der Renner waren Bilder von Plakaten, die durch Graffiti modifiziert oder am PC retuschiert wurden. Es waren ein Plakat von Prodi zu sehen, der mit ausgestreckter Hand und beruhigender Mine sagt: „Keine Sorge, regieren w<br />
                            <a href="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahlgro3.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <img decoding="async" height="73" alt="Berlusconi-Plakat: Dich haben sie noch nicht gefasst" src="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahl3.jpg" width="133" align="right" vspace="10" border="0" /><br />
                            </a>erde ich nie“ sowie eins der vielen Riesenplakate von Berlusconi, der zufrieden ankündigt: „Dank unserer Regierung haben wir Polizisten in jedem Stadtviertel“, wobei eine anonyme Hand darunter schrieb: „dich aber haben sie noch nicht gefasst!“. Die getürkten Wahlplakate wurden munter heruntergeladen und versandt, quasi als Antwort auf die offiziellen Plakate, die auf den Parteienwebsites als Download zur Verfügung standen und als Reaktion der Bürger auf dem an positiven Inhalten armen Wahlkampf.</p>
<p>
                              <strong>Wählermobilisierung mit Blogs und „smart mobs“</strong>
                            </p>
<p>Das Potential des Webs für einen Wahlkampf zeigte sich am eindrucksvollsten am 4. und 5. April. Den Anlass lieferte Ministerpräsident Berlusconi am 4. April durch seine – in der TV-Nachrichtensendung von 13 Uhr übertragene &#8211; Behauptung, in Italien gebe es bestimmt nicht so viele „Dummköpfe“, die gegen das eigene Portemonnaie also für die Mitte-Links Koalition stimmen würden. Dabei benutzte er das Wort „coglioni“, einen<br />
                            <a href="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahlgro2.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <img decoding="async" height="100" alt="Berlusconis unfreiwillige Werbung für Haarpflege" hspace="10" src="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahl2.jpg" width="67" align="left" vspace="10" border="0" /><br />
                            </a>allgemein gebräuchlichen, deftigen Ausdruck für die männlichen Geschlechtsteile, der gleichzeitig „Dummkopf“ bedeutet. Eine solche öffentliche Wählerbeschimpfung hatte es noch nie gegeben und trotz oder vielmehr wegen der Beschwichtigungsversuche Berlusconis schlug die Empörung hohe Wellen. Diese schwappten rasch ins Web über. Einige Studenten eines von der Gesellschaft für Politikberatungsg<br />
                            <a href="http://www.runningonline.org/formazione_politica.asp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Running&#8221;</a> organisierten Masterstudiengangs in politischer Kommunikation richteten kurz vor 14 Uhr das Blog<br />
                            <a href="http://sonouncoglione.splinder.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sonouncoglione.splinder.com</a> ein. Wenige Stunden später wurden bereits 66.000 Visits gezählt. Als seine Autoren, die sich „Mr. Pol“ nannten, das Blog am Mittag des 5. April schlossen, war diese Zahl auf 238.000 gestiegen (mit einem Spitzenwert von ca. 200 Zugriffe pro Sekunde). In 24 Stunden hatte das Blog 5.580 Einträgen gesammelt. Dabei handelte es sich fast nur um Surfer, die sich wütend, hämisch und fröhlich dazu bekannten, „coglioni“ also „Dummköpfe“ zu sein. Aus dieser virtuellen Bewegung wurde am selben Abend ein kleiner<br />
                            <a href="http://www.smartmobs.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;smart mob&#8221;</a> bekennender „Dummköpfe“.Zwischen 19.00 und 20.00 Uhr trafen sich Hunderte auf den via Internet und Handy festgelegten Plätzen der größeren italienischen Städten, um sich mit Luftballons, Schildern und Trasparenten als „coglioni“ öffentlich zu bezeichnen. Die Fotos, die dabei geschossen wu<br />
                            <a href="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahlgro5.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <img decoding="async" height="146" alt='smart mob: "Ich bin ein Dummkopf"' hspace="10" src="/edemocracy/wahlkampf/images/italienwahl5.jpg" width="97" align="right" vspace="10" border="0" /><br />
                            </a>rden, wanderten wiederum ins Netz und steigerten die Viralität der Aktion. Diese wurde am selben Abend von der Internetplattform<br />
                            <a href="http://www.kataweb.it/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;kataweb&#8221;</a> aufgegriffen, die der Verlagsgruppe der Tageszeitung „La Repubblica“ und des Nachrichtenmagazins<br />
                            <a href="http://www.espressonline.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;L&#8217;Espresso&#8221;</a> gehört. Hier wurde ein Foto-Blog eröffnet mit dem Titel „Coglione o Orgoglione?“ (Dummkopf oder Stolzkopf). Die Surfer wurden dazu eingeladen, sich als „coglioni“ zu outen, entsprechende Selbstportraits zu veröffentlichen. Um 21 Uhr hatte der Blog 12.000 Unterschriften gesammelt, um Berlusconi aufzufordern, sich öffentlich für die Beleidigung zu entschuldigen. Die Fotos, viele davon mit dem Logo des Blogs, einem Smiley mit der Aufschrift „Coglione? No, Orgoglione”, versehen sind auf<br />
                            <a href="http://www.kataweb.it/articolo/1417657" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;kataweb&#8221;</a> noch zu sehen.</p>
<p>
                            <br />Die Folgen dieser beiden sehr kurzlebigen Blogs sieht man mit einer einfachen Suche in den italienischsprachigen Web: bei google.it ergibt die Suche „blog + coglione“ ca. 718.000 Einträge.<br />
                            </p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Auf die Dauer einer Prodi-Regierung nehme ich keine Wetten an.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotauf_die_dauer_einer_prodiregierung_nehme_ich_keine_wetten_anquot-147/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Romano Prodi]]></category>
		<category><![CDATA[Silvio Berlusconi]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Seisselberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, den 12. April, war Jörg 
Seisselberg, Korrespondent der ARD in Rom, zu Gast im tagesschau-Chat 
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> Er 
beantwortete Fragen über Wahlgewinner und -verlierer und warf 
einen Blick auf die möglichen Entwicklungen in Italien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Mittwoch, den 12. April, war Jörg<br />
Seisselberg, Korrespondent der ARD in Rom, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> Er<br />
beantwortete Fragen über Wahlgewinner und -verlierer und warf<br />
einen Blick auf die möglichen Entwicklungen in Italien.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Liebe Italien-, Berlusconi-<br />
und Prodi-Fans, willkommen zum tagesschau-Chat. Herzlichen Gruß<br />
nach Rom. Dort ist unser Korrespondent Jörg Seisselberg, der<br />
für die ARD Land und Leute und die Wahl beobachtet hat. Vielen<br />
Dank, Herr Seisselberg, dass Sie in diesem hektischen Aus- und Nachzählungsmarathon<br />
Zeit für den Chat haben. Fragen stellen können Sie jederzeit,<br />
die Moderatoren sortieren und sammeln. Wenn Sie sich in ihrer Frage<br />
auf eine Antwort von Jörg Seisselberg beziehen, schreiben Sie<br />
das möglichst dazu, damit wir wissen worum es geht. Frage nach<br />
Rom: Können wir beginnen?
</p>
<p>
<span class="fett">Jörg Seisselberg:</span> Können wir!
</p>
<p>
<b>Jjumper: </b>Wird sich Berlusconi einfach so, ohne<br />
um seine schwindende Macht zu kämpfen, von der Politik in der<br />
ersten Reihe verabschieden, oder wird er eher alles mögliche<br />
und unmögliche versuchen, um an der Macht zu bleiben?
</p>
<p>
<span class="fett">Jörg Seisselberg:</span> Er ist bereits<br />
dabei, alles mögliche und unmögliche zu versuchen, um<br />
sich die Macht zu erhalten. Ich glaube zwar, die von ihm gewollte<br />
Überprüfung der Wahlzettel hätte kaum Chancen, weil<br />
über die Hälfte der umstrittenen 43 000 Stimmzettel für<br />
die Abgeordnetenkammer für ihn und keine für Prodi gewertet<br />
werden müsste &#8211; nur dann würde die 25.000-Stimmen-Mehrheit<br />
von Prodi in der Kammer kippen, aber es zeigt, dass Berlusconi ein<br />
Machtmensch durch und durch ist. Einer, der die (in diesem Fall<br />
politische) Macht einfach nicht loslassen mag.
</p>
<p>
<b>Asrom: </b>Hat es Sie erstaunt, dass immer noch fast<br />
die Hälfte der Italiener Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz gewählt<br />
haben?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Ja und Nein. Nein, weil<br />
es in Italien eine sehr tief verwurzelte Parteienbindung gibt. Da<br />
muss schon sehr viel passieren, bevor jemand vom linken politischen<br />
Lager ins rechte und vom rechten ins linke wechselt. Das ist ein<br />
Grund, warum die Wahlergebnisse in Italien in den vergangenen Jahrzehnten<br />
immer sehr knapp sind. Ja, weil Berlusconi reichlich Gründe<br />
geliefert hat, ihn aus dem Amt zu wählen. Nullwachstum in der<br />
Wirtschaft, dramatisch sinkende Kaufkraft, Medien- und Justizgesetze<br />
in eigener Sache. Aber das scheint zumindest die Wähler des<br />
rechten Lagers nicht zu stören. Und dann gibt es immer noch<br />
viele, die Berlusconi dafür bewundern, dass er sich aus &#8216;kleinen&#8217;<br />
Verhältnissen hoch gearbeitet und zum erfolgreichsten und reichsten<br />
Unternehmer Italiens geworden ist. Ein Siegertyp halt.
</p>
<p>
<b>Phrasendrescher:</b> Der Herr der Unregelmäßigkeiten<br />
Berlusconi behauptet, dass es bei der Wahl Unregelmäßigkeiten<br />
gegeben haben soll und deutet damit indirekt eine Forderung nach<br />
einer Neuwahl an. Finden Sie das grotesk?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Ja!
</p>
<p>
<b>Phrasendrescher:</b> Welche Maßnahmen kann Prodi<br />
gegen den Medien- und Meinungsmacher Berlusconi ausrichten? Kann<br />
er das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder demokratisieren<br />
und stärken?
</p>
<p>
<b>HansW:</b> Ist es zu erwarten das unter einer Regierung<br />
Prodis die Medien- und Justizgesetze die Berlusconi begünstigten<br />
abgeschafft werden?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Wichtig ist, dass er dafür<br />
sorgt, dass das staatliche (!) Fernsehen Rai ein vernünftiges<br />
Programm macht und nicht &#8211; wie es in Italien seit Jahrzehnten üblich<br />
ist &#8211; seine politische Macht nutzt, um ihm sympathische Journalisten<br />
auf wichtige Stellen zu setzen. Die Rai muss endlich einen hohen<br />
professionellen Standard erreichen. Das wäre auch die beste<br />
Antwort auf die teilweise grausamen Kommerzprogramme von Berlusconi.
</p>
<p>
<b>Julius Goldmann:</b> Liegt es für Sie nahe, dass<br />
Berlusconi Angst vor drohenden Klagen hat und nur deswegen nicht<br />
auf seine politische Immunität verzichten will?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Was die Prozesse von Berlusconi<br />
anbelangt, bin ich hin- und hergerissen. Zum einen legen einige<br />
Prozessakten den starken Verdacht nahe, dass er sein Wirtschaftsimperium<br />
mit nicht immer ganz koscheren Mitteln aufgebaut hat. Dafür<br />
muss er bestraft werden. Und um einer solchen Bestrafung zu entgehen,<br />
war/ist ihm seine politische Macht wichtig. Andererseits ist auch<br />
mir (als bekennendem Berlusconi-Skeptiker) die italienische Justiz<br />
nicht ganz geheuer. Ich würde zwar Berlusconis Vermutung, dort<br />
sitzen nur ihm übel gesonnene Kommunisten, nicht unterschreiben,<br />
aber es gibt unter den Richtern und Staatsanwälten auch so<br />
viele Profilneurotiker, die eine dünne Beweislage zu Riesenskandalen<br />
aufbauschen, dass auch ich gewisse Vorbehalte gegen die hiesige<br />
Justiz habe. Berlusconi hat ja auch viele Freisprüche erreicht,<br />
in Prozesse, die jahrelang das Land bewegt haben, in denen sich<br />
aber am Ende herausstellte, dass die Staatsanwälte nichts (oder<br />
zu wenig) beweisen konnten (Beispiel SME-Prozesse).
</p>
<p>
<b>26123:</b> Wie berichten eigentlich die Berlusconi-Fernsehsender<br />
über die Wahl?
</p>
<p>
<b>Rojaro:</b> Wie reagierten den die TV Sender von Berlusconi<br />
auf den Sieg von Prodi?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg: </b>Während des Wahlkampfes<br />
wurde Berlusconi von seinen Sendern hofiert, wie nicht anders zu<br />
erwarten. Was dazu führte, dass Berlusconi in einigen Wochen<br />
stundenlang auf seinen Sendern zu sehen war, sein Kontrahent Prodi<br />
aber nur wenige Minuten. Das war einem demokratischen Staat nicht<br />
würdig. Jetzt nach der Wahl sieht das nicht anders aus. Prodi<br />
taucht nur so lange auf wie nötig (gerne auch von hinten gefilmt<br />
und mit schlechter Tonqualität unterlegt), während Berlusconis<br />
Pressekonferenz zur Forderung die Wahlzettel noch einmal überprüfen<br />
zu lassen, auf einem Kanal live und in voller Länge übertragen<br />
wurde.
</p>
<p>
<b>Wakdjunkaga:</b> Nach all den Schmähungen und<br />
Beleidigungen unter der Gürtellinie &#8211; wie kann Berlusconi ernsthaft<br />
auf eine große Koalition hoffen. Was für eine Kalkulation<br />
steckt da dahinter?
</p>
<p>
<b>Eagel-F1:</b> Glauben sie, dass irgendwelche Umständen<br />
noch zu einer &#8216;Großen Koalition&#8217; führen und wenn ja,<br />
wird sich Berlusconi wirklich in die 2. Reihe drängen lassen?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Die Kalkulation lautet:<br />
Unruhe im Prodi-Lager stiften. Dort gibt es zwei bürgerliche<br />
Parteien, die für die Lockrufe in Sachen großer Koalition<br />
empfänglich sein könnten. Allein wenn die diese Diskussion<br />
aufnehmen sollten, wäre das ein Erfolg für Berlusconi:<br />
Er hätte der Prodi-Koalition ihren ersten Konflikt beschert.<br />
Bislang aber zeigt sich die geschlossen. Chancen für eine große<br />
Koalition sehe ich absolut keine. Oder kennen Sie einen Politiker,<br />
der bereit wäre, von seiner frisch gewonnenen Macht etwas abzugeben?<br />
Und dann noch an seinen schärfsten politischen Widersacher?<br />
Nein, völlig unvorstellbar. Prodi wird es mit seiner Mitte-Links-Koalition<br />
versuchen, auch wenn die Mehrheit im Senat mit zwei Sitzen sehr<br />
knapp ist.
</p>
<p>
<b>Roneye:</b> Glauben Sie, dass bei der knappen Mehrheit<br />
von Prodi die Regierung lange bestehen wird, oder haben wir bald<br />
schon wieder mit Neuwahlen zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Journalist:</b> Hält eigentlich diese heterogene<br />
Mitte-Links-Koalition von Prodi fünf Jahre?
</p>
<p>
<b>T?n:</b> Welche Chancen geben Sie einer Prodi-Mitte-Links-Koalition?<br />
Kehrt Italien damit wieder zu den &quot;Monatsregierungen&quot;<br />
zurück?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Auf die Dauer einer Prodi-Regierung<br />
nehme ich keine Wetten an. Es wäre fast ein Wunder, sollte<br />
er diese bunte Koalition (Kommunisten, Linkskatholiken, Liberale,<br />
radikale Vatikangegner, Sozialdemokraten, Grüne) wirklich zusammenhalten.<br />
Vor allem in einer Situation (Wirtschaftskrise, riesige strukturelle<br />
Probleme, Staatsschulden), in der schwierige Entscheidungen getroffen<br />
werden müssen. Wie er das mit einer Zwei-Stimmen-Mehrheit im<br />
Senat hinbekommen will, ist mir ein Rätsel. Der einzige Trumpf,<br />
den Prodi hat ist: Vor acht Jahren wurde er von seinen Koalitionspartnern<br />
schon einmal gestürzt. Und zur Strafe mussten alle im linken<br />
Lager fünf Jahre Regierung Berlusconi erleiden.
</p>
<p>
<b>Faust:</b> Wird die erdrückende Medienmacht Berlusconis<br />
eine vernünftige Regierungsarbeit Prodis überhaupt möglich<br />
machen?
</p>
<p>
<b>gomezmike1:</b> Geht jetzt nicht erst die TV-Schlammschlacht<br />
los, nachdem Berlusconi die Wahl verloren hat? Kann er durch die<br />
Medien eine Italienkrise hervorrufen?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Die Medienmacht Berlusconi<br />
macht die so oder so schon schwierige Arbeit Prodis nicht leichter.<br />
Daher bin ich mir sicher, dass er versuchen wird, die Medienmacht<br />
Berlusconi zu beschneiden. Und unabhängig wie man zu Berlusconi<br />
steht: Mehr Konkurrenz auf dem Medienmarkt würde Italien gut<br />
tun.
</p>
<p>
<b>Foley: </b>Wenn es zu einer Mitte-Links-Koalition<br />
kommt, was macht Berlusconi? Wird er sich von der politischen Bühne<br />
verabschieden?
</p>
<p>
<b>Wadenbeisser:</b> Wie schätzen Sie die politischen<br />
Zukunft von Herrn Berlusconi ein?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Er hat angekündigt,<br />
er wolle auch in der Opposition weitermachen. Nach dem knappen Wahlausgang<br />
hat er seinen Partnern gegenüber ein Argument mehr, doch noch<br />
auf der Bühne zu bleiben. Für das politische System Italiens<br />
aber ist dies schädlich. Bleibt Berlusconi, bleiben auch die<br />
tiefen politischen Gräben im Land. Italien würde es gut<br />
tun, gäbe es im Mitte-Rechts-Lager eine moderatere, dialogfähigere<br />
Person an der Spitze. Mit dem Christdemokraten Casini zum Beispiel,<br />
gäbe es eine solche. Aber solange Berlusconi auf der Bühne<br />
bleibt, hat Casini keine Chance.
</p>
<p>
<b>Inocsul-Rap:</b> Wird Prodi Gesetze, die unter Berlusconi<br />
speziell für ihn selbst gemacht wurden, rückgängig<br />
machen? Insbesondere bezüglich des Strafrechts?
</p>
<p>
<b>Tomchen</b>: Ist Prodi zuzutrauen, dass er das Rad<br />
in die andere Richtung dreht und am Ende die Zerschlagung von Berlusconis<br />
Konzern steht?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Prodi wird nicht alle Berlusconi-Gesetze<br />
rückgängig machen, das hat er angekündigt. Er hat<br />
aber auch gesagt, dass er die Justizreform neu aufrollen und auch<br />
eine Medienreform anpacken wird. Wie das aber genau aussehen soll<br />
ist &#8211; wie so vieles &#8211; bei Prodi im Wahlkampf verschwommen geblieben.<br />
Zerschlagung des Berlusconi-Konzerns? Das auf keinen Fall. Aber<br />
mehr Konkurrenz auf dem TV-Markt möglich machen &#8211; das auf jeden<br />
Fall!
</p>
<p>
<b>Frank_001:</b> Welchen Einfluss wird der Wahlausgang<br />
auf Italiens Haltung in internationalen Belangen haben (z.B. Irak)?
</p>
<p>
<b>kley1:</b> Werden nun die Truppen im Irak schnell<br />
abgezogen? Wie ist das Verhältnis Prodis zur US-Administration?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Prodi ist in erster Linie<br />
Europäer und das wird auch seiner Außenpolitik anzumerken<br />
sein. Sein Blick geht eher nach Berlin, Paris und Brüssel als<br />
nach Washington. Trotzdem wird er sich um einen guten Draht zur<br />
US-Administration bemühen, sicherlich aber kein so persönliches<br />
Verhältnis zu Bush aufbauen (wollen) wie Berlusconi. Die Truppen<br />
im Irak wird Prodi abziehen. &quot;So schnell wie möglich&quot;,<br />
hat er im Wahlkampf gesagt, aber auch hier offen gelassen, was das<br />
nun genau bedeutet.
</p>
<p>
<b>tt20060412:</b> Was unterscheidet italienischen Senat<br />
und italienisches Parlament? Alle Gesetze müssen ja durch beide<br />
Gremien, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Das italienische Parlament<br />
besteht aus zwei Kammern, der Abgeordnetenkammer und dem Senat diese<br />
Kammer sind mit absolut den gleichen Rechten ausgestattet &#8211; eine<br />
auf der Welt fast einmalige Konstruktion. Jedes Gesetz muss durch<br />
beide Kammern und wenn eine was ändert, wird sie in die andere<br />
zurückgeschickt und so weiter. Dieses Pendelverfahren zieht<br />
sich manchmal über Jahre hin. Die gleichen Rechte für<br />
beide Kammern bedeutet auch: Der Ministerpräsident braucht<br />
das Vertrauen und die Mehrheit in beiden Kammern. Verliert er die<br />
Mehrheit auch nur in einer Kammer, ist er gestürzt. Deswegen<br />
war in der Nacht nach der Wahl auch bereits klar, dass Berlusconi<br />
abgewählt ist, als die Mehrheitsverhältnisse in der Abgeordnetenkammer<br />
feststanden.
</p>
<p>
<b>Jagdhuette:</b> Wieso ist in Italien eigentlich die<br />
Wahlbeteiligung so wahnsinnig hoch?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Es gibt Wahlpflicht. Wer<br />
nicht wählt hat zwar keine Strafen zu fürchten, aber bei<br />
der Bewerbung um eine Stelle im öffentlichen Dienst könnte<br />
es schon mal Probleme geben. Daher gehen viele im Zweifelsfall lieber<br />
mal ihr Kreuz machen, auch wenn sie Politik nicht so wahnsinnig<br />
interessiert. Wahlforscher sagen, diese Regelung, die es seit Jahrzehnten<br />
gibt, nutzt Berlusconi. Weil er viele Stimmen von Menschen bekommen<br />
hat, die von sich sagen, dass sie sich überhaupt nicht für<br />
Politik interessieren.
</p>
<p>
<b>Journalist:</b> Es ist wie, es heißt, den Auslandsitalienern<br />
zu verdanken, dass Berlusconi von gestern ist. Haben damit die &quot;objektiven&quot;<br />
Berichterstattungen der europäischen Medien Prodi geholfen?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Ich denke eher, es öffnet<br />
den Blick, wenn man aus der Dunstglocke Italien mal rauskommt. Aber<br />
auch die Tatsache, dass Berlusconi in Deutschland, Frankreich, Großbritannien,<br />
Argentinien etc. nicht täglich vom Bildschirm lächeln<br />
darf, könnte eine Rolle spielen.
</p>
<p>
<b>Danny:</b> Was denken Sie? Ist Prodi der richtige<br />
Mann und was kann und wird er in Italien bewirken können, was<br />
Berlusconi in seiner Amtszeit nicht vollbracht hat?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Prodi hat einen großen<br />
Vorteil: Er ist die derzeit einzige Figur, auf die sich alle Parteien<br />
jenseits des Berlusconi-Bündnisses verständigen konnten.<br />
Nur so war es möglich, Berlusconi zu schlagen. Prodi muss jetzt<br />
vor allem dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder auf die<br />
Beine kommt. Er will dafür u.a. Lohnnebenkosten senken. Das<br />
alleine aber wird nicht reichen. Auch soziale Einschnitte könnten<br />
nötig sein, die Prodi bereit wäre durchzuführen &#8211;<br />
aber ich bin skeptisch, ob er dafür die Unterstützung<br />
all seiner Koalitionspartner bekommt. Eine Sache aber wird er auf<br />
jeden Fall tun; er wird die Außenpolitik neu ausrichten: Raus<br />
aus dem Irak, weniger Nähe zu Washington. Und das ist doch<br />
schon was!
</p>
<p>
<b>David23:</b> Stört niemanden in Italien das Vielparteiensystem?<br />
Wäre es nicht sinnvoller eine 5-Prozenthürde o.ä.<br />
einzuführen?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Mit einer Vier-Prozenthürde<br />
hat man es schon einmal versucht, vor zehn Jahren. Aber da waren<br />
die Beharrungskräfte der italienischen Parteien zu stark. Um<br />
sich die Wähler der 1,2,3-Prozentparteien zu sichern, haben<br />
die großen Parteien deren Vertretern sichere Wahlkreise angeboten.<br />
Diese sind dann ins Parlament eingezogen und haben so ihre Kleinparteien<br />
am Leben gehalten- mit öffentlicher Präsenz und öffentlichen<br />
Geldern. Die großen Parteien aber haben sie trotzdem nicht<br />
in die Wüste geschickt, weil sie auf ihre paar zehn- beziehungsweise<br />
hunderttausend Stimmen angewiesen waren/sind. In einem politischen<br />
System mit wenig Wechselwählern haben kleine Parteien ein unglaubliches<br />
Erpressungspotential.
</p>
<p>
<b>Pippo:</b> Was glauben Sie konkret, wie die nächsten<br />
Wochen und Monate in Italien ablaufen werden?
</p>
<p>
<b>Jörg Seisselberg:</b> Erst einmal werden wir<br />
bis zu zwei Monate auf die neue Regierung warten müssen, weil<br />
erst ein neuer Staatspräsident gewählt werden muss. Ciampis<br />
Amtszeit geht am 18. Mai zu Ende. Erst danach wird sein Nachfolger<br />
antreten. Der muss dann einen Regierungsbildungsauftrag geben, dann<br />
wird es Gespräche und Verhandlungen geben und erst danach die<br />
neuer Regierung. Das kann bis in den Juni hinein dauern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat zur Parlamentswahl<br />
in Italien. Vielen Dank nach Rom an Jörg Seisselberg, vielen<br />
Dank für Ihr Interesse. Über 100 eingegangene Fragen konnten<br />
leider nicht berücksichtigt werden. Der nächste Chat ist<br />
für den 24. April geplant. Dann wird SPD-Generalsekretär<br />
Hubertus Heil mit Ihnen über die SPD nach Platzeck chatten.<br />
Das Protokoll dieses Chats gibt es wie immer in Kürze zum Nachlesen<br />
auf den Seiten von tagesschau.de und politik-digital.de. Das tagesschau-Chat-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Online-Wahlkampf auf italienisch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ccampani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Forza Italia]]></category>
		<category><![CDATA[Margherita]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahl]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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		<category><![CDATA[Alleanza Nazionale]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Parlamentswahlen in Italien stehen vor der Tür. Carlo Campani hat sich den Online-Wahlkampf der großen Parteien in Italien für politik-digital.de angesehen und die Ergebnisse zusammengefasst.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Parlamentswahlen in Italien stehen vor der Tür. Carlo Campani hat sich den Online-Wahlkampf der großen Parteien in Italien für politik-digital.de angesehen und die Ergebnisse zusammengefasst.<!--break--></p>
<p>
                              <strong>Die Parlamentswahlen in Italien stehen vor der Tür. Carlo Campani hat sich den Online-Wahlkampf der großen Parteien in Italien für politik-digital.de angesehen und die Ergebnisse zusammengefasst.</strong>
                            </p>
<p>Die italienischen Parlamentswahlen am 9. April 2006 stellen die knapp 51 Millionen Wahlberechtigten vor dieselbe Alternative wie 1997. Wie damals kandidieren der Medienmogul Silvio Berlusconi und der frühere Chef der Europäischen Kommission, Romano Prodi, für das Amt des Ministerpräsidenten. Wie vor 9 Jahren führt Berlusconi das Mitte-Rechts Wahlbündnis &#8221;<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Casa_delle_Libert%E0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Casa delle Libertà</a>&#8221; (Haus der Freiheiten) und Prodi das Mitte-Links Wahlbündnis<br />
                            <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L%27Ulivo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„L’Ulivo</a>“ (Olivenbaum) an. Beinahe unverändert ist auch die Zusammensetzung beider Koalitionen, wobei die herkömmliche Zersplitterung der italienischen Parteienlandschaft weiter zugenommen hat, so dass hinter der scheinbar einfachen Alternative zwischen zwei Lagern eine kaum überschaubare Zahl an politischen Gruppierungen steht. Zur Wahl treten insgesamt mehr als 170 Gruppierungen an. Die Mehrzahl davon hat zwar lokalen oder regionalen Charakter, trotzdem die rekordverdächtigen Ausmaße des diesjährigen Wahlzettels haben diesem den Spitzname &#8220;das Bettlaken&#8221; („il lenzuolo“) verschafft. Die Wahlkampfangebote der größeren Parteien werden hier vorgestellt.</p>
<p>
                              <strong>Negative Campaigning als Element des Netzwahlkampfes</strong>
                            </p>
<p>Die Website von &#8220;Forza Italia&#8221; (FI, Hurra Italien), der Partei von Ministerpräsident Berlusconi, stellt das Durchschnittsniveau der Websites italienischer Parteien exemplarisch dar. Sie brilliert weder durch ihr Design noch durch technische &#8220;features oder Dialogangebote, ist aber einfach zu navigieren und dient mit zahlreichen Informationen und Bildmaterial zur Begleitung und Unterstützung des Wahlkampfes. Die Parteifarben Hellblau und Weiß beherrschen den Bildschirm ebenso wie die Bilder und die Worte eines stets lächelnden Berlusconi. Besonders groß ist die Auswahl an Wahlkampfmaterial, das man downloaden oder als eCards versenden kann. Auf der Website werden alle Wahlplakate der „Forza Italia“ und zahlreiche Slogans gegen die Opposition dargestellt. Diese Features werden auch auf den Websites aller anderen Parteien angeboten.</p>
<p>Des Weiteren bietet die Partei „Forza Italia“ verschiedene Satellitenseiten an, die unterschiedlichen Themen gewidmet sind, z.B.<br />
                            <a href="http://www.menotassepertutti.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.menotassepertutti.it</a>, mit dem Wahlverspreiche &#8220;weniger Steuer für alle&#8221; und<br />
                            <a href="http://www.sprechirossi.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.sprechirossi.it</a>, was übersetzt soviel wie &#8220;rote Verschwendung&#8221; bedeutet. Mit dem Steuerrechner von „menotassepertutti“ lassen sich die Entlastungen bei der Einkommen- oder Gewerbesteuer ausrechnen, die bei einem Wahlsieg Berlusconis versprochen werden. Sprechirossi.it ist ein Forum, in dem die Bürger die angebliche Verschwendung öffentlicher Gelder durch die von Parteien des Mitte-Links Wahlbündnisses regierten Gemeinden und Regionen bekannt gemacht werden können &#8211; nach den Regionalwahlen Anfang 2005 werden nunmehr 17 von den 20 Regionen Italiens von Mitte-Links-Parteien regiert.</p>
<p>
                              <strong>Wahlthemen sind Terrorismus und innere Sicherheit</strong>
                            </p>
<p>Der Wahlkampf der Regierungsparteien stütz sich auf Themen wie innere Sicherheit, internationalen Terrorismus (3.000 italienische Soldaten sind im Irak stationiert), Steuersenkung und auf die Erfolge der Regierung Berlusconi, die nach Angaben der Website 36 wichtige Reformen umgesetzt habe. Die Gefahren eines Wahlsieges der &#8220;Linken&#8221; spielen eine zentrale Rolle. Dabei werden regelrechte Schreckenszenarien aufgebaut und das &#8220;Gespenst des Kommunismus&#8221; regelmäßig herbeigerufen. Der verbale Extremismus, der seit mindestens einem Jahrzehnt die politische Auseinandersetzung in Italien kennzeichnet, hat in diesem Wahlkampf eine beispiellose Stufe erreicht. Dies spiegelt sich – allerdings weniger virulent als im Fernsehen – auch auf den Websites der Parteien wider. Auf der Homepage der Website zweitstärker Kraft der Regierungskoalition &#8220;Alleanza Nazionale&#8221; (AN), der Partei vom Außenminister Gianfranco Fini, wird Prodi als Pinocchio, also als Lügner und Marionette abgebildet. Zum Download bereit steht auch ein Dossier mit dem Titel „Romano Prodi – l’antiitaliano“ (der Antiitaliener).</p>
<p>Als Antwort darauf befinden sich lange Listen mit den Lügen Berlusconis auf den Websites der zwei wichtigsten Parteien der Opposition: der „<br />
                            <a href="http://www.dsonline.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Democratici di Sinistra</a>“ (Linksdemokraten) und der „<br />
                            <a href="http://www.margheritaonline.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Margherita</a>“ . Diese Parteien betreiben seit Mitte März zusätzliche, ausschließlich dem Wahlkampf gewidmete Internetauftritte<br />
                            <a href="http://www.dsonline.it/speciali/politiche2006/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dsonline.it</a> und<br />
                            <a href="http://www.elezioni.margheritaonline.it/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">elezioni.margheritaonline.it</a>. Die Website der „Margherita“ hat das umfangreichste Angebot an aktuellen Informationen und Foren zu den unterschiedlichen politischen Themen, wobei es manchmal an Übersichtlichkeit fehlt.</p>
<p>Besonders „multimedial“ geben sich die „Linksdemokraten“ (DS), die neben der Partei- und der Wahlkampfwebsite zwei zusätzliche Seiten betreiben. Die erste ist eine „<br />
                            <a href="http://www.dsonline.tv/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Web-TV-Plattform</a>&#8220;, auf der Interviews mit Politikern und Kurzvideos abgespielt werden können. Die zweite bietet Raum für die Alltagsgeschichten der „<br />
                            <a href="http://www.famigliaspera.it/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Famiglia Spera</a>“. Die „Familie Hofft“ soll eine italienische Durchschnittfamilie darstellen, die unter den Auswirkungen der Politik der Berlusconi-Regierung besonders leidet und daher in den Wahlsieg der Opposition hofft. Auf der gleichnamigen Website sind mehrere TV-Spots abspielbar, in denen die verschiedenen Mitglieder der Familie agieren und die politische Botschaft der DS darstellen. Darüber hinaus bietet die Website den Besuchern die Möglichkeit, ein eigenes Drehbuch für neue Episoden der Serie „Famiglia Spera“ selber zu schreiben.</p>
<p>Die Oppositionsparteien sind stärker als die Regierungsparteien bemüht, das Internet für den Wahlkampf zu nutzen. Gerade am Beispiel der Partei<br />
                            <a href="http://www.dsonline.it" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Democratici di Sinistra</a> wird deutlich, dass das Internet als Ausgleich für eine mangelnde Präsenz im Fernsehen benutzt wird. Das Fernsehen ist in den Augen aller größeren Parteien auch in diesem Wahlkampf das unangefochtene Leitmedium. Dem Web kommt dabei lediglich eine Integrations- bzw. eine Ersatzfunktion zu.<br />
                            </p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Punto-it: Opposition im Netz?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wahlkampf-italien060327-shtml-2934/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Medienmacht des italienischen Premiers Silvio Berlusconi ist legendär. Seit seinem Wahlsieg 2001 verfügt er nicht nur über mehrere große private TV-Stationen, sondern nimmt auch erheblichen Einfluss auf den öffentlichen Rundfunk RAI. Die Opposition darf zuschauen – oder ihre Chance im Internet suchen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Medienmacht des italienischen Premiers Silvio Berlusconi ist legendär. Seit seinem Wahlsieg 2001 verfügt er nicht nur über mehrere große private TV-Stationen, sondern nimmt auch erheblichen Einfluss auf den öffentlichen Rundfunk RAI. Die Opposition darf zuschauen – oder ihre Chance im Internet suchen.<!--break--></p>
<p>
                              <strong>Die Medienmacht des italienischen Premiers Silvio Berlusconi ist legendär. Seit seinem Wahlsieg 2001 verfügt er nicht nur über mehrere große private TV-Stationen, sondern nimmt auch erheblichen Einfluss auf den öffentlichen Rundfunk RAI. Die Opposition darf zuschauen – oder ihre Chance im Internet suchen.</strong>
                            </p>
<p>Dass der Besitz von drei großen privaten Fernsehsendern sich schlecht mit einer Kandidatur zum Premierminister vereinbaren lässt, bedarf eigentlich keiner weiteren Erläuterung. Dennoch ist es in Italien so gekommen. Kaum im Amt ließ Premierminister Silvio Berlusconi zudem die Rundfunkräte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens RAI neu besetzen und schaffte es, den einen oder anderen kritischen Geist in den staatlichen Sendern stummzuschalten. Selbst Enzo Biagi, Urgestein des italienischen Journalismus, wurde vom Bildschirm verdrängt. Seit 2002 darf der honorige alte Mann –Geburtsjahrgang 1920- nicht mehr seinen Kommentar zu den Themen des Tages sprechen, wie er es zuvor über 700 mal direkt im Anschluss an die Hauptnachrichten von RAI1 getan hatte. Seitdem ist klar, wie man im italienischen Fernsehen Karriere macht – oder eben nicht.</p>
<p>
                              <strong>Fernsehen, Freunde oder Internet?</strong>
                            </p>
<p>Für das Internet ist das eigentlich eine optimale Ausgangsbasis: wenn dem Fernsehen nicht mehr zugetraut wird, ein pluralistisches Medium zu sein, liegt die Meinungsvielfalt nur einige Mausklicks entfernt. Doch die Voraussetzungen dafür sind in Italien schlechter als anderswo. Nach einer Studie des EU-Statistikamts Eurostat gibt es in Italien weniger private Internetanschlüsse als im Durchschnitt der EU-25. Nur 34% der Haushalte hatten 2004 einen direkten Anschluss an die Datenautobahn, wohingegen zu dieser Zeit bereits 60% der deutschen Haushalte online waren. Von den Italienern, die von zu Hause aus ins Netz können, wird das Internet jedoch zunehmend als Informationsquelle für politische Fragen geschätzt. Die Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments hat dazu eine Untersuchung in Auftrag gegeben und herausgefunden, dass das Fernsehen zwar noch immer das wichtigste Informationsmedium ist, doch das Internet aufholt. Erstaunlicherweise trifft das aber nur in geringem Maße auf die Anhänger der Opposition zu: lediglich 37% gaben an, dass das Internet für sie eine wichtige Rolle spiele (bei den Anhängern des Regierungsbündnisses Casa della Libertá waren es 45%). Bei den Unentschlossenen spielt das Internet sogar nur für 29% eine wichtige Rolle. Gespräche im Freundeskreis oder die Zeitung haben noch immer einen höheren Stellenwert für die politische Meinungsbildung.</p>
<p>
                              <strong>Medienmogul ohne Blog</strong>
                            </p>
<p>Wenn das Phänomen quantitativ also noch nicht sehr stark ins Gewicht fällt – es gibt durchaus gute Beispiele für politische Seiten im Netz, wie das sehr beliebte<br />
                            <a href="http://www.beppegrillo.it/english.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog des Komikers Beppe Grillo</a>, das sogar eine englischsprachige Übersetzung enthält, beweist. Bei den Politikern sieht es dagegen eher mau aus. Zwar führen einige von ihnen mittlerweile ein Blog, der Premierminister gehört jedoch nicht zu dieser Gruppe. Der bald 70-jährige Silvio Berlusconi hat nicht einmal eine eigene Homepage. Zwar haben seine Fachleute eine einwandfreie und aktuell gehaltene Seite für die Partei Forza Italia erstellt, in der sich auch Sektionen über den „Unternehmer“, „Politiker“ und „Sportsmann“ Silvio Berlusconi befinden. Persönlich wendet sich der Kandidat allerdings fast gar nicht an die Besucher.</p>
<p>
                              <strong>Vorwahlen im Netz</strong>
                            </p>
<p>Das sieht bei seinem Kontrahenten schon besser aus. Auf www.romanoprodi.it findet sich alles, was spätestens seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 zum Standard der Wahlwerbung im Internet gehört, vor allem also Interaktivität. Neben der Möglichkeit, online zu spenden (darauf kann der Unternehmer-Premier offensichtlich verzichten), können sich die Unterstützer hier treffen, gemeinsame Aktivitäten für Romano Prodi organisieren oder sich über Veranstaltungen in ihrer Heimatregion informieren. Bereits vor Beginn des Wahlkampfs setzte das Linksbündnis, das 2006 unter dem Namen „Unione“ firmiert, auf das Internet. Das vielschichtige Parteienbündnis hielt erstmals eine „Primarie“ genannte Vorwahl ab um sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen. Dazu musste man weder Parteimitglied sein noch das Haus verlassen, denn die Stimmabgabe war auch im Internet möglich. Fast vier Millionen Italiener beteiligten sich an der Abstimmung und wählten Prodi mit haushoher Mehrheit von 74% zu ihrem Kandidaten.</p>
<p>Weniger erfolgreich endete hingegen Prodis Ausflug in die Welt der Weblogs. Sein Blog enthielt genau zwei Postings: eines zur Eröffnung und eines zur Schließung. Bei den italienischen Bloggern, die über die Seite www.blogosfere.it gut vernetzt sind, hat das zu einiger Belustigung geführt. Wie groß der Einfluss des Internets auf den Wahlausgang tatsächlich ist, lässt sich jedoch kaum beurteilen. Mit der Entscheidung für zwei TV-Duelle zwischen den Spitzenkandidaten konzentrieren sich beide Lager wieder auf die Auseinandersetzung im Fernsehen. Die Gemeinschaft der Blogger stört es nicht: sie kommentieren die Auseinandersetzung zeitgleich im Internet.<br />
                            </p></p>
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