Mit Begriffen wie „IT-Weltmacht“ und „zweite Chance“ für Deutschland will Erwin Staudt (IBM), Herausgeber des Buches „Deutschland online“ provozieren. Bei der Lokalisierung der Chancen der IT-Revolution helfen ihm prominente Autoren wie Lothar Späth, Hubert Burda oder Ministerin Brigitte Zypries.
Erwin Staudt - Deutschland onlineEine Provokation solle der Titel des Einführungsessays zu „Deutschland online“ darstellen: IT-Weltmacht Deutschland! Fernab von nationalem Größenwahn würde damit die Richtung vorgezeichnet werden, die laut Erwin Staudt, Herausgeber von „Deutschland online Standortwettbewerb im Informationszeitalter“ und seines Zeichens Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland sowie Initiator der Initiative D21, derzeit einzuschlagen sei. In der zweiten Phase der informationstechnischen Revolution, in der die neuen Technologien alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche durchdringen würden, müsse Deutschland acht geben, nicht ins informationstechnische Hintertreffen zu geraten. Mut sei gefordert, kein halbherziges oder ängstliches zu Werke gehen. Der im Springerverlag erschienene Sammelband „Deutschland online – Standortwettbewerb im Informationszeitalter“ zeigt auf, wo Handlungs- bzw. Nachholbedarf besteht.
Die deutsche “E-Szene” schreibt mit
So breit, wie die Informationstechnik gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge durchdringt, so breitgefächert ist auch das Themenspektrum des Bandes. In acht unterschiedlichen Themenblöcken umreißt er das Problemfeld der informationstechnischen Revolution. Die Themenfelder selbst sind bekannt und reichen von rechtlichen Rahmenbedingungen und Wettbewerbspolitik bis hin zu Bildung und E-Government. Die Autorenliste liesst sich wie ein Who-is-Who der deutschen „E-Szene“. Erwin Staudt fungiert als Herausgeber, Prof. Dieter Otten, Leiter der Forschungsgruppe Internetwahlen, stellt technische Möglichkeiten für Online-Wahlen vor, für Prof. Hubert Burda, Vorstandsvorsitzender und alleiniger Gesellschafter der Burda Media Holding, ist der Kunde König und Nicola Söhlke, Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Digitale Chancen“, fordert eine möglichst breite Implementierung der neuen Medien in der Gesellschaft, um der digitalen Spaltung digitale Chancen entgegenzuhalten. Gleichzeitig integriert das Buch jedoch Beiträge von Autoren und zu Themenfeldern, die bislang weniger stark mit der Thematik der digitalen Revolution assoziiert waren. So zeichnet Lothar Späth veränderte Rahmenbedingungen der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik im Informationszeitalter auf und Roland Sing, Vorstandvorsitzender der AOK Brandenburg, setzt sich in seinem Beitrag mit der Frage auseinander, wie das Gesundheitswesen durch das Internet profitieren kann.
Digitale Revolution für Jedermann
Das Buch bietet damit einen umfassenden Überblick über das Themenfeld der digitalen Revolution und ist eine gelungene Einführung in unterschiedlichste Teilsaspekte der Thematik. Experten der jeweiligen Problemfelder werden auf bekannte Inhalte stoßen, doch sind sie auch nicht direkter Adressat des Sammelbandes. Dieser richtet sich eher an eine breitere Öffentlichkeit und an interessierte gesellschaftliche Akteure als an ein reines Fachpublikum. Die Auswahl der Beiträge dient der Sensibilisierung für das Thema, denn sie ergibt eine umfangreiche Zusammenschau über brisante soziale und wirtschaftliche Themengebiete der digitalen Revolution. Außerdem zeigt sie, wie sich der Alltag jedes einzelnen, von der Art, wie Informationen beschafft werden, bis hin zu Konsum, zur Freizeitgestaltung und zur Teilhabe am politischen Prozess, durch die Veränderungen des Informationszeitalters neu strukturiert.
Die Themenvielfalt der Beiträge spiegelt auch die Vielfalt der unterschiedlichen Akteure und Initiativen wieder, die in Deutschland versuchen, gestaltend in den Prozess der Digitalisierung von Lebensbedingungen einzugreifen. Damit ist das Buch auch ein manifest gemachtes Zwischenergebnis unterschiedlichster Akteure, die sich mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Informationszeitalters befassen. Durch den Sammelband zieht sich quasi als roter Faden deren gemeinsame Forderung nach Veränderungsbereitschaft, Wachsamkeit und Eile, um Deutschland eine Spitzenstellung im nachrevolutionären Informationszeitalter zu garantieren. Ob Deutschland im IT-Bereich den Sprung nach vorne schafft, seine „zweite Chance“, wie Erwin Staudt es bezeichnet, zu nutzen weiß, wird davon abhängen, ob sich eine Bereitschaft zur Veränderung auch großflächig durchsetzen kann. Wer die aktuellen Prozesse in der breiten Analyse verstehen möchte, greife zum Buch. Wer den Prozess vorantreiben und mitgestalten will, sollte es lesen und sich dann schnell an die Arbeit machen! Nachholfbedarf gäbe es genug.

Buch-Info:
Erwin Staudt: Deutschland online – Standortwettbewerb im Informationszeitalter, Springer Verlag, Berlin 2002.