Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden,
lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace
zu erobern. Das Beispiel Mercy Wambuis zeigt, dass diese Eroberung schon weiter
fortgeschritten ist, als viele denken. Die Kenianerin arbeitet für die UNECA
(United Nations Economic Commission for Africa) und engagiert sich besonders für
die Integration afrikanischer Frauen in die Netzgesellschaft.

Afrika hat in den letzten Jahren trotz der eher ernüchternden politischen und
wirtschaftlichen Entwicklung Fortschritte auf dem Gebiet der Internet-Anbindung
gemacht. Waren 1996 erst 11 Länder an das Netz angeschlossen, so haben heute
alle Staaten eine permanente Verbindung. Auch die Zahl der ständig angeschlossenen
Computer ist steil angestiegen, von 1999 bis 2000 allein um 20-25%.

Dass das digitale Nord-Süd-Gefälle trotzdem noch lange nicht überwunden ist,
zeigt ein relativierender Blick auf diese Zahlen: Während in Europa ca. 41%
der Bevölkerung online gehen, sind es in
Afrika nur etwa 0,5%
. Die Zahl der permanent verbundenen Computer entspricht
trotz der starken Zunahme immer noch etwa dem Niveau eines kleinen Landes wie
Lettland. Zudem hat sich das Wachstum der Internetzugänge vor allem auf die
Hauptstädte konzentriert, weite Landesteile sind in der Regel von der Entwicklung
ausgeschlossen.

Zum Teil lassen sich die Diskrepanzen zwischen der Nord- und Südhalbkugel auf
die großen Kostenunterschiede zurückführen: Für 1 Stunde im Internet müssen
Afrikaner im Durchschnitt umgerechnet etwa
7,50 DM
bezahlen. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Surfer nur noch selten
mehr als 2 DM für die Stunde. Angesichts der verbreiteten Armut in Afrika wundert
es nur wenig, dass diese Summe für die meisten eine unüberwindliche Hürde darstellt.

Andere gravierende Probleme bereiten die vielen verschiedenen Sprachen, der
verbreitete Analphabetismus und der Mangel an technischem Know-How. Mercy Wambui
sieht die Möglichkeit, wenigstens einige dieser Probleme zu lösen und fordert
die Entwicklung nationaler Informations- und Kommunikationsstrukturen. Sie setzt
sich dafür ein, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gerechte
und sinnvolle Nutzung der entsprechenden Technologien ermöglichen.

Afrika wird bei der Implementierung dieser Technologien die Eigenheiten afrikanischer
Kulturen berücksichtigen müssen. In der Vergangenheit wurde oft vorausgesetzt,
dass sich westliche Werte und Interessen einfach übertragen lassen. Praktisch
bedeutete dies auch, dass die Inhalte der Angebote kaum Bezug zum Alltag in
afrikanischen Ländern hatten. Manche Kritiker der westlichen Dominanz befürchten
zudem den Verlust kultureller Identitäten und die Entstehung einer kommerzialisierten
Allerweltskultur.

 

Gleichberechtigung im Internet

Ein anderes Problem des afrikanischen Internetaufbruchs bewegt Mercy Wambui
besonders: In Afrika sind Frauen bisher im Zugang zu den neuen Technologien
stark unterrepräsentiert und profitieren kaum von der Entwicklung. Zu geringe
finanzielle Mittel und eine ungenügende Ausbildung gehören auch hier zu den
Hauptursachen für die Benachteiligung. Dazu kommen die immer noch weit verbreiteten
Vorurteile einer von Männern dominierten Gesellschaft, die Frauen ein technisches
Verständnis generell abspricht.

Dieser Zustand soll sich ändern. Neben der UNECA gehört vor allem die APC
(Association of Progressive Communication) zu den Organisationen, die sich hier
besonders engagieren. Ihr Womens-Networking-Support-Program
für die Region Afrika
versucht, die Netz-Gleichheit der Geschlechter auf
dem Kontinent durch Forschung, Informationen und Bildungsangebote zu fördern.

Das APC-Programm steht in engem Kontakt zu WomenAction,
einer anderen wichtigen Organisation zur Förderung der Frauenrechte. WomenAction
möchte nicht nur den Internet-Zugang weiblicher Nutzer fördern, das Netzwerk
aus vielen internationalen NGOs hat es sich auch zum Ziel gesetzt, das klischeebeladene
Frauenbild im Netz zu überwinden.

Berufen können sich diese Initiativen auf die Peking+5
Konferenz
, die als ein Meilenstein für Frauen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung
und besseren Zugangsmöglichkeiten zu neuen Technologien gilt. Das von der UNO
initiierte NGO-Treffen fand im Juni 2000 in New York statt und zog eine Bilanz
des Erreichten seit dem ersten Treffen in Peking
1995
. Dort war eine Grundsatzerklärung

Dank solcher Initiativen und Organisationen wie der UNECA, WomanAction oder
der APC beginnen die Regierungen auf dem Kontinent langsam zu verstehen, dass
die technologische mit der gesellschaftlichen Entwicklung einher gehen muss.
Mercy Wambui ist in dieser Hinsicht gleich in mehrerer Hinsicht Vorbild für
andere.