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	<title>ARD-Korrespondent &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Indien hat die soziale Frage nicht beantwortet&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2008 16:37:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &#34;größten Demokratie&#34;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zur aktuellen Lage der &quot;größten Demokratie&quot;: Am 20. November 2008 chatette Florian Meesmann, Studioleiter der ARD für Südasien, live aus Neu Delhi. Der Südasien-Korrespondent berichtete von einem Indien zwischen Entwickelung und Stagnation sowie Armut und Reichtum.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Indien hat sich zum beliebten Reiseziel der Bundesregierung entwickelt:<br />
Allein in dieser Woche ist nach Umweltminister Gabriel nun<br />
Bundesaußenminister Steinmeier vor Ort in Neu Delhi. Aus dem ARD-Studio<br />
Südasien ist uns jetzt Florian Meesmann zugeschaltet. Vielen Dank, dass<br />
Sie sich die Zeit nehmen! Herr Meesmann, Sie sind online, können wir<br />
starten?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Schönen Guten Tag nach Deutschland, ich bin bereit und freue mich auf die nächste Stunde!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum ist Indien „in&quot; bei deutschen Spitzenpolitikern?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die fast märchenhafte Entwicklung der größten Demokratie ist es, die<br />
viele Politiker anzieht und die Einsicht darin, dass dieses Land mit<br />
seinen 1,1 Milliarden. Menschen zunehmend wichtiger wird bei der<br />
Bewältigung globaler Krisen, dem Klimaschutz genauso wie der aktuellen<br />
Finanzkrise!
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Wie ist Deutschland im internationalen &#8211; und vor allem europäischen Vergleich &#8211; in seinen Beziehungen zu Indien aufgestellt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Der Besuch der Kanzlerin im vergangenen Jahr hat dafür gesorgt, dass zu<br />
den gut entwickelten Wirtschaftsbeziehungen auch endlich eine enge<br />
politisch-strategische Partnerschaft entstehen könnte. Im<br />
internationalen Vergleich gibt es natürlich viele weitere wichtige<br />
Partner: Die USA (siehe Nuklearvertrag) sowie der Iran als<br />
Energielieferant, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im europäischen<br />
Vergleich muss sich Deutschland nicht verstecken, viele Ansätze fußen<br />
ja eh auf EU-Initiativen.
</p>
<p>
<b>FrankT:</b> Können Sie eine kurze SWOT Analyse/Einschätzung der deutsch-indischen Beziehungen machen?
</p>
<p>
<b>Natalie:</b><br />
Inwieweit gehen die Inder auf die Wünsche und Hoffnungen deutscher<br />
Politiker ein? (Vgl. Artikel &quot;Einbahnstraße&quot; im aktuellen Spiegel)
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Das Verhältnis wandelt sich, keine Frage. Die Erwartung als deutscher<br />
Spitzenpolitiker oder Unternehmer sofort ein gesuchter Gesprächspartner<br />
zu sein, die wird sicher manches Mal enttäuscht. Das Selbstbewusstsein<br />
auf indischer Seite ist ausgeprägt und das bedeutet auch, dass man sich<br />
seine Gesprächspartner in aller Welt sucht. Da gehören die deutschen<br />
Delegationen dazu, nur sie sind eben in bester Gesellschaft. Die<br />
Amerikaner sind aktiv, die Beziehungen zu China spielen eine große<br />
Rolle. Da kann es sicher zu Enttäuschungen kommen, vor allem dann, wenn<br />
Politiker, die eher regional eine Bedeutung haben, nicht sofort einen<br />
Termin beim Spitzenpolitiker bekommen. Vor allem dann, wenn es viele<br />
Besucher in kurzer Zeit gibt. Doch nach meiner Wahrnehmung ist das<br />
Interesse größer als es in dem von Ihnen erwähnten Artikel scheint.
</p>
<p><b>Moritz: </b>Wie sehen die<br />
ehemals schlechten Beziehungen zwischen Indien und China heutzutage<br />
aus? Wäre eine Technikkooperation zwischen China (Hardware) und Indien<br />
(Software) nicht ein Riesen-Vorteil für Asien und eine echte Gefahr für<br />
die Wirtschaft in Europa/USA?</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Die Beziehungen haben sich seit den militärischen Auseinandersetzungen<br />
um den Grenzverlauf im Himalaya vor über 40 Jahren sehr verbessert. Die<br />
Inder bemerken immer mehr, wie aktiv die Chinesen in den Nachbarstaaten<br />
sind. Indien ist natürlich ein interessanter Absatzmarkt für<br />
chinesische Produkte. Die von ihnen befürchtete strategische Allianz in<br />
der IT-Industrie zeichnet sich zur Zeit nicht ab. Dafür sind beide<br />
Länder zu sehr darum bemüht, das erworbene Know-How erst einmal<br />
eigenständig zu vermarkten.
</p>
<p>
<b>Lora:</b> Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf Indien?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese sind vielfältig: Zunächst sind natürlich die Aktienkurse, sowie<br />
in anderen Schwellenländern, scharf eingebrochen. Die Wachstumsraten<br />
sinken. Schon vor dem jetzigen Krisenszenario kämpfte die Wirtschaft<br />
mit Inflationsraten von bis zu 12 Prozent. Noch sind spektakuläre<br />
(Bank-)Pleiten ausgeblieben, doch die Industrie spürt natürlich die<br />
getrübten Konjunkturaussichten und klagt über Refinanzierungsprobleme<br />
am Kapitalmarkt. Die Zeitungen sind voll von den zum Teil<br />
erschütternden Geschichten von Kleinanlegern. Manche haben bis zu 75<br />
Prozent ihrer Geldanlagen eingebüßt!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was trägt Asiens drittgrößte Volkswirtschaft zur Lösung der internationalen Finanzkrise bei?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Nach<br />
dem G20-Treffen am vergangenen Wochenende ist klar, ohne die<br />
Schwellenländer, ohne die BRIC-Staaten (Brasilien, Indien, China und<br />
Russland) kann diese Krise nicht gelöst werden. Die anfängliche<br />
Hoffnung, dass die Schwellenländer aufgrund höherer Reserven und<br />
robusteren Wachstums unbeschadet die Krise überstehen könnten, war<br />
unbegründet. Der spezifische Beitrag Indiens kristallisiert sich erst<br />
allmählich heraus. Dieses Thema steht ja auch im Mittelpunkt der<br />
Gespräche von Bundesminister Steinmeier heute Abend in Delhi.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Rolle spielt Indien innerhalb der G20?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Eine<br />
immer größere, soviel steht fest. Die Inder bemühen sich darum bei den<br />
Verhandlungen über Welthandelsabkommen, in Fragen des Handels mit der<br />
EU nun endlich eine gewichtigere Stimme zu bekommen. Steinmeier hat<br />
deutsche Unterstützung dafür bereits signalisiert.
</p>
<p>
<b>Klaus:</b> Wie schätzen Sie die politische und wirtschaftliche Zukunft Indiens für die nächsten fünf Jahre ein?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Ich meine, man muss die Politik und die Wirtschaft getrennt betrachten.<br />
Wirtschaftlich wird sich das Wachstum früher oder später in den jetzt<br />
bereits erkennbaren Kernen, wie zum Beispiel IT fortsetzen &#8211; trotz der<br />
Krise. Die große Frage wird sein, ob das Wachstum in den Metropolen und<br />
Städten in einigen wenigen Industrien ausreicht, um endlich den<br />
Wohlstand auch für die Inder zu erhöhen, die immer noch in großer Armut<br />
auf dem Land leben, in mittelalterlich anmutenden Verhältnissen. Das<br />
ist immer noch die breite Mehrheit der Bevölkerung. Und erst wenn diese<br />
mehrere hundert Millionen Menschen eine Perspektive haben, erst dann<br />
kann Indien auch politisch weiter reifen. Die größte Demokratie der<br />
Welt hat die &quot;soziale Frage&quot; immer noch nicht beantwortet, und das<br />
schafft Platz für radikale Agitation. Religiös und politisch!
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Sie<br />
beschreiben Indien als Land extremer Gegensätze. Auf der einen Seite<br />
steht der unermessliche Reichtum der Industriemilliardäre, andererseits<br />
leben in dem Land 200 Millionen hungernde Menschen. Wie hält die<br />
indische Demokratie diese Spannung aus?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Genau<br />
diese Fragen stellen wir uns im Studio sehr häufig. Zum einen wissen<br />
die Bauern in den Bergen Zentralindiens oft nur wenig über den<br />
unermesslichen Wohlstand der Reichen in den Städten, zum anderen gibt<br />
es in Indien, anders als in Deutschland oder Europa, nur eine schwache<br />
Vorstellung einer sozialen Gerechtigkeit. Eine Rolle spielt dabei auch<br />
die Mehrheitsreligion des Hinduismus und das immer noch wirkmächtige<br />
Kastenwesen. Danach ist Armut oder Not, stark vereinfacht dargestellt,<br />
auch eine schicksalhafte Notlage, aus der man sich eh nicht befreien<br />
könne. Auch das führt zu einer gewissen Passivität, auch offenkundigen<br />
Ungerechtigkeiten gegenüber.
</p>
<p>
<b>Isa:</b> Ist das Kastensystem eigentlich noch aktuell im Alltag?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann: </b>Offiziell<br />
ist es ja schon lange, lange abgeschafft. Im Alltag ist es &#8211; sogar für<br />
uns Europäer &#8211; deutlich spürbar. Der Zugang zu Bildungschancen, der<br />
gesellschaftliche Stand, all das hängt immer noch auch von der<br />
Kastenzugehörigkeit ab. Trotz aller Bemühungen zur Förderung der<br />
unteren Kasten und der Kastenlosen. Manchmal spüren wir das auch in<br />
sozialen Situationen, wo bestimmte Dinge aus unerklärlichen Gründen<br />
nicht klappen wollen; zum Beispiel wenn ein Brahmane einem Dalit das<br />
Gepäck tragen soll. Erst die Kastenzugehörigkeit lässt einen diese<br />
Situation zumindest nachvollziehen.
</p>
<p>
<b>politur:</b><br />
Liege ich richtig in der Annahme, dass von der oft beschriebenen<br />
positiven Entwicklung Indiens, vor allem eine relativ kleine<br />
Mittelschicht profitiert, der Großteil der Bevölkerung jedoch z.B.<br />
ihren Kindern keine Grundbildung bieten kann?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Diese Annahme ist teilweise richtig. Es stimmt, der Reichtum wächst in<br />
der Hand weniger sehr reicher Familien und einer städtischen<br />
Mittelschicht. Offiziell sollen alle Kinder zur Schule gehen, doch auf<br />
dem Land wird dieses nicht umgesetzt und die Qualität der öffentlichen<br />
Schulen wird von Experten als sehr, sehr unterschiedlich beurteilt.
</p>
<p>
<b>joe333:</b><br />
Wie entwickelt ist in Indien eigentlich das Bildungssystem und wie<br />
flexibel kann die indische Wirtschaft jetzt ihre enormen Potentiale<br />
abrufen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Wie schon angedeutet:<br />
es gibt grundsätzlich die Trennung zwischen öffentlichen und privaten,<br />
kostenpflichtigen Schulen und Universitäten. Es gibt in beiden Strängen<br />
gute und sehr gute Einrichtungen, aber auch sehr schlechte. Der<br />
flexible Abruf ist zum Beispiel im Bereich der IIT (Indian Institute of<br />
Technology) für Software-Ingenieure oder Manager sehr gut organisiert.<br />
In anderen Bereichen funktioniert das deutlich schlechter. Da behindert<br />
oft eine starre Bürokratie die flexible Reaktion der<br />
Bildungseinrichtungen auf die Wirtschaftslage.
</p>
<p>
<b>Mara: </b>Was wird der indische Staat zum Schutz der Christen tun? Indien zählte bisher zu einem friedliebenden, liberalen Land.
</p>
<p>
<b>david22:</b><br />
Warum sind die Christenverfolgungen zum Beispiel in Ostindien so selten<br />
ein Thema in Deutschland und in der deutschen Außenpolitik?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><a href="http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel116.html" title="&quot;Sie wollten, dass er die Bibel verbrennt&quot;"><b> </b>Wir haben darüber Ende Oktober im &quot;Weltspiegel&quot; berichtet.</a><br />
Zuvor auch schon in den aktuellen Sendungen wie z.B. dem<br />
ARD-Mittagsmagazin aus München. Diese Verfolgungen sind ein sehr, sehr<br />
beunruhigendes Phänomen. Ich habe selbst den Distrikt Kandhamal im<br />
Bundestaat Orissa bereist. Dort begann die jüngste Welle der<br />
Verfolgungen. Aber auch in Mumbai oder Karnataka im Süden werden<br />
Kirchen angezündet und Priester geschlagen. Bis zu 50 Menschen sollen<br />
landesweit getötet worden sein. Der indische Staat wird in den<br />
einzelnen Bundesstaaten wie z.B. Orissa ja zunächst durch die jeweilige<br />
Regierung repräsentiert. Gerade in Orissa hat die Polizei vor Ort nicht<br />
genug getan, um die Christen zu schützen. Oft zögern Politiker hart<br />
durchzugreifen &#8211; gerade wenn Wahlen vor der Tür stehen, will man es<br />
sich auch mit den radikalen Hindus, die häufig die Verfolgungen<br />
ausgelöst haben, nicht verderben.
</p>
<p>
<b>Anonym:</b> Soll<br />
und wird der Außenminister die derzeitigen massiven<br />
Christenverfolgungen vor allem im Bundesstaat Orissa ansprechen? Im<br />
Vorfeld hat er dieses öffentlich nicht angekündigt, was aber nicht<br />
heißt, dass er es nicht tun wird. Die EU hat Indien bereits scharf<br />
kritisiert dafür und vielleicht setzt man hier eher auf stille<br />
Diplomatie. Doch genaues wissen wir darüber nicht.
</p>
<p>
<b>Rockenstein:</b> Muss man als Christ jetzt Angst haben nach Indien zu reisen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Nein, dass muss man nicht. Meine Familie und ich sind bekennende Christen und haben noch nie irgendein Problem damit gehabt.
</p>
<p>
<b>Klea: </b>Ist Indien wirklich ein regionaler Stabilitätsfaktor? Man hört ja immer häufiger von Bombenanschlägen.
</p>
<p>
<b>pone arnas:</b> Wie haben Sie die Terroranschläge in Delhi erlebt und was steckt dahinter?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Bei den letzten Terroranschlägen waren auch mehrere Märkte betroffen,<br />
auf denen wir einkaufen gehen. Also das sitzt uns hier schon noch ein<br />
wenig in den Knochen. Die Kette von Serienexplosionen, die es ja in<br />
vielen Städten gegeben hat (Jaipur, Ahmedabad, Delhi) hat auch die<br />
Inder sehr verunsichert. Es spricht viel dafür, dass es sich dabei um<br />
radikalislamistisch motivierte Taten handelt. Bei der letzten großen<br />
Bombenserie in Assam weiß man noch wenig über die Hintermänner und zur<br />
Zeit gibt es einen Anschlag, der offenbar einen hinduistischen<br />
Hintergrund hat, der zur Zeit von der indischen Polizei untersucht<br />
wird. Also die terroristische Bedrohung hat zugenommen, keine Frage.<br />
Doch im Vergleich zu Ländern wie zum Beispiel Pakistan, Bangladesh oder<br />
Afghanistan, kann Indien immer noch als ein Stabilitätsfaktor gelten.<br />
Die Frage ist sicher, ob es dem indischen Staat gelingt, dieser<br />
Bedrohung besser Herr zu werden, als das bisher der Fall war. Das ist<br />
sicher entscheidend dafür, ob Indien seine relative Stabilität wahren<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Pogy:</b> Sie sind ja Korrespondent für Südasien. Haben Sie sich diese Region bewusst ausgesucht? Wenn ja, was fasziniert so daran?
</p>
<p>
<b>Norbert:</b> Für welche Länder sind Sie eigentlich zuständig? Wie lässt sich das realisieren, wenn man bedenkt, wie groß allein Indien ist?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Unser Berichtsgebiet umfasst neben Indien die Länder Afghanistan,<br />
Pakistan, Nepal, Bhutan, Sri Lanka, die Malediven und Bangladesh. Dabei<br />
spielen &#8211; neben Indien &#8211; natürlich Pakistan und Afghanistan eine<br />
herausragende Rolle in der Berichterstattung. Die ist nur möglich mit<br />
Hilfe eines Netzes von Stringern und Producern in den einzelnen Ländern<br />
und durch ausgeprägte Reisen der Studiocrew. Das Faszinierende an<br />
Südasien sind sicher die atemberaubenden Widersprüche dieser Region. In<br />
Indien liegen ergreifende Naturschönheiten und menschliches Elend sehr<br />
dicht beieinander. In Afghanistan sind es die herzlichen Menschen, die<br />
trotz Jahrzehnten Bürgerkriegs den Lebensmut nicht verloren haben. Die<br />
Kette der Beispiele ist lang, aber faszinierend ist die Arbeit hier.<br />
Daran besteht kein Zweifel.
</p>
<p>
<b>am:</b> Rückblick nach einem Jahr, Herr Meesmann: was war Ihr einschneidenstes Erlebnis?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Da gab es eine ganze Menge, am meisten erschüttert haben mich zwei<br />
Dinge: Die Begegnung mit der herzzereissenden Armut der indischen<br />
Landbevölkerung und die Begegnung mit einem schwer verletzten Mädchen<br />
in einem Bundeswehrfeldlazarett in Nordafghanistan. Die Augen dieses<br />
bei einem Anschlag schwer verletzten Kindes, die begleiten mich bei<br />
meinen Reisen durch Afghanistan.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir müssen leider schon zum Schluss kommen&#8230;
</p>
<p>
<b>omg: </b>In<br />
Indien leben noch 500 bis 600 Millionen Menschen ohne ordentliche<br />
Stromversorgung. Ist es da nicht übertrieben, von einer kommenden<br />
Wirtschaftsmacht zu reden?
</p>
<p>
<b>ManDra:</b> Indien<br />
umrundet mit seiner Weltraum-Technik den Mond, hat Atomraketen und<br />
Flugzeugträger. Ist vor diesem Hintergrund die Zahlung von<br />
Entwicklungshilfe noch berechtigt?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b><br />
Vielen Dank für diese beiden Fragen, denn sie werfen ein Schlaglicht<br />
auf die ungelösten Probleme Indiens: Auch in Neu Delhi fällt regelmäßig<br />
der Strom aus, dabei ist die stabile Energieversorgung sicher eine der<br />
Grundlagen für das weitere Wachstum. Entwicklungshilfe, das hat auch<br />
die zuständige Bundesministerin bei Ihrem Besuch kürzlich deutlich<br />
gemacht, kann nur sehr gezielt gegeben werden. Eines der indischen<br />
Grundprobleme ist sicher dieses: Wie können die Eliten des Landes davon<br />
überzeugt werden, dass ein leistungsfähiger Staat, ein Minimum an<br />
sozialer Grundversorgung und die Übernahme von Verantwortung,<br />
Voraussetzungen dafür sind, zu einer Weltwirtschaftsmacht aufzusteigen.<br />
In dieser Frage hat Indien und seine Gesellschaft noch ein gutes Stück<br />
Weg vor sich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war eine gute<br />
Stunde tagesschau-Chat. Vielen Dank, liebe User, für Ihre Beteiligung!!<br />
Leider konnten wir nicht alle Fragen stellen. Herzlichen Dank, Florian<br />
Meesmann, für Ihre Zeit! Grüße von Berlin nach Neu Delhi! Das Team von<br />
tagesschau.de wünscht allen noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann:</b> Herzliche Grüße in die Heimat!
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Thomas Querengässer, tagesschau.de.</i></p>
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		<title>Chat zu Obama und USA</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 16:35:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Freitag ist David Crawford, Deutschland-Korrespondent des Wall Street Journal, zwischen 12 bis 13 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat. Thema: Der neue US-Präsident Barack Obama.
<p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag ist David Crawford, Deutschland-Korrespondent des Wall Street Journal, zwischen 12 bis 13 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat. Thema: Der neue US-Präsident Barack Obama.</p>
<p>
<!--break-->Die Amerikaner haben Geschichte geschrieben und am Dienstag zum ersten Mal einen Afro-Amerikaner ins Weiße Haus gewählt. Barack Obama wird im Januar den unbeliebten George W. Bush ablösen. Der Vertrauensvorschuss für den neuen US-Präsidenten ist immens. Riesengroß sind auch die anstehenden Probleme: Finanzkrise, wirtschaftlicher Abschwung, die Kriege im Irak und in Afghanistan. Wie belastet sind die Hypotheken, die Obama von der Vorgängerregierung übernimmt? Millionen hoffen auf das Wahlversprechen &quot;Change&quot;. Kann Barack Obama diese Hoffnungen erfüllen? <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?cid=198&amp;id=ts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bereits Fragen stellen</a>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Die tagesschau-Chats werden veranstaltet von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und <a href="//" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>tagesschau-Chat zur US-Wahl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2008 11:38:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch ist Udo Lielischkies, ARD-Korrespondent in Washington, ab 16:00 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat. Thema: Amerika kurz vor der Wahl. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&#38;id=ts&#38;cid=194&#38;user=#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bereits Fragen stellen!</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch ist Udo Lielischkies, ARD-Korrespondent in Washington, ab 16:00 Uhr zu Gast im tagesschau-Chat. Thema: Amerika kurz vor der Wahl. <a href="http://www.t88198792.de/chat/index.php?pid=1&amp;id=ts&amp;cid=194&amp;user=#" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier bereits Fragen stellen!</a><!--break--></p>
<p>
Nur noch wenige Tage bis zum Tag der Entscheidung in den USA: Wird mit Barack Obama tatsächlich das erste Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein Schwarzer Präsident? Oder gelingt es dem Republikaner John McCain in letzter Sekunde doch noch, Obama einzuholen?
</p>
<p>
Udo Lielischkies, seit Ende 2006 Korrespondent in Washington, antwortet live aus dem Studio Washington auf Ihre Fragen.
</p>
<p>
<i>tagesschau-Chats werden veranstaltet von <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau.de</a> und <a href="/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a></i>.</p>
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		<title>„Gezuckt habe ich nie“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2008 15:33:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Thomas Roth, der Leiter des ARD-Studios in Moskau, war am 04. September 2008 zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Dort nahm er Stellung zu den kritischen Stimmen aus der Netzwelt nach dem gekürzten Interview mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Thomas Roth, der Leiter des ARD-Studios in Moskau, war am 04. September 2008 zu Gast im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de. Dort nahm er Stellung zu den kritischen Stimmen aus der Netzwelt nach dem gekürzten Interview mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin. <!--break--></p>
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<b>Thomas Roth:</b> Liebe Kollegen, viele grüße aus Moskau, wir sind bereit!
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<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen, liebe Leser, im tagesschau-Chat. Heute zu Gast: Thomas Roth. Der Leiter des ARD-Studios in Russland ist uns von dort aus verbunden und stellt sich in den kommenden 60 Minuten Ihren Fragen. Sie werden sich voraussichtlich um das Interview Roths mit dem russischen Ministerpräsidenten Putin vor einer Woche drehen. Der Ansturm Ihrer Fragen im Vorfeld lässt vermuten, dass dieser Chat sehr gut besucht sein wird. Deswegen werden wir wohl leider nicht alle Fragen aufrufen können. Dafür stellen wir im Anschluss noch schneller als gewohnt das vollständige Transkript des Chats online.<br />
Bevor es nun losgeht, sei noch der Hinweis erlaubt: Wie immer im Tagesschau-Chat, gilt auch für diesen das Gebot der Fairness. Wir bitten um sachlich richtige und im Ton höfliche Fragen und behalten uns vor, nur solche zu posten.
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<b>blabla: </b>Halten Sie angesichts der Reaktion Ihrer Zuschauer die Art und Weise, in der das Interview gekürzt wurde, weiterhin für gerechtfertigt und objektiv? Würden Sie es heute anders machen?
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<b>Thomas Roth: </b>Ja, ich halte es nach wie vor für richtig, dass wir an einem herausgehobenen Programmplatz im ARD-Hauptprogramm das Interview in einer Länge von 10 Minuten ausstrahlen durften. Das ist für uns eine sehr gute Gelegenheit gewesen, den Standpunkt des russischen Ministerpräsidenten einem möglichst großen Publikum präsentieren zu können. Der Vorgang selbst, ein Interview auch in gekürzter Form zur Verfügung zu stellen, ist auch international nichts Ungewöhnliches. Wir haben, da wir kein staatlicher Rundfunk sind, nicht die Verpflichtung, das Interview eines Ministerpräsidenten unmittelbar in gesamter Länge auszustrahlen. Ich habe mich aber gefreut, dass wir im ARD-Hauptprogramm davon zehn Minuten zeigen durften. Die Kürzung selbst habe ich nach aus meiner Sicht streng nachrichtlichen Kriterien vorgenommen.
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<b>Thomas:</b> Halten Sie das gekürzte Interview inhaltlich für gleichwertig?
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<b>Thomas Roth:</b> Am besten ist ein Interview natürlich immer, wenn man es sofort und unmittelbar in voller Länge zeigen kann. Natürlich auch deshalb, weil in voller Länge jede Nuance viel deutlicher wahrgenommen werden kann &#8211; insofern ist eine gekürzte Version natürlich immer eine gekürzte Version.
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<b>Thomas:</b> Wer entschied, diesem Interview nur neun Minuten Sendezeit einzuräumen?
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<b>Thomas Roth:</b> Das war eine Entscheidung der ARD-Programmplanung, über die ich mich aber sehr gefreut habe. Es ist nämlich keine Selbstverständlichkeit, politischen Inhalt an einem Freitag Abend im Hauptprogramm der ARD soviel Zeit einzuräumen. Obwohl nach meiner Information das Publikum an einem solchen Abend eher unterhaltungsorientiert zu sein scheint.
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<b>Steffino:</b> Meines Erachtens wurde die Frage von &#8216;blabla&#8217; nicht beantwortet. Es ging in der Frage darum, ob Herr Roth die Art und Weise der Kürzung als objektiv empfindet, nicht um die Kürzung an sich.
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<b>Thomas Roth:</b> Ich habe diese Kürzung nach journalistischen Kriterien vorgenommen und versucht, dabei möglichst viele interessante Gesichtspunkte an diesem Abend zu berücksichtigen. Im Zentrum stand die Frage nach der Isolation Russlands, die Erwartungen vor dem Brüsseler Gipfel und ob die Krim der nächste drohende Konfliktpunkt ist. Außerdem war da noch die Frage, welche Rolle die deutsche Politik spielen kann. Ich habe den Eindruck, auch in der Folge der Berichterstattung durch andere Medien (wie Zeitungen in Deutschland), dass sich auch dort das Interesse besonders auf diese Punkte konzentriert hat.
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<b>Freddie Mac:</b> Wie erklären Sie sich die große Empörung über die Kürzungen?
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<b>Thomas Roth:</b> Offen gestanden tue ich mich damit sehr schwer. Vielleicht ist es nicht jedem Zuschauer bekannt, dass dies eine übliche journalistische Praxis ist, die z. B. auch in Berlin journalistischer Alltag ist. Dort werden auch lange politische Debatten (aber durchaus auch Interviews) sehr selten im Hauptprogramm in voller Länge ausgestrahlt.Was mich an der Reaktion durchaus stört ist, dass von nicht wenigen wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, ich hätte dabei ein manipulatives Interesse gehabt. Dem war natürlich nicht so.
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<b>Joe:</b> Warum haben Sie, abgesehen von größeren Passagen, auch einzelne Worte gestrichen, die ja kaum eine große Zeitersparnis mit sich bringen?
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<b>Thomas Roth:</b> Wir haben versucht, den inneren Sinn des Interviews zu erhalten, damit der Zuschauer dem Interview auch inhaltlich folgen kann, ohne Bezug auf Teile zu nehmen, die der Zuschauer nicht zur Kenntnis nehmen konnte. Das war dann erst in der langen Fassung möglich und auch gut so.
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<b>Thomas:</b> Warum wurde nicht im Vorhinein auf die Kürzung des Interviews hingewiesen?
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<b>Thomas Roth:</b> Diesen Hinweis nehme ich gerne auf. Und wir machen das das nächste mal sehr gerne so.
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<b>Peter: </b>Bei Ihrer gekürzten Version sahen die Zuschauer eine lange Eingangssequenz mit der Begrüßung Putins. Sie sahen, wie ihm das Mikrofon angeklemmt wird. In der vollständigen Fassung im WDR wurde auf diese Eingangssequenz verzichtet. Der Sendeökonomie zufolge wäre genau der umgekehrte Fall logisch gewesen. Gerade durch den Schnitt in der gekürzten Fassung entsteht der Eindruck, es handele sich um das vollständige Interview, da die Kamera scheinbar nonstop läuft. Darüber hinaus gibt es Schnitttechniken, z.B. Jumpcuts, die dem Zuschauer eindeutige Hinweise geben, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt. Warum wurden diese Techniken nicht verwendet, stattdessen aber ein, sagen wir, glatter Schnitt, der kaum dazu Anlass gibt, die erste Ausstrahlung als unvollständig zu betrachten? Trotz Zeitdrucks und angesichts der Wichtigkeit dieses Interviews.
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<b>Thomas Roth: </b>Die Eingangssequenz mit der Begrüßung diente dazu, den Zuschauer an das Ereignis heranzuführen. Ich finde, dass diese Sequenz auch die Grundathmosphäre des Interviews durchaus wiedergibt. Die eines interessanten und spannenden Gesprächs, das aber durchaus von gegenseitigem (!) Interesse und Respekt geprägt war. Insofern war alleine das schon eine wichtige Information. Richtig ist, dass wir dem Zuschauer, auch wenn er nicht in der Problematik bewandert ist, das Interview in einer möglichst leicht verständlichen (auch bildlichen) Form zu präsentieren, um Hindernisse im Verständnis so weit wie möglich abzubauen. Man hätte, wollte man der ganz puren Form folgen, darauf verzichten können. Ich habe es aber im Interesse der Wahrnehmung der Zuschauer nicht getan.
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<b>blabla:</b> Halten Sie Ihre Berichterstattung im Speziellen und die Berichterstattung in den deutschen Medien im Allgemeinen in Bezug auf die Georgien-Krise für objektiv? Haben Sie das Gefühl, dass die Meinung und Sorgen aller Seiten hinreichend berücksichtigt wurden?
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<b>Thomas Roth:</b> Ich kann in dieser Sache nur für uns, die ARD, sprechen. Wir haben uns die allergrößte Mühe gegeben, beide Konfliktparteien zu berücksichtigen und darüber möglichst objektiv zu berichten. Mein Kollege Stephan Stuchlik ist sofort nach Ausbruch des Konflikts schnellstmöglich nach Nord-Ossetien und schliesslich bis nach Zchinvali vorgedrungen. Er konnte dort auch authentisch über die Folgen des georgischen Angriffs berichten. Übrigens unter sehr hohem persönlichem Risiko.
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<b>Jens:</b> Lieber Herr Roth, bitte beschreiben Sie uns doch, mit welcher Personalstärke und welchen Bedingungen die ARD in der &quot;heißen Phase&quot; über den Kaukasus-Konflikt berichtet hat.
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<b>Thomas Roth: </b>An dem Konfliktort Nord-Südossetien hatten wir ein Team von sechs Personen unter der Führung von Stephan Stuchlik, an der georgischen Seite ebenfalls sechs Personen. Die politische Beobachtung an der diplomatischen Front übernahmen zwei Korrespondenten im Studio Moskau, die sich dort ebenfalls bemühten, beide Seiten angemessen zu beleuchten. Es war der höchste Personalaufwand bei einem bewaffneten Konflikt seit langem.
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<b>Moderatorin: </b>Zurück zum Interview:
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<b>Medienwirt: </b>Warum haben Sie die Langfassung um 6.20 Uhr morgens ausgestrahlt? So hat sie doch kaum jemand sehen können.
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<b>Thomas Roth: </b>Das war eine Entscheidung der Programmplanung des WDR. Ich war froh, dass wir die Langfassung im WDR-Fernsehen zeigen konnten. Zudem haben wir ja den Text im Internet auf dem sehr gut besuchten Portal &quot;tagesschau.de&quot; ebenfalls zur Verfügung gestellt. Mehr kann man kaum tun, wie mir scheint.
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<b>Linse: </b>Finden Sie nicht, dass für ein so wichtiges Interview das Hauptprogramm unterbrochen werden soll, um das Interview ganz zu zeigen?
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<b>Thomas Roth:</b> Jeder Korrespondent freut sich, wenn ein solches, tatsächlich ja sehr spannendes, Interview eine möglichst große Chance im Hauptprogramm bekommt. Aber ein Hauptprogramm setzt sich ja nicht nur aus solchen Aktivitäten zusammen. Es muss auch immer die Interessen aller Zuschauer berücksichtigen und das ist auch gut so.
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<b>schmidt: </b>Lieber Herr Roth! Warum wurde die Passage ausgeschnitten, wo es sich darum handelte, wer den Krieg angefangen hat? Das ist meiner Meinung nach, eine der wichtigsten Fragen. Alle, die ich kenne, glaubten bis vor kurzem, Russland war der Aggressor.
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<b>Thomas Roth: </b>Putin hat doch deutlich gesagt, wie seine Sicht der Dinge ist. In der Langfassung kam ja dann auch ich zu Wort, indem ich bestätigt habe, dass auch aus meiner Sicht der &quot;letzte Auslöser&quot; für den Konflikt der georgische Angriff auf Zchinvali war. Mir scheint, das ist inzwischen überall unbestritten.
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<b>Das Mensch: </b>Wie wird das nächste Interview mit den russischen Politikern? Wieder gekürzt oder in voller Länge?
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<b>Thomas Roth: </b>Meine liebste Version wäre, den russischen Ministerpräsidenten und/oder Präsidenten live in voller Länge präsentieren zu dürfen. Das würde uns allen sicher viele Diskussionen ersparen. Vielleicht haben wir ja bald eine Chance dazu, hoffe ich!
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<b>Jewgenij: </b>Lieber Herr Roth, warum haben Sie gesagt dass Georgien &quot;der letzte&quot; Auslöser war? Warum der letzte?
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<b>Thomas Roth:</b> Ich sage das deshalb, lieber Jewgenij, weil dieser Konflikt eine lange und sehr komplizierte Vorgeschichte hat, die bis in den anfang der 90iger jahre zurückreicht. Ich habe nicht immer den Eindruck gehabt, dass beide Seiten (!) jederzeit konstruktiv an der Beilegung dieser komplizierten Konfliktlage energisch gearbeitet haben. Ich bedauere das sehr, da ich die Gegend kenne und weiß, wie viele Menschen auf beiden Seiten unter diesem Konflikt gelitten haben und leiden.
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<b>tovarysh:</b> Hat Sie irgendetwas an den Aussagen Putins wirklich überrascht?
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<b>Thomas Roth:</b> Ja, tovarysh. Was mich überrascht hat, war, dass aus Putins Sicht der Krieg, wie er sagte, direkt im weissen Haus in den USA geplant worden sei und er dazu diene, die Popularität von John McCain, des konservativen Kandidaten, voranzutreiben. Das hatte ich in dieser Entschlossenheit von ihm selbst bislang persönlich nicht gehört.
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<b>Jens:</b> Welche Reaktionen hat es in Russland auf Ihr Interview gegeben?
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<b>Thomas Roth:</b> Das Interview wurde auf verschiedenen Fernsehkanälen gezeigt, allerdings in zum Teil sehr verschiedenen Fassungen. Die beiden großen Kanäle haben zum Teil sehr stark gekürzte Fassungen veröffentlicht. Manche, soweit ich weiß, in der Länge oder Kürze von drei bis fünf Minuten. Der einzige Kanal, der meines Wissens die ganze Länge ausgestrahlt hat, war der Spartenkanal vesti24. Ich selbst wurde durchaus von ganz normalen Menschen auf der Straße angesprochen und zwar durchweg mit Anerkennung. Das hat mich natürlich gefreut.
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<b>Lissi: </b>Ich frage mich (und vielleicht können Sie darauf eine Antwort finden): Was vermuten Sie, haben die Zuschauer von diesem Interview erwartet? Gab es Informationen, die Sie herausgeschnitten haben, die trotzdem wichtig zu erwähnen gewesen wären? Haben Sie selbst an einigen Stellen gezuckt und sich gefragt, ob man diese Stelle vielleicht lieber drinnen lassen solle?
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<b>Thomas Roth: </b>Gezuckt habe ich nie. Aber natürlich war es ein ständiges Abwägen zwischen nachrichtlichem Inhalt und dem Bemühen, den Standpunkt des russischen Ministerpräsidenten auch in einer gekürzten Version möglichst adäquat wiederzugeben. Ich hoffe, dass die Zuschauer neugierig darauf waren, den russischen Ministerpräsidenten, angesichts des schweren Konflikts, selbst zu hören.
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<b>william wolfo:</b> Würden Sie dieselben Maßstäbe auch auf ein Interview mit dem amerikanischen Präsidenten anwenden? Würde es dann Protest aus der Politik und den Aufsichtsgremien geben?
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<b>Thomas Roth:</b> Ich würde, lieber william wolfo, an jeden die gleichen Maßstäbe anwenden, wie ich das auch bisher z.B. in Berlin als Chefredakteur getan habe. Das es Protest geben könnte, darf nicht Teil unserer Überlegungen sein. Auch wenn ich mich natürlich über Zustimmung sehr viel mehr freue!
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<b>korrespondent: </b>Deutschland hat traditionell gute Beziehungen zu Russland. Sehen Sie hier eine besondere journalistische Verantwortung?
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<b>Thomas Roth:</b> Bei der Berichterstattung über Russland haben wir allen gegenüber die Verpflichtung, so nah wie möglich an der Realität zu berichten. Wie mir auch von europäischer Seite im Vergleich immer wieder gesagt wird, ist das Interesse in Deutschland besonders hoch. Das verwundert auch nicht, bei der langen und zum Teil sehr traurigen Geschichte (Überfall auf die Sowjetunion), die wir miteinander teilen. Ich hoffe allerdings, dass unsere Berichterstattung am Ende dazu beitragen kann, dass wir uns nicht entfernen, sondern einander weiter annähern.
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<b>olf:</b> Hallo Herr Roth. Wie war die Stimmung in der Redaktion, als sich abzeichnete, wie viel negatives Feedback das Interview erzeugte? War man geschockt oder ist man in der Redaktion auf solche Situationen vorbereitet?
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<b>Thomas Roth: </b>Ich selbst war überrascht, weil ich ja noch stolz darauf war, dass wir einen Teil des Interviews im ARD-Programm zeigen durften. Geschockt war ich allerdings, da doch ziemlich Viele mir mehr oder weniger deutlich zu unterstellen haben, dass ich ferngesteuert sei. Oder, dass ich mich zu einer offenen Zensur hergeben würde. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, zumindest diesen Verdacht auszuräumen.
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<b>Michael:</b> Und noch eine Frage: Inwieweit beeinflusst die Zuschauerrückmeldung in Blogs und Foren, die für jedermann sicht- und lesbar ist, Ihre Arbeit als Journalist?
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<b>Thomas Roth:</b> Sie erinnert uns ständig daran, dass wir unseren Job möglichst gut und möglichst gewissenhaft erledigen müssen. Im übrigen: auch wir sind nur Menschen und auch uns können durchaus einmal Fehler passieren. Ich hoffe, dass unsere Zuschauer auch dafür dann Verständnis auf bringen. Das mit dem Interview war aber natürlich kein Fehler.
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<b>Steffino: </b>Was halten Sie von Menschen, die der Ansicht sind, dass die Darstellung politischer Sachverhalte in den Medien einseitig, um nicht zu sagen, kontrolliert ist?
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<b>Thomas Roth:</b> Ich kann nur sagen, dass das für uns in gar keinem Fall gilt. Außerdem habe ich, was den allergrößten Teil der Presselandschaft in Deutschland angeht auch dort den Eindruck, dass sich die Kollegen nach bestem Wissen und Gewissen bemühen. Da ich viele andere Länder kenne, weiß ich, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.
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<b>Ihr Benutzername: william wolfo: </b>Haben Sie überwiegend Zustimmung von den Kollegen erhalten? Gab es auch Kritik?
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<b>Thomas Roth:</b> Lieber wolfo, es gab überwiegend Zustimmung, ja sogar Lob!
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<b>Kai: </b>Hallo, ich fand es bemerkenswert, dass Putin in dieser Situation einem ausländischen Korrespondenten überhaupt ein Interview gegeben hat. War das Ihre Initiative und hat er auch Fernsehsendern anderer Länder Interviews gegeben? Und wenn nicht, warum denken Sie, dass er die ARD ausgewählt hat?
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<b>Thomas Roth:</b> Ich hoffe, er hat uns ausgewählt, weil er glaubt, dass die ARD eine seriöse Fernsehanstalt ist, die die Grundsätze von Fairness beachtet. Ein weiterer Grund war sicher, dass er der europäischen Öffentlichkeit durch ein solches Interview, seine Sicht der Dinge darlegen wollte und auch konnte. Fairer weise will ich sagen, dass er am Abend vor uns, dem amerikanischen Nachrichtensender CNN ebenfalls ein Interview gegeben hat.
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<b>MIch1968:</b> Hallo Herr Roth &#8230; ich habe nur eine einzige Frage &#8230; ist Herr Putin glaubwürdig?
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<b>Thomas Roth: </b>Ich glaube, er vertritt seine Interessen und Überzeugungen klar und auch für mich nachvollziehbar. Dass ich sie an bestimmten Punkten nicht teile, war der Grund meiner kritischen Fragen in diesem Interview. Ich bin aber ganz sicher, dass Putin meint, was er sagt.
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<b>integrity:</b> Finden Sie nicht, dass dieses Interview eigentlich mit dem russischen Präsidenten hätte geführt werden müssen? Finden Sie nicht, dass verfolgt man Putin und seine Interviews über Jahre, dieses Interview eigentlich inhaltlich vorher bekannt war?
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<b>Thomas Roth: </b>Nein. Ich finde, dass er in diesem Interview sehr viel zugespitzter als früher war. Er hat beispielsweise unterstellt, dass die europäische Politik direkt von den USA gesteuert wird. Das habe ich vorher so direkt noch nie gehört. Ich würde mich natürlich freuen, wenn ich auch den russischen Präsidenten Medwedew interviewen dürfte und zwar möglichst live.
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<b>assdafdfsdgd: </b>Wäre das vollständige Interview auch ohne allgemeine Empörung ausgestrahlt worden oder war dies bereits eingeplant?
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<b>Thomas Roth:</b> Ja, ich hatte schon damit gerechnet, dass wir auch die lange Fassung zeigen dürfen.
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<b>Schekker: </b>Ist es aus Ihrer Sicht nicht ein Gewinn für einen Journalisten, wenn er die Diskussion über ein Beitrag im Internet fortführen kann? Zuschauerbindung pur!
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<b>Thomas Roth:</b> Ja, ich finde das ganz toll und freue mich darüber. Manchmal allerdings, wenn es eine so intensive Reaktion ist, muss ich darauf achten, dass ich auch meiner anderen Arbeit noch nachkommen kann. Aber es ist großartig, dass wir inzwischen via Internet solche Möglichkeiten haben!
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<b>gregor_keuschnig:</b> Sie schreiben im tagesschau-Blog, dass das Gespräch rund eine Stunde gedauert hat. Jetzt sagen Sie, die Langversion sei gesendet worden. Das waren aber nur 27 Minuten. was war denn Rest?
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<b>Thomas Roth: </b>Der Rest war die zeit, die der Konsekutiv-Dolmetscher gebraucht hat, der Putin immer stückweise übersetzt hat. Übrigens war der nicht zu beneiden, da Putin glänzend deutsch spricht und ihn immer wieder (zurecht) korrigiert hat. Der Dolmetscher wurde von der russischen Seite gestellt.
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<b>Schekker: </b>Hallo Herr Roth, bei aller Aufregung um dieses Interview möchte ich auch mal sagen, dass ich es toll finde, dass Sie sich hier den Kritikern stellen. So wird das Medium Internet als Ergänzung zum TV sehr gut genutzt. Zumindest dafür meinen Dank!!!
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<b>Moderatorin: </b>Diesem Dank schließen wir uns an &#8211; auch an Sie, liebe User von tagesschau.de und politik-digital.de, für die zahlreichen, interessanten und interessierten Fragen. 60 Minuten sind um, der Chat mit Thomas Roth zu Ende. In Kürze können Sie das Transkript bei tagesschau.de und politik-digital.de nachlesen. Herr Roth, haben Sie herzlichen Dank. Sie haben das letzte Wort:
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<b>Thomas Roth:</b> Ich bedanke mich ebenfalls für das große Interesse und hoffe, dass ich Urteile und Vorurteile vielleicht sogar ein wenig verändern konnte. Alles Gute aus Moskau!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>ARD-Moskaukorrespondent im Chat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fkirchner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2008 14:42:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Projektvorstellung]]></category>
		<category><![CDATA[ARD-Korrespondent]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 4. September, von 13 bis 14 Uhr ist Thomas Roth, ARD-Korrespondent in Moskau, zu Gast im <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Chat</a>. Thema: das Putin-Interview im Ersten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 4. September, von 13 bis 14 Uhr ist Thomas Roth, ARD-Korrespondent in Moskau, zu Gast im <a href="http://www.talkserver.de/redirect/ch_07" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagesschau-Chat</a>. Thema: das Putin-Interview im Ersten.<!--break--></p>
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Aufregung um das ARD-Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin vom 29. August: Die Blogosphäre und zahlreiche Leser von tagesschau.de werfen dem Moskau-Korrespondenten Thomas Roth unzulässige Kürzungen vor und unterstellen ihm Zensur.
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<p>
Wie entstand das Interview? Warum sendete die ARD eine zehnminütige Zusammenfassung des rund einstündigen Gespräches? Welche Passagen wurden gekürzt &#8211; und warum?
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Thomas Roth antwortet im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de live aus Moskau auf Ihre Fragen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Der Balkan bleibt ein Pulverfass“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Friederike Günther]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Sep 2008 17:18:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Neuwahlen]]></category>
		<category><![CDATA[ARD-Korrespondent]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Balkan]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Glass]]></category>
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					<description><![CDATA[Die ARD-Korrespondentin für Österreich und Südosteuropa, Susanne Glass, stellte sich am 2. September im tagesschau-Chat live auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin den Fragen der Chatter. Susanne Glass beantwortete Fragen zu der aktuellen Situation im Balkan, der Neuwahl in Österreich und ihrem Lieblingsgericht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die ARD-Korrespondentin für Österreich und Südosteuropa, Susanne Glass, stellte sich am 2. September im tagesschau-Chat live auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin den Fragen der Chatter. Susanne Glass beantwortete Fragen zu der aktuellen Situation im Balkan, der Neuwahl in Österreich und ihrem Lieblingsgericht.<!--break--></p>
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<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen, liebe Leser, zum tagesschau-Chat von der Internationalen Funkausstellung in Berlin. In den kommenden 60 Minuten steht Ihnen Susanne Glass zur Verfügung. Frau Glass ist die ARD-Korrespondentin für Österreich und Südeuropa. Ich wünsche uns allen viel Vergnügen. Nun erst einmal ein herzliches Dankeschön an Frau Glass. Herzlich willkommen! Können wir starten?
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<b>Susanne Glass:</b> Ja.
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<b>Moderatorin:</b> Diese Frage hat die meisten Leser interessiert:
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<b>Mahoni:</b> Wie unterscheidet sich die journalistische Arbeit in Österreich von der in Deutschland?
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<b>Susanne Glass: </b>Ich denke, dass die Medienvielfalt in Deutschland größer ist. Dadurch ist das Arbeiten in Deutschland für Journalisten einfacher. Sie können kritischer berichten. Ich habe den Eindruck, dass die österreichischen Medien noch stärker Rücksicht nehmen auf diverse Parteiinteressen.
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<b>Moderatorin:</b> Top 2 bei unseren Lesern ist diese Frage:
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<b>Hacklebarry: </b>Wie sind Sie denn in Österreich gelandet &#8211; es gibt doch sicher spannendere Länder für Auslandskorrespondenten?!
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<b>Susanne Glass:</b> Österreich ist der Sitz unseres Studios für Südosteuropa. Ich bin insgesamt für elf Länder zuständig, für alle Länder Ex-Jugoslawiens, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn. Ich habe sehr viel Krisenberichterstattung gemacht, unter anderem über die Balkankriege berichtet. Ich finde deshalb meine Region sehr spannend.
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<b>Moderatorin:</b> Direkt zur Krisenberichterstattung:
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<b>phlo:</b> Wie verarbeiten Sie besonders schlimme Ereignisse, die Sie ja sicherlich in Südosteuropa erlebt haben?
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<b>Susanne Glass</b>: Wenn man arbeitet, steht man ja häufig unter Zeitdruck, den Druck Informationen zu beschaffen und Interviewpartner zu finden. Das hilft im ersten Moment sicherlich, sich abzulenken und gibt einem außerdem das Gefühl, dass man etwas Sinnvolles tut vor Ort. Das hilft mir sehr. Gleichzeitig aber fällt mir auf, dass ich auch oft erst Wochen später &#8211; wenn ich längst zu Hause bin &#8211; wieder an diverse Situationen denke, sie dann erst Zeit verzögert verarbeite.
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<b>Gwendola: </b>Können Sie sich an eine besonders bewegende Situation während Ihrer Zeit als Korrespondentin erinnern?
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<b>Susanne Glass: </b>Also, ich war direkt in der zweiten Reihe, als in Belgrad das Parlament gestürmt wurde und Milosevic gestürzt worden ist. Das war für mich sehr, sehr bewegend. Dann sind eigentlich alle Situationen sehr bewegend, in denen man mit Menschen spricht, die im Krieg Angehörige verloren haben. Jene, die es letztendlich dann trotzdem schaffen, diesem ehemaligen Kriegsgegner zu verzeihen und sich dann entscheiden, in ihre ehemalige Heimat zurückzugehen. Da denke ich oft lange drüber nach.
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<b>Moderatorin:</b> Ein großes Thema für unsere Leser: die Große Koalition in Österreich.
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<b>zum Chat!:</b>Was kann unsere Große Koalition aus dem Scheitern der Österreicher lernen?
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<b>Susanne Glass:</b> Das ist eine interessante Frage, weil in Österreich eher gefragt wird, was hätte die österreichische Koalition aus dem Nicht-Scheitern der Deutschen lernen können.Offen gestanden, habe ich den Eindruck, dass die jetzt gescheiterte österreichische Große Koalition wenig geboten hat, aus dem man hätte lernen können.
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<p>
<b>Marianne: </b>Warum ist die Große Koalition in Österreich Ihrer Meinung nach gescheitert?
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<b>Susanne Glass:</b> Weil der eigentlich kleinere Partner in der Großen Koalition der Meinung war, dass er der größere sein müsste &#8211; und sich auch so benommen hat. Aber er hatte ja auch Anlass dazu, an der Stärke des größeren zu zweifeln.
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<b>Moderatorin:</b> Können Sie das näher ausführen?
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<b>Susanne Glass:</b>Sie ist daran gescheitert, dass sich der ÖVP-Chef Molterer und der SPÖ-Bundeskanzler Gusenbauer letztlich in keinem Punkt einigen konnten. Die SPÖ hat meiner Meinung nach, um die Macht zu halten, zu oft zu populistischen Verfahren gegriffen.
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<b>Dr. Peter Venkman: </b>Wie erklären Sie sich die Popularität von Jörg Haider?
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<b>Susanne Glass:</b> Das ist ein Kärntner Phänomen. Jörg Haider hat sicher sehr viel Charisma, und er schafft es immer wieder, sich als der Verteidiger der kleinen Leute zu präsentieren. Letztlich glaube ich wirklich, dass man als Deutsche diese Popularität niemals ganz begreifen wird.
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<p>
<b>hans:</b> Zum Thema Albanien: Wie häufig sind Sie denn da? Und warum ist es das vielleicht am wenigsten beachtete Land Europas?
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<b>Susanne Glass:</b> Also, in Albanien bin ich vielleicht alle drei Monate. Es ist leider so, dass es dort zu ruhig ist, um ständig darüber berichten zu können. Aber es heißt ja nicht, dass das Leben für die Menschen dort leicht ist &#8211; ganz im Gegenteil. Ich bin eigentlich auch der Meinung, dass man viel häufiger über Albanien berichten sollte. Der letzte Beitrag, den ich gemacht habe, war eine Reportage über Kinder, die von Blutrache bedroht sind, und deshalb von ihren Eltern nicht in die Schule geschickt werden. Für diese Kinder gibt es jetzt ein Internat in Südalbanien, wo sie besonders geschützt werden sollen. Darüber haben wir für das Europa-Magazin eine große Reportage gemacht.
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<b>Pieter: </b>Ich war neulich einmal während eines Korfu-Urlaubs in Albanien. Wird das Land jemals wirtschaftlich den Anschluss an seinen Nachbarn schaffen?
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<b>Susanne Glass:</b> Davon ist es sicherlich noch weit entfernt. Wenn Sie während eines Korfu-Urlaubs in Albanien waren, dann waren Sie sicher in Südalbanien. Das wird ja touristisch inzwischen etwas erschlossen, aber Südalbanien unterscheidet sich vom völlig verarmten Norden sehr, sehr stark. Aus diesem Grund denke ich, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis Albanien einigermaßen einen wirtschaftlichen Anschluss schafft. Sicherlich nicht ohne Hilfe der Europäischen Union.
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<p>
<b>Winston Churchill:</b> Wie reagieren die Albaner denn auf eine deutsche Reporterin?
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Sehr höflich und nett und vor allem sind die Menschen dort unheimlich gastfreundlich &#8211; wie überall in meinem Berichtsgebiet. Ich bin der Meinung, dass wir Deutsche von der Gastfreundlichkeit noch einiges lernen können.
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<b>Moderatorin: </b>Nun zum Kosovo:
</p>
<p>
<b>Sunstroke: </b>Glauben Sie, dass das Kosovo auf Dauer eine Chance hat, sich als souveräner Staat zu behaupten?
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<p>
<b>Susanne Glass: </b>Es ist ja bereits ein souveräner Staat. Die Kosovo-Albaner aber haben sicherlich damit gerechnet, dass nach der Unabhängigkeitserklärung viel mehr Länder das Kosovo anerkennen werden. Jetzt kommt außerdem die große Enttäuschung, dass nach wie vor nicht die Europäische Union &#8211; wie angekündigt &#8211; die Mission im Kosovo führt, sondern weiterhin die UNO. Ich denke, das zeigt schon, wie schwerwiegend die Probleme sind. Auch hier gilt, wie für die ganze Region: Alle hoffen, dass die Europäische Union hier Wunder wirkt.
</p>
<p>
<b>Fairly:</b> Wann sind die Ex-Jugoslawien-Länder reif für einen EU-Beitritt? Oder erst in 20 Jahren oder so?
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Da gibt es große Unterschiede. Kroatien ist sicherlich jetzt schon genauso reif für einen EU-Beitritt wie Bulgarien und Rumänien, die Mitglieder geworden sind. Für die übrigen Länder gilt, der Region mit einem möglichen EU-Beitritt zu helfen. Reif dafür im Sinne der bisherigen Kriterien der EU sind sie aber sicher noch lange nicht.
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<p>
<b>Sven Francisco: </b>Sehen Sie die momentanen Konflikte auf dem Balkan als Nachwehen oder bleibt die Region durch die bestehenden Ressentiments auch weiterhin ein Pulverfass?
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<b>Susanne Glass: </b>Sie bleibt ein Pulverfass. Dies zeigt sich ja allein schon dadurch, dass es in Bosnien nach wie vor zwei Entitäten gibt, also die muslimische Föderation und die serbische Republik. Ohne internationale Unterstützung könnte dieser Staat ja bis heute nicht eigenständig funktionieren. Für mich ist das ein Beispiel dafür, dass man die Konflikte in der Region nur eingedämmt, aber nicht gelöst hat.
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<p>
<b>Lepsius: </b>Und kann die Europäische Union in der Region &quot;Wunder wirken&quot;, was sollte sie tun?
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<b>Susanne Glass: </b>In erster Linie geht es natürlich um wirtschaftliche Unterstützung, denn wenn es den Menschen wirtschaftlich besser geht und sie Arbeit haben, dann sinkt auch die Bereitschaft, sich wieder für Konflikte instrumentalisieren zu lassen. Eingebunden in die Europäische Union fällt es möglicherweise auch den bisherigen Kriegsgegnern auf dem Balkan wieder leichter, sich in einem gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Verbund zu sehen.
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<p>
<b>Slimer:</b> Haben Sie erlebt, wie die Zivilbevölkerung auf den KFOR/EUFOR-Einsatz reagiert?
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<b>Susanne Glass:</b> Zu Beginn absolut euphorisch. Ich war noch mit dabei, als die Kosovo-Albaner den Soldaten zugejubelt haben. Inzwischen sind es aber die meisten Menschen dort leid, dass sie nach wie vor so viele internationale Soldaten im Land haben. Immer mehr wünschen sich, dass sie bald ihre eigenen Leute in den verantwortungsvollen Positionen sehen.
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<b>Schekker: </b>Ihr Kollege Markus Gürne hat gestern im Chat berichtet, dass deutsche Reporter im Ausland ein sehr hohes Ansehen haben und daher auch an &quot;gute&quot; Geschichten herankommen. Empfinden Sie das genauso?
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<b>Susanne Glass: </b>Es ist zwiespältig. Ich merke immer wieder, dass viele Leute in dem Berichtsgebiet der Meinung sind, dass deutsche Journalisten professionell und unabhängig berichten. Das trauen sie ihren eigenen Medien oft nicht zu. Das bedeutet natürlich, dass man dadurch ein gutes Ansehen hat. Auf der anderen Seite war es vor allem nach den NATO-Bomben auf Serbien als deutsche Journalistin oft sehr schwierig, den Menschen in Serbien zu erklären, dass man kein Kriegsgegner ist, sondern unabhängige Journalistin.
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<b>Fred:</b> Versuchen die nationalen Regierungen, Sie in Ihrer Berichterstattung zu behindern?
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<b>Susanne Glass: </b>Ist mir bisher nicht passiert.
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<b>Dr. Egon Spengler:</b> Welchen Ruf genießt die ARD in Südosteuropa, speziell im ehemaligen Jugoslawien?
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<b>Susanne Glass: </b>Im Prinzip einen sehr guten Ruf. Wir hatten ab und zu Schwierigkeiten, wenn freie Journalisten im Berichtsgebiet unterwegs waren, sich als ARD-Journalisten vorgestellt haben und Beiträge gemacht haben, die &#8211; ich sage jetzt vorsichtig &#8211; nicht so fundiert waren. Aber das sind Einzelfälle.
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<b>Laszlo: </b>Gibt es gerade in historischen Fragen Empfindsamkeiten zwischen Deutschen und Österreichern? Braucht man beim Thema Drittes Reich besonderes Fingerspitzengefühl bzw. mehr als ohnehin schon?
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<b>Susanne Glass:</b> Inzwischen nicht mehr. Ich bin 1999 nach Wien umgezogen und habe dort mit meinem Job angefangen. Aber ich war sehr geschockt, als ich verfolgt habe, dass sich erst zu diesem Zeitpunkt die österreichische Regierung offiziell eingestanden hat, dass Österreich kein Opfer im Weltkrieg war.
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<b>Blume: </b>Wie empfinden Sie die Arbeitsbedingungen in Austria?
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<b>Susanne Glass: </b>Sehr angenehm. Ich habe den Eindruck, dass man in Österreich unbürokratischer an Interviewpartner kommt. Der österreichische Bundeskanzler joggt zum Beispiel jeden Morgen ohne Begleitschutz durch Wien. Ich kenne viele Journalisten, die ihn bei solchen Jogging-Runden erfolgreich nach Interviews gefragt haben. Nicht nur Gusenbauer ist so volksnah, das gleiche galt auch für seinen Vorgänger Schüssel.
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<p>
<b>Mensa: </b>Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
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<b>Susanne Glass:</b> Den gibt es nicht. Das hängt immer davon ab, was im Berichtsgebiet los ist, wo ich gerade bin und ob ich fürs Morgenmagazin oder fürs Nachtmagazin arbeiten muss.
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<b>Michael: </b>Haben Sie sich mit der Berufswahl, Journalistin zu werden, einen Lebenstraum erfüllt ?
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<b>Susanne Glass: </b>Ja, ich wollte eigentlich seit ich 15 oder 16 bin Journalistin werden.
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<b>Horst Klein: </b>Was fasziniert Sie an Südosteuropa?
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<b>Susanne Glass:</b> Ich habe ursprünglich angefangen dort zu arbeiten, weil ich es sehr wichtig fand, über die Krisen nicht schwarz-weiß zu berichten; also, der ist gut und die ist böse, sondern so viel wie möglich Zwischen- und Grautöne zeigen wollte. Inzwischen fasziniert mich aber auch immer stärker die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen dort.
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<b>Moderatorin:</b> Ganz konkret:
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<b>Dr. Raymond Ray Stantz:</b> Was ist ihr Lieblingsessen auf dem Balkan?
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<b>Susanne Glass: </b>Rindermedaillons mit Champignonsauce.
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<b>Michael:</b> Muss man als Journalistin taff sein und einiges einstecken können, ja, oder?
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<b>Susanne Glass:</b> Ja, aber ich glaube man darf sich auch nicht unter diesem Taff-Sein verstecken. Man muss in erster Linie immer Mensch bleiben &#8211; mit allen Gefühlen.
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<b>Bob Andrews: </b>Waren Sie während des Krieges schon in akuter Lebensgefahr?
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<b>Susanne Glass: </b>Ja, mehrmals. Es gibt sicher auch Situationen, von denen ich das gar nicht weiß. Aber bewusst war ich zum Beispiel in Lebensgefahr, als ich im Kosovo in einem Konvoi saß und der Wagen vor mir auf eine Mine aufgefahren ist. Außerdem bin ich häufiger mit Waffen bedroht worden.
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<b>Bob Andrews:</b> Wäre Ihre Arbeit einfacher als Mann? Emanzipation hat doch sicherlich nicht so einen hohen Stellenwert in Südosteuropa?
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<b>Susanne Glass: </b>Ich glaube auf keinen Fall, dass meine Arbeit als Mann einfacher wäre. Ich habe sogar eher den Eindruck, dass man als Frau in Krisengebieten deeskalieren kann und deshalb oft sogar einen Schutz für das ja überwiegend männliche Team ist. Außerdem bin ich als Frau schon häufiger an weibliche Interviewpartner gekommen, die mir viel offener von ihren Schicksalen erzählt haben. Ich glaube, ideal ist es, im Krisengebiet sowieso als Team zu arbeiten. Wenn da ein Mann und eine Frau zusammenarbeiten, funktioniert das meistens eher.
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<b>tlu:</b> Heißt &quot;als Journalistin taff sein&quot;, insbesondere mit vielen Neins umgehen zu müssen?
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<b>Susanne Glass:</b> Ich würde eher sagen, es heißt, mit vielen Jas umzugehen und die auch ablehnen zu können.
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<b>zum Chat!:</b> Was war Ihr bisheriger Karrierehöhepunkt?
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<b>Susanne Glass:</b> Ich hoffe, der kommt noch.
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<b>Günu:</b> Mit welchen Vorurteilen sind Sie damals das erste Mal nach Südosteuropa gereist?
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<b>Susanne Glass:</b> Hoffentlich mit sehr wenigen Vorurteilen. Ich war in erster Linie gespannt darauf, was dieses Land und die Leute mit mir machen. Und ich habe es immer gehasst, wenn ich im Vorfeld die Stammtischparolen gehört habe, wie &quot;das sind die Serben&quot; oder &quot;die Albaner&quot;. Ich bin ja auch nicht unbedingt &quot;die Deutsche&quot;.
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<b>Moderatorin:</b> Wie hat sich Ihr Bild von der Region in den Jahren geändert?
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<b>Susanne Glass: </b>Die Region hat sich geändert und damit natürlich auch das Bild, das ich von ihr habe. Als ich das erste Mal zum Beispiel im Kosovo war, war dort Krieg. Jetzt ist es unabhängig, damit hat sich auch das Selbstbewusstsein der Kosovo-Albaner sehr stark verändert. Man muss das Bild, das man hat, immer wieder der Realität anpassen.
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<b>wombat:</b> Welches ist Ihr liebster Ort im gesamten Berichtsgebiet?
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<b>Susanne Glass: </b>Drei liebste Orte: Sarajevo, Belgrad und Donau-Delta in Rumänien. An Sarajevo gefällt mir nach wie vor die bunte Mischung und das ethnische Miteinander. Belgrad ist eine sehr schöne Stadt an Donau und Save, in der man übrigens auch wunderbar ausgehen kann. Das Donau-Delta ist für mich eines der schönsten Naturparadiese.
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<b>Günu:</b> Ist der Kontrast zwischen Österreich und den anderen Ländern schwer zu verkraften?
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<b>Susanne Glass: </b>Ja, immer wieder. Aber gleichzeitig war es gerade während der Krisen auf dem Balkan oft wunderbar, wieder in die österreichische Zivilisation zurückzukehren.
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<b>Sylvia:</b> Wie oft reisen Sie in die Länder, über die Sie berichten ab?
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<b>Susanne Glass:</b> Da gibt es kein Schema. Ich versuche schon alle drei Monate in jedes Land zu kommen. Das hängt natürlich immer wieder davon ab, wo gerade der Fokus der Berichterstattung liegt. Ich habe zum Beispiel im Jahr 2000 sicher mehrere Monate in Belgrad und in Serbien verbracht.
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<b>Moderatorin: </b>Stichwort Sport:
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<b>1000 Sascha: </b>Gab es bei der Europameisterschaft in Österreich eine ähnliche nachhaltige Euphorie wie in Deutschland 2006, oder war die Mannschaft dafür einfach zu schlecht?
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<b>Susanne Glass: </b>Ich glaube, die Mannschaft war zu schlecht. Aber dafür, dass sie letztlich doch enttäuschend war, haben die Österreicher die Euro doch noch sehr genossen.
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<b>Moderatorin:</b> Und eine weitere &quot;buntere&quot; Frage, von unseren Lesern interessanterweise häufig gestellt:
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<b>Andi Autoritär:</b> Muss man sich als Österreich-Korrespondentin in Wien auf der Ballsaison sehen lassen? Oder tun Sie dies gerne freiwillig?
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<b>Susanne Glass: </b>Ich war einmal auf dem Opernball und werde dort nicht mehr hingehen.
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<b>Moderatorin:</b> Warum nicht?
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<b>Susanne Glass: </b>Weil ich es interessant fand und es mir reicht, es einmal erlebt zu haben. Ich habe es aber niemals geschafft, mit meinem Mann einen anständigen Walzer zu tanzen.
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<p>
<b>Michael: </b>Haben Sie als Journalistin, die ja eigentlich einen 365 Tage-Job hat, auch mal Zeit für sich? Ich stelle mir das schwierig vor, denn schließlich ist das täglich Leben Ihre Arbeit. Das Leben bleibt bekanntlich niemals stehen.
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Da haben Sie völlig Recht, aber ich sehe meinen Beruf auch als Berufung und ich habe einen sehr verständnisvollen Partner und Freundeskreis. Die Momente, in denen ich wirklich dankbar dafür bin, dass ich diesen Beruf habe, überwiegen. Es gibt aber auch durchaus Situationen, in denen ich mein Handy im Wald vergraben könnte.
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<p>
<b>Moderatorin:</b> Nur mal so:
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<b>Schekker: </b>Ach, ich beneide Sie um Ihre schöne Arbeit&#8230;.. seufz.
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<b>Susanne Glass:</b> Och, schön.
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<b>Moderatorin: </b>Zurück zu den harten Themen:
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<b>ronny32:</b> Wo verorten Sie Ungarn? Ist es ein Schwergewicht in der EU oder eher ein kleines osteuropäisches Land?
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<b>Susanne Glass:</b> Also, für ein Schwergewicht fehlt den Ungarn noch ziemlich viel. Im Moment haben sie große wirtschaftliche Probleme. Außerdem beobachte ich den aufkeimenden Rechtsextremismus in Ungarn mit Sorge.
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<b>Alexander Reichert:</b> Wie beurteilen Sie die politische Situation in Bosnien zurzeit?
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Das Land ist sicherlich auf einem guten Weg. Ich glaube, dass die Aussöhnung zwischen Moslems, Kroaten und Serben noch voran kommt. Ich finde es sehr wichtig, dass Karadzic festgenommen worden ist. Ich hoffe darauf, dass Mladic demnächst folgt. Trotzdem habe ich ja vorher schon geschrieben, dass Bosnien ohne die internationale Gemeinschaft nicht überlebensfähig wäre. Stichwort: hoher Repräsentant, der immer noch im Land die Richtlinien vorgibt.
</p>
<p>
<b>2much: </b>Welches Land sollte ich als Durchschnittseuropäer am besten bereisen, um ein paar schöne Eindrücke in Südosteuropa zu bekommen?
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<p>
<b>Susanne Glass: </b>Unbedingt Rumänien. Das Donau-Delta muss man gesehen haben, bevor dort die Bagger anrücken. Wunderbar ist im Moment in Rumänien auch die Maramuresch. In der Region fühlt man sich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Wenn Sie sich noch ein bisschen weiter vorwagen wollen, kann ich auch Belgrad als Städtereise sehr empfehlen.
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<p>
<b>Michael:</b> Wo sehen Sie in der Zukunft den Balkan stehen? Wird er sich weiter so stark entwickeln wie aktuell? Sie haben da sicher einen besseren Blick als wir alle drauf, da Sie an der Quelle sitzen.
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Ich glaube, dass der Balkan sich mittelfristig der Europäischen Union immer weiter annähern wird. Einzelne Länder sind ja schon oder werden wohl demnächst Mitglied. Das ist wirklich die einzige Chance, die ich für den Balkan sehe. Ich habe aber nach wie vor auch die Befürchtung, dass sich die ethnischen Konflikte dort wieder zuspitzen können.
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<p>
<b>ronny32: </b>Ist die Karadzic-Verhaftung eine Möglichkeit für die Verarbeitung des Konflikts oder wühlt das alte Querelen auf?
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Eher eine Möglichkeit zur Verarbeitung. Ich bin aber persönlich auch sehr gespannt darauf, ob durch den Karadzic-Prozess jetzt endlich einmal die Rolle der niederländischen Blauhelmsoldaten und der Vereinten Nationen beim Massaker in der so genannten UN-Schutzzone Srebrenica geklärt wird. Nicht nur in Südosteuropa muss ein großer Teil der Geschichte verarbeitet werden. Auch die Niederlande und die UN sollten sich kritische Fragen nach einer Mitverantwortung stellen. Einfach, um künftig in ähnlichen Situationen besser und effizienter reagieren zu können.
</p>
<p>
<b>que?:</b> Würde ein Tribunal, wie in Kambodscha oder Südafrika, helfen, die alten Ressentiments abzubauen?
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<b>Susanne Glass: </b>Es gibt ja bereits ein UN-Kriegsverbrechertribunal. Das ist mit allen Fehlern, die dort auch passieren, sicherlich sehr, sehr wichtig.
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<p>
<b>2much:</b> Welche Rolle spielt Russland denn für die Länder? Haben sie genauso Angst wie die ehemaligen Satelliten-Staaten?
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<p>
<b>Susanne Glass: </b>Ich habe mich jetzt über Russlands Rolle sehr gewundert. Einerseits hat Russland Serbien in den Bemühungen unterstützt, die Unabhängigkeit des Kosovos zu verhindern, beziehungsweise jetzt in Frage zu stellen. Andererseits machen die Russen mit Georgien eine genau umgekehrte Politik. Ich glaube, dass das ihre Glaubwürdigkeit auf dem Balkan beeinträchtigt.
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<p>
<b>Rolf Pankow:</b> Ist, unter Berücksichtigung der Geschichte der Balkanländer, der Eintritt der Türkei in die EU zu begrüßen oder eher abzulehnen?
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<p>
<b>Susanne Glass: </b>Ich bin nicht der Meinung, dass der mögliche Eintritt der Türkei in die EU an der Geschichte der Balkanländer gemessen werden soll.
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<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch mal zum Thema Tribunal:
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<b>que?: </b>Ich meine ein Tribunal, das öffentlich direkt in der Region arbeitet.
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<b>Susanne Glass:</b> Dafür sind, glaube ich, die Bedingungen noch nicht gegeben. Das soll heißen, dass es dort noch keine wirkliche Unabhängigkeit von der jeweiligen Geschichte und Politik gibt.
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<b>flips:</b> Sind Sie extra für den Chat auf die IFA gekommen?
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<b>Susanne Glass: </b>Nein, sondern wegen Berlin. Aber der Chat war für mich trotzdem auch ein sehr willkommener Anlass.
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<b>Aeffchen:</b> Wie oft sind Sie eigentlich in Deutschland?
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<b>Susanne Glass: </b>Drei, vier Mal im Jahr und dann meistens in München, um meine Freunde und Familie zu besuchen.
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<p>
<b>max: </b>Was lieben Sie an Wien?
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<p>
<b>Susanne Glass: </b>Immer mehr. Wien ist eine Weltstadt mit den Vorteilen, die das mit sich bringt. Trotzdem aber sehr gemütlich und übersichtlich für die Menschen, die dort leben.
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<p>
<b>Allgäuer:</b> Sie sind ja kein Piefke und kennen sicher die meisten katholischen Politiker in Österreich. Glauben Sie, dass ein kleines Land wie Österreich effektiver, flexibler zu regieren und zu gestalten ist, als ein dinosaures Land wie zum Beispiel Deutschland?
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<p>
<b>Susanne Glass:</b> Es ist sicherlich anders zu regieren und nicht so inhomogen wie Deutschland. Außerdem fängt ja in Österreich bekanntlich der Balkan an. Das trifft auch auf diverse politische Gegebenheiten zu.
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<p>
<b>Moderatorin: </b>Unsere 60 Minuten sind schon wieder um. Vielen Dank, liebe Leser, und vielen Dank, Frau Glass! Sie haben das letzte Wort:
</p>
<p>
<b>Susanne Glass: </b>Ich bedanke mich sehr herzlich &#8211; mir hat es viel Spaß gemacht. Vor allem haben mich die vielen intelligenten und gut informierten Fragen sehr angeregt und nachdenklich gemacht. Ich glaube, um die wirklich fundiert zu beantworten, müsste man viel mehr Platz haben.
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<p>
<b>que?: </b>Ein toller Chat. Vielen Dank, Frau Glass!
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<p>
<b>Moderatorin:</b> Damit verabschieden wir uns. Morgen zu Gast im Tagesschau-Chat von der IFA: Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios hier in Berlin. Auch dieser Chat beginnt um 13 Uhr.
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Nicole Diekmann, tagesschau.de.<br />
</i></p>
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		<title>&#8220;Unnötige Gefahren sind keine Story wert&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fkirchner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2008 15:12:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 1. September 2008 war Markus Gürne im tagesschau-Chat live von der Internationalen Funkausstellung in Kooperation mit politik-digital.de. Der ARD-Korrespondent für Indien, Pakistan und Afghanistan berichtete Politisches und Persönliches von seinem außergewöhnlichen Arbeitsalltag.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 1. September 2008 war Markus Gürne im tagesschau-Chat live von der Internationalen Funkausstellung in Kooperation mit politik-digital.de. Der ARD-Korrespondent für Indien, Pakistan und Afghanistan berichtete Politisches und Persönliches von seinem außergewöhnlichen Arbeitsalltag.<!--break--></p>
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<b>Moderatorin</b>: Guten Morgen beim dritten tagesschau-Chat von der diesjährigen Internationalen Funkausstellung Berlin. Ich freue mich, heute einen Gast begrüßen zu dürfen, der nur noch selten in Deutschland ist. Denn sein Dienstort heißt Neu-Delhi und er reist als ARD-Korrespondent auch oft nach Afghanistan. Direkt von diesem Chat hier wird er wieder dorthin aufbrechen: Markus Gürne, herzlichen Dank, dass Sie Zeit für uns haben. Sind Sie vor Afghanistan-Reisen nervöser als sonst aufgrund der aktuellen Gefahrenlage?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Ja, also Afghanistan-Reisen sind immer etwas Besonderes, weil Reisen in Krisengebiete besondere Vorbereitung erfordern und man muss sich auch auf die Leute vor Ort sehr verlassen können. Das können wir Gott sei Dank. Und ein bisschen Nervosität ist auch ein großer Schutz, dass man nicht übermütig wird, auch wenn man viel Erfahrung hat.
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<p>
<b>Moderatorin</b>: Was bedeutet das konkret, was würde man vielleicht aus Übermut tun?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Man kann nicht immer zu jeder Zeit die Lage so einschätzen, wie sie tatsächlich ist. Man hat einen gewissen Erfahrungsschatz und man hat auch ein Gefühl, &#8211; was ganz wichtig ist &#8211; dass man sich auf die Mitarbeiter vor Ort, die immer da sind &#8211; in Kabul zum Beispiel &#8211; auch verlässt und auf diese hört. In einem bestimmten Stadtviertel ist es im Moment zu gefährlich, dann kann man da nicht hinfahren.
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<b>Ihr Benutzername</b>: Wie lange werden Sie dieses Mal in Afghanistan bleiben?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Voraussichtlich drei Tage und dann nach Pakistan weiterreisen. Weil dort die Präsidentschaftswahlen stattfinden.
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<b>Jim Panse</b>: Pakistan, Indien und Afghanistan sind ja schon ein weites Feld. Sind Sie denn noch für weitere Länder der Region zuständig, etwa Bangladesch, Sri Lanka oder die Himalaya-Staaten? Oder vielleicht noch mehr?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Diese Staaten, die sie genannt haben, und noch mehr. Zum Berichtsgebiet gehören neben Indien, Afghanistan, Pakistan noch Nepal, die Malediven, Bhutan, Bangladesch und Sri Lanka.
</p>
<p>
<b>zenzi</b>: Man suggeriert uns, dass der Einsatz der ISAF- und NATO-Truppen in Afghanistan unbedingt nötig ist, um der afghanischen Bevölkerung zu helfen. Ist das nicht wieder eine Kriegslüge? Gibt es nicht ganz andere Gründe für den Einsatz von westlichen Truppen in Afghanistan?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Das ist sehr, sehr schwierig zu sagen. Wer dort war, sieht, dieses Land hat dreißig Jahre Krieg hinter sich. Und die Situation ist extrem schwierig und auch verfahren. Es ist notwendig, dass westliche Truppen im Land sind, um Strukturen dort zu schaffen. Dass in Zukunft, egal ob diese nah oder fern sein mag, Afghanistan in der Lage ist, aus eigener Kraft ein stabiles Gesellschaftssystem auf die Beine zu stellen.
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<p>
<b>fairtrialforw</b>: Hallo Herr Gürne! Ist Indien in Afghanistan aktiv, um dem Rivalen Pakistan eins auszuwischen?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Sehr interessante Frage. Indien hält sich militärisch völlig aus der Situation in Afghanistan heraus, hat aber sehr viele zivile Aufbauprojekte dort.
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<b>fairtrialforw</b>: Von indischen Freunden höre ich, dass die zahlreichen Terroranschläge in Indien von Pakistan unterstützt wurden. Wie sehen Sie das?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Darüber gibt es sehr, sehr viele verschiedene Theorien und Ansichten. Eine verlässliche Antwort kann man darauf nicht geben. Zu den Anschlägen in Indien, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, haben sich ja Rebellengruppen aus Bangladesch bekannt. Aber klar ist, dass zwischen Indien und Pakistan es ja immer noch einen schwelenden Konflikt um Regionen und Gebiete gibt. Und es ist nicht auszuschließen, dass sich noch immer Kämpfer aus Pakistan an solchen Anschlägen beteiligen.
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<b>Moderatorin</b>: Zwei häufig im Vorab-Chatroom gestellte Fragen kommen jetzt:
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<b>Seppi</b>: Fahren Sie häufig nach Afghanistan oder Pakistan oder kann man das auch von Neu-Delhi aus abdecken?
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<p>
<b>studi</b>: Sie sind doch fast nie in Afghanistan. Wie wollen Sie von Neu-Delhi aus die Lage in Afghanistan beurteilen?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: @Seppi: Wir fahren regelmäßig nach Afghanistan und haben dort auch eine eigene Infrastruktur, die wir immer vorhalten können. Das gilt auch für Pakistan. Im Moment sind wir mindestens eine Woche im Monat in Afghanistan und nicht nur in Kabul, sondern reisen auch durch das ganze Land.
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<p>
<b>ifabesuchereins</b>: Ihr Berichtsgebiet ist ja riesig: wie bekommen Sie die Informationen aus den verschiedenen Ländern?
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<b>Markus Gürne</b>: Wir haben in allen Ländern unseres Berichtsgebietes sogenannte Producer oder Stringer, das heißt Journalisten, die in ihren jeweiligen Heimatländern arbeiten und von dort berichten und seit langer Zeit auch für die ARD arbeiten. Von dort bekommen wir regelmäßig und in sehr kurzen Abständen laufend Informationen über das, was in diesen Ländern passiert und dann machen wir natürlich das, was zum Job des Auslandskorrespondenten gehört: Reisen, Reisen, Reisen. Kurzer Nachtrag noch zu der Frage von Studi: Ich hoffe, dass ihre Frage damit ausreichend beantwortet ist.
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<p>
<b>Ihr Benutzername</b>: Zum Beispiel Krankenhäuser?
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<b>Markus Gürne</b>: Die Bundesrepublik baut in Masar-i-Scharif gerade das Krankenhaus wieder neu auf. Diese Klinik wird von etwa hundertfünfzig- bis zweihunderttausend Menschen pro Monat besucht. Das Einzugsgebiet dieses Klinikums sind neun Millionen Menschen. Und wenn dieses Krankenhaus fertig gebaut ist, soll Masar-i-Scharif in die Lage versetzt werden, dieses Krankenhaus selbstständig zu betreiben und weiter auszubauen, damit es auch in den nächsten Jahren für die Menschen in dieser Region Anlaufstation und Hilfestellung sein kann.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Man hat bei den Nachrichten manchmal das Gefühl, in Afghanistan leben nur Terroristen und Bombenleger. Kommen Berichte über das &quot;normale&quot; Leben zu kurz, Ihrer Ansicht nach? Haben Sie zum Beispiel schon mal auf einer Hochzeit gedreht?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Für diese von Ihnen angesprochenen Themen gibt es vor allen Dingen die Formate Weltspiegel und Weltreisen. In beiden Sendungen kann man sehr schön und sehr ausführlich über Themen berichten, die abseits der Aktualität spielen. Wir haben einen Weltspiegel, der demnächst laufen wird, aus Afghanistan geliefert, der sich um das Leben der Zootiere im einzigen Zoo Afghanistans dreht. Denn der einzige Überlebende des letzten Krieges war ein Löwe mit dem Namen Majan…
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: …und diesen Löwen haben alle Afghanen total verehrt und eine besondere Beziehung zu ihm. Dieser Löwe war einmal ein Geschenk des Kölner Zoos. Und da jetzt wieder Leben ist im einzigen Zoo Afghanistans und die Menschen das sehr genießen als eine kleine Insel der Erholung, haben wir dort einen sehr netten Film drehen können.
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<p>
<b>ifabesuchereins</b>: Wie viele Stringer / Producer hat das ARD-Studio Neu-Delhi?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: In unserem Studio in Neu-Delhi, in unserer Homebase für das gesamte Berichtsgebiet also, haben wir zur Zeit drei feste Producer.
</p>
<p>
<b>IFA-Besucher2</b>: Inwieweit haben Sie die Chance, an exklusive Informationen in den Berichtsgebieten heranzukommen?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Die Chancen sind immer groß, denn die ARD hat einen hervorragenden Ruf im Berichtsgebiet. Überhaupt ist das deutsche Fernsehen bekannt und wird immer in einem Atemzug mit den Kollegen der britischen BBC genannt. Aus diesem Grund bekommen wir oft Informationen exklusiv und aus erster Hand. Aber auch die muss man natürlich sehr gründlich und gewissenhaft gegenchecken. Es gilt das Prinzip der doppelten Kontrolle. Eine Quelle, zwei weitere, die das bestätigen, das ist der Mindeststandard für uns, um sich der Geschichte noch näher zu widmen.
</p>
<p>
<b>Herr Meinhardt</b>: Wie sehen Sie für sich die Gefahr, als Ausländer feindseligen Handlungen ausgesetzt zu sein? Oder sind die Aggressoren durchaus gewillt, Unterschiede in Bezug auf Herkunft und politische Führung zu machen?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Das ist sehr, sehr unterschiedlich und kommt sehr darauf an, in welchem Teil eines Krisengebietes man sich aufhält. Grundsätzlich aber gilt, dass man als Ausländer &#8211; ich nehme an, wir reden jetzt mal von Afghanistan &#8211; einer recht hohen Gefahr ausgesetzt ist. Niemand, der ihnen etwas Böses tun will, fragt sie nach der Herkunft. Es reicht meistens, dass sie als Ausländer erkennbar sind. Deshalb gilt es, einige Vorkehrungen zu treffen und vor allem vor Ort besonnen zu bleiben. Unnötige Gefahren sind keine Story wert.
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<p>
<b>fairtrialforw</b>: Wird Präsident Karsai von den Afghanen außerhalb Kabuls als Marionette empfunden?
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<b>Markus Gürne</b>: Es gibt unterschiedliche Ansichten und Aussagen darüber. Völlig klar und unstrittig ist, dass es in einem Land wie Afghanistan &#8211; wo Familien und Clans in vielerlei Hinsicht das Sagen haben &#8211; Gewinner und Verlierer gibt. Und die, die an Karsai hängen, sind eher selten die Verlierer.
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<b>Claudia73</b>: Haben Sie Vorgaben bei der Berichterstattung über die Länder, für die Sie &quot;zuständig&quot; sind?
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<p>
<b>Markus Gürne</b>: Um Gottes Willen, nein.
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<p>
<b>Moss</b>: Tauschen Sie sich auch mit den anderen Korrespondenten über Tricks und Kniffe aus, zum Beispiel bei einem Korrespondenten-Stammtisch?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Lieber Moss, einen Korrespondenten-Stammtisch haben wir in dieser Form noch nicht, aber das ist eine ziemlich gute Idee. Ich werde das gleich in den nächsten Tagen mal den lieben Kollegen vorschlagen. Aber Scherz beiseite: Klar ist, wir deutschen Journalisten tauschen uns natürlich und sehr oft über die Situation in unseren Berichtsgebieten aus. Es macht auch großen Sinn, losgelöst von jeglicher Konkurrenz, Meinungen und Einschätzungen der Kollegen zu hören und auch mal eine andere Sicht der Dinge zu erfahren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Ist ja fast wie in Berlin!
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Das halten wir auch in einem ausländischem Korrespondentenclub in Neu-Delhi so, in dem sich sehr, sehr viele internationale Journalisten treffen können. Und das hilft uns bei der täglichen Arbeit oft auch sehr, sehr viel weiter.
</p>
<p>
<b>Theo63</b>: Ich habe gehört, dass sich viele Korrespondenten (bei welchem Sender auch immer) über das mangelnde Interesse der Heimatregionen beklagen. Empfinden Sie das?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Ich habe vor meiner Delhi-Zeit im ARD-Studio Kairo gearbeitet und war auch einige Male als Korrespondent für die ARD im Irak und habe noch nie mangelndes Interesse in den Heimatredaktionen empfunden. Es ist eben so, dass die Redaktionen Interesse an bestimmten Themen haben oder Vorschläge machen. Und die Korrespondenten vor Ort machen das im umgekehrten Fall ebenso. Meistens kommt man zusammen und manchmal eben auch nicht. Aber das ist auch völlig klar und ganz normal so, denn es ist eine Zusammenarbeit zwischen Auslandsbüro und Redaktion.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Von den Fragen über Land und Arbeitsbedingungen kommen wir zu Fragen zu Ihrer Person, die ich bisher gesammelt habe:
</p>
<p>
<b>ifabesuchereins</b>: Welche Sprachen können Sie? Kommt man mit Englisch weiter?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Indien ist durch die Kolonialherrschaft Großbritanniens völlig unproblematisch was Englisch anbelangt. Ist eben ein sehr eigener Dialekt, in den man sich erstmal sehr genau reinhören muss. Missverständnisse sind am Anfang vorprogrammiert. Für mich hörte es sich erst einmal so an, als ob alle zwei Korken im Mund haben und versuchen zu sprechen. Und ich als Schwabe hatte es auch nicht leicht. Mittlerweile haben wir uns aber gefunden und es geht wirklich sehr gut. Und in anderen Berichtsgebieten haben wir mindestens einen Dolmetscher an unserer Seite.
</p>
<p>
<b>Der Spürpilot</b>: Ist Ihr Beruf gut mit dem Familienleben zu vereinbaren?
</p>
<p>
<b>Schekker</b>: Kann man sich bei einem solchen Job eigentlich eine Familie erlauben oder sitzen Sie nicht dauernd auf gepackten Koffern?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Ja, man sitzt immer latent auf gepackten Koffern, aber das ist ein Teil des Jobs als Auslandskorrespondent. Und wenn man die Unterstützung der Familie nicht hat, dann sollte man diesen Job besser gar nicht erst antreten.
</p>
<p>
<b>journalistcare</b>: Als Auslandskorrespondent erlebt man nicht nur in Krisengebieten schwierige bzw. belastende Situationen. Wie bereiten Sie sich emotional darauf vor? Wie schützen Sie sich und was raten Sie Kollegen?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Nach vielen unangenehmen Erfahrungen vor allen Dingen im Irak habe ich lange darauf gewartet, dass die Ereignisse, die man dort erlebt hat, wieder hochploppen. Das ist bisher aber nicht geschehen, worüber ich sehr dankbar bin. Offenbar also habe ich mir unbewusst einen Mechanismus beiseite gelegt, der es mir erlaubt, damit umzugehen. Einen generellen Rat kann man dazu nicht geben, weil einfach jeder anders ist und anders mit so etwas umgeht.
</p>
<p>
<b>Peter File</b>: Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Es ist ein unglaubliches Privileg, Teile der Welt sehen zu dürfen, in die man sonst vielleicht niemals käme und mit eigenen Augen Dinge zu sehen und begreiflich machen zu können für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Und ein ungeschminktes Bild dessen wiederzugeben, was passiert. Ich halte das für einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag und bin sehr froh, das machen zu dürfen.
</p>
<p>
<b>FN Piontek</b>: Hallo Markus! So exotisch der indische Subkontinent ist, wie oft vermisst Du Schwarzbrot? Und als Neu-Frankfurter Äppelwoi und Handkäs&#8230;?
</p>
<p>
<b>Uwe Tapken</b>: Hallo Markus, vermisst Du nicht das Büro in Frankfurt?
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Offenbar zwei echte Freunde im Chat??? Er sagt, es seien zwei Kollegen.
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Lieber FN, Schwarzbrot sehr, Äppelwoi geht so, aber du weißt genau, Linsen und Spätzle fehlen mir unsagbar.
</p>
<p>
<b>flybabyfly</b>: Als Schwabe hat man es nie leicht&#8230; Auch in Berlin.
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: @Uwe: Absolut und wolltest Du nicht in Delhi vorbeigucken? @flybabyfly: Wie wahr! Aber wir können ja alles. Außer Hochdeutsch.
</p>
<p>
<b>magnus lang</b>: Sind Ihre Berichterstattungen schon mal durch nationale Zensuren beschränkt worden? Haben Sie Einschränkungen in Ihrer journalistischen Arbeit hinnehmen müssen?
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Nein, Zensur gibt es nicht. Und es gibt auch keine Einschränkungen, was die journalistische Arbeit anbelangt. Was wir berichten wollen, können wir berichten. Im Gegenteil: Bei brisanten Geschichten gibt es auch oft Ermutigung, die Geschichten zu machen. Die ARD ist ein großes System mit einem breiten Kreuz.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Das war eine Dreiviertelstunde Chat &#8211; wir müssen pünktlich aufhören, damit Markus Gürne seinen Flieger auch zuverlässig erreicht. Vielen Dank an Markus &#8211; und an die Leser/innen und Fragensteller/innen im Chat für die rege Teilnahme. Und natürlich speziell an die IFA-Besucher, die an den Terminals hinter uns mitgechattet haben. 🙂
</p>
<p>
<b>Markus Gürne</b>: Mir hat es auch großen Spaß gemacht. Vielen Dank an alle Fragensteller und die Moderatorin. Noch einen schönen Tag und vielleicht auf bald mal wieder.
</p>
<p>
<i>Der Chat wurde moderiert von Corinna Emundts, tagesschau.de.<br />
</i></p>
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		<title>&#8220;Vertrauen zu Musharraf ist gering&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Feb 2008 15:23:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Parlamentswahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Pervez Musharraf]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Mittwoch, den 20.02.2008, war ARD-Korrespondent Florian Meesmann im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast. Live aus Islamabad beantwortete er die Fragen der User zu den Auswirkungen der pakistanischen Parlamentswahlen.
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch, den 20.02.2008, war ARD-Korrespondent Florian Meesmann im tagesschau-Chat in Zusammenarbeit mit politik-digital.de zu Gast. Live aus Islamabad beantwortete er die Fragen der User zu den Auswirkungen der pakistanischen Parlamentswahlen.<br />
<!--break--> </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen zum tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital. Mein Name ist Ulrich Bentele, ich begrüße Sie alle aus dem ARD-Hauptstadtstudio Berlin. Unser heutiger Chat-Gast sitzt viele tausend Kilometer entfernt. ARD-Korrespondent Florian Meesmann ist uns aus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zugeschaltet. Herr Meesmann, steht die Internet-Verbindung?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Einen herzlichen Gruß in die Heimat, ja, wir sind online!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/fmeesmann300x.jpg" alt="Florian Meesmann" title="Florian Meesmann" height="240" width="169" />
</div>
<div style="text-align: center">
<i>Florian Meesmann,</i>
</div>
<div style="text-align: center">
<i>ARD-Korrespondent in Pakistan</i>
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: In der kommenden Stunde möchten wir über die Parlamentswahl in Pakistan sprechen, Perspektiven und Chancen für das krisengeschüttelte Land ausloten. Und los geht&#8217;s:
</p>
<p>
<b>Firekiller:</b> Glauben Sie, die Wahlen sind korrekt abgelaufen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Im Großen und Ganzen sind sie korrekter abgelaufen, als das viele Beobachter zuvor befürchtet hatten. Wahlbehinderungen und auch Unregelmäßigkeiten sind uns aus verschiedenen Landesteilen berichtet worden, doch für massive Wahlfälschungen haben wir keinerlei Hinweise.
</p>
<p>
<b>tim:</b> Was glauben Sie, wie lange wird es Musharraf noch gelingen, im Amt zu bleiben? Bekommt er Gegenwind aus der Bevölkerung?
</p>
<p><b>HUJK:</b> Welchen Rückhalt hat Musharraf bei der Bevölkerung? </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Pervez Musharraf hat in den vergangenen zwölf Monaten stetig an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. Die Absetzung der höchsten Richter des Landes, die tagelangen Kämpfe mit Islamisten rund um die Rote Moschee im Zentrum der Hauptstadt, die Wochen des Ausnahmezustandes am Ende des vergangenen Jahres &#8211; all das hat zu einer wachsenden Unbeliebtheit in der Bevölkerung geführt, die sich ja auch im Wahlergebnis für die Musharraf treu gesinnte PMLQ wieder spiegelt: Unter 15 %, das ist nicht eben<br />
ein Votum für den Präsidenten.
</p>
<p>
<b>strunks:</b> Was glauben Sie, wie lange sich Musharraf halten kann?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Er hat in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass er bereit ist, mit den Wahlsiegern aus der Opposition zusammenzuarbeiten, doch ob es ihm gelingen wird, sich länger als ein paar Monate in der Rolle eines Moderators des Übergangs zu halten, ist doch zweifelhaft.
</p>
<p>
<b>kollhl:</b> Hallo Herr Meesmann, wie schätzen Sie die Chance ein, dass die Bhutto-Partei doch noch einen Deal mit Musharraf macht?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Lieber Kollhl, diese Befürchtung wurde vor der Wahl immer wieder geäußert, amerikanische Beobachter wollen dies immer noch nicht ausschließen, doch dieser Deal ist sehr, sehr unwahrscheinlich geworden. Das Volk hat deutlich gemacht, dass das Vertrauen zu Musharraf gering ist. Und wenn jetzt ausgerechnet die stärkste Oppositionspartei dazu beiträgt, ihn weiter an der Macht zu halten, so wäre dies den Anhängern der PPP wohl kaum zu vermitteln. Es ist allerdings möglich, dass er mit der andauernden Drohung eines Amtsenthebungsverfahrens durch das Parlament in einer letztlich machtlosen Rolle als Präsident noch eine Weile im Amt bleibt.
</p>
<p>
<b>Erft:</b> Wie stabil könnte denn ein Bündnis der beiden Gewinner-Parteien dieser Wahl überhaupt sein?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Lieber Erft, darüber wird hier viel diskutiert, denn die Bhuttopartei und die Muslimliga Nawaz Sharifs darf man getrost als politische Erzrivalen in der Parteienlandschaft bezeichnen. Mehrmals nahmen sich diese Parteien in den 90ern die Macht gegenseitig ab und bisher einte sie wohl der Wille, an die Macht zu gelangen und die Ära Musharraf zu beenden. Doch ob sie in der praktischen Regierungsarbeit angesichts der immensen Probleme des Landes auf Dauer fest zusammenstehen werden, das darf doch als<br />
zweifelhaft gelten.
</p>
<p>
<b>franz:</b> Welche Aussagekraft hat denn das Wahlergebnis überhaupt, wenn nur rund 40% der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Nach letzten, offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung wohl bei über 47% und damit sogar höher als bei den letzten Wahlen 2002. Also, die Wahlergebnisse sagen schon etwas aus über die Zustimmung, die die einzelnen Parteien im Volk haben.
</p>
<p>
<b>Islamisten &quot;weniger gewählt als zuvor&quot;<br />
</b>
</p>
<p>
<b>MarNi:</b> Bei den Parteien, die nun in Pakistan gewonnen haben, kann man da eher von einer demokratischen oder religiösen Ausrichtung sprechen?
</p>
<p>
<b>Florian Meesmann</b>: Die PPP ist fest im Süden des Landes verwurzelt, also eine säkulare Partei, die sich vor allem an die Landbevölkerung wendet mit dem Slogan: Brot, Unterkunft und Kleidung für alle. Die Muslimliga Nawaz Sharifs steht sicher den religiösen Kräften etwas näher. Doch beide Parteien sind weit entfernt von den radikalen Islamisten, die vor allem im Parteienbündnis MMA ihre politische Heimat haben und ein spektakulär schlechtes Wahlergebnis erzielt haben.
</p>
<p>
<b>kollhl:</b> Warum haben die<br />
Islamisten nicht so stark abgeschnitten?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Kollhl, dafür gibt es zwei Hauptgründe:<br />
Zum einen haben manche der Parteien in der NWFP, der<br />
Nordwestgrenzprovinz und auch in Balutschistan die Wahlen<br />
boykottiert, zum anderen sind sie aber dort, wo sie angetreten sind,<br />
schlicht weniger gewählt worden als noch zuvor. Also, da gibt es<br />
sicher eine Bewegung des Abwendens in Teilen der Bevölkerung,<br />
wobei die Islamisten im Parlament nie eine machtvolle politische<br />
Kraft waren.
</p>
<p>
<b>Wahlverlauf </b>
</p>
<p>
<b>WernerLE:</b> Wie läuft so eine<br />
Wahl in Pakistan eigentlich ab, das Land ist doch riesig und hat<br />
Gegenden, die ziemlich abgelegen sind (und wo der Staat auch nicht so<br />
viel zu melden hat, oder?)
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Diese Wahl wurde über Monate vorbereitet und diese<br />
Vorbereitungen unterscheiden sich kaum von anderen Wahlen. Da werden<br />
Wahllokale ausgewiesen, Wählerverzeichnisse angelegt, Wahlzettel<br />
gedruckt usw.
</p>
<p>
<b>WernerLE:</b> Nachfrage zum<br />
Wahlablauf: Und was ist in den viel zitierten Stammesgebieten, wie<br />
läuft die Wahl da ab?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Dort hat es sicher die meisten Probleme gegeben,<br />
vereinzelt wurden Wahllokale von bewaffneten Gruppen angegriffen,<br />
Frauen wurden am Wählen gehindert. Gerade in den Stammesgebieten<br />
&#8211; da haben Sie vollkommen recht &#8211; hat die Staatsmacht nur wenig<br />
Einfluss.  Aber auch dort gab es in vielen Gebieten einen geregelten<br />
Verlauf der Wahl. </p>
<p><b>Gringo:</b> Hallo, Herr Meesmann!<br />
Wie stark unterscheidet sich die politische Stimmung auf dem Land und<br />
in den Städten in Pakistan?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Hallo Gringo, die Unterschiede bestehen nicht nur<br />
zwischen Stadt und Land sondern auch zwischen den einzelnen<br />
Landesteilen. Gerade in der Nordwestprovinz und in Balutschistan<br />
haben die religiösen Parteien vergleichsweise starken Rückhalt,<br />
in der Provinz Sindh mit der Haupstadt Karachi die Bhuttopartei, in<br />
Lahore (Punjab) die Muslimliga Nawaz Sharifs.</p>
<p><b>bert:</b><br />
Könnte Musharraf versuchen, sich seine Macht mit Hilfe des<br />
Militärs zu erhalten?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Dieser Gedanke wirkt beim Blick in die Geschichte<br />
Pakistans natürlich nahe liegend, doch diesmal spricht wenig<br />
dafür. Musharraf hat mit der Übergabe des Oberbefehls an<br />
Kayani die starke Machtbastion Militär aufgegeben und es gibt<br />
keinerlei Anzeichen, dass das Militär jetzt geneigt sein könnte<br />
einzugreifen.</p>
<p><b>Kramerle:</b> Welche Rolle spielt<br />
eigentlich der Bhutto-Sohn und wie politisch erfahren ist<br />
er?</p>
<p><b>harrystuttgart:</b> Guten Tag an alle. Herr Meesmann,<br />
welche Rolle wird der Sohn, der politische Erbe von Frau Bhutto, in<br />
der Zukunft Pakistans spielen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Die politische Erfahrung des 19jährigen<br />
Bhutto-Sohnes darf man getrost als übersichtlich bezeichnen,<br />
seine Ernennung zum Parteivorsitz hat keinerlei praktische<br />
Auswirkungen auf die Arbeit der PPP. Als starker Mann gerierte sich<br />
in den vergangenen Tagen sein Vater und Stellvertreter Asif Ali<br />
Zardari, der Witwer Benazir Bhuttos. Seine Ernennung darf eher als<br />
eine Symbol für den gleichsam dynastischen Anspruch der Bhuttos<br />
auf die Führung der PPP verstanden werden.
</p>
<p>
<b>Politische Stabilität Pakistans </b>
</p>
<p>
<b>MarNi:</b><br />
Herr Meesmann, wie würden Sie die ständig diskutierte<br />
politische Stabilität der Atommacht Pakistan nach der Wahl<br />
einschätzen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Wie viel Stabilität die Bildung einer neuen<br />
Regierung den Pakistanern auf Dauer bringen wird, ist am dritten Tag<br />
der Wahl kaum seriös einzuschätzen. Der vergleichsweise<br />
friedliche Verlauf der Wahl hat zwar große Hoffnungen geweckt,<br />
doch die sollte man mit gesunder Skepsis mischen. Aber das Risiko,<br />
dass die pakistanischen Atomwaffen in falsche Hände geraten<br />
könnten, ist zur Zeit als gering einzuschätzen. Es scheint<br />
einen breiten Konsens in den großen Parteien zu geben, dass<br />
dieses &#8211; im Übrigen schwer gesicherte &#8211; Arsenal keine Rolle in<br />
den tagespolitischen Auseinandersetzungen spielt.</p>
<p><b>matthias:</b><br />
Die USA spielen für Pakistan eine sehr wichtige Rolle &#8211; glauben<br />
Sie, dass Washington auch mit der Opposition zusammenarbeiten will?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Das Hauptinteresse der USA gilt sicher einer stabilen<br />
Regierung, die sich als verlässlicher Partner im &quot;Kampf<br />
gegen den Terrorismus&quot; präsentiert. Aus diesem Grunde hat<br />
Washington lange Präsident Musharraf gestützt, aus diesem<br />
Grund werden die USA sicher auch mit der bisherigen Opposition<br />
kooperieren. Heiß diskutiert wird in Islamabad zur Zeit die<br />
Frage, welche Rolle die USA für Musharraf sehen: Soll er<br />
abtreten, soll er weiter als ein machtloserer Präsident<br />
fungieren? Die Antworten darauf werden auch in den USA gegeben und<br />
sie werden hier mit Spannung erwartet.
</p>
<p>
<b>bert:</b><br />
Beeinflusst der Ausgang der Wahl das Verhältnis Pakistans zum<br />
Nachbarn Indien?</p>
<p><b>harrystuttgart:</b> Hat Indien Interesse<br />
an einem stabilen Pakistan, das sich dann aber mit der<br />
Kaschmir-Problematik befassen könnte oder an einem instabilen<br />
Pakistan, das durch die Innenpolitik außenpolitisch<br />
handlungsunfähig wird?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Bert, lieber Harry, es wird allgemein erwartet,<br />
dass im Verhältnis zum Nachbarn Indien der eher pragmatische<br />
Kurs der vergangenen Monate fortgesetzt wird. So wurden zum Beispiel<br />
bei einem bilateralen Treffen wenige Tage vor der Wahl ein deutlicher<br />
Ausbau der bisher eher spärlichen Direktflugverbindungen<br />
beschlossen. Da gibt es in manchen Sachfragen ein pragmatisches<br />
Miteinander. D.h. aber zum Beispiel auch, dass in den Zeiten des<br />
Notstandes im November und Dezember eher maßvolle Töne aus<br />
Delhi zu hören waren. Ein bisschen &quot;piksen&quot; wird Delhi<br />
auch weiterhin, doch zu instabil darf der Nachbar auch nicht werden,<br />
das könnte schließlich die ganze Region unruhiger werden<br />
lassen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Einschränkung der Medien  </b>
</p>
<p>
<b>matthias:</b> Bei der Ausrufung des<br />
Ausnahmezustands wurden viele Medien gestoppt, Journalisten<br />
festgenommen &#8211; wie steht es ein halbes Jahr danach um die<br />
Pressefreiheit und wie frei können sie aus Pakistan berichten?</p>
<p><b>Florian<br />
Meesmann</b>: Wir können hier zum Glück vollkommen<br />
ungehindert berichten, die pakistanischen Kollegen, gerade die der<br />
privaten Fernsehsender, stehen dort schon eher unter politischem<br />
Druck. Während der Notstandsregierung musste mancher Sender, um<br />
überhaupt weiter senden zu dürfen, Verhaltensregeln<br />
unterschreiben, die eine freie Berichterstattung stark einschränkten.<br />
So durfte zum Beispiel eine Zeit lang kaum offene Kritik am<br />
Präsidenten geübt werden. Dieser so genannte &quot;Code of<br />
Conduct&quot; ist in Teilen immer noch in Kraft und es werden auch<br />
immer noch prominente Journalisten wie etwa Hamid Mir, einer der<br />
Gründer von Geo TV, einem großen Privatsender, an der<br />
Ausübung ihres Berufes gehindert.
</p>
<p>
<b>Golfinho:</b> Was bedeutet der<br />
Wahlausgang in Pakistan für den Krieg gegen den<br />
Terror?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Positionierung im &quot;Kampf gegen den Terror&quot; </b>
</p>
<p>
<b>hiawatha:</b> Guten Tag Herr Meesmann, wie schätzen<br />
Sie die Chancen ein, dass eine neue Koalitionsregierung die<br />
Instabilität in den pakistanisch-afghanischen Grenzregionen in<br />
den Griff bekommt?</p>
<p><b>Florian Meesmann</b>:<br />
In der pakistanisch-afghanischen Grenzregion, vor allem in den<br />
halb-autonomen Stammesgebieten, hatte noch keine pakistanische<br />
Regierung den vollen Einfluss der Staatsmacht. Daran wird sich in<br />
absehbarer Zeit wohl auch nur wenig ändern.
</p>
<p>
Die<br />
Positionierung im Kampf gegen den Terror ist sicher eine der<br />
heikelsten Fragen für eine neue Regierung; zwar gilt es, gewisse<br />
Verpflichtungen gegenüber den USA zu erfüllen, andererseits<br />
weiß jeder, dass gerade die hohe Zahl der zivilen Opfer beim<br />
Vorgehen der Armee im Swat-Tal und anderswo einen wesentlichen Anteil<br />
an der Unbeliebtheit Musharrafs hatte &#8211; da steckt also auch die neue<br />
Regierung in der einer Zwickmühle.</p>
<p><b>hiawatha:</b><br />
Könnte die neue Regierung ein Amtsenthebungsverfahren für<br />
Herrn Musharraf durchsetzen und ihn auf Grund seines damaligen<br />
Putsches wegen Hochverrats anklagen?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Liebe Hiawatha, wenn sich die neue Regierung auf eine<br />
Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament stützen könnte, dann<br />
könnte sie rein theoretisch Verfassungsänderungen<br />
durchsetzen oder Musharraf mit einem Amtsenthebungsverfahren<br />
zumindest drohen. Es ist rechtlich allerdings umstritten, welche<br />
Rolle das Oberhaus des Parlamentes dabei spielen müsste. Eine<br />
wichtige Voraussetzung, um gegen Musharraf rechtlich vorzugehen, ist<br />
aber sicher die Wiederherstellung einer unabhängigen Justiz,<br />
denn noch ist der Oberste Gerichtshof des Landes eher mit<br />
Musharraf-nahen Richtern besetzt, die der Präsident nach der<br />
Amtsenthebung Iftikhar Chaudrys und seiner Kollegen im letzten<br />
Frühjahr berufen hat. </p>
<p><b>Karl Empke:</b> Wie<br />
sieht das zukünftige Verhältnis der pakistanischen<br />
Regierung zu der irakischen Regierung aus? Können Islamisten auf<br />
eine &quot;bequeme&quot; Zeit hoffen, wenn der amerikanische Einfluss<br />
im Irak nachgelassen hat?
</p>
<p>
<b>Florian<br />
Meesmann</b>: Lieber Karl Empke, das lässt sich zurzeit nur<br />
schwer beurteilen. Sicher gibt es Beziehungen zwischen militanten<br />
Islamisten in beiden Staaten und wohl auch Reisebewegungen. Ob dort<br />
aber ein direkter Zusammenhang zwischen dem politischen Druck im Irak<br />
und der Situation in Pakistan besteht, ist schwer zu belegen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>:<br />
Hier das Ergebnis unserer Chat-Umfrage. Wir hatten gefragt: Wird sich<br />
Ihrer Ansicht nach die Lage im krisengeschüttelten Pakistan nach<br />
der Parlamentswahl stabilisieren? 22% haben Ja gesagt, 78% Nein. Und<br />
damit sind wir am Ende unseres heutigen Chats. Ich möchte mich<br />
bei allen Teilnehmern für die rege Diskussion bedanken,<br />
besonders aber bei Herrn Meesmann in Islamabad. Ihnen allen wünschen<br />
wir noch einen angenehmen Tag!</p>
<p><b>Florian Meesmann</b>: Vielen<br />
Dank und herzliche Grüße nach Deutschland, Ihr Florian<br />
Meesmann.</p>
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